Liebe braucht keine Ferien – OT: The Holiday (2006)

Dieses Jahr haben wir uns entschlossen die Wartezeit auf den Jahreswechsel mit einem Kinobesuch zu verkürzen. Da bei einer größeren Truppe – besonders mit hohem Frauenanteil – nie mit einer leichten Einigung im Bezug auf die Filmwahl zu rechnen ist, wurden im Vorfeld diverse Möglichkeiten diskutiert. Mein Favorit „Apocalypto“ lief an Silvester nicht und für meinen zweiten Vorschlag – „Babel“ – ließ sich auch niemand begeistern. Letztendlich ist die Wahl mehrheitlich auf Nancy Meyers „Liebe braucht keine Ferien“ gefallen, deren „Was das Herz begehrt“ mir eigentlich ganz gut gefallen hat. Nach dem Film stand ich jedoch mit der Meinung, dass „Babel“ wohl die bessere Wahl gewesen wäre, nicht alleine da.

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Ich sehe mir ja eigentlich auch ganz gerne ruhigere Filme an. Auch für Hollywoodkino bin ich immer offen. Selbst Liebesfilme à la „Notting Hill“ haben bei mir einen Platz im cineastischen Herzen. Auch Kitsch und Klischees sind ab und an durchaus akzeptabel. Doch in „Liebe braucht keine Ferien“ kommt all das zusammen und ist in der Summe wirklich zu viel des Guten. Sicher hat der Film auch nette Szenen und die Sichtung hat nicht weh getan, doch wird das alles in billigen Klischees und übermäßigem Kitsch erstickt.

Selbst Kate Winslet, die ich für eine der echtesten Schauspielerinnen halte, verkommt hier zum wandelnden Klischee. Ihre Iris wird natürlich von der bösen Männerwelt ausgenutzt und sie kann nichts dagegen unternehmen, weil sie den bösen Jungen einfach so sehr liebt. Leider wird diese Geschichte äußerst plump erzählt, was die Figur häufig nur erbärmlich wirken lässt. Sehr schade. Auf der anderen Seite gibt es dann die Traumprinzen, die schon wieder so gut sind, dass man es fast nicht aushält: Alleinerziehend, gutaussehnd, aufoperungsvoll, Witwer. Der Stoff aus dem Frauenträume sind? Ich weiß es nicht, tippe aber eher darauf, dass Jude Law der Grund für die hingebungsvollen Seufzer war.

Die Handlung um Jack Blacks Figur und die Anspielungen auf Hollywood haben mir dann schon besser gefallen, auch wenn Black in „The Holiday“ zum zahmen Schoßhund verkommt. Richtig gelungen fand ich Dustin Hoffmans Cameo und auch Eli Wallachs Arthur Abbott hatte die Sympathien auf seiner Seite, wenngleich er der typische nette alte Mann war, wie er seit Ron Howards „Cocoon“ in jeder zweiten Komödie auftaucht. Ein weiteres Klischee in einem klischeehaften Film. Aber eines von den gelungeneren.

Insgesamt ist „Liebe braucht keine Ferien“ weichgespühltes Hollywoodkino, mit teils netter Atmosphäre und schönen Sets. Die Darsteller überzeugen und doch springt kein Funke über. Es fehlt jeglicher Biss und mangelt an Überraschungen. Das Ende war bereits nach 5 Minuten absehbar und selbst der Weg war einfach nur der Weg und nicht das Ziel.

Bei der Verwendung FROU FROUs LET GO wusste ich nicht, ob ich mich ärgern oder freuen soll. Insgesamt trifft das den Nagel ziemlich genau auf den Kopf. Der Film ist weder toll noch ein Ärgernis. Er ist einfach nur da – und das ist in meinen Augen zu wenig. Absoluter Durchschnitt: 5/10 Punkte.

