Tomb Raider (2018)

Nach einem recht entspannten Tag mit einer Einladung zum Grillen und viel Zeit draußen im Garten, stand uns abends der Sinn nach ebenso entspannter Unterhaltung. Die Wahl ist letztendlich auf die aktuelle Version von „Tomb Raider“ gefallen, die sich am 2013er Reboot der Spielereihe orientiert (welches ich übrigens immer noch nicht wirklich weit gespielt habe). Was die Neuauflage zu bieten hat, erfahrt ihr in der folgenden Besprechung…

Tomb Raider (2018) | © Warner Home Video

Tomb Raider (2018) | © Warner Home Video

Lara Croft: Angelina Jolie vs. Alicia Vikander

Okay, die Überschrift ist vielleicht ein wenig plakativ. Aber auch angemessen, denn schließlich wurde Angelina Jolie bei der ersten Verfilmung im Jahr 2001 als die perfekte Besetzung angesehen. Auf die beiden Filme möchte ich an dieser Stelle jedoch nicht weiter eingehen, liegt die Sichtung doch schon zu lange zurück. Viel mehr als Big-Budget-Trash mit Post-90er-Look waren sie in meiner Erinnerung aber nicht. Als Alicia Vikander, die ich in „Ex Machina“ großartig fand, als neue Lara Croft bekannt geben wurde, war ich sehr gespannt. Der Trailer sah mir zwar zu sehr nach CGI aus, doch mochte ich den geerdeteren Ansatz der Figur. Nachdem ich auch eine knappe Stunde in das erste Spiel der Reboot-Serie reingeschnuppert hatte, war ich umso mehr überzeugt, dass Alicia Vikander eine exzellente Lara Croft abgeben würde.

Die ersten Szenen des neuen „Tomb Raider“ hatten mich sogleich begeistert: Ich mochte den realistischen Ansatz sehr. Die Szenen in London mit Lara als Fahrradkurier haben mir extrem gut gefallen. Auch der langsame Aufbau bis hin zu ihrem Eintreffen in Hongkong war genau mein Ding. Doch mit Ankunft auf der Insel haben auch die übertriebenen Actionszenen zugenommen, die ich nach dem Trailer befürchtet hatte: viel zu viel CGI und viel zu wenig klassisches Abenteuer. Da springt der Greenscreen oft noch von der Leinwand (weil das Licht einfach nicht sitzt) und die Kamerafahrten sind übertrieben unrealistisch. Auch die Kampfszenen gegen Mathias Vogel (Walton Goggins) und Trinity waren mir zu viel. Doch spätestens mit Betreten der Grabmals hatte mich der Film wieder für sich eingenommen, denn hier wurden tatsächlich Erinnerungen an „Indiana Jones“ und Co. wach, wenngleich ich manchmal das Gefühl hatte, der Film hätte zu viel Budget gehabt, um gewisse Set-Pieces zu inszenieren. Man muss Regisseur Roar Uthaug aber zugute halten, dass er 3D teils wirklich effektiv einzusetzen wusste. Die 3D-Blu-ray hat sich somit gelohnt.

Fazit

Letztendlich ist „Tomb Raider“ ein typischer Blockbuster unserer Zeit: viel zu glatt und pompös inszeniert (auch wenn er dreckig und realistisch wirken soll), dabei aber sehr unterhaltsam und angenehm anzuschauen. Einen dicken Pluspunkt gibt es von mir tatsächlich für Alicia Vikander, die eine perfekte Verkörperung der neuen Lara Croft ist. Ich freue mich jetzt schon auf den zweiten Teil, selbst wenn dieser erste nicht perfekt war: 7/10 Punkte.

The Terror – Season 1

Mit „The Terror – Season 1“ habe ich mich einmal wieder einer Serie gewidmet, die durch eine Empfehlung des „Fortsetzung folgt“-Podcasts auf Platz 1 meiner niemals enden wollenden Serienliste gewandert ist. Die bei uns exklusiv auf Prime Video laufende AMC-Produktion war bei mir schon zuvor auf dem Radar (speziell durch Ridley Scott als ausführenden Produzenten), doch ohne die Besprechung hätte ich wohl nicht so zeitnah reingeschaut. Ob sich die Sichtung für mich gelohnt hat, erfahrt ihr in der folgenden Besprechung…

