Dexter – Season 8

Mit dem Finale von „Dexter – Season 8“ verlässt mich eine Serie, um die ich anfangs einen weiten Bogen gemacht hatte. Doch zum Glück kannte ich bereits damals das wunderbare Blog Inishmores Blick auf die Welt, dessen Autor unablässig die Werbetrommel für die Serie rührte – und ich wurde zum Fan. Über die letzten Jahre hatte die Qualität jedoch abgenommen und besonders das Finale wurde stark kritisiert. Wie ich dazu stehe, lest ihr in der folgenden Besprechung… Spoiler sind zu erwarten.

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Der Einstieg ist mir in dieser Staffel tatsächlich nicht leicht gefallen, fand ich doch den Handlungsstrang rund um Dr. Evelyn Vogel ein wenig zu gewollt. Solch eine intensive Beziehung nach all den Jahren? Außerdem hatte ich den Eindruck, dass plötzlich jeder zweite Charakter von Dexters Doppelleben wusste, was die Spannung und Plausibilität in meinen Augen auf ein Minimum reduzierte. Auch wenn mich Debras Zusammenbruch nicht sonderlich begeistert hat, so machte er im Kontext der Handlung doch Sinn. Die Umsetzung dagegen hätte man durchaus stimmiger gestalten können – vor allem Dr. Vogels, ähm, interessante Ansätze für eine Familientherapie. Hatte ich schon erwähnt, dass Plausibilität nicht die Stärke dieser finalen Staffel ist?

Sehr gelungen fand ich dagegen den Handlungsstrang rund um Zack. Meiner Meinung nach hätten sich die Autoren in der finalen Staffel unter anderem auf diese Geschichte konzentrieren sollen. Mit Zack als Dexters Schüler gab es ein paar wirklich witzige und erfrischende Szenen, doch leider war nach ein paar Episoden schon wieder Schluss damit: Zack wurde dem Erzählstrang rund um Dr. Vogel geopfert. Schockierend und gewissermaßen überraschend – auch wenn mir schon zuvor klar war, dass der Brain Surgeon noch irgendwo da draußen sein musste. Die Verwendung von MAKE YOUR OWN KIND OF MUSIC als Erkennungsmelodie des Serienkillers zeugt zudem von akuter Ideenarmut, wurde der Song doch bereits prominent in „Lost“ eingesetzt – er hatte seinen Platz im kollektiven popkulturellen Gedächtnis somit schon sicher.

Bis zur letzten Episode war die 8. Staffel von „Dexter“ brauchbare bis gute Unterhaltung, die zwar qualitativ nicht mehr mit den ersten Jahren der Serie mithalten konnte, aber durchaus Spaß gemacht hat. Mit dem unerwarteten und – keine Überraschung an dieser Stelle – nicht sonderlich plausiblen Auftritt von Hannah McKay (Yvonne Strahovski) knüpfte die Serie direkt an das Vorjahr an, konnte jedoch nicht mit deren rundum positiven Eindruck mithalten. Somit reiht sich diese letzte Staffel noch deutlich hinter der 6. Staffel ein:

  1. „Dexter – Season 1“ (10 Punkte)
  2. „Dexter – Season 4“ (9 Punkte)
  3. „Dexter – Season 3“ (9 Punkte)
  4. „Dexter – Season 2“ (9 Punkte)
  5. „Dexter – Season 5“ (8.7 Punkte)
  6. „Dexter – Season 7“ (8.2 Punkte)
  7. „Dexter – Season 6“ (7.4 Punkte)
  8. „Dexter – Season 8“ (6.9 Punkte)

Nach dem endgültigen Finale, für das es von mir ganze 3/10 Punkte gab, scheint mir die Wertung der gesamten Staffel noch deutlich zu hoch, denn die Autoren haben in der letzten Episode so ziemlich alles falsch gemacht, was man auch nur hätte falsch machen können. Wirklich unglaublich. Meiner Meinung nach gibt es nur zwei Möglichkeiten, wie man die Serie zu einem zufriedenstellenden Ende hätte führen können:

