Man lernt nie aus – OT: The Intern (2015)

Eigentlich wollte ich einmal wieder einen bombastischen Blockbuster oder einen Horrorfilm sehen. Irgendetwas mit Wumms. Aber die letzten Tage waren emotional anstrengend. Der Sinn stand mir somit mehr nach einem Wohlfühlfilm und irgendwie war mir ein Tweet von PixelParc im Hinterkopf, der „Man lernt nie aus“ lobte. Da der Film eh auf meiner Liste stand, war die Wahl schnell getroffen…   🗃💻

Man lernt nie aus (2015) | © Warner Bros (Universal Pictures)

Man lernt nie aus (2015) | © Warner Bros (Universal Pictures)

Der (fast) perfekte Wohlfühlfilm

Was soll ich sagen? „The Intern“, so der englische Originaltitel, ist richtig wholesome. Einfach ein nahezu perfekter Wohlfühlfilm. Dabei ist die Prämisse eher dünn und auch das Drehbuch gewinnt keine Preise. Mit anderen Schauspieler*innen hätte das eine ganz öde Nummer werden können, doch Anne Hathaway und Robert De Niro spielen so großartig zusammen, dass es eine wahre Freude ist. Hinzu kommt, dass es kein aufgesetztes Drama à la gesundheitliche Probleme, Unfälle oder sonst etwas gibt. Nancy Meyers (u.a. „Liebe braucht keine Ferien“) konzentriert sich komplett auf die zentrale Beziehung zwischen Startup-Gründerin Jules Ostin und dem 70-jährigen Praktikanten Ben Whittaker. Und das funktioniert wunderbar!

Ich habe wirklich nahezu jede Szene des Films genossen. Der Film ist humorvoll, anrührend und einfach schön. Alleine das Zusehen hat mir gut getan. Einzig eine Szene in den letzten 5 Minuten fand ich richtig doof und zwar als Jules die Affäre ihres Mannes einfach so weglächelt. Damit hat das Drehbuch ihrer Figur keinen Gefallen getan. Für mich hätte es nicht unbedingt auf eine Trennung rauslaufen müssen, aber diese Reaktion war mir zu schwach. Schade drum.

Fazit

Ja, „Man lernt nie aus“ ist sicherlich kein Meisterwerk. Wenn ihr aber die Schauspieler*innen mögt (wie kann man Anne Hathaway und Robert De Niro nicht lieben?) und einfach einen netten Film für euren Gemütszustand sucht, dann kann ich euch „The Intern“ nur dringend ans Herz legen. Tut einfach gut: 8/10 Punkte.

Sie weiß von dir – OT: Behind Her Eyes – Die komplette Miniserie

Auf die Serie wäre ich vermutlich nie gestoßen, wenn ich keine flammende Empfehlung des „Fortsetzung folgt“-Podcasts gehört hätte. Eigentlich mag ich es, mehr Zeit in Serien zu verbringen, doch eine Miniserie von gerade einmal sechs Episoden schien mir als fokussierte Unterhaltung während meines Urlaubs doch angemessen. Also habe ich  mich an „Sie weiß von dir“ bzw. „Behind Her Eyes“ versucht und die Serie innerhalb von vier Abenden verschlungen. Indirekte Spoiler sind zu erwarten. 🌲🌳🌲

Sie weiß von dir (2021) | © Netflix

Sie weiß von dir (2021) | © Netflix

Ein extrem fesselndes Mystery-Drama

„Behind Her Eyes“ hat sich für mich angefühlt, wie einen seichten, aber enorm spannenden Thriller zu lesen. Kein Wunder, handelt es sich bei der Miniserie doch um die Verfilmung des gleichnamigen Buches von Sarah Pinborough. Während der ersten drei Episoden habe ich mich in einem Beziehungsdrama gewähnt, das schon bald eine weitere Zeitebene in die Handlung einwebt. Zudem wird Träumen eine immer größere Bedeutung beigemessen, was ich ohnehin stets spannend finde (siehe „The Cell“, „Inception“ oder „Paprika“). Hier habe ich auch begonnen erste Theorien aufzustellen und Wendungen vorherzusehen. Glücklicherweise war die Handlung zu diesem Zeitpunkt noch nicht so leicht zu entschlüsseln und das Mitraten hielt noch bis zur vorletzten Episode an.

