Review: DUNE (2021)

Aktualisierung: Ich habe „Dune: Part One“ am 23. Februar 2024 zum zweiten Mal gesehen und eine aktualisierte Besprechung veröffentlicht.

Es ist schon lange her, seit ich mich das letzte Mal wirklich heiß auf einen Kinofilm war. Zuletzt dürfte das wohl „Star War: The Last Jedi“ gewesen sein, der mich dann doch ziemlich enttäuscht hat. Beim Nachfolger war es noch schlimmer. Die letzten wirklich gelungenen Kinoerlebnisse waren für mich „Alita: Battle Angel“ und davor „Blade Runner 2049“ von Denis Villeneuve. Da dieser mit „Arrival“ auch einen der besten Sci-Fi-Filme der letzten Jahre inszenierte, war die Vorfreude auf seine Interpretation von „DUNE“ umso größer… 🏜

DUNE (2021) | © Warner Bros (Universal Pictures)

DUNE (2021) | © Warner Bros (Universal Pictures)

Meine Vorgeschichte zu „DUNE“

Wenn ich an „DUNE“ denke, dann vor allem an David Lynchs Verfilmung aus dem Jahr 1984. Inzwischen weiß ich, dass diese nicht sonderlich angesehen ist. Für mich hat sie jedoch stets zu den großen Sci-Fi-Filmen gezählt. Ich mag das Produktionsdesign sehr, die Atmosphäre und die Schauspieler*innen. Allerdings habe ich den Film in den letzten 20 Jahren auch nicht mehr gesehen, weshalb mich meine Erinnerungen trügen mögen. Die TV-Miniserie ist mir dagegen als nicht sonderlich gelungen im Gedächtnis geblieben. Aber auch diese würde mich inzwischen fast einmal wieder reizen. Schon alleine für den Vergleich. Und dann natürlich habe ich angefangen, Frank Herberts Roman zu lesen. Ich bin noch ziemlich am Anfang (kurz nach dem Attentatsversuch durch den Hunter-Seeker bzw. Jäger-Sucher), doch macht mir das Lesen schon jetzt extrem viel Freude:

Für „DUNE“ lohnt sich der Kinobesuch

So sehr ich mich gefreut habe, den Film mit netten Kollegen im Kino zu sehen, so genervt war ich von dem Umstand, dass ich in der Nacht zuvor so gut wie keinen Schlaf abbekommen habe. Nach der Arbeit bin ich also schon ziemlich müde in die Stadt gefahren und hatte Sorge, dass ich auf den bequemen Sitzen des Deluxe-Kinos wegnicken würde. Diese Sorge sollte allerdings völlig unbegründet sein. Davor jedoch war ich zunächst einmal erstaunt, wie ernst das Kino inzwischen die 3G-Regel nimmt. Das war vor ein paar Wochen noch anders. Auch wenn das beim Einlass ein wenig nervig war, so hat sich dieser Kinobesuch für mich doch deutlich entspannter und sicherer angefühlt, was natürlich auch am großzügigen Platzangebot des Deluxe-Kinos liegen mag. Ohnehin eine Empfehlung dafür. Bild, Sound und Luxus sind den Aufpreis auf jeden Fall wert. Zumindest die 2-3 mal, die ich noch im Jahr ins Kino gehe. Doch nun endlich zum Film:

Zunächst einmal muss ich versuchen wiederzugeben, wie unglaublich bildgewaltig Denis Villeneuve „DUNE“ umgesetzt hat. So langsam ist seine Bildsprache auch eindeutig erkennbar: Manche Raumschiffe haben an „Arrival“ erinnert, manche Schauplätze samt Lichtinszenierung an „Blade Runner 2049“ – und doch ist „DUNE“ noch einmal etwas ganz eigenes. Gerade die Ankunft auf Arrakis wirkt unfassbar episch. Lange Kamerafahrten, sich langsam absenkende Raumschiffe und dazu der stets präsente, dröhnende Score von Hans Zimmer. Eigentlich eher ein Klangteppich, der stark an Villeneuves leider viel zu jung verstorbenen Hauskomponisten Jóhann Jóhannsson erinnert. Kein Score, den ich mir abseits des Films anhören würde, doch im Zusammenspiel mit den Bildern eine Wucht.

