Life (2017)

Nach einer unfassbaren Woche, aus der man locker drei hätte machen können, bin ich abends mit fiesen Rückenschmerzen aufs Sofa gefallen. Einfach nur durch. Ich hatte Lust auf einen leichten und doch spannenden Film – und schob mit „Life“ somit den jüngsten Neuzugang meiner Sammlung in den Player. Spoiler sind zu erwarten.

Life (2017)

Life (2017) | © Sony Pictures Home Entertainment

Wenn sich „Alien“ mit „Gravity“ paart…

…erhält man „Life“. Das fasst den Film schon ziemlich gut zusammen. Tatsächlich erinnert der Look sehr an Alfonso Cuaróns bahnbrechendes Sci-Fi-Abenteuer „Gravity“, wobei die inhaltlichen Wurzeln auch ganz klar bei Ridley Scotts „Alien“ zu finden sind. Das alles ist folglich nicht sonderlich innovativ, aber effektiv erzählt und mitreißend inszeniert. Gerade die erste halbe Stunde vor der Konfrontation mit dem Monster, pardon, Calvin fand ich sehr stark. Nachdem mit Ryan Reynolds („Deadpool“) einer der beiden großen Stars schon recht bald das Zeitliche segnet, hat man zudem das Gefühl, alles könnte passieren. Was danach folgt, ist jedoch eher Monsterhatz nach Schema F.

So großartig „Life“ auch aussieht, so enttäuscht war ich letztendlich vom Monsterdesign. Zu Beginn schien noch alles möglich, doch dann bekommt diese seltsame Lebensform plötzlich ein Gesicht und letztendlich bleibt es bei einem Tentakelwesen, das uns Zuschauern bereits viel zu früh und zu beständig vor der Nase herumtanzt. Das Finale dagegen spielt ein wenig mit einem unzuverlässigen Erzähler bzw. unzuverlässiger Montage, ist für geübte Zuschauer aber keine Überraschung. Dennoch sind die letzten Bilder kraftvoll und passen zu der Stimmung, die der Film in den vorherigen 90 Minuten aufbaut.

Fazit

Insgesamt hat mir „Life“ wirklich gut gefallen. Eine echte Konkurrenz für seine beiden großen Vorbilder ist er aber nicht. Wer jedoch auf Space-Horror steht, dem kann ich den mitreißend inszenierten und mit durchaus spannenden Szenen aufwartenden Film auf jeden Fall empfehlen. Ein geradliniger Reißer, der auch gar nicht mehr sein will. Macht Spaß: 7/10 Punkte.

Es – OT: It (1990)

Freitagabend, Zeit für einen Film. Doch welchen nur? Da man als Filmfreund zurzeit kaum der aktuellen Adaption entfliehen kann, habe ich mich für die 1990er Verfilmung von Stephen Kings „Es“ entschieden. Die Kinder waren relativ früh im Bett, so dass wir dieses Mammutwerk getrost angehen konnten. Ursprünglich als TV-Zweiteiler ausgestrahlt, ist die heute zugängliche Fassung ein Film mit über drei Stunden Laufzeit. Ob er mich dennoch wachhalten konnte?

Es (1990)

Es (1990) | © Warner Home Video

Horror aus längst vergangenen Tagen

„Es“ war einer dieser Filme, die stets eine fast schon mythische Aura umwehte. Gespräche auf dem Schulhof, mysteriöse 18er Fassungen. Grusel, Horror, Panik. Ich kannte die Geschichte zunächst nur aus Erzählungen und als ich den Fernsehfilm vor inzwischen bestimmt 23 bis 25 Jahren zum ersten Mal sah, war ich davon wie gebannt. Und ich hatte richtig Angst. Tim Curry als Pennywise lehrte mir das Fürchten. Bereits damals mochte ich die erste Hälfte des Films lieber: diese wunderbare 1950er Jahre Atmosphäre. In diesen Szenen wirkt „Es“ wie der verschollene Bruder von „Stand by Me: Das Geheimnis eines Sommers“, mit dem King die Coming-of-Age-Erzählung perfektioniert hatte. Auch heute noch konnte ich mich daran kaum satt sehen. Gerade in Kombination mit dieser unbestimmten Horror-Atmosphäre ein echtes Erlebnis.