Die fünfte Episode stellte für mich auch den Wendepunkt der Geschichte dar, denn plötzlich wurden übernatürliche Elemente mit in die Handlung eingewoben. Das hat mich zu Beginn ziemlich gestört, letztendlich war es aber auch nur ein konsequenter weiterer Schritt, der sich schon seit geraumer Zeit angedeutet hatte. Vermutlich hat mich auch die Art der nur wenig subtilen Visualisierung gestört. Im Buch hat sich dieses Element vermutlich viel natürlicher in die Geschichte eingefügt. Ab diesem Zeitpunkt wusste ich dann auch, wie die Geschichte ausgeht. Tatsächlich hat sich die Serie im weiteren Verlauf auch exakt so abgespielt, wie ich es vorhergesehen hatte. Das Ende hat mich somit nicht sonderlich schockiert und es hat mich sehr an den eher unbekannten Horrorfilm „Der verbotene Schlüssel“ aus dem Jahr 2005 erinnert.

Fazit

Auch wenn „Behind Her Eyes“ bestimmt keine Serie für die Ewigkeit ist, so hat sie doch eine Sogwirkung entfaltet, wie ich es schon lang nicht mehr erlebt habe. Ohne Kinder im Haus, hätte ich sie auch an zwei Nachmittagen verschlingen können. Wie so ein Buch, das man im Urlaub am Strand kapitelweise inhaliert: 9/10 (8.7) Punkte.

Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen 2 – OT: Cloudy with a Chance of Meatballs 2 (2013)

Es sind Ferien und somit durfte es auch unter der Woche einen Filmabend im Kreise der Familie geben. Die Wahl fiel auf „Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen 2“, dessen erster Teil uns vor ein paar Wochen schon ausgezeichnet zu unterhalten wusste. Ob es eine gute Idee war, den Film hungrig zu sehen? 🍓🍔🥞

Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen 2 (2013) | © Sony Pictures Home Entertainment GmbH

Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen 2 (2013) | © Sony Pictures Home Entertainment GmbH

Eine leckere Fortsetzung, die Spaß macht

Ich bin sehr gerne in die Welt des Flint Lockwood zurückgekehrt. Auch mochte ich den Ansatz des Films, eine Monstergeschichte zu erzählen, die an „King Kong“ und Co. erinnert. Dabei wird die beinahe schon hyperaktive Erzählgeschwindigkeit von „Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen“ noch einmal erhöht. Für mich hat das größtenteils recht gut funktioniert, auch wenn ich es dieses Mal ein wenig anstrengender fand. Die Geschichte selbst ist noch flacher als im ersten Teil, was aber aufgrund der geschmacksverstärkenden und bonbonbunten Bilder kaum auffällt.

Herausragend fand ich erneut den Animationsstil, der zwischen cartoonhaft (Figuren und Schauplätze in der Stadt) und fotorealistisch (jegliche Lebensmittel) schwankt, was in der Mischung aber fabelhaft funktioniert. Am Ende geht natürlich alles gut aus und die enthaltene Botschaft ist nett, aber auch recht oberflächlich. So wie der gesamte Film. Nicht sonderlich nährstoffreich, aber eben doch schmackhaft.

