11.22.63 – Der Anschlag (2016)

Normalerweise bevorzuge ich Serien, mit denen ich mich länger beschäftigen kann. Dies liegt vor allem daran, dass ich ungern Unterbrechungen bis zur Fortführung der Geschichte habe und somit selten (Ausnahmen bestätigen die Regel) nur einzelne Staffeln anschaue. Mit der Mini-Serie „11.22.63 – Der Anschlag“ liegt der Fall allerdings ein wenig anders, stand hier doch bereits schon von Anfang an fest, dass es nur diese eine Staffel geben wird. Mich hat speziell die Art der Adaption gereizt, bietet dieses Format doch weit mehr Raum für den Inhalt einer Vorlage als nur ein Film…

Vom Roman zur Serie

Ich kenne Stephen Kings Roman bisher noch nicht, hatte ihn aber im Zuge des Serien-Kaufs meiner Frau ans Herz gelegt, die sogleich das Hörbuch verschlungen hat und davon äußerst begeistert war. Dieser unterschiedliche Wissensstand war spannend und hat während der Sichtung für so manche angeregte Diskussion gesorgt, denn anscheinend weicht die Serie in einigen relevanten Details von der Vorlage ab. Dies hat dafür gesorgt, dass ich nun auch am liebsten das Buch lesen würde, schon alleine um entsprechend fundiert mitreden zu können. Doch auch die Serie an sich fühlt sich sehr wie ein Buch an und ich habe es sehr genossen, diese packende Geschichte über knapp acht Stunden erleben zu können. Ich frage mich was daraus geworden wäre, hätte man sich für einen abendfüllenden Spielfilm als Format entschieden. Vermutlich einfach ein ganz anderes Erlebnis.

Zeitreise-Drama oder Historien-Thriller?

Wenn man „11.22.63 – Der Anschlag“ in eine Genre packen sollte, dann ist das gar nicht so einfach. Von der Prämisse her gesehen, würde man wohl zuerst an Sci-Fi denken. Diese Genre-Elemente sind allerdings so gut wie überhaupt nicht vorhanden, dafür hat das historische Setting starken Einfluss auf die Geschichte. Man wähnt sich somit eher in einem Historien-Thriller mit übernatürlichen Elementen als in einem Sci-Fi-Drama. Wie man es von Stephen King erwarten würde, macht die Serie auch vor Horror-Elementen nicht halt. Diese waren mir teils zu dominant, wurden von den acht Episoden schon ganze zwei auf eher horrorlastige Subplots verwendet, von denen zumindest einer die Handlung nicht wirklich nach vorne gebracht hat. Ich hätte mir dafür tatsächlich mehr Einblick in die Ermittlungen gewünscht.

Die Serie ist sehr hochwertig produziert und nach „The Path“ nun bereits die zweite Hulu-Eigenproduktion, die es in mein Programm geschafft hat. Wie bereits „House of Cards“ setzt auch „11.22.63“ das seltene Bildformat 2,00:1 ein, was für ein kinohaftes Erlebnis sorgt. James Franco („127 Hours“) trägt die Geschichte mit jungenhaftem Charme, kann jedoch auch in dramatischen Situationen überzeugen. Auch der Support-Cast bietet mit u.a. Chris Cooper („American Beauty“) bekannte Gesichter. Formal ein wirklich äußerst gelungenes Erlebnis.

Fazit

Auch wenn die Serie nicht bis ins letzte Detail perfekt ist und teils die falschen Schwerpunkte gesetzt werden, so hat sie mich über ihre acht Episoden doch wunderbar unterhalten. Wenn ich Zeit für Binge-Watching hätte, dann wäre „11.22.63“ wohl der perfekte Kandidat gewesen, um die komplette Serie an einem Wochenende durchzuschauen. Doch auch in Häppchen serviert hat mich die Geschichte für sich eingenommen und speziell die letzte Episode zu Tränen gerührt. Da greift dann auch wieder der Zeitreise-Aspekt, den ich zuvor ein wenig vermisst hatte. Auch meine Frau war trotz der Änderungen zur Vorlage sehr angetan, weshalb ich die Serie nun sowohl Kennern des Romans als auch Neulingen empfehlen kann: 9/10 (8.6) Punkte.

