11.22.63 – Der Anschlag (2016)

Normalerweise bevorzuge ich Serien, mit denen ich mich länger beschäftigen kann. Dies liegt vor allem daran, dass ich ungern Unterbrechungen bis zur Fortführung der Geschichte habe und somit selten (Ausnahmen bestätigen die Regel) nur einzelne Staffeln anschaue. Mit der Mini-Serie „11.22.63 – Der Anschlag“ liegt der Fall allerdings ein wenig anders, stand hier doch bereits schon von Anfang an fest, dass es nur diese eine Staffel geben wird. Mich hat speziell die Art der Adaption gereizt, bietet dieses Format doch weit mehr Raum für den Inhalt einer Vorlage als nur ein Film…

Vom Roman zur Serie

Ich kenne Stephen Kings Roman bisher noch nicht, hatte ihn aber im Zuge des Serien-Kaufs meiner Frau ans Herz gelegt, die sogleich das Hörbuch verschlungen hat und davon äußerst begeistert war. Dieser unterschiedliche Wissensstand war spannend und hat während der Sichtung für so manche angeregte Diskussion gesorgt, denn anscheinend weicht die Serie in einigen relevanten Details von der Vorlage ab. Dies hat dafür gesorgt, dass ich nun auch am liebsten das Buch lesen würde, schon alleine um entsprechend fundiert mitreden zu können. Doch auch die Serie an sich fühlt sich sehr wie ein Buch an und ich habe es sehr genossen, diese packende Geschichte über knapp acht Stunden erleben zu können. Ich frage mich was daraus geworden wäre, hätte man sich für einen abendfüllenden Spielfilm als Format entschieden. Vermutlich einfach ein ganz anderes Erlebnis.

Zeitreise-Drama oder Historien-Thriller?

Wenn man „11.22.63 – Der Anschlag“ in eine Genre packen sollte, dann ist das gar nicht so einfach. Von der Prämisse her gesehen, würde man wohl zuerst an Sci-Fi denken. Diese Genre-Elemente sind allerdings so gut wie überhaupt nicht vorhanden, dafür hat das historische Setting starken Einfluss auf die Geschichte. Man wähnt sich somit eher in einem Historien-Thriller mit übernatürlichen Elementen als in einem Sci-Fi-Drama. Wie man es von Stephen King erwarten würde, macht die Serie auch vor Horror-Elementen nicht halt. Diese waren mir teils zu dominant, wurden von den acht Episoden schon ganze zwei auf eher horrorlastige Subplots verwendet, von denen zumindest einer die Handlung nicht wirklich nach vorne gebracht hat. Ich hätte mir dafür tatsächlich mehr Einblick in die Ermittlungen gewünscht.

Die Serie ist sehr hochwertig produziert und nach „The Path“ nun bereits die zweite Hulu-Eigenproduktion, die es in mein Programm geschafft hat. Wie bereits „House of Cards“ setzt auch „11.22.63“ das seltene Bildformat 2,00:1 ein, was für ein kinohaftes Erlebnis sorgt. James Franco („127 Hours“) trägt die Geschichte mit jungenhaftem Charme, kann jedoch auch in dramatischen Situationen überzeugen. Auch der Support-Cast bietet mit u.a. Chris Cooper („American Beauty“) bekannte Gesichter. Formal ein wirklich äußerst gelungenes Erlebnis.

Fazit

Auch wenn die Serie nicht bis ins letzte Detail perfekt ist und teils die falschen Schwerpunkte gesetzt werden, so hat sie mich über ihre acht Episoden doch wunderbar unterhalten. Wenn ich Zeit für Binge-Watching hätte, dann wäre „11.22.63“ wohl der perfekte Kandidat gewesen, um die komplette Serie an einem Wochenende durchzuschauen. Doch auch in Häppchen serviert hat mich die Geschichte für sich eingenommen und speziell die letzte Episode zu Tränen gerührt. Da greift dann auch wieder der Zeitreise-Aspekt, den ich zuvor ein wenig vermisst hatte. Auch meine Frau war trotz der Änderungen zur Vorlage sehr angetan, weshalb ich die Serie nun sowohl Kennern des Romans als auch Neulingen empfehlen kann: 9/10 (8.6) Punkte.