Fazit

Das Fazit zu „Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen 2“ fällt nicht wirklich eindeutig aus: Der Zwergofant hat den Film geliebt und fand ihn noch besser als den ersten Teil. Das Zappelinchen hat sich von Frau bullion bequatschen lassen, die den Film ziemlich doof fand. Ich selbst mochte ihn nicht so gern, wie den Vorgänger, fand ihn aber immer noch ziemlich gut. Wer also einen kontroversen Film sehen möchte, der sollte hier wohl zugreifen: 7/10 Punkte. (Zappelinchen: 5/10 Punkte; Zwergofant: 10/10 Punkte.)

Hop: Osterhase oder Superstar? – OT: Hop (2011)

Nachdem ich heute nur einen Halbmarathon gelaufen bin und sonst nicht viel gemacht habe, stand abends natürlich noch die Wahl des Films für den Filmabend an. Ob es denn noch Osterfilme gäbe, fragten die Kinder. Tatsächlich habe ich mit „Hop: Osterhase oder Superstar?“ einen weiteren Osterfilm gefunden… 🐰

Hop: Osterhase oder Superstar? | © Universal Pictures Germany GmbH

Hop: Osterhase oder Superstar? | © Universal Pictures Germany GmbH

Ein turbulentes Osterabenteuer für Kinder

Ich liebe Weihnachtsfilme. Für mich gehören „Schöne Bescherung“ oder „Kevin: Allein zu Haus“ fest zur Vorbereitung auf die Feiertage. Doch Osterfilme? Nicht, dass es davon sonderlich viele geben würde, aber gibt es dafür wirklich Bedarf? Tatsächlich muss ich jedoch zugeben, dass ich an „Die Häschenschule: Jagd nach dem goldenen Ei“ ziemlich gute Erinnerung habe. Vermutlich, weil es der erste Film war, den wir als komplette Familie zusammen geschaut haben. Ob sich „Hop: Osterhase oder Superstar?“ auch einen Platz in unserer familiären Filmhistorie sichern konnte?

„Hop“ ist eine typische US-Produktion. Super kitschig, übertrieben und mit ziemlich flachen Figuren. Etwas anderes hatte ich aber auch nicht erwartet. Dafür mochte ich die Osterfabrik in ihrer übertriebenen Farbenpracht recht gerne. Warum man allerdings die Mechanik des Weihnachtsmanns, inklusive Schlitten und Gespann an Flugtieren, kopieren musste? Das fand ich richtig dämlich, zumal die Osterhasen eigentlich ein wunderbares Transportsystem hatten. Aber vermutlich ist das der falsche Film, um Logik zu hinterfragen. Die Animationen waren süß gemacht und die Geschichte so nett wie vorhersehbar. Tut nicht weh, ist aber auch nichts Besonderes.

Fazit

Vermutlich hätte ich „Hop“ sogar einen Punkt weniger gegeben, doch wurde ich von meinen Kindern schon ins Kreuzverhör genommen, um zu klären, wie ich dem Film denn nur so wenige Punkte geben könne. Ihre Begeisterung ist somit auch mir noch einen Punkt wert. Insofern die perfekte Wahl für einen Filmabend mit Kindern, doch alleine braucht man sich „Hop“ nicht anschauen: 6/10 Punkte. (Zappelinchen: 10/10 Punkte; Zwergofant: 10/10 Punkte.)

Spuren – OT: Tracks (2013)

Karfreitag liegt hinter uns. Wir hatten das Treffen mit einer der Omas bereits auf heute vorgezogen, da das Wetter okay sein sollte und wir zumindest eine Runde spazieren gehen konnten. Besser als nichts. Dennoch sehr wenig Familie außerhalb des Kerns momentan. Abends kamen wir recht spät zur Ruhe, weshalb ich mit „Spuren“ zu einem Film gegriffen habe, der uns auf eine Reise entführen sollte… 🐪🏜

