Making a Murderer – Staffel 1 bis 2

Nach dem vorläufigen Abschied aus Hawkins, habe ich mich einer weiteren Serie zugewandt, die kurz nach ihrer Ausstrahlung auf Netflix einen großen Hype erfahren hat. Die Rede ist von „Making a Murderer“, einer Dokumentarserie, die einen unglaublichen Kriminalfall begleitet. Eine ganz andere Art von Unterhaltung also und manchmal sogar fraglich, ob es denn überhaupt Unterhaltung ist… 👨‍⚖️

Making a Murderer | © Netflix

Making a Murderer | © Netflix

Vorab schon einmal der Hinweis, dass „Making a Murderer“ auch nach seinen zwei Staffeln nicht auserzählt ist. Oder vielleicht doch? Mehr möchte ich an dieser Stelle nicht verraten. Warum sich die Sichtung dennoch lohnt, erfahrt ihr in der folgenden Besprechung:

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Bone Tomahawk (2015)

Der Samstag ist schon wieder vorbei. Was habe ich noch einmal gemacht? Kann ich gar nicht so genau sagen (außer eine Runde zu laufen natürlich). Auf dem Sofa angekommen, hatte ich Lust auf einen Film, den ich schon viel zu lange vor mir herschiebe. Weil er ziemlich unangenehm sein soll. Manchmal muss es aber auch das sein und somit ist „Bone Tomahawk“ in den Blu-ray-Player gewandert… 🤠

Bone Tomahawk (2015) | © Constantin Film (Universal Pictures)

Bone Tomahawk (2015) | © Constantin Film (Universal Pictures)

Die wilde Seite des Wilden Westens

Im Vorfeld wusste ich nur, dass der Debütfilm S. Craig Zahlers einen Genretwist beinhalten und am Ende äußerst brutal werden soll. Dazu kann ich gleich sagen, dass mir das gar nicht so vorkam. Also die Brutalität schon, der Genretwist weniger. Der Film steigert sich über seine Laufzeit und steuert auf eine Konfrontation hin, doch es ist wahrlich kein komplettes Umschwenken, wie z.B. in „From Dusk Till Dawn“, sondern eher die konsequente und drastische Weiterentwicklung. Am ehesten musste ich hier noch an „Der 13te Krieger“ denken, auch wenn sich beide Filme, bis auf wenige Elemente, nicht wirklich vergleichen lassen. Für mich funktioniert „Bone Tomahawk“ wunderbar als Western. Besser sogar als die meisten klassischen Western.

Was macht „Bone Tomahawk“ so besonders? Für mich wohl die ruhige Inszenierung, das wunderbare Drehbuch und die großartigen Schauspieler. Wenn ich die Stimmung und die Dialoge, die Zahler erzeugt, mit einem anderen Filmemacher vergleichen müsste, dann wohl am ehesten Quentin Tarantino. Die Dialoge sind auf den Punkt und ich hätte zuvor nie gedacht, dass sie so witzig sind. Ich musste mehrfach schmunzeln und sogar lachen. Hinzu kommt ein unfassbarer Cast: Angefangen bei Kurt Russell, über den stets großartigen Richard Jenkins, Patrick Wilson und Matthew Fox, besetzt Zahler (wie eben auch Tarantino) selbst Nebenfiguren mit Genregrößen à la Sid Haig oder James Tolkan. Das muss man in einem Debüt erst einmal hinbekommen.

Beinahe schon eine Western-Elegie

Ich lese immer wieder, dass Filme oder Serien zu ruhig erzählt seien und man sich dort durchkämpfen müssen. Ob dies auch auf „Bone Tomahawk“ zutrifft, kann ich nicht sagen, doch möchte ich an dieser Stelle eine Lanze für langsam erzählte Geschichten brechen: Zahler nimmt sich unfassbar viel Zeit für scheinbare Nebensächlichkeiten, wie z.B. das gemeinsame Essen der Suppe, wenn sich Sheriff Hunt und Deputy Chicory das erste Mal treffen. Hier wird jedoch schon so viel über die beiden Figuren und ihr Verhältnis zueinander gesagt, dass ich jede Sekunde genossen habe. Wie kann man so etwas als langweilig empfinden? (Und nein, ich weiß nicht, ob das in diesem Fall ein Kritikpunkt war.) Ich liebe solch einen langsamen Aufbau, die langen Einstellungen und den Schauspielern einfach beim Schauspielen zuzusehen.

