Krabat (2008)

Gestern habe ich nach einer langen Zeit des Wartens endlich die Realverfilmung von Otfried Preußlers Meisterwerk „Krabat“ gesehen. Den Roman hatte ich als Heranwachsender verschlungen und bis heute stellt das Werk für mich immer noch eines der spannendsten, atmosphärischsten und faszinierendsten Werke der Fantasyliteratur dar. Kann der Film der Vorlage gerecht werden?

Glücklicherweise ja. Zumindest über weite Strecken. Die Geschichte wurde – bis auf übliche Straffungen und kleinere Änderungen – nahezu 1:1 übernommen. Insofern gibt es hier weder positive, noch sonderlich negative Überraschungen. Als ich zum ersten Mal die Mühle sah, ist mir ein mittelgroßer Stein vom Herzen gefallen: So und nicht anders muss das Zentrum der schwarzen Magie im Koselbruch aussehen. Wirklich ein bis ins Detail gelungenes Setdesign. Auch die Umgebung rund um Schwarzkollm ist fantastisch getroffen. Ebenso wie die restliche Ausstattung samt Kostümen und Effekten. Alles wirklich wunderbar gelungen.

Meine größten Probleme hatte ich leider mit David Cross, dem Darsteller der Hauptfigur. Dieser besaß für mich einfach zu wenig Charisma und Spielkraft, um mich wirklich überzeugen zu können. Besonders als erfahrenerer Lehrling hat er auf mich immer noch viel zu sehr wie ein Milchbubi gewirkt. Vielleicht ist die Figur des Krabat aus meiner eigenen Fantasie aber auch nur noch viel zu stark vertreten. So oder so, hätte ich mir hier einen kraftvolleren Schauspieler gewünscht. Die Besetzung der anderen Rollen geht für mich voll in Ordnung. Einzig Robert Stadlober bleibt etwas blass. Ausgezeichnet hat mir Christian Redl als düsterer Meister gefallen. Eine abolut treffende Interpretation.

Wenn ich schon beim Kritisieren bin: Die Schlachtszene war für mich mehr als nur unnötig und zudem nervig montiert. Kurze Shuttergeschwindigkeiten sind ja immer noch Mode, doch hier hat man es wahrlich etwas übertrieben. Action, nur um der Action willen. Auch dass man den Herrn Gevatter unbedingt zeigen musste – und dafür den Imperator der „Star Wars“-Reihe als Gaststar eingeladen hat – war absolut unnötig. Aber nun gut. Zugeständnisse an das junge Publikum haben sich wohl auch bei dieser ansonsten recht werktreuen Adaption nicht vermeiden lassen. Anders lässt sich auch der abscheuliche Song während des Abspanns nicht erklären, der im krassen Gegensatz zum ansonsten sehr gelungenen Score steht.

Insgesamt bin ich aber wirklich zufrieden mit Marco Kreuzpaintners Inszenierung. In ihrer Gesamtheit erinnert sie mich etwas an die Verfilmung von Patrick Süskinds „Das Parfüm“ – damals bin ich mit einem ähnlichen Gefühl aus dem Kino gekommen. Insgesamt halte ich „Krabat“ wohl aber noch für einen Tick gelungener und beliebte Aussagen wie ‚Nun hat Deutschland auch einen Harry Potter!‘ sind für mich absolut irreführend und zeugen von der Unkenntnis sogenannter Kritiker.

Freunden des Romans sei ein Kinobesuch dringend ans Herz gelegt. Allen anderen rate ich dazu zuerst das Buch zu lesen. Die Wirkung des geschriebenen Wortes ist ungleich mächtiger und die Geschichte wird euch verzaubern – besonders an düsteren Herbstabenden. Danach steht einem Kinobesuch aber nichts im Wege: 7/10 Punkte.

