Don’t Breathe (2016)

Heute war ein herrlicher Frühlingstag samt Musikschulfest und einem Nachmittag voll Kettcar-, Fahrrad- und Rollerfahren. Herrlich! Wenn ich zurzeit nur laufen könnte, wäre der Tag perfekt gewesen. Zum abends draußen Sitzen ist es noch nicht warm genug. Folglich haben wir mit „Don’t Breathe“ einen Film in den Player geschoben, der intensiver kaum hätte sein können…

Don't Breathe (2016) | © Sony Pictures Home Entertainment

Don’t Breathe (2016) | © Sony Pictures Home Entertainment

Blindekuh auf 11 gedreht

Ich habe schon länger keinen echten Horrorfilm mehr gesehen. Mit echt meine ich Filme, die nicht auch noch in anderen Genres, speziell der Komödie, wildern. Auch „Don’t Breathe“ ist kein klassischer Horrofilm, sondern inhaltlich mehr ein Thriller. Allerdings bedient sich Fede Álvarez großzügig dem formalen Repertoire des Genres, wenngleich er auch auf drastische Gewaltexzesse verzichtet und die Spannung stets das dominierende Element ist. Noch bevor es nervenaufreibend wird, bekommen wir die drei Hauptfiguren jedoch erstaunlich ausführlich vorgestellt. Auch wenn hier keine große Charaktertiefe zu erwarten ist, so hatte ich doch das Gefühl, um ihre Motivation zu wissen und die äußeren Umstände zu kennen, in denen sie aufwachsen. Eigentlich eine Grundvoraussetzung für das kommende Mitfiebern, aber leider gerade in diesem Genre eher eine Seltenheit.

Ab dem Betreten des Hauses, wird die Spannungsschraube beständig nach oben geschraubt. Auch wenn mir von Anfang an klar war, dass der blinde Mann (intensiv gespielt von Stephen Lang) zurückschlagen wird, so wurde ich vom Einfallsreichtum des Drehbuchs und der Inszenierung doch stets am Ball gehalten. Im Grunde bekommen wir einen auf den Kopf gestellten Home-Invasion-Thriller zu sehen, der von seinem, mit außergewöhnlichen Fähigkeiten gesegneten, Kontrahenten lebt. Ansonsten bleibt die Geschichte ziemlich geradlinig und nimmt so ziemlich den Verlauf, den ich mir auch erwartet hätte. Für mich ist dies durchaus positiv zu bewerten, da der Horror-Thriller somit wunderbar kompakt, klein und dreckig wirkt.

Fazit

Ich kann den Hype, der rund um den Film entstanden ist, durchaus nachvollziehen und blicke jetzt schon mit Sorge der geplanten Fortsetzung entgegen. Der blinde Mann als zweiter Michael Myers? Das ist dann doch zu viel Horror für meinen Geschmack. Wer einen extrem spannenden und kurzweilig inszenierten Horror-Thriller sehen möchte, der sollte „Don’t Breathe“ eine Chance geben: 8/10 Punkte.

The Game (1997)

Nach einer anstrengenden Arbeitswoche, während der ich noch gegen die Ausläufer meiner Grippe gekämpft habe, bin ich nun sehr froh, dass endlich Wochenende ist. Eingeläutet haben wir es natürlich mit einem Film: Die Wahl ist heute auf David Finchers „The Game“ gefallen, den ich damals sehr mochte. Die letzte Sichtung liegt mindestens 13 Jahre zurück und ich war sehr gespannt, ob er auch heute noch funktioniert. Mehr dazu in der folgenden Besprechung…

The Game (1997) | © Universal Pictures Germany GmbH

The Game (1997) | © Universal Pictures Germany GmbH

Einer der unterschätzen David-Fincher-Filme

Ich kann heute gar nicht mehr sagen, wann ich „The Game“ zum ersten Mal gesehen habe. Vermutlich war es nach der Sichtung von „Fight Club“ im Kino. Oder doch schon nach „Sieben“? Nach einem der beiden Filme habe ich auf jeden Fall angefangen, die anderen Filme des Regisseurs nachzuholen – und auch wenn „The Game“ neben den beiden genannten Werken immer etwas untergeht, so mag ich ihn jedoch sehr gerne. In der allgemeinen Wahrnehmung zählt er zusammen mit „Panic Room“ wohl eher zu den schwächeren Filmen des Regisseurs, doch sind beide technisch makellos und die Handlung wunderbar packend. Für Fincher vielleicht nur eine Fingerübung, doch damit immer noch gelungener, als die meisten anderen Thriller.

