Bird Box: Schließe deine Augen (2018)

Bisher nutze ich Netflix größtenteils für Serien. Dennoch gibt es ein paar filmische Eigenproduktionen, die mich durchaus reizen. Neben dem zugekauften „Auslöschung“, der es zumindest auf Blu-ray geschafft hat, konnte auch „Bird Box: Schließe deine Augen“ mein Interesse wecken. Nach dem großen Hype hagelte es größtenteils Verrisse, doch fand ich die Prämisse spannend genug, um mir selbst eine Meinung bilden zu wollen… 🦜📦

Bird Box (2018) | © Netflix

Bird Box (2018) | © Netflix

Eine durchaus spannend erzählte Postapokalypse

Wie oft habe ich gelesen, „Bird Box“ sei die schlechtere Variante von „A Quiet Place“. Nur dass der visuelle Sinn im Film ja gar nicht funktionieren würde. Haha. Aber nein, „Bird Box“ ist die Verfilmung eines 2015er Romans von Josh Malerman, dem Sänger der Band The High Strung, die übrigens den Titelsong zur US-Version von „Shameless“ beigesteuert haben. Also kein Rip-off des 2018er Films. Auch ist die Prämisse eine gänzlich unterschiedliche, denn in „A Quiet Place“ müssen die Menschen leise sein, um die Monster nicht zu triggern, können aber selbst sehen und hören. In „Bird Box“ dagegen wird der Sehsinn der Menschen eingeschränkt. Ich möchte den Film gar nicht zu sehr verteidigen, aber so manche Kritik macht es sich hier wirklich zu einfach.

Ich mochte die Entwicklung der Ausgangslage in „Bird Box“, sprich den Rückblick der Geschichte. Die hier entstehende Dynamik ist wahrlich nicht neu und aus x-beliebigen Zombie-Filmen bereits bekannt, doch haben die Figuren für mich gut funktioniert. Auch mochte ich sehr, dass man die Monster nie zu Gesicht bekommt. Den Kniff mit den Zeichnungen des Eindringlings fand ich dabei ziemlich smart. Auch hat mir Sandra Bullock in ihrer Rolle wirklich gut gefallen. Ihre Figur und die Beziehung zu ihren Kindern machen den Film auch aus. Alles andere ist, bis auf die große Actionszene zu Beginn des Films, ziemlich ruhig und unspektakulär erzählt. Auch das Finale verpufft ziemlich. Die Szene davor, als Malorie ihre Kinder vor den Verlockungen der Monster schützen will, fand ich dagegen sehr gelungen und ist wohl auch am plakativsten, was die Allegorie der Geschichte auf die Elternschaft angeht.

Fazit

Nein, „Bird Box“ ist weder ein Genre-Hit, noch ein Rohrkrepierer. Wenn man gerne postapokalyptische Filme schaut, dann wird man bestimmt seinen Spaß damit haben. Susanne Biers Film ist mir somit durchaus eine Empfehlung wert: 7/10 Punkte.

Krampus (2015)

Nach einem vollgestopften Tag, der mit dem Einbau einer neuen Grafikkarte begonnen hat, über Nikolausgeschenke verteilen weiter ging und in einem Lauf kulminierte, bin ich erst gegen 21 Uhr aufs Sofa gefallen. Die Wahl ist auf „Krampus“ gefallen, der dieses Jahr die filmische Einstimmung auf das Weihnachtsfest einläuten sollte. Wie passend für das Jahr 2020… 🎅👹

Krampus (2015) | © Universal Pictures Germany GmbH

Krampus (2015) | © Universal Pictures Germany GmbH

„Schöne Bescherung“ mit Horror-Twist

Die ersten 20 Minuten wirken beinahe wie eine 1:1-Kopie von „Schöne Bescherung“. Nur viel zynischer erzählt. Die Details reichen sogar bis zum Öffnen des altmodischen Bilderadventskalenders. Wenn das keine Hommage ist, dann weiß ich auch nicht. Danach wandelt sich die Stimmung des Films und wir bekommen eine Belagerungssituation zu sehen, die mit einer Horror-Version von „Toy Story“ kombiniert wird. Wirklich gruselig ist all das nicht und auch der Humor zündet nicht immer. Dennoch mochte ich diesen seltsamen Genre-Mix recht gerne.