Fazit

Mich hat „Bone Tomahawk“ sehr begeistert. Ja, er ist brutal und unangenehm, doch wer das akzeptiert, der wird mit starken Figuren, herrlichen Dialogen und wunderbaren Bildern belohnt. Ich bin nun schon gespannt auf Zahlers weitere Filme, die glücklicherweise schon im Regal warten: 9/10 Punkte.

Spielzeug: Das war unsere Kindheit – OT: The Toys That Made Us – Staffel 1 bis 3

Nach meiner verspäteten Begegnung mit Netflix hatte ich etliche Serien nachzuholen, speziell natürlich Eigenproduktionen. Auf der Liste befand sich auch die Doku-Serie „Spielzeug: Das war unsere Kindheit“ bzw. im Original „The Toys That Made Us“, von der ich schon viel Gutes gehört hatte. Ob sich die Serie lohnt, erfahrt ihr in der folgenden Besprechung… 🧸🪀

Spielzeug: Das war unsere Kindheit | © Netflix

Spielzeug: Das war unsere Kindheit | © Netflix

Zum Zeitpunkt der Besprechung steht übrigens noch nicht fest, ob die Serie in eine vierte Staffel geht. Potenzial ist nach meinem Empfinden auf jeden Fall vorhanden. Auch wenn mit den folgenden vier Staffeln bereits 16 imposante Spielzeugmarken abgedeckt wurden:

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Shoplifters: Familienbande – OT: Manbiki kazoku (2018)

Der heutige Samstag war ziemlich ruhig. Ich war eine Runde durch den Schnee laufen und habe etwas gelesen. Nach der letzten Woche war diese Ruhe auch bitter nötig. Als die Kinder abends dann im Bett waren, hatte ich auch Lust auf einen ruhigen Film. Deshalb habe ich zu „Shoplifters: Familienbande“ gegriffen, der schon zu lange ungesehen im Regal stand und solch ein ruhiges Filmerlebnis versprach…

Shoplifters: Familienbande (2018) | © LEONINE

Shoplifters: Familienbande (2018) | © LEONINE

Herzergreifendes, großes Kino aus Japan

Wo soll ich nur anfangen? Hirokazu Koreedas Film hat mich ziemlich mitgenommen. Dabei bin ich am Anfang gar nicht so wirklich reingekommen. Man wird in diese Familie hineingeworfen, die sich am Rande der Gesellschaft befindet. Mich hat „Shoplifters“ zu Beginn sehr an Bong Joon-hos „Parasite“ erinnert. Und ja, er verhandelt auch ähnliche Themen, geht diese aber grundsätzlich anders an. Fast schon eine Antithese zum 2020er Oscar-Gewinner. Am Anfang des Films weiß man noch nicht, wie die einzelnen Figuren zueinander stehen. Dies entwickelt sich erst über den weiteren Verlauf. Man kann viele Dinge erahnen und Hinweise entdecken. Doch es geht gar nicht um die genaue Kenntnis der Beziehungsebene, sondern um den Zusammenhalt innerhalb der gewählten Familie. Mit aller Freude, Schmerz und Missverständnissen.

Viele Dinge erzählt Hirokazu Koreeda völlig nebensächlich. Die Kamera ist unaufdringlich und wie ein stiller Beobachter. Dadurch entsteht eine ziemliche Sogwirkung und irgendwann habe ich mich fast schon zuhause in dem kleinen Häuschen in einem unbedeutenden Hinterhof Tokios gefühlt. Im letzten Drittel nimmt die Handlung, obwohl der Film weiterhin sehr ruhig erzählt bleibt, Fahrt auf und die Details der Figurenkonstellation werden offengelegt. Hierbei wird jedoch nicht auf einen möglichen Überraschungseffekt gesetzt (vieles war ohnehin schon klar), sondern auf die Tragik der Auflösung dieser Familie, deren Mitglieder sich, auch wenn aus der Not geboren, füreinander entschieden hatten.