Inhaltlich bewegt sich Villeneuve sehr nahe an der Vorlage. Teils erweitert er diese sogar, um den Zuschauer*innen mehr Kontext zu geben, teils sind ganze Szenen 1:1 aus Frank Herberts Buch übernommen. Auch Details, die im Buch ausführlich erklärt werden, finden sich auf der Leinwand wieder, wenn auch oft nur im Hintergrund als Detail der Ausstattung. Diese sind dann meist nicht unmittelbar handlungsrelevant, verstärken aber das Worldbuilding und erfreuen Leser*innen des Romans natürlich. Für mich ein guter Weg, um eine vorlagentreue Adaption abzuliefern und dennoch im Zeitrahmen eines Kinofilms zu bleiben. Hier auch mein einziger Kritikpunkt: Am Ende hätte ich gerne noch weitergeschaut, denn wir springen mittendrin einfach aus der Geschichte raus. Dennoch ist „DUNE“ weit mehr als nur ein Prolog und ich freue mich jetzt schon auf die Fortsetzung. Dann auch garantiert wieder im Kino.

Fazit

Ich hätte noch viel mehr schreiben können: Über die famose Besetzung, das Gefühl der flirrenden Hitze, das der Film verbreitet, über die wundervollen Kostüme oder das Set-Design. Aber ich mache es wie Denis Villeneuve und springe aus der Besprechung, wenn es am schönsten ist. Ich freue mich nun extrem darauf, den Roman weiterzulesen und auch die David-Lynch-Version einmal wieder zu sehen, welche in ein paar Wochen einen neuen 4K-Release erfährt. So glücklich war ich schon lange nicht mehr, im Kino gewesen zu sein: 9/10 Punkte.

Good Will Hunting (1997)

Neulich hatte ich mit zwei befreundeten Kollegen ein Gespräch, was denn wohl die besten Filme wären. Voraussetzung war eine gewisse Massenkompatibilität und dass wir alle drei hinter der Wahl stehen könnten. Als irgendwann der Titel „Good Will Hunting“ fiel, konnten wir uns alle recht schnell darauf einigen. Auch ich, obwohl meine letzte Sichtung schon bestimmt knapp 20 Jahre zurückliegt. Zeit also für eine Auffrischung… 👱‍♂️🧔

Good Will Hunting (1997) | © STUDIOCANAL

Good Will Hunting (1997) | © STUDIOCANAL

Ein mehr als beeindruckendes Drehbuchdebüt

Noch mehr als der Film selbst, begeistert mich vor allem deine Entstehungsgeschichte: Wo in Hollywood wären Matt Damon und Ben Affleck heute ohne ihr oscarprämiertes Drehbuch? Man kann es sich nur schwer vorstellen. Klar waren sie auch vor „Good Will Hunting“ einem Nischenpublikum durch die frühen Kevin-Smith-Filme bekannt. Doch erst nach diesem Indie-Hit ging es mit ihrer Karriere steil nach oben. Kein Wunder, denn es ist wirklich beeindruckend, was die beiden Jungautoren hier auf die Beine gestellt haben. Das Drehbuch wirkt extrem authentisch, die Geschichte ist emotional und die enorme Präsenz der beiden Schauspieler auf der Leinwand unterstreicht, dass es sich bei „Good Will Hunting“ zweifellos um ihren Film handelt.

