Kevin Can Wait – Season 1

Es gibt sie noch, die klassischen Sitcoms mit Gelächter aus der Konserve. In den letzten Jahren ist diese Form der Comedy-Serie beinahe ausgestorben, was mich beinahe ein wenig traurig stimmt, auch wenn ich damit ziemlich alleine bin. Besonders gefreut habe ich mich über die Ausstrahlung von „Kevin Can Wait – Season 1“ auf Amazon Prime, da die andere Sitcom von und mit Kevin James – die Rede ist natürlich von „The King of Queens“ – zu meinen persönlichen Lieblingen zählt. Lässt sich das Konzept jedoch auf die 2010er Jahre übertragen?

The King of Queens 2.0

Kevin aus „Kevin Can Wait“ könnte genauso gut Doug heißen. Seine Figur ist wirklich 1:1 dem liebenswürdigen Paketfahrer aus Queens nachempfunden. Auch der Humor der Serie deckt sich nahezu komplett mit „The King of Queens“, was nicht wirklich überraschend ist: Meist möchte Kevin etwas rund um Sport, Essen oder einem sonstigen Freizeitvergnügen seiner Frau gegenüber durchsetzen und überlegt sich dabei mehr oder minder kreative Möglichkeiten, sie zu überzeugen oder auch ganz einfach zu hintergehen. Am Ende fliegt die Geschichte auf und alle haben sich nach einem kleinen Konflikt wieder lieb. Kennt man und funktioniert, auch wenn das Konzept heute tatsächlich ein wenig angestaubt wirkt. Statt dem Schwiegervater Arthur wohnt nun der britische Verlobte der ältesten Tochter als ungebetener Gast im Haus, was leider nicht annähernd so gut funktioniert wie das Original.

Zu all den bekannten Elementen kommen noch etliche Schauspieler, wie Kevin James‘ Bruder Gary Valentine, Ray Romano oder Adam Sandler hinzu, die man bereits in Nebenrollen oder Gastauftritten in „The King of Queens“ gesehen hat. In der finalen Doppelfolge stößt dann Kevin James‘ langjähriger Serienpartnerin Leah Remini dazu, was die Serie endgültig zur Neuauflage macht. Vor ein paar Tagen gab es dann die Meldung, dass die von Erinn Hayes gespielte Serien-Ehefrau in der zweiten Staffel nicht mehr auftreten und dafür Leah Remini zur Hauptdarstellerin befördert wird. Wie das funktionieren soll, kann ich mir noch nicht so recht vorstellen, jedoch werden böse Erinnerungen an die Neukonzeption wach, welche die Retro-Sitcom „Last Man Standing“ in der zweiten Staffel durchgemacht hat.

Fazit

Auch wenn mir die Schwächen der Serie in jedem Moment bewusst waren, so wurde ich doch größtenteils wirklich gut unterhalten. Da steckt ganz viel Nostalgie mit drin, doch mochte ich die Mischung aus neuen Figuren und bekannten Verhaltensmustern. Nach den Ankündigungen zur Neuausrichtung habe ich die Serie jedoch fast schon abgeschrieben, denn ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, wie die Autoren einen sinnvollen Übergang schaffen wollen. Schade, denn für mich wäre das originale Konzept durchaus aufgegangen: 7/10 (7.2) Punkte.

Bastille Day (2016)

Kürzlich habe ich noch darüber gesprochen, warum ich auf ein Medium gepresste Filme dem Stream gegenüber vorziehe, und dass mein Stapel ungesehener Blu-rays viel zu hoch geworden ist. Gestern habe ich all das jedoch ignoriert und mich für den Action-Thriller „Bastille Day“ entschieden, den man sich (wohlgemerkt im korrekten Bildformat) auf Amazon Prime ansehen kann. Ob sich der Ausflug nach Paris gelohnt hat, erfahrt ihr in der folgenden Besprechung…

Zwei Amerikaner in Paris

Auf „Bastille Day“ wurde ich vor allem aufgrund von Idris Elba aufmerksam. Seine Hauptrolle in der TV-Serie „Luther“ hat den Schauspieler nach „The Wire“ erneut auf meinen Radar gebracht und ich war gespannt, wie er sich in einem typischen Action-Thriller schlägt. Gerüchte um Elba als James Bond halten sich hartnäckig bereits seit Jahren und man könnte den europäisch-amerikanischen Thriller fast schon als sein Bewerbungsvideo für die Rolle sehen, zumindest wenn man den durch Jason Bourne inspirierten Stil als Referenz nimmt. Anfangs war es ziemlich gewöhnungsbedürftig Elba nach „Luther“ amerikanisches Englisch sprechen zu hören. Auch sein Co-Star Richard Madden (bekannt als Robb Stark aus „Game of Thrones“) wurde als Amerikaner besetzt, obwohl er eigentlich Schotte ist. Was die Besetzung angeht, kann man dem Film keine Vorwürfe machen und sowohl Elba als auch Madden zeigen sich äußerst spielfreudig.

