Media Monday #278

Gerade noch unter Schmerzen laufen gewesen und jetzt schon am Rechner, um die aktuellen Fragen des Medienjournals zu beantworten. Das Wochenende ist abermals wie im Flug vergangen, obwohl wir nicht wirklich viel unternommen haben: ein wenig Wäsche, ein wenig Bügeln, dann Radfahren, Spielen und Laufen. Die kommende Woche wird noch einmal anstrengend, bevor die Herbstferien eine kurze, aber bitter nötige Verschnaufpause vor dem Jahresendspurt liefern. Wie war eure Woche?

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  1. Die Frankfurter Buchmesse hat viele Tweets mit dem Hashtag #fbm16 in meine Timeline gespült.
  2. Die verbleibende Zeit bis Ende des Jahres bereitet mir regelrecht Magenschmerzen, denn es gibt so viel zu tun und ich habe noch keinen Plan, wie ich das alles umsetzen soll.
  3. Wofür ich momentan regelrecht schwärme ist abermals die großartige TV-Serie „Mad Men“.
  4. Mit der Sichtung von „The Revenant“ habe ich endlich eine regelrechte Bildungslücke geschlossen, schließlich war der Film nach den Oscars in aller Munde.
  5. Für die letzten Tage des Horroctober hoffe ich ein paar aktuelle Horrorfilme, wie dieses Wochenende bereits „It Follows“, nachzuholen.
  6. So manche Berichterstattung kann ich momentan ja absolut nicht mehr lesen, denn ich würde sonst an der Welt verzweifeln.
  7. Zuletzt habe ich „The Way, Way Back“ gesehen und das war eine wundervolle Coming-of-Age-Geschichte, weil die beiden Autoren das Gefühl als Teenager nirgends dazuzugehören wunderbar auf die Leinwand gebracht haben.

Run, Fatboy, Run (402)

Nach meinem Lauf vor exakt einer Woche hatte ich die darauffolgenden Tage Schmerzen am Ansatz des Fußrückens. Diese waren teils so stark, dass ich lieber auf einen Lauf unter der Woche verzichtet habe. Ab Freitag war es wieder besser – und doch habe ich meine Schuhe lieber locker gebunden, so dass ich die empfindliche Stelle nicht unnötig belaste. Heute jedoch musste ich einfach wieder laufen, da ich gestern Abend in einem Moment der Schwäche 250 Gramm Schoko-Erdnuss-Berge (mit weißer Schokoloade!) verdrückt habe. Also knapp 1.500 kCal in 20 Minuten, vom Ofenkäse davor einmal gar nicht zu reden. Ja, der Lauf heute musste einfach sein.

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Distance: 10.50 km
Duration: 00:55:36
Elevation: 61 m
Avg Pace: 5:17 min/km
Avg Speed: 11.33 km/h
Heart Rate: 171 bpm
Stride Frequency: 151 spm
Energy: 904 kcal

Die ersten fünf Kilometer war ich guter Dinge, dass die Schmerzen am Spann komplett weg sind. Danach kamen sie jedoch wieder und ich habe meine Schnürung noch mehr gelockert als ohnehin schon. Ziemlich doof. Das ist mir in den 400 Läufen davor auch noch nicht passiert. Davon abgesehen ging es ganz gut voran, nur war ich für die sonnigen Passagen fast ein wenig zu warm angezogen. Dabei war den ganzen Tag davor kaum Sonne zu sehen. Ich bin nun gespannt, ob sich die Sache mit dem Fuß als langfristiges Ärgernis entwickelt oder hoffentlich bald wieder veschwindet…

Im ersten Ohr: FatBoysRun – Episode 61: Mister 100K
Im zweiten Ohr: Jimmy Eat World

Ganz weit hinten – OT: The Way, Way Back (2013)

