Baby Driver (2017)

Was habe ich mich auf den neuen Film von Edgar Wright gefreut. Seit „Spaced“ und „Shaun of the Dead“ liebe ich den innovativen britischen Filmemacher. Selbst seine als schwächer angesehenen Filme, wie „The World’s End“, haben mir ausgezeichnet gefallen. Ich war also bester Dinge, mit „Baby Driver“ einen neuen Geniestreich zu sehen. Warum der Film meine Erwartung nicht erfüllen konnte, versuche ich in der folgenden Besprechung zu erklären…

Baby Driver (2017) | © Sony Pictures Home Entertainment

Baby Driver (2017) | © Sony Pictures Home Entertainment

Music Was My First Love

Während der Eröffnungssequenz war ich noch der festen Überzeugung, dass „Baby Driver“ das Zeug zu einem neuen Lieblingsfilm hat. Musik, Action und abgefahrene Charaktere. Seit „Ronin“ hatte ich keine so gelungene Autoverfolgungsjagd mehr gesehen. Dann die wunderbare Musical-Sequenz, in der Baby (toll gespielt von Ansel Elgort) durch die Straßen tanzt. Herrlich! Und dann ging es los mit der Geschichte. Die zuvor noch interessant wirkenden Figuren stellten sich ziemlich schnell als nervige Klischees heraus. In der Szene, in der Kevin Spacey allein mit Ansel Elgort im Aufzug zurückblieb hatte ich dann tatsächlich Gänsehaut. Aber aus anderen Gründen. Sehr unangenehm.

Die Musik als eigentlicher Star des Films hat mir gut gefallen, doch konnte keine Sequenz mehr an die Eröffnung anschließen. Sicher waren die Szenen wunderbar choreografiert, die Musik fabelhaft gewählt und die Montage makellos. Aber auf Dauer eben auch eintönig und, nunja, ziemlich selbstverliebt. Wright hat die Kombination aus Musik, Rhythmus und Schnitt ja bereits in „Hot Fuzz“, „Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt“ und Co. verwendet, doch dort gezielter und nicht so inflationär. Ja, ich weiß, dass dies das Konzept des gesamten Films ist und auch inhaltlich mit der Geschichte und der Hauptfigur verknüpft ist, doch irgendwie hat sich all das für mich dennoch künstlich und aufgesetzt angefühlt.

True Natural Born Romance Killers

Die aufkeimende Liebesgeschichte zwischen Baby und Debora hat mir in ihren Anfängen sehr gut gefallen, sich danach jedoch ziemlich vorhersehbar und lahm entwickelt. Überhaupt hatte ich den Eindruck, dass der Film ab der Hälfte unheimlich abbaut und letztendlich in einem antiklimaktischen Finale gipfelt, das einfach nur beliebig ist. Wirklich schade, um den gelungenen Einstieg in die Geschichte. Die Nebenfiguren rund um John Hamm, Jamie Foxx und Co. verkommen im Verlauf der Handlung leider auch immer mehr zu Abziehbildern. Dennoch gibt es ein paar nette Momente und absurde Komik. Wirklich lustig fand ich den Film jedoch nur selten.

Fazit

Wie ihr meiner obigen Besprechung bereits entnehmen konntet, hat mich „Baby Driver“ leider ziemlich enttäuscht. Ich hatte durchaus Spaß mit dem Film, doch konnte er meine hohen Erwartungen leider nicht erfüllen. Die erste halbe Stunde fand ich famos, doch danach hat sich der Film ziemlich in der Belanglosigkeit verloren. Kein schlechter Film, doch für mich mehr ein langgezogenes Musikvideo, das seine zwei besten musikalischen Sequenzen gleich zu Beginn verschossen hat. So leid es mir tut, doch insgesamt nur knapp überdurchschnittlich: 6/10 Punkte.

Boardwalk Empire – Season 5

Es ist vorbei. Unglaublich. Die letzten Episoden von „Boardwalk Empire – Season 5“  liegen hinter mir. Was für ein Abschied. Was für ein Finale. Der Claim der fünften Staffel trifft den Nagel auf den Kopf: No one goes quietly. Die abschließenden acht Episoden der HBO-Serie wirken in vielerlei Hinsicht anders als die vorherigen, doch gerade deshalb sind sie so beeindruckend. Der Kreis schließt sich. Kleinere Spoiler sind zu erwarten.

Boardwalk Empire – Season 5 | © Warner Home Video

Boardwalk Empire – Season 5 | © Warner Home Video

Wie wurde Enoch Thompson zu Nucky?

Egal ob wir uns diese Frage gestellt haben oder nicht, die letzte Staffel von „Boardwalk Empire“ gibt uns die Antwort. Aus den Fragmenten, die wir aus den vorangegangenen vier Staffeln kennen, haben wir schon ein recht gutes Bild der Ereignisse: Enoch wächst in armen Verhältnissen auf, sein Vater trinkt, das Verhältnis zu seinem Bruder ist angespannt. Irgendwann wird er Sheriff, seine Frau verliert das Kind und stirbt. Dann lernt er Gillian Darmody kennen und das Schicksal nimmt seinen Lauf. In der fünften Staffel bekommen wir genau diese Eckpfeiler durch Rückblenden erzählt. Dabei ist es wirklich erstaunlich, wie gut die beiden jungen Schauspieler den erwachsenen Nucky bzw. Steve Buscemi nachahmen. Auch wenn es nicht unbedingt nötig war, Nuckys langsames und doch bewusstes Abrutschen in den moralischen Verfall zu zeigen, so ist diese Darstellung gerade in der Kombination zu den Geschehnissen des Jahres 1931 wahrlich meisterhaft gelungen.

