Halt and Catch Fire – Die komplette Serie (Staffel 1 bis 4)

Nachdem ich in letzter Zeit eher kurze, einzelne Staffeln bzw. Serien geschaut habe, bin ich mit „Halt and Catch Fire“ zu einer epischeren Geschichte, die sich über mehrere Jahre und Staffeln spannt, zurückgekehrt. Die Serie stand schon länger auf meiner Liste, da ich mir ein „Mad Men“ in der Tech-Welt erhoffte. Ob die Serie dieses Versprechen auch einlösen konnte, erfahrt ihr in der folgenden Besprechung…  💻💬🕹👾👩‍💻🔍

Halt and Catch Fire | © AMC

Halt and Catch Fire | © AMC

Staffel 1: Die Entwicklung des ersten Laptops 💻

Schon während der ersten paar Minuten verbreitet die Serie eine so starke 80er-Jahre-Atmosphäre, dass es eine wahre Freude ist. Wir lernen Joe MacMillan (gespielt von Lee Pace, bekannt u.a. aus „The Fall“) kennen, der irgendwo zwischen Steve Jobs und Don Draper angelegt ist. Visionär, egozentrisch, egoistisch. Wir befinden uns in der Tech-Branche. IBM hat einen Standard im PC-Markt etabliert und hungrige, kleinere Unternehmen versuchen ihr Stück vom Kuchen zu ergattern. Innovation trifft auf Pragmatismus. Harte Zahlen und knappe Budgets auf große Visionen. Dem visionären Verkäufer Joe stehen mit Gordon Clark (Scott McNairy) und Cameron Howe (Mackenzie Davis) zwei technische Genies zur Seite, was für einiges an Konfliktpotenzial sorgt. Ein sehr gelungener Einstieg in die Serie, der ein wenig mit dramaturgischen Holprigkeiten zu kämpfen hat. Letztendlich macht das die Serie aber fast noch sympathischer: 8/10 (8.2) Punkte.

Staffel 2: The Social Network V0.2a 💬🕹👾

Die zweite Staffel beginnt direkt mit einem Zeitsprung. Die Zeit bei Cardiff Electric liegt hinter uns und auch der in der ersten Staffel immens wichtige Laptop spielt für die Handlung keine Rolle mehr. Im Mittelpunkt steht die von Cameron Howe gegründete Spielefirma Mutiny, welche sich schnell in Richtung Online-Kommunikation entwickelt wird. Neben diesem neuen Tech-Spielfeld, bestimmt das Privatleben von Gordon und Joe zentrale Elemente der Handlung. Scheinbar könnten diese unterschiedlicher nicht sein: Gordon kämpft mit der Neuigkeit einer Gehirnerkrankung und Joe heiratet die Frau seines Lebens. Nebenschauplätze also. Tatsächlich jedoch werden diese Erlebnisse die weitere Charakterentwicklung prägen. Die eigentliche Handlung im heißen Tech-Umfeld wird durch die beiden weiblichen Figuren Cameron und Donna vorangetrieben, was ich famos finde. Gerade in ihrer ersten Hälfte wirkt die Staffel noch ein wenig unfokussiert, findet dann jedoch ihren Rhythmus und Ton. Im Vergleich zum sehr guten ersten Jahr noch einmal ein Sprung nach vorne: 9/10 (8.5) Punkte.

Staffel 3: Die Geburt des World Wide Web 👩‍💻

Nach dem Umzug nach Kalifornien hat sich Mutiny als spannender Player im Umfeld des Silicon Valley platziert. Der Erfolg lässt nicht lange auf sich warten und schnell kommt es zu einem Übernahmeangebot, was letztendlich in einem nicht sonderlich erfolgreichen Börsengang resultiert. Bis es jedoch soweit ist, haben Cameron und Donna viele Entscheidungen zu treffen, auch was das Spannungsfeld zwischen Technik, Marktanforderungen, Fokus uns Vision angeht. Dabei leben sich nicht nur die beiden Geschäftspartnerinnen auseinander, auch die Beziehung zwischen Donna und Gordon wird auf eine harte Probe gestellt. Joe dagegen leitet inzwischen ein etabliertes Unternehmen, kann sich jedoch nicht von dem Gedanken lösen, dass das nächste große Ding da draußen wartet. Kurz nach einer persönlichen Katastrophe macht die Staffel im letzten Drittel einen Zeitsprung von vier Jahren und wirbelt damit noch einiges durcheinander. Dadurch wirkt die Staffel strukturell ein wenig zerfasert, kann jedoch sowohl inhaltlich als auch emotional überzeugen: 9/10 (9.0) Punkte.