Auf inhaltlicher Seite ist „Bastille Day“ deutlich schwächer aufgestellt und gerade gegen Ende zerfasert der Film in einen 08/15-Actioner mit comichaftem Bösewicht und an den Haaren herbeigezogenem Plot. Gerade aufgrund der jüngsten Anschläge fand ich es dennoch dem Unterhaltungswert zuträglich, dass am Ende eben doch nicht der Kampf gegen den Terror thematisiert wurde. Ob die Darstellung der französischen Politiker und Polizisten als komplett korrupt dagegen so nötig gewesen wäre, wage ich zu bezweifeln. Der Film macht jedoch nie einen Hehl aus seinen Action-Wurzeln und er nimmt sich deutlich weniger ernst als z.B. „96 Hours“, was vor allem der Buddy-Movie-Dynamik zwischen Idris Elba und Richard Madden geschuldet ist.

Fazit

Wenn ihr euch für 90 Minuten gut unterhalten lassen wollt und einen anspruchslosen Actioner sucht, dann kann ich euch „Bastille Day“ durchaus ans Herz legen. Er ist auf jeden Fall gelungener als der x-te Aufguss von „Taken“ und hat zudem zwei frische Schauspieler zu bieten. Kein Film, der länger im Gedächtnis bleibt, doch bietet er für die Dauer seiner Laufzeit genau das richtige Maß an Unterhaltungswert: 6/10 Punkte.

Alien: Covenant (2017)

Gestern hat es sich ziemlich spontan ergeben, dass die Kinder bei den Großeltern übernachteten und wir somit „Alien: Covenant“ im Kino sehen konnten. Neben „Blade Runner 2049“ der Film, den ich dieses Jahr am meisten herbeigesehnt habe. Speziell aufgrund meiner kürzlichen Zweitsichtung von „Prometheus: Dunkle Zeichen“ war ich extrem gespannt, wie Ridley Scott die mysteriöse Geschichte um die Ingenieure und ihre Schöpfungen fortführt. Ob sich das Warten (und dass ich mich mit fieser Erkältung ins klimatisierte Kino geschleppt habe) gelohnt hat? Spoiler sind zu erwarten.

Zwischen „Prometheus“ und „Alien“

Auf den ersten Blick hat „Alien: Covenant“ alles zu bieten, was ich mir von einer Fortsetzung erhofft hatte. Der Look erinnert so sehr an den ursprünglichen „Alien: Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt“, dass es eine wahre Freude ist. Ridley Scott hat die filmische Brücke also nicht nur inhaltlich (z.B. Zusammensetzung der Crew), sondern auch formal geschlagen. Somit verwundert es auch nicht, dass sowohl das erste Drittel wie auch das letzte Drittel des Films beinahe schon wie ein Remake des Originals von 1979 anmuten. Ich habe es wirklich sehr genossen einmal mehr in dieses wunderbar ausgearbeitete Universum einzutauchen und bekannte Klänge zu vernehmen sowie auch Mechanismen zu erleben. Doch einen Moment, bitte. Was ist nun eigentlich aus Elisabeth Shaw, dem Androiden David und ihrer Reise zum Planeten der Ingenieure geworden? Stimmt, da gibt es ja noch den Mittelteil des Films…

Typisch „Alien“-Sequel: Alles wird auf Null gesetzt

Gerade im inhaltlich interessanten Mittelteil krankt die Geschichte leider. Ich habe mich gefühlt wie damals, als ich das erste Mal „Alien 3“ gesehen habe: Jegliche inhaltliche Entwicklung wird ignoriert und die Ausgangssituation einfach auf Null gesetzt, damit man abermals die gleiche Geschichte erzählen kann. Über die Jahre habe ich den Film dennoch lieben gelernt. Ob mir das bei „Alien: Covenant“ auch gelingen wird? Wie gern hätte ich mehr über die Abenteuer von Shaw und David auf dem Heimatplaneten der Ingenieure erfahren. Aber nein: Shaw ist tot, David entpuppt sich als wahnsinniger Androide mit Gotteskomplex, der einfach mal so alle Ingenieure auslöscht. Keine Antworten, keine weiteren Mysterien, einfach alles auf Null gesetzt.