Mystic River (2003)

Nach einer langen Arbeitswoche wartet ein langes Wochenende auf uns. Wenn das einmal kein Deal ist. Zum Einstieg habe ich mir heute Abend „Mystic River“ angesehen, der schon viel zu lange auf meiner Liste stand. Erwartet hatte ich keinen leichten Film und auch zu sehen bekam ich keinen. Was Clint Eastwoods Drama rund um Schuld, Sühne und Rache tatsächlich kann, erfahrt ihr in der folgenden Besprechung…

Trostlos in Boston

„Mystic River“ hat mich sofort an einen anderen Film erinnert, der ein Verbrechen in Bosten in den Mittelpunkt der Handlung stellt: „Gone Baby Gone“ von Ben Affleck. Das ist auch kein Wunder, handelt es sich bei beiden Filmen doch um Adaptionen von Romanen, deren Autor Dennis Lehane eine Vorliebe für dieses Setting besitzt. Auch inhaltlich ähneln sich beide Filme und lassen uns Zuschauer in den düsteren Strudel des Mystic Rivers hinabgleiten. Der Ton des Films ist von Anfang an bewusst trostlos. Weder für die Charaktere noch uns Zuschauer gibt es einen Hoffnungsschimmer. Der Film beginnt mit Kindesmissbrauch und endet mit dem Mord an einem alten Freund. Harter Tobak, den Clint Eastwood kompromisslos inszeniert.

Ein düsteres Schauspielfest

Besonders begeistert haben mich die Schauspieler, allen voran Sean Penn, der dem Schmerz seiner Figur, speziell zu Beginn des Films, beeindruckend viel Ausdruck verleiht. Zu ihm gesellen sich Kevin Bacon, Tim Robbins und Laurence Fishburne, die allesamt eine beeindruckend dichte Leistung abliefern. Auch auf weiblicher Seite gibt es mit Laura Linney, Marcia Gay Harden und Emily Rossum (Fiona, „Shameless“) viel Qualität vor der Kamera, doch leider bleiben die Figuren ziemlich blass. Dies ist ein deutlicher Schwachpunkt des Films, denn er lässt seine Frauen links liegen, nur um sie in den falschen Momenten zu Verrätern oder Kriegstreibern zu machen.

Auch inhaltlich hat mich „Mystic River“ stets am Ball gehalten, wenngleich die Auflösung der Geschichte gegen Ende doch einfacher und plakativer ist, als ich es vermutet hätte. Vielleicht liegt darin aber auch der Reiz. In manchen Szenen ist Eastwoods Inszenierung ein wenig offensichtlich geraten und ich hätte mir teils einen subtileren Ansatz gewünscht, z.B. was Tim Robbins Charakter und seine Erklärungen angeht. Hier wurde viel gesagt, doch nur wenig gezeigt.

Fazit

Nach der grandiosen ersten Hälfte, während der ich noch mit einem neuen Highlight gerechnet hatte, fällt der zweite Teil des Films für mich ein wenig ab. Nicht dramatisch, doch es gab ein paar Entwicklungen, die an der Geschichte gekratzt haben. Insgesamt bietet „Mystic River“ ein Krimi-Drama vom Feinsten, das mit hochkarätigen Darstellern und einer packenden Geschichte aufwarten kann. Wer den Film noch nicht kennt, der sollte auf jeden Fall einmal reinschauen: 8/10 Punkte.

Ghost in the Shell (2017)

Da die Kinder noch bis morgen bei den Großeltern untergebracht sind, haben wir die Gunst der Stunde genutzt und sind einmal wieder ins Kino gegangen. Leider lief nicht der Film, den wir unbedingt sehen wollten. Letztendlich fiel meine unsere Wahl auf „Ghost in the Shell“ und speziell ich war durchaus gespannt, was die Realverfilmung des Animes denn so auf dem Kasten hat: Die Trailer sahen vielversprechend aus, die Kritiken waren jedoch durchwachsen…

Einmal Matrix und zurück

Speziell Fans des Animes scheinen so ihre Probleme mit der Realverfilmung zu haben. Auch ich kenne das Original, wenngleich meine Sichtung inzwischen mindestens 15 Jahre zurückliegt. Es muss irgendwann nach „The Matrix“ gewesen sein, als man alles aufgesogen hat, was für diesen bahnbrechenden Film Pate stand. Ich erinnere mich noch, dass ich die Geschichte faszinierend aber auch verwirrend fand. Heute dagegen, ziemlich genau 18 Jahre nach dem Blockbuster der Wachowski-Geschwister, wirkt die Geschichte doch schon ziemlich vertraut. Was 1995 unglaublich originell gewirkt haben musste, ist heute nur noch die gekonnte Inszenierung einer nur allzu bekannten Routine. Das kann man dem Film nur schwerlich als Fehler anlasten, trübt dessen Wirkung leider dennoch beträchtlich.

