Sons of Anarchy – Season 7

Vor gut fünf Monaten bin ich nach Charming aufgebrochen. Nun geht mein Aufenthalt in diesem, inzwischen nicht mehr ganz so idyllischen, Städtchen zu Ende. Hatte ich zu Beginn meiner Reise die einzelnen Staffeln teils innerhalb von zwei Wochen verschlungen, hat sich die Verweildauer pro Staffel gegen Ende deutlich erhöht. Für „Sons of Anarchy – Season 7“ habe ich zwei Monate benötigt, was größtenteils auch dem verlockenden Wetter zuzuschreiben ist. Die Sommermonate sind einfach keine gute Zeit für Filme und Serien. Spoiler sind zu erwarten.

Sons of Anarchy – Season 7 | © Twentieth Century Fox

Sons of Anarchy – Season 7 | © Twentieth Century Fox

A good father and a good outlaw can’t settle inside the same man.

Deutlich mehr, als noch in den vorangegangenen Staffeln, fällt der düsterere Ton auf. Gerade Jax‘ stetes Abgleiten in nihilistische Rachefantasien ließ mich den Rest an Grundsympathie vermissen, die dem ambivalenten Charakteren bisher innewohnte. Seit dem Finale der sechsten Staffel existiert für Gemma, und nun auch immer mehr für Jax, keine Grauzone mehr. Dies hat bei mir für eine deutlich größere Distanz gesorgt, auch wenn die Figuren schon davor alles andere als Heilige waren. Gerade die ersten zwei Drittel der Staffel sind geprägt von unreflektierten Gewaltexplosionen und lassen wenig Raum für die bisher stets eingestreuten, und für die Serie so wichtigen, zwischenmenschlichen Szenen.

Die Handlung ist immer noch sehr packend und mitreißend, jedoch war ich emotional nicht mehr so stark involviert, wie in den vorangegangenen Staffeln. In den letzten vier Episoden wird das unausweichliche Ende vorbereitet, was auch den Charakteren wieder mehr Menschlichkeit verleiht. Ab diesem Zeitpunkt hatte mich die Serie auch wieder. Bis zum Finale, das ich zumindest brauchbar fand, aber eben auch extrem vorhersehbar. Hier hätte ich mir mehr Konsequenz gewünscht – nicht nur für Jax, sondern für SAMCRO insgesamt. Emotional durchaus mitreißend, inhaltlich wird dieser Schritt für die dargestellte Welt aber kaum weitreichende Auswirkungen haben. Hier hätte ich mir mehr gewünscht, als einen überinszenierten Märtyrertod.

We can’t allow our hearts to be louder than our reason.

An dieser Stelle möchte ich noch kurz auf die Struktur der Serie eingehen, welche ich durchaus bemerkenswert finde. Auch wenn es sich inhaltlich angeboten hätte, wird komplett auf Rückblenden verzichtet. Man befindet sich stets im Hier und Jetzt und ist nahe an den Figuren dran. Zusammen mit mit der realitätsnahen Inszenierung, und der Entscheidung für einen Soundtrack bzw. dem Verzicht auf einen Score, entsteht ein Sog, dem man sich nur schwer entziehen kann. Man erkennt eine Handschrift, was die sieben Staffeln wie aus einem Guss wirken lässt. Das ist bestimmt bei einigen Serien so, doch bei kaum einer ist es mir so bewusst aufgefallen, wie bei „Sons of Anarchy“.

Wie bereits angedeutet, war die finale Staffel der Serie für mich die schwächste. Weit davon entfernt schlecht zu sein, doch weniger mitreißend und inhaltlich auch nicht mehr so ausgefeilt, wie ich es von den Vorjahren gewohnt war. Für mich ergibt sich somit folgendes Ranking, wobei ich die erste Staffel nachträglich definitiv höher als die sechste einordnen würde:

  1. „Sons of Anarchy – Season 5“ (9.5 Punkte)
  2. „Sons of Anarchy – Season 4“ (9.2 Punkte)
  3. „Sons of Anarchy – Season 3“ (8.9 Punkte)
  4. „Sons of Anarchy – Season 2“ (8.8 Punkte)
  5. „Sons of Anarchy – Season 6“ (8.6 Punkte)
  6. „Sons of Anarchy – Season 1“ (8.5 Punkte)
  7. „Sons of Anarchy – Season 7“ (8.1 Punkte)

