Asterix in Amerika – OT: Asterix in America (1994)

Nachdem ich mich kaum vom heutigen #AbenteuerArbeitsweg erholt hatte, ist meine bessere Hälfte auch schon wieder zur Tür hinaus, um zu strawanzen. Da das Wetter eher bescheiden ist (sprich heute kein Spieleabend auf der Terrasse), stand mit „Asterix in Amerika“ ein weiterer Filmabend auf dem Programm. Sehr zur Begeisterung des Zwergofanten, der sich schon lange eine Fortführung unserer Komplettsichtung der Filmreihe wünscht… 🤜🐗🤛

Asterix in Amerika (1994) | © STUDIOCANAL

Asterix in Amerika (1994) | © STUDIOCANAL

Kommt leider nicht an „Die große Überfahrt“ ran

Mit der Comic-Vorlage „Die große Überfahrt“ verbinde ich eine ganz besondere Erinnerung: Ich war 10 Jahre alt und lag nach meiner Blinddarmoperation im Krankenhaus. Jedes Husten oder Lachen hat mir körperliche Schmerzen verursacht. Bei einem Besuch schenkten mir meine Eltern den oben genannten Asterix-Band. Das Ergebnis: Ich habe mich wortwörtlich vor Lachen gekrümmt. Freiwillig. Bis heute ist er einer meiner liebsten Asterix-Bände. Ein paar Jahre später hörte ich von der Verfilmung und war natürlich extrem heiß darauf. Die tatsächliche Sichtung war jedoch eine große Enttäuschung, da es gerade die unfassbar lustigen Szenen des Comics nicht auf die Leinwand geschafft haben. Wie der Film nun etliche Jahre später auf mich und meine Kids gewirkt hat?

Die Animation ist nett anzuschauen, selbst wenn die frühen CGI-Elemente aus heutiger Sicht mehr als befremdlich wirken. Da war der direkte Vorgänger „Asterix: Operation Hinkelstein“ deutlich stilsicherer inszeniert. Inhaltlich wurde das Comic um etliche Elemente erweitert, was nicht weiter schlimm wäre, hätte man den großartigen Humor der Vorlage mit übernommen. Leider jedoch ist davon kaum etwas übrig geblieben. Selbst die Gurugurus heißen nicht mehr Gurugurus. Und werden auch nicht mit Bär gefüllt. So viele verpasste Chancen. Dafür gibt es unpassende Gesangseinlagen, die eher wie gewollt und nicht gekonnt wirken. Schade.

Fazit

Speziell die Kinder hatten viel Spaß mit dem Film und auch ich muss zugeben, dass er über weite Strecken doch recht gut funktioniert. Warum man die brillante Vorlage jedoch so sträflich ignoriert hat, mag sich mir einfach nicht erschließen. Kein Totalausfall, aber bestimmt der schwächste unter den bisher von uns gesehenen Asterix-Filmen: 6/10 Punkte.

The Boys – Season 1

Mangels Netflix-Account bin ich oft außen vor, wenn es um neue Hype-Serien geht. Doch nun lief auch auf Prime Video eine neue Serie an, die in aller Munde zu sein scheint: Ob „The Boys – Season 1“ gerechtfertigt so früh in meinem Programm gelandet ist, erzähle ich euch in der folgenden Besprechung… 🦸‍♂️🦸‍♀️

The Boys – Season 1 | © Amazon Prime Video

The Boys – Season 1 | © Amazon Prime Video

Die Dekonstruktion des Superhelden-Mythos

Ganz neu ist das alles nicht. Spätestens mit Alan Moores „Watchmen“ wurde die Ära der postmodernen Superhelden eingeläutet. Auch die eher witzig-brutale Schiene wurde mit „Kick-Ass“ und Co. bereits im Mainstream-Kino abgedeckt. Nachdem die moderne Kinowelt komplett in Marvel-Hand ist, und spätestens mit Disney+ auch immer mehr Vorstöße in Richtung des kleinen Bildschirms vorgenommen werden, war es nur eine Frage der Zeit, bis sich auch hier die Dekonstruktion unserer Helden manifestiert. Noch vor dem Start der „Watchmen“-Serie auf HBO, geht Amazon mit der Comic-Verfilmung „The Boys“ an den Start. Mir war der Comic im Vorfeld noch nicht bekannt, doch bereits der Trailer hat mich stilistisch sehr an die oben genannten Vorbilder erinnert:

In nur acht Episoden (jeweils mit einer knappen Stunde Laufzeit) erzählt „The Boys“ die Geschichte einer Welt, in der Superhelden in unserer Gesellschaft etabliert sind. Sie sind Helden und Medienstars zugleich. Werbefiguren und Influencer. Gesteuert von einem Konzern, der – wie sollte es anders sein? – nur an zwei Dingen interessiert ist: Macht und Geld. Da beides korrumpiert, ist es auch kein Wunder, dass unsere Helden alles andere als Saubermänner und -frauen sind. Eher das Gegenteil. Kein Wunder, dass sich mit den titelgebenden „The Boys“ eine Gegenbewegung formiert hat.

Sex, Drugs and Blood’n’Gore!

Wir nehmen die Welt durch die Augen von Hughie (gespielt von Jack Quaid, Sohn von Meg Ryan und Dennis Quaid) wahr, dessen Freundin von einem Flash-artigen Superhelden namens A-Train wortwörtlich über den Haufen gerannt wurde. Alleine diese Szene setzt gekonnt den Ton für „The Boys“: Ultrabrutal, schockierend und doch comichaft und witzig überzeichnet. Zumindest während der acht Episoden der ersten Staffel wird diese Formel auch nie langweilig. Ich hatte jede Sekunde Spaß mit der Serie, auch wenn der Humor und der damit einhergehende vorgehaltene Spiegel oftmals eher plump und nicht sonderlich subtil eingesetzt werden.

Neben der inhaltlichen Spritzigkeit (auch das ist durchaus wortwörtlich zu nehmen), hat mich speziell die Inszenierung beeindruckt. Effekte und Look entsprechen schon wirklich Kino-Niveau, was auch durch das für Serien noch ungewohnte Cinemascope-Format unterstützt wird. Ziemlich beeindruckend, was Amazon hier auf die Beine gestellt hat. Auch Soundtrack und Schauspieler (u.a. Karl Urban) spielen auf hohem Niveau, was dem Unterhaltungswert definitiv zugute kommt.

Fazit

Ja, „The Boys“ macht unglaublich viel Spaß und ist genau zum richtigen Zeitpunkt erschienen. Den Superhelden so langsam überdrüssig, kann man sich hier schön an der Dekonstruktion des Genres ergötzen. Das alles wird oft ganz schön mit der Brechstange erzählt, was aber auch den Reiz der Serie ausmacht. Vielleicht nicht der große Überflieger, doch insgesamt extrem unterhaltsam: 8/10 (8.3) Punkte.

Mid90s (2018)

Aktualisierung: Ich habe „Mid90s″ am 24. April 2026 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Heute war das Wetter eher durchwachsen, weshalb wir uns abends tatsächlich einmal wieder vor dem TV eingefunden hatten. Dieses Mal aber ohne Kinder, weshalb mit „Mid90s“ auch ein Film in den Player gewandert ist, den speziell ich unbedingt sehen wollte. Was Jonah Hills hochgelobter Coming-of-Age-Film letztendlich zu bieten hat, erfahrt ihr in der folgenden Besprechung… 🛹