The Terror – Season 1 | © AMC

The Terror – Season 1 | © AMC

Lasst alle Hoffnung fahren

Es gab in meinem Programm wohl schon lange keine Serie mehr, die sowohl formal als auch inhaltlich so monoton und trostlos daherkommt wie „The Terror“. Dies liegt einerseits an der landschaftlichen Ödnis, andererseits aber auch an der repetitiv wirkenden Handlung. Es ist keine eingängige und leichte Serie. Die Verquickung der historischen Expedition der beiden britischen Schiffe HMS Terror und HMS Erebus, die auf der Suche nach der Nordwestpassage im arktischen Eismeer verschollen sind, mit übernatürlichen Horror-Elementen, ist teils schwer zu ertragen. Nicht weil der Horror so hart oder gruselig wäre, sondern weil sich die Trost- und Ausweglosigkeit der Männer auf uns Zuschauer überträgt. Fast schon monochrome Bilder, ein Score, der Unheil verkündet und ausgemergelte Gesichter. Nein, eine Wohlfühlserie ist „The Terror“ definitiv nicht.

Als Kontrast zur tödlichen Arktis werden teils kurze Flashbacks in die Zeit vor der Expedition eingestreut. Hier gibt es Prunk und Wohlstand in London zu sehen. Charaktere werden besser ausgearbeitet und Hintergründe erklärt. Die Rückkehr in die Eislandschaft ist danach umso härter. Tauschen möchte man mit den Männern nicht. Und auch nicht mit den wenigen Frauen der Serie, die zu Hause in London zur Passivität verdammt sind, oder als Inuit zwar ein zentraler Bestandteil der Handlung, letztendlich aber doch durch die äußeren Umstände getrieben werden. Gewinner gibt es am Ende keine.

Leise rieselt das Blut

Wie bereits erwähnt, ist das Gefühl des Horrors weniger dem auftauchenden Monster geschuldet, als dem Wahnsinn, der die Männer nach und nach befällt. Wie so oft ist die Bedrohung dann am größten, wenn sie noch undefinierbar ist. Das Monster letztendlich so explizit zu zeigen, hätte es meiner Meinung gar nicht gebraucht. Die Spannung zwischen den Männern und der Werdegang von Cornelius Hickey (Adam Nagaitis) ist hier deutlich interessanter. Gerade in der finalen Episode fällt die Handlung leider etwas in sich zusammen und ich war irgendwie froh, diese trostlose Umgebung zu verlassen. Insofern hat die Serie ihr Ziel wohl durchaus erreicht.

Fazit

Auch wenn mich „The Terror“ nicht in letzter Konsequenz überzeugen konnte, so zeigt die Serie doch wunderbar, wie man alleine durch einen Schauplatz und zwischenmenschliche Spannungen enorm viel Atmosphäre kreieren kann. Die Bedrohung von außen ist da nur ein verstärkendes Element. Bestimmt nicht immer eine einfach zu schauende Serie, aber doch eine sehr packende. Die Handlung ist übrigens abgeschlossen und die geplante zweite Staffel soll im Anthologie-Stil weitergeführt werden. Frostige 8/10 (7.9) Punkte.

Game Night (2018)

Die kurze, aber knackige Arbeitswoche ist vorbei! Nachdem das letzte Wochenende aus Gründen ohne Filmsichtung geblieben ist, habe ich heute „Game Night“ in den Player geschoben. Erwartet habe ich eine witzige, anspruchslose Komödie und die bekam ich tatsächlich auch zu sehen…

Game Night (2018) | © Warner Home Video

Game Night (2018) | © Warner Home Video

Lasset die Spiele beginnen!

Wo fange ich an? „Game Night“ ist eine typische Hollywood-Komödie ohne große Überraschungen und nach bekannter Formel erzählt. Sogar Jason Bateman spielt die Hauptrolle! Warum ist dieser Mix nach dem stilistischen Vorbild von „Hangover“ oder „Kill the Boss“ dennoch so unterhaltsam? Vielleicht funktioniert die Mischung aus Thriller, Krimi und Komödie einfach? Vielleicht sind es die harmlosen Kabbeleien gepaart mit echter Action? Ich kann es nicht sagen, doch wurde ich über knapp zwei Stunden bestens unterhalten. Dabei ist „Game Night“ zu harmlos, um wirklich mitreißen zu können und wandelt zu sehr auf ausgetretenen Pfaden, um als innovativ zu gelten. Im Prinzip bekommen wir eine Comedy-Variante von David Finchers „The Game“ präsentiert, die erstaunlich detailverliebt inszeniert wurde (selbst der abgegriffene Tilt-Shift-Effekt macht nach dem schön gestalteten Abspann Sinn).