Vermutlich liegt es an der Weihnachtsatmosphäre und dass sich der Film offensichtlich nicht ernst nimmt. Hinzu kommen wunderbar praktische Effekte und selbst die eingestreuten VFX (wild um sich schießende Lebkuchenmännchen) passen zum audiovisuellen Eindruck des Films. Sehr positiv hat mich zudem gestimmt, dass für die deutsche Großmutter mit Krista Stadler tatsächlich eine deutschsprachige Schauspielerin besetzt wurde, was gerade in US-Produktionen oft nicht der Fall ist. Auch ansonsten ist „Krampus“ mit u.a. Toni Collette („Knives Out“) und Adam Scott („The Good Place“) erstaunlich gut besetzt.

Fazit

Wirklich bemerkenswert oder herausragend ist nichts an „Krampus“ und doch fand ich ihn ziemlich sympathisch. Die winterliche Atmosphäre kommt gut rüber und die anarchischen Spielzeuge erinnern teils an „Gremlins“. Was will man mehr? 90 Minuten kurzweilige Weihnachtsunterhaltung: 7/10 Punkte.

I See You: Das Böse ist näher als du denkst (2019)

An Halloween wollte ich endlich einmal wieder einen Horrorfilm sehen. Am besten aus der Gruselecke. Da ich in letzter Zeit viel Gutes über „I See You: Das Böse ist näher als du denkst“ gelesen habe (und das ohne Details zu erfahren), war die Wahl schnell getroffen. Wenn ihr selbst rein schauen wollt, der Film läuft zurzeit auf Prime Video und Spoiler sind im folgenden Text zu erwarten… 🎭

I See You: Das Böse ist näher als du denkst (2019) | © Capelight (Alive)

I See You: Das Böse ist näher als du denkst (2019) | © Capelight (Alive)

Es wird anders kommen, als du denkst…

Der Film startet als übernatürlicher Gruselfilm. Seltsame Dinge geschehen. Plattenspieler gehen von selbst an, Türen bewegen sich und Schatten schleichen durch das Haus. Dinge eben, wie im klassischen Geisterfilm. Jump Scares bleiben jedoch aus, was ich sehr positiv fand. Dann bereits zur Hälfte des Films der große Twist: Es sind keine Geister, sondern Phrogger (Personen, die sich unbemerkt von den eigentlichen Bewohnern in ein Haus einnisten), die der Familie mehr oder weniger harmlose Streiche spielen. Parallel zu diesem Handlungsstrang treibt noch ein Serienmörder sein Unwesen und ein weiterer Twist enthüllt im letzten Drittel des Films, wer der eigentliche Täter ist. Für mich kamen die Wendungen tatsächlich unerwartet, wenngleich sie auch ziemlich plakativ ausgeführt und inszeniert sind.

Der Gruselfaktor hat für mich über den Verlauf des Films immer weiter abgenommen, da man als Zuschauer immer mehr wusste, als die Figuren. Also weg von klassischer Spannung durch das Unerklärliche, hin zur Suspense. Vom Geisterfilm über einen Thriller hin zum Krimi. Die allerletzte Überraschung hätte es dann nicht mehr gebraucht, denn das hat nicht mehr viel zum Film beigetragen und etliche Dinge rückblickend nur extrem konstruiert erscheinen lassen. Bis dahin war „I See You“ aber ein extrem unterhaltsamer und abwechslungsreiches Erlebnis. Ich bezweifle allerdings, dass er beim zweiten Mal ebenso gut funktionieren würde. A propos nicht gut funktionieren: Ich habe mich ja wirklich gefreut, Helen Hunt einmal wieder zu sehen. Aber ihr Gesicht wirkt durch zu viele chirurgische Eingriffe seltsam entstellt. Ich weiß, das sind nur Äußerlichkeiten, doch es hat auf mich regelrecht ablenkend gewirkt.