Der zweite Teil fällt dagegen ein wenig ab. Die erwachsenen Schauspieler sind zwar auch gut besetzt, jedoch wirkt die Geschichte hier sprunghafter und vor allem schwächer erzählt. Im Grunde lebt auch diese Zeitebene von den Erinnerungen an die 1950er Erzählung. Nostalgie in Filmform und das funktioniert tatsächlich ziemlich gut. Der Showdown dagegen ist an Lächerlichkeit kaum zu überbieten. Wirklich schade. Da bin ich nun schon sehr gespannt, was man in der 2017er Adaption bzw. deren Fortsetzung daraus gemacht hat. Und ich möchte nun auch endlich das Buch lesen. Soviel hat diese heutige Sichtung auf jeden Fall ausgelöst.

Fazit

Auch wenn die 1990er Verfilmung von „Es“ durchwachsen ist und man ihr den TV-Ursprung ansieht, so überwiegen für mich die positive Aspekte. Den Coming-of-Age-Teil liebe ich sehr und er transportiert das Gefühl auch in die zweite Zeitebene. Ein echtes Kind der 80er bzw. frühen 90er. Und wenn man damals damit aufgewachsen ist, dann fängt einen die dichte Atmosphäre auch heute noch ein: 8/10 Punkte.

Demolition Man (1993)

Nach einem turbulenten Tag, an dem wir den Geburtstag unseres Neffen gefeiert haben, war es am Abend eigentlich viel zu spät für einen Film. Dennoch habe ich „Demolition Man“ in den Blu-ray-Player geschoben, da mich ein Freund und Kollege erst letzte Woche wieder auf diese Lücke in meinem popkulturellen Wissen hinwies…

Demolition Man (1993)

Demolition Man (1993) | © Warner Home Video

Zurück in die Zukunft

Ach, es ist wieder einmal herrlich, wie in dem 1993er Film die nahe Zukunft des Jahres 1996 dargestellt wird. Anscheinend haben sich die Drehbuchautoren und Regisseur  Marco Brambilla hier mit den Machern von „Predator 2“ abgesprochen. Doch schon kurz darauf geht es für John Spartan (was für ein Name!) in die tatsächliche Zukunft des Jahres 2032, wo er seinem Erzfeind Simon Phoenix gegenübersteht. Sylvester Stallone und Wesley Snipes liefern sich ein überzogenes Duell und überzeugen in ihren mehr als stereotypen Rollen, die wunderbar die satirischen Elemente des restlichen Films durchbrechen. Wer hätte gedacht, dass in diesem Film die Action eher ermüdend wirkt und die aufgebaute Welt sowie Dialoge und Humor hervorstechen?

Am meisten mochte ich die an Albernheit grenzende Einführung in diese Welt ohne Schimpfwörter, Gewalt und Sex. Letztendlich ergibt sich aus dieser Prämisse eine Culture-Clash-Komödie, die immer wieder mit handfesten Action-Einlagen durchsetzt ist. Diese sind zwar packend inszeniert, können sich aber nicht gegenüber anderen 80er oder 90er Jahre Genre-Kollegen absetzen.

Fazit

Nun habe ich endlich auch diese Lücke in meinem Filmwissen geschlossen. Und ja, ich kann verstehen, dass „Demolition Man“ einen gewissen Kultstatus genießt. Aufgrund der unzähligen Anspielungen und der völlig überzogenen Darstellung der Zukunft, eignet sich der Actioner auch bestens zum wiederholten Anschauen. Hätte ich ihn bereits damals liebgewonnen, dann wäre er wohl auch bei mir in der Rotation der üblichen 80er/90er Jahre Filme gelandet. Ein großer Spaß: 8/10 Punkte.