Ich fand es zwar durchaus interessant, David – nachdem er in „Prometheus: Dunkle Zeichen“ noch eher eine ambivalente Figur war – als verrückten Wissenschaftler inszeniert zu sehen, der mit seinem Bruder Walter über Schöpfung und Götter philosophiert (wenngleich die Flötenszene auch ein wenig albern war). Letztendlich hat David durch seine Genexperimente Eier, Facehugger und Xenomorphs erschaffen. Hier hatte ich tatsächlich einen kleinen Midi-Chlorianer-Moment, der viel von der Faszination für diese Kreaturen genommen hat. Nein, mir hat diese Entwicklung wirklich nicht gefallen und ich finde es unendlich schade, dass Scott und Co. die gesamte Mythologie, die sie noch im Vorgänger mühevoll aufgebaut hatten, einfach über Bord werfen. Glücklicherweise spielt Michael Fassbender wieder unglaublich gut, so dass es trotz der enttäuschenden inhaltlichen Entwicklungen eine wahre Freude ist, seinem verrückten Androiden (und das passt inhaltlich natürlich wieder perfekt zum Franchise) zuzusehen.

Fazit

Ich hatte hohe Erwartungen an „Alien: Covenant“ und mir eine deutlichere Entwicklung in Richtung „Prometheus: Dunkle Zeichen“ gewünscht. Leider haben sich Scott und 20th Century Fox jedoch für den sichereren Weg entschieden und übereilt die Brücke zu den beliebten Originalen geschlagen. Was nun noch in den nächsten beiden Filmen gezeigt werden soll? Auch wenn die Enttäuschung auf inhaltlicher Sicht wohl überwiegt, so war ich jedoch zu jeder Sekunde gefangen von den Bildern und der Atmosphäre. Der Film atmet das „Alien“-Franchise noch viel stärker als der Vorgänger und ja, tatsächlich bin ich dem jüngsten Neuzugang in dieser Hinsicht völlig verfallen. Ein spannendes und auf jeden Fall lohnendes Kinoerlebnis, bei dem sich noch zeigen muss, ob es überdauert: 7/10 Punkte.

Prometheus: Dunkle Zeichen – OT: Prometheus (2012) (WS1)

Gerade ist „Alien: Covenant“ angelaufen und ich hege die zarte Hoffnung, dass ich den Film tatsächlich noch im Kino sehen werde. Folglich war es nach fünf Jahren auch an der Zeit, meine Erinnerungen an „Prometheus: Dunkle Zeichen“ aufzufrischen. Der Vorgänger hatte mir damals exzellent gefallen. Allerdings habe ich inzwischen so viele vernichtende Worte über den Film gehört und gelesen, dass ich leichte Zweifel hatte, ob er mir auch heute noch gefallen würde, doch lest selbst…

Ein selbstbewusster Neuanfang

Das „Alien“-Franchise zeichnet sich nicht gerade durch Konsistenz aus. Ob spontane Genre-Wechsel von Horror („Alien: Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt“) zu Action („Aliens: Die Rückkehr“) oder unzählige Male umgeschriebene Drehbücher („Alien 3“) – als Fan der Reihe hat man schon so einiges mitgemacht. Dennoch war der Ruf nach einer Fortsetzung zu „Alien: Die Wiedergeburt“ stets da. Neun Jahre später war es dann endlich soweit und im Vorfeld herrschte viel Unklarheit darüber, um was es sich bei „Prometheus“ eigentlich handeln sollte: ein Sequel oder ein Prequel? Gar ein Reboot? Oder doch etwas ganz Anderes? Letztendlich ist Ridley Scotts Sci-Fi-Epos eine Mischung aus alldem und doch etwas ganz Eigenes: eine Geschichte im „Alien“-Universum, die mit den Versatzstücken des Franchises spielt und doch viel größer ist. Und ich kann Ridley Scott nur dafür danken, diesen Weg eingeschlagen zu haben, denn auch bei der heutigen Sichtung hat mich sein Film wieder enorm gepackt.

Woher kommen wir eigentlich?

