Designated Survivor – Die komplette Serie (Staffel 1 bis 3)

Auch seit ich ein Netflix-Abo habe, hat sich mein Serienkonsum nicht verändert. Immer noch kein Binge-Watching, nur die Quelle ist eben eine andere geworden. Nachdem ich mit „Dark“ in die Welt der Netflix-Eigenproduktionen eingestiegen bin, stand mit „Designated Survivor“ eine (zumindest zunächst) klassische Network-Serie auf dem Programm. Das bedeutet auch deutlich längere Staffeln, weshalb sich die Sichtung beinahe zwei Monate hingezogen hat. Warum es sich durchaus lohnen kann, der Serie eine Chance zu geben, lest ihr in der folgenden Besprechung… 🗳

Designated Survivor | © ABC & Netflix

Designated Survivor | © ABC & Netflix

Auch wenn ich mich fast nicht traue, das nach den letzten vier Jahren zu schreiben, so habe ich ein Faible für US-Politik in Film und Fernsehen. Mit „The West Wing“ habe ich das Standardwerk bereits gesehen und bin seitdem auf der Suche nach Nachschub. Insofern war ich gespannt, wie sich Kiefer Sutherland als zunächst unfreiwilliger US-Präsident schlägt:

Staffel 1: Wenn „The West Wing“ auf „24“ trifft

Wie oben geschrieben, hatte ich eine Serie im Stil von „24“ erwartet, die recht plakativ den Kampf gegen den Terror thematisiert. Ungefähr ein Drittel von „Designated Survivor“ weckt auch Erinnerungen an den damaligen Serien-Hit rund um Jack Bauer. Allerdings viel weniger reaktionär und aus einem (eigentlich kaum vorstellbar) politisch viel moderaterem Klima heraus erzählt. Kiefer Sutherlands Präsident Kirkman ist der Gegenentwurf zum (noch) aktuellen US-Präsidenten: Er handelt besonnen, hört auf erfahrene Berater*innen, baut Brücken zwischen den Parteien und hinterfragt seine Entscheidungen. In den Szenen rund um das Weiße Haus erinnert die Serie erstaunlich stark an „The West Wing“, inklusive ausführlichen Walk-and-Talks und politischen Ränkespielen mit dem Kongress. Natürlich reicht das Level an Komplexität und Wortwitz nie an Aaron Sorkins brillante Drehbücher heran, doch war es für mich nach Jahren endlich einmal wieder ein unterhaltsam inszenierter und höchst idealistischer Besuch im Weißen Haus. In Kombination mit dem Thriller-Anteil der Geschichte eine extrem unterhaltsame Mischung: 9/10 (8.5) Punkte.

Staffel 2: Lasst uns alles über Bord werfen!

Die große Verschwörung, welche die gesamte erste Staffel bestimmt hat, wird innerhalb der ersten drei Episoden abgehandelt und beendet. Ich hatte stets mit einem Kniff gerechnet, dass der Antagonist noch einmal auftaucht, aber Pustekuchen. Die zweite Staffel besitzt dann eher Procedural-Charakter und in jeder Episode gibt es eine neue politische Verstrickung der Woche, was ich wirklich enttäuschend fand. Die lose Rahmenhandlung beschränkt sich auf konstruierte Geschehnisse im Hintergrund, die bösen Russen und einen tragischen Todesfall in der Familie des Präsidenten. All das wirkt ziemlich zusammengewürfelt. Zwar habe ich die Figuren immer noch sehr gerne gesehen, und auch Kiefer Sutherlands Tom Kirkman ist nach wie vor ein spannender Präsident, doch so wirklich durchdacht wirkt das alles nicht mehr. Schön fand ich es, Michael J. Fox in einer größeren Rolle zu sehen, was der Serie etliche Bonuspunkte eingebracht hat. Zwar immer noch unterhaltsam, aber weit davon entfernt das Niveau der ersten Staffel zu erreichen: 7/10 (7.3) Punkte.