Nach einem hoffnungslos verregneten Samstag, an dem wir nur die angefallene Wäsche der Woche gewaschen und gebügelt sowie im Haus für Ordnung gesorgt haben (ja, unser Leben ist unglaublich aufregend), sollte wenigstens der Film am Abend ein Highlight sein. Die Wahl fiel letztendlich auf „Ganz weit hinten“, der schon viel zu lange ungesehen im Regal stand und tatsächlich ein wenig Sommergefühl in unser Wohnzimmer bringen sollte…

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Ich muss gestehen, dass ich „Little Miss Sunshine“ – damit wird dieser Film immer wieder verglichen – noch nicht gesehen habe. Allerdings strahlt „Ganz weit hinten“ dieses typische Indie-Dramedy-Gefühl aus, das in den letzten Jahren ziemlich populär geworden ist. Das Drehbuch stammt von Nat Faxon und Jim Rash (genau, Dean Craig Pelton aus „Community“), die beide auch die Regie des Films übernommen haben und zwei der Nebenfiguren spielen. Auch darüber hinaus ist „The Way, Way Back“ mit Steve Carell, Toni Collette, Allison Janney, Sam Rockwell, Maya Rudolph und Amanda Peet überaus prominent besetzt – und auch die Jungschauspieler wissen zu überzeugen.

Im Grunde erzählen Jim Rash und Nat Faxon hier eine Coming-of-Age-Geschichte, in deren Zentrum die Freundschaft zwischen einem unglücklichen Teenager und dem Manager eines Wasserparks steht. Durch diese ungewöhnliche Beziehung schöpft der unter der Trennung seiner Eltern leidende Duncan neuen Mut und findet wieder Freude am Leben. Es ist keine komplexe Geschichte, doch wirkt sie echt und nahbar. An das Gefühl nicht dazuzugehören kann sich wohl schließlich jeder erinnern – und in Duncans Situation muss es sich noch viel schlimmer anfühlen. Man leidet mit ihm und ist dankbar für die Möglichkeit aus dem tristen Urlaubsalltag ausbrechen zu können. Dies liegt auch größtenteils an Steve Carell, der hier wirklich ein ziemliches Arschloch spielt. Da lobe ich mir doch Michael Scott.

Letztendlich ist „The Way, Way Back“ ein herzerwärmender und stets unterhaltsamer Coming-of-Age-Film, der uns einen Sommer lang am Leben dieser kaputten und doch irgendwie sympathischen Figuren teilhaben lässt. Kein großer Film, doch ein Film, der mir öfter ein Lächeln auf das Gesicht zauberte und mit einem gut geschriebenen Drehbuch sowie sehr spielfreudigen Schauspielern aufzuwarten weiß: 8/10 Punkte.

It Follows (2014)

Was für eine Woche. Nach einer erneut sehr kurzen Nacht hätte ich schwören können, dass ich keinen Film durchhalte. Doch dann waren die Kinder im Bett und wir haben es tatsächlich um 20 Uhr auf das Sofa geschafft. Ich wollte dennoch auf Nummer sicher gehen und habe mich mit „It Follows“ somit für einen spannungsgeladenen Horrorfilm entschieden. Nach „Predator 2“ mein zweiter spontaner Beitrag zum diesjährigen #Horrorctober – mal sehen, was noch folgen wird…

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Ich habe viele Lobeshymnen über den Film gehört. Ein Genrefilm, der das Horrorkino der 80er Jahre atmet. Ein Score, wie von John Carpenter höchstpersönlich geschrieben. Versatzstücke, die etwas komplett Neues ergeben. Ja, die Erwartungen waren hoch, doch war ich auch vorsichtig, nachdem mit „The Guest“ bereits ein Film mit ähnlichen Attributen bei mir nur bedingt gezündet hat. David Robert Mitchells Film hatte mich jedoch schon nach dem Prolog: Der treibende Elektro-Score, die famose Kameraarbeit, die klischeehaft und doch überraschend inszenierte Scream Queen – „It Follows“ schien wirklich alles zu haben, was ich am Horrorkino der späten 70er und frühen 80er Jahre liebe.