Shameless (US) – Season 6

Wie ihr an den ausgebliebenen Einträgen sehen könnt, ist mein TV-Konsum in den letzten Wochen trotz des neuen Fernsehers rapide zurückgegangen. Urlaub, Arbeit und Familie haben meinen Fokus auf die wichtigeren Dinge des Lebens gelenkt. Dennoch habe ich mir die letzten Wochen sporadisch mit „Shameless – Season 6“ versüßt. Und wie ihr euch denken könnt, war der Besuch bei den Gallaghers einmal wieder mehr als nur turbulent…

Shameless – Season 6

Der unterhaltsame Verlust der Bodenhaftung

Puh, es passiert wieder einiges im Leben unserer Vorzeigefamilie. Unfassbar. Dabei werden auch schwierige Themen nicht ausgespart, doch immer wenn man denkt es wird nun ernst und dramatisch, legt vermutlich Frank noch einmal eine Schippe drauf, um die Situation völlig ins Absurde zu drehen. Teils hatte ich hier das Gefühl, die Serie verliert so langsam die Bodenhaftung und gewissen Handlungsstränge (z.B. Lips Affäre mit seiner Professorin) würden zu breit ausgewalzt. Dem Unterhaltungswert schadet dies nicht unbedingt, zumal es auch noch genügend Elemente gibt, die unsere Figuren und auch uns Zuschauer ziemlich schlucken lassen. Dennoch kam es mir teils so vor als würde Showtime vermehrt nackte Tatsachen oder auch Schockmomente ohne eine wirkliche Motivation für die Handlung ins Spiel bringen. Ich bin gespannt, wie sich die Serie in dieser Hinsicht in den nächsten Staffeln noch entwickeln wird.

Fazit

Dieses Mal hat es deutlich länger gedauert, bis ich richtig drin war und die Eskapaden der Gallaghers ohne Scham genießen konnte. Am Ende der Staffel hätte ich (wie immer) unglaublich gerne noch weitergeschaut, da die Welt unserer Hauptfiguren einmal mehr in sich zusammenfällt und man nun gespannt sein darf, in welche Richtung sich speziell Fiona entwickelt. Immer noch sehr stark, doch nicht die beste Staffel dieser nach wie vor famos unterhaltsamen Serie: 9/10 (8.8) Punkte.

Train to Busan – OT: Busanhaeng (2016)

Nach „The Box“ habe ich mit „Train to Busan“ bereits meinen zweiten Film im Monat Juli gesehen. Dauerregen sei Dank. Da es morgen schon wieder recht sommerlich werden soll, fiel die Entscheidung, den Abend vor dem Fernseher zu verbringen, auch wirklich leicht. Es war sogar recht gemütlich, wie ich auf meinem brandneuen – Achtung, Werbung! – Instagram-Account festgehalten habe. Und der Film selbst?

Train to Busan (2016)

Weit mehr als nur „Zombies on a Train“

Der südkoreanische Zombie-Film „Train to Busan“ hat bereits im Vorfeld erstaunlich gute Kritiken bekommen. Dabei hätte man bei der Prämisse wohl eher ein trashiges „Snakes on a Plane“-Derivat erwarten können. Yeon Sang-hos Film ist allerdings eine ziemlich ernsthafte Angelegenheit. Auch wenn es durchaus Spaß macht, den unterschiedlichen Charakteren bei ihrem Überlebenskampf zuzusehen, so steht jedoch das Drama im Vordergrund. Fun-Splatter sieht anders aus. Überhaupt können sich unsere Helden kaum gegen die rennenden Zombie-Horden zur Wehr setzen: keine Kopfschüsse, keine spitzen Gegenstände ins Gehirn. Da wird höchstens einmal mit dem Baseballschläger um sich geschlagen.