Spuren (2013) | © Ascot Elite Home Entertainment

Spuren (2013) | © Ascot Elite Home Entertainment

Die abenteuerliche Reise der Kamel-Frau

„Spuren“ ist einer dieser Filme, die eine reale Geschichte erzählen, von einem besonderen Menschen, der aus dem Alltag ausbricht. Robyn Davidson ist solch eine bemerkenswerte Person. Wie auch Christopher McCandless in „Into the Wild“ oder Cheryl Strayed in „Wild: Der große Trip“. Hinter all diesen Filmen stehen wahre Geschichten, wie sie das Leben perfekt zu schreiben weiß. Auch im Fall von „Spuren“ saß ich mehrfach vor dem Fernseher und habe Robyn einerseits bewundert, andererseits aber auch für verrückt erklärt. Vermutlich trifft beides zu einem gewissen Grad zu und doch überwiegt bei mir die Bewunderung.

Regisseur John Curran fängt die australische Wildnis in bestechenden Bildern ein und schafft es, die Motivation hinter Robyns Reise zu erklären, ohne dass dies belehrend oder zu plakativ wirken würde. Das hat mir wirklich gut gefallen. Robyn ist mit Mia Wasikowska großartig besetzt und auch Adam Driver als Fotograf Rick wirkt einfach passend in seiner Rolle. Auch wenn es eine epische Reise ist, so ist der Film nicht übermäßig dramatisiert oder auf den Effekt hin inszeniert. Es wirkt im Fluss, was wunderbar zu Robyns Reise passt.

Fazit

Wenn ihr ein Faible für Reiseabenteuer mit biographischen Selbstfindungsaspekten habt, dann ist „Spuren“ ein perfekter Film für euch. Ich kann aber verstehen, wenn man ihn nicht sonderlich spannend findet. Darum geht es aber auch nicht. Von mir gibt es eine dicke Empfehlung: 8/10 Punkte.

The Boys – Season 2

Nach meiner Sichtung der ersten Staffel von „The Boys“ war ich mir sicher, auch in die zweite Staffel sofort reinzuschauen, wenn sie erscheint. Zumal ich Autor Garth Ennis durch seinen Comic „Preacher“ und die zugehörige Serienadaption sehr zu schätzen gelernt habe. Doch, wie es manchmal so ist, habe ich „The Boys – Season 2“ erst später nachgeholt. Jedoch besser spät als nie… 🦸‍♂️🦸‍♀️

The Boys – Season 2 | © Amazon Prime Video

The Boys – Season 2 | © Amazon Prime Video

Die wilde Superheldensaga geht in die 2. Runde

Die zweite Staffel setzt genau nach der ersten an. Die große Enthüllung an deren Ende wird jedoch nicht direkt aufgenommen und der Handlungsstrang rund um Karl Urbans Butcher erst später weiterverfolgt. Mit Stormfront gesellt sich eine neue Heldin zu den Seven, welche sich später (keine Überraschung an dieser Stelle) als Antagonistin herausstellen wird. Gerade in Kombination mit dem erneut ultrafiesen Homelander ist das eine gefährliche Kombination. Doch auch in der Führungsriege von Vought bewegt sich so einiges und Giancarlo Esposito als Vought-Boss ist, wie bereits in „Breaking Bad“, sehr erfrischend. Hinzu kommt eine an Scientology erinnernde Kirche, welche für weitere Turbulenzen zwischen den Supes und den Boys sorgt.

Am besten hat mir wohl gefallen, dass etliche Charaktere nun eine ausführlichere Hintergrundgeschichte verpasst bekommen, was es mir deutlich leichter gemacht hat, mit ihnen mitzufiebern. Gerade die Dreiecksbeziehung zwischen Butcher, Becca und Homelander war sehr emotional aufgeladen. Zwar gibt es immer noch etliche plakative und platte Schockeffekte, wie bereits in der ersten Staffel, doch insgesamt fühlt sich das zweite Jahr gesetzter und kraftvoller an. Wunderbar waren auch wieder die Bezüge zu aktuellen gesellschaftspolitischen Themen, welche die satirische Grundstimmung der Serie unterstreichen. Wirklich extrem unterhaltsam.

