Watchmen (Alan Moore)

Nachdem ich Zack Snyders Verfilmung in der Kinoversion ja eher nur durchschnittlich fand, habe ich mich endlich daran gemacht Alan Moores Mammutwerk „Watchmen“ in seiner ursprünglichen Form zu verinnerlichen. Eine gute Entscheidung, denn das Comic wird seinem Ruf absolut gerecht. Selten wurde ich in diesem Medium von einer Geschichte so mitgerissen.

Die epochale Superhelden-Saga umfasst zwölf Kapitel, welche meist einen Charakter prominent in den Vordergrund stellen, sich jedoch ebenso lückenlos zu einem großen Ganzen zusammenfügen. Moore hat hier wahrlich ein Meisterstück der – zugegebenermaßen teils etwas geschwätzigen – Erzählkunst geschaffen, welches die Paranoia der 80er Jahre perfekt einfängt und den Leser hypnotisch in seine fremde und doch so bekannte Welt zieht.

Was macht eigentlich die Faszination von „Watchmen“ aus? Für mich wohl die unglaubliche Detailtreue mit der die beiden kreativen Köpfe Alan Moore und Dave Gibbons dieses Paralleluniversum, in denen Superhelden zum Alltag gehör(t)en, auf die Seiten zaubern. Bei manchen Panels könnte man ewig verweilen, doch treibt die mitreißende Geschichte die Handlung beständig voran. Als Verschnaufpause bleiben somit oft nur die Einschübe am Ende jedes Kapitels, welche Fragmente aus der alternativen Realität der costumed adventurers abbilden.

Für mich war „Watchmen“ ein wirklich exquisites Lesevergnügen und ich musste oft darüber nachdenken, warum denn die Verfilmung nicht so wirklich funktionieren mag. Einerseits gibt es natürlich etliche Kürzungen, andererseits hat Zack Snyder seine Adaption unnötig auf cool getrimmt, was ich Moores Vorlage so nicht entnommen hätte. Vielleicht funktioniert die Geschichte aber tatsächlich auch nur als Comic? Wie man es auch dreht und wendet, Moore ist mit „Watchmen“ ein wichtiges und zudem äußerst unterhaltsames Stück Popkultur gelungen: 9/10 Punkte.

16 Gedanken zu “Watchmen (Alan Moore)

  1. Ich kann mich dem eigentlich nur anschließen. Rundum gelungener Comic, wenngleich mir die Auflösung der Sache im Film deutlich besser gefallen hat…

    Hast Du die englische Version gelesen? Und vor allem.. hast Du die VOLLSTÄNDIGE Version gelesen?^^

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  2. An die Auflösung des Films kann ich mich schon gar nicht mehr erinnern. Die des Comics hat mir aber sehr gut gefallen. In nahezu jeder Hinsicht.

    Gelesen habe ich die englische Version. Gibt es auch eine unvollständige Fassung? Wüsste ich jetzt nichts von…

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  3. Ich hab das Comic drei Tage vor Start des Films zu lesen begonnen und bin dann praktisch direkt von der letzten Seite aus in den Kinosessel. Und ich muss sagen, ich find beides klasse, jeweils für das, was es eben ist, Comic und Film. Drum war ich auch entsprechend mit beiden Enden einverstanden.

    Richtige Wahl, übrigens, die englische Fassung. Die deutsche Übersetzung ist zwar überwiegend ganz gelungen, hat aber ein paar fast schon unfassbare Ausrutscher in einen sehr dämlichen und unpassenden Sprachgebrauch

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  4. Ich werde mir den Film garantiert auch noch einmal ansehen. Dann aber im Director’s oder eben gleich Ultimate Cut, wenngleich dieser auf Blu-ray leider kaum noch zu bekommen ist. Ob ich den Film dann – nach Kenntnis der Vorlage – besser finde? Ich weiß es nicht. Eine zweite Chance hat er sich aber verdient.

    Da die englische Ausgabe nur einen Bruchteil der deutschen gekostet hat und ich Comics sowie lieber in Originalsprache lese, ist die Wahl auch nicht schwer gefallen. War ja – im direkten Vergleich zu „From Hell“ – relativ einfach zu verstehen.

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  5. Stimme absolut zu. Auch wenn ich den Film nach wie vor für großartig halte, ist die Graphic Novel noch mal eine Ecke besser. Einer der besten Comics, wenn nicht der beste, den ich bislang gelesen habe.

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  6. Meine Zweitsichtung des Films wird garantiert irgendwann folgen. Allerdings bezweifle ich im Moment noch, dass diese den Film auf ein ähnliches Niveau wie den Comic heben kann. Dieser ist nämlich tatsächlich über jeden Zweifel erhaben. Mal sehen welchen Moore ich als nächstes lese…

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  7. Hast du „From Hell“ gelesen? Was Moore dort an Recherche geleistet hat und wie er diese in das Comic eingearbeitet hat, sucht einfach seinesgleichen. Es mag durchaus sein, dass „Watchmen“ unterhaltsamer ist, doch „From Hell“ ist insgesamt einfach das beeindruckendere Werk.

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  8. Pingback: Kick-Ass « Tonight is gonna be a large one.

  9. Pingback: Media Monday #106 | Tonight is gonna be a large one.

  10. Der Comic steht definitiv auch noch auf meiner Liste! Den Film fand ich ziemlich gelungen, obwohl ich natürlich keine Vergleichsmöglichkeiten habe… Hast du dir auch die Einzelbände zu den Charakteren geholt? Die kamen doch vor nicht allzu langer Zeit als Ergänzung raus, soweit ich weiß…

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    • Ich hatte den Film zuerst gesehen und fand ihn nur okay. Da hat das Comic für mich deutlich besser funktioniert. Vielleicht sollte ich die Verfilmung nun auch noch einmal sehen. Die nachgeschobenen Einzelbände habe ich nicht gelesen; sind ja auch ohne Beteiligung Alan Moores entstanden, somit weiß ich eh nicht inwiefern man sie als „offizielle“ Erweiterung sehen sollte…

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