Fazit

Wenn ihr euch für einen Abend gut unterhalten fühlen möchtet, dann schaut in „I See You“ ruhig einmal rein. Der Film ist eine ziemliche Achterbahnfahrt (aber Achtung, dabei sehr ruhig erzählt) und hält die Spannung stets aufrecht. Ich mochte den Genre-Mix, werde es aber wohl bei dieser einen Sichtung belassen: 7/10 Punkte.

Der Schacht – OT: El Hoyo (2019)

Nach einem recht angespannten Samstag, der nur durch einen kurzen Lauf am Abend aufgelockert wurde, habe ich einen ebenso angespannten Film ausgesucht. Die spanische Netflix-Produktion „Der Schacht“ hat mich durch seine High-Concept-Prämisse überzeugt und ich war gespannt, was Regisseur Galder Gaztelu-Urrutia aus der interessanten Idee gemacht hat. 🥓🥘🥗🥔🥞

Der Schacht (2019) | © Netflix

Der Schacht (2019) | © Netflix

Wenn „Cube“ auf „Snowpiercer“ trifft

Tatsächlich hat mich der Film über weite Strecken stark an Vincenzo Natalis „Cube“ erinnert. Der eingeschränkte Schauplatz, die immer gleichen Räume, die Bewegung der Plattform und vor allem die allesamt unausstehlichen Figuren. Inhaltlich dagegen ist „Der Schacht“ ebenso wie Bong Joon-hos „Snowpiercer“ eine Allegorie auf den Kapitalismus bzw. unsere Klassengesellschaft. Dabei geht Galder Gaztelu-Urrutia nicht sonderlich feinfühlig vor, sondern prügelt das Bild ziemlich direkt durch die Geschichte. Fressen oder gefressen werden. Die Scheiße fließt wortwörtlich von oben nach unten. „Der Schacht“ ist dreckig und abstoßend, dabei aber auch ziemlich effektiv in seiner Bildsprache.

Weniger gut hat für mich die weitere Überhöhung funktioniert. Wenn Goreng zum Messias stilisiert wird und das Kind am Ende die Rettung sein soll? Das war mir zu viel Geschwurbel. Ich habe nichts gegen offene Enden und auch „Cube“ besitzt letztendlich ein sehr vergleichbares, das aufgrund seiner Direktheit aber deutlich besser funktioniert. Hier dagegen habe ich es fast schon so empfunden, als hätten die Autoren nicht wirklich gewusst, wie sie die Geschichte zu Ende bringen sollen.

Fazit

Auch wenn „Der Schacht“ kein perfekter Film ist, so ist er doch wirklich bedrückend und besitzt eine ganz eigene Atmosphäre. Nichts für zimperliche Gemüter und sicherlich auch nicht die Laune steigernd. Für Genre-Fans auf jeden Fall eine Empfehlung, gerade wenn man auf High-Concept-Ansätze steht: 7/10 Punkte.

Underwater: Es ist erwacht (2020)

Es ist ja nicht so, als würden nicht genügend Filme bei mir im Regal stehen. Nein, da gibt es ein Streaming-Angebot und ich schlage natürlich zu. Immerhin bei einem Film, den ich mir ohnehin ansehen wollte und dessen Blu-ray bereits im Warenkorb lag. Ob „Underwater: Es ist erwacht“ tatsächlich ein Film für die Sammlung gewesen wäre? 🤿

Underwater (2020) | © Twentieth Century Fox Home Entertainment

Underwater (2020) | © Twentieth Century Fox Home Entertainment

Wie „Alien“ nur unter Wasser?