Staffel 4: Der Aufstieg der Suchmaschinen 🔍

Die letzte Staffel schließt inhaltlich konsequent an der vorhergehenden an, beginnt jedoch mit einem Zeitsprung, der vor allem Veränderungen auf der Beziehungsebene mit sich bringt. So spannend auch die technische und berufliche Weiterentwicklung ist, so sind es tatsächlich die persönlichen Geschichten, welche die vierte Staffel um einiges intensiver und mitreißender gestalten als die drei Staffeln zuvor. Ich habe das Gefühl, dass „Halt and Catch Fire“ mit den zehn finalen Episoden komplett seinen Rhythmus gefunden hat. Sowohl was den Inhalt, die emotionale Tiefe als auch die Inszenierung angeht. Wie viele ihrer Charaktere (z.B. Joe oder Cameron) ist auch die Serie erwachsen geworden. Das soll die vorangegangenen Staffeln in kein schlechtes Licht rücken, doch in der Serienwelt ist die vierte Staffel tatsächlich ganz oben anzusiedeln. Speziell die abschließenden vier Episoden, die mit an die besten Zeiten von „Six Feet Under“ erinnern, kann ich gar nicht genug loben. Tragisch, komplex und weit über das Finale hinaus noch beeindruckend: 10/10 (9.6) Punkte.

Fazit

Wie titelte der Guardian? „Farewell to Halt and Catch Fire, the best show that nobody watched“ und das trifft es verdammt gut. Ich kenne tatsächlich fast niemanden, der die Serie auch geschaut hat. Einzig Miss Booleana hat zumindest die ersten drei Staffeln gesehen und besprochen. Um es kurz zu machen: Wenn ihr euch auch nur ein wenig für Tech und IT interessiert, authentischer 80er-Jahre-Atmosphäre etwas abgewinnen könnt und an einer kompakten und abgeschlossenen Serie (40 dicht geschriebene Episoden) interessiert seid, dann schaut unbedingt rein. Die Serie lohnt sich und wird mit jeder einzelnen Episode immer besser: 9/10 (8.8) Punkte.

Prädikat: Lieblingsserie

Sehen könnt ihr die Serie übrigens im Rahmen des Prime-Video-Pakets (kein Affiliate-Link).

23 Gedanken zu “Halt and Catch Fire – Die komplette Serie (Staffel 1 bis 4)

  1. Huhu,
    Von der Serie habe ich zwar vom Titel her gehört, aber kein weiteres Wissen in Erfahrung gebracht. Danke für die schöne Übersicht! Wieder etwas gelernt! 👍

    Ich habe dich auf meiner Seite in meiner Link-Liste eingebettet. Ich hoffe, dass das für dich okay ist.
    Lg, Carli

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  2. Ich habe bisher leider nur die ersten drei Staffeln gesehen. Die vierte wartet also noch auf meine Sichtung. Was mich an der Serie beeindruckt ist ihre „effektive Programmierung“. Es gibt keine unnötigen Nebenschauplätze, stattdessen kommt man immer direkt zum Punkt. Wie perfekt funktionierende Software. Und Lee Pace kenne/schätze ich seit „Pushing Daisies“ und „The Fall“.

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    • Dann hast du die beste Staffel noch vor dir. Lee Pace ist mir erstmals auch in „Pushing Daisies“ begegnet. Selbst in „Der Hobbit“ fand ich ihn bemerkenswert. „The Fall“ ist ohnehin großartig. Doch seine beste Performance hat er meiner Meinung nach in dieser Serie abgeliefert. Einfach nur fantastisch.