Kann es wirklich sein, dass „The Game“ bereits 22 Jahre auf dem Buckel hat? Für mich war es immer ein sehr moderner Thriller. Ja, beinahe schon ein High-Tech-Thriller! Aus heutiger Sicht wirken einige Elemente (die großen Röhrenfernseher, die Telefone und Mobilgeräte) doch recht angestaubt, was man von der restlichen Inszenierung glücklicherweise nicht behaupten kann. David Fincher zieht abermals alle Register und entführt uns auf ein mysteriöses, düsteres und rasantes Abenteuer, das von Michael Douglas wunderbar getragen wird. Die häufig kritisierten Logiklöcher fallen, wenn man denn gewillt ist, sich auf die Geschichte einzulassen, überhaupt nicht auf.

Fazit

Ja, auch nach 22 Jahren kann David Finchers „The Game“ immer noch überzeugen. Auch wenn mir die große Enthüllung am Ende des Films noch im Gedächtnis war, so hatte ich erneut viel Spaß auf dem Weg dorthin. Nach wie vor einer der gelungensten Mystery-Thriller, die man sich anschauen kann: 8/10 Punkte.

Mr. Robot – Season 1

Wieder einmal habe ich eine Serie nachgeholt, die alle Serien-Fans schon vor Jahren gesehen haben. Die Kritiken waren überschwänglich, gerade aus den Reihen der sonst überaus kritischen IT-affinen Zuschauerschaft. Ob mich „Mr. Robot – Season 1“ aus ähnlichen oder ganz anderen Gründen zu begeistern wusste, lest ihr in der folgenden Besprechung. Spoiler sind zu erwarten.

Mr. Robot – Season 1 | © Universal Pictures Germany GmbH

Mr. Robot – Season 1 | © Universal Pictures Germany GmbH

Wenn Dexter Morgan Hacker wäre…

Schon ab den ersten Szenen der Serie musste ich mit „Dexter“ an eine andere populäre TV-Serie denken: Ein Charakter, der mit sich und seiner Umwelt nicht klar kommt, der sich als Rächer über dem Gesetz sieht und der eine Geheimidentität lebt. Hinzu kommt der Einsatz eines eindringlichen Voice-overs, das mit schwarzem Humor angereichert ist und uns Zuschauern einen Einblick in die Gedankenwelt des Protagonisten bietet. Und spätestens als klar wird (habe ich schon vor Spoilern gewarnt?), dass Elliot mit seinem toten Vater spricht und ein besonderes Verhältnis zu seiner Schwester hat, werden die Parallelen unübersehbar. Und wie bereits die erste Staffel von „Dexter“ besitzt auch das erste Jahr von „Mr. Robot“ einen ganz besonderen Reiz.

Tatsächlich war ich von der Art und Weise begeistert, wie mit IT-Themen generell und Hacking im Speziellen umgegangen wird. Die Technik in der Serie wirkt sehr glaubwürdig und auch der Social-Engineering-Aspekt wird beeindruckend in Szene gesetzt. Wirklich extrem gelungen. Weniger begeistert hat mich im Verlauf der Staffel die eigentliche Handlung bzw. die Charaktere abgesehen von Elliot selbst. Gerade der Bösewicht Tyrell Wellick samt Frau ist so übertrieben böse, dass es fast schon an eine Parodie grenzt. Hier wäre weniger deutlich mehr gewesen. Sehr schade, da zu Beginn der Staffel auch in diesem Charakter deutlich mehr Potenzial geschlummert hat.

…und mit Tyler Durden befreundet

Die überraschende Wendung rund um Mr. Robot habe ich schon viel zu früh kommen sehen. Das ist nicht weiter schlimm, jedoch war die Umsetzung am Ende samt einer Piano-Version von „Where Is My Mind?“ dann doch ein wenig zu plakativ. Ja, natürlich ist „Fight Club“ für diese Serie eine sowohl inhaltliche als auch formale Referenz. Trotz der offensichtlichen Wendung und der nicht gerade subtilen Inszenierung, wusste mich „Mr. Robot“ emotional abzuholen. Zumindest was die Haupthandlung angeht. Einige Nebenschauplätze (z.B. den gesamten Gefängnisausbruch) hätte man sich sparen können. Das Finale dagegen samt seiner gesellschaftspolitischen Auswirkungen fand ich wiederum extrem spannend und auch glaubwürdig erzählt. Ich hoffe sehr, dass man sich in den folgenden Staffeln mehr auf die angerissenen Aspekte konzentriert, denn dranbleiben werde ich auf jeden Fall.