Das ist wohl der häufigste Vergleich, den man im Vorfeld über den Film gehört hatte. Und er ist sehr naheliegend und sinnig. Denn Regisseur William Eubank hat für „Underwater“ zweifellos Inspiration bei Ridley Scotts „Alien“ gesucht. Das fängt beim generellen Look an, geht bei nahezu identischen Kameraeinstellungen weiter und hört bei der Heldin in Unterwäsche auf. Das ist kein Zufall, sondern eine bewusste Entscheidung. Macht aber auch nichts, denn ich liebe sowohl das „Alien“-Franchise als auch Filme, die unter Wasser spielen. Da James Camerons „The Abyss“ immer noch nicht auf Blu-ray erschienen ist, muss dann eben ein Film wie „Underwater“ herhalten.

Für mich ging alles ein wenig schnell. Man lernt die Figuren nicht kennen und sofort bricht die Katastrophe über die Tiefbohrstation herein. Überhaupt wirkt der Film extrem gehetzt in seinem Springen von Action-Set-Piece zu Action-Set-Piece. Die Action selbst fand ich durchaus packend inszeniert, wenngleich es hier auch so wirklich gar nichts Neues zu sehen gibt. Selbst die Monster fand ich irgendwie fad. Dennoch hatte ich Spaß bei dem Treiben, weil es eben genau mein Genre ist. Ein wenig mehr Eigenständigkeit und ein richtiges World-Building hätten „Underwater“ jedoch in jeder Hinsicht gut getan.

Fazit

Nein, ein Film für die Sammlung ist „Underwater“ nicht. Dennoch hatte ich für gut 90 Minuten Spaß mit dem Film. Leider machen es seine Vorbilder in allen Belangen besser. Ich habe mich dennoch gefreut, einmal wieder in eines meiner liebsten Genres zurückzukehren: 6/10 Punkte.

Noch zwei Worte zum Streaming: Dafür ist der Film denkbar ungeeignet, denn aufgrund der immer gleichen Farbgebung kommt es durch die niedrige Datenrate konstant zu Color-Banding-Effekten. Zumindest visuell würde somit einiges für die Blu-ray sprechen.

Crawl (2019)

Da das Wetter heute leicht am kippen ist und es keine Geburtstagsvorbereitungen zu treffen gilt, habe ich die Gelegenheit genutzt und zum ersten Mal seit drei Wochen einen Film geschaut. Die Wahl ist auf „Crawl“ gefallen, der schon länger auf der Liste stand. Mit 88 Minuten war er auch angenehm kurz,  so dass es nicht schlimm war, dass wir doch erst wieder kurz vor 21 Uhr auf das Sofa gekommen sind… 🐊

Crawl (2019) | © Paramount Pictures (Universal Pictures)

Crawl (2019) | © Paramount Pictures (Universal Pictures)

Wunderbar kompromissloser Tierhorror

Bei Alexandre Aja horchen Horror-Fans natürlich auf. Der Franzose hatte mit „High Tension“ 2003 einen ultrabrutalen Überraschungshit gelandet, der sich unter Genrefans größter Beliebtheit erfreute. Mit seinem Wechsel nach Hollywood standen etliche Remakes auf dem Programm, die seinen Ruf als Horror-Regisseur festigten, wenngleich nach „The Hills Have Eyes“ auch keines mehr diese kompromisslose Wucht seines Debüts besaß. Nun hat sich Aja mit „Crawl“ dem Tierhorror zugewandt und ja, der Film läuft ziemlich genauso ab, wie man es von ihm erwarten würde: Die Inszenierung ist sehr stilsicher und die Kamera hält ordentlich drauf. Die gesamte Atmosphäre ist unglaublich dicht und man leidet wahrlich mit den Figuren.

Dabei ist das Setting (ein Kriechkeller während eines Hurrikans) durchaus frisch und unverbraucht. Der Rest der Geschichte hangelt sich dagegen von Genre-Konvention zu Genre-Konvention. Nett fand ich, dass man tatsächlich versucht hat, den Charakteren eine einigermaßen ausgearbeitete Hintergrundgeschichte zu geben. Diese ist zwar nicht sonderlich tiefschürfend, lässt uns aber doch stärker mit ihnen mitfiebern. Ansonsten spult der Film jedes Klischee ab, was dank der gelungenen Inszenierung dennoch unterhaltsam anzusehen ist. Ich mochte auch, dass er wunderbar ökonomisch erzählt wird und selbst keine Sekunde mehr für die Rettung der Protagonisten verschwendet. Auch hier merkt man Ajas Ankommen im System Hollywoods: Der positive Ausgang der Geschichte hat mich überrascht.