Whitewashing oder warum Scarlett Johansson?

Am meisten war „Ghost in the Shell“ im Vorfeld des Kinostarts wohl aufgrund des Whitewashing-Vorwurfs in aller Munde. Ich kann den Punkt durchaus verstehen, doch glaube ich auch, dass man sich bei Hollywood-Produktionen nicht zu viele Illusionen machen sollte: Es geht hier einfach ums Geschäft. Wären die Rechte an ein japanisches Filmstudio gegangen, hätte es die Diskussion ziemlich sicher nicht gegeben. Sind sie aber nicht. Mit Dreamworks steht ein amerikanisches Studio hinter der Produktion und als solches werden natürlich auch amerikanische Stars platziert, um den Erfolg im westlichen Markt zu garantieren. Das mag aus künstlerischer Sicht fragwürdig sein, doch ist es keinesfalls überraschend oder skandalös. Davon einmal abgesehen fand ich Scarlett Johansson tatsächlich gut besetzt und ich habe ihr die Rolle abgenommen.

Mit Pilou Asbæk, Takeshi Kitano, Juliette Binoche und Michael Pitt ist der restliche Cast durchaus international und die Schauspieler werden ihren Anime-Pendants auf jeden Fall gerecht. Auch wenn westliche Gesichter dominieren, so wirkt die Welt in „Ghost of the Shell“ dennoch wie ein Schmelztiegel und Erinnerungen an „Blade Runner“ werden wach, nur dass hier alles noch einmal bunter, lauter und leider auch sauberer wirkt. Dennoch hat mich die Gestaltung der nahen Zukunft auf jeden Fall überzeugt und ich hätte gerne noch mehr davon gesehen.

Fazit

Ohne „The Matrix“ oder auch „Blade Runner“ wäre die Realverfilmung von „Ghost in the Shell“ ein wirklich beeindruckendes Filmerlebnis gewesen, das bei mir noch lange nachgewirkt hätte. Mit Kenntnis der teils dem Original nacheifernden Vorbilder, lässt Rupert Sanders‘ Film jedoch Originalität vermissen. Die Actionszenen sind toll inszeniert (wenn auch ein wenig blutleer) und der Film sieht insgesamt schon ziemlich fantastisch aus. Leider jedoch wird die Handlung zu vereinfacht wiedergegeben und am Ende wirkt es, als wäre nur eine weitere Superheldin geboren worden. Trotz seiner Fehler auf jeden Fall sehenswert: 7/10 Punkte.

Deadpool (2016)

Was für ein Tag. Was für eine Woche. Doch egal, denn nun beginnt für mich nicht nur das lange Osterwochenende, sondern auch die wohlverdiente Urlaubswoche: Die Kinder sind bei den Großeltern, meine Frau und ich waren gemütlich etwas essen und haben inoffiziell die Fastenzeit beendet – was liegt also näher, als den Abend mit einem romantischen Film ausklingen zu lassen? Somit habe ich den erst aktuell erworbenen „Deadpool“ in den Player geschoben und auf ein stimmungsvolles Filmerlebnis gehofft. Vergebens oder berechtigt? Das erfahrt ihr in der folgenden Besprechung…

Was macht Deadpool zu Deadpool?

Um es vorwegzunehmen: Meine bessere Hälfte ist nach kurzer Zeit eingeschlafen, ich habe mir (Fastenzeit beendet, ihr habt es oben gelesen) ein Glas Rum eingeschenkt und wurde bestens unterhalten. „Deadpool“ ist genau der Film, den man nach der ziemlich famosen Marketing-Kampagne erwarten durfte: Blutig, selbstreferentiell und oft unter der Gürtellinie. Nicht der typische Marvel-Film, aber letztendlich dann doch so poliert, dass es keine großen Überraschungen gibt. Beste R-Rated-Unterhaltung für die große Leinwand. Also ein Blockbuster für Erwachsene? Eher wohl für den Teenager im Manne. Und dennoch funktioniert die Comic-Verfilmung ausgezeichnet. Sie besitzt eine gewisse Leichtigkeit, die sich nur manchmal mit den Big-Budget-Bildern beißt. Perfekt besetzt und wunderbar temporeich geschrieben: ein großer Spaß.