Gus Van Sants zurückhaltend dokumentarischer Filmstil fängt die Authentizität zudem gekonnt ein und der Soundtrack, der durchsetzt ist mit Songs von Elliott Smith, atmet 90er-Jahre-Indie-Luft zur Perfektion. Doch der eigentliche Star, neben Affleck und Damon, ist natürlich Robin Williams, der hier einfach die Rolle seines Lebens spielt. Wenn davon geredet wird, dass Williams irgendwann den Sprung ins ernsthafte Fach geschafft hat, was ohnehin eine engstirnige Definition ist, dann werden stets Filme wie „One Hour Photo“ oder „Insomnia“ genannt, doch für mich wird sein Sean Maguire stets eine seiner beeindruckendsten Rollen bleiben. Auch weil er Matt Damons Spiel durch seine Darbietung auf ein höheres Level bringt. Den beiden könnte ich wirklich stundenlang zusehen. Einfach nur herausragend.

Einen großen Kritikpunkt habe ich nicht: So manche Subplots hätten vielleicht noch etwas besser ausgearbeitet werden können (das hätte dann aber wohl vom Fokus des Films abgelenkt) und so manche Sprüche wirken heute schon etwas dated. Aber ich mag das ja, wenn man den zeithistorischen Kontext der Filme in Look und Drehbuch erkennt. „Good Will Hunting“ hat inzwischen ja auch schon 24 Jahre auf dem Buckel. Unfassbar. Dabei war er doch einer von den jungen, wilden Filmen. Als ich auch noch jung (aber eher nicht wild) war…

Fazit

Was soll ich schreiben? „Good Will Hunting“ ist tatsächlich einer dieser besonderen Filme, die zu den ganz großen Werken ihrer Zeit gehören und auf den man sich im Kreise von Filmfreunden schnell einigen kann. Nun warte ich bestimmt nicht noch einmal 20 Jahre, bis zu einem Wiedersehen: 9/10 Punkte.

Greenland (2020)

Nach einem entspannten Urlaubstag mit einem Lauf, einem Friseurbesuch, ein wenig Radfahren und Schwimmen, habe ich mich abends sehr auf einen Film gefreut. Der Regen war somit ganz willkommen, musste ich doch kein schlechtes Gewissen haben, mich drinnen vor den Fernseher zu setzen und „Greenland“ anzuschauen. Den Film hatte ich schon länger im Blick und mich sehr auf die Sichtung gefreut… ☄

Greenland (2020) © | Tobis (im Vertrieb von LEONINE)

Greenland (2020) © | Tobis (im Vertrieb von LEONINE)

Ein extrem packender Katastrophenfilm

Tatsächlich ist „Greenland“ nur auf meinem Radar gelandet, weil mich die Prämisse sehr an das Buch „The End of the World Running Club“ samt Fortsetzung erinnert hat. Im Grunde geht es um einen Kometen, welcher der Erde zu nahe kommt und die Folgen des drohenden Einschlags. Das hat man schon unzählige Male gesehen und doch konnte ich „Greenland“ einige neue Aspekte abgewinnen. Die Struktur des Films hat mich ein wenig an den Tsunami-Thriller „The Impossible“ erinnert, samt des Fokus auf die Familie, deren gewaltvolle Zerschlagung und Wiedervereinigung. Sehr emotional und wirklich mitreißend erzählt.

Wie realistisch der Umgang mit der drohenden Katastrophe ist, lässt sich natürlich schwer einschätzen, doch fand ich das Setting und die Bedrohungen, zumindest in der Welt des Films, stets nachvollziehbar. Überhaupt kein Vergleich zu „2012“ oder ähnlich gelagerten Filmen. Mit Gerard Butler und Morena Baccarin ist „Greenland“ absolut passend besetzt. Beiden habe ich ihre Rolle voll und ganz abgekauft. Zudem mochte ich es sehr, dass der Film kein Effektspektakel ist, sondern sich auf das Drama innerhalb der Familie konzentriert. Das ist alles zwar recht vorhersehbar, doch auch sehr befriedigend in seiner Ausführung. Selbst das cheesy Finale.

Fazit

Wer gerne Katastrophenfilme sieht und etwas dick aufgetragenem Familiendrama etwas abgewinnen kann, der ist bei „Greenland“ goldrichtig. Packende und unterhaltsame zwei Stunden sind garantiert: 8/10 Punkte.

