American Beauty (1999)

Zum Abschluss des langen Filmsonntags, hat sich gestern noch ein DVD-Abend mit Sam Mendes „American Beauty“ ergeben. Mit der ersten Sichtung des Films verbinde ich einige ganz besondere Momente und auch die noch folgenden haben den Film zu etwas Besonderem gemacht. Auch gestern habe ich wieder festgestellt, dass kaum ein Film komischer, ernsthafter, optimistischer, deprimierender, fröhlicher und trauriger zugleich daher kommt. Kurzum: Ein Meisterwerk.

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Die Geschichte von Lester Burnham – genial verkörpert von Kevin Spacey – mag wie eine Satire auf den uramerikanischen way of life erscheinen. Die typischen Vorstädte, verbohrter Patriotismus und konservatives Gedankengut. Doch „American Beauty“ ist viel mehr. Wer kann sich nicht mit Lester identifizieren? Wer hat nicht bereits einen Lebensweg eingeschlagen, der irgendwie endgültig erscheint? Der Film treibt diese Ängste auf die Spitze und wirkt doch jederzeit real und nachvollziehbar, was zu großen Teilen den wirklich fantastischen Schauspielleistungen aller Beteiligten zuzuschreiben ist.

Die gewählte Erzählform ist interessant und außergewöhnlich. Durch die Vorwegnahme des Endes wird keineswegs Spannung herausgenommen. Sie wird eher gefördert. Ein stetiges, beunruhigendes Erwarten liegt den gesamten Film über in der Luft. Dazwischen gibt es unzählige wirklich komische Szenen, die teilweise so beängstigend treffend und zielsicher sind, dass einem das Lachen manchmal im Hals stecken bleibt. Das große Finale ist ein Meisterstück der Montage: Zugleich traurig und hoffnungsvoll. Selbst nach der – ich weiß nicht wievielten – gestrigen Sichtung, war ich noch lange in der Gedankenwelt des Films gefangen. Das schaffen nicht viele Filme.

Die Inszenierung ist perfekt. Kamera, Score, Montage. Da gibt es wirklich nichts auszusetzen. Ein für ein Kinodebut in jeder Hinsicht beeindruckender Film. Und nicht nur dafür. Der Film macht nachdenklich. Ob man nicht auch selbst etwas mehr leben sollte. Ob man zufrieden ist. Nach der Sichtung gestern war ich es: 10/10 Punkte.

16 Gedanken zu “American Beauty (1999)

  1. Ich kann mich noch gut erinnern als ich „American Beauty“ vor Jahren zum ersten Mal sah. Es war, als ob dieser Film in einer Sekunde alles erklären könnte. Mit solch einer tragischen Poesie, dem sprühenden Sarkasmus, der erschreckenden und doch so realen Wahrheiten. Wenn ein Film meine Liebe zum Kino, zum Zelluloid nachhaltig bestimmt hat, dieser wäre es gewesen.

    Bei deinen Zeilen muss ich glatt wieder den Soundtrack rauskramen und genüsslich träumend in Thomas Newmans Kompositionen dahinschwelgen. Und irgendwann danach sollte ich ihn wieder sehen und auch versuchen die Schönheit dieses cineastischen Meisterwerks zu Papier zu bringen.

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  2. Der Film ist wirklich etwas Besonderes. Leider bin ich noch nicht dazu gekommen mir einen der anderen Sam Mendes Filme („Road to Perdition“, „Jarhead“) anzusehen. Allerdings befürchte ich auch, dass – schon alleine thematisch – keiner der Folgefilme an sein Kinodebut heranreichen wird.

    Der Score ist mir gestern auch wieder als besonders gelungen aufgefallen. Genauso treffsicher, wie die Pointen und zugleich wunderschön.

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  3. „Road to Perdition“ kann noch einigermaßen (Schnitt 8-9 Punkte) durch Qualität überzeugen, „Jarhead“ dagegen erschien wie das hundertste Kriegsdrama, zudem so belanglos langweilig, er wäre im Test an gefühlt fünfzigster Stelle gestanden. Lieber „Full Metal Jacket“, „Platoon“, „Apocalypse Now“, sogar „Tigerland“ oder „Black Hawk Down“ sind für diese Thematik imposanter.

    Mendes Neuster mit Ehefrau Winslet tritt aber augenscheinlich in die Fußstapfen von „American Beauty“. Vorschau gibt’s bei mir.

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  4. „Revolutionary Road“ hört sich interessant an. Zudem sehe ich Kate Winslet sehr gerne. Augenscheinlich bietet der Film Grund zur Vorfreude.

    Das mit „Jarhead“ hatte ich beinahe befürchtet. Von den (Anti)Kriegsfilmklassikern fehlt mir immer noch „Platoon“, dessen Sichtung sich irgendwie nie ergeben wollte.

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  5. Kevin Spacey – einer der wenigen, die ich (in meiner subjektiven Meinung natürlich) absolut auf die höchste Stufe der Schauspielkunst stelle. Den Film liebe ich, obwohl er eigentlich mehr traurig ist, und kann Ratilius nur zustimmen. Grosses Kino und noch grösserer actor.

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