Wie passt Deadpool zu den X-Men?

Bereits 2009 habe ich in „X-Men Origins: Wolverine“ dem ersten Auftritt von Ryan Reynolds als Deadpool beigewohnt, allerdings ist mir dieser nicht sonderlich in Erinnerung geblieben. Ryan Reynolds („Two Guys and a Girl“) allerdings schon, hat er doch sehr für einen eigenen Film des Antihelden gekämpft. Vermutlich ist dieser Aspekt auch der interessanteste der Produktionsgeschichte, denn 20th Century Fox hat erst einmal nicht an den Erfolg eines R-Rated-Comic-Films geglaubt. Aus heutiger Sicht natürlich unvorstellbar. Seitdem hat auch „Logan“ gezeigt, dass eine etwas härtere Gangart bei den Fans durchaus gut ankommt. Die Beziehung zu den „X-Men“ ist überhaupt ein interessanter Aspekt des Films, zeichnet sich „Deadpool“ doch durch unzählige Anspielungen auf das Franchise aus, ist wunderbar meta und erlaubt seinem Charakter beständig die vierte Wand zu durchbrechen. Ein wirklich großer Spaß. Hatte ich das schon erwähnt?

Fazit

Auch wenn „Deadpool“ nicht so subversiv ist, wie er gerne dargestellt wird, ist er einfach erfrischend unterhaltsam. Es gilt ausnahmsweise einmal nicht die gesamte Welt zu retten, sondern einen persönlichen Rachefeldzug zu beenden. Die Optik ist, typisch für Marvel, sehr auf Hochglanz poliert, was auch die unzähligen Blut-Effekte nicht ändern. Durch das Spiel mit der Meta-Ebene bleibt der Film stets sympathisch und man sieht allen Beteiligten an, dass sie wirklich für die Figur brennen. Speziell Ryan Reynolds ist die perfekte Besetzung und ich freue mich jetzt schon auf den zweiten Teil: 8/10 Punkte.

96 Hours: Taken 3 – OT: Taken 3 – Extended Cut (2014)

Nachdem ich heute im Training einen Halbmarathon gelaufen bin und mich danach nicht wirklich ausgeruht habe, stand zu befürchten, dass ich abends einmal mehr vor dem Fernseher einschlafe. Die Wahl ist mit „96 Hours: Taken 3“ folglich auf einen anspruchslosen Action-Film gefallen, von dem ich mir nicht sonderlich viel erwartet habe. Ich bin wach geblieben, doch ob das eher dem Film zuzuschreiben ist, oder meiner innerlichen Aufgekratztheit, lest ihr in der folgenden Besprechung…

Ein Remake von „Auf der Flucht“?

Den ersten „Taken“ fand ich ganz famos und auch „Taken 2“ hat mir deutlich besser gefallen, als den meisten Kritikern – nun also ein drittes Mal mit Bryan Mills auf Gangsterjagd gehen. Was ist außer der Hauptperson geblieben? Nicht wirklich viel: Der dritte Teil des Action-Franchises wirkt eher als hätten die Autoren an einem modernen Remake von „Auf der Flucht“ gearbeitet bzw. das Drehbuch eines solchen für den B-Movie-Markt gedachten Films auf die „Taken“-Reihe übertragen. Es gibt folglich keine Entführung und Bryan Mills muss sich dieses Mal als gesuchter Mörder seiner Frau vor der Polizei verstecken und gleichzeitig den echten Mörder finden. Na, das kommt und doch tatsächlich bekannt vor.

