Captain Phillips (2013)

Nach einer viel zu langen Silvesternacht folgte heute Morgen das böse Erwachsen. Leckere Kiwi-Bowle, wenig Schlaf und Kinder sind keine gute Mischung. Umso erstaunlicher, dass ich nach den ersten Anlaufschwierigkeiten doch recht fit war und es letztendlich sogar für eine Filmsichtung reichte. Mit Paul Greengrass‘ „Captain Phillips“ hätte ich wohl auch keinen gelungeneren Einstieg in das neue Filmjahr finden können…

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Mein bisher einziger Kontakt mit Regisseur Paul Greengrass beschränkt sich auf „Die Bourne Verschwörung“ – und dieser Film ist mir nicht besonders positiv im Gedächtnis geblieben. Greengrass ist am ehesten wohl für seine Doku-Dramen bekannt, weshalb sein dokumentarischer Stil im fiktiven Bourne-Universum vielleicht auch so aufgesetzt und übertrieben wirkte. Auch in „Captain Phillips“ bedient sich der Regisseur viel der Handkamera und bevorzugt eine naturalistische Kameraführung, doch ist mir dies in keiner einzigen Szene negativ aufgefallen. Ich wurde regelrecht in die Handlung hineingezogen, was auch dem authentischen Schauspiel zu verdanken ist. Wirklich erstaunlich realistisch – soweit man dies eben bei solch einer dramatisierten Geschichtsstunde beurteilen kann.

Trotz der zugrunde liegenden wahren Begebenheit war mir der Ausgang des Geiseldramas nicht bekannt. Ein Umstand, der die beinahe körperlich spürbare Spannung wohl noch zusätzlich verstärkte. Am Ende der Tortur war ich sichtlich mitgenommen, was durch die ultrabrutale Auflösung der Geschichte noch gesteigert wurde. Greengrass erzählt die Geschichte so, wie sie sich nach den Aussagen des tatsächlichen Captain Phillips zugetragen hat, d.h. es überwiegt stark die US-Perspektive, doch versucht er gleichzeitig den somalischen Piraten ein Gesicht zu geben und sie, zumindest in gewissen Teilen, als Opfer der Umstände zu zeichnen. Trotz übergeordneter politischer Perspektive ist „Captain Phillips“ in erster Linie allerdings ein sehr persönliches und menschliches Drama.

Bei Antritt der Sichtung hätte ich wahrlich nicht gedacht, dass ich a) überhaupt über die gesamte Laufzeit wach bleiben und b) so stark mitgerissen werden würde. Tom Hanks spielt großartig und seine somalischen Gegenspieler stehen ihm in nichts nach. Den starken Fokus auf die Militärpräsenz hätte es im letzten Filmdrittel meiner Meinung nach nicht gebraucht, doch musste Greengrass ja auch diesen Aspekt der Geschichte übernehmen. Die emotionale Wirkung wurde dadurch nicht beeinträchtigt und ich nehme mir nun vor, Paul Greengrass (abseits des Bourne-Universums) doch noch ein paar Chancen einzuräumen: 9/10 Punkte.

18 Gedanken zu “Captain Phillips (2013)

  1. Hab ich vor ein paar Wocen auch gesehen und fand den auch ziemlich gut. Das Ende fand ich eher schwach, aber war halt wohl so. Ansonsten wurde ich aber hervorragend unterhalten, auch wenn ich mir etwas mehr Zeit auf dem eigentlichen Schiff gewünscht hätte. Als die dann in dem Beiboot rumschipperten ging das Tempo etwas runter, aber man hat noch die Kurve gekriegt.

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    • Ich wusste im Vorfeld glücklicherweise kaum etwas über den Film und hatte auch vermutet, dass sich alles auf der Maersk Alabama abspielen würde. Insofern war ich auch sehr überrascht über die kammerspielartige zweite Hälfte. Weniger Militär wäre in meinen Augen gut gewesen, war aber natürlich auch ein schöner Kontrast zu den sehr angeschlagenen Piraten. Phillips‘ Zusammenbruch am Ende hatte dann auch mir den Rest gegeben. Sehr emotional und fantastisch gespielt!

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      • Über die Entwicklung der Geschichte wusste ich auch gar nix. Hanks war absolut großartig. Nur eben, dass dann ganz unspektakulär die Piraten einfach abgeknallt wrden, war eben etwas lahm, aber war dann eben in Wirklichkeit wohl auch so.

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      • Die von dir angesprochene Szene fand ich gerade so erschütternd. Man wartet ja schon die ganze Zeit darauf – und dann ist nach drei Schüssen einfach alles vorbei. Auch Hanks‘ Reaktion darauf: großartig! Hat für mich wirklich gut funktioniert. Speziell auch, was die Ungleichheit der Kräfteverhältnisse anbelangt.

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      • Ja, in dem Sinne schon, es war nur recht unspektakulär, was man dann eben von einem Film nicht erwartet. Aber war ja auch klar, dass Hanks nicht plötzlich zu Captain Action mutiert und die Piraten platt macht.
        Das Problem, das ich damit habe, ist auch eigentlich nur, dass der „Held“ der Story nichts mit dem Ausgang zu tun hatte. Da ich vorher eben auch nicht wusste, wie nah man hier an der wahren Geschichte bleibt, war mir das eben nicht klar.

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      • Ich war wirklich froh, dass Phillips eben nicht zum Actionhelden mutiert. Mir war da beinahe sein Angriff auf die Entführer schon zuviel. Ich finde gerade in der Hilflosigkeit bzw. der beständigen Versuche die Situation durch Kommunikation zu lösen liegt die Stärke der Geschichte. Ich habe Phillips da oft bewundert – und sein Zusammenbruch nach der Tortur war für mich wirklich sehr emotional.

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    • Ja, empfand ich auch so. In diesem Moment war ich komplett bei Hanks‘ Charakter. Unglaublich gut gespielt. Wie fandest du den Film insgesamt? Ich konnte bei dir keine Besprechung finden…

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      • „United 93“ habe ich noch nicht gesehen. Will ich aber nun doch einmal nachholen. Ich weiß was du bzgl. des zweiten Akts meinst, fand die Geschichte dann doch um einiges stärker. Bei deinem Wertungsmaßstab betrachte ich 6.5 Punkte aber immer noch als Empfehlung… 😉

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    • Es ist auch bei mir kein Film gewesen, der ganz oben auf der Liste stand. Das Interesse für das Thema kam mit mir unweigerlich mit der Sichtung und ich habe noch einiges darüber gelesen. Kann ihn also auch daher nur empfehlen…

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