Drachenzähmen leicht gemacht – OT: How to Train Your Dragon (2010) (WS1)

Aktualisierung: Ich habe „Drachenzähmen leicht gemacht“ am 11. September 2020 zum dritten Mal gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Nach einem recht entspannten und doch irgendwie anstrengenden Tag, folgte am Abend mit „Drachenzähmen leicht gemacht“ die Sichtung eines Films, den ich bereits vor sieben Jahren gesehen und besprochen habe. Ganz konkret wurde mein erneutes Interesse an dem Franchise durch den Zwergofanten geweckt, der seit seinem fünften Geburtstag großer Fan der Drachen ist, ohne je auch nur einen Schnipsel davon gesehen zu haben. Ob mich der Film auch beim zweiten Mal packen konnte?

Drachenzähmen leicht gemacht (2010) | © Twentieth Century Fox

Drachenzähmen leicht gemacht (2010) | © Twentieth Century Fox

Komm Ohnezahn, wir fliegen!

Was hatte ich Spaß mit dem Film! Doch fangen wir von vorne an: Die Geschichte ist zweckmäßig simpel und besticht durch ein unverbrauchtes Setting. Im Zentrum steht eindeutig die Beziehung zwischen Hicks und seinem Drachen Ohnezahn – und diese Szenen funktionieren sowohl auf der emotionalen als auch auf der inszenatorischen Ebene perfekt. Es macht so viel Spaß, mit Ohnezahn durch die Lüfte zu fliegen. Und ja, dieses Mal habe ich den Film in 3D gesehen und ja, es ist ein Zugewinn. Herrlich!

Die langsam entstehende Bindung zwischen dem Wikingerjungen und seinem Drachen hat mich heute auch stark an „Mein Freund, der Delfin“ erinnert: In beiden Fällen setzt sich ein Junge dafür ein, dass ein verletztes Tier durch eine Prothese wieder seine natürliche Bewegungsfähigkeit erlangt. Auch in diesem Film funktioniert dieses Handlungselement perfekt und die Spiegelung am Ende lässt erahnen, dass Ohnezahn und Hicks in Zukunft noch viel enger zusammenwachsen. Überhaupt fand ich es für einen Animationsfilm sehr beeindruckend, den finalem Kampf nicht ohne Konsequenz für die Hauptfigur enden zu lassen.

Fazit

Wie gerne hätte ich „How to Train Your Dragon“ mit dem Zwergofanten angeschaut, doch leider weiß ich, dass er sich viel zu sehr gefürchtet hätte. Wenn er nun Fragen zu den Drachen und ihren Reitern hat, kann ich diese jetzt aber endlich fundiert beantworten. Und wenn er dann soweit ist, freue ich mich schon sehr auf eine Rückkehr nach Berk (bis dahin besuchen wir bestimmt noch öfter die Playmobil-Version, die bei uns Einzug gefunden hat): 8/10 Punkte.

Tatsächlich… Liebe – OT: Love Actually (2003)

Nur noch eine Woche bis Weihnachten. Unglaublich. Höchste Zeit also, langsam aber sicher in Weihnachtsstimmung zu kommen. Den Baum haben wir heute schon gekauft und das Zappelinchen hatte seinen ersten Auftritt mit dem Kinderchor. Dennoch ist mein Kopf noch viel zu voll mit anderen Dingen, um im Weihnachtsmodus zu sein. Vielleicht hilft ein Film? Da „Schöne Bescherung“ fest für Ende der Woche eingeplant ist, habe ich mein Glück mit „Tatsächlich… Liebe“ versucht, den ich bisher erst einmal vor vielen, vielen Jahren gesehen hatte…