„Prometheus“ macht es einem als Zuschauer nicht leicht: Einerseits ist der Film ein typischer Sci-Fi-Reißer mit Monstern, klischeehaft geschriebenen Redshirts und teils sehr blutigen Szenen. Dem gegenüber steht der philosophische Unterbau, der Fragen nach Schöpfung, Glaube und einer größeren Mythologie aufmacht. Für viele Zuschauer mag das nicht zusammenpassen, doch für mich funktioniert es einfach wunderbar. Ich liebe die Space-Trucker-Atmosphäre, die Scott im ersten Drittel des Films wieder sehr gekonnt einfängt, ebenso wie horrorlastigen Actionszenen sowie die Fragen, die in der Geschichte aufgemacht werden. Im Zentrum der Handlung steht, ganz in Tradition der Reihe, abermals eine Frau, doch neben ihr rückt ein Androide in den Fokus. Auch ein solcher hatte in den ersten beiden Filmen eine tragende Rolle, hier spiegelt er zudem den Kern der Geschichte wider, was ich ganz und gar famos fand. Dies hätte leicht nach hinten losgehen können, doch Michael Fassbender spielt David so eindringlich und doch nuanciert, dass es eine wahre Freude ist.

Neben dem Inhalt ist bei Ridley Scott natürlich die Form extrem wichtig und hier überzeugt „Prometheus“ auf ganzer Linie: Ich liebe die Weyland-Yutani-Designs, die Raumschiffe und Uniformen, die technischen Spielereien und natürlich die von H. R. Giger inspirierte Welt auf LV-223. Was Monster angeht, so gibt es auch in diesem Film einiges zu sehen, wobei nichts auch nur annähernd den ikonografischen Facehuggern oder Xenomorphs das Wasser reichen kann. Am meisten beeindruckt haben mich wohl tatsächlich die humanoiden Engineers und ich bin gespannt, wie in der Fortsetzung letztendlich der Bogen zu den klassischen Aliens gespannt wird.

Fazit

Meine Sorge mich aufgrund etwaiger Beeinflussungen in Drehbuchschwächen oder   Logiklöchern zu verlieren, war völlig unbegründet. Ich habe „Prometheus“ genossen, wie damals bei der ersten Sichtung im Kino. Einzig das famose 3D habe ich tatsächlich vermisst. Wer hätte das gedacht? Auch dieses Mal werde ich wieder viel über die Geschichte nachdenken und mir eigene Erklärungen zurechtlegen. Ich mag es sehr, dass der Film nicht alles erklärt und uns Zuschauern Spielraum für Spekulationen lässt. Dabei funktioniert „Prometheus“ auch wunderbar als audiovisuell starker Sci-Fi-Trip, mit dem man einfach viel Spaß haben kann. Falls ihr die alten Filme liebt und um diesen Neuanfang bisher einen bogen gemacht habt: Lasst euch nichts erzählen und macht euch selbst ein Bild. Ein toller Film: 9/10 Punkte.

 

Girls – Season 4

Noch nicht einmal ein halbes Jahr ist seit meinem letzten Besuch bei den Girls vergangen. Somit ist mir der Einstieg in „Girls – Season 4“ dieses Mal sehr leicht gefallen und auch wenn die Serie in ihrem dritten Jahr ein wenig abgebaut hatte, so war ich doch gespannt, ob Autorin Lena Dunham ihren Figuren endlich die dringend nötige Weiterentwicklung spendiert…

Daddy Issues in Iowa

So, oder so ähnlich, könnte man die gesamte Staffel ganz gut zusammenfassen. Zumindest Hannahs Erzählstrang. Zu Beginn des inzwischen schon vierten Jahres der Serie verlässt unsere Protagonistin die bekannten Gefilde und zieht nach Iowa. Von New York City aus wohlgemerkt. Kein Wunder, dass sie zunächst ein Kulturschock erwartet und sie sich nicht wirklich willkommen fühlt. Das alles ist tatsächlich ziemlich unterhaltsam, wenn auch insgesamt ein wenig unnötig für die gesamte Geschichte. Dennoch ein schöner Gegenpol zum Leben der restlichen Freundinnen in NYC, wo zwar ein deutlich höheres Tempo herrscht, letztendlich aber doch alle auf der Stelle treten. Speziell Marnie und Jessa bekommen so gar nichts auf die Reihe.

In der zweiten Hälfte der Staffel nimmt die Geschichte dann ordentlich Fahrt auf und jede einzelne Figur entwickelt sich weiter. Selbst Hannahs Vater, der plötzlich entdeckt, dass er eigentlich schwul ist. Oder Ray, der politische Ambitionen verfolgt. Oder Shoshanna, die einen Job in Tokyo annimmt. Oder tatsächlich auch Hannah, die endlich über Adam hinwegkommt und eine stabile Beziehung eingeht. Das Finale der Staffel besteht – passend zu einer absurden Geburtssituation – aus lauter Anfängen, was ich ganz wunderbar fand.