Fazit

Als ich den Film begonnen hatte, hätte ich nicht für möglich gehalten, damit nun den bisher besten Film des noch jungen Jahres gesehen zu haben. Ich bin sehr begeistert und kann euch „Shoplifters“ wirklich nur ans Herz legen. Auch wenn ich ihn auf Blu-ray gesehen habe, so möchte ich doch auf Amazon Prime verweisen, wo der Film auch gestreamt wird. Es lohnt sich: 9/10 Punkte.

1917 (2019)

Heute war ein ziemlich durchwachsener Tag, an dem eigentlich nur das Erreichen eines persönlichen Ziels heraussticht. Die wenige Weihnachtsstimmung war schon lange verfolgen und somit durfte es abends auch ein wenig martialischer vonstatten gehen. Mit „1917“ ist ein Film im Player gelandet, den ich schon lange sehen wollte. Schon alleine aufgrund seiner technischen Qualitäten. Was er sonst noch zu bieten hat, erfahrt ihr in der folgenden Besprechung… 🎥

1917 (2019) | © Universal Pictures Germany GmbH

1917 (2019) | © Universal Pictures Germany GmbH

Erschreckend immersives Kriegskino

Natürlich muss ich zunächst auf die technischen Aspekte eingehen, denn Sam Mendes hat „1917“ wie einen One-Shot, eine einzige große Plansequenz, angelegt. Im Gegensatz zu Sebastian Schippers „Victoria“, der tatsächlich in einem Stück gedreht wurde, ist dieser Film offensichtlich in mehrere ca. sechsminütige Häppchen unterteilt. Bei der Nahtlosigkeit der Szenen wurde, wie es damals bereits Alfred Hitchcock in „Cocktail für eine Leiche“ gemacht hat, entsprechend nachgeholfen. Dies schadet der Immersion allerdings nicht und wäre technisch auch gar nicht anders möglich gewesen, denn im Gegensatz zu „Victoria“ ist „1917“ natürlich ein Epos inklusive Spezialeffekte, Massenszenen und reichlich Action. Rein audiovisuell ist Sam Mendes und Roger Deakins, den ich hier unbedingt erwähnen möchte, ein extrem imposanter Film gelungen. Doch wie sieht es inhaltlich aus?

Tatsächlich kann und sollte man bei „1917“ Form und Inhalt nicht trennen. Denn durch die One-Shot-Technik ist man unglaublich nahe an den Figuren dran und erlebt auch Momente, die in dieser Ausführlichkeit normalerweise nicht gezeigt worden wären. Dies lässt eine große Bindung entstehen und das Grauen des Krieges nur umso unmittelbarer wirken. Dennoch funktioniert der Film auch narrativ wie ein Film und in den knapp 120 Minuten Laufzeit passiert eigentlich zu viel, um wirklich als Echtzeit durchzugehen. Dennoch habe ich das Gefühl, Mendes und seine Co-Autorin Krysty Wilson-Cairns haben eine gute Balance zwischen Immersion und filmischem Erzählen gefunden. Als am Ende die Tour de Force überstanden war, bin ich auch auf dem Sofa zusammengesackt. Erst einmal durchatmen.

Fazit

„1917“ ist ein in vielerlei Hinsicht beeindruckender Film. Ich kann noch nicht sagen, ob er beim zweiten Mal genauso gut funktionieren wird, wenn man die Stationen der Reise bereits kennt. Dieses erste Mal hat er mich jedoch umgehauen. Näher am Krieg will ich wirklich nie dran sein müssen: 9/10 Punkte.