Mid90s (2018) | © Alive

Mid90s (2018) | © Alive

Ein audiovisuell authentisches Portrait der 90er

Ich hätte nicht gedacht, dass mich „Mid90s“ ausgerechnet auf audiovisueller Ebene so begeistern würde. Das 4:3-Format, der dokumentarische Stil, die Ausstattung, Sprache und speziell der Soundtrack haben mich mal eben 25 Jahre in der Zeit zurückgeschickt. Zwar war ich nie selbst Skater, doch spielte sich Mitte der 90er ein großer Teil meines sozialen Lebens zumindest am Rande der Szene ab. Gerade Kleidung und Hip-Hop, aber auch Selbstdarstellung und Gehabe sind für mich unverkennbar mit dieser Zeit verbunden. Gerade was dieses Gefühl angeht, kann Jonah Hills Regiedebüt punkten. Ein Kultfilm war bei uns damals Larry Clarks „Kids“, der eine ganz ähnliche Stimmung transportiert, dabei inhaltlich in jeder Hinsicht jedoch drei Schritte weiter geht. Jonah Hills Werk nimmt zwar Anleihen, bleibt im Grunde aber eine recht zahme und vorhersehbare Coming-of-Age-Geschichte in der Skater-Szene.

Ein weiterer moderner Coming-of-Age-Film, an den mich „Mid90s“ erinnert hat, ist Richard Linklaters „Boyhood“. Dieser wird oft auf sein Gimmick reduziert und viele Kritiker beanstanden, dass ja nie etwas Dramatisches passieren würde. Jonah Hill hakt die dramatischen Höhepunkte (Alkohol und Drogen, erste sexuelle Erfahrungen und ein dramatischer Autounfall) dagegen recht reißbrettartig ab. Das ist nicht unbedingt negativ zu bewerten, hat „Mid90s“ aber viel mehr wie eine Inszenierung wirken lassen, was den oft improvisiert wirkenden, kleineren Szenen und dem dokumentarischen Stil ein wenig im Wege steht. Hier wäre mit weniger noch mehr möglich gewesen.

Fazit

„Mid90s“ ist eine Liebeserklärung an die Skater-Szene der 90er Jahre. Eindeutig aus einer Perspektive und mit viel Liebe fürs Detail erzählt. In der Struktur ein wenig zu formelhaft erzählt, doch stets sympathisch und fantastisch inszeniert. Mit knapp 80 Minuten ist der Film erstaunlich kurz und ich habe die Jungs mit einem Gefühl der Wehmut verlassen. Nicht perfekt, aber in manchen Szenen ganz groß: 8/10 Punkte.

Black-ish – Season 4

Abermals geht mit „Black-ish – Season 4“ eine Serienstaffel zu Ende. Nachdem ich nach der dritten Staffel direkt weitergeschaut habe, steht nun auf jeden Fall eine längere Pause an. Und das finde ich trotz der schweren Themen der letzten Episoden fast ein wenig schade… 😢

Black-ish – Season 4 | © ABC Studios

Black-ish – Season 4 | © ABC Studios

Wie viel Drama verträgt Comedy?

Der Großteil der Staffel führt genau das weiter, was bereits in den drei vorhergehenden Jahren etabliert wurde. Sprich es gibt etliche sozialkritische Themen, die humorvoll aufbereitet werden. Das ist weiterhin sehr formelhaft, aber nach wie vor extrem unterhaltsam. Während der letzten vier Episoden schlägt die Staffel jedoch so ernste Töne an, wie wir es selbst in „Black-ish“ davor noch nicht erlebt haben. Ganz konkret geht es um die Ehe von Dre und Bow, die auf dem Spiel steht. Ich war wirklich erstaunt wie ernst und ausführlich dieser Erzählstrang angegangen wurde. Diese Kombination aus Drama und Comedy sieht man in solch einem Sitcom-Format eher selten. Und ja, „Black-ish“ war hier schon immer Vorreiter, doch so konzentriert habe ich es selbst in dieser Serie noch nicht erlebt.