  1. Das völlig übertriebene Happy End: Inhaltlich wäre dies wohl die schwächere Variante gewesen, die jedoch wunderbar emotional befriedigen bzw. verstören hätte können. Man stelle sich vor: Dexter sitzt mit Hannah, Harrison und Debra am Strand, Palmen wiegen im Wind, der Cocktail in der Hand strahlt in den buntesten Farben. Es ist die perfekte Idylle. Dazu noch ein spritziger Voice-over, der uns Zuschauer schlecht fühlen lässt, weil wir dem Serienmörder Dexter am Ende komplett verfallen sind – und der nächste Mord sich schon andeutet…
  2. Die Dekonstruktion des Dexter Morgan: Ich hätte schwören können, dass die Autoren diesen Weg einschlagen würden. Über den Verlauf der Staffel wäre die Schlinge rund um Dexter immer enger geworden – und am Ende hätten es alle gewusst: Batista, Masuka, Quinn, Matthews, Jamie, Harrison und seine Stiefkinder. Ich sehe die Zeitlupenfahrt über die entsetzten Gesichter quasi vor mir. Ganz am Ende dann natürlich Dexters Tod, sei es durch eine angedeutete Hinrichtung oder durch einen ehemaligen Vertrauten. Inhaltlich und emotional wäre diese Variante für mich wohl am bedriedigendsten gewesen…

Was haben wir dagegen bekommen? Ein völlig konfuses Finale mit etlichen hanebüchenen Handlungssträngen. Der Tod von Debra ist nicht nur völlig sinnlos, sondern auch emotional überhaupt nicht involvierend – immerhin war sie ein Charakter, den wir über acht Jahre lang begleitet hatten. Völlig vergeigt. Dann Harrison mit Hannah: wirklich? Was für ein Leben mit einer gesuchten Serienmörderin! Doch ganz besonders Dexter benimmt sich so, als hätte es die Staffeln davor nie gegeben. Der völlig nichtssagende Epilog lässt die vorangegangenen Minuten dann in völliger Bedeutungslosigkeit verpuffen. Weder emotional, noch schockierend – einfach nur doof.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass man mit dieser letzten Staffel von „Dexter“ durchaus seinen Spaß haben kann. Logik und glaubwürdige Charakterentwicklung wurden zwar weitestgehend über Bord geworfen, doch ist die Serie weiterhin spannend, wendungsreich und nett gespielt. Gegen Ende der Staffel baut die Geschichte jedoch immer mehr ab und besonders das Finale ist einfach nur ärgerlich. Ich mag Fans der Serie dennoch nicht davon abraten reinzuschauen – die Erwartungen für den endgültigen Abschluss solltet ihr jedoch stark drosseln: 7/10 (6.9) Punkte.

29 Gedanken zu “Dexter – Season 8

  1. Das Ende war einfach totale Grütze und irgendwie hatte ich auch die ganze Staffel über das Gefühl, dass die Schreiber selbst nicht genau wissen, was sie da eigentlich treiben. Die ganze Story um Masuka und seine Tochter führte zu gar nix, der Mord an LaGuerta aus dem vorherigen Staffelfinale schien überhaupt keine Rolle zu spielen und der Handlungsstrang um Dexters Schüler sollte wohl nur ein Red Herring sein, damit die Leute glauben: Ah, Dexter stirbt am Ende, und Zack führt sein Werk weiter.
    Habe selten ein so verhunztes Ende erlebt. Fällt mir eigentlich nur 24 ein, aber das geht ja dann jetzt doch weiter.