Fazit

Auch wenn nicht jede Episode funktioniert und ich oft wieder das Gefühl hatte, dass sich Marnie, Jessa und Co. in künstlichen Problemen wälzen, so fand ich die neu eingeschlagene Richtung dennoch lobenswert. Es sieht wirklich so aus, als hätte Lena Dunham einen Plan für die finalen zwei Staffeln, auf die ich mich inzwischen schon wirklich freue. Sollten die Girls etwa erwachsen werden? 8/10 (8.2) Punkte.

The Kennedys (2011)

Nachdem ich mich mit „11.22.63 – Der Anschlag“ zurück in die 1960er Jahre begeben habe, um das Attentat auf JFK zu verhindern, bliebt ich gleich dort und habe mit der Mini-Serie „The Kennedys“ mehr über den historischen Hintergrund erfahren. Ob sich die acht Episoden der in den USA umstrittenen Serie gelohnt haben, erfahrt ihr in der folgenden Besprechung…

Historisch korrekte Fiktion?

Was die Geschichte der Kennedys angeht fällt mein Wissen eher dünn aus und speist sich größtenteils aus Film und Fernsehen: die Kuba-Krise, das Attentat auf JFK samt nachfolgender Ereignisse bis hin zur Ermordung Robert F. Kennedys. Auch war mir bewusst, dass der ehemalige Präsident John F. Kennedy und seine Gattin Jackie einen fast schon mythischen Ruf besitzen. Kein Wunder also, dass die Serie in den USA eher negativ aufgenommen wurde, zeichnet sie die bekannten Personen und speziell Patriarch Joseph P. Kennedy eher als machthungrige und instabile Charaktere, denn als Vorzeigefamilie. Ob diese Version nun historisch korrekt oder völlig an den Haaren herbeigezogen ist, kann ich nicht beurteilen. Nach ein wenig Recherche scheint durchaus etwas dran zu sein. Ob jedoch die Schwerpunkte richtig gesetzt wurden?

Am besten man betrachtet „The Kennedys“ als Unterhaltungsserie mit historischem Kern. Dann erlebt man ein wenig Soap-Opera, ein wenig Zeitkolorit und ein wenig Polit-Drama. Das alles ist hochklassig inszeniert und auch die Schauspieler (u.a. Greg Kinnear als John F. Kennedy) können größtenteils überzeugen. Was den Erzählrhythmus angeht hätte ich mir tatsächlich ein wenig mehr Ausgewogenheit gewünscht: Es wird ein historisches Ereignis nach dem anderen abgehakt und von einem Skandal zum nächsten gesprungen. Das wirkt nicht nur ziemlich gehetzt, sondern lässt der Faszination für die Kennedys auch nur wenig Raum. Somit wird zwar ein Gegenpol zum vorherrschenden Bild gesetzt, ein wirklich rundes Bild ensteht dadurch aber auch nicht.

Fazit

Auch wenn die Serie bei Weitem nicht perfekt ist, so empfand ich sie doch als sehr interessant und durchaus mitreißend. Mit ein paar mehr Episoden und einer differenzierteren Betrachtung, hätte „The Kennedys“ eine wirklich famose Mini-Serie werden können. So bleibt letztendlich eine ein wenig unausgewogene Mischung aus Historiendrama und Soap-Opera, was gerade bei dieser Thematik ein wenig unglücklich erscheint. Wenn man sich für das Thema interessiert, kann man guten Gewissens reinschauen und wird durchaus Freude mit den acht Episoden der Serie haben: 8/10 (7.8) Punkte.

Silicon Valley – Season 2

Aktualisierung: Inzwischen habe ich die komplette Serie gesehen. Die Besprechung von „Silicon Valley“ (Staffel 1 bis 6) findet ihr bei Klick auf den Link.