Tatsächlich… Liebe (2003) | © Universal Pictures Germany GmbH

Tatsächlich… Liebe (2003) | © Universal Pictures Germany GmbH

Weihnachtskitsch der bekömmlichen Sorte

An meine letzte Sichtung konnte ich mich nicht mehr wirklich gut erinnern. Ein paar Einzelszenen waren mir noch im Kopf, doch sonderlich beeindruckt hatte mich der Film anscheinend nicht. Heute sieht das anders aus: Auch wenn Richard Curtis in „Love Actually“ sich erneut als Meister des Knöpfedrückens beweist, so bietet der Film auch extrem viel Spaß, unerwartete Szenen und Selbstbewusstsein auf der Metaebene. Besonders imposant fand ich allerdings, dass die unzähligen Handlungsstränge tatsächlich gleichwertig erzählt werden. Da bleibt nichts offen und keine Figur fällt hinten runter. Neben all den oberflächlich wirkenden Romanzen ist das eine starke Leistung. Überhaupt paart Curtis (bekannt für „Vier Hochzeiten und ein Todesfall“ und „Alles eine Frage der Zeit“) gekonnt wirklich übertrieben kitschige Szenen mit nachdenklich stimmenden Momenten und beinahe schon kindisch explizitem Humor. Und was soll ich sagen? Die Mischung geht auf.

Auch das Weihnachtssetting mit all den unsäglichen Popsongs fügt sich in diese große, bunte Erzählung ein, die in einem natürlich ebenso übertrieben bombastischem Finale mündet. Jedoch sind es eher die kleinen Momente, die wirklich in Erinnerung bleiben: Karens (Emma Thompson) herzergreifende Erkenntnis, dass ihr Mann (Alan Rickman) eine andere Frau beschenkt hat. Oder Marks (Andrew Lincoln, „The Walking Dead“) Liebesgeständnis an die Frau (Keira Knightley) seines besten Freundes. Auch wenn die meisten Kritiker das damals anders gesehen haben, hat sich „Tatsächlich… Liebe“ zurecht in das popkulturelle Herz der vorweihnachtlichen Kinozuschauer gespielt.

Fazit

Mir hat „Love Actually“ bei der heutigen Sichtung wirklich ausgezeichnet gefallen. Jeder einzelne Handlungsstrang hat mir auf seine Art und Weise viel Freude bereitet und ich mochte sowohl den Kitsch als auch den Humor. Nicht in jeder Geschichte gibt es ein Happy End, doch auch das ist eben tatsächlich… Liebe: 8/10 Punkte.

Doctor Strange (2016)

Aktualisierung: Ich habe „Doctor Strange“ am 15. Juni 2024 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und eine aktualisierte Besprechung veröffentlicht.

Es geht Schlag auf Schlag weiter mit meinem aktuellen Besuch im Marvel Cinematic Universe (MCU): Nachdem ich erst gestern „The First Avenger: Civil War“ gesehen habe, stand heute mit „Doctor Strange“ eine weitere Origin-Geschichte auf dem Programm. Wie sich Benedict Cumberbatch als unfreiwilliger Weltenretter so schlägt, erfahrt ihr in der folgenden Besprechung…

Doctor Strange (2016) | © Walt Disney

Doctor Strange (2016) | © Walt Disney

Irgendwo zwischen „Inception“ und „Harry Potter“

Nachdem sich die Filme der großen Helden inzwischen fast ein wenig generisch anfühlen, so können Randfiguren wie „Ant-Man“ oder eben auch „Doctor Strange“ neues Terrain betreten. Tatsächlich fühlt sich diese Origin-Geschichte auch anders an, als die bekannten MCU-Filme: viel mehr Mystik und Fantasy. Die Effekte erinnern zudem sehr an Christopher Nolans „Inception“ und wissen gerade in 3D wirklich zu beeindrucken. Hier lohnt sich die zusätzliche Ebene und ich bin froh, diese Version des Films gesehen zu haben. In etlichen Szenen dieser Fassung wird das Cinemascope-Bild zudem auf IMAX geöffnet, was direkt noch einmal intensiver wirkt. Audiovisuell ist „Doctor Strange“ wahrlich ein Hochgenuss.

Wie lässt sich die mystische Handlung im MCU verorten? Ich hatte über weite Strecken tatsächlich nicht das Gefühl, einen Film des Marvel-Franchise zu sehen. Die Berührungspunkte sind (noch) sehr gering, auch wenn die Mid-Credit-Szene Lust auf eine Annäherung macht. Mit schwächeren Schauspielern hätte die ganze Geschichte auch leicht ein wenig überzogen wirken können, doch Benedict Cumberbatch und Tilda Swinton verleihen ihren Charakteren die nötige Ernsthaftigkeit.