Fazit

Beinahe ein halbes Jahr habe ich mit den „Sons of Anarchy“ verbracht. Eine lange Zeit und wohl einer meiner letzten großen Serien-Marathons. Schon alleine deshalb wird die Serie für mich stets in besonderer Erinnerung bleiben. Gerade die mittleren drei Staffeln boten großartige Unterhaltung. Aufgrund von leichten Schwächen gegen Ende hat es die Serie nicht komplett unter meine Lieblingsserien geschafft, doch das macht auch nichts. Insgesamt lohnt sich der Ausflug nach Charming definitiv und ich werde beim noch in diesem Jahr startenden Spin-off „Mayans MC“ auf jeden Fall auch reinschauen: 8/10 (8.1) Punkte.

Life in Pieces – Season 3

Über das letzte halbe Jahr haben wir uns mit eher niedriger Priorität und teils sehr sporadisch „Life in Pieces – Season 3“ anschaut. Eben immer dann, wenn wir schon müde waren und gerade noch 20 Minuten Unterhaltung zum Abschalten brauchten. Hier zeigt sich, dass die Serie bei uns keinen sonderlich hohen Stellenwert einnimmt, warum sich das Einschalten dennoch lohnen kann, lest ihr in der folgenden Besprechung…

Life in Pieces – Season 3 | © 20th Century Fox Television

Life in Pieces – Season 3 | © 20th Century Fox Television

Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile

Eigentlich kann ich die Besprechung der zweiten Staffel nahezu vollständig kopieren, denn weiterhin leidet die Serie in meinen Augen am stärksten unter ihrer Aufteilung in leicht verdauliche Häppchen. Nur selten werden die einzelnen Episödchen zueinander in Bezug gesetzt und ich habe immer mehr das Gefühl, einer Sketch-Comedy, die für eine schnelle Pointe geschrieben wurde, zuzusehen. Das ist wirklich schade, denn ein paar der Charaktere haben wirklich Potenzial, werden aber häufig dem billigen Gag geopfert. Das macht teilweise durchaus Spaß, doch im Vergleich zu Comedys oder Sitcoms, die mehr Wert auf Storytelling legen, fällt „Life in Pieces“ schon extrem ab.

Fazit

Wie bereits beschrieben, funktioniert „Life in Pieces“ für mich wunderbar als kleines Häppchen vor dem zu Bett gehen. Ich würde mir jedoch wirklich wünschen, dass die Autoren mehr wert auf eine Verknüpfung der einzelnen Segmente legen. In ihrer jetzigen Form wird die Serie bei mir nie über das Prädikat ‚ganz nett‘ hinauskommen:  7/10 (6.7) Punkte.

Red Oaks – Season 1 to 3

Schon vor geraumer Zeit hatten wir uns die Pilot-Episode von „Red Oaks“ angesehen. Damals konnte sie uns nicht sofort abholen, so dass die Amazon-Produktion wieder aus unserem Programm verschwunden ist. Aufgrund der mehrfachen Empfehlung durch den Sneakpod wollte ich der Serie noch einmal eine Chance geben und siehe da: Wir waren vollends begeistert. Manchmal lohnt es sich eben doch, Serien eine zweite Chance zu geben…

Red Oaks – Season 1 to 3 | © Amazon Prime Video

Red Oaks – Season 1 to 3 | © Amazon Prime Video

Staffel 1: Willkommen in den 80ern

In der ersten Staffel lernen wir die Charaktere kennen, die uns unglaublich schnell ans Herz gewachsen sind. Auch im titelgebenden Country-Club „Red Oaks“ fühlten wir uns sofort zu Hause, was auch kein Wunder ist, steht dieser doch im Zentrum nahezu jeder Episode. Besonders großartig fand ich das authentisch wirkende 80er-Jahre-Gefühl, das durch die Serie heraufbeschworen wird. Man wähnt sich schon fast in einem modernen John-Hughes-Film, was durchaus als Kompliment zu verstehen ist. Großartig fand ich auch die Body-Switch-Episode „Body Swap“, welche sich trotz der ungewöhnlichen Prämisse wunderbar in die Serienwelt eingliedert. Ein wahrlich großartiges Vergnügen: 9/10 (8.6) Punkte.