9 Gedanken zu “Krabat (2008)

  1. Das mit Abstand (!) beste, was ich selbst bisher über den Film gelesen habe. Überall sonst hagelt es nur Verriße. Ich selbst habe keinerlei Lust auf den Film, aber wenn er für dich funktioniert hat umso besser 🙂

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  2. Man muss einfach wissen, was man erwarten darf. Man hat sich an einer werkstreuen Adaption versucht, die sowohl die großen Massen, als auch eingeschworene Verfechter der Vorlage befriedigen sollte – dies gelingt auch größtenteils. Selbst „Krabat“-Autor Otfried Preußler zeigte sich mehr als nur zufrieden mit der Umsetzung seiner Geschichte. Ich kann gewisse Kritikpunkte nachvollziehen. Dem Film allerdings ein Totalversagen zu attestieren, zeugt meiner Meinung nach dagegen nicht von sonderlich großem Sachverstand – weder in Bezug auf die Vorlage, noch in Bezug auf die Kunst der Adaption im Generellen.

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  3. Sogenannte Kritiker schreiben ja auch „Der beste Indy aller Zeiten“ über Indy 4 ;))
    Da ich sonst zu dem Film nix zu sagen habe, schließ ich hier schon wieder ab.^^

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  4. Das hat sich ernsthaft jemand erlaubt zu schreiben? Jemand, der die vorhergehenden Indy-Filme auch wirklich kennt? Unglaublich. Das war nicht zufällig eine bei der großen Masse beliebte Zeitung mit vier Großbuchstaben im Titel? 😉

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  5. Der Film wurde dem Buch vollauf gerecht? Hmm, das ist kein Argument für das Buch…

    Hatte vorher keine einzige Kritik zu dem Film gelesen, wusste nicht mal um was es überhaupt ging, als ich in den Film ging – von daher darf ich mich als unvorbelastet bezeichnen von den scheinbar miesen Kritiken. Kann diese allerdings (ohne die Kritikpunkte im Detail zu kennen) prinzipiell nachvollziehen.

    Die Geschichte war m.E. vollkommen oberflächlich erzählt. Die erste Stunde ging es überhaupt nur dann vorwärts, wenn der Off-Kommentar was erzählte – und das was der erzählte wurde dann in der folgenden Sequenz immer wieder breit ausgewalzt visualisiert. Manchmal wurde auch in der Szene was erzählt, und das passierte dann direkt im Anschluss („Du darfst sie nicht berühren!“).

    Ich habe mir ernsthaft überlegt rauszugehen, da ich in der Geschichte selbst durchaus Potential gesehen habe und mir das Buch dadurch nicht ganz versauen wollte.

    Im Nachhinein hab ich festgestellt, dass die Verfilmung zumindest für den Buchkenner unter uns sehr gut funktionierte – und da du das nun auch bestätigst, könnte man da vielleicht sogar von einem Zusammenhang sprechen… =)

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  6. Der Film wurde dem Buch vollauf gerecht (…)

    Habe ich das so geschrieben? Ich denke mit Einschränkungen könnte man es so stehen lassen. „Krabat“ ist für mich keine perfekte Adaption, doch aber eine gelungene.

    Wir waren zu viert im Kino – allerdings nur Buchkenner – und waren insgesamt gleichermaßen angetan von der Verfilmung. Vielleicht benötigt man wirklich das Vorwissen des Romans. Ich glaube auch, dass es die Geschichte schwer hat diesen enormen Effekt zu erzielen, wenn man sie nicht schon bereits in den Kindheitstagen zu lieben gelernt hat. Besonders als Film, denn dieser erzielt nicht wirklich die Faszination der Vorlage und funktioniert in meinen Augen am besten, wenn man ihn als schöne Bebilderung einer grandiosen Geschichte sieht.

    Vielleicht solltest du dem Buch (ist schnell gelesen) doch einmal eine Chance geben… 😉

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  7. Dem Buch werde ich durchaus mal eine Chance geben. Glaube ja durchaus daran, dass da Potential ist.

    Fand eben nur, dass Kreuzpaintner (bzw. der Drehbuchautor) halt versagt haben, da sie einfach zu oberflächlich waren und vorwiegend Wert auf die Visualisierung der „Welt“ gelegt haben.

    Aber ist ja schön, dass es den Buchlesern gefällt. Ist ja auch mal was. =)

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  8. Ich hoffe sehr, dass dir der Film nicht das Buch ruiniert hat, denn es ist eines der schönsten Jugendbücher überhaupt!

    Vielleicht siehst du danach den Film ja mit anderen Augen – auch wenn ich es bezweifle und den Film selbst ja nicht perfekt fand… 😉

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  9. Pingback: Beat – Staffel 1 | moviescape.blog

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