6 Gedanken zu “Liebe braucht keine Ferien – OT: The Holiday (2006)

  1. Ich habe neulich im Nachtprogramm mal ein Making-Of davon gesehen, danach habe ich dann auch dankend abgelehnt, als ich dazu ins Kino eingeladen wurde. Solche flachen Romantikkomödien sind aber üblicherweise das Ergebnis, wenn man mit größeren Gruppen ins Kino geht… 😉

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  2. Normalerweise setze ich mich bei der Filmwahl schon recht gut – und gern 😉 – durch, doch die Übermacht war einfach zu groß. Zumindest stehen die Chancen nicht schlecht, dass man das nächste Mal wieder mehr meinem Urteilsvermögen vertraut…

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  3. Mist, ich hätte lieber ein Review zu Apocalypto oder Babel gelesen. Verdammter Gruppenzwang.

    Eine Frage von Seinfeld-Fan zu Seinfeld-Fan: weshalb heißt George Costanza in der deutschen Synchro beharrlich George Costanzo? Ich guck mit meinem Bruder gerade Staffel 7 (auf deutsch, weil wir nebenher was essen und mein Bruder nach eigener Aussage nicht gleichzeitig übersetzen und schnabulieren kann) und selbst bei der Folge, in der Georges Daddy seinen Verwandten in Italien sucht und ein großes Schild mit dem Namen Costanza zu sehen ist, bleiben die Sprecher bei Costanzo. Die Frage geht mir nicht aus dem Kopf.

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  4. Hätte ich auch lieber geschrieben. Wenigstens „Apocalypto“ würde ich gern noch folgen lassen, mal schauen…

    Zu der Costanza/Costanzo-Sache: Hab ich mich auch schon immer gefragt. Gibt aber keine schlüssige Erklärung. Vielleicht fand das Synchronstudio die Endung auf -a zu weiblich für Georgie? Ich weiß es nicht. Ansonsten kann man die „Seinfeld“-Synchro – im Gegensatz zu „FRIENDS“ – aber durchaus schauen, wenngleich das Original natürlich authentischer wirkt.

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  5. also ich habe den film gesehen und fand ihn toll!ich meine ja,er war kitschig,aber gerade das macht es ja aus.frauen wie ich stehen nunmal auf heulstoff und der wird hier bereitwillig geliefert.natürlich weis man am anfang schon was am ende passiert,aber das muss auch so sein,man wartet das es endlich klappt,das alle den passenden deckel für ihren topf finden!und das schöne ist, es passiert dann auch.man hofft oder stellt sich vor das, dass in der realität auch passieren könnte,dass einem der traumprinz schlecht hin,begegnet.und was die erbärmliche iris angeht,es gibt hunderte von frauen die genau das selbe durchmachen oder schon durchgemacht haben oder sich auf irgendeine weise mit ihr identifizieren können!ich verstehe ja das der film nicht wirklich was für hartegesottene männerherzen ist,aber man sollte alles bedenken bevor man den film mit seiner ( möchtegern )kritik versucht zu zerreisen!schönen tag noch

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  6. Hallo Sabrina. Also ein Verriss sieht in meinen Augen anders aus. Für mich ist „Liebe braucht keine Ferien“ einfach ein durchschnittlicher Film ohne Höhepunkte. Nicht mehr und nicht weniger. Ich kann durchaus verstehen, dass der Film anderen Kinobesuchern gefallen mag. Mir hat er nicht so zugesagt. Deswegen sind doch immer noch beide Meinungen okay. Oder wie siehst du das?

    Das Argument „hartgesottene Männerherzen“ kann ich so leider nicht zählen lassen. Ich mag gute Liebesfilme. Doch „Liebe braucht keine Ferien“ gehört für mich einfach nicht dazu. Übrigens fand auch meine weibliche Begleitung die Figuren viel zu klischeehaft gezeichnet und die Geschichte zu uninteressant.

    Über Geschmack lässt sich einfach zu gut streiten. 😉

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