Nachdem mich die erste Staffel der Serie vor ziemlich genau einem Jahr extrem zu begeistern wusste, war ich natürlich gespannt ob „Silicon Valley – Season 2“ hier nachlegen kann. Wie immer bei den HBO-Comedys war das Warten lang und das Vergnügen kurz. Ob sich die zehn Episoden dennoch oder gerade deshalb lohnen, erfahrt ihr in der folgenden Besprechung…

Eine (un)typische Workplace-Comedy

Es war eine Freude wieder ins fiktive Silicon Valley zurückzukehren. Als jemand, der auch beruflich ein wenig Einblick in die Tech-Welt hat und Artikel aus dem Startup-Umfeld liest, habe ich mich besonders über die satirischen Elemente und die völlig überzogenen Charaktere gefreut. Hier scheint mir „Silicon Valley“ doch recht nahe an der Realität zu sein bzw. zumindest von Autoren geschrieben, die ein Verständnis für die Eigenheiten der Branche mitbringen. Mit Russ Hanneman betritt zudem eine neue Figur die Bühne, durch welche die Egozentrik der Branche auf ein ganz neues Niveau gehoben wird. Einfach herrlich!

Letztendlich ergibt sich daraus eine etwas andere Workplace-Comedy, die aber dennoch den Regeln ihres Genres folgt. Man erlebt somit berufliche Erfolge und Fehlschläge, nimmt an seltsamen Meetings teil und schließt Allianzen, die teils sogar die Schwelle zur Freundschaft überschreiten. Im Gegensatz zu Genre-Vertretern wie „The Office“ wirkt die Welt jedoch noch eine Spur abgedrehter, was dem eher ungewöhnlichen Startup-Setting entspringt.

Fazit

Auch in ihrem zweiten Jahr wirkt „Silicon Valley“ weiterhin sehr frisch und ist dabei unglaublich unterhaltsam. Gerne hätte ich mehr als nur zehn Episoden gesehen, doch wird vermutlich durch die begrenzte Laufzeit auch das Qualitätsniveau gehalten. Insofern kann ich nun einfach nur abwarten und hoffen, dass die dritte Staffel schnell ihren Weg auf DVD findet: 9/10 (8.6) Punkte.

Der Indianer im Küchenschrank – OT: The Indian in the Cupboard (1995)

Seit einer halben Ewigkeit habe ich mir einmal wieder eine DVD gekauft. Der Film ist auf Blu-ray in Europa nicht greifbar, doch wollte ich „Der Indianer im Küchenschrank“ unbedingt meinen Kindern zeigen. Da ist eine deutsche Tonspur natürlich Pflicht. Also ganze 3,97 Euro investiert und die erste Gelegenheit (die Frau ist heute außer Haus) am Schopf gepackt. Ob Frank Oz‘  Märchen heute noch genauso wunderbar ist, wie ich es in Erinnerung habe?

Eine Reise zurück in die Kindheit

Ich erinnere mich noch genau an meine erste Sichtung des Films. Eigentlich war ich damals schon viel zu alt dafür. Ich muss 16 oder 17 gewesen sein, meine Familie war ohne mich verreist. Ich weiß noch, dass dies der letzte freie Abend war und meine Eltern samt meiner Schwester am nächsten Tag zurückkommen sollten. Cool und angesagt wie ich damals war, habe ich natürlich keine große Party geschmissen, sondern ein paar gute Freunde zu einem Filmabend eingeladen: Wir haben James Camerons „The Abyss“ in der Special Edition geschaut und ich war hin und weg. Als meine Freunde gegangen waren, hatte ich das Gefühl den vorangeschrittenen Abend (es war schon gegen Mitternacht) nutzen zu müssen, denn der Alltag stand ja wieder vor der Tür. Also habe ich die vorhandenen VHS-Kassetten durchgeschaut und unter diesen die Premiere-Aufzeichnung (mein Bruder versorgte uns damals damit) eines Films namens „Der Indianer im Küchenschrank“ gefunden.

Ich wusste nur, dass es sich um einen Kinderfilm handelt, sonst nichts. Dennoch war ich neugierig und habe die VHS-Kassette eingelegt. Bis 2 Uhr morgens sollte ich somit in eine magische Geschichte entführt werden. Warum der Film damals so gut für mich funktioniert hat, kann ich gar nicht mehr sagen. Vermutlich hängt es auch mit dieser einen Nacht und dem damit verbundenen Gefühl der Freiheit zusammen (es dürfte wohl das erste Mal gewesen sein, dass ich nicht auf den Familienurlaub mitgefahren bin). Auf jeden Fall hat sich der Film in mein Herz gespielt und ich war sehr gespannt, wie ihn meine Kinder wohl wahrnehmen würden.