Fazit

Auch im zweiten Jahr konnte mich „The Boys“ begeistern. Handlung und Figuren gewinnen mehr Tiefe, was jedoch nicht auf Kosten fieser Splattereffekte oder des irrsinnigen Humors geht. Auch im dritten Jahr werde ich bestimmt wieder mit dabei sein, wenn die Boys neue Supes jagen: 9/10 (8.8) Punkte.

TKKG: Jede Legende hat ihren Anfang (2019)

Nachdem der gestrige Filmabend mit der ganzen Familie ausgefallen ist, haben wir diesen heute mit „TKKG: Jede Legende hat ihren Anfang“ nachgeholt. Da der Film nicht im Streaming läuft, hat sich einmal mehr die lokale Bücherei bewährt. Eine wirklich schöne Einrichtung (von den unzähligen Büchern und Comics, die alle paar Wochen ihren Weg zu uns finden, einmal gar nicht zu sprechen). Aber ich schweife ab…

TKKG: Jede Legende hat ihren Anfang (2019) | © Warner Bros (Universal Pictures)

TKKG: Jede Legende hat ihren Anfang (2019) | © Warner Bros (Universal Pictures)

Eine gelungene Modernisierung der Reihe

Von all den Kinderkrimis bzw. Kinderabenteuern habe ich früher am häufigsten die Hörspiele der „Fünf Freunde“ gehört. Doch auch „TKKG“ habe ich bestimmt bei einer Handvoll Abenteuer begleitet. Die Reihe ist anscheinend nicht sonderlich gut gealtert, so dass ich besonders gespannt war, wie sie sich heute zwischen der Neuauflage von „Fünf Freunde“ und „Die drei !!!“ behaupten würde. Tatsächlich war ich positiv überrascht, wirkt die Inszenierung samt Score doch einerseits recht retro (teils musste ich sogar an „Stranger Things“ denken) und doch angenehm modern und zugleich passend kindgerecht umgesetzt.

Der zu lösende Fall selbst ist zwar überhaupt nicht spektakulär oder sonderlich verzwickt, aber darum geht es ja auch nicht. Schließlich steht die Origin-Geschichte von TKKG im Mittelpunkt und also solche funktioniert der Film tadellos. Die Schauspieler*innen sind allesamt sympathisch und füllen ihre Figuren wunderbar mit Leben. Die Chemie stimmt und jeder Charakter macht eine gewisse Entwicklung durch. Zudem ist der Film zwar durchaus humorvoll, aber er driftet nicht in komplette Albernheit ab. Eine gelungene Mischung.

Fazit

Insgesamt hat uns allen „TKKG: Jede Legende hat ihren Anfang“ wirklich gut gefallen. Eine gelungene Adaption, die Lust auf mehr macht. Beim zweiten Abenteuer der Bande sind wir also bestimmt wieder mit am Start: 7/10 Punkte. (Zappelinchen: 10/10 Punkte; Zwergofant: 9/10 Punkte.)

Die Besprechung ist Teil des CMARCH, der Blogaktion für Kinderfilme des Sneakfilm-Blogs.

Infini (2015)

Wochenende! Für den Rest der Familie beginnen damit die Osterferien, was allen wirklich gut tun wird. Für mich ändert sich vorerst nichts, doch auch ich freue mich auf immerhin zwei freie Tage. Da mich letztes Wochenende das Sci-Fi-Drama „Archive“ ziemlich begeistert hat, wollte ich heute mit „Infini“ einem weiteren kleinen Sci-Fi-Film eine Chance geben. Ob das eine gute Idee war? 👨‍🚀