Nur ein Tag (2017)

Der erste Tag der Sommerferien! Meine Familie ist glücklich und auch ich bin froh, dass dieses Schuljahr erfolgreich hinter allen liegt. Auch wenn heute Donnerstag ist, gab es einen spontanen Filmabend: Meine Frau Lehrerin hatte sich „Nur ein Tag“ aus der Bücherei ausgeliehen, da sie die Vorlage bereits häufiger im Unterricht behandelt hat. Auch mir ist sie daher bekannt und ich war gespannt auf die Adaption… 🐗🦊🦟

Nur ein Tag (2017) | © W-film / Lighthouse Home Entertainment

Nur ein Tag (2017) | © W-film / Lighthouse Home Entertainment

Eine fantastische Fabel filmisch vermurkst

Okay, das ist etwas hart ausgedrückt. Aber von Anfang an: In „Nur ein Tag“ geht es um zwei Freunde, ein Wildschwein und einen Fuchs, die der Geburt einer Eintagsfliege beiwohnen und die somit unfreiwillig in ihr komplettes Leben, den titelgebenden Tag, einbezogen werden. Anfangs verraten sie der Eintagsfliege noch nicht, dass diese nur einen Tag zu leben hat, sondern lassen dieses Schicksal dem Fuchs angedeihen. Die Eintagsfliege sorgt nun ihrerseits dafür, dass dieser alle Highlights eines Lebens erfährt: Schule, Ehe, Kind und glücklich alt werden. Doch die Wahrheit und das Ende sind letztendlich unausweichlich…

Soweit, so fabelhaft: Die Zeit nutzen, die einem gegeben ist und sei sie noch so gering. Glücklich sein. Eine schöne Botschaft, verpackt in eine Fabel mit sympathischen Figuren. Im Film werden diese, wie bereits im Theater, von echten Menschen gespielt. Dadurch wirkt der gesamte Film sehr theaterhaft artifiziell. Und verwirrend. Gerade für Kinder, an die sich die Botschaft richten soll. „Hä, soll das ein Wildschwein sein? Warum ist er dann ein Mensch?“ Fragen dieser Art gab es während der ersten Minuten andauernd. „Ist sie nun tot? Warum geht das Boot unter? Weil niemand paddelt?“ Schnell hat sich gezeigt, dass diese Art der unkonventionellen Inszenierung nicht funktioniert. Zumindest nicht für die Zielgruppe. Vermutlich hätten schon Masken gereicht oder die Verlagerung in ein anderes Setting. So war das jedenfalls nichts Halbes und nichts Ganzes. Dabei sind die Schauspieler*innen wirklich famos und ich mochte auch die Bilder und die musikalische Untermalung.

Fazit

Gerne hätte ich den Film geliebt, zumal Martin Baltscheit, der Autor der Vorlage, auch Regie geführt hat. Doch so toll und innovativ die Idee auch ist, so wenig mag sie in ihrer Gänze funktionieren. Schade: 6/10 Punkte. (Zappelinchen: 8/10 Punkte; Zwergofant: 6/10 Punkte.)

The Farewell (2019)

Der letzte Urlaubsabend. Nach einem Tag, der ganz im Zeichen von flügge gewordenen Gartenrotschwänzchen stand, habe ich abends einen Film gewählt, der ganz zur etwas wehmütigen Ferienendstimmung passen sollte: Das Familiendrama „The Farewell“, dessen Blu-ray erst einen Tag zuvor bei mir eingetroffen ist. Ob der Film meine an ihn gerichteten Erwartungen erfüllen konnte? 🤵👰⚰

The Farewell (2019) | © DCM Film Distribution GmbH (Vertrieb LEONINE)

The Farewell (2019) | © DCM Film Distribution GmbH (Vertrieb LEONINE)