Fazit

Insgesamt betrachtet hatte ich viel Spaß mit „Mr. Robot“ und wusste auch zu schätzen, dass die Macher Ahnung von der Materie haben. Mit ein wenig mehr Feinschliff, was die Charaktere und ihre Motivation angeht, hätte es wirklich die perfekte Ergänzung zu David Finchers „Fight Club“ in Serienform werden können. Doch was nicht ist, kann ja noch werden: 9/10 (8.6) Punkte.

Escobar: Paradise Lost (2014)

Nach einem erfolgreichen Tag, stand heute Abend natürlich ein Film auf dem Programm. In den Player wanderte „Escobar: Paradise Lost“, der schon länger ungesehen im Regal stand. Ob sich der Blick auf Pablo Escobars Leben aus einer ungewohnten Perspektive lohnt, lest ihr in der folgenden Besprechung…

Escobar: Paradise Lost (2014) | © Alive Vertrieb und Marketing

Escobar: Paradise Lost (2014) | © Alive Vertrieb und Marketing

Liebe macht blind – Der Film

Zunächst einmal fällt die nicht chronologische Erzählweise auf. Das ist an sich kein besonders ungewöhnlicher Kniff, doch ist es Regisseur Andrea Di Stefano nicht immer gelungen, die Zeitebenen klar zu definieren. Das liegt vermutlich auch an der ungewohnten Montage, bei der Schwarzblenden häufig recht unmotiviert wie harte Schnitte eingesetzt werden. Für manche mag das kunstvoll wirken, mich hat es öfter aus dem Film geworfen. Wenn wir schon bei den formalen Aspekten sind, bleibt zu erwähnen, dass die Schauplätze in schönen Bildern eingefangen werden. Man bekommt ein gutes Gefühl für örtliche Zusammenhänge und die Stimmung im Land. Wirklich schön. Der Score dagegen erschien mir ziemlich aufdringlich.

Inhaltlich ist der Film ähnlich unrund, wie in seiner Inszenierung. Die Liebesgeschichte überwiegt und Pablo Escobar verkommt fast schon zum reinen Setting. Eigentlich ein interessanter Ansatz, doch spielt Benicio Del Toro den Drogenbaron so großartig und charismatisch, dass ich gerne mehr von ihm gesehen hätte. Die eigentliche, von Josh  Hutcherson gespielte, Hauptfigur Nick wird dagegen so naiv gezeichnet, dass dies trotz seiner Verliebtheit zu Pablo Escobars Nichte fast ein wenig unglaubwürdig wirkt. Dennoch wusste mich der Film, als Nick endlich aufwacht, wirklich zu packen. Das Finale ist spannend inszeniert und bleibt ganz am Ende wunderbar bittersüß. Aber eben auch unspektakulär und vorhersehbar. Überraschungen sollte man somit auch lieber nicht erwarten.

Fazit

Insgesamt war „Escobar: Paradise Lost“ ein nett anzusehender und durchaus spannender Film, dem ein wenig mehr Fokus auf seine Stärken gut getan hätte. Diese besitzt der Genre-Mix nämlich durchaus. So bleibt am Ende jedoch das Gefühl, einen nur ganz netten Film mit einem herausragenden Benicio Del Toro und ein paar spannenden Einzelszenen gesehen zu haben: 6/10 Punkte.

Tom Clancy’s Jack Ryan – Season 1

Nach langer Zeit habe ich einmal wieder eine brandaktuelle Serie gesehen. Also so richtig aktuell. Wie ist das möglich? Bei Prime Video ist mit „Tom Clancy’s Jack Ryan – Season 1“ eine Serie angelaufen, die tatsächlich mein Interesse geweckt hat. In den letzten Monaten habe ich mich mit „Jagd auf Roter Oktober“ und „Die Stunde der Patrioten“ zu den filmischen Wurzeln dieses Franchises begeben. Zudem sehe ich John Krasinski schon seit „The Office“ und aktuell auch „A Quiet Place“ sehr gerne, so dass ich gespannt war, wie er sich in solch einer actionreichen Serie schlägt…