Infini (2015) | © Alive - Vertrieb und Marketing/DVD

Infini (2015) | © Alive – Vertrieb und Marketing/DVD

Leider ziemlicher Weltraumschrott

Satz mit X, das war wohl nix. Schon die ersten 20 Minuten waren ziemlich unerträglich. Erst wird das Setting auf unzähligen Texttafeln erklärt. Dann soll die Mission beginnen und wieder erklären etliche Figuren unserer (viel zu großen) Einsatztruppe, was denn nun die Aufgabe sei. Show, don’t tell? Anscheinend hat der Regisseur noch nie davon gehört. Irgendwann kommt unser Rettungstrupp auf der verlassenen Raumstation an, um ihre Zielperson zu finden. Auch hier wird wieder viel zu viel erzählt. Dazwischen gibt es ein paar hektisch geschnittene Actionszenen und seltsame Zeitsprünge, die inhaltlich überhaupt keinen Sinn ergeben. Die Prämisse an sich birgt durchaus Potenzial, doch sowohl Drehbuch als auch Inszenierung samt Schauspieler*innen sind so schwach, dass es fast schon schmerzhaft ist.

Es ist offensichtlich, dass „Infini“ nicht viel Budget zur Verfügung hatte. Die Sets sehen ordentlich aus und die Effekte können sich auch sehen lassen. Warum es das australische Team jedoch nicht geschafft hat, eine mitreißende Geschichte zu erzählen, steht leider auf einem anderen Blatt. „Infini“ klaut verzweifelt bei John Carpenters „The Thing“, James Camerons „Aliens“ und selbst Paul W. S. Andersons „Event Horizon“ und kommt jedoch nicht einmal in die Nähe seiner Vorbilder. Ich hatte auf eine positive Überraschung à la Christian Alvarts „Pandorum“ gehofft, jedoch nur einen drittklassigen Sci-Fi-Schocker bekommen. Wirklich schade drum.

Fazit

Mit einem besseren Drehbuch, stilsichererer Inszenierung und talentierteren Schauspieler*innen hätte „Infini“ durchaus ein netter Sci-Fi-Horror-Streifen werden können. Leider jedoch besitzt der Film unglaubliche Längen und die wenigen guten Ideen gehen in einem Brei aus Belanglosigkeiten völlig unter. Ich kann von „Infini“ leider nur abraten: 3/10 Punkte.

Shameless (US) – Season 10

Nachdem ich in letzter Zeit vor allem (abgeschlossene) Serien mit mehreren Staffeln geschaut habe, stand nun wieder ein aktuelleres Werk auf dem Programm und zwar „Shameless – Season 10“. Inzwischen nun also schon das zehnte Jahr mit den Gallaghers und damit auch das erste ohne Fiona. Wie sich ihre Abwesenheit auf die Serie auswirkt? 🍺🥃

Shameless – Season 10 | © Warner Home Video

Shameless – Season 10 | © Warner Home Video

Die Geschichten um die Gallaghers schrumpfen

Man merkt tatsächlich, dass Fiona fehlt. Die Serie versucht ihre Abwesenheit auf  Lip und vor allem Debbie aufzuteilen, was nur bedingt funktioniert. Beide Figuren sind einfach noch nicht so weit im Leben, als dass sie in Fionas Fußstapfen treten könnten. Somit gibt es ein gewisses Vakuum, was die Serie versucht durch viele kleinere Geschichten auszufüllen. Waren die Erzählstränge in „Shameless“ schon immer ein wenig fragmentiert, so fällt dieser Aspekt in der zehnten Staffel besonders auf. Auch gibt es kaum noch Interaktion zwischen Kevin und Veronica sowie den Gallaghers. Große Geschichten, die sich über die gesamte Staffel ziehen, rücken immer mehr in den Hintergrund, dafür gibt es etliche kleinere, die zwar unterhaltsam sind, aber doch nicht wirklich prägend für die Figuren.