Im Zentrum der Geschichte steht eine Vater-Tochter-Beziehung, welche bei mir natürlich sofort etliche Knüpfe gedrückt hat. Identifikationspotenzial war also von Anfang an vorhanden. Speziell der Vater unternimmt auch eine charakterliche Reise, die zwar recht klischeehaft daherkommt, auf emotionaler Ebene aber wunderbar funktioniert. Da hatte ich an der einen oder anderen Stelle durchaus einen Kloß im Hals. Doch auch die anderen Figuren sind ausreichend charakterisiert und verkommen nicht zu reinem Zombie-Futter. Hinzu kommt das ungewöhnliche und begrenzte Setting, das natürlich an den Film „Snowpiercer“ von Yeon Sang-hos Landsmann Bong Joon-ho erinnert. Auch was die verarbeiteten Themen (Klassenkampf usw.) angeht, ähneln sich beide Filme durchaus. Das wäre ein nettes Double-Feature.

Fazit

Ich hatte auf einen unterhaltsamen Zombie-Actioner gehofft und bekam ein actionreiches Zombie-Drama, das mir wirklich sehr gut gefallen hat. Speziell die Bedrohung durch die rennenden Zombies fand ich abermals wirklich packend. Das ungewöhnliche Setting wird komplett ausgenutzt und auch wenn der Film auf einer melodramatischen Note endet, so fühlt er sich doch wunderbar rund an, was die Geschichte und die Reise seiner Figuren angeht. Empfehlenswert: 8/10 Punkte.

Castle – Season 7

Neben meinem sehr reduzierten Filmkonsum, schlägt sich das sommerliche Wetter auch auf meine geliebten TV-Serien nieder. Wenn überhaupt ist abends nur noch Zeit für leichte Unterhaltung. Somit hat es sich angeboten, mit „Castle – Season 7“ meinem liebsten Krimi-Procedural einmal wieder einen Besuch abzustatten…

Castle - Staffel 7 - Season 7

Mehr Comedy als Krimi

Mit „Castle“ habe ich mich für die perfekte Serie für den Sommer entschieden. Jeder Fall ist für sich abgeschlossen, was bedeutet, dass es auch egal ist, wenn man einmal ein paar Tage nicht weiterschaut. Der klassische Procedural-Gedanke also, der heute fast schon ausgestorben scheint. Hier funktioniert das Konzept aber noch, was wohl auch daran liegt, dass „Castle“ in großen Teilen eher wie eine Sitcom, denn wie ein Krimi funktioniert. Ich mochte das erneut sehr gerne, sind die Fälle zwar ganz nett, doch meist unglaublich konstruiert und nur das Vehikel für etliche Oneliner und Geplänkel zwischen den Figuren. Am besten haben mir wieder die Episoden gefallen, die sich komplett von der Krimi-Realität entfernt und unsere Charaktere in ein völlig überzogenes Setting (wie z.B. eine Western-Stadt oder eine Mars-Simulation) geworfen haben.

Sobald sich die Autoren verstärkt auf die einzelnen Fälle bzw. einen übergeordneten Handlungsfaden konzentrieren, fällt die Serie immer ein wenig in sich zusammen. So kann leider auch das große Mysterium rund um Richard Castles Verschwinden (der große Cliffhanger der sechsten Staffel) nicht überzeugen und speziell die Auflösung war letztendlich doch ein wenig beliebig. Aber nun gut. Dafür schaut man die Serie ja auch nicht. Castles Ausflug als Privatdetektiv hat mir dagegen sehr gut gefallen, weil auch dieser Handlungsstrang verstärkt auf Comedy gesetzt hat.

Fazit

In den ruhigen Sommermonaten hat sich „Castle“ als Übergangsserie abermals bestens bewährt. Auch wenn es seit drei Tagen ununterbrochen regnet, habe ich es nicht häufiger vor den Fernseher geschafft. Somit dominiert das Krimi-Procedural einsam meinen Bewegtbildkonsum im Juli – und da hätte ich es wahrlich schlechter treffen können. Wunderbar leichte Sommerunterhaltung: 8/10 (7.8) Punkte.