Wie ist dieser Vorstoß nun zu bewerten? Ich fand ihn teils anstrengend und hätte mir manchmal ein leichteres Comedy-Format gewünscht, aber (und das ist ein großes ABER) ich finde es bemerkens- und bewundernswert. Das ist richtig und wichtig. Diese Episoden werden mir auch länger im Gedächtnis bleiben als viele leichte Comedys, die man so über die Jahre sieht. In dieser vierten Staffel wurde sogar eine Episode mit dem Titel „Please, Baby, Please“ nicht ausgestrahlt, weil sie dem Sender zu kontrovers war.

Fazit

„Black-ish“ ist weiterhin eine relevante, sozialkritische und unterhaltsame Comedy-Serie. Auch wenn die Formel nicht mehr ganz neu ist, so weiß die Serie dennoch weiterhin zu überraschen. Nicht jede Episode trifft ins Schwarze (no pun intended), doch insgesamt bleibt die Serie weiterhin extrem spannend: 8/10 (7.8) Punkte.

The Broken Earth, Book 1: The Fifth Season (N. K. Jemisin)

In den letzten Wochen habe ich tatsächlich ab und zu Zeit gefunden, ein wenig zu lesen. So hat es sich ergeben, dass ich nun endlich mit meinem Weihnachtsgeschenk durch bin. Dabei hatten „The Fifth Season“ und ich durchaus so unsere Anlaufschwierigkeiten. Warum der erste Teil der „The Broken Earth“-Reihe der Autorin N. K. Jemisin dennoch eines der beeindruckendsten Leseerlebnisse war, das ich bisher haben durfte, erfahrt ihr in der folgenden Besprechung. Und natürlich habe inzwischen den zweiten Teil namens „The Obelisk Gate“ (übrigens auch ein Geschenk) schon begonnen… 📖

„This is the way the world ends. For the last time.“

Nach den ersten ca. 20 Seiten hätte ich das Buch beinahe aufgegeben. Ich habe stark an mir und meinem Sprachverständnis gezweifelt. Wovon schreibt Frau Jemisin da bitte? Ich habe inzwischen schon einige englischsprachige Romane gelesen, die auch durchaus komplexer waren. Doch dieser hier? Unzählige Wörter, die ich nicht kannte. Keine Erklärungen zu Hintergründen oder Zusammenhängen dieser Welt, die The Stillness genannt wird. Kurz gesagt: Ich war ziemlich überfordert. Aber ich habe mich durchgebissen (kleiner Tipp am Rande: Im Anhang werden etliche Begriffe erklärt, was ich aber erst im Nachhinein festgestellt habe). Nach ca. 50 Seiten habe ich verstanden, dass dies der Stil der Autorin ist. Sie nimmt uns nicht an die Hand, um dieses fremdartige Land zu erkunden. Sie führt uns nicht langsam an die unterschiedlichen Parteien und Regeln heran, die hier vorherrschen. Nein, sie wirft uns mitten ins Geschehen. Dies beinhaltet ganz eigene Begriffe und Ausdrucksweisen, welche sich perfekt mit den Regeln der Welt ergänzen. Man lernt mit der Zeit, sich darin zurechtzufinden. Das ist zu Beginn nicht einfach, aber letztendlich doch eine tolle und intensive Erfahrung.

Womit hat man es bei „The Fifth Season“ also letztendlich zu tun? Ist es Fantasy oder Science-Fiction? Oder ganz etwas Anderes? Kurz (und sehr vereinfacht) gesagt: The Stillness ist eine Welt, die großen Veränderungen unterworfen ist, welche sich durch Erdbeben, Vulkanausbrüche, Tsunamis usw. manifestieren. Dies hat dafür gesorgt, dass ein Teil der Menschen, die sogenannten Orogenes, die Fähigkeit entwickelt haben, die erdgebundene Naturgewalt zu beeinflussen. Sie können z.B. Erdbeben abschwächen, aber auch verstärken oder sogar auslösen. Dies macht sie in weiten Teilen des Landes zu Aussätzigen, die in einer Art von Hardcore-Hogwarts, genannt The Fulcrum, ausgebildet werden, um der Menschheit zu dienen. Im restlichen Land werden freie Orogenes oft gejagt und getötet. Sie sind Menschen zweiter Klasse, die für ihre Selbstbestimmung kämpfen müssen. Man kann diese Geschichte klar als Kommentar auf unsere Gesellschaft lesen und N. K. Jemisin ist gut darin, den Finger in die Wunde zu legen. Drei dieser Orogenes stehen im Zentrum der Geschichte und man lernt die Welt samt ihrer Seasons durch ihre Augen kennen.