Der seltsam eingängige Genre-Mix funktioniert erstaunlich gut, wenngleich ich auch nur bei einer Szene (Stichwort: Hund und Blut) Tränen lachen musste. Die restlichen Pointen haben mir höchstens ein Schmunzeln oder Anerkennung für den Aufbau der Gags entlockt. Dennoch war ich immer bei den Figuren dabei, die in ihrer kompletten Naivität beinahe schon bemitleidenswert sympathisch rüberkommen.

Fazit

„Game Night“ ist kein Film für die Ewigkeit und er wird auch keinen neuen Comedy-Trend entfachen. Wer für einen Abend gute Unterhaltung sucht, der kann hier bedenkenlos zugreifen. Ich hatte viel Spaß mit diesem Spieleabend: 7/10 Punkte.

Meg – OT: The Meg (2018)

Vor gut 13 Jahren habe ich im Internet die Konzeptzeichnung zu einem Film namens „Meg“ gesehen, welche mich dazu brachte das gleichnamige Buch von Steve Alten zu lesen. Der Film sollte vorerst in der Produktionshölle verweilen, bis er 2018 endlich das Licht der Welt erblickte. Somit bin ich nach all den Jahren doch noch zu meinem Filmauftritt des Megalodon gekommen…

Meg (2018) | © Warner Home Video

Meg (2018) | © Warner Home Video

„We’re gonna need a bigger boat!“

Ja, „Meg“ ist ein Sommer-Blockbuster, wie er im Buche steht. Laut, bunt, dumm. Und mit Jason Statham in der Hauptrolle. Er spielt aber auch zu großen Teilen im und unter Wasser und hat einen riesigen Hai als Kontrahenten zu bieten. Da überwiegen doch eindeutig die positiven Aspekte! Zudem ist sich Jon Turteltaubs Film seines Status jederzeit bewusst. Er erzählt die gerade nötige Geschichte mit viel Humor, ohne dabei jedoch zu smart sein zu wollen. Es überwiegt die Action, die dummen Sprüche und die imposanten Unterwasserszenen mit dem Monsterhai. Die Vorlage hat damals eine andere Geschichte erzählt, auch wenn Versatzstücke immer noch vorhanden sind. Vielleicht orientiert sich der Film aber auch einfach an einer vielen der Fortsetzungen. Ich bezweifle es allerdings. Das hier ist einfach ein 08/15-Hollywood-Drehbuch – und als solches funktioniert es wunderbar.

Ich hatte tatsächlich extrem viel Spaß mit „Meg“. Die Bilder sind toll, gerade in 3D. Zwar hätte ich gerne etwas mehr Zeit abseits der Forschungsstation verbracht, doch insgesamt mag ich mich nicht groß beschweren. In seiner übertriebenen Hai-Action hat mich der Film teils an das Finale von „The Shallows“ erinnert, bleibt dabei jedoch konsistenter im Ton. Jason Statham passt perfekt in diese Rolle und mehr gibt es über die Schauspieler auch nicht zu sagen. Doch, eine Sache: Rainn Wilson (bekannt als Dwight Schrute aus „The Office“) ist viel weniger Comic-Relief als ich einerseits befürchtet, andererseits aber auch gehofft hatte.

Fazit

Wie Stammleser meines Blogs vermutlich schon mitbekommen haben, liebe ich Filme, die am, im oder unter Wasser spielen. Sehr sogar. Dazu noch ein riesiger Hai? Count me in! Davon abgesehen ist nichts an dem Film irgendwie besonders. Weder in die eine, noch die andere Richtung. Und dennoch sind die knapp zwei Stunden wie im Flug vergangen. Manchmal reicht das schon: 7/10 Punkte.

Beat – Staffel 1

Nachdem ich von „Bad Banks“ doch ziemlich begeistert war, habe ich mich nach einer weiteren deutschen Serie umgesehen. Aufgrund der durchaus positiven Besprechung des „Fortsetzung folgt“-Podcasts, habe ich mich für „Beat – Staffel 1“ auf Prime Video entschieden. Dabei hat mich die Serie, als sie angekündigt wurde, eher nicht gereizt: Berliner Nachtleben, die Club-Szene und Techno. Puh. Alles nicht so wirklich meine Themen. Warum mich die Serie dennoch überzeugen konnte, erfahrt ihr hier…

