I Am Legend

Nachdem es letzte Woche nicht geklappt hat, bin ich gestern nach einem arbeitsreichen Tag noch spontan in die Richard Matheson-Verfilmung „I Am Legend“ gegangen. Die Vorlage kenne ich nicht, auch nicht die erste Verfilmung „The Last Man on Earth“ bei der Matheson selbst das Drehbuch geschrieben hatte. „Der Omega Mann“ mit der 70er Jahre Sci-Fi-Ikone Charlton Heston („Planet der Affen“) ist mir dagegen – zumindest teilweise – ein Begriff. So erinnere ich mich noch dunkel an einige Szenen. Da ich postapokalyptische Stoffe von jeher reizvoll finde, war ich umso gespannter auf die Neuinterpretation von Regisseur Francis Lawrence („Constantine“).

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Erwartet hatte ich schlimmstenfalls ein typisches Will Smith-Vehikel. Glattgebügelte Witze und ausufernde Actionszenen. Probleme, die besonders der Isaac Asimov-Verfilmung „I, Robot“ zu schaffen machten. Teilweise ist „I Am Legend“ auch der typische Blockbuster, den der Hauptdarsteller vermuten lässt: Die eröffnende Jagdszene ist nicht zwangsweise nötig und wirkt viel zu ausgewalzt. Schön anzusehen, aber eigentlich nur reines eye candy. Es gibt einige dieser Szenen – besonders mit den Infizierten – jedoch nehmen sie glücklicherweise nicht überhand.

Positiv muss ich auf jeden Fall Will Smith hervorheben. Besonders nach seinem Zusammenbruch wirkt er teils sehr verletzlich, verstört und einfach nur müde. Für mich sehr nachvollziehbar und gut gespielt. Ich fand auch Schäferhund Sam eine sehr gelungene Ergänzung und kann die häufige Kritik an ihm nicht verstehen. Die Rolle des tierischen Kumpanen erinnerte mich etwas an Wilson aus „Cast Away“ und funktionierte für mich ähnlich gut. Ein nachvollziehbarer emotionaler Anker in der Geschichte.

Die Infizierten selbst fand ich auch nicht so schlecht dargestellt, wie es nahezu überall kritisiert wird. Sicherlich sind manche Sprünge und Bewegungen als typische CGIs auszumachen, doch das Design selbst weiß durchaus zu überzeugen. Auch Masken und Make-up in den ruhigeren Einstellungen können sich sehen lassen. Ich dagegen fand die kontextbezogene Darstellung fragwürdiger: Einerseits wurden die Infizierten als reine Tiere gezeigt, die nur ihren Instikten folgen – andererseits gab es einen Anführer, der zudem noch relativ intelligent gezeichnet wurde. Das war für meinen Geschmack zu wenig durchdacht.

Das Ende des Films scheint zwar – oberflächlich betrachtet – schockierend, doch meiner Meinung nach sind die Handlungen hier deutlich zu plakativ. Ebenso wie die vorhergehenden Referenzen auf göttliche Vorhersehung und Ground Zero. Aber nun gut, schließlich ist „I am Legend“ ja auch US-Blockbuster-Kino.

Für Freunde des Genres ist „I Am Legend“ auf jeden Fall eine Sichtung wert. Das leere New York wurde selten so überzeugend dargestellt und die Zeit vergeht wie im Flug. Man sollte sich nur nicht die neue Genre-Offenbarung erwarten: 7/10 Punkte.

17 Gedanken zu “I Am Legend

  1. „Einerseits wurden die Infizierten als reine Tiere gezeigt, die nur ihren Instikten folgen – andererseits gab es einen Anführer, der zudem noch relativ intelligent gezeichnet wurde. Das war für meinen Geschmack zu wenig durchdacht.“

    Sind ja schließlich irgendwo noch Menschen. Und außerdem handelt es sich bei dem Anführer um ein Alpha-Männchen. Wieso findest du das wenig durchdacht? Schließlich haben sich die Infizierten die „Falle mit dem Seil“ bei Neville abgesehen und wenden somit gleiches Prinzip an.