„Winter, Spring, Summer, Fall; Death is the fifth and master of all.“

Liegt „The Fifth Season“ nun ein Fantasy-Setting zugrunde? Auch damit hatte ich am Anfang ziemlich zu kämpfen: Wie soll ich mir The Stillness nun vorstellen? Oft wirken die Beschreibungen eher wie klassische Fantasy, dann jedoch gibt es Elektrizität und moderne Elemente. Letztendlich ist es eine Welt, die beständigen Veränderungen unterworfen ist. Beinahe schon postapokalyptisch. Und mit dieser Vorstellung findet man vermutlich den passenden Zugang. Lebensfeindlich trifft es auch ziemlich gut, denn unsere Heldinnen werden mit so manchem Schicksalsschlag konfrontiert. Es ist eine grausame Welt, jedoch nicht ohne Hoffnung. Ich war wirklich fasziniert von dieser Fremdartigkeit, in der jedoch viele Analogien zu Themen aufmacht werden, die sich leider auch in unserer Welt wiederfinden: Fremdenhass, Unterdrückung, Klimawandel sind nur ein paar Beispiele, die Jemisin mal mehr, mal weniger subtil zum Thema ihres Buches macht. Daneben ist „The Fifth Season“ jedoch ein waschechter, wenngleich auch ungewöhnlicher, Fantasy-Roman, der mit starken Wendungen und vielen mitreißenden Szenen sowie großartigen Charakteren aufwartet. ❤

Fazit

Selten wurde ich so dafür belohnt, mich durch die ersten Seiten eines Buches gekämpft zu haben. N. K. Jemisin ist eine fantastische Autorin, die mit ihrerer Sprache eine völlig fremdartige Welt beeindruckend zum Leben erweckt. Ich freue mich jetzt schon sehr auf die beiden Fortsetzungen und kann nur eine dicke Empfehlung aussprechen. Unbedingt reinlesen: 10/10 Punkte.

Yesterday (2019)

Normalerweise planen Eltern freie Abende ohne Kinder ja recht gewissenhaft. Weil sie nicht so oft vorkommen und die kostbare Zeit dementsprechend genutzt werden will. Nun hat es sich gestern spontan ergeben, dass unsere Kids zwei unterschiedliche Übernachtungsmöglichkeiten aufgetan hatten. Von Sonntag auf Montag nicht wirklich ideal, doch wir wollten die Gelegenheit nicht ungenutzt verstreichen lassen. So hat es sich ergeben, dass ich doch noch in den Genuss kam, Danny Boyles „Yesterday“ im Kino zu sehen… 🎵🎺🎸

Yesterday (2019) | © Universal Pictures Germany GmbH

Yesterday (2019) | © Universal Pictures Germany GmbH

„Yesterday, all my troubles seemed so far away…“

Die Kollaboration zwischen Danny Boyle und Richard Curtis ist schon recht früh auf meinem Radar aufgetaucht. Ich bin inzwischen selten begeistert von Trailern, doch „Yesterday“ war eine Ausnahme. Noch bevor ich wusste, wer die kreativen Köpfe hinter dem Projekt waren, hatte mich die Prämisse des Films gepackt: Nach einem undefinierten Ereignis, erleben wir eine Welt, in der es die Beatles nie gegeben hat. Nur unsere Hauptfigur Jack Malik kann sich an die berühmten Songs der vier Pilzköpfe erinnern – und er macht sich dieses Wissen zunutze. Schnell steigt er mit Songs wie „Yesterday“, „Let It Be“ oder „She Loves You“ zu internationalem Ruhm auf und muss dabei feststellen, dass Erfolg alleine nicht alles ist. Schon gar nicht, wenn man sich dabei mit fremden Federn schmückt.