Beat – Staffel 1 | © Amazon Prime Video

Beat – Staffel 1 | © Amazon Prime Video

BEAT, POP, BPM, LOOP, BACKSPIN, DROP, CODA

Der Regisseur hinter „Beat“ ist für mich kein unbeschriebenes Blatt. Bereits 2008 bin ich durch seine Verfilmung des grandiosen Jugendbuches „Krabat“ auf Marco Kreuzpaintner aufmerksam geworden. Auch in dieser Amazon-Produktion schafft er es beeindruckende Bilder zu finden: Berlin, der Techno-Club, der heruntergekommene Bauernhof und auch die anderen Drehorte sehen einerseits larger-than-life aus, andererseits aber auch nicht übertrieben auf international getrimmt. „Beat“ fühlt sich nach einer deutschen Produktion an – und das meine ich durchaus positiv. Gerade die Club-Szenen mit den wummernden Bässen und einprägsamen Lichteffekten fand ich imposant umgesetzt. Doch auch abgesehen davon, zeigt „Beat“ eindrucksvoll, dass sich die deutsche Serie keineswegs hinter US-Produktionen verstecken muss, ohne dass dieser Vergleich bewusst angestrebt wird.

Doch wie sieht es inhaltlich aus? Auch hier haben mich gerade die Szenen rund um den Techno-Club überzeugt. Das hätte ich so nicht erwartet. Vielleicht auch, weil hier der Fokus gegeben ist und alles zusammenpasst. Davon abgesehen tanzt die Handlung auf zu vielen Hochzeiten: Da gibt es den Club samt seiner Angestellten, den verrückten Serienkiller (auch wenn er niemanden umbringt), die Entführung von Flüchtlingen gepaart mit Organhandel, einen übertrieben bösen Geschäftsmann, die Russenmafia, den Geheimdienst und am Ende wird sogar noch der Bogen zur RAF und damit der deutschen Geschichte gespannt. Puh. Da will die Serie ziemlich viel. Norbert Eberleins Drehbuch ist temporeich geschrieben, alle Versatzstücke gehören irgendwie zusammen, aber dann auch wieder nicht. Oft werden zuvor eingeführte Elemente wieder fallen gelassen oder verpuffen in ihrer unspektakulären Auflösung. Ein Payoff ist nach dem aufwändigen Setup nicht immer gegeben. Durch die dichte Erzählung und die mitreißende Inszenierung, bleibt der Unterhaltungswert jedoch konstant auf sehr hohem Niveau.

Die Stärken dieser deutsche Serie

Nach „Bad Banks“ ist dies nun also schon die zweite deutsche Serie, die mich unerwartet gut unterhalten hat. Dies liegt nicht zuletzt an den unverbrauchten und frischen Schauspielern: Jannis Niewöhner bietet als titelgebender Beat eine – im Rahmen des Drehbuchs – glaubwürdige Leistung und ich bin gerne mit ihm auf diese Reise gegangen. Karoline Herfurth ist wohl der größte Star der Produktion und auch sie schafft es ihrer doch recht klischeehaften Rolle (eben eine typische Ermittlerin) interessante Facetten abzugewinnen. Besonders stark fand ich die Besetzung der Nebenrollen und Bösewichte: Von Kostja Ullmann über Alexander Fehling bis hin zu Karl Markovics werden hier teils beeindruckende Leistungen aufgefahren, die alleine durch das leider teils unbefriedigende Drehbuch limitiert werden.

Fazit

Als kleiner, teils reißerischer bis dreckiger Thriller macht „Beat“ eine wirklich gute Figur. Vermutlich nichts, was länger im Gedächtnis bleibt, doch keineswegs unspektakulärer als internationale Genre-Vertreter. Das Drehbuch war mir zwar zu unfokussiert, doch haben Marco Kreuzpaintners Inszenierung und die famosen Schauspieler einiges wett gemacht. Zwar wird die Serie nicht fortgeführt, doch die Staffel ist in sich relativ gut abgeschlossen, so dass ich eine Sehempfehlung aussprechen kann: 8/10 (7.9) Punkte.

Bad Banks – Staffel 1

Nach dem längeren Ausflug in die düstere Welt von „The Leftovers“ habe ich mich, im Gegensatz zu allen anderen Serien-Fans, nicht nach Westeros aufgemacht, sondern nach Frankfurt begeben. Dort finden sich im Rahmen von „Bad Banks – Staffel 1“ beinahe ebenso viele Intrigen und Machtspiele, wie in der momentanen Hype-Serie. Warum dies nicht der einzige Grund ist, der euch dazu bewegen sollte, einmal einer deutschen Serie eine Chance zu geben, lest ihr in der folgenden Besprechung…