The Box (2009)

Puh, das war wirklich knapp. Beinahe hätte ich einen gesamten Monat seit meinem letzten Film verstreichen lassen. Mit der Sichtung von „The Box“ habe ich dieses grausame Schicksal gerade noch einmal abgewendet. Nicht dass meine Leser am Ende noch auf die Idee kommen, das hier wäre überhaupt kein Filmblog mehr. Ob gerade Richard Kellys umstrittenes Werk geeignet war, um die filmische Dürreperiode zu durchbrechen, lest ihr in der folgenden Besprechung…

Der Film als gigantische Mystery Box

Während der Sichtung von „The Box“ habe ich mir öfter gewünscht, im Vorfeld noch nicht so viel darüber gelesen zu haben. Gar nicht einmal so sehr auf den Inhalt bezogen, denn von diesem wusste ich, bis auf die Grundprämisse der titelgebenden Box, nicht wirklich viel. Allerdings habe ich stets daran denken müssen, dass der Film so unglaublich schlechte Kritiken bekommen hat. Ich war also beständig auf der Hut und habe versucht Fehler zu finden. Keine gute Voraussetzung. Glücklicherweise war ich vom restlichen Tag ziemlich platt (wir haben unsere alte Wohnung renoviert), so dass ich mich nach einiger Zeit wunderbar von der Atmosphäre einlullen ließ.

J. J. Abrams hat den Begriff der Mystery Box geprägt. Seine gesamte TV-Serie „Lost“ besteht fast nur aus einer Aneinanderreihung von Mystery Boxen. Auch Richard Kelly bedient sich dieser Methode, die er bereits erfolgreich in „Donnie Darko“ anzuwenden wusste. Kelly buchstabiert seine Rätsel jedoch selten aus und überlässt viel der Atmosphäre und seiner Inszenierung. Auch „The Box“ besteht zu großen Teilen aus Mysterien, die teils offensichtlich, teils nebenläufig erzählt werden. Wie bereits in seinen vorherigen Filmen, siehe auch „Southland Tales“, gibt der Film nur sehr bedingt Antworten. Man kann sich als Zuschauer seinen Teil zusammenreimen, doch wirklich zufriedenstellend wird die Geschichte nicht aufgelöst. Am besten man lässt sich in die dichte Atmosphäre fallen, die durchaus funktioniert, wenngleich sie auch nie die traumhafte Wirkung eines „Donnie Darko“ entfaltet.

Fazit

Es mag an meiner langen Filmabstinenz liegen, doch fand ich „The Box“ wirklich ziemlich gelungen. Inhaltlich völlig überfrachtet (Richard Kelly hätte die autobiographisch geprägte Geschichte über seine Eltern lieber in einen gesonderten Film auslagern sollen), doch atmosphärisch packend. Selbst die angedeuteten Sci-Fi-Elemente fand ich gelungen, haben sie mich doch tatsächlich vage an „The Three-Body Problem“ erinnert. Wenn ihr offen für andersartige Filmerlebnisse seid, und nicht unbedingt eine stringente Narrative benötigt, dann kann „The Box“ durchaus ein interessantes Filmerlebnis sein: 7/10 Punkte.

Bastille Day (2016)

Kürzlich habe ich noch darüber gesprochen, warum ich auf ein Medium gepresste Filme dem Stream gegenüber vorziehe, und dass mein Stapel ungesehener Blu-rays viel zu hoch geworden ist. Gestern habe ich all das jedoch ignoriert und mich für den Action-Thriller „Bastille Day“ entschieden, den man sich (wohlgemerkt im korrekten Bildformat) auf Amazon Prime ansehen kann. Ob sich der Ausflug nach Paris gelohnt hat, erfahrt ihr in der folgenden Besprechung…