Schwache Regie, schwächeres Drehbuch

Wie bereits beim zweiten Teil führt erneut Olivier Megaton Regie, was bedeutet, dass auch die Action-Szenen in „Taken 3“ unter einem extremen Schnittgewitter und Wackelkamera leiden. Wirklich nicht schön anzuschauen und häufig handwerklich einfach schlecht gemacht. Kann sich der Herr nicht einmal John Frankenheimers „Ronin“ ansehen? Dann wüsste er, wie man Verfolgungsjagden per Auto inszeniert. Tatsächlich mochte ich die ruhigen Szenen am liebsten, gerade der Einstieg in die Geschichte mit Mills, seiner Frau und seiner Tochter. Ja, das hat für mich funktioniert, macht aber natürlich nur einen geringen Teil des Films aus, selbst wenn dieser dritte Teil die bisher wenigsten Action-Szenen der Reihe bietet.

Den verfolgenden Ermittler gibt Forest Whitaker, den ich ja immer ganz gerne sehe. Leider jedoch ist seine Rolle so unfassbar dämlich geschrieben, dass er nach kurzer Zeit nur noch nervt. Sein Charakter ist die Inkompetenz in Person, der uns am Ende offenbart, dass er ja schon von Anfang von Mills Unschuld wusste. Ja, genau. Seine Briefing-Szenen sind schon fast Comedy, was leider ein Zeichen dafür ist, dass bei „Taken 3“ so einiges nicht funktioniert.

Fazit

Auch wenn der Film viele Schwächen besitzt, so hatte ich doch Spaß mit ihm. Die Zeit ist schnell vergangen und selbst die hektischen Action-Szenen sind unterhaltsam anzusehen. Das Zusammenspiel zwischen Mills und seiner Tochter mochte ich zudem weiterhin sehr. Schade nur, dass man nicht mehr aus der Geschichte gemacht hat. Wie erwartet anspruchsloser Action-Reißer, den man sich durchaus anschauen kann, aber auf keinen Fall gesehen haben muss: 5/10 Punkte.

The Affair – Season 3

Beinahe ein Jahr ist vergangen seit ich die zweite Staffel der Serie gesehen habe. Seit geraumer Zeit ist „The Affair – Season 3“ bereits auf Amazon Prime verfügbar und mit nur 10 Episoden schien mir die Fortführung der Geschichte eine gute Wahl, um an den Serien-Marathon mit „The O.C.“ anzuschließen. Ob mich die Serie nach einem Jahr Pause wieder packen konnten, lest ihr in der folgenden Besprechung…

Zunächst ist mir deutlich aufgefallen, wie stark der Kontrast zu dem zuvor gesehenen Teen-Drama doch ist. Natürlich merkt man das Genre, doch auch Produktionsqualität von Inszenierung bis hin zu den Darstellern spielen in einer ganz anderen Liga. Das Fernsehen hat sich in den letzten 10 Jahren wirklich stark weiterentwickelt. Bevor nun jemand mit Äpfeln und Birnen um die Ecke kommt, sollte ich ergänzen, dass dies allein die formalen Merkmale betrifft und ich mit beiden Serien viel Spaß hatte. Wobei Spaß bei der dritten Staffel von „The Affair“ vielleicht das falsche Wort ist.

Bereits in ihrem ersten Jahr war die Serie nicht gerade eine Stimmungskanone, doch im Vergleich zu den düsteren und depressiv stimmenden Handlungsbögen der dritten Staffel wirkt sie rückblickend fast wie eine leichte Komödie. Inzwischen wirkt jede Figur nur noch verloren und speziell Helen und Noah sind an ihren Tiefpunkten angekommen. Teils hatte ich das Gefühl die Serie suhlt sich ein wenig zu sehr im Elend ihrer Charaktere, speziell im Mittelteil der Staffel war das manchmal nur schwer zu ertragen. In den letzten beiden Episoden ist der Knoten dann aber geplatzt und es gibt ein paar durchaus überraschende und emotional packende Entwicklungen, die mich nun tatsächlich neugierig auf das vierte Jahr machen.

Hat sich eigentlich einmal jemand von euch gefragt, was Brendan Fraser (bekannt u.a. aus der „Die Mumie“-Trilogie, „Tintenherz“ oder „Scrubs“) heute macht? Er spielt einen soziopathischen Gefängniswärter, der zu einer der zentralen Figuren in dieser Staffel wird. Wirklich erschreckend gut gespielt, speziell wenn man Fraser aus früheren Rollen kennt. Auch die anderen Schauspieler (gerade Dominic West aus „The Wire“) liefern wieder großartig ab und es ist eine Freude ihnen zuzusehen. Die Erzählperspektiven werden erneut erweitert, so dass sich das narrative Puzzle der Serie noch deutlich fragmentierter anfühlt als zuvor. Gerne hätte ich mehr Zeit mit gewissen Charakteren verbracht, andere dagegen werden zu sehr in den Mittelpunkt gerückt. Speziell Helens Handlungsstrang fand ich teils doch etwas redundant.