Staffel 2: Eine Zeit des Umbruchs

Mit der zweiten Staffel zeigt sich recht deutlich, dass wir die eingeschlagenen Pfade verlassen. Die erste Episode spielt komplett in Paris und spiegelt die Nouvelle Vague sowohl inhaltlich als auch inszenatorisch wider. Auch in den weiteren Episoden lassen wir „Red Oaks“ als zentralen Schauplatz größtenteils hinter uns und begleiten die nun etablierten Charaktere bei großen Veränderungen in ihrem Leben: sei es die Scheidung von Davids Eltern, neue Beziehungen oder berufliche Umorientierungen. Das große Thema Coming-of-Age wird auf alle Figuren ausgedehnt und jeder macht eine signifikante Entwicklung durch. Das mochte ich wirklich sehr. Dennoch fühlt sich die zweite Staffel nicht mehr ganz so frisch an, wie die erste: 8/10 (8.2) Punkte.

Staffel 3: Der Abschied von „Red Oaks“

In der dritten Staffel haben alle Charaktere noch einmal einen Sprung nach vorne gemacht: David hat endlich eine Wohnung in New York City, sein Vater eine neue Beziehung, seine Mutter erlebt ihre zweite Jugend und zwischen Wheeler und Misty wird es ernst. Douglas Getty (grandios gespielt von Paul Reiser) versucht das Schicksal von „Red Oaks“ aus dem Gefängnis zu lenken – und man merkt auch als Zuschauer, dass an diesem ursprünglichen Zentrum der Handlung nur noch aus Nostalgie festgehalten wird. Gegen Ende fügen sich alle Handlungsstränge wunderbar schlüssig zusammen und jeder einzelnen Figur wird ein passendes Ende spendiert. Vielleicht ein wenig zu positiv, doch warum auch nicht? Ich mochte das sehr und hätte gerne noch mehr Zeit mit den Figuren verbracht: 9/10 (8.8) Punkte.

Fazit

Mir hat „Red Oaks“ nach dem holprigen ersten Start wirklich extrem gut gefallen. Letztendlich war die Serie genau mein Ding: Coming-of-Age, 80er, Filmbezug – eine ziemlich perfekte Mischung. Die Charaktere sind mir richtig ans Herz gewachsen und ich kann mit Überzeugung sagen, dass dies die beste Amazon-Serie ist, die ich bisher gesehen habe. Kann ich jedem wirklich nur ans Herz legen: 9/10 (8.5) Punkte.

Ich: Einfach unverbesserlich 2 – OT: Despicable Me 2 (2013)

Nachdem wir vor ein paar Wochen den ersten Teil der Filmreihe gesehen haben, wurde heute der Wunsch nach der Fortsetzung laut. Letztendlich haben wir Eltern uns leichtfertig überreden lassen und nach dem gemeinsamen Abendessen „Ich: Einfach unverbesserlich 2“ in den Player geschoben. Das Wetter war ohnehin mies (gefühlter Wintereinbruch) und somit stand einem Filmabend in 3D nichts im Wege…

Ich: Einfach unverbesserlich 2 (2013) | © Universal Pictures Germany GmbH

Ich: Einfach unverbesserlich 2 (2013) | © Universal Pictures Germany GmbH

Angriff der Zombie-Minions!

Im Gegensatz zu „Despicable Me“, saßen wir heute zu viert vor dem Fernseher. Kein krankheitsbedingter Ausfall. Juhu! Das sollte das Filmerlebnis eigentlich steigern. Allerdings war unser Zwergofant bei der heutigen Sichtung recht ängstlich und hat sich hauptsächlich an den Minions erfreut. Dafür aber richtig. Das Zappelinchen war von der ganzen Geschichte extrem begeistert und auch wir Eltern hatten großen Spaß mit Gru und Co. Auch wenn die meisten Gags sehr kindgerecht sind, so gibt es auch ein paar Anspielungen, die gerade den Erwachsenen ein Lächeln aufs Gesicht zaubern. Die nachgestellte Chestburster-Szene aus „Alien“ ist da nur eines vieler Beispiele.