Es ist wirklich erstaunlich: Wenn nicht ab und zu ein Mobiltelefon gezückt worden oder moderne Autos durch das Bild gefahren wären, ich hätte schwören können, dass der Film in den 80er Jahren spielt. Doch gerade die Kombination aus modernem Setting und 80er Jahre Inszenierung (z.B. Zooms statt Kamerafahrten) lassen uns Zuschauer den Film so erleben, wie wir die Klassiker von damals in Erinnerung haben. Ein starker Kniff, der einfach funktioniert. Selbst Schauspieler und Charaktere wirken wie die Filmfiguren, an die wir uns zu erinnern scheinen. Formal ist „It Follows“ wahrlich ganz großes Kino. Wie sieht es jedoch inhaltlich aus?

Auch inhaltlich wirkt David Robert Mitchells Horrorfilm wie ein modernes Kondensat an allem, was uns das Genrekino der 80er Jahre lehrte: Sex wird bestraft, was in „It Follows“ plakativ auf die Spitze getrieben wird. Zugleich wird der Twist etabliert, dass Sex auch Befreiung sein könnte, es aber niemals wirklich ist. Ob man den Film nun als Allegorie auf sexuell übertragbare Krankheiten sieht oder einfach nur als strikte Fortführung der etablierten Genreformel – der daraus resultierende Horror funktioniert erschreckend gut. Die Regeln sind einfach und das Monster alltäglich. Es ist mitten unter uns und fällt uns meist zu spät auf. Auch als Zuschauer ist man am Ende völlig paranoid und sucht jede Einstellung danach ab. Famos. Und ja, ich habe mich gefürchtet und hinter meiner mutigeren Hälfte verkrochen…

Ich kenne nur noch wenige moderne Vertreter des Genres und befürchte, dass die meisten nicht halb so stilsicher inszeniert sind und inhaltlich ebenso beeindrucken können, wie „It Follows“. Mich hat der Film wirklich beeindruckt, auch wenn nicht jede Idee in letzter Konsequenz zündet. So lasse ich mich gerne gruseln: 8/10 Punkte.

Meine 5 liebsten Serienfamilien

Da mein Donnerstag ziemlich verplant ist, habe ich die liebe Gorana dieses Mal um eine exklusive Sneak Preview gebeten, was Die 5 BESTEN am DONNERSTAG angeht. Und was soll ich sagen? Das Thema ist großartig und ich freue mich sehr darüber, die Frage nach meinen fünf liebsten Serienfamilien nun in aller Ruhe am Vorabend des Donnerstags beantworten zu können… 🙂

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Das Thema für Ausgabe #16 lautet:

Meine 5 liebsten Serienfamilien

  1. Die Bravermans („Parenthood“, 2010-2015) – Meine liebste Serienfamilie überhaupt sind eindeutig die Bravermans. In keiner anderen klassischen Familienserie habe ich mich je so zu Hause gefühlt. Interessante Figuren, etliche Konflikte und dennoch viel Harmonie – einfach die perfekte TV-Familie.
  2. Die Foremans („That ’70s Show“, 1998-2006) – Was Sitcoms angeht, so gibt es kaum noch klassische Familienkonstellationen. Ich musste mich hier tatsächlich zwischen den Heffernans und den Foremans entscheiden, habe letztendlich aber Eric, Red, Kitty und Laurie den Vorzug gegeben, da dort das Familienflair noch ein wenig ausgeprägter ist.
  3. Die Gallaghers („Shameless“, 2011-heute) – Es kann ja nicht nur die heile Familienwelt geben. Die Gallaghers bilden somit die Ausnahme von der Regel, wobei der Zusammenhalt unter den Geschwistern auch immer wieder herzerwärmend ist. Wahrlich eine famos unterhaltsame Familie.
  4. Die Sopranos („The Sopranos“, 1999-2007) – Wenn der Name der Familie schon im Serientitel vorkommt, dann müssen die Sopranos auch eine ganz besondere TV-Familie sein. Das sind sie auch und ich habe ihnen deshalb den Vorzug vor den anderen HBO-Familien (den Fishers und den Starks) gegeben.
  5. Die Taylors („Friday Night Lights“, 2006-2011) – Die Taylors entspringen der gleichen Feder wie die Bravermans. Dies merkt man tatsächlich an den Werten, welche in der Serie vermittelt werden, und auch an der Art wie die Charaktere geschrieben sind. Ich mag diesen authentischen Stil wirklich sehr und vermisse auch diese TV-Familie ein wenig.

