Der weiße Hai – OT: Jaws (1975)

Seit ich in unserem Urlaub in den Niederlanden am Meer war, hatte ich Lust darauf, mir einmal wieder „Der weiße Hai“ anzuschauen. Überhaupt ist die letzte Sichtung schon viel zu lange her und Filme wie „The Shallows“, „47 Meters Down“ oder „The Meg“ sind einfach kein Ersatz. Von unsäglichen Werken wie „Sharknado“ und Co. einmal ganz zu schweigen. Wie konnte es mit dem Genre nur so weit kommen?

Der weiße Hai (1975) | © Universal Pictures Germany GmbH

Der weiße Hai (1975) | © Universal Pictures Germany GmbH

„We’re gonna need a bigger boat.“

Was wurde über „Der weiße Hai“ noch nicht gesagt? Der erste große Blockbuster, ein Score, der heute noch Gänsehaut bereitet, der widerspenstige Bruce und überhaupt eine unglaubliche Produktionsgeschichte. Kaum zu glauben, dass ich diesen Film bisher noch nicht in meinem Blog verewigt habe! Meine letzte Sichtung liegt folglich mindestens 13 Jahre zurück und ich war gespannt, ob mich „Jaws“ auch heute noch so begeistern kann wie damals. Dies war auch meine erste Sichtung der Blu-ray und ich bin erfreut, wie frisch der Film darauf aussieht. Einfach fantastisch! Man muss sich einmal bewusst machen, dass Steven Spielbergs Blockbuster inzwischen 44(!) Jahre auf dem Buckel hat. Er ist fünf Jahre älter als ich und sieht doch noch so viel besser aus! Und das ist alleine das audiovisuelle Paket. Wären da nicht Mode und Frisuren, man könnte „Der weiße Hai“ heute noch 1:1 so inszenieren wie damals.

Speziell die Dramaturgie des Films sucht heute noch ihresgleichen: Das Drehbuch ist extrem dicht, der Spannungsaufbau bewundernswert und Spielberg nimmt sich (darin ist er ohnehin der Meister) dennoch viel Zeit für seine Figuren. Heute ist mir erstmals die strenge Zweiteilung von „Jaws“ aufgefallen und ich könnte nicht sagen, welchen Teil ich lieber mag: Der ruhige, fast schon an eine Sozialstudie erinnernde Aufbau der Geschichte auf Amity Island oder die actionreiche Hatz auf der Orca. Trotz der gänzlich unterschiedlichen Schauplätze und Handlung sind beide Teile gekonnt miteinander verwoben, was der großartigen Figurenzeichnung zu verdanken ist. Gerade wenn Quint und Hooper sich unter Deck zusammenraufen und am Ende selbst Chief Brody in den schrägen Gesang einstimmt, ist das ein wunderbarer Moment. Wie so viele.

„Farewell and adieu to you fair Spanish ladies.“

Auch wenn es beim Dreh nur Probleme mit dem künstlichen Hai (genannt Bruce) gab, so sind die Effektszenen doch extrem effektiv. Gerade auch weil man die erste Stunde überhaupt nichts vom Hai sieht. Die spätere Kombination aus Filmmaterial echter Haie sowie kurzer Einstellungen von Bruce ist sehr überzeugend. Auch heute noch. Viele Filmemacher könnten sich hier mehrere Scheiben abschneiden, was das Zeigen des Monsters bzw. generell der Bedrohung angeht. Kreative Lösungen, wie die gelben Fässer im letzten Filmdrittel, sind der beste Beispiel, dass technische Einschränkungen die Kreativität fördern, was letztendlich die besten Ergebnisse liefert.

Fazit

Auch nach 44 Jahren ist „Der weiße Hai“ immer noch das Paradebeispiel für einen perfekt geschrieben und inszenierten Blockbuster. Ein Film, den jeder Filmstudent bis ins Detail analysieren sollte. Für alle anderen einfach nur ein großes Vergnügen. Ich bin erneut extrem begeistert und werde mich, nachdem ich ein wenig Zeit mit der fantastischen Making-of-Dokumentation verbracht habe, vielleicht auch erstmalig (und ganz ohne Erwartungen) den Fortsetzungen nähern. Seine Stellung als Meisterwerk hat sich „Jaws“ mit dieser Sichtung weiterhin gesichert: 10/10 Punkte.

Prädikat: Lieblingsfilm

28 Gedanken zu “Der weiße Hai – OT: Jaws (1975)

  1. Jaws ist für mich einer der wenigen „Unberührbaren“ Filme. Da stimmt alles, auch nach so langer Zeit. Quasi eine „Mount Everest“ des Filmschaffens. Noch weiter hinauf ging es nie und wird es auch niemals gehen. Eine „Bitch“ von einem Film, wie irgendwo im Making-of mal gesagt wird 😊 12/10 Punkten….Mindestens
    Daher überrascht es natürlich nicht, dass die Fortsetzungen hier nie mithalten können. Ich möchte aber natürlich nicht spoilern. Mach dir am besten dein eigenes Bild

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  2. Pingback: Media Monday #428 | moviescape.blog

  3. Eigentlich grenzt es an ein Wunder, dass es von dem Film noch kein Remake gibt…
    Nicht das ich eins haben wollen würde, im Gegenteil! Aber er erfüllt eigentlich alle Vorraussetzungen: die „Marke“ ist ein Begriff, „Hai Horror“ ist mehr in Mode denn je und für einen nach 2000 geborenen Teenager funktioniert der alte Film wahrscheinlich, bei aller Qualität, dank veränderter Sehgewohnheiten nicht mehr so ganz.

    Obs mit Respekt vor Spielberg oder einfach seinem Einfluss in Hollywood zu tun hat? Vielleicht ist er auch zu sehr Fundament des modernen Blockbusters. Es käme ja auch niemand auf die Idee Star Wars zu remaken.*

    *Sollte Disney in den nächsten 10 jahren doch auf diese Idee kommen, darf das hier als „Filmlichters gescheiterte Vorhersage #734“ zu den Akten gelegt werden…

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    • Ach, gefühlt wurde der Film doch schon x-mal „geremaket“, auch wenn die Filme nie den offiziellen Titel des Franchises hatten. Kann mir auch gut vorstellen, dass sich Spielberg da quer stellt, der vielleicht auch noch Rechte an dem Film hält. Aber wer weiß? Hollywood ist inzwischen ja alles zuzutrauen. Dabei glaube ich gar nicht, dass der Film beim heutigen Publikum nicht mehr funktioniert. Er wirkt noch so unfassbar modern.

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  4. Pingback: Media Monday #429 | moviescape.blog

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