The Boys – Season 1

Mangels Netflix-Account bin ich oft außen vor, wenn es um neue Hype-Serien geht. Doch nun lief auch auf Prime Video eine neue Serie an, die in aller Munde zu sein scheint: Ob „The Boys – Season 1“ gerechtfertigt so früh in meinem Programm gelandet ist, erzähle ich euch in der folgenden Besprechung… 🦸‍♂️🦸‍♀️

The Boys – Season 1 | © Amazon Prime Video

The Boys – Season 1 | © Amazon Prime Video

Die Dekonstruktion des Superhelden-Mythos

Ganz neu ist das alles nicht. Spätestens mit Alan Moores „Watchmen“ wurde die Ära der postmodernen Superhelden eingeläutet. Auch die eher witzig-brutale Schiene wurde mit „Kick-Ass“ und Co. bereits im Mainstream-Kino abgedeckt. Nachdem die moderne Kinowelt komplett in Marvel-Hand ist, und spätestens mit Disney+ auch immer mehr Vorstöße in Richtung des kleinen Bildschirms vorgenommen werden, war es nur eine Frage der Zeit, bis sich auch hier die Dekonstruktion unserer Helden manifestiert. Noch vor dem Start der „Watchmen“-Serie auf HBO, geht Amazon mit der Comic-Verfilmung „The Boys“ an den Start. Mir war der Comic im Vorfeld noch nicht bekannt, doch bereits der Trailer hat mich stilistisch sehr an die oben genannten Vorbilder erinnert:

In nur acht Episoden (jeweils mit einer knappen Stunde Laufzeit) erzählt „The Boys“ die Geschichte einer Welt, in der Superhelden in unserer Gesellschaft etabliert sind. Sie sind Helden und Medienstars zugleich. Werbefiguren und Influencer. Gesteuert von einem Konzern, der – wie sollte es anders sein? – nur an zwei Dingen interessiert ist: Macht und Geld. Da beides korrumpiert, ist es auch kein Wunder, dass unsere Helden alles andere als Saubermänner und -frauen sind. Eher das Gegenteil. Kein Wunder, dass sich mit den titelgebenden „The Boys“ eine Gegenbewegung formiert hat.

Sex, Drugs and Blood’n’Gore!

Wir nehmen die Welt durch die Augen von Hughie (gespielt von Jack Quaid, Sohn von Meg Ryan und Dennis Quaid) wahr, dessen Freundin von einem Flash-artigen Superhelden namens A-Train wortwörtlich über den Haufen gerannt wurde. Alleine diese Szene setzt gekonnt den Ton für „The Boys“: Ultrabrutal, schockierend und doch comichaft und witzig überzeichnet. Zumindest während der acht Episoden der ersten Staffel wird diese Formel auch nie langweilig. Ich hatte jede Sekunde Spaß mit der Serie, auch wenn der Humor und der damit einhergehende vorgehaltene Spiegel oftmals eher plump und nicht sonderlich subtil eingesetzt werden.

Neben der inhaltlichen Spritzigkeit (auch das ist durchaus wortwörtlich zu nehmen), hat mich speziell die Inszenierung beeindruckt. Effekte und Look entsprechen schon wirklich Kino-Niveau, was auch durch das für Serien noch ungewohnte Cinemascope-Format unterstützt wird. Ziemlich beeindruckend, was Amazon hier auf die Beine gestellt hat. Auch Soundtrack und Schauspieler (u.a. Karl Urban) spielen auf hohem Niveau, was dem Unterhaltungswert definitiv zugute kommt.

Fazit

Ja, „The Boys“ macht unglaublich viel Spaß und ist genau zum richtigen Zeitpunkt erschienen. Den Superhelden so langsam überdrüssig, kann man sich hier schön an der Dekonstruktion des Genres ergötzen. Das alles wird oft ganz schön mit der Brechstange erzählt, was aber auch den Reiz der Serie ausmacht. Vielleicht nicht der große Überflieger, doch insgesamt extrem unterhaltsam: 8/10 (8.3) Punkte.

23 Gedanken zu “The Boys – Season 1

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  2. Hab ich jetzt auch endlich durch… und hat mir auch echt gut gefallen. Ähnlich wie schon bei „Preacher“ halten sich Seth Rogen und Evan Goldberg nicht so ganz an die Vorlage, aber machen super ihr eigenes Ding. Gefällt mir auch echt gut… und ich bin schon gespannt, wie es weiter geht. Allein diese Szene im Flugzeug war schon der Hammer… Sowas würde einem Superman nie passieren 😅

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    • Oh, dann sollte ich in „Preacher“ vielleicht auch mal reinschauen? Soll ja ähnlich abgefahren sein. Vielleicht mache ich das mal, wenn die 4. Staffel durch ist. Bisher war ich eher etwas skeptisch, aber da es das gleiche Team ist… 🙂

      Und ja, die Flugzeugszene war wirklich sehr stark. Da hat die düstere Satire für mich perfekt funktioniert.

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  3. Disclaimer: Ich kann nicht mit Superhelden.
    Von daher eigentlich eine Serie wie für mich gemacht. Aber ich sitze jetzt an der fünften Folge und ich glaube, ich pack’s nicht. Diese Welt mit AssiArschloch-Superhelden, die für raffgierige Konzerne arbeiten, nebenbei stramm-christlich sind und von ihren Instagram-Fans angeschmachtet werden: ich hätte mir da schon längst meine Hütte in Finnland gebaut und Fallen ausgelegt, in denen sich Homelander und Co. bei ihrer Dreipunktlandung den Hintern aufreißen.
    Die arg auf cool getrimmten Dialoge tun mir auch weh, vor allem Mr. Urban reißt da Dinger runter („Security is as tight as a choirboy’s arsehole“), das ist nicht mehr schön. Drüber noch eine Runde Ekelzeugs gekippt, damit der Gorebauer auf dem Gekrösefeld einen drauf abtanzen kann. Sorry, kriegt mich nicht.
    Bei „Preacher“ bin ich dagegen gut durchgekommen, weil die Show einfach nur noch total drüber ist, dass man sie nicht ernstnehmen kann.

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    • Hätte gedacht, dass dir die Serie besser gefällt. Ich finde es ja herrlich, dass die Superhelden mal so richtige Arschlöcher sind. Billy Butcher ist da auf der anderen Seite nicht viel angenehmer, das stimmt. Mit Hughie auf der einen und Starlight auf der anderen Seite, gab es für mich aber genügend Identifikationspotenzial. Aber muss wohl auch mal sein, dass wir eine Serie ganz anders wahrnehmen… 😉

      Was „Preacher“ angeht, bin ich nun ja mal gespannt, wenn du zumindest dieser Serie etwas abgewinnen konntest.

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  4. Die Serie war einfach nur geil. Schöne Demontage des Superheldentums. Die Anspielungen auf die DC/Marvel Superhelden sind ja auch mehr als offentlichtlich. Für mich als Superheldengegner war diese Serie einfach ein schöner Anblick.
    Die Sache mit dem Flugzeug war schon echt heftig…

    Bin auch schon sehr gespannt auf die Watchmen – Serie.

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  5. Da ist wohl der Hype-Train volle Kanne an mir vorbeigerauscht – die Serie wird ja tatsächlich von allen Seiten hoch gelobt. Jetzt wo ich die siebente Staffel von Orange is the new Black durchhabe, werd ich die freien Kapazität wohl hierfür nutzen 🙂

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