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    • Ja, da kann ich nur zustimmen. Zwar fand ich es nett eine Schauspielerin aus „Friday Night Lights“ als Masukas Tochter zu sehen, doch hat sie zur Handlung tatsächlich nichts beigetragen. Verschenkt. Ebenso die anderen Handlungsstränge. Man hätte auf LaGueartas Tod aufbauen müssen und die Schlinge um Dexter immer enger ziehen. Naja, sollte nicht sein. Über weite Strecken fand ich die Staffel dennoch gelungen, nur das Ende hat überhaupt nicht gepasst. „24“ habe ich noch gar nicht gesehen, ähnlich enttäuscht hatte mich auch „Lost“, wobei das Finale dort wenigstens emotional befriedigend war.

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      • Mit dem Lost-Finale habe ich mich irgendwie abgefunden. Mir wäre zwar auch ein anderes lieber gewesen, aber das war noch okay.

        24 hat leider ein offenes Ende, weil man ja noch nen Film machen wollte, der dann nie kam. Jetzt geht es ja dann mit der Serie weiter, aber damals fand ich das richtig kacke. Wenn eine Serie nicht vorzeitig abgesetzt wird, dann sollten die Schreiber auch zusehen, dass da ein richtiges Ende kommt und nicht ein weiterer Cliffhanger.

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      • Das „Lost“-Finale hatte mich inhaltlich unglaublich frustriert. Noch mehr als bei „Dexter“ – dafür hat es emotional wunderbar funktioniert und mich somit mit einem lachenden und einem weinenden Auge von den Charakteren Abschied nehmen lassen.

        „24“ werde ich bestimmt auch noch einmal irgendwann nachholen. Offene Enden sind wirklich doof, besonders wenn es sich – wie damals gedacht – eindeutig um die letzte Staffel einer Serie handelt. Kinofilm hin oder her.

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  2. Deiner Meinung vom Ende kann ich voll und ganz zustimmen – ich fand es auch totale Grütze und vor allem unheimlich unbefriedigend. Das Finale war definitiv noch schlechter als das von „How I Met Your Mother“; letzteres hat mich bis auf die letzten 5 Minuten immerhin begeistern können.

    Ich hätte auch am ehesten gedacht, dass Dexters Doppelleben aufgedeckt wird und er mindestens für den Rest seines Lebens im Knast landet. Aber damit haben sie wirklich den schlechtesten Ausgang gewählt.

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    • Ohje, das macht meine Hoffnunge für das „How I Met Your Mother“-Finale zunichte, obwohl ich mich bei diesem ja bereits gespoilert hatte. Klingt aber auch nicht wirklich gut.

      Ich finde auch, dass man den schlechtesten Ausgang gewählt hat. Da hast du völlig Recht! Total unentschieden: Man wollte kein Happy End riskieren, aber auch nicht die letzte Konsequenz ziehen. Dafür solch ein halbgarer Quark. Wirklich schade um die tolle Serie – und ich hatte bis zur letzten Episode noch wirklich Hoffnung!

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      • Also, wie gesagt, ich hab das Ende von „How I Met Your Mother“ unheimlich toll gefunden – aber diese letzten fünf Minuten haben für mich alles kaputt gemacht. Allerdings muss man es den Herren auch hoch anrechen, weil da immerhin eine Logik drin steckt. Weißt du denn schon, wie es ausgeht?

        Ja, ich meine, ich hätte letztens irgendwo gelesen, dass sie Dexter eventuell noch einmal aufleben lassen wollen. Das könnte ich denen allerdings niemals verzeihen, denn damit machen sie alles nur noch schlimmer. Deine Happy-End-Variante finde ich übrigens gut, das schließt dann irgendwie ein bisschen den Kreis zum Anfang 🙂

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      • Ja, ich weiß wie es ausgeht. Hatte mich leider gespoilert. Gesehen habe ich es allerdings noch nicht. Inhaltlich sehe ich das zwiespältig, da solch dramatische Elemente bei Sitcoms oft befremdlich wirken (war schon bei „Alf“ oder „Roseanne“ so). Aber wie es emotional wirkt, muss ich erst noch schauen.