Bad Banks – Staffel 1 | © ZDF und ARTE

Bad Banks – Staffel 1 | © ZDF und ARTE

Meine Beziehung zur deutschen TV-Serie

Als ich von der Serie hörte bzw. las, war ich zunächst skeptisch. Deutsches Fernsehen. Damit verbinde ich am ehesten noch den drögen „Tatort“ am Sonntagabend. Ein Phänomen, das sich mir bis heute nicht erschließt. Auch andere hoch gehandelte deutsche Serien, wie „Stromberg“ oder „Pastewka“, haben es bei mir nicht geschafft, sich wirklich als herausragend zu etablieren. Eben auch weil die Originale bzw. deren US-Versionen, sprich „The Office“ und „Curb Your Enthusiasm“, so viel gelungener sind als unsere Ableger. Die letzte originelle deutsche Serie, die ich wirklich regelmäßig verfolgt habe, dürfte Anfang der 2000er wohl „Berlin, Berlin“ gewesen sein. Davor ist mir nur „Das Boot“ aus dem Jahr 1981 als bemerkenswert im Gedächtnis geblieben. Die neue Welle deutscher Serien diverser Streaming-Portale ist bisher an mir vorbei gegangen. Somit war ich umso neugieriger, ob diese Koproduktion des ZDF mit ARTE meine Wahrnehmung der deutschen TV-Serie tatsächlich ändern kann.

In die Abgründe der Finanzbranche

Schon während der ersten Episode wird klar, dass sich „Bad Banks“ zumindest audiovisuell stark an internationalen Serienproduktionen orientiert. Sei es das Color-Grading, die Kameraarbeit oder die Schnittfrequenz. Alles schreit nach modernen Sehgewohnheiten – und das meine ich durchaus positiv. Auch inhaltlich hätte diese Serie wohl in jedem anderen Land entstehen können, jedoch passt diese kühle, abgeklärte Darstellung der Finanzwelt schon ziemlich gut als Thema für eine Serie aus Deutschland – auch wenn dies nur ein weiteres Klischee bestätigt. Am meisten ist mir der Ursprung der Serie bei den SchauspielerInnen aufgefallen. Die Mischung aus bekannten Gesichtern und frischen Newcomern geht voll und ganz auf: Paula Beer ist in der Hauptrolle großartig und schafft es ihren Charakter in etlichen Nuancen einerseits zerbrechlich und sorgenvoll, andererseits machthungrig und kalkulierend darzustellen. Mit Désirée Nosbusch, Tobias Moretti und Jörg Schüttauf ergänzen deutsche Schauspielgrößen das Ensemble, die hier Nebenrollen mit dem nötigen Gewicht ausstatten. Alles in allem wirklich sehr gelungen.

Inhaltlich orientiert sich die Serie am Trend der vergangenen Jahre, eher Antihelden in den Mittelpunkt zu rücken. Klar, eine Jana Liekam ist noch kein Walter White, doch auch sie greift teils zu drastischen Mitteln, um ihre Ziele zu erreichen. Statt dem Aufstieg zum Drogenbaron sind es natürlich eher White-Collar-Verbrechen, doch sind diese weniger verwerflich? Nur weil man weniger von körperlicher Gewalt gebraucht macht? Hier könnte die Serie noch mehr in die Vollen gehen und die Schicksale der Betroffenen zeigen, die durch Bilanzfälschungen, faule Kredite usw. ruiniert werden. Andererseits wäre das auch sehr plakativ und würde eventuell die bewusst inszenierte Distanz aufbrechen. Potenzial für eine zweite Staffel ist definitiv vorhanden.

Fazit

Ja, die erste Staffel von „Bad Banks“ wird ihrem Ruf tatsächlich gerecht. Auch ich mit meiner eher schwierigen Beziehung zu deutschen TV-Produktionen (siehe oben) muss neidlos zugeben, dass die AutorInnen rund um Oliver Kienle hier einen wirklich sehr sehenswerten Finanz-Thriller in Episodenform geschaffen haben. Selbst Skeptikern kann ich nur empfehlen, hier mehr als einen Blick zu riskieren: 9/10 (8.5) Punkte.

Mission: Impossible – Fallout (2018)

Heute war eigentlich ein eher ruhiger Samstag: Die Kinder waren auf einem Geburtstag und wir Eltern hatten frei. Allerdings standen viele Tätigkeiten im Haus an: Von einem neuen Duschschlauch im Bad über einen Leuchtmittelwechsel im Auto bis hin zur Komplettreinigung meines Fahrrads war alles dabei. Somit waren am Abend nicht nur die Kinder ausgepowert, sondern auch wir Eltern. Dass ich bei „Mission: Impossible – Fallout“ nicht eingeschlafen bin, werte ich somit als gutes Zeichen…

Mission: Impossible – Fallout (2018) | © Paramount (Universal Pictures)

Mission: Impossible – Fallout (2018) | © Paramount (Universal Pictures)

Ist schneller, höher und weiter immer besser?