Zwei Amerikaner in Paris

Auf „Bastille Day“ wurde ich vor allem aufgrund von Idris Elba aufmerksam. Seine Hauptrolle in der TV-Serie „Luther“ hat den Schauspieler nach „The Wire“ erneut auf meinen Radar gebracht und ich war gespannt, wie er sich in einem typischen Action-Thriller schlägt. Gerüchte um Elba als James Bond halten sich hartnäckig bereits seit Jahren und man könnte den europäisch-amerikanischen Thriller fast schon als sein Bewerbungsvideo für die Rolle sehen, zumindest wenn man den durch Jason Bourne inspirierten Stil als Referenz nimmt. Anfangs war es ziemlich gewöhnungsbedürftig Elba nach „Luther“ amerikanisches Englisch sprechen zu hören. Auch sein Co-Star Richard Madden (bekannt als Robb Stark aus „Game of Thrones“) wurde als Amerikaner besetzt, obwohl er eigentlich Schotte ist. Was die Besetzung angeht, kann man dem Film keine Vorwürfe machen und sowohl Elba als auch Madden zeigen sich äußerst spielfreudig.

Auf inhaltlicher Seite ist „Bastille Day“ deutlich schwächer aufgestellt und gerade gegen Ende zerfasert der Film in einen 08/15-Actioner mit comichaftem Bösewicht und an den Haaren herbeigezogenem Plot. Gerade aufgrund der jüngsten Anschläge fand ich es dennoch dem Unterhaltungswert zuträglich, dass am Ende eben doch nicht der Kampf gegen den Terror thematisiert wurde. Ob die Darstellung der französischen Politiker und Polizisten als komplett korrupt dagegen so nötig gewesen wäre, wage ich zu bezweifeln. Der Film macht jedoch nie einen Hehl aus seinen Action-Wurzeln und er nimmt sich deutlich weniger ernst als z.B. „96 Hours“, was vor allem der Buddy-Movie-Dynamik zwischen Idris Elba und Richard Madden geschuldet ist.

Fazit

Wenn ihr euch für 90 Minuten gut unterhalten lassen wollt und einen anspruchslosen Actioner sucht, dann kann ich euch „Bastille Day“ durchaus ans Herz legen. Er ist auf jeden Fall gelungener als der x-te Aufguss von „Taken“ und hat zudem zwei frische Schauspieler zu bieten. Kein Film, der länger im Gedächtnis bleibt, doch bietet er für die Dauer seiner Laufzeit genau das richtige Maß an Unterhaltungswert: 6/10 Punkte.

Luther – Season 1 to 4

Nachdem ich letzte Woche bei meinem Interview in der Sendung Trackback auf Radio Fritz noch von „Luther – Season 1 to 4“ erzählt habe, bin ich inzwischen auch durch mit meiner Sichtung. Wie es sich für eine BBC-Serie gehört, ist die Episodenzahl pro Staffel begrenzt und Qualität steht vor Quantität. Nicht nur deshalb erinnert „Luther“ teils an den BBC-Hit „Sherlock“, der ebenfalls einen genialen Ermittler porträtiert. Man merkt sofort, dass man eine britische Serie schaut, unterscheiden sich sowohl der Ton der Erzählung als auch die formalen Aspekte doch deutlich von den US-Pendants. Was „Luther“ sonst noch zu bieten hat, erfahrt ihr in der folgenden Besprechung…

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Alien: Covenant (2017)

Gestern hat es sich ziemlich spontan ergeben, dass die Kinder bei den Großeltern übernachteten und wir somit „Alien: Covenant“ im Kino sehen konnten. Neben „Blade Runner 2049“ der Film, den ich dieses Jahr am meisten herbeigesehnt habe. Speziell aufgrund meiner kürzlichen Zweitsichtung von „Prometheus: Dunkle Zeichen“ war ich extrem gespannt, wie Ridley Scott die mysteriöse Geschichte um die Ingenieure und ihre Schöpfungen fortführt. Ob sich das Warten (und dass ich mich mit fieser Erkältung ins klimatisierte Kino geschleppt habe) gelohnt hat? Spoiler sind zu erwarten.

