96 Hours – OT: Taken (2008)

Zu Beginn der Feiertage habe ich mir mit Pierre Morels „96 Hours“ – oder „Taken“ wie der Originaltitel lautet – einen nicht gerade friedfertigen Film ausgewählt. Die Produktion aus dem Hause Luc Besson macht keine Gefangenen und bietet einen Adrenalinrausch, wie ich ihn auf dem heimischen Bildschirm schon lange nicht mehr erlebt habe.

Die Geschichte ist simpel: Die Tochter eines Ex-Agenten wird entführt, woraufhin sich dieser auf die Suche macht und nach Rache sinnt. Während der relativ ausführlichen Exposition lernt man die Charaktere ziemlich gut kennen und kann somit dem Schmerz und die Wut des Vaters bis zu einem gewissen Grad nachvollziehen. Somit ist die wichtigste Voraussetzung für einen effektiven Selbstjustizthriller gegeben, der sich glücklicherweise nicht mit Moralfragen aufhält, sondern sofort zur Sache kommt.

Sicher kann man den Film als reaktionäre Gewaltfantasie mit offen propagiertem Fremdenhass sehen, doch dann dürfte man sowieso nicht zur Zielgruppe gehören und seit den 80er Jahren jeden Actionfilm gemieden haben. Ein Film braucht nun einmal Bösewichte. Hier sind hat es eben Albaner, Franzosen und Araber getroffen und das nicht zu knapp, womit ich auch zum nächsten Punkt kommen möchte: Liam Neesons Bryan Mills. Der Mann, der rot sieht. Blutrot. Selten habe ich solch einen kompromisslosen und übertriebenen Rachefeldzug gesehen. Jegliche Diskussion moralischer Fragen hätte die treibende Handlung völlig zerstört. Kritik dieser Art schießt für mich völlig am Ziel vorbei, zudem es sich um eine französische und eben keine US-Produktion handelt.

Für Actionfreunde ist „Taken“ eine kleine Offenbarung. Hart, dreckig und unglaublich treibend inszeniert. Pierre Morel sollte man sich als Genrefan wahrlich merken. Auch Liam Neeson („Rob Roy“) hat mich endlos begeistert. Sicher verliert sich die Geschichte – besonders gegen Ende – in immer phantastischeren Regionen, doch mochte mich das nicht wirklich stören, denn schließlich ist dies ein herrlich altmodischer Actionkracher und kein Politdrama.

Wer 90 Minuten im Zeitraffer verfliegen sehen möchte und dem Genre zudem nicht abgeneigt ist, der sollte „Taken“ dringend auf seine Liste setzen. Ein Adrenalinrausch in 24 Bildern pro Sekunde: 8/10 Punkte.

16 Gedanken zu “96 Hours – OT: Taken (2008)

  1. Der Film traf genau meinen Geschmack.

    Schon im Vorfeld habe ich diverse Trailer und extendet Trailer immer mal wieder angeschaut.
    Die Vorfreude auf den Film war also gross.
    Habe mir dann die Uk BD geholt und den Film noch vor dem Kinorelease im deutschsprachigen Raum angesehen.

    War wirklich sehr begeistert von dem Streifen. Auch dank der glaubwürdigen Darstellung von Liam Neeson.

    Du solltest dir unbedingt auch mal den ersten Film von Pierre Morel „Ghettogangz“ anschauen.

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  2. Ich dagegen wusste zuvor nicht sonderlich viel über den Film, fand den Trailer aber auch nett und sehe Liam Neeson recht gerne. Insofern war ich durchaus positiv überrascht, zumal ich die ebenso von Luc Besson produzierte „Transporter“-Reihe nur durchschnittlich finde.

    „Ghetto Gangz“ oh je, welch ein toller deutscher Titel. Der Trailer sieht ganz interessant aus, wirkt für mich aber fast eine Spur zu abgedreht.

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  3. Naja, ich will mich hier jetzt nicht mit dir in einen Fremdhass-Ideologie-etc.-Disput verlieren. Von daher verliere ich mal keinen Ton zu solchen Äußerungen wie Ein Film braucht nun einmal Bösewichte, die fraglos Steilvarianten für allerlei angesprochene Diskussionen geben würden. Sonst artet das in ein Duell erhobener nackter Zeigefinger aus, bei dem es aus Sicht von den Beteiligten wohl eh keinen Gewinner geben könnte.

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  4. Ich habe deinen Blogeintrag zum Film auch gelesen und somit kenne ich deinen Standpunkt. Auch stimme ich dir zu, dass eine Diskussion wohl zu keinem befriedigendem Ergebnis führen würde. In solch einem Actionreißer gibt es eben Klischeebösewichte. So ist es nun einmal. Wie oft werden denn noch böse Deutsche mit nazionalsozialistischem Hintergrund aus dem Hut gezaubert? Oder böse US-Geheimorganisationen? Oder oder oder? Man muss eben immer den Kontext bedenken, in dem die vermeintlichen Feindbilder auftauchen.

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  5. Der Film eignet sich perfekt für einen Filmabend, bei dem man einfach abschalten möchte – und ein paar Witze während des und über den Film erzählen will. Kompromisslos und nicht jedermanns Sache. Wer schon bei 24 den Zeigefinger wegen Folter gehoben hat, sollte Taken erst recht nicht gucken.

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  6. Wobei ich die Folterszenen bei „24“ aufgrund der teils aufblitzenden Doppelmoral viel bedenklicher finde. Hier sollte jedem klar sein, dass man es mit einer völlig überzeichneten one man show zu tun hat (nicht dass dies bei „24“ ebenso der Fall wäre).

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