Eine Hochzeit und (k)ein Todesfall

„The Farewell“ erzählt eine, zumindest für mich, ungewöhnliche Geschichte und bewegt sich dabei in einem angenehm kleinen Rahmen: Eine tödliche Krankheit, die vor der erkrankten Großmutter geheim gehalten wird. Um dennoch Abschied nehmen zu können, wird eine Hochzeit fingiert, so dass alle Verwandten sie noch einmal sehen können. Unter diesen befindet sich auch Billi, welche eine ganz besondere Beziehung zu ihrer Großmutter besitzt. Aus dieser Prämisse hätte man ein zutiefst schmalziges Werk machen können, das nur so auf die Tränendrüse drückt. Regisseurin Lulu Wang hat diese höchst emotionale Geschichte, die zudem autobiographisch inspiriert ist, jedoch herrlich unsentimental erzählt.

Die Dynamik innerhalb der Großfamilie ist interessant und spannend zu verfolgen. Hinzu kommt eine gewisse Culture-Clash-Komponente, da ein Spannungsfeld zwischen den USA und China (und zu einem deutlich geringeren Maß auch Japan) aufgemacht wird. Hier kann man viel über die unterschiedlichen Kulturen, gerade was ihren Umgang mit Krankheit und Tod angeht, lernen. Lulu Wangs Geschichte richtet dabei nicht, welche Herangehensweise nun die bessere ist, sondern lässt die Frage ziemlich offen. Auch wenn am Ende ein bestimmter Weg beschritten wird. Die kurze Mid-Credit-Szene der echten Nai Nai kam für mich ziemlich überraschend und hat mir ein großes Lächeln auf das Gesicht gezaubert.

Fazit

„The Farewell“ ist ein ruhiger und bedächtig erzählter Film. Man taucht als Zuschauer in eine fremde Familie und Kultur ein, der man sich nur schwer entziehen kann. Trotz des ernsten Themas ist der Film nie bedrückend. Aufgrund der unterschiedlichen Sprachen, kann ich nur empfehlen, ihn im O-Ton zu sehen. Ein bewegendes und doch stets auch humorvolles Drama, das ich nur wärmstens empfehlen kann: 9/10 Punkte.

The King’s Speech: Die Rede des Königs (2010)

Natürlich muss am ersten Urlaubstag ein Film geschaut werden. Erstaunlicherweise war ich abends noch recht fit, obwohl ich einen Halbmarathon, Rasenmähen, wildes Spielen mit den Kids uvm. hinter mir hatte. Schon erstaunlich, was so alles in einen einzigen Tag passt. Auch unser Paketzusteller war fleißig und hat die Blu-ray des Films „The King’s Speech: Die Rede des Königs“ geliefert, welche sogleich ihren Weg in den Player gefunden hat… 🎙

The King's Speech: Die Rede des Königs (2010) | © Senator Home Entertainment (Vertrieb LEONINE)

The King’s Speech: Die Rede des Königs (2010) | © Senator Home Entertainment (Vertrieb LEONINE)

Wunderbares Schauspieler*innen-Kino

Ich kann mich noch genau an mein mangelndes Interesse erinnern, als „The King’s Speech“ damals den Oscar gewann. Ein Film über eine Sprachstörung? Und dazu noch angesiedelt im britischen Königshaus? Puh, nein danke. Inzwischen jedoch habe ich mich in die britische Aristokratie und sogar das filmische (bzw. seriell erzählte) Abbild der britischen Monarchie vorgewagt und wurde erst kürzlich von der Netflix-Serie „The Crown“ bestens unterhalten. „The King’s Speech“ kann man quasi als das Prequel zur Serie betrachten, was letztendlich auch der Auslöser für die heutige Sichtung war.

Zunächst einmal muss ich sagen, dass Tom Hooper „The King’s Speech“ wahrlich beeindruckend inszeniert hat. Einerseits sehr theaterhaft, andererseits aber auch mit sehr filmisch wirkenden Weitwinkelaufnahmen. Fantastisch anzusehen. Die wahre Stärke des Films sind jedoch seine Schauspieler*innen, allen voran Colin Firth als King George VI. und Geoffrey Rush als sein Sprachtherapeut Lionel Logue. Doch auch Helena Bonham Carter ist großartig als Queen Elizabeth. Zunächst dachte ich, dass es ungewohnt sei, sie in dieser Rolle zu erleben, da sie in „The Crown“ mit Prinzessin Margarete ein anderes Mitglied der königlichen Familie verkörpert. Jedoch spielt sie hier so anders, dass ich keinen Gedanken an ihre andere Rolle verschwendet habe.