Die Geschichte von „Ich: Einfach unverbesserlich 2“ ist einer Fortsetzung absolut würdig. Von allem ein wenig mehr und mit viel Raum für die bereits etablierten Charaktere. Ich mochte das sehr und konnte auch den neuen Figuren einiges abgewinnen. Gerade die Liebesgeschichte war, für einen kindgerechten Animationsfilm, durchaus erfrischend und hat mit einigen schönen Momenten gepunktet. Insgesamt ein großer Spaß, bei dem auch die Action nicht zu kurz kommt. Gerade der Kampf gegen die Zombie-Minions im Finale war herrlich übertrieben inszeniert und hat so ziemlich jedes Schießerei-Klischee aufs Korn genommen.

Fazit

Auch wenn die Sichtung teils ein wenig unruhig war, so hatten wir alle insgesamt doch viel Spaß mit „Ich: Einfach unverbesserlich 2“. Die 3D-Effekte waren wieder famos und die Anzahl aus Slapstick-Gags für Kids und Anspielungen für das erwachsene Publikum war sehr ausgewogen. Den dritten Teil werden wir beizeiten bestimmt auch noch nachholen: 8/10 Punkte.

Rambo 3 – OT: Rambo III (1988)

Nach einem anstrengenden Samstag mit morgenlichem Lauf und dem letzten Sommerfest im Kindergarten, waren wir abends noch ein wenig auf der Terrasse gesessen, bevor meine bessere Hälfte von Müdigkeit übermannt wurde. Das führte dazu, dass ich um 21:30 Uhr mit „Rambo III“ tatsächlich noch einen Film einlegte. Ob das eine gute Idee war, lest ihr in der folgenden Besprechung…

Rambo III (1988) | © STUDIOCANAL

Rambo III (1988) | © STUDIOCANAL

„God would have mercy. He won’t.“

Nachdem ich „Rambo 2: Der Auftrag“ gesehen hatte, erwartete ich mir von der direkten Fortsetzung ein ziemliches Trash-Fest. Der berühmte Dialog rund um das blau leuchtende Licht war mir im Vorfeld schon bekannt und ich erwartete mir mehr in dieser Richtung. Tatsächlich ist „Rambo III“ aber eine konsequente Weiterentwicklung des Vorgängers, was sich hauptsächlich in der gesteigerten Action und den Schauwerten niederschlägt. Peter MacDonalds Film sieht teuer aus und bringt Hochglanzbilder in das Franchise. Von Trash ist nicht viel zu sehen, wenngleich Action und Handlung noch stumpfer sind als die des Vorgängers. Rambos Sprüche und die gesamte Darstellung Afghanistans ist unfassbar 80er. Spätestens jetzt ist die Filmreihe dort angekommen, wo man sie in der Popkultur auch stets verortet – und dem famosen „First Blood“ damit unrecht tut.

Ich mag weiterhin die klassische und handgemachte Inszenierung, gerade wenn es nicht an jeder Ecke explodiert. Rambos Infiltration des russischen Forts ist wohl das Highlight des Films – und man kann schon verstehen, warum sich „Hot Shots! Der zweite Versuch“ hauptsächlich auf diese Filmreihe als Quell für Klischees stützt. Gegen Ende wurde mir das Geballer dann auch leider zu viel und ich war nicht mehr in der Handlung involviert. Das ist schade und eigentlich eine typische Krankheit heutiger Filme. Viel hilft eben manchmal doch nicht viel.

Fazit

Auch „Rambo III“ macht Spaß, wenn man vergessen kann, dass ein amerikanischer Einzelkämpfer mal eben so Afghanistan aufräumt. Als Zeitdokument der späten 80er Jahre betrachtet, ist der Film nach wie vor unterhaltsam. Eben gerade aufgrund seiner Wirkung auf die Popkultur: 6/10 Punkte.