        „Dexter“ noch einmal aufleben lassen? Darauf könnte ich auch verzichten. Mit dem Finale haben sie sich einfach zu viel verbaut. Nee, wirklich schade…

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  3. Ich sehe zwar im Moment nur Bälle statt Serien, bedanke mich trotzdem artig für die Verlinkung und gratuliere zum Durchstehen der letzten Dexter-Staffel. Ein verdienter letzter Platz im Season-Ranking! Wobei ich auch die Idee mit dem Killer-Azubi schrecklich fand. Wenn die Autoren nur ansatzweise einen Plan gehabt hätten, hätten sie dich eingeladen und deine zweite Variante für das Ende von Dexter wäre verfilmt worden. Auf die Szene mit der Zeitlupenfahrt hatte ich nämlich auch gewartet.

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    • Ich hätte mir natürlich am liebsten auch die Jagd auf „Dexter“ über die gesamte Staffel gewünscht, doch von den präsentierten Handlungssträngen, war mir der um Killer-Azubi Zach noch der liebste. Wirklich schade, dass die Autoren so mit ihren Charakteren umgegangen sind, da muss es doch einige Umstrukturierungen im Writer’s Room seit den ersten vier Staffeln gegeben haben. Doof das. Viel Spaß noch mit den Bällen… 😉

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  4. Oh ja, das Finale war kaum zu unterbieten…

    Hier eine grobe Ausführung, wie man eine deutlich stimmigere letzte Staffe hinbekommen hättel:

    Und zu Himym (erstmal spoilerfrei): Ich fands die letzte Staffel nicht schlecht. Und auch das Finale deutlich besser als das von Lost oder Dexter. Nicht wirklich, was ich mir vorgestellt habe, aber rückblickend…

    (achtung, jetzt beginnt ein vager Spoiler, aber du kennst das Ende ja wohl eh schon)

    ..macht es dann zumindest Sinn, warum diese Robin -Ted -Sache einfach nie aufhören wollte. Das fand ich nämlich immer sehr nervig, da ja jeder wusste, dass das nicht zielführend ist. War es dann aber doch irgendwie…

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    • Der Link ist irgendwie verloren Gedanken. Allerdings habe ich auch schon eine ziemlich gute Vorstellung, wie man die letzte Staffel hätte gestalten müssen, um letztendlich zu einem gelungenen Ende zu kommen.

      Was HIMYM angeht, so fand ich die erste ca. 6 Episoden die ich von der letzten Staffel noch gesehen hatte auch ziemlich gelungen. Zumindest besser, als die vorletzte Staffel. Und was das Ende angeht – ich habe es selbst ja noch nicht gesehen, kann also den emotionalen Eindruck nicht bewerten – so sehe ich den Ted/Robin-Teil ähnlich wie du, dennoch irgendwie unpassend für eine Sitcom. Kommt aber wohl auch darauf an, wie es inszeniert wurde.

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  5. Den Werdegang der Staffeln hast du ja schön an deinen Bewertungen skizziert 😄 Es ist wirklich eine Abwärtsspirale und beim Schauen der letzten Staffel hat man das Gefühl einen Unfall zu beobachten. Zumindest waren sie konsequent: haben jeden Handlungsfaden, den es jemals gegeben hat (gefühlt) nochmal mit reingequetscht. Wie du es sagst: unplausibel. Was ich den Serienmachern nicht so schnell verzeihen werde, ist, dass sie Tür und Tor für Nachfolger-Episoden quasi offen gelassen haben. Und dabei habe ich soooo dermaßen darauf gewartet, dass er auffliegt und alle die Wahrheit erfahren. Damn.

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    • Das ist es ja auch, was alle so frustriert hat. Die fehlende Entscheidung für einen Ausweg. Dafür gab es nun so ein halbgares offenes Ende, das überhaupt niemanden befriedigt. Wirklich nicht schön Dabei können öffene Enden durchaus funktionieren (siehe „The Sopranos“ oder „The Shield“), doch das war leider ein Griff ins Klo. Und nicht in ein sauber geputztes Meister Propper-Klo, sondern ein „Trainspotting“-Klo.

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