Erzgebirge 2016 #4: Besuch im Tierpark Chemnitz

Nun ist es soweit: Die letzten Energiereserven, die der Urlaub vor knapp zwei Monaten in unsere Familie gespült hat, sind aufgebraucht. Die Erinnerungen jedoch bleiben, was in akuten Stressphasen leider auch nur ein schwacher Trost ist. Es waren aber auch nur drei  Tage, da darf man vermutlich nicht zuviel erwarten. Wie dem auch sei: Am Tag nach unserer Wanderung  rund um den Fichtelberg hieß es auch schon wieder Abschied nehmen und wir fuhren am Rückweg nach Chemnitz, um dem dortigen Tierpark einen Besuch abzustatten…

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Oh, welch schönes Stachelschwein!

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Media Monday #277

Im Moment fühle ich mich, als hätte das Wochenende gerade erst begonnen. Oder müsste es. Hat es aber nicht. Somit beginnt morgen früh bereits eine weitere sehr fordernde Arbeitswoche. Leider kann ich an dieser Stelle keine großen Highlights verkünden: Den Samstag haben wir größtenteils damit verbracht den Garten winterfest zu machen und am heutigen Sonntag waren wir bei den Schwiegereltern eingeladen. Dazwischen habe ich irgendwann zwei Filme gesehen und beantworte nun voller Elan die aktuellen Fragen des Medienjournals – schaut doch mal rein!

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  1. Meine Blogreihe „Run, Fatboy, Run“ vermittelt ein völlig falsches Bild von meinem sportlichen Ehrgeiz, schließlich muss ich mich wirklich aufraffen, um überhaupt zweimal die Woche laufen zu gehen.
  2. Ein spannendes Biopic kann die unterschiedlichsten Themen und Menschen porträtieren, zum Beispiel „12 Years a Slave“, „Saving Mr. Banks“ oder auch „The Wolf of Wall Street“.
  3. Charlie Kaufman hätte allein für die audiovisuelle Ausgestaltung von „Anomalisa“ eine Ehrung verdient, schließlich hat man solch einen Film zuvor noch nicht gesehen.
  4. Guilty Pleasure in Serie: „New Girl“ oder „The Big Bang Theory“ schaue ich ja wirklich gerne, obwohl beide Comedys ihren Zenit schon längst überschritten haben.
  5. Ernest Clines „Ready Player One“ ist genau nach meinem Geschmack, immerhin besteht der Roman zu großen Teilen aus Referenzen auf die Popkultur der 80er Jahre.
  6. Der zweite Teil von „Alien“ ist immer noch eine der besten Fortsetzungen, schließlich hat James Cameron in „Aliens“ das Genre geschickt gewechselt.
  7. Zuletzt habe ich „The Revenant“ gesehen und das war eines meiner beeindruckendsten Filmerlebnisse, weil Lubezkis Kamera für eine Immersion sorgt, wie ich sie zuvor nur selten erlebt habe.