Zwischen „Prometheus“ und „Alien“

Auf den ersten Blick hat „Alien: Covenant“ alles zu bieten, was ich mir von einer Fortsetzung erhofft hatte. Der Look erinnert so sehr an den ursprünglichen „Alien: Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt“, dass es eine wahre Freude ist. Ridley Scott hat die filmische Brücke also nicht nur inhaltlich (z.B. Zusammensetzung der Crew), sondern auch formal geschlagen. Somit verwundert es auch nicht, dass sowohl das erste Drittel wie auch das letzte Drittel des Films beinahe schon wie ein Remake des Originals von 1979 anmuten. Ich habe es wirklich sehr genossen einmal mehr in dieses wunderbar ausgearbeitete Universum einzutauchen und bekannte Klänge zu vernehmen sowie auch Mechanismen zu erleben. Doch einen Moment, bitte. Was ist nun eigentlich aus Elisabeth Shaw, dem Androiden David und ihrer Reise zum Planeten der Ingenieure geworden? Stimmt, da gibt es ja noch den Mittelteil des Films…

Typisch „Alien“-Sequel: Alles wird auf Null gesetzt

Gerade im inhaltlich interessanten Mittelteil krankt die Geschichte leider. Ich habe mich gefühlt wie damals, als ich das erste Mal „Alien 3“ gesehen habe: Jegliche inhaltliche Entwicklung wird ignoriert und die Ausgangssituation einfach auf Null gesetzt, damit man abermals die gleiche Geschichte erzählen kann. Über die Jahre habe ich den Film dennoch lieben gelernt. Ob mir das bei „Alien: Covenant“ auch gelingen wird? Wie gern hätte ich mehr über die Abenteuer von Shaw und David auf dem Heimatplaneten der Ingenieure erfahren. Aber nein: Shaw ist tot, David entpuppt sich als wahnsinniger Androide mit Gotteskomplex, der einfach mal so alle Ingenieure auslöscht. Keine Antworten, keine weiteren Mysterien, einfach alles auf Null gesetzt.

Ich fand es zwar durchaus interessant, David – nachdem er in „Prometheus: Dunkle Zeichen“ noch eher eine ambivalente Figur war – als verrückten Wissenschaftler inszeniert zu sehen, der mit seinem Bruder Walter über Schöpfung und Götter philosophiert (wenngleich die Flötenszene auch ein wenig albern war). Letztendlich hat David durch seine Genexperimente Eier, Facehugger und Xenomorphs erschaffen. Hier hatte ich tatsächlich einen kleinen Midi-Chlorianer-Moment, der viel von der Faszination für diese Kreaturen genommen hat. Nein, mir hat diese Entwicklung wirklich nicht gefallen und ich finde es unendlich schade, dass Scott und Co. die gesamte Mythologie, die sie noch im Vorgänger mühevoll aufgebaut hatten, einfach über Bord werfen. Glücklicherweise spielt Michael Fassbender wieder unglaublich gut, so dass es trotz der enttäuschenden inhaltlichen Entwicklungen eine wahre Freude ist, seinem verrückten Androiden (und das passt inhaltlich natürlich wieder perfekt zum Franchise) zuzusehen.

Fazit

Ich hatte hohe Erwartungen an „Alien: Covenant“ und mir eine deutlichere Entwicklung in Richtung „Prometheus: Dunkle Zeichen“ gewünscht. Leider haben sich Scott und 20th Century Fox jedoch für den sichereren Weg entschieden und übereilt die Brücke zu den beliebten Originalen geschlagen. Was nun noch in den nächsten beiden Filmen gezeigt werden soll? Auch wenn die Enttäuschung auf inhaltlicher Sicht wohl überwiegt, so war ich jedoch zu jeder Sekunde gefangen von den Bildern und der Atmosphäre. Der Film atmet das „Alien“-Franchise noch viel stärker als der Vorgänger und ja, tatsächlich bin ich dem jüngsten Neuzugang in dieser Hinsicht völlig verfallen. Ein spannendes und auf jeden Fall lohnendes Kinoerlebnis, bei dem sich noch zeigen muss, ob es überdauert: 7/10 Punkte.