Fazit

Auch wenn „Crawl“ kein Film für die Ewigkeit ist, so bietet er für Tierhorror-Fans doch knapp 90 Minuten beste Unterhaltung. Vielleicht auch weil er Humor komplett ausspart, an dem der verwandte „Bait: Haie im Supermarkt“ gescheitert ist. Ein gelungener Film-Snack, nicht nur für die Alligatoren: 7/10 Punkte.

Wir – OT: Us (2019)

Auch wenn ich kein schwarzes Quadrat gepostet und mich nicht zu #BlackLivesMatter geäußert habe, so habe ich in den vergangenen Tagen viel über institutionellen Rassismus gelesen und gelernt. Auch die heutige Filmwahl ist davon beeinflusst, denn in vielen Filmen und Serien sind Schwarze nur Nebenfiguren. Nachdem ich Jordan Peeles „Get Out“ schon famos fand, erhoffte ich mir auch von „Wir“ so einiges. Und ja, mir ist bewusst dass meine Filmwahl kein Betrag ist. Dennoch war sie mir wichtig. Spoiler sind zu erwarten.

Wir (2019) | © Universal Pictures Germany GmbH

Wir (2019) | © Universal Pictures Germany GmbH

Jordan Peele: Ein Meister des modernen Horrors

Nachdem man „Get Out“ am ehesten noch als satirische Horror-Parabel auf Rassismus lesen konnte, so ist die Lage bei „Wir“ nicht ganz so eindeutig. Der Film ist offener und fühlt sich größer an. Er lässt mehr Interpretationsspielraum und ist dadurch auch weniger gut zu greifen. Wenn man sich die Bewertungen so anschaut, hat „Wir“ fast überall schlechter abgeschnitten als sein Vorgänger im Geiste. Ich bin mir jedoch ziemlich sicher, dass er mir stärker im Gedächtnis bleiben wird. Eben weil er offener ist und ich in den nächsten Tagen viel über die Handlung und die Details der Geschichte nachdenken werde. Ein Horrorfilm, wie ich ihn liebe.

Da stellt sich sogleich die Frage: Ist „Wir“ ein Horrorfilm? Er besitzt die typischen Elemente des Genres. Es gibt sogar ein paar Jump-Scare-Effekte, welche jedoch nie platt und unbedacht eingesetzt werden. Jordan Peele findet großartige Bilder, die sich in das Gedächtnis der Zuschauer brennen und der Score des Films ist einfach meisterhaft verstörend. Trotz der durchaus eingehaltenen Genre-Konventionen, ist „Wir“ teils unfassbar lustig und in seiner Brutalität nie selbstzweckhaft.

Doppelgänger ohne Griff in die Klischeekiste

Inhaltlich mag es gegen Ende so wirken, als würde sich Peele ein wenig im Untergrund verrennen, doch letztendlich hatte er den Ursprung seiner Doppelgänger bereits in der ersten Texttafel angekündigt. Wieso er die Gesellschaft auf diese Weise spiegelt, hat sich mir noch nicht ganz erschlossen, aber schon jetzt fallen mir etliche Möglichkeiten der Interpretation ein. Zudem mochte ich, dass die Geschichte ohne das typische Evil-Twin-Klischee ausgekommen ist. Sprich es wird nicht stets damit gespielt, dass man als Zuschauer (oder einer der Charaktere) nicht weiß, ob eine Figur nun die gute oder die böse Variante ist. Bis eben zum Finale, das ich so nicht habe kommen sehen. Lupita Nyong’o spielt einfach nur erschreckend gut. Der Wahnsinn.