Run, Fatboy, Run (401)

Eigentlich wollte ich heute gleich morgens laufen gehen, doch dann kamen wir nicht aus dem Bett, der Kindergottesdienst stand auf dem Programm (und ich hatte mich schon das letzte Mal gedrückt), gefolgt vom Mittagessen bei den Schwiegereltern. Natürlich Schweinebraten und nach einem herrlich sonnigen Spaziergang noch Kaffee und Kuchen (immerhin darauf habe ich verzichtet). Somit bin ich erst gegen halb fünf losgekommen, was mich direkt in die Goldene Stunde laufen ließ:

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Distance: 12.48 km
Duration: 01:06:40
Elevation: 124 m
Avg Pace: 5:20 min/km
Avg Speed: 11.23 km/h
Heart Rate: 173 bpm
Stride Frequency: 152 spm
Energy: 1034 kcal

Da mein 400. Lauf nur ein kurzer war, wollte ich zumindest über 10 km laufen. Das hat auch geklappt, wenngleich mir heute auch alles sehr anstrengend vorkam. Ob es am Schweinebraten oder den viel zu langen Fernsehabenden des Wochenendes lag? Mit der Zeit bin ich durchaus zufrieden und ich bin froh draußen gewesen zu sein, denn die kommende Arbeitswoche droht schon jetzt wieder extrem fordernd zu werden…

Im ersten Ohr: FatBoysRun – Episode 60: Die Rennschnecke
Im zweiten Ohr: Mando Diao, Fall Out Boy

The Revenant: Der Rückkehrer (2015)

Heute bin ich endlich dazu gekommen mir „The Revenant“ anzusehen. Geplant hatte ich dies schon länger, doch wollte ich für die Sichtung fit sein und den Kopf nicht mit tausend anderen Dingen voll haben. Das hat zwar nicht zu 100% geklappt, doch Alejandro Iñárritus Film sorgte letztendlich dafür, dass meine Aufmerksamkeit vollständig von ihm vereinnahmt wurde – eine Sogwirkung, wie ich sie schon lange nicht mehr in dieser Intensität erlebt habe…

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Schon alleine die Eröffnungssequenz ließ mich ziemlich sprachlos zurück. Dieser Angriff des Arikaree-Stammes erinnert nicht von ungefähr an Steven Spielbergs berühmte Omaha-Beach-Sequenz aus „Der Soldat James Ryan“. Man wird als Zuschauer förmlich in den Film gesogen, was vor allem der virtuosen Kameraarbeit zuzuschreiben ist. Emmanuel Lubezki, der bereits „Gravity“ einen ganz besonderen Look gegeben hat, verwendet nahezu ausschließlich Weitwinkelobjektive, selbst in den nahen Einstellungen. Dies sorgt für eine enorme Dreidimensionalität und Tiefenschärfe, was in Kombination mit unglaublich langen Einstellungen für eine Immersion sorgt, die einen förmlich in den Film zieht.

Zusätzlich zur technischen Perfektion erzählt der Film seine einfache Geschichte durch Bilder und Stimmungen. Die Welt wirkt dreckig, roh und von der Natur bestimmt. Der Kampf gegen den Grizzlybär ist eine der eindrucksvollsten Szenen, die ich je gesehen habe. Technisch brillant und so roh und brutal, dass ich kaum zuschauen konnte – und ich bin normalerweise nicht zimperlich, wenn es um filmische Gewalt geht. Dieser Eindruck setzt sich über die kommenden zwei Stunden fort, sei es nun der Kampf gegen Naturgewalten oder gegen andere Menschen. Leonardo DiCaprio spielt wahrlich famos und hält uns Zuschauer bei der Stange. Sein Hugh Glass dürfte wohl zweifellos zu den Filmcharakteren gehören, mit denen man auf keinen Fall tauschen will. Wenn man dann noch bedenkt, dass es sich um eine wahre, wenn auch nur in Teilen überlieferte, Geschichte handeln soll…

Kritikpunkte kann ich kaum finden. Ja, die Geschichte ist einfach und ja, die Charaktere sind nicht sonderlich komplex gezeichnet. Das macht aber nichts, denn der Film ist unglaublich mitreißend und beinahe schon fühlbar roh und erdig. Hinzu kommen unglaublich schöne Landschaftsaufnahmen, die mich haben fluchen lassen, dass ich „The Revenant“ nicht im Kino gesehen habe. Wenn ich irgendwann einen größeren Fernseher samt Ultra-HD-Blu-ray mein Eigen nenne, dann ist Iñárritus Film bestimmt einer der ersten, den ich mir zulegen würde. Audiovisuell hat mich schon lange kein Realfilm (ich treffe diese Unterscheidung, da ich gestern erst den ebenso imposanten Animationsfilm „Anomalisa“ gesehen habe) mehr so beeindruckt.