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  3. Da habe ich sogar mal ein, zwei Folgen gesehen. Gefiel mir.
    Aber dann spülte mir die Serienflut etwas anderes vor die Glotzer. Komme mir aktuell oft wie eine Katze auf der Katzenminzenfarm vor.
    Landet daher auf dem „TV-Serien, die ich komplett nachholen muss“-Stapel. Wann kommt endlich der Tag der ungesehen Staffelbox?

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    • Ja, das kann ich gut nachvollziehen. Inzwischen bin ich ja echt froh, dass ich „nur“ Prime Video habe. Mit Netflix wüsste ich gar nicht, wo ich anfangen soll. Und dann noch die Serienboxen auf DVD/Blu-ray, die ungesehen im Regal stehen (von „Justified“ über „Deadwood“ bis hin zu „Downton Abbey“ und ganz frisch „Weeds“ – und da sind die kürzeren Serien noch gar nicht dabei). Ein Tag wird dafür leider nicht reichen… 😁

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  4. Nachdem Queen Eye jetzt (für uns) überraschend nach 8 Folgen schon wieder fertig war, habe ich die Serie gerade der Gattin verkauft mit dem Hinweis: „Die wurde mir von jemandem empfohlen, der Red Oaks auch sehr mochte“ – Sobald das Baby schläft schalten wir ein.

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    • Das freut mich! Dir dürfte die Serie auf jeden Fall gefallen, denn mit beruflichem Tech-Background dürfte dir viel bekannt vorkommen. Meine Frau war auch begeistert, obwohl sie als Lehrerin aus einem ganz anderen Bereich kommt. Bin gespannt, was ihr nach ein paar Episoden dazu sagt. Und nicht vergessen: Die Serie steigert sich bis zum Finale kontinuierlich… 🙂

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  6. Ha – witzig, ich habe gerade erst vor ein paar Tagen gedacht, dass ich doch mal die vierte Staffel schauen sollte. 🙂 Freut mich auch, dass du dich daran erinnert hast, dass ich die Staffeln besprochen habe … man hat doch manchmal Angst, dass nichts hängen bleibt von dem, was man so im Laufe der Zeit geschrieben hat.
    Was mich am meisten überrascht hat, ist wie sehr die Serie den Zeitgeist einfängt, wie stark sich die Figuren entwickeln und sie schnell damals noch der Fortschritt in der Branche voran schreitete. Und dann diese Seitenhiebe auf die Mechanismen der Wirtschaft – alleine die Firewall-Geschichte und Marketing-Ideen rund um Joe in der dritten Staffel und der geläuterte Joe, das war bis jetzt für mich eine der interessantesten Storylines. Wobei ich das Auseinanderdriften von Donna und Cameron sehr schade fand, wenn auch unvermeidlich. In jedem Fall sehr spannend, dass auch mal jemand anders die Serie geschaut hat 😉

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    • Und wirst du nun die vierte Staffel schauen? Es lohnt sich definitiv, da sie die Serie zu einem wirklich schönen Abschluss führt und auch die Beziehungen der Figuren untereinander (u.a. auch zwischen Donna und Cameron) wunderbar weitererzählt, ohne platt zu sein oder die bisherige Entwicklung zu ignorieren. Auch Joe macht noch eine sehr schöne und nachvollziehbare Entwicklung durch. Kann ich dir wirklich nur ans Herz legen. 👍

      Übrigens merke ich mir viele deiner Artikel und Tipps, auch wenn ich nicht immer gleich dazu komme, die Serien oder auch Filme zu schauen. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass es nur mir als einzigem Leser so geht. 🙂

      Du arbeitest ja selbst im IT- bzw. Software-Bereich. Ist dir da nicht auch vieles bekannt vorgekommen? Mir sehr. Auch gerade was das Spannungsfeld zwischen „Die Features müssen schnell auf den Markt!“ und „Wir müssen den Code aber neu schreiben, ohne dass ein direkter Kundennutzen entsteht!“ angeht. Fand ich toll umgesetzt. Und bei all dem Realismus dennoch viel unterhaltsamer als im echten Leben… 😉

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