Wie hat sich diese Filmreihe doch entwickelt. Zwar gab es schon immer einen gewissen Hype um die neuesten Episoden, doch so richtig ging es (meinem Gefühl nach) erst ab „Mission: Impossible – Ghost Protocol“ in die Vollen. Mit der letztjährigen Auflage ist vorerst auch der Höhepunkt erreicht und ich war erstaunt, in wie vielen Bestenlisten dieser scheinbar schnöde Action-Streifen doch aufgetaucht ist. Und ja, ich muss zugeben, dass „Mission: Impossible – Fallout“ ein unfassbar unterhaltsamer Film ist. Gerade die handgemacht wirkende Action (inzwischen ein Markenzeichen der Reihe) ist extrem gut gelungen. Erinnert ihr euch noch, als Tom Cruise in „Knight & Day“ mit Cameron Diaz vor schlechtem Greenscreen auf dem Motorrad durch Sevilla gefahren ist? Nein? Gut! Denn diese Szenen sind exakt das Gegenteil von der mitreißenden Action in „Mission: Impossible – Fallout“. Hier werden eher Erinnerung an John Frankenheimer und „Ronin“ wach, was ein großes Kompliment ist.

Was die Handlung angeht, so erzählt der Film eine typische Agentengeschichte, die zwar irgendwie an den Vorgänger „Mission: Impossible – Rogue Nation“ anknüpft, letztendlich aber austauschbar ist und auch gut für sich alleine stehen kann. Der Humor wird ein wenig zurückgefahren und die einzelnen Set-Pieces dominieren. Dennoch wird es mir schwer fallen, in ein paar Wochen noch zu sagen, welche der Action-Szenen aus den letzten drei Teilen konkret welchem Film zuzuordnen sind. Die bombastischen Bilder sind teils im IMAX-Seitenverhältnis von 1,90:1 eingefangen, was ein wahrer Augenschmaus ist. Leider gibt es keine 3D-Fassung für das Heimkino, was ich persönlich sehr bedauerlich finde. Gerade die famosen Naturpanoramen des letzten Drittels hätten bestimmt von der zusätzlichen Tiefe profitiert.

Fazit

Wenig überraschend, hat mir „Mission: Impossible – Fallout“ sehr gut gefallen. Tom Cruise spielt hier die Rolle seines Lebens und es ist beeindruckend, wie sehr er sich für diese Filmreihe einsetzt. Inhaltlich ein wenig schwach auf der Brust, kann der inzwischen schon sechste Teil der Reihe mit echten Schauwerten punkten. Sie mag zwar nicht nachhaltig sein, doch satt gesehen habe ich mich an der Action noch nicht: 8/10 Punkte.

Letztendlich sind wir dem Universum egal – OT: Every Day (2018)

Heute war war ein extrem voller Tag: Von einem Kindergeburtstag bis hin zum Rasenmähen, Vertikutieren und Co. waren wir von früh bis spät bei herrlichstem Wetter draußen. Da hat es sich schon fast komisch angefühlt, sich abends nicht auf die Terrasse zu setzen, doch bis es soweit ist, wird es noch dauern. Also ab aufs Sofa und mit „Letztendlich sind wir dem Universum egal“ die Verfilmung eines wunderbaren Romans angeschaut. Ob die Adaption der Vorlage gerecht werden konnte?

Letztendlich sind wir dem Universum egal (2018) | © Splendid Film/WVG

Letztendlich sind wir dem Universum egal (2018) | © Splendid Film/WVG

Alles eine Frage der Perspektive

Ich hatte von der Verfilmung gelesen, kurz nachdem ich den Roman „Letztendlich sind wir dem Universum egal“ beendet hatte. Schon damals war ich eher skeptisch, ob und wie diese Geschichte für das Kino adaptiert werden kann, aber ich habe mich auch auf den Film gefreut. Danach habe ich ihn jedoch aus den Augen verloren, bis er mir neulich in einer Verkaufsaktion aufgefallen ist. Aber auch nur aufgrund des Titels, denn das Cover sieht verdächtig nach 08/15-Teenie-Film aus. Dennoch war ich zu neugierig, als dass ich mich davon hätte abschrecken lassen. Nach der Sichtung kann ich nun sagen: Es ist eine typische Buchverfilmung. Der Kern der Geschichte ist definitiv da, doch die feinen Nuancen und Besonderheiten der Vorlage haben es nur bedingt in das neue Medium geschafft.