Insgesamt ist auch die dritte Staffel von „The Affair“ hochwertiges Serienkino, das man sich sehr gut anschauen kann. Mir waren die Entwicklungen teils zu gewollt auf düster getrimmt und ich hätte mir eine stärkere Fokussierung auf die eigentlichen Hauptfiguren gewünscht. So nett ich die neuen Charaktere (z.B. Juliette) fand, so sehr haben sie doch auch von der Kernhandlung abgelenkt. Vielleicht war dies aber auch nötig, um im vierten Jahr neue Akzente zu setzen. Ich bin gespannt: 8/10 (8.0) Punkte.

Black Rain (1989)

Für den heutigen Filmabend habe ich einmal wieder ein altbekanntes Werk aus dem Regal gezogen, das mich früher durch so manche Nacht begleitet hat. Ridley Scotts Yakuza-Thriller „Black Rain“ habe ich kurz nach „Blade Runner“ für mich entdeckt, was nicht von ungefähr kommt, besitzen beide Filme doch eine sehr ähnliche Ästhetik. Da es bislang nur eine qualitativ sehr schlechte DVD-Fassung gab, hatte ich den Film schon jahrelang nicht mehr gesehen. Mit der Blu-ray sollte sich das nun ändern…

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Schon innerhalb der ersten zehn Minuten weiß man als Zuschauer genau, mit wem man es in den folgenden zwei Stunden zu tun bekommt. Wirklich großartig, wie Scott seine Hauptfigur Nick Conklin (Michael Douglas) einführt. Da gibt es keine erklärenden Dialoge oder Texttafeln. Alles was man wissen muss, wird einem in der Handlung vermittelt. Auch die Zeit, in der „Black Rain“ spielt, ist unverkennbar: Sowohl Sountrack als auch Look versetzen einen (aus heutiger Sicht) zurück in die späten 80er Jahre. Das fängt bei Douglas‘ Frisur an und hört bei der Mode der Protagonisten auf. Dennoch wirkt der Film nicht altbacken, was an Ridley Scotts famosem Gespür für Bilder liegt. Kameramann Jan de Bont fängt das düstere Japan wahrlich perfekt ein.

Neben dem ästhetischen Hochgenuss fällt die Geschichte leider ein wenig ab. Letztendlich bekommt man einen Cop-Thriller zu sehen, der mit ein paar Buddy-Movie- und Culture-Clash-Elementen angereichert ist. Dabei ist die Stimmung betont düster und driftet nie groß in Richtung Comedy ab. Dieser Aspekt hebt „Black Rain“ letztendlich auch über vergleichbare Filme hinaus. Auch wenn sich Conklin und sein Partner Charlie Vincent (Andy Garcia) in dieser ihnen unbekannten Welt fremd fühlen, so siegt am Ende doch wieder einmal das amerikanische Draufgängertum. Dies war vermutlich nicht anders zu erwarten, doch letztendlich hätte ich mir ein wenig mehr Japan-Einfluss gewünscht. Immerhin müssen unsere Cops die Regeln dieser Welt auf schmerzhafte Art und Weise lernen, was für ein paar intensive Szenen sorgt.

Auch wenn ich den Film nun schon deutlich über zehn Jahre nicht mehr gesehen hatte, war mir seine Atmosphäre noch ziemlich präsent. Die Handlung dagegen hatte ich nicht mehr wirklich im Kopf, was wohl so einiges über den Film aussagt. Wer Lust am Actionkino der 80er Jahre hat und einen fantastisch fotografierten, aber nicht sonderlich innovativen Thriller sehen möchte, dem kann ich „Black Rain“ auch heute noch sehr ans Herz legen: 8/10 Punkte.