Tom Clancy's Jack Ryan – Season 1 | © Amazon Prime Video

Tom Clancy’s Jack Ryan – Season 1 | © Amazon Prime Video

„24“ trifft auf „Homeland“ und etwas „The Office“

Der Serienhit „24“ gehörte damals, Anfang der 2000er, zu den ersten Serien, die ich leidenschaftlich verfolgt hatte. Kurz nach den Anschlägen vom 11. September war das Setting höchst aktuell und hat ein packendes, aber auch recht reaktionäres Bild des Kampfes gegen den Terror gezeichnet. Heute würde das Action-Drama in dieser Form nicht mehr funktionieren. Bereits 2011 hat „Homeland“ gezeigt, dass das Trauma der Ereignisse von vor 10 Jahren tiefere Wunden hinterlassen hat, und Action und Folter nicht die alleinigen erzählerischen Mittel sind. Noch einmal 7 Jahre später steht nun mit „Jack Ryan“ die nächste Serie rund um den Terror in den Startlöchern. Wie bereits erwähnt, basiert sie auf Tom Clancys Romanen, die bereits mehrfach verfilmt wurden. Nun geht es jedoch zurück zu den Anfängen des Charakters und in ein modernes Setting – und das funktioniert auf jeder Ebene famos.

Die Serie verbindet gekonnt große Spannung und harte Action mit gut geschriebenen Charakteren, denen wir uns als Zuschauer nahe fühlen können. Gerade John Krasinski, der wohl nicht die naheliegendste Besetzung ist, bringt für Jack Ryan einen riesigen Sympathiebonus. Sein Charakter zweifelt durchaus auch einmal und ist nicht immer der strahlende Held. Die selbstzerstörerische Natur der CIA-Arbeit hält sich, im Gegensatz zu Carrie Mathison aus „Homeland“, jedoch in Grenzen. Die Serie ist unterhaltsam, scheut aber auch nicht davor zurück, drastische Bilder zu zeigen oder brisante Themen (z.B. Flüchtlingskrise, Einsatz von Drohnen) anzusprechen. In manchen Szenen wurden gar Erinnerungen an „Zero Dark Thirty“ wach. Eine wirklich packende Mischung, die ich so nicht erwartet hatte.

Fazit

Ich hätte nicht gedacht, dass ich so begeistert  von „Tom Clancy’s Jack Ryan“ sein würde. Mit dieser Produktion ist Amazon tatsächlich ein großer Wurf gewonnen. Extrem unterhaltsam und doch auch reflektiert und teils kritisch erzählt. Ein Terror-Thriller für das Jahr 2018. Durch den kompakten Rahmen von acht Episoden, ist das Erzähltempo extrem hoch und man könnte die Serie, wenn man denn die Zeit hat, bestimmt gut an zwei Tagen bingen, wie es die Kids heute so machen. Ein famoser Einstand von John Krasinski als Jack Ryan. Gerne mehr davon: 9/10 (8.8) Punkte.

Sons of Anarchy – Season 7

Vor gut fünf Monaten bin ich nach Charming aufgebrochen. Nun geht mein Aufenthalt in diesem, inzwischen nicht mehr ganz so idyllischen, Städtchen zu Ende. Hatte ich zu Beginn meiner Reise die einzelnen Staffeln teils innerhalb von zwei Wochen verschlungen, hat sich die Verweildauer pro Staffel gegen Ende deutlich erhöht. Für „Sons of Anarchy – Season 7“ habe ich zwei Monate benötigt, was größtenteils auch dem verlockenden Wetter zuzuschreiben ist. Die Sommermonate sind einfach keine gute Zeit für Filme und Serien. Spoiler sind zu erwarten.

Sons of Anarchy – Season 7 | © Twentieth Century Fox

Sons of Anarchy – Season 7 | © Twentieth Century Fox

A good father and a good outlaw can’t settle inside the same man.

Deutlich mehr, als noch in den vorangegangenen Staffeln, fällt der düsterere Ton auf. Gerade Jax‘ stetes Abgleiten in nihilistische Rachefantasien ließ mich den Rest an Grundsympathie vermissen, die dem ambivalenten Charakteren bisher innewohnte. Seit dem Finale der sechsten Staffel existiert für Gemma, und nun auch immer mehr für Jax, keine Grauzone mehr. Dies hat bei mir für eine deutlich größere Distanz gesorgt, auch wenn die Figuren schon davor alles andere als Heilige waren. Gerade die ersten zwei Drittel der Staffel sind geprägt von unreflektierten Gewaltexplosionen und lassen wenig Raum für die bisher stets eingestreuten, und für die Serie so wichtigen, zwischenmenschlichen Szenen.