Anchorman: Die Legende von Ron Burgundy – OT: Anchorman: The Legend of Ron Burgundy (2004)

Nachdem wir lange hin und her überlegt hatten, ob wir trotz der eher kühlen Temperaturen einen Abend auf der Terrasse verbringen sollen, haben wir uns letztendlich für einen Filmabend entschieden. Ganz konkret ist „Anchorman: Die Legende von Ron Burgundy“ in den Player gewandert, der schon lange auf meiner Liste stand und von dem ich mir einen unterhaltsamen Abend erhoffte…

Anchorman: Die Legende von Ron Burgundy (2004) | © Universal Pictures Germany GmbH

Anchorman: Die Legende von Ron Burgundy (2004) | © Universal Pictures Germany GmbH

„Boy, that escalated quickly.“

Ich muss gestehen, das es mir zu Beginn schwer gefallen ist, mich mit dem Humor des Films anzufreunden. Typisch für das Frat Pack herrschen viele improvisierte Szenen vor, von denen einige sehr gut funktionieren, andere dagegen schmerzhaft ins Leere laufen. Dennoch mochte ich gerade die völlige Beliebigkeit des Humors wirklich gerne: In einem Moment ist die Szene noch in der Realität verhaftet, nur um im nächsten komplett in einen völlig überzogenen ZAZ-Stil (Zucker, Abrahams und Zucker) abzudriften. Auch hier sitzt nicht jede Idee, doch der Film ist so konsequent in seiner Sprunghaftigkeit, dass es ein wahres Vergnügen ist.

Neben dem teils grotesken Humor, lebt „Anchorman: The Legend of Ron Burgundy“ tatsächlich von seiner Geschichte, die gnadenlos den Machismo der 70er Jahre aufs Korn nimmt. Das ist weder sonderlich subtil, noch gibt es eine zweite Ebene. Nein, hier wird jeder Gag aufs Platteste ausgespielt und die Szenen hören erst auf, wenn es schmerzt. Getragen wird der Film dabei von seinem formidablen Cast rund um Will Ferrell, Christina Applegate, Paul Rudd, Steve Carell und David Koechner. Von den unzähligen Gaststars einmal ganz zu schweigen. Man sieht allen Beteiligten ihre Spielfreude förmlich an.

Fazit

Adam McKays „Anchorman: Die Legende von Ron Burgundy“ ist ein großer Spaß, der mich teils an „Zoolander“ erinnerte. Der Film lebt mehr von seiner absurder Aneinanderreihung von Einzelszenen, als davon, eine wirklich treffende Satire auf die Medienwelt und den Zeitgeist der 70er Jahre zu sein. Das macht aber nichts, denn wenn man auch über platten Humor lachen kann, dann kann diese epische Rise-and-Fall-(and-Rise)-Geschichte unglaublich viel Spaß bereiten: 7/10 Punkte.

Pirates of the Caribbean: Salazars Rache – OT: Pirates of the Caribbean: Dead Men Tell No Tales (2017)

Aktualisierung: Ich habe „Pirates of the Caribbean: Salazars Rache“ am 23. September 2022 zum zweiten Mal gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Nachdem wir heute das Kindergartenfest der der Nichte und der Neffen besucht hatten, auf dem eine frei interpretierte Nacherzählung von Captain Jack Sparrows Abenteuern aufgeführt wurde, stand der Film des Abends schnell fest. Das stürmische Wetter sorgte zudem dafür, dass wir uns gerne vor den Fernseher zurückzogen und „Pirates of the Caribbean: Salazars Rache“ in den Blu-ray-Player gelegt haben…

Pirates of the Caribbean: Salazars Rache (2017) | © Walt Disney

Pirates of the Caribbean: Salazars Rache (2017) | © Walt Disney

Back to the Roots oder Fortsetzung um jeden Preis

Die „Pirates of the Caribbean“-Reihe hat die typische Entwicklung eines größeren Franchises durchgemacht. Wurde der erste Teil noch von fast allen geliebt, entwickelte sich die Filmreihe über die Zeit immer weiter zum hassenswerten Von-der-Stange-Blockbuster. So zumindest die Meinung vieler Filmfreunde. Ob nach dem Abschluss der Trilogie überhaupt noch ein vierter Teil nötig gewesen wäre, ist auch eine legitime Frage. Mit diesem hatte man die fortführende Erzählung verlassen und sich endgültig auf die zu Beginn geliebte, und inzwischen verachtete, Figur Captain Jack Sparrow konzentriert. Für mich hat das weiterhin recht gut funktioniert, doch ich liebe ja auch den Überflop „Die Piratenbraut“ und habe somit augenscheinlich ein Faible für dieses Genre. Was hat nun also der jüngste Spross der Reihe zu bieten?