Fazit

„Wir“ ist kein einfacher Film. Oberflächlich betrachtet ein recht typischer Home-Invasion-Thriller, der uns gegen Ende aber wortwörtlich in den Kaninchenbau führt. Ich fand ihn auf vielen Ebenen wirklich unheimlich und freue mich jetzt schon darauf, mich tiefer mit dem Film zu beschäftigen: 9/10 Punkte.

The Girl with All the Gifts (2016)

Nach etlichen Filmabenden mit Kinderfilmen stand mir der Sinn heute einmal wieder nach erwachsenerer Unterhaltung. Doch zuvor musste erst noch eine Runde „Geister, Geister, Schatzsuchmeister!“ (in der schwierigen Variante) gespielt werden. Danach fiel die Wahl letztendlich auf „The Girl with All the Gifts“, von dem ich schon viel Gutes gehört hatte…

The Girl with All the Gifts (2016) | © LEONINE

The Girl with All the Gifts (2016) | © LEONINE

Einer der besten Zombie-Filme der letzten Jahre

Ich war zunächst etwas skeptisch, was die Handlung von „The Girl with All the Gifts“ angeht, denn Zombies mit Bewusstsein stehe ich eher skeptisch gegenüber. Hier hat Mike Carey, der Autor der Vorlage, jedoch einen wirklich nachvollziehbaren Grund für die Empfindungsfähigkeit der jugendlichen Zombies bzw. Hungries, wie sie im Film genannt werden, gefunden. Gerade die erste halbe Stunde ist extrem eindrucksvoll und bewegend inszeniert. Dies liegt auch stark am Score, der sich beinahe schon hypnotisch wie ein Klangteppich über die verstörenden Szenen legt. Danach wird der Film zwar ein wenig konventioneller, ohne jedoch an Wirkung zu verlieren.

An dieser Stelle möchte ich gar nicht zu viele Worte über die Handlung verlieren. Sie sticht aus dem Zombie-Einheitsbrei vor allem deshalb heraus, weil sie ihre Charaktere in den Vordergrund stellt. Gerade die titelgebende Melanie (großartig verkörpert von Sennia Nanua) ist eine unfassbar spannende Figur. Doch auch ihre eher klischeehaften Begleiter (u.a. von Gemma Arterton und Glen Close gespielt) wissen uns Zuschauer an sich zu binden. Die Atmosphäre des Films ist extrem dicht und er wirft so manche Frage auf, die unter anderem an „I Am Legend“ erinnert. Für mich wohl der beste Zombie-Film seit Danny Boyles „28 Days Later“. Vielleicht habe ich ein Faible für britische Zombies?

Fazit

Mir wird so manche Szene aus „The Girl with All the Gifts“ noch lange im Gedächtnis bleiben. Der Film ist rasant, packend und überraschend. Genre-Fans sollten definitiv einen Blick riskieren: 8/10 Punkte. Hat jemand von euch die Vorlage gelesen?

Tremors 6: Ein kalter Tag in der Hölle – OT: Tremors: A Cold Day in Hell (2018)

Ein wunderschöner Frühlingssamstag geht zu Ende. Eigentlich könnte alles wunderbar sein. Doch der Schein trügt. Trotz des famosen Wetters haben wir den Garten nicht verlassen und die Stimmung ist bedrückter als sie sein sollte. Wie so oft zurzeit. Da Frau bullion ein wenig angeschlagen und sogleich ins Traumland verschwunden ist, habe ich „Tremors 6: Ein kalter Tag in der Hölle“ in den Blu-ray-Player gepackt. Somit findet auch diese Filmreihe für mich ihren vorübergehenden Abschluss…

Tremors 6: Ein kalter Tag in der Hölle (2018) | © Universal Pictures Germany GmbH

Tremors 6: Ein kalter Tag in der Hölle (2018) | © Universal Pictures Germany GmbH

Überdrehter Tremors-Schwachsinn

Man merkt deutlich, dass das Team des Vorgängers sich auch für „Tremors 6: Ein kalter Tag in der Hölle“ verantwortlich zeichnet. Erneut haben wir es mit plattem Humor, CGI-Raketenwürmern und einem deutlich in die Jahre gekommenen Heldenduo zu tun. Mit einem kurzen Abstecher nach Perfection und einem größeren Auftritt der Tochter von Val und Rhonda sind die Bezüge zum Original dieses Mal größer, wenngleich das nur wenig zur Stimmung des Films beiträgt. Das Setting in der Kälte (wohlgemerkt in Südafrika gedreht) bleibt austauschbar und die Handlung besteht aus der typischen Monsterhatz. Auch wenn das alles nicht sonderlich berauschend klingt, so hatte ich doch meinen Spaß damit.