Die Handlung ist immer noch sehr packend und mitreißend, jedoch war ich emotional nicht mehr so stark involviert, wie in den vorangegangenen Staffeln. In den letzten vier Episoden wird das unausweichliche Ende vorbereitet, was auch den Charakteren wieder mehr Menschlichkeit verleiht. Ab diesem Zeitpunkt hatte mich die Serie auch wieder. Bis zum Finale, das ich zumindest brauchbar fand, aber eben auch extrem vorhersehbar. Hier hätte ich mir mehr Konsequenz gewünscht – nicht nur für Jax, sondern für SAMCRO insgesamt. Emotional durchaus mitreißend, inhaltlich wird dieser Schritt für die dargestellte Welt aber kaum weitreichende Auswirkungen haben. Hier hätte ich mir mehr gewünscht, als einen überinszenierten Märtyrertod.

We can’t allow our hearts to be louder than our reason.

An dieser Stelle möchte ich noch kurz auf die Struktur der Serie eingehen, welche ich durchaus bemerkenswert finde. Auch wenn es sich inhaltlich angeboten hätte, wird komplett auf Rückblenden verzichtet. Man befindet sich stets im Hier und Jetzt und ist nahe an den Figuren dran. Zusammen mit mit der realitätsnahen Inszenierung, und der Entscheidung für einen Soundtrack bzw. dem Verzicht auf einen Score, entsteht ein Sog, dem man sich nur schwer entziehen kann. Man erkennt eine Handschrift, was die sieben Staffeln wie aus einem Guss wirken lässt. Das ist bestimmt bei einigen Serien so, doch bei kaum einer ist es mir so bewusst aufgefallen, wie bei „Sons of Anarchy“.

Wie bereits angedeutet, war die finale Staffel der Serie für mich die schwächste. Weit davon entfernt schlecht zu sein, doch weniger mitreißend und inhaltlich auch nicht mehr so ausgefeilt, wie ich es von den Vorjahren gewohnt war. Für mich ergibt sich somit folgendes Ranking, wobei ich die erste Staffel nachträglich definitiv höher als die sechste einordnen würde:

  1. „Sons of Anarchy – Season 5“ (9.5 Punkte)
  2. „Sons of Anarchy – Season 4“ (9.2 Punkte)
  3. „Sons of Anarchy – Season 3“ (8.9 Punkte)
  4. „Sons of Anarchy – Season 2“ (8.8 Punkte)
  5. „Sons of Anarchy – Season 6“ (8.6 Punkte)
  6. „Sons of Anarchy – Season 1“ (8.5 Punkte)
  7. „Sons of Anarchy – Season 7“ (8.1 Punkte)

Fazit

Beinahe ein halbes Jahr habe ich mit den „Sons of Anarchy“ verbracht. Eine lange Zeit und wohl einer meiner letzten großen Serien-Marathons. Schon alleine deshalb wird die Serie für mich stets in besonderer Erinnerung bleiben. Gerade die mittleren drei Staffeln boten großartige Unterhaltung. Aufgrund von leichten Schwächen gegen Ende hat es die Serie nicht komplett unter meine Lieblingsserien geschafft, doch das macht auch nichts. Insgesamt lohnt sich der Ausflug nach Charming definitiv und ich werde beim noch in diesem Jahr startenden Spin-off „Mayans MC“ auf jeden Fall auch reinschauen: 8/10 (8.1) Punkte.

Sons of Anarchy – Season 6

Langsam aber sicher nähert sich mein Besuch in Charming seinem Ende. In den letzten Tagen bin ich leider kaum zu Schauen gekommen, denn aufgrund des unrühmlich in die Annalen unserer Familiengeschichte eingegangenen Magen-Darm-Desasters hatte ich aufgrund von hämmernden Kopfschmerzen und akuter Müdigkeit abends nicht einmal die Energie für eine Episode von „Sons of Anarchy – Season 6“. Soweit ist es also schon gekommen. Inzwischen konnte ich jedoch auch noch die letzten Episoden abschließen und mich sogar zu einer Besprechung hinreißen lassen. Es geht also aufwärts…

Sons of Anarchy – Season 6 | © Twentieth Century Fox

Sons of Anarchy – Season 6 | © Twentieth Century Fox

This life, it ain’t romantic or free.