Tatsächlich haben sich die Autoren angeschickt, dieses Mal direkt an die Trilogie anzuknüpfen, die damals ja ein erstaunlich düsteres Finale hatte. Man begegnet somit etlichen bekannten Figuren und erlebt mit ihnen neue Abenteuer. Tatsächlich haben mir aber gerade die überzogenen Actionszenen mit viel Slapstick, dafür ohne tiefere Bedeutung, viel Freude bereitet (deshalb liebe ich auch den zweiten Teil der Reihe so sehr). Die Handlung selbst funktioniert als Rahmen recht gut, um die Geschichte Will Turners endlich zu Ende zu erzählen. Der neue Geisterpirat Salazar (Javier Bardem) war mir dagegen zu beliebig und die Schatzsuche zu generisch. Das hat man alles schon ein paar Mal erlebt, auch wenn so einige Schauplätze und Ideen wirklich unterhaltsam waren. Insgesamt wohl knapp über dem Niveau des Vorgängers.

Fazit

Wenn ihr schon von den letzten drei Filmen der Reihen genervt wart, müsst ihr euch auch den jüngsten Aufguss nicht ansehen. Habt ihr aber ein Faible für Piraten-Fantasy und seid Johnny Depp als Titelfigur noch nicht überdrüssig, dann macht auch dieser Besuch in der Karibik viel Freude. Selbst wenn mir der Film nicht lange im Gedächtnis bleiben wird, so wurde ich doch für 120 Minuten wunderbar unterhalten: 7/10 Punkte.

Sons of Anarchy – Season 6

Langsam aber sicher nähert sich mein Besuch in Charming seinem Ende. In den letzten Tagen bin ich leider kaum zu Schauen gekommen, denn aufgrund des unrühmlich in die Annalen unserer Familiengeschichte eingegangenen Magen-Darm-Desasters hatte ich aufgrund von hämmernden Kopfschmerzen und akuter Müdigkeit abends nicht einmal die Energie für eine Episode von „Sons of Anarchy – Season 6“. Soweit ist es also schon gekommen. Inzwischen konnte ich jedoch auch noch die letzten Episoden abschließen und mich sogar zu einer Besprechung hinreißen lassen. Es geht also aufwärts…

Sons of Anarchy – Season 6 | © Twentieth Century Fox

Sons of Anarchy – Season 6 | © Twentieth Century Fox

This life, it ain’t romantic or free.

Auch wenn man es kaum für möglich gehalten hätte, so begibt sich das Autorenteam rund um Kurt Sutter noch weiter in die Dunkelheit. Sprich für die Charaktere rund um Jax Teller geht die Reise in die Finsternis weiter. Dabei fällt es – noch mehr als in der fünften Staffel – auf, dass sich die ursprünglich durchaus guten Absichten ins Gegenteil verkehren. Gerade Jax und Tara ist jedes Mittel recht, um ihr Ziel zu erreichen. Dieses Ziel, so zeigt sich recht bald, ist kein gemeinsames mehr, auch wenn es ursprünglich einmal so gewesen sein mag. Beide gehen über Leichen und selbst ehemalige Allianzen sind nichts mehr wert. Trotz der härteren Gangart, was die Sympathie für die Hauptfiguren angeht, schaffen es die Autoren, dass ihre Handlungen nachvollziehbar bleiben. Mit einem schlampigeren Drehbuch hätte das leicht ins Auge gehen können.

Dennoch fand ich die Handlung in der sechsten Staffel ein wenig schwächer als die des Vorjahres. Die Geschichte hat auf mich zerfaserter gewirkt und es gab etliche Parallelhandlungen, die vom eigentlichen Kern abgelenkt bzw. zu konstruiert auf diesen eingezahlt haben. Immer noch sehr gut, doch die erzählerische Dichte des Vorjahres wird nicht mehr komplett erreicht. Dennoch gelingt es den Autoren gerade am Ende des Staffel wieder für so manchen Schockmoment zu sorgen. Zudem meine ich langsam erahnen zu können, wie die Serie eventuell ausgeht. Doch mehr dazu in der Besprechung der finalen Staffel.