Fazit

Ich mag Origin-Geschichten und „Doctor Strange“ ist mit Sicherheit eine der beeindruckendsten. Die Handlung ist nicht sonderlich komplex, wird aber mitreißend und einfallsreich erzählt. Benedict Cumberbatch ist ein wahrer Gewinn für das MCU, was die Messlatte für ein zukünftiges Zusammentreffen mit den Avengers höher legt. Selbst wenn man sonst nicht viel mit Marvel und Superhelden anfangen kann, kann man hier durchaus einmal reinschauen: 8/10 Punkte.

The First Avenger: Civil War – OT: Captain America: Civil War (2016)

Aktualisierung: Ich habe „The First Avenger: Civil War“ am 31. Mai 2024 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und eine aktualisierte Besprechung veröffentlicht.

Endlich Wochenende. Noch zwei Wochen bis Weihnachten. Bis dahin gibt es noch viel zu tun. Selten habe ich mich so ausgepowert gefühlt, wie zurzeit. Meine Erkältung geht in die fünfte Woche und es ist kein Ende in Sicht. Als Ablenkung von all den unschönen Dingen des Alltags blieb ich mit „The First Avenger: Civil War“ dem Marvel Cinematic Universe (MCU) treu. Ob der Film mir die nötige Portion Eskapismus bieten konnte?

The First Avenger: Civil War (2016) | © Walt Disney

The First Avenger: Civil War (2016) | © Walt Disney

Team Iron Man oder Team Captain America?

War der letztwöchige „Ant-Man“ eher ein kleiner Film für das MCU, schicken sich die Russo-Brüder an, mit „Captain America: Civil War“ einen bombastischen Actionfilm à la „The Avengers“ zu inszenieren. Dabei ist gerade die Mischung spannend: Einerseits erinnert der Film stilistisch stark an den direkten Vorgänger „Captain America: The Winter Soldier“, bezieht sich inhaltlich aber stark auf „Avengers: Age of Ultron“ und lässt auch beinahe alle großen Superhelden auftreten. Diese Mischung fand ich sehr reizvoll. Ebenso gelungen fand ich die Prämisse, dass endlich einmal die durch die Avengers ausgelöste Zerstörung im Mittelpunkt stand. Dieser zentrale Konflikt sorgt letztendlich auch für die Auseinandersetzung zwischen Captain America und Iron Man, was in einem gigantischen Kampf zwischen den zwei Fraktionen kulminiert.

Mit Black Panther und Spider-Man werden zudem zwei neue Helden eingeführt, was ich durchaus erfrischend fand. Tatsächlich hat mir Tom Holland als Peter Parker recht gut gefallen, wenngleich es mir auch schwer fällt, nach Andrew Garfield wieder eine neue freundliche Spinne aus der Nachbarschaft zu akzeptieren. Überrascht war ich tatsächlich, Daniel Brühl als Antagonisten zu sehen, der seine Sache zwar gut macht, dessen Figur letztendlich aber doch eher blass bleibt. Interessanter ist da schon der Konflikt zwischen unseren Helden, wenngleich man hier auch kein großes Drama à la Shakespeare erwarten sollte.

Fazit

Für mich vereint „The First Avenger: Civil War“ das Beste aus seinen beiden direkten Vorgängern und hat es somit geschafft, mich ausgezeichnet zu unterhalten. Vielleicht bin ich der Marvel-Formel inzwischen auch schon zu sehr verfallen oder habe aufgrund des angespannten Alltags die leichte Unterhaltung bereitwillig hingenommen. So oder so macht der erste Film der dritten Phase des MCU einfach Spaß: 8/10 Punkte.

Ant-Man (2015)

Aktualisierung: Ich habe „Ant-Man“ am 29. Mai 2024 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und eine aktualisierte Besprechung veröffentlicht.