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  2. Sind es irgendwo noch Menschen? Allein durch den Look, die animalischen Bewegungen und ihr Verhalten wird meiner Meinung nach etwas anderes impliziert. Die Wandlung war zu abrupt und hat für mich nicht richtig funktionieren wollen.

    Das war in „Der Omega Mann“ meines Erachtens besser gelöst. Dort hatte ich die verbleibende Intelligenz besser nachvollziehen können.

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  3. Also mir hat der Film nur als – wie du selbst sagst – Eye Candy gefallen, und ja, auch Will Smith konnte überzeugen. Ich selbst fand die Story sowas von langweilig, und das Einsetzen dieser Infizierten überflüssig. So wurde der Film zu einem besseren Zombie-Horror für mich.. naja. Hatte mir mehr erwartet.

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  4. Ich hätte mir einen epischeren Ansatz gewünscht. Zudem wurde die Routine, die sich Neville aufgebaut hat zu nebensächlich behandelt. Ich denke da wäre mehr drin gewesen. Die zweite Filmhälfte war dann oft tatsächlich nur Zombiehorror, doch dafür wirklich unterhaltsam.

    So hat der Film insgesamt zwar nicht alle Chancen genutzt, aber was zu sehen war konnte mich größtenteils überzeugen.

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  5. Ich fand die Hündin am besten, die leeren Straßen am imposantesten und die Gottestante am nervigsten. Smith war okay, der Schluss ist sicherlich Geschmackssache. Ich war an dem Abend gerade in „heroischer Abgang“-Stimmung und von daher am Ende durchaus zufrieden.

    Von Cloverfield, meinem Kinokandidaten für Februar, erwarte ich mir aber schon mehr.

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  6. Dem kann ich eigentlich uneingeschränkt zustimmen. Beim Ende stört mich etwas, dass Neville auch ohne den Märtyrer zu spielen den gleichen Effekt erzeugt hätte. Aber nun gut. Er hatte ja schließlich auch einen großen Verlust zu verarbeiten und wahrscheinlich keine Lust mehr auf weitere Enttäuschungen…

    Auf „Cloverfield“ freue ich mich auch schon sehr! 🙂

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  7. Wurde eigentlich auch auf die Perspektive der Infizierten eingegangen, für die Neville ja tatsächlich eine „legend“ ist, die ihresgleichen dahinmetzelt? Das finde ich nämlich den wirklich interessanten Aspekt an der Geschichte.

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  8. Nein, auf diesen wirklich interessanten Aspekt wurde leider nicht eingegangen. Mit viel Fantasie könnte man ihn zwar hinein interpretieren, aber letztendlich ist Neville hier nur die Legende der geretteten Menschheit…

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  9. Ich fand den Film ganz nett, aber auch nicht überragend. Will Smith war schon wirklich gut, aber bestimmt noch nicht oskarverdächtig. An sich schön, wie viel Zeit der Film sich für Kleinigkeiten nimmt, die Neville und den Hund in New York und ihrer Wohnung zeigen. Aber leider ändert der Film mit dem Tod der Hündin leider das Tempo und wird zu schnell. Als ob er schnell zu Ende gebracht werden will und das war er ja dann auch gleich. Netter Film, aber nicht überragend. Freue mich auch mehr auf Cloverfield in zwei Wochen.

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  10. Ich fand auch, dass der Film etwas mit dem Timing zu kämpfen hatte. Mir hat ebenfalls die ruhigere erste Hälfte sehr gut gefallen. Ab dem Tod von Sam – war ja mal richtig ergreifend – wurde es dann etwas holprig. Aber nun gut, hatte auch nicht zu große Erwartungen an den Film und wurde dementsprechend gut unterhalten.

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