Fazit

Ja, „The King’s Speech“ ist wirklich so gut wie sein Ruf. Das etwas staubig anmutende Thema wurde so unterhaltsam, wie es vermutlich möglich war, umgesetzt. Er wird nicht mein Lieblingsfilm werden, doch wurde ich mehr als nur positiv überrascht, was vor allem an den großartigen Schauspieler*innen liegt: 8/10 Punkte.

Man lernt nie aus – OT: The Intern (2015)

Eigentlich wollte ich einmal wieder einen bombastischen Blockbuster oder einen Horrorfilm sehen. Irgendetwas mit Wumms. Aber die letzten Tage waren emotional anstrengend. Der Sinn stand mir somit mehr nach einem Wohlfühlfilm und irgendwie war mir ein Tweet von PixelParc im Hinterkopf, der „Man lernt nie aus“ lobte. Da der Film eh auf meiner Liste stand, war die Wahl schnell getroffen…   🗃💻

Man lernt nie aus (2015) | © Warner Bros (Universal Pictures)

Man lernt nie aus (2015) | © Warner Bros (Universal Pictures)

Der (fast) perfekte Wohlfühlfilm

Was soll ich sagen? „The Intern“, so der englische Originaltitel, ist richtig wholesome. Einfach ein nahezu perfekter Wohlfühlfilm. Dabei ist die Prämisse eher dünn und auch das Drehbuch gewinnt keine Preise. Mit anderen Schauspieler*innen hätte das eine ganz öde Nummer werden können, doch Anne Hathaway und Robert De Niro spielen so großartig zusammen, dass es eine wahre Freude ist. Hinzu kommt, dass es kein aufgesetztes Drama à la gesundheitliche Probleme, Unfälle oder sonst etwas gibt. Nancy Meyers (u.a. „Liebe braucht keine Ferien“) konzentriert sich komplett auf die zentrale Beziehung zwischen Startup-Gründerin Jules Ostin und dem 70-jährigen Praktikanten Ben Whittaker. Und das funktioniert wunderbar!

Ich habe wirklich nahezu jede Szene des Films genossen. Der Film ist humorvoll, anrührend und einfach schön. Alleine das Zusehen hat mir gut getan. Einzig eine Szene in den letzten 5 Minuten fand ich richtig doof und zwar als Jules die Affäre ihres Mannes einfach so weglächelt. Damit hat das Drehbuch ihrer Figur keinen Gefallen getan. Für mich hätte es nicht unbedingt auf eine Trennung rauslaufen müssen, aber diese Reaktion war mir zu schwach. Schade drum.

Fazit

Ja, „Man lernt nie aus“ ist sicherlich kein Meisterwerk. Wenn ihr aber die Schauspieler*innen mögt (wie kann man Anne Hathaway und Robert De Niro nicht lieben?) und einfach einen netten Film für euren Gemütszustand sucht, dann kann ich euch „The Intern“ nur dringend ans Herz legen. Tut einfach gut: 8/10 Punkte.

Spuren – OT: Tracks (2013)

Karfreitag liegt hinter uns. Wir hatten das Treffen mit einer der Omas bereits auf heute vorgezogen, da das Wetter okay sein sollte und wir zumindest eine Runde spazieren gehen konnten. Besser als nichts. Dennoch sehr wenig Familie außerhalb des Kerns momentan. Abends kamen wir recht spät zur Ruhe, weshalb ich mit „Spuren“ zu einem Film gegriffen habe, der uns auf eine Reise entführen sollte… 🐪🏜