Das erste Adventswochenende ist in vollem Gange. Somit stand heute auch der erste Besuch auf einem Weihnachtsmarkt auf dem Programm. Danach waren wir ziemlich durchgefroren und haben uns – sobald die Kinder im Bett waren – auf das Sofa zurückgezogen. Von dort aus begleiteten wir „Ant-Man“ bei seinem ersten Abenteuer und sind somit erneut in das Marvel Cinematic Universe (MCU) zurückgekehrt…

Ant-Man (2015) | © Walt Disney

Ant-Man (2015) | © Walt Disney

Und es kommt doch auf die Größe an…

Eigentlich hatte ich den Film schon abgeschrieben gehabt: Nachdem Edgar Wright (u.a. „Shaun of the Dead“) bei „Ant-Man“ ausgestiegen war, nahm auch mein Interesse daran rapide ab. Wie es aber so ist mit den Marvel-Filmen, führt über kurz oder lang doch kein Weg daran vorbei. Aufgrund etlicher positiver Kritiken, war ich letztendlich auch positiver gestimmt, was auch an der ungewöhnlichen Fähigkeit dieses Superhelden liegt. Ja, ich gehöre noch zu der Generation, die mit „Liebling, ich habe die Kinder geschrumpft“ aufgewachsen ist! Außerdem sehe ich Paul Rudd („Immer Ärger mit 40“) sehr gerne. Was also hat der große Film mit dem kleinen Helden letztendlich zu bieten?

Tatsächlich eine ganze Menge! Nach den großen MCU-Filmen der letzten Woche („The Return of the First Avenger“ und „Avengers: Age of Ultron“) fühlte sich „Ant-Man“ wunderbar eigenständig an und selbst bei den Verknüpfungen zum Franchise behielt die Figur ihre Außenseiterrolle bei. Am besten hat mir wohl der finale Endkampf gefallen, bei dem – im Gegensatz zu den oben genannten Filmen – keine Städte in Schutt und Asche gelegt werden, sondern der ganz simpel in einem Kinderzimmer stattfindet. Einfach herrlich! Ansonsten muss ich noch die überzeugenden Schrumpf-Effekte sowie die Schauspieler hervorheben. Speziell Michael Douglas („Wall Street“) hat mir neben Paul Rudd sehr gut gefallen. Auch habe ich mich gefreut Evangeline Lilly („Lost“) und Bobby Cannavale (unfassbar beeindruckend in der dritten Staffel von „Boardwalk Empire“) zu sehen.

Marvel Cinematic Universe: Phase 2

Mit „Ant-Man“ ist die zweite Phase des MCU nun auch abgeschlossen und ich möchte, wie bereits nach der ersten Phase, ein Ranking der Filme aufstellen:

  1. „Guardians of the Galaxy“ (8/10 Punkte)
  2. „Ant-Man“ (8/10 Punkte)
  3. „The Return of the First Avenger“ (7/10 Punkte)
  4. „Avengers: Age of Ultron“ (7/10 Punkte)
  5. „Thor: The Dark Kingdom“ (7/10 Punkte)
  6. „Iron Man 3“ (7/10 Punkte)

Fazit

Mir hat „Ant-Man“ wirklich viel Freude bereitet. Gerade weil man es im Prinzip mit einem Heist-Movie zu tun bekommt, der nur eben in das MCU verlegt wurde. Auch mag ich die Figur des unfreiwilligen Helden sehr gerne, was zusätzlich durch die tollen Schauspieler und die wunderbare Miniatur-Action unterstützt wird. Für mich einer der bisher stärksten Marvel-Filme: 8/10 Punkte.

Black-ish – Season 1

Nachdem ich mich mit „Veep“ und „Boardwalk Empire“ zuletzt auf qualitativ hochwertige Pay-TV-Serien konzentriert hatte, war es gar nicht so einfach im normalen Streaming-Angebot eine Network-Comedy zu finden, die man sich am Ende eines langen Tages völlig entspannt ansehen kann. Nachdem ich die zweite Staffel von „Life in Pieces“ vorerst vorzeitig abgebrochen hatte, gab ich „Black-ish – Season 1“ eine Chance. Diese Entscheidung sollte sich als die richtige herausstellen…

Black-ish – Season 1 | © ABC Studios

Black-ish – Season 1 | © ABC Studios

Eine herrlich klassische Familien-Sitcom

Wie gerne würde ich jetzt den Vergleich zu „Die Bill Cosby Show“ ziehen. Neben „Alf“ meine erste Begegnung mit einer Sitcom und… aber nein, speziell über diese Serie will ich heute nicht mehr reden. Ihr kennt die Gründe. Also wenden wir uns lieber „Black-ish“ zu, die in (fast) jeder Hinsicht eine zeitgemäße Comedy-Serie ist. Auch wenn in jeder Episode eine gesellschaftlich relevantes Thema angesprochen wird, so bietet „Black-ish“ in vielerlei Hinsicht doch ganz klassische Familienunterhaltung. Und das hat mir die Serie wirklich sympathisch gemacht. Zwar werden schwarze Themen ganz bewusst (und das mit einer gesunden Mischung aus Ernsthaftigkeit und Selbstironie) angesprochen, doch wirkt die Serie nie belehrend.