And we both know it’s only going to get worse.

Nachdem man in „Sons of Anarchy“ inzwischen schon etliche Schauspieler aus „The Shield“ wieder getroffen hat, begegnen wir im sechsten Jahr CCH Pounder, deren Charakter Tyne Patterson mich tatsächlich sehr an Claudette Wyms aus der Cop-Serie erinnert hat. Überhaupt ist es erneut eine Freude, die verschiedenen Schauspieler beim Ausfüllen ihrer Rollen zu sehen. Auch wenn es für manche der letzte Auftritt sein sollte. Gerade das Finale hat mich in dieser Hinsicht mehrfach schlucken lassen. Harter Tobak – und ich kann nur erahnen, wie sich die daraus resultierenden Konsequenzen in der kommenden Staffel auflösen werden. Es bleibt spannend!

Fazit

Auch wenn ich die Serie in ihrem sechsten Jahr nicht ganz so perfekt fand, wie in den zwei Staffeln davor, so konnte mich Kurt Sutters Epos dennoch weiterhin begeistern. Man merkt auch an der Laufzeit der einzelnen Episoden (meist über eine Stunde), dass es noch viel zu erzählen gibt. Vor dem großen Abschluss graut es mir schon in vielerlei Hinsicht. Nicht nur muss ich eine lieb gewonnene Serie hinter mir lassen, ich bin auch sicher, dass es alles andere als ein Happy End geben wird: 9/10 (8.6) Punkte.

Interstellar (2014) (WS1)

Aktualisierung: Ich habe „Interstellar“ am 16. Juni 2025 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Ich mag es nicht verschreien, doch heute war nach dem Magen-Darm-Desaster, das uns die erste Urlaubswoche verhagelt hatte, der erste Tag, an dem es wieder aufwärts ging. Halleluja! Zur Feier des Tages haben wir sogleich einen Film geschaut – und da ich mich immer noch nicht ganz von Cixin Lius „Death’s End“ lösen kann, haben wir uns mit Christopher Nolans „Interstellar“ auch filmisch dem Thema interstellare Raumfahrt zugewandt. Für mich war es schon die zweite Sichtung und ich ich war sehr gespannt, wie der Film im Vergleich zur Sichtung damals im Kino abschneidet…

Interstellar (2014) | © Warner Home Video

Interstellar (2014) | © Warner Home Video

Bis zur Unendlichkeit und noch viel weiter!

Zunächst einmal muss ich kurz auf die formalen Aspekte eingehen, die mir im Heimkino beinahe noch positiver aufgefallen sind, als damals im richtigen Kino. Speziell die auf der Blu-ray eingebundenen IMAX-Sequenzen im 16:9-Vollbild sind extrem beeindruckend und geben einen echten Mehrwert. Ich konnte keine genaue Angabe finden, doch gefühlt bestand der Film zu über 50% aus IMAX-Szenen. Hinzu kommt, dass der Kontrast aus stilisiert wirkenden Weltraumszenen und den dreckig anmutenden Szenen auf der Erde einfach großartig wirkt. Ebenso konnte mich dieses Mal Hans Zimmers Score deutlich mehr begeistern, als noch bei der Erstsichtung. Ein wirklich rundes Paket, das zumindest audiovisuell zu überzeugen weiß. Und wie sieht es auf der inhaltlichen Ebene aus?

Wie schon angedeutet, habe ich mich in letzter Zeit ziemlich intensiv mit dem Thema Raumfahrt in Lichtgeschwindigkeit und darunter auseinandergesetzt. Speziell die Wirkung relativer Zeit ist eines der Hauptthemen in Cixin Lius Roman „Death’s End“. Ich habe mich deshalb sogleich heimisch gefühlt. In „Interstellar“ werden die angewandten Modelle jedoch auf die Basis heruntergebrochen und auch ziemlich plakativ erläutert. Das funktioniert im Film wunderbar, ich hätte mir jedoch mehr Tiefe gewünscht. Auch fand ich die Handlung auf Manns Planet bei der heutigen Sichtung ein wenig langgezogen. Vielleicht liegt das aber auch daran, dass Matt Damon in Nolans Film nur eine Art Negativ-Version seines „Der Marsianer“ spielt. Ansonsten hatte ich nichts auszusetzen: Emotional konnte mich die Geschichte beinahe noch mehr packen, als beim ersten Mal. Auch das Finale hat für mich mehr Sinn ergeben. Hier kam dem Film zugute, dass ich bereits wusste, worauf alles hinausläuft. Ein tolles Erlebnis, das die knapp drei Stunden wie im Flug vergehen lässt.