Am deutlichsten fällt wohl der Wechsel der Perspektive auf: Im Buch wird die gesamte Geschichte durch die Augen von A erzählt. Rhiannons Perspektive bleibt uns fremd. Der Autor David Levithan hat diese in einem zweiten Roman „Letztendlich geht es nur um dich“ verarbeitet, welcher vermutlich auch mit Grundlage für das Drehbuch des Films war. Die Geschichte wirkt dadurch deutlich konventioneller, wenngleich ich es bemerkenswert finde, wie konsistent A von den unterschiedlichen SchauspielerInnen dargestellt wurde. Im Gegensatz zum Buch steht die Liebesgeschichte noch viel deutlicher im Mittelpunkt und wir Zuschauer bekommen nur wenig Einblick in das vorherige Leben von A. Das fand ich schade, bedingt diese Änderung doch klar die Wahrnehmung von „Every Day“ als weitere Teenie-Romanze.

Fazit

Auch wenn wir in „Letztendlich sind wir dem Universum egal“ nur einen Teil der Geschichte zu sehen bekommen und der Fokus zu sehr auf der Romanze liegt, so empfand ich den Film durchaus als gelungene Adaption. Zumindest hat er bei mir Erinnerungen an den Roman geweckt. Mit mehr Mut hätte etwas richtig Großes daraus werden können, doch auch so besitzt Michael Sucsys Film immer noch eine schöne Botschaft. Im Zweifel jedoch lieber das Buch lesen: 7/10 Punkte.

Asterix und das Geheimnis des Zaubertranks – OT: Astérix: Le secret de la potion magique (2018)

Beim Teutates! Es geschehen noch Zeichen und Wunder. Aufmerksamen Lesern meines Blogs dürfte nicht entgangen sein, dass der Zwergofant oftmals ein rechter Angsthase ist, wenn es um Filme geht. Mit der bewährten Asterix-Methode™ habe ich ihn jedoch über die letzten Monate für seinen ersten Kinobesuch fit gemacht. Heute war es endlich soweit: Wir haben „Asterix und das Geheimnis des Zaubertranks“ im Kino gesehen – und ja, der Zwergofant hat bis zum Ende durchgehalten… 😀

Asterix und das Geheimnis des Zaubertranks (2018) | © Universum Film GmbH

Asterix und das Geheimnis des Zaubertranks (2018) | © Universum Film GmbH

Funktioniert Asterix in 3D und ohne Vorlage?

Normalerweise achte ich ja sehr darauf, Filmreihen in der richtigen Reihenfolge zu sehen. Obwohl uns noch „Asterix in Amerika“, „Asterix und die Wikinger“ und „Asterix im Land der Götter“ (der erste 3D-animierte Asterix-Film) fehlen, wollte ich die einmalige Gelegenheit eines Kinobesuchs nicht verstreichen lassen. Für uns war es somit auch das erste Mal Asterix und Obelix in moderner 3D-Technik. Ob der Sprung in die 3D-Welt gelungen ist? Oh ja! Ich bin wirklich ziemlich begeistert, wie gut der Film in der zusätzlichen Dimension funktioniert. Alle Charaktere sind noch eindeutig erkennbar, das gallische Dorf fühlt sich immer noch so an, wie man es kennt, und doch wirkt die Welt noch viel lebendiger. Einfach toll! Und das schreibe ich in dem vollen Bewusstsein, dass der Charme der klassisch animierten Filme ein wenig fehlt.

Auch inhaltlich konnte mich „Asterix und das Geheimnis des Zaubertranks“ wirklich überzeugen, auch wenn er keine klassische Comic-Vorlage hat. Interessanterweise haben mich einige Elemente der Geschichte (Miraculix hat einen Unfall, Experimente mit dem Zaubertrank und eine düstere Gestalt, die mit den Römern kollaboriert) stark an den erst jüngst von uns gesehenen „Asterix: Operation Hinkelstein“ erinnert. Allerdings finde ich, dass die Elemente hier noch einmal besser funktionieren. Einzig das Finale mit den übergroßen Kontrahenten fand ich ein wenig übertrieben. Jedoch hat gerade dieses den Kindern ausgezeichnet gefallen.