Toll getrickste Menschlichkeit

Ich kann gleich vorausschicken, dass ich den Zwergofanten als Zuschauer recht bald verloren habe: Er war platt von der Radtour und hatte Angst vor dem Indianer. Also ist er recht bald ins Bett verschwunden, jedoch nicht ohne mich versprechen zu lassen, ihm morgen den Film zu erzählen. Das Zappelinchen dagegen war Feuer und Flamme, hat viele Fragen gestellt und war emotional komplett involviert. Einfach toll. Auch ich war abermals begeistert und mag es sehr, wie stinknormal die Kinder in dem Film sind. Keine aufgesetzte Coolness oder übertriebenes Außenseitertum. Hal Scardino spielt die Hauptfigur Omri wirklich großartig und es ist schade, dass er kaum noch etwas danach gemacht hat. Bekannte Gesichter gibt es ohnehin kaum zu sehen. Einzig Richard Jenkins („Six Feet Under“) und Vincent Kartheiser („Mad Men“) sind mir hier aufgefallen. Und natürlich kennt man Regisseur Frank Oz, der sich für einige Klassiker (u.a. „Der dunkle Kristall“ oder „Der kleine Horrorladen“) verantwortlich zeichnet.

Obwohl der Film bereits 22 Jahre auf dem Buckel hat, überzeugen seine Effekte immer noch. Der titelgebende Indianer Little Bear wirkt selten in die Szenen hineinkopiert, was speziell für die Kinder eine großartige Immersion bedeutet. Auch ich habe mich erneut sehr an der Tricktechnik erfreut, bei der man noch keine CGI-Charaktere animiert hat – und das kommt dem Film rückblickend betrachtet bestimmt zugute.

Fazit

Zu den meisten Filmen, über die ich hier schreibe, habe ich eine besondere emotionale Bindung und versuche sie auch herauszustellen. Auf „Der Indianer im Küchenschrank“ trifft das besonders zu. Wenn ich die IMDb-Bewertung mit 5,9 Punkten sehe, kann ich nur den Kopf schütteln. Das ist so ein herzerwärmend schöner Kinderfilm, dass ich das nicht verstehen kann. Ein Erfolg an der Kinokasse war der Film leider auch nicht, weshalb ihm Fortsetzungen verwehrt blieben. Ich jedoch liebe ihn sehr und kann ihm jeden (auch zur Sichtung mit Kindern) nur ans Herz legen. Das Zappelinchen und ich waren begeistert: 9/10 Punkte.

Tango & Cash (1989)

Nach einer weiteren Woche mit sehr kurzen Nächten, habe ich mit Schrecken feststellen müssen, dass ich fast nur noch ungesehene Filme jenseits der zweieinhalb Stunden Laufzeit im Regal stehen habe. Heute keine Chance. Die perfekte Gelegenheit also mit „Tango & Cash“ auf ein Werk jenseits der Jahrtausendwende zurückzugreifen, als Geschichten noch wunderbar unter 120 Minuten erzählt werden konnten…

Zurück in die 80er

Bereits vor ein paar Wochen habe ich mit „Die City-Cobra“ damit begonnen, meine unfassbar lange Liste an Stallone-Klassikern nachzuholen. Kaum zu glauben, dass zwischen den beiden Filmen nur drei Jahre liegen, wirkt „Tango & Cash“ doch bereits ungleich moderner, auch wenn der Buddy-Movie seine 80er-Jahre-Herkunft schon alleine aufgrund Harold Faltermeyers (am bekanntesten für „Beverly Hills Cop“) Synthie-Score nicht verhehlen kann. Pate stand ganz eindeutig Richard Donners unglaublich erfolgreiche Buddy-Cop-Reihe „Lethal Weapon“, die zwei Jahre zuvor den Durchbruch dieses Subgenres begründete. Ein reiner Abklatsch also?

Tatsächlich wirkt „Tango & Cash“ alles andere als originell und ist dabei auch ziemlich übertrieben. Dennoch fügt sich alles zu einem großen, schrillen und lauten Film zusammen, der einfach nur Spaß macht. Ich merke richtig, wie ich die langsam geschnittenen Action-Szenen und übertriebenen Oneliner genieße. Der Film wirkt in seiner stereotypen Darstellung aller möglichen Klischees heute unfassbar unschuldig und stellt somit einen deutlichen Gegensatz zum zynischen Action-Kino der 2010er Jahre dar. Das alles macht Andrei Kontschalowskis Film nicht wirklich gut, doch für Fans der 80er/90er zu einem ziemlich großen Spaß.