Blutgletscher (2013)

Nach einer ziemlich turbulenten Arbeitswoche ist auch der zweite Monat des Jahres fast schon wieder vorbei. Zum Start in ein langes Wochenende habe ich mir mit „Blutgletscher“ einen österreichischen Genrefilm angeschaut, der schon länger auf meiner Liste stand. Ob unsere Nachbarn den filmischen Vorbildern gerecht werden, lest ihr in der folgenden Besprechung…

blutgletscher

Regisseur Marvin Kren hat mit „Blutgletscher“ ziemlich eindeutig seine Version von John Carpenters „Das Ding aus einer anderen Welt“ geschaffen: eine abgelegene Forschungsstation, eine Gruppe von Wissenschaftlern und eklige Mutationen. Die Anleihen sind unverkennbar und doch besitzt „Blutgletscher“ durchaus eine gewisse Eigenständigkeit, die natürlich vom Lokalkolorit und den atmosphärischen Bildern lebt. Was den Erzählton angeht, schwankt Krens Horrorfilm zwischen Ernsthaftigkeit und Trash, was erstaunlich gut funktioniert. Wären die Charaktere ein wenig interessanter (leider kann nur Gerhard Liebmanns Janek überzeugen), dann hätte der Film durchaus mehr sein können als nur ein Monsterstreifen.

Es ist wirklich wunderbar zu sehen, wie hier handgemachte Effekte eingesetzt werden, die zwar ein wenig trashig wirken, dabei jedoch unglaublich effektiv sind. Unter diesem Aspekt funktioniert dieser österreichische Genre-Beitrag sogar besser als das CGI-lastige Prequel bzw. Remake „The Thing“ aus dem Jahr 2011: abstruse Monster in einer klassischen Horrorgeschichte, die vor dem Hintergrund des Klimawandels erzählt wird und dabei das für das Genre nötige Maß an Sozialkritik mitbringt. Zwar ist „Blutgletscher“ mehr eklig als spannend, geschweige denn unheimlich, doch ist dieser Umstand dem Unterhaltungswert kaum abträglich. Einzig ein paar Längen im Mittelteil schwächen den positiven Gesamteindruck ein wenig.

Insgesamt kann ich „Blutgletscher“ allen Genre-Freunden nur ans Herz legen. Das Rad wird zwar auch hier nicht neu erfunden, doch ist der Film auf jeden Fall erfrischender als die 08/15-Jump-Scare-Streifen aus der Traumfabrik. Bei der folgenden Wertung ist der nötige, erweiterte Lokalpatriotismus schon mit eingerechnet: 7/10 Punkte.

10 Cloverfield Lane (2016)

Heute habe ich einmal wieder einen Film gesehen, der brandneu im Programm von Amazon Prime erschienen ist – und das sogar im richtigen Bildformat. Tatsächlich stand „10 Cloverfield Lane“ schon lange auf meiner Liste und es war eine gute Gelegenheit, mir selbst eine Meinung zu dem Film zu bilden, der – speziell in Hinsicht auf sein Finale – wild diskutiert wurde. Alles Weitere in der folgenden Besprechung…

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J. J. Abrams hat es einmal wieder geschafft ein großes Mysterium um einen Film zu stricken: Nachdem er mit „Cloverfield“ einen Hype um Teaser, Trailer und jede neue Information zu dem Film geschaffen hatte, bleibt bei diesem ähnlich klingenden Werk die Frage offen, ob es sich nun um ein offizielles Sequel handelt oder der Titel nur zufällig gewählt wurde. Natürlich wurde er das nicht. Dies sollte allen Zuschauern auch bewusst sein, doch der nagende Zweifel schwingt eben immer mit. Nach „Super 8“ also ein weiterer Film aus seiner Schmiede Bad Robot, der im Vorfeld bewusst ungreifbar bleibt. Bei mir hat es funktioniert und ich war sehr gespannt auf das Ergebnis.

Inzwischen ist es auch ein offenes Geheimnis, dass der Film ursprünglich auf einem Drehbuch namens „The Cellar“ beruht und erst in der Vorproduktionsphase zu „10 Cloverfield Lane“ umgeschrieben wurde. Schaut man sich den Film an, ist diese Tatsache nicht weiter verwunderlich und ich kann mir ziemlich gut vorstellen, an welchen Stellen Abrams und Co. geschraubt haben, um den gewünschten Effekt zu erzielen. Die ersten 90 Minuten sind ein ziemlich dichtes Kammerspiel, in dem Mary Elizabeth Winstead, John Goodman und John Gallagher Jr. („The Newsroom“) zu brillieren wissen. Sehr dicht inszeniert, teils unerwartet humorvoll und zugleich extrem schockierend. Danach folgt die Auflösung, die mich keinesfalls überrascht hat, doch nicht so ganz zu dem vorherigen Film passen will. Ich verstehe die Diskussion darüber, jedoch kann eigentlich niemand behaupten damit nicht gerechnet zu haben.