Fazit

Auch wenn sich die Serie einiges traut und auch schwierige Themen verarbeitet, so merkt man doch, dass man es mit einer Network-Serie zu tun hat. Gerade der formelhafte Aufbau wirkt über 24 Episoden gestreckt ein wenig ermüdend, was aber auch zur klassischen Erzählform der Familien-Comedy passt. Insgesamt hatte ich viel Spaß mit der Familie Johnson und werde bestimmt noch ein wenig mehr Zeit mit ihr verbringen: 8/10 (7.6) Punkte.

WarGames: Kriegsspiele – OT: WarGames (1983)

So langsam neigen sich die Herbstferien ihrem Ende zu. Immerhin hat sich das Wetter heute Vormittag noch einmal von seiner besten Seite gezeigt, weshalb wir spontan zu einem Ausflug in einen nahegelegenen Dinosaurierpark aufgebrochen sind. Dennoch habe ich heute Abend nicht „Jurassic Park“ eingelegt, sondern mit „WarGames: Kriegsspiele“ aus dem Jahr 1983 endlich eine Bildungslücke geschlossen…

WarGames: Kriegsspiele (1983) | © Twentieth Century Fox

WarGames: Kriegsspiele (1983) | © Twentieth Century Fox

Endlich bereit für „Ready Player One“

Auch wenn „WarGames“ schon lange auf meiner Liste der noch zu sehenden Filme stand, so hat ihn erst der wunderbare Roman „Ready Player One“ ganz nach oben katapultiert. Schließlich nimmt John Badhams Film darin eine nicht unbedeutende Rolle ein. Da Steven Spielbergs Verfilmung bereits vor der Tür steht, war es für mich der perfekte Moment in die frühen 80er zurückzukehren und mit Matthew Broderick die Welt zu retten – oder zu vernichten, ganz wie man es sehen mag. Dabei ist es mit Filmen der 80er ja nicht immer einfach, wenn man nicht mit diesen aufgewachsen ist, und gerade „WarGames“ wirkt aufgrund seines technischen Schwerpunkts heute teils wie aus einer anderen Welt.

Was für mich nach wie vor ausgezeichnet funktioniert, ist der langsame Spannungsaufbau und die Darstellung der Umgebung, in der David (Matthew Broderick) aufwächst. Die Hauptfigur wird zudem nicht als prototypischer Nerd gezeichnet, sondern als gewitzter Außenseiter, der zudem noch ganz ungezwungen beim anderen Geschlecht ankommt. Kein Wunder, dass sich Ernest Cline in „Ready Player One“ für diesen Film als First Gate entschieden hat. Wade und David sind sich gar nicht so unähnlich. Auch die zugrunde liegende Geschichte schafft es heute noch zu faszinieren. Selbst wenn der Kalte Krieg inzwischen Vergangenheit ist, bleibt die Bedrohung durch diverse Finger an diversen Knöpfen doch bestehen. Auch das Thema Künstliche Intelligenz ist aktueller denn je, was die einzelnen Versatzstücke (auch wenn der Film insgesamt doch etwas überholt wirkt) relevant bleiben lässt.

Fazit

Selbst wenn ich damals nicht mit „WarGames“ aufgewachsen bin und ihn somit nicht zu meinen persönlichen Kultfilmen zählen kann, so verstehe ich doch gut, was seinen Reiz ausmacht. Auch heute noch funktioniert die Dynamik zwischen David und Jennifer, viele Nerd-Elemente schreien geradezu nach Retro-Kult und die Botschaft des Films ist so einfach wie zeitlos. Nun bin ich gespannt, wie Spielberg diesen Klassiker in seine Verfilmung des Kultromans einarbeitet: 8/10 Punkte.