Auch wenn man es kaum für möglich gehalten hätte, so begibt sich das Autorenteam rund um Kurt Sutter noch weiter in die Dunkelheit. Sprich für die Charaktere rund um Jax Teller geht die Reise in die Finsternis weiter. Dabei fällt es – noch mehr als in der fünften Staffel – auf, dass sich die ursprünglich durchaus guten Absichten ins Gegenteil verkehren. Gerade Jax und Tara ist jedes Mittel recht, um ihr Ziel zu erreichen. Dieses Ziel, so zeigt sich recht bald, ist kein gemeinsames mehr, auch wenn es ursprünglich einmal so gewesen sein mag. Beide gehen über Leichen und selbst ehemalige Allianzen sind nichts mehr wert. Trotz der härteren Gangart, was die Sympathie für die Hauptfiguren angeht, schaffen es die Autoren, dass ihre Handlungen nachvollziehbar bleiben. Mit einem schlampigeren Drehbuch hätte das leicht ins Auge gehen können.

Dennoch fand ich die Handlung in der sechsten Staffel ein wenig schwächer als die des Vorjahres. Die Geschichte hat auf mich zerfaserter gewirkt und es gab etliche Parallelhandlungen, die vom eigentlichen Kern abgelenkt bzw. zu konstruiert auf diesen eingezahlt haben. Immer noch sehr gut, doch die erzählerische Dichte des Vorjahres wird nicht mehr komplett erreicht. Dennoch gelingt es den Autoren gerade am Ende des Staffel wieder für so manchen Schockmoment zu sorgen. Zudem meine ich langsam erahnen zu können, wie die Serie eventuell ausgeht. Doch mehr dazu in der Besprechung der finalen Staffel.

And we both know it’s only going to get worse.

Nachdem man in „Sons of Anarchy“ inzwischen schon etliche Schauspieler aus „The Shield“ wieder getroffen hat, begegnen wir im sechsten Jahr CCH Pounder, deren Charakter Tyne Patterson mich tatsächlich sehr an Claudette Wyms aus der Cop-Serie erinnert hat. Überhaupt ist es erneut eine Freude, die verschiedenen Schauspieler beim Ausfüllen ihrer Rollen zu sehen. Auch wenn es für manche der letzte Auftritt sein sollte. Gerade das Finale hat mich in dieser Hinsicht mehrfach schlucken lassen. Harter Tobak – und ich kann nur erahnen, wie sich die daraus resultierenden Konsequenzen in der kommenden Staffel auflösen werden. Es bleibt spannend!

Fazit

Auch wenn ich die Serie in ihrem sechsten Jahr nicht ganz so perfekt fand, wie in den zwei Staffeln davor, so konnte mich Kurt Sutters Epos dennoch weiterhin begeistern. Man merkt auch an der Laufzeit der einzelnen Episoden (meist über eine Stunde), dass es noch viel zu erzählen gibt. Vor dem großen Abschluss graut es mir schon in vielerlei Hinsicht. Nicht nur muss ich eine lieb gewonnene Serie hinter mir lassen, ich bin auch sicher, dass es alles andere als ein Happy End geben wird: 9/10 (8.6) Punkte.

Boston – OT: Patriots Day (2016)

Endlich Urlaub! Nach einer äußerst anstrengenden Woche ist es nun endlich soweit. Entspannung, Familie, Freizeit. Leider hat uns der bereits befürchtete Magen-Darm-Fluch eingeholt und meine Frau niedergestreckt. Natürlich pünktlich zum Urlaub. Mehr will ich dazu noch gar nicht sagen. Ich widme mich lieber dem Film „Boston“, den wir gemeinsam begonnen, aber den ich letztendlich alleine beendet habe…

Boston (2016) | © STUDIOCANAL

Boston (2016) | © STUDIOCANAL

Wahre Begebenheit als packender Thriller

Das Attentat vom Boston-Marathon liegt noch nicht lange zurück. Überhaupt noch nicht lange. Und schon wird ein Film daraus gestrickt. Auch wenn ich diese schnelle Verarbeitung von Katastrophen (welcher Art auch immer) ein wenig skeptisch sehe, so muss ich auch zugeben, dass mich Aufarbeitungen nahere historischer Ereignisse, wie z.B. „Captain Phillips“, bisher durchaus mitzureißen wussten. An „Patriots Day“ haben mich die positiven Besprechungen gereizt, wenngleich ich aufgrund von Peter Berg, der immerhin „Battleship“ verbrochen hat, durchaus skeptisch war. Doch die Sorge war unbegründet, stellt er verschiedenste Personen in den Mittelpunkt und bietet über weite Strecken eine dokumentarisch anmutende Aufarbeitung des Anschlags.