Ich frage mich gerade, ob mir der Film als „The Cellar“ nicht besser gefallen hätte. Vermutlich hätte er das. Dennoch funktioniert er auch als Geschichte aus dem „Cloverfield“-Universum ziemlich gut, was jedoch hauptsächlich den Mystery- und Thriller-Elementen in den ersten beiden Filmdritteln zuzuschreiben ist. Regisseur Dan Trachtenberg schafft es eine extrem dichte Atmosphäre zu kreieren und die drei Schauspieler liefern exzellente Arbeit ab. Bis ins letzte Detail perfekt ist der Film nicht, doch ließ mich schon lange kein Thriller mehr so stark mitfiebern: 8/10 Punkte.

Manche mögen’s heiß – OT: Some Like It Hot (1959)

Ich sollte häufiger ins Theater gehen. Dadurch komme ich auch immer wieder dazu so manchen Filmklassiker nachzuholen. Vor ein paar Jahren hatte ich dies schon mit „Arsen und Spitzenhäubchen“ erlebt und nachdem ich gestern die Musical-Version gesehen hatte, wollte ich unbedingt den Vergleich zu Billy Wilders Original „Manche mögen’s heiß“ ziehen. Nach der Sichtung kann ich nur wieder feststellen, dass ich mich viel häufiger den Klassikern zuwenden sollte…

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Da die Musical-Fassung mit dem Titel „Sugar: Manche mögen’s heiß“ wohl nur den wenigsten bekannt sein dürfte, möchte ich gar nicht viele Worte dazu verlieren. Es sei nur soviel gesagt: Ich hatte meinen Spaß damit und sah Potenzial, dass eine filmische Inszenierung den Stoff noch einmal aufwerten könnte. Und so ist es tatsächlich. Es ist unglaublich, wie temporeich und gewitzt Billy Wilder diese Screwball-Komödie auf die Leinwand bringt. Die Actionszenen sind mitreißend und das Timing von Wortwitz und Slapstick absolut famos. Alles fügt sich zu einem runden Bild zusammen – und doch darf man nicht vergessen, dass der Film vor allem von seinen drei Hauptdarstellern getragen wird: Tony Curtis, Jack Lemmon und natürlich Marylin Monroe.

Tatsächlich musste ich während der Sichtung feststellen, dass dies wohl mein erster Film mit Marylin Monroe gewesen ist. Bisher kannte ich sie nur aus Dokumentationen und Geschichten, wie z.B. der Musical-Serie „Smash“, in denen sie als Ikone inszeniert wird. Sie passt perfekt in die Rolle der Sugar Kane ich kann gut verstehen, warum ihr Joe und Jerry (bzw. Josephine und Daphne) so schnell verfallen. Heutzutage wirken Travestie-Elemente in Komödien oft billig und sind ein Zeichen des flachsten Humors. In „Some Like It Hot“ dagegen macht dieser Themenschwerpunkt Sinn, sorgt für echte Lacher und ist wunderbar in die Geschichte eingewoben. Natürlich auch weil Tony Curtis und Jack Lemmon die beiden Damen einfach wunderbar mimen. Da kann sich so manche moderne Komödie die eine oder andere Scheibe abschneiden.

Ich bin wahrlich begeistert, wie frech und doch alles andere als platt Billy Wilder seine Geschichte erzählt. Ebenso davon wie ernst er seine Figuren trotz der irrwitzigen Ausgangssituation nimmt. Einfach famos. Auch habe ich mich gefreut, dass der Film bei Amazon Prime (im Gegensatz zu so manch anderen Filmen) tatsächlich im korrekten Bildformat (1,66:1) und im Orginalton läuft. Somit steht einer Sichtung, solltet ihr auch zu denjenigen gehören, die den Klassiker noch nicht kennen, nichts mehr im Wege. Also schleunigst anschauen, es lohnt sich: 9/10 Punkte.