Für eine romantische Komödie ist diese Prämisse schon sehr high concept, doch das war der ebenfalls von Richard Curtis geschriebene und inszenierte „Alles eine Frage der Zeit“ auch schon – und den fand ich wirklich großartig. Hinzu kommt, dass ich Filme liebe, die Musik ins Zentrum ihrer Geschichte stellen, sprich alles von John Carney („Once“ oder „Sing Street“) zum Beispiel. Die Voraussetzungen waren also ziemlich gut. Dass wir zudem noch ein Kino gefunden haben, in dem tatsächlich die Originalfassung lief, war die Krönung glücklicher Umstände. Außerdem passt solch ein klassisches Kneipenkino viel besser zu einem Film wie „Yesterday“ als ein doch eher unpersönliches Multiplex-Kino.

„Hey Dude, don’t let me down…“

Man merkt dem Film die Beteiligung der beiden britischen Filmemacher an. Das Drehbuch ist typisch für Richard Curtis und eher formelhaft in seinen größeren Handlungsbögen, speziell was den romantischen Teil der Geschichte angeht. Dafür kann es in den kleinen Details überzeugen und wird dem Witz, den es aus seiner Prämisse zieht, gerecht. Zudem muss ich es dem erfahrenen Autor anrechnen, dass er der Geschichte keine Erklärung à la Jack erwacht aus dem Koma aufgezwungen hat. Zusammen mit Danny Boyles verspielter Inszenierung und der zeitlosen Musik der Beatles ergibt sich daraus wunderbar leichtes RomCom-Popcornkino. Perfekt für den Sommer. Perfekt für ein Date. Perfekt zum Abschalten und Genießen.

Fazit

Auch wenn „Yesterday“ kein stilbildender Film für die Ewigkeit ist, der die Bedeutung von Popkultur für die Menschheit ausdiskutiert (auch wenn diese Aspekte durchaus vorkommen), so bietet er perfekte Unterhaltung für Musikfreunde. In letzter Konsequenz vielleicht ein wenig zu formelhaft und bequem, schaffen es Boyle, Curtis und die beiden Hauptdarsteller Himesh Patel und Lily James jedoch uns Zuschauer für knapp zwei Stunden perfekt zu unterhalten. Was will man mehr? 8/10 Punkte.

Hercules (1997)

Nachdem wir den Wunsch der Kinder nach einem Filmabend schon mehrfach ausgeschlagen hatten (das Wetter war einfach zu gut, um sich vor den Fernseher zu setzen), war es heute endlich soweit: Mit „Hercules“ wanderte dann auch ein Disney-Film in den Blu-ray-Player, den ich bisher noch nicht kannte. Wie dieser letztendlich bei uns ankam, erfahrt ihr in der folgenden Besprechung…

Hercules (1997) | © Walt Disney

Hercules (1997) | © Walt Disney

Disneyfizierung griechischer Mythologie

„Hercules“ zählt zu den letzten Filmen des Studios, bevor sie sich Anfang der 2000er Jahre an 3D-Animation versucht hatten. Viele Filme dieser Ära gelten als nicht besonders gelungen, doch ich finde gerade Werke wie „Ein Königreich für ein Lama“, „Der Schatzplanet“ oder den erst jüngst gesehenen „Lilo & Stitch“ durchaus sehenswert. Im Gegensatz zu den genannten Filmen ist „Hercules“ jedoch ein überaus klassischer Disney-Film geworden, auch wenn er sich nicht an Märchen, sondern der griechischen Mythologie bedient. Ansonsten haben wir aber alles, was wir bereits dutzendfach gesehen haben: Eine bekannte, disneyfizierte Geschichte, eine typische Heldenreise, lustige Sidekicks und schmissige Musical-Szenen. Alles in „Hercules“ wirkt einfach viel zu bekannt.