Fazit

Nun liegt er also hinter uns, der erste Kinobesuch mit der ganzen Familie. Der Zwergofant hatte viel Spaß und hat sich kein einziges Mal gefürchtet. Die Asterix-Methode™ hat perfekt funktioniert! Ich muss allerdings zugeben, dass der erste Kinobesuch mit dem Zappelinchen noch ein wenig magischer war, was vielleicht auch dem gewählten Film zuzuschreiben ist. Für den Zwergofant war „Asterix und das Geheimnis des Zaubertranks“ jedoch die perfekte Wahl und auch ich kann den Film kaum objektiv bewerten, was ich hier glücklicherweise auch nicht muss: 8/10 Punkte.

Auslöschung – OT: Annihilation (2018)

Gestern war für mich der große Area-X-Tag: Nicht nur habe ich mit „Acceptance“ Jeff VanderMeers Trilogie zu Ende gelesen, ich habe am Abend auch noch Alex Garlands Verfilmung „Auslöschung“ nachgeholt. Da der Film hierzulande bisher nur bei Netflix läuft, hatte ich mir bereits im Juni 2018 die US-Blu-ray importiert. Gut ein halbes Jahr später war es endlich soweit – gerade noch knapp vor dem 14. März, an dem auch bei uns der Film offiziell auf DVD und Blu-ray veröffentlicht wird…

Auslöschung (2018) | © Paramount (Universal Pictures)

Auslöschung (2018) | © Paramount (Universal Pictures)

Area X nach Schema F?

Bereits im Vorfeld der Sichtung war mir bewusst, dass Alex Garland („Ex Machina“) mit „Annihilation“ keine werksgetreue Adaption der Vorlage angestrebt hat, sondern eher eine Widerspiegelung seiner subjektiven Eindrücke, die er beim Lesen des ersten Teils der Southern-Reach-Trilogie hatte. Die wichtigsten Elemente finden sich somit auch im Film wieder: Die Frauengruppe rund um die Biologin (gespielt von Natalie Portman), das mysteriöse Gebiet Area X, die Southern-Reach-Organisation, die seltsam mutierte Natur, der Leuchtturm usw. Rein vom Setting und der Atmosphäre her hat Alex Garland die Vorlage ziemlich perfekt getroffen und es war für mich eine große Freude, zusammen mit den Wissenschaftlerinnen Area X zu erkunden.

Die wirklich abgefahrenen Elemente wiederum, welche die Vorlage so besonders machen, haben es dagegen nicht in den Film geschafft. Ich denke hier speziell an die  topographische Anomalie und den Crawler, welche für mich den Kern der Mysterien rund um Area X darstellen. Für mich fehlt hier ein Kernelement der Geschichte, selbst wenn alles andere ziemlich gut getroffen wurde. Ich musste hierbei an die Verfilmung von „Relic: Museum der Angst“ denken, bei der auch der Hauptcharakter der Vorlage aus der Adaption gestrichen wurde. Garland konzentriert sich in seiner Version komplett auf die Entstehung der Doppelgänger, was auch ein wichtiger Aspekt der Geschichte ist, aber eben nur einer unter vielen. Schade.

Down the Rabbit Hole

Ich habe im Vorfeld viel über die Kontroverse mitbekommen, die der Veröffentlichung des Films auf Netflix vorausging. Nachdem ich gestern erst „Acceptance“ fertig gelesen hatte, konnte ich den Gedanken des Studios auch nachvollziehen, dass das große Kinopublikum wohl so seine Schwierigkeiten mit dem Stoff haben würde. Nach der Sichtung des Films kann ich aber nur sagen: WTF? Von all den Andeutungen und vielfältigen Interpretationsmöglichkeiten bleibt im Film nichts übrig. Es ist ziemlich eindeutig, wie sich die Handlung entwickelt und was mit den Charakteren passiert. Nichts, was genreverwandte Filme nicht schon ähnlich gemacht hätten. Wenn die scheinbare Komplexität des Stoffes tatsächlich der Grund des Studios gewesen sein sollte, den Film nicht in die Kinos zu bringen, dann gute Nacht, große Leinwand.

Fazit

Auch wenn ich es bemerkenswert finde, wie konsequent Alex Garland den Stoff heruntergebrochen und das Drehbuch auf wenige Elemente eingedampft hat, so finde ich es doch extrem schade, dass etliche Kernaspekte fehlen. Mir ist durchaus bewusst, dass eine 1:1-Adaption nicht möglich gewesen wäre, doch eine echte Trilogie, die sich auf die drei ineinander verschachtelten Haupterzählebenen der Vorlage beschränkt, das hätte ich famos gefunden. Dennoch ist die Atmosphäre von Area X perfekt getroffen und ich mag Natalie Portman in ihrer Rolle sehr. Für sich genommen ein großartiger Sci-Fi-Schocker, als Adaption nur bedingt gelungen: 8/10 Punkte.