Insgesamt würde ich sogar sagen, dass sich „Tremors 6: Ein kalter Tag in der Hölle“ knapp vor seinem Vorgänger einreiht und damit dennoch einen der hintersten Plätze in diesem Franchise besetzt:

  1. „Tremors: Im Land der Raketenwürmer“ (1990) | 10/10 Punkte
  2. „Tremors 2: Die Rückkehr der Raketenwürmer“ (1996) | 7/10 Punkte
  3. „Tremors 3: Die neue Brut“ (2001) | 7/10 Punkte
  4. „Tremors 4: Wie alles begann“ (2004) | 6/10 Punkte
  5. „Tremors 6: Ein kalter Tag in der Hölle“ (2018) | 5/10 Punkte
  6. „Tremors 5: Blutlinien“ (2015) | 5/10 Punkte

Fazit

Ja, auch „Tremors 6: Ein kalter Tag in der Hölle“ ist kein besonders guter Film. Aber ich mag das Franchise nach wie vor und würde mir auch einen siebten Teil anschauen. Kein wirklicher Tipp, doch Graboiden-Freunde können einen Blick riskieren: 5/10 Punkte.

Tremors 5: Blutlinien – OT: Tremors 5: Bloodlines (2015)

Faschingsferien! Also nicht für mich, aber für den Rest der Familie. Das kommende Wochenende wir turbulent, weshalb ich den heutigen Abend mit „Tremors 5: Blutlinien“ entspannt vor dem Fernseher verbracht habe. Die Entspannung war letztendlich so groß, dass ich mit dem Schlaf zu kämpfen hatte. Aber vielleicht liegt das auch am beständigen Wahnsinn, der unter der Woche so los ist… 🙄

Tremors 5: Blutlinien (2015) | © Universal Pictures Germany GmbH

Tremors 5: Blutlinien (2015) | © Universal Pictures Germany GmbH

Tremors: The Next Generation

Man merkt deutlich, dass zwischen „Tremors 4: Wie alles begann“ und „Tremors 5: Blutlinien“ über 10 Jahre liegen. Das Sequel aus dem Jahr 2015 sieht viel moderner aus und setzt auch bei den Graboiden zu großen Teilen auf CGI. Dabei geht viel Charme verloren, doch können sich die Effekte durchaus sehen lassen. Die Verlagerung des Settings nach Südafrika ist gewöhnungsbedürftig, macht aber irgendwie auch Spaß. Ansonsten gibt es neben Burt Gummer keine Figur mehr, die es in diese Fortsetzung geschafft hat. Die neue Konstellation wirkt ein wenig unbeholfen und gewollt, was den Trash-Faktor zusätzlich steigert.

Leider bietet „Tremors 5: Blutlinien“ keinerlei neue Ideen und kopiert sogar Szenen und Sprüche aus Klassikern wie „Jurassic Park“ oder „Predator“. Die Küchenszene wurde wirklich 1:1 aus Steven Spielbergs Dino-Hit übernommen, kann ihr jedoch zu keiner Sekunde das Wasser reichen. Leider wirkt das weniger wie eine Hommage, sondern eher wie, nunja, eine billige Kopie.

Fazit

Trotz meiner Kritikpunkte macht „Tremors 5: Blutlinien“ immer noch Spaß. Ich mag dieses Franchise einfach und habe mich gefreut, dass es damit weitergeht. Richtig gut ist das alles nicht mehr, aber für Freunde der Graboiden kann sich ein Reinschauen durchaus lohnen: 5/10 Punkte.