Audiovisuell ist „Hercules“ eine wahre Freude: knallbunt und verspielt. Mit skurrilen Figuren durchsetzt und tollen visuellen Einfällen. Die Songs machen Spaß, auch wenn mir keiner so wirklich im Gedächtnis geblieben ist. Einzig die frühen CGI-Effekte wirken ein wenig wie Fremdkörper im Film. Insgesamt hatte ich meinen Spaß mit der Geschichte, auch wenn die große Begeisterung ausblieb. Die Kids waren da deutlich begeisterter und gerade der Zwergofant hat trotz der teils wirklich düsteren Szenen in der Unterwelt gut durchgehalten. Vermutlich wird einfach groß. Schnief.

Fazit

Auch wenn ich „Hercules“ mochte und froh bin, ihn endlich gesehen zu haben, so mochte sich die übliche Disney-Begeisterung nicht so recht einstellen. Zweifellos ein extrem hochwertiger Animationsfilm mit vielen witzigen Ideen, aber inhaltlich doch zu sehr Schema F. Keiner meiner persönlichen Disney-Klassiker: 7/10 Punkte.

Halt and Catch Fire – Die komplette Serie (Staffel 1 bis 4)

Nachdem ich in letzter Zeit eher kurze, einzelne Staffeln bzw. Serien geschaut habe, bin ich mit „Halt and Catch Fire“ zu einer epischeren Geschichte, die sich über mehrere Jahre und Staffeln spannt, zurückgekehrt. Die Serie stand schon länger auf meiner Liste, da ich mir ein „Mad Men“ in der Tech-Welt erhoffte. Ob die Serie dieses Versprechen auch einlösen konnte, erfahrt ihr in der folgenden Besprechung…  💻💬🕹👾👩‍💻🔍

Halt and Catch Fire | © AMC

Halt and Catch Fire | © AMC

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Wo die wilden Menschen jagen – OT: Hunt for the Wilderpeople (2016)

Das Wetter ist wieder schlechter. Einerseits schade, andererseits kommt man dadurch auch einmal wieder zum Filme schauen. Dabei geht es mir häufig so, dass ich entweder zu großen Blockbustern greife (um eben mitreden zu können) oder bereits bekannte Filme aus den 1980ern wähle (der Nostalgie halber). Dabei bleiben neuere, kleinere Filme oft leider auf der Strecke. Heute jedoch habe ich zu „Wo die wilden Menschen jagen“ gegriffen und es hätte gar keine bessere Wahl geben können… 🐗

Wo die wilden Menschen jagen (2016) | © Sony Pictures Home Entertainment

Wo die wilden Menschen jagen (2016) | © Sony Pictures Home Entertainment

„That doesn’t sound very special, majestical’s way better.“

Wie bin ich überhaupt zu „Hunt for the Wilderpeople“ (so der passendere Originaltitel) gekommen? Regisseur Taika Waititi ist mit „5 Zimmer Küche Sarg“ auf meinem Radar gelandet und auch dort geblieben. Auch seinen Ausflug ins Big-Budget-Kino mit „Thor: Ragnarok“ fand sehr gelungen. Und dass sich nun ausgerechnet Waititi der längst überfälligen Realverfilmung von „Akira“ annehmen soll, finde ich gar fantastisch. Aber zurück nach Neuseeland, wo der Regisseur diese kleine Geschichte rund um den 13-jährigen Ricky Baker und seinen Pflegevater Hec inszeniert hat. Gespielt wird das ungleiche Duo von Julian Dennison, der eine unfassbar authentische Leistung abliefert, und dem großartigen Sam Neill. In Kombination unschlagbar und mit die beste Schauspielleistung, die ich dieses Jahr bewundern durfte.