Designated Survivor – Die komplette Serie (Staffel 1 bis 3)

Auch seit ich ein Netflix-Abo habe, hat sich mein Serienkonsum nicht verändert. Immer noch kein Binge-Watching, nur die Quelle ist eben eine andere geworden. Nachdem ich mit „Dark“ in die Welt der Netflix-Eigenproduktionen eingestiegen bin, stand mit „Designated Survivor“ eine (zumindest zunächst) klassische Network-Serie auf dem Programm. Das bedeutet auch deutlich längere Staffeln, weshalb sich die Sichtung beinahe zwei Monate hingezogen hat. Warum es sich durchaus lohnen kann, der Serie eine Chance zu geben, lest ihr in der folgenden Besprechung… 🗳

Designated Survivor | © ABC & Netflix

Designated Survivor | © ABC & Netflix

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Drachenzähmen leicht gemacht 3: Die geheime Welt – OT: How to Train Your Dragon: The Hidden World (2019)

Hilfe, nur noch zwei Wochen bis zu den Weihnachtsferien! Wie soll das alles nur zu schaffen sein? Aber schieben wir diese Gedanken für einen Moment beiseite und widmen uns etwas Erfreulichem, wie „Drachenzähmen leicht gemacht 3: Die geheime Welt“ und dem heutigen Filmabend, mit dem wir das Wochenende eingeläutet haben. Wie uns der Abschluss der drachenstarken Trilogie gefallen hat, erfahrt ihr in der folgenden Besprechung… 🐉

Drachenzähmen leicht gemacht 3: Die geheime Welt (2019) | © Universal Pictures Germany GmbH

Drachenzähmen leicht gemacht 3: Die geheime Welt (2019) | © Universal Pictures Germany GmbH

Ein wunderbarer Abschluss der Trilogie

Nachdem ich erst letzte Woche begeistert war, wie gut doch „Drachenzähmen leicht gemacht 2“ gealtert ist, so setzt die Fortsetzung technisch noch einmal eine Schippe drauf. Die Grenze zum Realfilm verschwimmt langsam, was aber auch kein Wunder ist, setzen heutige Realfilme doch auf die gleiche Technik, sprich zu einem Großteil auf CGI. Wirklich extrem beeindruckend und ein wahrer Augenschmaus. Gerade auch die Massenszenen mit unzähligen Drachen vor fotorealistischen Hintergründen und dynamischen Kamerafahrten lassen den Film unglaublich immersiv wirken.

Doch auch inhaltlich weiß „Drachenzähmen leicht gemacht 3: Die geheime Welt“ zu überzeugen. Im Grunde geht es um Veränderungen und Loslassen. Eben erwachsen werden und Entscheidungen treffen. Auch wenn es so einige alberne Szenen gibt, wie zum Beispiel den unfassbar witzigen Balztanz Ohnezahns, so ist der Kern der Geschichte doch eher ernst. Gerade am Ende sind dann auch wieder die Tränen geflossen, wobei sich der Epilog durchaus versöhnlich gestaltet. Das Finale ist somit ziemlich endgültig und doch hoffnungsvoll. Gerne hätte ich noch mehr Zeit in dieser Welt verbracht und wünsche mir gleichzeitig, dass der Abschluss der Reihe in dieser Form Bestand haben wird.

Fazit

Was für eine famose Trilogie! Neben den großen Pixar-Klassikern sind diese wohl meine liebsten 3D-animierten Filme. Qualitativ nehmen sich die drei Teile nicht viel und die Entwicklung der Charaktere trägt sich über die gesamte Reihe. Auch das sieht man nicht alle Tage. Ein absolut gelungenes Finale, das ich allen Freunden des animierten Films nur dringend ans Herz legen kann: 9/10 Punkte. (Zappelinchen: 10/10 Punkte; Zwergofant: 10/10 Punkte.)

Drachenzähmen leicht gemacht 2 – OT: How to Train Your Dragon 2 (2014) (WS1)

Hoch die Hände… ja, es ist schon wieder Wochenende. Die Zeit rennt momentan und ich weiß gar nicht, wie ich alles noch in dieses Jahr packen soll, was in dieses Jahr gehört. Hinzu kommt die Gesamtsituation, aber ich möchte nicht schon wieder über das immer gleiche Thema schreiben. Also zum Film: Nach gut zwei Monaten Pause haben wir uns endlich „Drachenzähmen leicht gemacht 2“ angeschaut. Dieses Mal auf den speziellen Wunsch des Zwergofanten. 🐉