Spuren (2013) | © Ascot Elite Home Entertainment

Spuren (2013) | © Ascot Elite Home Entertainment

Die abenteuerliche Reise der Kamel-Frau

„Spuren“ ist einer dieser Filme, die eine reale Geschichte erzählen, von einem besonderen Menschen, der aus dem Alltag ausbricht. Robyn Davidson ist solch eine bemerkenswerte Person. Wie auch Christopher McCandless in „Into the Wild“ oder Cheryl Strayed in „Wild: Der große Trip“. Hinter all diesen Filmen stehen wahre Geschichten, wie sie das Leben perfekt zu schreiben weiß. Auch im Fall von „Spuren“ saß ich mehrfach vor dem Fernseher und habe Robyn einerseits bewundert, andererseits aber auch für verrückt erklärt. Vermutlich trifft beides zu einem gewissen Grad zu und doch überwiegt bei mir die Bewunderung.

Regisseur John Curran fängt die australische Wildnis in bestechenden Bildern ein und schafft es, die Motivation hinter Robyns Reise zu erklären, ohne dass dies belehrend oder zu plakativ wirken würde. Das hat mir wirklich gut gefallen. Robyn ist mit Mia Wasikowska großartig besetzt und auch Adam Driver als Fotograf Rick wirkt einfach passend in seiner Rolle. Auch wenn es eine epische Reise ist, so ist der Film nicht übermäßig dramatisiert oder auf den Effekt hin inszeniert. Es wirkt im Fluss, was wunderbar zu Robyns Reise passt.

Fazit

Wenn ihr ein Faible für Reiseabenteuer mit biographischen Selbstfindungsaspekten habt, dann ist „Spuren“ ein perfekter Film für euch. Ich kann aber verstehen, wenn man ihn nicht sonderlich spannend findet. Darum geht es aber auch nicht. Von mir gibt es eine dicke Empfehlung: 8/10 Punkte.

Archive (2020)

Heute merke ich, dass meine Laune ziemlich im Keller ist. Alles ist zu viel und doch zu wenig. Auf den heutigen Filmabend habe ich mich dennoch gefreut und „Archive“ in den Blu-ray-Player geschoben. Ein Film, den ich ohne die schöne Mediabook-Veröffentlichung von Capelight Pictures (siehe Foto unten) wohl nie gesehen hätte. Traurig eigentlich. 🤖

Archive (2020) | © EuroVideo Medien GmbH

Archive (2020) | © EuroVideo Medien GmbH

Ein Film für Freunde von „Moon“

Filme wie „Archive“ sind aus unserem kollektiven Filmbewusstsein verschwunden. Da gibt es nur noch die großen Blockbuster, basierend auf bereits bekannten Marken, sowie kurzlebige Netflix-Eigenproduktionen. Der Rest geht vollkommen unter. Vor ein paar Jahren war das noch anders. Da konnten Filme wie „Moon“ einen gewissen Bekanntheitsgrad erreichen. Tatsächlich hat mich „Archive“ stark an Duncan Jones‘ Sci-Fi-Hit erinnert. Speziell was das Produktionsdesign angeht, das auch der Welt von „Alien“ oder „Blade Runner“ hätte entspringen können, aber auch aufgrund der ruhigen und angenehm unaufgeregten Erzählweise samt dem Gefühl der Isolation. Kein Wunder, hat Regisseur Gavin Rothery doch im Designteam von „Moon“ mitgearbeitet.

Aufgrund der Roboterthematik musste ich auch an Alex Garlands „Ex Machina“ denken, der jedoch deutlich wuchtiger daherkommt. Gavin Rotherys Regiedebüt ist dagegen sehr zurückhaltend erzählt und bietet wundervolle handgemachte Effekte. Die Welt von „Archive“ ist zwar klein, doch so liebevoll gestaltet, dass sie einfach echt wirkt. Mich hat der Film wirklich sehr begeistert. Einzig die finale Wendung, die ich während des letzten Drittels bereits häufiger vermutet hatte, hätte es in meinen Augen nicht gebraucht. Sie funktioniert und ist emotional, doch wäre die Aussage des Films ohne stärker gewesen. Dennoch definitiv ein Ergebnis, das sich kein Sci-Fi-Fan entgehen lassen sollte.