Fazit

Manchmal funktionieren Filme bei der Zweitsichtung einfach besser. Zumindest hat mir „Interstellar“ heute deutlich besser gefallen, als nach der Erstsichtung. Kennt ihr eigentlich weitere Sci-Fi-Filme, die eher weniger actionlastig sind und sich mit dem Thema interstellare Raumfahrt befassen? Denn bis zur Verfilmung der „The Three-Body Problem“-Trilogie wird es, so befürchte ich, noch dauern (ich persönlich halte gerade die letzten beiden Bände ohnehin für unverfilmbar). Bis dahin ist „Interstellar“ auf jeden Fall ein guter Ersatz, der auch für ein größeres Publikum perfekt funktioniert – und das muss ja nichts Schlechtes sein: 9/10 Punkte.

The Big Sick (2017)

Als ich dem kranken Zappelinchen heute Nachmittag „Das geheimnisvolle Kochbuch“ einschaltete, sah ich, dass „The Big Sick“ inzwischen schon auf dem Streaming-Portal von Amazon verfügbar ist. Somit habe ich zum ersten Mal seit acht Monaten (damals war es der großartige „Paterson“) einmal wieder einen Film via Stream gesehen. Technisch war das nur bedingt ein tolles Erlebnis (es gab etliche Aussetzer), doch inhaltlich konnte mich Michael Showalter Film voll und ganz überzeugen…

The Big Sick (2017) | © Weltkino Filmverleih GmbH (Vertrieb Universum Film)

The Big Sick (2017) | © Weltkino Filmverleih GmbH (Vertrieb Universum Film)

Die sympathischste RomCom aller Zeiten?

Okay, das ist vermutlich etwas hoch gegriffen. Doch zumindest ist es die frischeste und sympathischste romantische Komödie, die ich in den letzten Jahren gesehen habe. Die lose auf den auto-biografischen Erlebnissen von Kumail Nanjiani (u.a. bekannt aus der TV-Serie „Silicon Valley“) basierende Geschichte ist so erfrischend und authentisch erzählt, dass es eine wahre Freude ist. Die Liebesgeschichte zwischen Kumail, der sich selbst spielt, und Emily, gespielt von der bezaubernden Zoe Kazan (u.a. bekannt aus „Ruby Sparks: Meine fabelhafte Freundin“), ist nur der Aufhänger für verschiedenste Themen. Am prominentesten wird der Konflikt zwischen Kumail und seiner pakistanischen Familie beleuchtet, die eine arrangierte Ehe für ihn vorgesehen hat. Weiterhin steht sein Karriere als Stand-Up-Comedian sowie die titelgebende Erkrankung Emilys im Zentrum der Geschichte.

All die angesprochenen Themen werden mit viel Humor und Herz verarbeitet. Die Dialoge sind authentisch und wirklich witzig geschrieben. Die Schauspieler (u.a. Holly Hunter und Ray Romano als Emilys Eltern) treffen den Ton genau und wissen Drama und Comedy perfekt zu vereinen. Der Film hätte aufgrund seiner Themenvielfalt leicht zu zerfasert, zu dramatisch oder auch zu lächerlich wirken können. Er nimmt jedoch alle Positionen ernst und erschafft dadurch ein herzliches und absolut unterhaltsames Gesamtbild. Einzig die Struktur der Geschichte orientiert sich doch recht stark an klassischen RomComs, was ich dem Film aber nur bedingt vorwerfen möchte.

Fazit

Für mich war „The Big Sick“ ein wirklich positives Erlebnis. Auch wenn es ein paar tolle Filme in dem Genre gibt, mache ich um klassische RomComs eher einen Bogen. Diese hier fällt jedoch aus dem Raster und weiß durch tolle Charaktere und viel Wortwitz zu überzeugen. Ich kann euch den Film nur ans Herz legen: 9/10 Punkte.