Drachenzähmen leicht gemacht 2 (2014) | © Twentieth Century Fox

Drachenzähmen leicht gemacht 2 (2014) | © Twentieth Century Fox

Eine nahezu perfekte Fortsetzung

Vor dem Hauptfilm haben wir uns noch den Kurzfilm „Dragons: Das große Drachenrennen“ angeschaut. Dieser hat mich eher ziemlich ernüchtert und die Vorfreude ist ein wenig geschwunden. Aber klar, dieser hat weder das Budget, noch den Bombast oder die Finesse, mit der „Drachenzähmen leicht gemacht 2“ erzählt wird. Nachdem sich bereits meine Begeisterung über den ersten Teil bei der letzten Sichtung noch einmal steigern konnte, ist dieser Effekt auch bei der Fortsetzung eingetreten. Selbst wenn hier auf größer, schneller und weiter gesetzt wird, so wirkt die Geschichte unglaublich gut durchdacht und der gesamte Film sehr erwachsen. Am ehesten würde ich die Wirkung mit „Toy Story 3“ vergleichen, was ich als absolutes Kompliment sehe.

Vielleicht entspringt meine Begeisterung auch der gemeinsamen Sichtung mit den Kindern, die heute komplett mit dem Auf und Ab des Films mitgegangen sind. Von enthusiastischen Ausrufen, lautem Gelächter bis hin zu dicken Krokodilstränen. Es waren einfach alle Emotionen dabei. Und das nicht nur bei den Kindern. Hinzu kommt, dass „Drachenzähmen leicht gemacht 2“ einfach unglaublich gut aussieht. Gerade in Kontrast zum vorher gesehenen Kurzfilm. Nachdem ältere 3D-animierte Filme, wie z.B. „Shrek“, inzwischen deutlich Staub angesetzt haben, wirkt dieser sechs Jahre alte Film als wäre er erst gestern produziert worden. Sehr beeindruckend.

Fazit

Wie ihr merkt, fand ich „Drachenzähmen leicht gemacht 2“ heute enorm gelungen (und ich mochte ihn schon bei der ersten Sichtung sehr). Ich freue mich nun schon unbändig auf den dritten Teil. So richtig. Achja, das tolle 3D muss ich auch noch erwähnen: sehr immersiv, gerade in den Flugszenen. Aber damit bin ich (zusammen mit meinen Kids) ja eh alleine auf weiter Flur. Eine wahnsinnig gute Fortsetzung, die auf kompletter Linie zu überzeugen weiß: 9/10 Punkte. (Zappelinchen: 9/10 Punkte; Zwergofant: 9/10 Punkte.)

Onward: Keine halben Sachen (2020)

Nachdem wir gestern keinen Filmabend mit der ganzen Familie hatten, musste natürlich heute zum Ende der Herbstferien noch einer veranstaltet werden. Pixars „Onward: Keine halben Sachen“ wollten wir eigentlich im Kino sehen, doch dann kam Corona und alle Pläne dieser Art waren dahin. Nun habe ich mir jedoch endlich die 3D-Blu-ray zugelegt und wir haben das Kino einfach nach Hause geholt… 👖💎🐉⚔

Onward: Keine halben Sachen (2020) | © Walt Disney

Onward: Keine halben Sachen (2020) | © Walt Disney

Ein wundervolles Coming-of-Age-Abenteuer

Zunächst einmal ist mir aufgefallen, wie unfassbar perfekt „Onward“ technisch umgesetzt ist. Vielleicht ist mir dieser Umstand deshalb so sehr aufgefallen, weil ich in letzter Zeit mit „Shrek“ und Co. doch einige Animationsfilme gesehen habe, die bereits ein paar Jahre auf dem Buckel haben. „Onward“ sieht in vielen Szenen fotorealistisch aus, was in Kombination mit den fantastischen Elementen für ein extrem immersives Gefühl sorgt. Auch das dezent und doch äußerst effektiv eingesetzte 3D trägt zu dieser Wirkung bei. Audiovisuell ist das moderne Fantasy-Abenteuer somit eine Wucht. Doch wie sieht es inhaltlich aus?