22 Gedanken zu “11.22.63 – Der Anschlag (2016)

  1. Ich fand die Horror-Abschnitte spannend inszeniert und packend; du hast sicher recht, dass sie nicht so ganz in den stark historisch geprägten Rahmen der Serie passten. Hat bei mir aber für eine noch stärkere Bindung zu den Figuren (vor allem eben Sadie) gesorgt.
    Die Buchvorlage kenne ich auch nicht, habe aber von mehreren Leuten gehört, dass sie von der Umsetzung eher enttäuscht waren. Und wie ich in meinem Seriencheck schon schrieb: „…freut es mich, (James) Franco mal wieder in einer ernsteren Rolle zu sehen als in seinen letzten Kifferkomödien im Dunstkreis von Seth Rogen“.

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    • Spannend inszeniert und packend fand ich die Horror-Abschnitte auch, allerdings haben sie für mich tatsächlich zu viel Fokus von den eigentlichen Ermittlungen gewonnen. Diese kamen für mich tatsächlich ein wenig kurz. Im Vergleich zum Buch fehlt wohl einiges bzw. wurde viel verändert (die Figur von Bill gibt es z.B. im Buch nicht). Die Adaption als Serie gibt dem Stoff bestimmt etwas mehr Luft zum Atmen als ein Film, jedoch sind 8 Stunden im Vergleich zu über 30 immer noch knapp. Ich für meinen Teil war jedoch zufrieden… 🙂

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  3. Ich mochte die Serie auch sehr. Ich mochte auch das Buch sehr… und hatte da ein bisschen Angst, dass sie es versauen könnten (so wie bei „Under the Dome“). Aber am Ende war ich begeistert von der Verfilmung… Franco war toll, Sarah Gadon fand ich auch unheimlich bezaubernd… und am Ende habe ich auch ein Tränchen verdrückt 😉

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      • Das hatte ich in meiner Review ja auch schon erwähnt… ich fand die ERgänzung von Bill tatsächlich ziemlich gut. Im Buch ist Jake ja die meiste Zeit allein… und das ist im Buch manchmal auch etwas anstrengend, weil nicht viel passiert. Bill ist da wirklich eine gelungene Ergänzung, die auch Sinn macht. Ansonsten hätte die Serie da echt Schwierigkeiten gehabt – oder das über innere Dialoge gelöst. Das wäre nicht so geil gewesen. Von daher mag ich ihn sehr.

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      • Ah, schön zu lesen. Ich muss noch einmal in deine Besprechung reinschauen, jetzt da ich die Serie kenne. Das mit Bill war auch meine Vermutung, denn sonst hätte man wirklich ein Voice-over basteln müssen und der gesamte Handlungsstrang mit der Überwachung wäre deutlich weniger dynamisch gewesen. Hat für mich auch gut funktioniert, allerdings kenne ich ja das Buch nicht.

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      • Ist wirklich ne schöne Umsetzung. King hat im Buch auch das Finale ein bisschen heftiger (mehr nach Wells‘ „Zeitmaschine“) gestaltet. Auch das fand ich eine gute „Umgestaltung“.

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  4. Mensch, das ist ja mal ganz spannend. Obwohl ich die Buchvorlage kenne, habe ich sehr ähnliche Kritik wie du an der Serie geübt. Dass beispielsweise James Franco mich auch nicht gänzlich überzeugt hat. Ich finde er wirkt etwas zu anteilnahmslos und arrangiert sich etwas zu schnell mit der Situation. Außerdem fand ich es nicht so passend, dass es ab und zu diese brutalen Visionen gibt. Das Buch legt den Fokus deutlich mehr darauf, dass das Schicksal auf perfide, aber realistische Weise zuschlägt um ihn von seiner Mission abzulenken. Deswegen war das Serienerlebnis für mich nicht ganz so klasse, aber prinzipiell zeigen sie schon wie man es machen kann. Ob aber das radikale Kürzen die richtigen Stellen gekappt hat … hmmm irgendwie nicht. Aber das Ende hat mich dann doch gerührt.

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    • Ja, die brutalen Visionen empfand ich auch als störend und meine Frau hat mir auch bestätigt, dass dies im Buch deutlich subtiler gelöst wurde. Kürzungen sind eben immer schwierig, jedoch wäre es bei einem Film noch extremer gewesen. Insofern kann man wohl ganz froh sein, immerhin acht Stunden bekommen zu haben… 🙂

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