Green Room (2015)

Der filmische Horror-Monat Oktober ist beinahe zu Ende. Höchste Zeit also, dass ich mich dem Genrefilm zuwende: Mit Jeremy Saulniers „Green Room“ stand sogleich ein Film auf dem Programm, den ich ohnehin schon länger sehen wollte. Wenig Grusel, dafür extreme Spannung und fieser Splatter. Ob das für einen gelungenen Filmabend ausreichend war?

Green Room (2015) | © Universum Film GmbH

Green Room (2015) | © Universum Film GmbH

Punk Is Dead

Zumindest die Punk-Band ist nach dem Film tot. Dabei hat alles so harmonisch begonnen: Eine erfolglose Punk-Band ist auf der Suche nach dem nächsten Gig. Das ist verbunden mit viel Gerede über Image, Lieblingsbands und – am wichtigsten – woher man das Geld für Benzin nimmt. Als sich spontan eine neue Möglichkeit ergibt, fragen die vier Bandmitglieder nicht lange nach, sondern nehmen den Gig an. Da ist es auch fast schon egal, dass sie vor hinterwäldlerischen Neo-Nazis spielen. Als sie jedoch unfreiwillig Zeuge eines Mordes werden, beginnt ein Überlebenskampf, der von Anfang an aussichtslos erscheint.

Jeremy Saulniers Terrorfilm ist wahrlich nichts für schwache Nerven. Die Spannungsschraube wird beständig angezogen und von befreiender Komik ist nichts zu spüren. Dazu gesellen sich eruptive Gewaltszenen, die sowohl vom Timing als auch aufgrund ihrer expliziten Darstellung überraschen. Über weite Strecken ist „Green Room“ schon fast ein Kammerspiel, das einen Belagerungszustand zeigt, was das Gefühl der Klaustrophobie und des Ausgeliefertseins nur noch unterstreicht.

Patrick Stewart als fieser Nazi-Boss

Neben dem geradlinig inszenierten Terror, haben mich vor allem die Schauspieler überrascht: Am auffälligsten ist wohl Patrick Stewart, der den perfiden Anführer der Neo-Nazi-Bande spielt. Doch auch der leider viel zu früh verstorbene Anton Yelchin (u.a. „Odd Thomas“) weiß  zu überzeugen. Daneben sind mir noch speziell Alia Shawkat (Serienfreunden bekannt als Cousin Maeby aus „Arrested Development“) und Imogen Poots („Centurion“) aufgefallen. Bis zum Ende schaffen es nur die wenigsten.

Fazit

Auch wenn „Green Room“ keine wirklich originelle Geschichte erzählt (im Grunde erlebt man „From Dusk Till Dawn“ mit Nazis statt Vampiren), so hat er mich doch extrem mitgerissen. Und das nicht immer auf unterhaltsame Art und Weise, denn viele Szenen sind wirklich unangenehm und werden mir noch lange im Gedächtnis bleiben. Wer Lust auf knallharte Terror-Action hat, der sollte hier ruhig einmal reinschauen: 8/10 Punkte.

All Is Lost (2013)

Nach einem zweiwöchigen Kraftakt in vielerlei Hinsicht, habe ich mich mit letzter Energie in den sicheren Hafen des Wochenendes gerettet. Was lag also näher, als mit „All Is Lost“ ein Survival-Drama anzuschauen? Nichts, völlig richtig. Folglich habe ich Robert Redford begleitet, wie er gegen die Naturgewalten kämpft. Ob er verloren oder gewonnen hat, lest ihr in der folgenden Besprechung…

All Is Lost (2013) | © Universum Film GmbH

All Is Lost (2013) | © Universum Film GmbH

Der alte Mann und das Meer

Ich mag Filme, die eine aufs Nötigste reduzierte Prämisse besitzen. Auch kammerspielartige Schauplätze finde ich spannend. Oft gelingt es Filmemachern gerade aus der auferlegten Beschränkung viel herauszuholen. Ob das J. C. Chandor auch gelungen ist? In meinen Augen ja. Auch wenn der Vergleich hinken mag, so hat mich „All Is Lost“ wohl am ehesten an „Gravity“ erinnert, denn der von Robert Redford großartig gespielte namenlose Segler kommt, wie Sandra Bullocks Figur in dem Sci-Fi-Thriller, wortwörtlich oft vom Regen in die Traufe. Das mag in der hohen Schlagzahl der Katastrophen anstrengend wirken, ist jedoch unglaublich packend inszeniert. Gerade Redfords stoische Art mit den Problemen umzugehen (zumindest noch am Anfang) ist einfach großartig.