Ach, Pixar. Du schaffst es doch immer wieder, all die richtigen Knöpfe bei mir zu drücken. Eine Coming-of-Age-Geschichte, kombiniert mit dem Tod des Vaters und nostalgisch angehauchtem Eskapismus. Was kann man daran nicht lieben? Der Kniff, nur den Unterleib des Vaters zurückzubringen ist großartig! Die zugehörige Auflösung am Ende hat mir die Tränen in die Augen getrieben. Oh man, Pixar, wie machst du das nur immer wieder? Hinzu kommt die klassische Heldenreise, die hier beinahe schon als Metakommentar zu lesen ist, und dabei doch unglaublich wahrhaftig wirkt. Durch das Thema und die jugendlichen Protagonisten wirkt „Onward“ deutlich weniger kindlich als viele andere Animationsfilme und ist dennoch für Kinder bestens geeignet. Sowohl das Zappelinchen als auch der Zwergofant waren mehr als begeistert.

Fazit

Ich finde es wirklich schade, dass „Onward“ durch die Corona-Krise so hart getroffen wurde und nun sein Dasein auf Disney+ fristen muss. Freunden von haptischen Medien sei gesagt, dass die Blu-ray-Box inklusive Bonus-Disc gar wunderbar gelungen ist. In jeder Hinsicht eine dicke Empfehlung. Bei der nächsten Sichtung könnte sogar noch locker ein Punkt mehr drin sein: 9/10 Punkte.

Parasite – OT: Gisaengchung (2019)

Nachdem ich vergangenes Wochenende bereits den Versuch gestartet hatte, diesen Film zu sehen, war es heute endlich soweit. Zwar nur auf Blu-ray, da die UHD-Scheibe immer noch nicht will, doch wollte ich die Sichtung von „Parasite“ nicht noch länger aufschieben. Was der südkoreanische Oscar-Gewinner wirklich zu bieten hat, erfahrt ihr in der folgenden Besprechung… 🐜

Parasite (2019) | © Capelight Pictures

Parasite (2019) | © Capelight Pictures

Ein bitterböser Blick auf den Kapitalismus

Wie auch schon Bong Joon-hos „Snowpiercer“, oder der kürzlich gesehene „Der Schacht“, ist „Parasite“ ein Kommentar auf unsere heutige Welt. Geprägt von einem starken Gefälle zwischen Arm und Reich und dem Kapitalismus als zerstörerischen Motor. Im Gegensatz zu den beiden genannten Filmen, wirkt „Parasite“ zunächst ein wenig subtiler in seiner Botschaft. Teils wirkt er wie eine tiefschwarze Komödie, doch viel zu Lachen gibt es nicht. Am ehesten hat mich Bong Joon-hos Film an Jordan Peeles famosen „Wir“ erinnert und das nicht nur aufgrund der Menschen aus dem Keller bzw. dem Untergrund. Die Atmosphäre und ja, auch der ungewöhnliche Score haben diese Assoziation bei mir geweckt. „Parasite“ bleibt jedoch realistischer in seiner Ausgestaltung, auch wenn er häufig künstlerisch überhöht wirkt.

Bong Joon-hos und Han Jin-wons Drehbuch besitzt so viele kluge Aspekte, welche die Probleme unserer Welt wunderbar auf den Punkt bringen. Alleine der Monolog des Vaters, der klar macht, dass man sich auf seiner sozialen Stufe keine Planbarkeit erlauben kann, ist unfassbar bitter. Oder der Fokus auf den Geruch bzw. Gestank von Armut, was an Abfälligkeit kaum zu überbieten ist. Der Punkt, dass sich am Ende der Nahrungskette bis auf das Blut bekriegt wird, nur um ein paar Kuchenkrümel abzubekommen. Dazu der krasse Kontrast zur Familie des Hausherren. Alleine schon die Dekadenz der Geburtstagsfeier. Starke Bilder und, auch gerade im übertragenen Sinne, ebenso starke Motive, die sich durch den kompletten Film ziehen.

Das schöne Mediabook enthält übrigens ein lesenswertes Essay über Paratisen im Film und natürlich speziell in diesem:

Fazit

„Parasite“ ist kein angenehmer Film. Er ist unterhaltsam, aber eben nicht auf entspannte Art und Weise. Und das ist gut so. Er macht einen großen Themenkomplex auf, bietet für diesen keine Lösung, legt den Finger aber schmerzhaft in die Wunde. Und bohrt darin herum. Definitiv ein Film, über den ich noch häufiger nachdenken werde: 9/10 Punkte.