Fazit

Auch wenn das Drehbuch an vielen Ecken knarzt und man nicht einen Gedanken an Logik verschwenden sollte, so sind Sylvester Stallone und Kurt Russell ein wunderbar harmonierendes Buddy-Cop-Duo, die in abgefahrene Settings geworfen werden und gegen einen „James Bond“-artigen Bösewicht kämpfen dürfen. Das alles ist ziemlich grober Unfug, doch letztendlich herrlich unterhaltsamer Unfug: 7/10 Punkte.

11.22.63 – Der Anschlag (2016)

Normalerweise bevorzuge ich Serien, mit denen ich mich länger beschäftigen kann. Dies liegt vor allem daran, dass ich ungern Unterbrechungen bis zur Fortführung der Geschichte habe und somit selten (Ausnahmen bestätigen die Regel) nur einzelne Staffeln anschaue. Mit der Mini-Serie „11.22.63 – Der Anschlag“ liegt der Fall allerdings ein wenig anders, stand hier doch bereits schon von Anfang an fest, dass es nur diese eine Staffel geben wird. Mich hat speziell die Art der Adaption gereizt, bietet dieses Format doch weit mehr Raum für den Inhalt einer Vorlage als nur ein Film…

Vom Roman zur Serie

Ich kenne Stephen Kings Roman bisher noch nicht, hatte ihn aber im Zuge des Serien-Kaufs meiner Frau ans Herz gelegt, die sogleich das Hörbuch verschlungen hat und davon äußerst begeistert war. Dieser unterschiedliche Wissensstand war spannend und hat während der Sichtung für so manche angeregte Diskussion gesorgt, denn anscheinend weicht die Serie in einigen relevanten Details von der Vorlage ab. Dies hat dafür gesorgt, dass ich nun auch am liebsten das Buch lesen würde, schon alleine um entsprechend fundiert mitreden zu können. Doch auch die Serie an sich fühlt sich sehr wie ein Buch an und ich habe es sehr genossen, diese packende Geschichte über knapp acht Stunden erleben zu können. Ich frage mich was daraus geworden wäre, hätte man sich für einen abendfüllenden Spielfilm als Format entschieden. Vermutlich einfach ein ganz anderes Erlebnis.

Zeitreise-Drama oder Historien-Thriller?

Wenn man „11.22.63 – Der Anschlag“ in eine Genre packen sollte, dann ist das gar nicht so einfach. Von der Prämisse her gesehen, würde man wohl zuerst an Sci-Fi denken. Diese Genre-Elemente sind allerdings so gut wie überhaupt nicht vorhanden, dafür hat das historische Setting starken Einfluss auf die Geschichte. Man wähnt sich somit eher in einem Historien-Thriller mit übernatürlichen Elementen als in einem Sci-Fi-Drama. Wie man es von Stephen King erwarten würde, macht die Serie auch vor Horror-Elementen nicht halt. Diese waren mir teils zu dominant, wurden von den acht Episoden schon ganze zwei auf eher horrorlastige Subplots verwendet, von denen zumindest einer die Handlung nicht wirklich nach vorne gebracht hat. Ich hätte mir dafür tatsächlich mehr Einblick in die Ermittlungen gewünscht.

Die Serie ist sehr hochwertig produziert und nach „The Path“ nun bereits die zweite Hulu-Eigenproduktion, die es in mein Programm geschafft hat. Wie bereits „House of Cards“ setzt auch „11.22.63“ das seltene Bildformat 2,00:1 ein, was für ein kinohaftes Erlebnis sorgt. James Franco („127 Hours“) trägt die Geschichte mit jungenhaftem Charme, kann jedoch auch in dramatischen Situationen überzeugen. Auch der Support-Cast bietet mit u.a. Chris Cooper („American Beauty“) bekannte Gesichter. Formal ein wirklich äußerst gelungenes Erlebnis.

Fazit

Auch wenn die Serie nicht bis ins letzte Detail perfekt ist und teils die falschen Schwerpunkte gesetzt werden, so hat sie mich über ihre acht Episoden doch wunderbar unterhalten. Wenn ich Zeit für Binge-Watching hätte, dann wäre „11.22.63“ wohl der perfekte Kandidat gewesen, um die komplette Serie an einem Wochenende durchzuschauen. Doch auch in Häppchen serviert hat mich die Geschichte für sich eingenommen und speziell die letzte Episode zu Tränen gerührt. Da greift dann auch wieder der Zeitreise-Aspekt, den ich zuvor ein wenig vermisst hatte. Auch meine Frau war trotz der Änderungen zur Vorlage sehr angetan, weshalb ich die Serie nun sowohl Kennern des Romans als auch Neulingen empfehlen kann: 9/10 (8.6) Punkte.