Ich mag da Meer als Schauplatz ohnehin sehr gerne und J. C. Chandor fängt es wunderbar ein: einerseits bedrohlich, andererseits auch wunderschön. Der Mensch als Spielball der Natur. Nach dem Kinostart haben Segler anscheinend viel am Realismus des Films auszusetzen gehabt. Mir als ungeübtem Zuschauer sind allerdings keine Logiklöcher aufgefallen, zumal ich es auch nur nachvollziehbar finde, dass der Segler nicht in allen Stresssituationen sofort die richtige Entscheidung trifft.

Fazit

Für mich war „All Is Lost“ eine intensive Seherfahrung, bei der ich es spannend fand, wie minimalistisch J. C. Chandor seinen Film inszeniert hat (so gibt es z.B. kein emotionales Payoff am Ende des Films) und wie sehr sich Redfords Schauspiel daran orientiert. Eine beeindruckende One-Man-Show, die jedoch nicht auf den Effekt setzt. Kann ich nur empfehlen: 8/10 Punkte.

Mein Freund, der Delfin – OT: Dolphin Tale (2011)

Nach einem verregneten Brückentag, an dem wir nachmittags die völlig verrückte Idee hatten, unbedingt eine Radtour zu unternehmen, waren wir abends alle nass, durchgefroren und kaputt. Da der letzte Filmabend mit den Kindern auch schon wieder fünf Monate zurückliegt, war es die perfekte Gelegenheit mit „Mein Freund, der Delfin“ dem privaten Heimkino einen gemeinsamen Besuch abzustatten…

Mein Freund, der Delfin (2011)

Mein Freund, der Delfin (2011) | © Warner Home Video

So richtig schön heile Welt

Wie zu erwarten, hat sich der Zwergofant ziemlich schnell ins Bett verzogen, weil er vom Tag doch arg müde war und der Film ihm zu aufregend erschien. Das Zappelinchen dagegen war von der ersten Sekunde an gefesselt, hat gelacht, gegluckst, mitgelitten und mitgefiebert. Eine wahre Freude! Da geht einem als filmliebender Vater so richtig das Herz auf. Es fällt mir somit nicht leicht, „Mein Freund, der Delfin“ objektiv zu betrachten. Im Grunde wird hier eine Coming-of-Age-Geschichte mit einer typischen Mensch-Tier-Freundschaft verwoben, was tatsächlich ausgezeichnet funktioniert. Umso beeindruckender, dass die Geschichte des Delfins einen wahren Kern besitzt und Winter, so ihr Name, auch die tierische Hauptrolle übernommen hat.

Völlig klar: „Mein Freund, der Delfin“ ist ein waschechter Kinderfilm. Die heile Welt wird nur selten angekratzt, was ich allerdings durchaus positiv verbuche. Es gibt keinen Bösewicht in der Geschichte, keine zynischen Sprüche, keine übertriebene Action. All das mag uns erwachsenen Zuschauern ungewohnt erscheinen, wenn man den Film allerdings mit Kinderaugen sieht, dann kann man sich seinem Charme kaum entziehen. Trotz hinzugedichteter dramaturgischer Elemente, funktioniert die Geschichte zudem im Kern wirklich gut. Winter schafft es Menschen zu inspirieren und zu ermutigen, mit ihrer Behinderung zu leben. Diese Botschaft kommt an und ist auch bei meiner Tochter hängengeblieben. Ich freue mich jetzt schon auf die morgigen Gespräche über das Filmerlebnis.

Fazit

Heute habe ich mich wieder gefragt, warum wir so selten als Familie einen Film schauen. Oft klappt es aus zeitlichen Gründen nicht und, auch wenn es auf meinem Blog oft anders wirkt, steht Medienkonsum meist ganz hinten an. Es gibt schließlich immer etwas anderes zu tun. Unsere gemeinsame Sichtung von „Mein Freund, der Delfin“ hat mir aber gezeigt, dass es für uns alle ein Zugewinn sein kann. Durch die rosarote Vater-Brille betrachtet vergebe ich: 8/10 Punkte.