Gegen Ende der Staffel fokussiert sich die Handlung etwas und speziell die Ereignisse in Ians und Lips Leben bilden einen runden Abschluss. Mehr möchte ich an dieser Stelle gar nicht verraten. Das Finale ist dann auch wunderbar emotional und lässt an die Höhepunkte vergangener „Shameless“-Staffeln denken. Auch Franks Geschichte fand ich sehr unterhaltsam, speziell den ersten Teil rund um seine Freundschaft zu Mikey mochte ich sehr gerne. Alle anderen Figuren driften dagegen etwas durch die Staffel und gerade Kevin und Veronica sind oft zu sehr zu Lachnummern verkommen. Dennoch war ich erneut beeindruckt, wie gut die Serie auch im zehnten Jahr noch funktioniert – und das unter erschwerten Bedingungen.

Fazit

Nein, „Shameless“ ist in ihrem zehnten Jahr nicht mir diese verrückte, dramatische und emotionale Ausnahmeserie, wie zu Beginn ihrer Ausstrahlung. Dennoch ist noch viel vom ursprünglichen Geist vorhanden und man kann weiterhin viel Freude mit den Abenteuern der Gallaghers haben. Auch in die finale elfte Staffel werde ich bestimmt wieder reinschauen: 8/10 (8.0) Punkte.

Archive (2020)

Heute merke ich, dass meine Laune ziemlich im Keller ist. Alles ist zu viel und doch zu wenig. Auf den heutigen Filmabend habe ich mich dennoch gefreut und „Archive“ in den Blu-ray-Player geschoben. Ein Film, den ich ohne die schöne Mediabook-Veröffentlichung von Capelight Pictures (siehe Foto unten) wohl nie gesehen hätte. Traurig eigentlich. 🤖

Archive (2020) | © EuroVideo Medien GmbH

Archive (2020) | © EuroVideo Medien GmbH

Ein Film für Freunde von „Moon“

Filme wie „Archive“ sind aus unserem kollektiven Filmbewusstsein verschwunden. Da gibt es nur noch die großen Blockbuster, basierend auf bereits bekannten Marken, sowie kurzlebige Netflix-Eigenproduktionen. Der Rest geht vollkommen unter. Vor ein paar Jahren war das noch anders. Da konnten Filme wie „Moon“ einen gewissen Bekanntheitsgrad erreichen. Tatsächlich hat mich „Archive“ stark an Duncan Jones‘ Sci-Fi-Hit erinnert. Speziell was das Produktionsdesign angeht, das auch der Welt von „Alien“ oder „Blade Runner“ hätte entspringen können, aber auch aufgrund der ruhigen und angenehm unaufgeregten Erzählweise samt dem Gefühl der Isolation. Kein Wunder, hat Regisseur Gavin Rothery doch im Designteam von „Moon“ mitgearbeitet.

Aufgrund der Roboterthematik musste ich auch an Alex Garlands „Ex Machina“ denken, der jedoch deutlich wuchtiger daherkommt. Gavin Rotherys Regiedebüt ist dagegen sehr zurückhaltend erzählt und bietet wundervolle handgemachte Effekte. Die Welt von „Archive“ ist zwar klein, doch so liebevoll gestaltet, dass sie einfach echt wirkt. Mich hat der Film wirklich sehr begeistert. Einzig die finale Wendung, die ich während des letzten Drittels bereits häufiger vermutet hatte, hätte es in meinen Augen nicht gebraucht. Sie funktioniert und ist emotional, doch wäre die Aussage des Films ohne stärker gewesen. Dennoch definitiv ein Ergebnis, das sich kein Sci-Fi-Fan entgehen lassen sollte.

Fazit

Wie bereits festgestellt, hat es ein kleines Sci-Fi-Drama, wie „Archive“, heute schwer sein Publikum zu finden. Deshalb sei euch die Sichtung dringend ans Herz gelegt. Wer nicht in die empfehlenswerte Blu-ray investieren will, kann den Film momentan auch kostenlos auf Prime Video sehen. Falls ihr reinschaut, lasst doch einmal hören, wie er euch gefallen hat. Eine dicke Empfehlung: 8/10 Punkte.