Es ist Halloween und so richtig hat es uns dieses Jahr nicht gepackt. Das mag daran liegen, dass der Zwergofant immer noch krank ist und Frau bullion morgen in den Urlaub fährt. Zwar haben wir etliche Süßigkeiten verteilt, doch die Kinder waren selbst nicht unterwegs und auf Kürbis oder Halloween-Deko haben wir verzichtet. Somit stand ein Halloween-Filmabend zu viert auf dem Programm und ich habe u.a. „The Sixth Sense“ vorgeschlagen, auf den sich dann auch alle einigen konnten. Wie dieser erste ernsthafte Gruselfilm bei den Kindern angekommen ist? 🪦

The Sixth Sense (1999) | © Walt Disney
Auch ohne Twist herausragendes Kino
Zunächst muss ich mich ein wenig zur gesehenen Fassung äußern, denn ich habe bisher nur die 2008er Blu-ray aus UK im Schrank. Zuletzt gab es ein neues 4K-Master, das auf einer 4K Ultra HD Blu-ray veröffentlicht wurde und deutlich stärker ist als die alte Blu-ray. Also habe ich ein wenig recherchiert und mich durch die Streaming-Portale geklickt – und siehe da, sowohl auf Netflix als auch Disney+ wird das neue Master verwendet. Meist greifen Streaming-Dienste auf die alten Full-HD-Master zurück, doch in diesem Fall habe ich mich über das Upgrade gefreut. Deshalb habe ich die Blu-ray zurück ins Regal geschoben und mich doch für den Stream entschieden. Nun aber endlich zum Film selbst: Bisher habe ich mit den Kindern nur Kindergrusel à la „Gänsehaut“ gesehen oder zuletzt auch einmal etwas unterhaltsam Blutiges wie „Cold Storage“. Heute jedoch wollte ich sie an ernsthaften Grusel heranführen und bin zwischen Alejandro Amenábars „The Others“ und M. Night Shyamalans „The Sixth Sense“ geschwankt. Letztendlich fiel die Wahl auf Letzteren und ich war enorm gespannt, ob die Kinder den Film gut durchhalten und wie ihnen das Erlebnis gefällt.
Meine letzte Sichtung des Films liegt schon über 20 Jahre zurück. Mein Kinobesuch damals zählt bis heute zu den beeindruckendsten überhaupt. Danach habe ich den Film nur noch ein- oder zweimal auf DVD gesehen. Bei der heutigen Sichtung war ich erstaunt, wie sehr „The Sixth Sense“ ein Drama ist und wie wenig Grusel- oder Horrorfilm. Zwar sind die Geisterszenen durchaus unheimlich, doch lassen sich diese an einer Hand abzählen. Im Fokus steht ganz klar die Beziehung zwischen Dr. Malcolm Crowe (großartig gespielt von Bruce Willis) und Cole (noch großartiger gespielt von Haley Joel Osment). Diese ist wirklich extrem berührend und ich hatte bei ihrer Verabschiedung Tränen in den Augen. Die Auflösung danach fand ich auch viel subtiler inszeniert, als ich diese in Erinnerung hatte. Die Gänsehaut der ersten Sichtung fehlte natürlich und doch war es wieder einmal bemerkenswert, wie herausragend M. Night Shyamalan seinen Film konstruiert hat. Wahrlich ein Meisterstück, das man jedoch keinesfalls auf seinen Twist reduzieren sollte. Und die Kinder? Die waren zunächst verwirrt, was denn nun passiert ist und fanden den Film insgesamt auch nicht allzu gruselig. Ich glaube, da können wir nun ruhig weiter in die Gruselrichtung gehen.
Fazit
Auch nach 27 Jahren ist „The Sixth Sense“ immer noch ein fantastisches Gruseldrama. Es ist schon faszinierend, wie sehr sich die Wahrnehmung eines Filmes wandeln kann. Ich fand ihn schon immer stark, aber aus anderen Gründen. Nach wie vor fantastische Unterhaltung, gerade auch M. Night Shyamalans zeitlose Inszenierung und das mitreißende Schauspiel. Somit bleibt der Film eine große Empfehlung, auch an Halloween: 9/10 Punkte. (Zappelinchen: 7/10 Punkte; Zwergofant: 8/10 Punkte.)
Oh ein echter Klassiker durch den legendären Twist! Müsste ich auch mal wieder schauen – wie so vieles.
Ich habe den vor ein paar Wochen auch nochmal nach ewig langer Zeit gesehen und der ist richtig gut gealtert. Kommt ja eher selten vor, dass Filme, die lange aus dem Gedächtnis gefallen sind, so stark zurückkommen. Da stimmt alles, der Film spielt grandios auf der Klaviatur der Emotionen und du hast völlig recht – The Sixth Sense lässt sich nicht einfach nur auf den einen großen Twist reduzieren.
Absolut geiler Film.