Fazit

Wie bereits festgestellt, hat es ein kleines Sci-Fi-Drama, wie „Archive“, heute schwer sein Publikum zu finden. Deshalb sei euch die Sichtung dringend ans Herz gelegt. Wer nicht in die empfehlenswerte Blu-ray investieren will, kann den Film momentan auch kostenlos auf Prime Video sehen. Falls ihr reinschaut, lasst doch einmal hören, wie er euch gefallen hat. Eine dicke Empfehlung: 8/10 Punkte.

Eighth Grade (2018)

Heute habe ich einen Film gesehen, von dem ich schon viel Gutes (in Podcasts) gehört habe. Nach der erfolglosen Suche nach einer DVD oder Blu-ray war ich umso erfreuter, dass Netflix „Eighth Grade“ ins Programm aufgenommen hat. Höchste Zeit also, mich selbst von der Qualität des Coming-of-Age-Dramas zu überzeugen… 👩‍🎓

Eighth Grade (2018) | © Sony Pictures

Eighth Grade (2018) | © Sony Pictures

Die unangenehme Seite von Coming-of-Age

Aufgrund meines Vorwissens hatte ich vermutet, dass „Eighth Grade“ komplett bei mir einschlagen würde. Tatsächlich aber habe ich etwas gebraucht, bis ich mich mit dem Film angefreundet hatte. Obwohl wir sehr nah an der Protagonistin Kayla (großartig gespielt von Elsie Fisher) dran sind, war mir die Inszenierung zu Beginn ein wenig zu verkünstelt. Auch fand ich die Überpräsenz von digitalen Kommunikationsmitteln anstrengend. Allerdings merke ich selbst, dass es auch bei den eigenen Kindern immer mehr in diese Richtung geht. Weit nicht so extrem, doch die Tendenzen sind da. Auch in diesem Aspekt zeigt sich, dass mich „Eighth Grade“ häufig die Perspektive des Vaters hat einnehmen lassen. Ich hatte oft einen sorgenvollen Blick auf das Geschehen. Was steht meinen Kindern (und uns Eltern) da in den nächsten Jahren noch bevor?

Die andere Perspektive ist natürlich die von Kayla selbst. Manche Szenen waren schmerzhaft nah an der eigenen Erinnerung dran. Gerade der Zeitraum zwischen 7. und 8. Klasse ist auch für mich einer, der mir nur noch unbestimmt im Kopf ist und der mit viel Unsicherheit verbunden war. Ich bin damals eher in Videospiele und Bücher geflüchtet. Die Welt war einfacher und langsamer. Heute möchte ich wirklich kein Teenager mehr sein. Und da sind wir wieder bei meiner Perspektive als Vater angekommen. Wie wird das Zappelinchen mit all diesen (neuen) Herausforderungen umgehen? Bei all den unangenehmen bis düsteren Szenen, ist „Eighth Grade“ doch ein Film, der seine Figuren mag und nach hinten raus eine positive Entwicklung aufzeigt. Nicht aufgesetzt und eher realistisch, aber doch positiv. All das macht „Eighth Grade“ zu einer (für mich) eher anstrengenden Erfahrung, aber doch einer, die nachwirkt.

Fazit

Wirklich viel Spaß hatte ich nicht mit „Eighth Grade“, doch darum geht es dem Film vermutlich auch nicht. In dieser Hinsicht kam er mir teils wie ein Gegenentwurf zu „Booksmart“ vor, bei dem ich mich teils ähnlich gefühlt habe, doch eher auf lustige Art und Weise. Wie ihr merkt, fällt es mir schwer, den Film konkret einzuordnen. Ich mochte ihn und würde den Film und Kayla am liebsten in den Arm nehmen und sagen: Es wird alles gut. Wie eben so ein Vater. Anstrengend aber sehenswert: 8/10 Punkte.