„I didn’t choose the skux life, the skux life chose me.“

Schon lange habe ich keinen Film mehr gesehen, der es so gekonnt schafft, Humor und ernsthafte bis tief traurige Szenen zu verbinden. In einer Sekunde lache ich noch laut (und davon gab es wirklich etliche Momente) und in der nächsten muss ich eine Träne verdrücken. Dabei legt Waititi ein irres Tempo vor, ohne seinen Charakteren den nötigen Freiraum zur Entwicklung zu verwehren. Neben den unfassbar guten Hauptdarstellern steht die raue Landschaft Neuseelands klar im Zentrum der Geschichte und zeigt, dass das faszinierende Land auch abseits von „Der Herr der Ringe“ eine großartige Kulisse bietet (übrigens gibt es auch eine sehr witzige Referenz auf Peter Jacksons Trilogie). Einzig im Finale, das für meinen Geschmack ein wenig zu sehr auf Action setzt, schöpft Waititi mit beiden Händen aus dem Vollen. Die Stärke des Films liegt jedoch eindeutig in den ruhigeren, charakterbasierten Szenen.

Fazit

Ich sollte viel häufiger zu den kleineren, besonderen Filmen greifen. Da gibt es bestimmt noch etliche Entdeckungen zu machen. So wie „The Hunt for the Wilderpeople“, den ich euch nur dringend ans Herz legen kann. Einfach nur großartig und bei der nächsten Sichtung mit Aussicht auf die volle Punktzahl: 9/10 Punkte.

Das Sams im Glück (2012)

Heute hat es zum erstem Mal seit Wochen deutlich unter 30 °C. Kühl ist es immer noch nicht, doch die Voraussetzungen für einen Filmnachmittag waren schon lange nicht mehr so gut. Da wir aktuell „Das Sams im Glück“ aus der Bücherei geliehen haben, packten wir die Gelegenheit beim Schopfe und haben endlich den letzten Teil der Realfilmreihe rund um das Sams und die Familie Taschenbier geschaut.

Das Sams im Glück (2012) | © Universum Film GmbH

Das Sams im Glück (2012) | © Universum Film GmbH

Ein durchaus gelungener Abschluss der Trilogie

Im Gegensatz zum direkten Vorgänger „Das Sams in Gefahr“ aus dem Jahr 2003 orientiert sich der Film über weite Strecken wieder näher am ersten Teil: Der Sohn der Familie Taschenbier spielt keine Rolle mehr und die Schauspielerin Aglaia Szyszkowitz, die Frau Taschenbier bereits in „Das Sams“ verkörpert hat, kehrt zurück. Ansonsten wirkt „Das Sams im Glück“ noch einmal moderner inszeniert und wir Zuschauer bekommen einen kleinen Einblick in die Welt der Samse. Dies wäre nicht unbedingt nötig gewesen, hat aber die Kinder nicht weiter gestört.

Auch wenn die beiden Vorgänger oft schon reichlich albern waren, so wird der kindgerecht überzogene Slapstick hier auf die Spitze getrieben. Den Kindern hat das gefallen, für mich wäre weniger mehr gewesen. Das Finale wirkt recht endgültig und ich vermute, dass das Kapitel Sams, zumindest was diese Realfilmreihe angeht, nun endgültig abgeschlossen ist.

Fazit

Auch wenn „Das Sams im Glück“ für mich eindeutig der schwächste Film der Trilogie ist, so bietet er doch nette und kindgerechte Unterhaltung. Insgesamt wirklich empfehlenswert, da das „Das Sams“ zurecht zu den deutschen Kinderbuchklassikern zählt. Bamberg als Schauplatz ist zudem immer eine Reise wert, auch in diesem Teil: 6/10 Punkte.