Auch wenn mir die groben Eckpfeiler der Ereignisse noch gut im Gedächtnis waren, so fand ich den Film doch erstaunlich spannend und packend inszeniert. Selbst Mark Wahlberg macht als bodenständiger Held eine gute Figur. Dennoch lebt der Film weniger von seinen einzelnen Charakteren, als dem Kaleidoskop an Schicksalen, deren Leben das Attentat von Boston erschüttert hat. Dabei ist „Patriots Day“ weit weniger patriotisch, als man das bei dem Thema erwarten würde.

Fazit

„Boston“ ist eine glaubhaft wirkende Rekonstruktion des Attentats vom Boston-Marathon 2013. Durch die Kombination aus dokumentarischen Aufnahmen und ausgespielten Einzelschicksalen, bleibt der Film extrem packend und weiß sowohl Adrenalin als auch Emotionen heraufzubeschwören: 8/10 Punkte.

Sons of Anarchy – Season 5

Nachdem ich mir für die vierte Staffel ein wenig mehr Zeit gelassen hatte, habe ich „Sons of Anarchy – Season 5“ wieder im Rekordtempo verschlungen. Wozu so eine Erkältung doch gut sein kann. Am Sofa sitzen, zu müde für einen Film, doch ein Besuch in Charming ist immer drin. Doch das ist nicht der einzige Grund, warum sich die Serie in ihrem fünften Jahr teils wie ein Fiebertraum anfühlt…

Sons of Anarchy – Season 5 | © Twentieth Century Fox

Sons of Anarchy – Season 5 | © Twentieth Century Fox

Hopeless in Charming

Was für eine Tortur. Wurde schon in den vorhergehenden Staffeln nicht gerade zimperlich mit den Charakteren umgesprungen, treiben es die Autoren rund um Kurt Sutter im fünften Jahr auf die Spitze. Mit dem Machtwechsel innerhalb von SAMCRO prasselt es nun von allen Seiten auf Jax ein. Er kann größtenteils nur noch reagieren und spielt Feuerwehr. Dabei bleibt viel von ihm auf der Strecke und er handelt plötzlich so, wie man es zuvor nicht für möglich gehalten hätte. Dabei ist es weniger die Macht, die ihn korrumpiert, als sein Verantwortungsgefühl und die sich überschlagenden Ereignisse. Dieses Spannungsfeld ist das zentrale Element der Staffel – und es macht sie auch so gut und mitreißend. Selbst wenn es manchmal hart war, die jüngsten Entwicklungen zu verdauen, so waren sie doch so eng mit den zentralen Figuren – und dem seit der ersten Staffel schwelenden Konflikt – verwoben, dass man als Zuschauer gar nicht umhin kommt, als emotional komplett involviert zu sein.

Die Serie wird, so zumindest mein Eindruck, brutaler und kompromissloser. Sobald ein Hoffnungsschimmer am Horizont auftaucht, wird dieser durch plötzlich einsetzende, neue Entwicklungen wieder zunichte gemacht. Und es gibt Todesfälle zu beklagen, die nicht nur die Sons ziemlich aus der Bahn werfen. Auch ein paar Neuzugänge gibt es zu vermelden: So betritt Jimmy Smits, den ich in „The West Wing“ zu schätzen gelernt habe, als neuer Spieler das Feld und Harold Perrineau, u.a. bekannt aus „Lost“, ist als großer Gegenspieler zu sehen. Den besten Auftritt hat jedoch Walton Goggins („The Shield“ und „The Hateful Eight“), bei dem man auch wirklich zweimal hinschauen muss. Herrlich!

Fazit

Auch wenn das Staffelfinale in diesem Jahr nicht mit einem großen Knall endet, so befindet sich jedoch alles in der Schwebe: Jax hat sich immer mehr in eine Richtung entwickelt, die er in den ersten Staffeln noch unbedingt vermeiden wollte. Nun ist er einmal mehr alleine verantwortlich für seine Familie und muss die richtigen Entscheidungen treffen. Das wird nicht einfach werden und ich blicke jetzt schon mit einem bangen Blick auf die verbleibenden zwei Staffeln. Ob eine weitere Steigerung drin ist? Das fünfte Jahr war für mich bisher das stärkste: 10/10 (9.5) Punkte.