Staffel 3: Aus Network-TV wird Streaming-TV

Nach dem Aus bei ABC, hat sich Netflix die Serie gesichert und um immerhin eine Staffel verlängert. Das merkt man sowohl an den progressiveren Themen, z.B. der Transgender-Schwägerin des Präsidenten, und auch am Einsatz von Schimpfwörtern. Es weht also durchaus ein frischer Wind, was ich als sehr angenehm empfunden habe. Auch die übergreifende Handlung mit Präsident Kirkmans Wahlkampf hat mir gut gefallen. Leider haben die Autoren versucht, weiterhin an der Zweiteilung zwischen Politdrama und Agententhriller festzuhalten, was hier nur noch bedingt funktioniert. Erst als die beiden Handlungsstränge am Ende zusammenlaufen, konnte mich die Geschichte überzeugen. Dann aber ist die Staffel nach 10 Episoden auch schon wieder vorbei. Insgesamt wirkt die dritte Staffel, als hätte Netflix auf Teufel komm raus versucht, ihr einen neuen Anstrich zu geben und doch die alten Tugenden beizubehalten. Die neue Mischung ist zwar interessant und begrüßenswert, lässt die gesamte Staffel aber ein wenig wie einen Flickenteppich wirken. Besonders schade fand ich es, dass die Serie nicht auserzählt ist, sondern mit mehreren Cliffhangern endet. Wirklich schade: 7/10 (7.4) Punkte.

Fazit

Wenn ihr dramatisierte US-Politik im Fernsehformat mögt, dann schaut ruhig einmal in „Designated Survivor“ rein. Gerade die erste Staffel bietet besten Eskapismus. Danach verliert sich die Serie leider etwas und wirkt erst gegen Ende so, als hätte man einen sinnvollen, neuen Weg gefunden. Aufgrund der Absetzung werden wir jedoch nie erfahren, wie es damit weitergegangen wäre. Schade drum. Dennoch insgesamt gute Unterhaltung, wenn man das Thema mag: 8/10 (7.7) Punkte.

22 Gedanken zu “Designated Survivor – Die komplette Serie (Staffel 1 bis 3)

  1. Ich fand leider auch, dass Staffel Drei zu den anderen beiden abfällt, echt schade.
    Falls Du Nachschub suchst, was US-Serien im Politikmilieu angeht, kann ich ‚Madam Secretary‘ empfehlen, die mochte ich wirklich gern und ein anständiges Ende gibts auch 🙂 (Ich weiß allerdings nicht ob und wenn ja wo das gestreamt wird)

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  2. Die erste Staffel hab ich schon vor Ewigkeiten mal gesehen und fand sie auch richtig gut. Die Grundidee ist halt spannend. Dann bin ich irgendwo in Staffel zwei stecken geblieben und dann wurde die Serie abgesetzt und ich hab das Interesse verloren. Dass es inzwischen doch eine dritte Staffel gibt, klingt ja erstmal gut. Aber ein Cliffhanger am Ende macht mir jetzt auch keine große Lust, da noch mal einzusteigen. Schade eigentlich.

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    • Da hast du das Beste der Serie tatsächlich schon gesehen. Wenn du schon länger raus bist, lohnt es sich wohl auch nicht nochmal einzusteigen. Aber so im Fluss war es schon nett gemacht, nur das offene Ende hat mich etwas genervt.

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      • Das denke ich mir. Wenn du jetzt gesagt hättest, die Serie hat einen guten Abschluss bekommen, hätte ich es mir vorliegt noch mal überlegt. Aber Cliffhanger am Ende sind für mich inzwischen auch fast das Schlimmste. Schade drum.

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      • Yep, gerade da die Serie eh schon von Netflix gerettet wurde. Da hätten sie doch zumindest noch zwei Episoden zugeben können, um die Chose sauber zu Ende zu bringen. Naja. Schade drum.

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  3. Da krame ich mal das schönste Zitat aus meiner Besprechung raus:
    „Wäre hierzulande mit einem CSU-Landwirtschaftsminister eine Knaller-Komödie“

    Ich erinnere mich noch, dass ich Mr. Sutherland gerne zugesehen habe, aber die Nebenplots haben mich nach der ersten Staffel abschalten lassen. Und der Teenie-Sohn mich so genervt, dass er mir eben damit in Erinnerung geblieben ist.

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  4. Die 1. Staffel hatte ich auch gesehen und fühlte mich eigentlich gut unterhalten. Ich weiß gar nicht mehr genau, warum ich (noch) nicht weiter geschaut habe – glaube, die Kritiken waren sich recht einig, dass die Qualität mit Staffel 2 runter geht.

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