Wie die Stammleser inzwischen wissen, bewerte ich Filme auch häufig danach, ob ich während ihnen einschlafe. Mit gut zweieinhalb Stunden ist „The Revenant“ ziemlich fordernd, was den Wachzustand angeht, doch saß ich die meiste Zeit auf der Sofaecke und habe mit Hugh Glass mitgelitten. Durch die Vater-Sohn-Beziehung war ich auch emotional eingebunden und konnte selbst den an „Gladiator“ erinnernden und ein wenig kitschigen Zwischenbildern etwas abgewinnen. Ein wahrlich beeindruckendes Filmabenteuer: 9/10 Punkte.

Anomalisa (2015)

Freitagabend nach einer Woche, die es in sich hatte. Eigentlich wollte ich endlich „The Revenant“ sehen, doch aufgrund seiner Laufzeit hätte ich den Film wohl nicht zu Ende gesehen. Dann erinnerte ich mich an jackers Empfehlung zu „Anomalisa“ und die Wahl war schnell getroffen. Anfangs überlegte ich noch, ob Charlie Kaufmans jüngstes Werk nicht zu verkopft sei für solch einen Abend, an dem mir der Kopf ohnehin noch raucht, doch schon schnell sollte diese Sorge einer Faszination weichen…

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Zunächst einmal muss ich an dieser Stelle erwähnen, dass auch „Anomalisa“ auf Amazon Prime leider im falschen Bildformat – nämlich in 16:9 statt 2,35:1 – läuft. Dies ist wirklich sehr ärgerlich, doch möchte ich mich im Folgenden auf den Inhalt konzentrieren. Nur seid gewarnt, falls euch das wichtig ist. Audiovisuell ist Kaufmans Film nämlich extrem beeindruckend. Durch die mit 3D-Druck verfeinerte Stop-Motion-Technik bietet sich dem Zuschauer ein Look, wie man ihn zuvor noch nicht gesehen hat. Artifiziell und dennoch realistisch. Der Stil des Films ist immer präsent, lenkt jedoch nie von der Handlung ab und unterstützt diese sogar. Ein Animationsfilm, der sich wahrlich von der Masse abhebt.

Rein inhaltlich könnte man „Anomalisa“ recht einfach auf die Romanze eines Mannes mit Fregoli-Syndrom reduzieren. Ich glaube jedoch, dass es auch außerhalb dieser Nische viele Berührungspunkte gibt, die den Film viel universeller in seiner Aussage machen. Es geht um Einsamkeit, die moderne Arbeitswelt, Individualismus und Midlife-Crisis. Und das sind nur die offensichtlichsten Themen. Es ist beeindruckend, wie viel Detailarbeit in dem animierten Drama steckt. Jede Szene ist wohl durchdacht und atmosphärisch so aufgeladen, wie ich es schon lange nicht mehr erlebt habe. Die zentrale Liebesszene ist wunderbar behutsam inszeniert und funktioniert einfach. Das hätte ich zuvor wirklich nicht vermutet. Man ist ganz nahe dran an den Figuren.

Auch wenn „Anomalisa“ inhaltlich vielleicht einfacher ist, als es zunächst den Anschein erweckt, so bietet er doch viel zu entdecken – wenn man sich denn darauf einlässt. Auch wenn mir heute eigentlich nach leichter Unterhaltung gewesen wäre, so hat mich Kaufmans Film doch unglaublich gepackt und mitgerissen. Wer sich einmal für 90 Minuten in eine fremde und vielleicht auch erschreckend bekannte Welt entführen lassen will, der sollte „Anomalisa“ auf jeden Fall eine Chance geben: 9/10 Punkte.