Sons of Anarchy – Season 4

Bisher bin ich ziemlich durch die Serie gerannt bzw. ich habe sie gebingt, wie man heutzutage sagt. Für die Sichtung von „Sons of Anarchy – Season 4“ habe ich im Vergleich deutlich länger gebraucht als für die vorherigen Staffeln. Lag es an der einen Episode (14 statt 13) mehr? Oder einem eventuellen Qualitätsabfall? Tatsächlich nichts von alldem. Schuld ist der Frühling, der uns mehr Zeit draußen verbringen und uns erst deutlich später auf dem Sofa Platz nehmen lässt. Unerhört!

Sons of Anarchy – Season 4 | © Twentieth Century Fox

Sons of Anarchy – Season 4 | © Twentieth Century Fox

Die Fronten in Charming verhärten sich

Nachdem die Sons in der dritten Staffel zusammengewachsen sind und eine vereinte Front gegen einen gemeinsamen Feind gebildet haben, steht das vierte Jahr ganz im Zeichen der internen Konflikte. Der Auftritt eines mexikanischen Drogenkartells darf als einer der Auslöser für die Bildung unterschiedlicher Fronten gesehen werden: Clay sichert sich durch gezieltes gegeneinander Ausspielen von Mitgliedern die Mehrheit der Stimmen und geht eine Geschäftsbeziehung mit dem Kartell ein. Im Hintergrund lauert jedoch eine noch größere Gefahr, die das Potenzial hat, SAMCRO in seiner jetzigen Form komplett zu zerstören. Im Zuge dieses Handlungsstrangs zeigt Clay sein bisher düsterstes Gesicht und er schreckt auch nicht vor Mord an Unschuldigen zurück. All das findet auf einer sehr persönlichen Ebene statt, was die Ereignisse zusätzlich dramatisiert.

Neben den emotional fordernden Leidenswegen der Hauptcharaktere, hat mich besonders das Schicksal von Juice mitgenommen. Am Ende war das alles zudem noch komplett unnötig, was ein schönes Beispiel dafür ist, dass auch die Sons oft nur ein Spielball größerer Mächte sind. Mag es Zufall sein, dass sich Juice eine Episode der ebenso von „Sons of Anarchy“-Showrunner Kurt Sutter geschriebenen TV-Serie „The Shield“ anschaut? Eher nicht, denn wie in auch in dieser Show gibt es hier kein Schwarz und Weiß, weder bei SAMCRO noch auf der Seite des Gesetzes.

David Hasselhoff als Porno-Produzent

Neben den größtenteils sehr dramatischen Ereignissen, gibt es auch immer wieder Grund zum Schmunzeln – und sei es nur aufgrund der perfekt gecasteten Gaststars. Wenn The Hoff als Porno-Produzent auftritt, dann besitzt das einfach unglaublich viel Unterhaltungswert. Auch Danny Trejo als Kartell-Boss ist perfekt besetzt und wird durch Benito Martinez (bekannt aus „The Shield“) wunderbar ergänzt. Insgesamt tolle Erweiterungen des Hauptcasts, wenngleich die wirklich großen Leistungen wieder in der Kerngruppe rund um SAMCRO zu verzeichnen sind. Egal ob Katey Sagal, Ron Perlman, Charlie Hunnam oder die anderen Mitglieder des MC – sie alle schaffen es, ihre Charaktere mit Leben zu füllen und die unterschiedlichsten Aspekte ihres Lebens aufzuzeigen.

Fazit

Abermals konnte sich „Sons of Anarchy“ steigern und mit der sich ankündigenden Neuausrichtung bin ich nun extrem auf die kommenden Episoden gespannt. Der König ist tot, lang lebe der König. Es dürfte nicht leicht für Jax werden, da sich die Schlinge aus allen Richtungen immer enger zieht und es nun auch keinen Ausweg mehr zu geben scheint. Die vierte Staffel hat viel vorbereitende Arbeit geleistet, welche sich in der Weiterführung der wichtigsten Handlungsstränge auszahlen dürfte. Bisher die beste Staffel dieser ohnehin sehr starken Serie: 9/10 (9.2) Punkte.