Auch in der Gegenwart der Serie entspinnt sich die Handlung packend weiter: Mit Lucky Luciano und Meyer Lansky sind die jungen Wilden endlich an der Macht und leben das auch deutlich aus. In Chicago erleben wir auch die Hochphase Al Capones, die speziell für Nelson Van Alden so einige Überraschungen bereithält. Auch Chalky White wird von der Vergangenheit eingeholt und muss sich seinen vergangenen Träumen stellen. Bleibt noch Nucky, der – immer mehr in die Ecke gedrängt – den Ausstieg bzw. neue Geschäftsmöglichkeiten sucht. Am Ende scheint er mit seiner Taktik auch erfolgreich gewesen zu sein. Doch seht selbst…

Warum faszinieren uns Gangster?

Wenn man sich mit Gangstern in Film und Fernsehen beschäftigt, dann steht diese Frage oft an erster Stelle. Gleich darauf folgt die These, dass Gangster glorifiziert würden und man ihnen deshalb verfällt. Auch wenn ich das nicht komplett verneinen möchte, so glaube ich jedoch, dass mehr dahintersteckt. Auch in „Boardwalk Empire“ gibt es kein Happy End für Nucky und Co. Nein, jeder – vom Emporkömmling bis zum großen Gangsterboss – findet ein unrühmliches Ende. Es bleibt nichts. Nur die Geschichten. Und sind diese es wert erzählt zu werden? Ich finde ja, denn im Mittelpunkt steht stets die Frage nach der Moral. Mit welcher Entscheidung kann ich leben? Wann ist die Grenze überschritten und wie weit kann ich diese schieben? Wie geht es den Menschen im Umfeld der großen Gangster? Gerade das serielle Erzählen ist hier ein Zugewinn, der „Boardwalk Empire“ viele zusätzliche Perspektiven ermöglicht. In meinen Augen steht die Serie dem großen anderen Gangster-Drama „The Sopranos“ in nichts nach, war popkulturell aber leider nie so relevant.

Mit der fünften Staffel hat die Serie ihr perfektes Ende gefunden und ich bin immer noch schwer beeindruckt, wie gut letztendlich alles zusammengepasst hat. Einzig ein wenig mehr Luft (also vielleicht ein, zwei Episoden) hätte dem Finale gut getan. Eine wirklich schwache Staffel hatte die Serie aber so oder so nicht zu bieten:

  1. „Boardwalk Empire – Season 2“ (9.8 Punkte)
  2. „Boardwalk Empire – Season 1“ (9.7 Punkte)
  3. „Boardwalk Empire – Season 5“ (9.5 Punkte)
  4. „Boardwalk Empire – Season 4“ (9.4 Punkte)
  5. „Boardwalk Empire – Season 3“ (9.3 Punkte)

Fazit

Wie ihr bereits den Besprechungen der letzten Staffeln entnehmen konntet, ist „Boardwalk Empire“ für mich eine wahre Ausnahme-Serie. Leider hat man ihr nie den Stellenwert eines „The Sopranos“ (auf einem Level) oder auch „Breaking Bad“ (in meinen Augen deutlich schwächer) zugesprochen. Wer den Gangsterfilm (speziell von Martin Scorsese oder Brian De Palma) mag, der wird diese Serie lieben. Für mich eine der großen, epischen Erzählungen in diesem Genre: 10/10 (9.5) Punkte.

Prädikat: Lieblingsserie

Anaconda (1997)

Nach einer sehr anstrengenden Arbeitswoche, durch die ich mich mehr schlecht als recht mit einer fiesen Erkältung geschleppt habe, stand heute der Kindergeburtstag unseres Zwergofanten auf dem Programm. Danach war ich so durch, dass ich fast im Kinderzimmer eingeschlafen wäre. Dennoch wollte ich unbedingt noch einen Film schauen und habe mich mit „Anaconda“ für das anspruchsloseste Werk entschieden, das ich im Regal finden konnte:

Anaconda (1997) | © Sony Pictures Home Entertainment

Anaconda (1997) | © Sony Pictures Home Entertainment

Wenn Jon Voight mit der Schlange tanzt

Luis Llosas Film ist kein Unbekannter. Bereits vor 20 Jahren habe ich ihn im Kino gesehen. 20 Jahre. Unfassbar. Ich konnte mich an nicht mehr viel erinnern und überlasse die Zusammenfassung deshalb lieber Filmschrott, der wie immer sehr unterhaltsam die Höhepunkte des Films wiedergibt. Ich dagegen konzentriere mich lieber auf die Wirkung dieses Tierhorror-Streifens: Der Film ist so unglaublich 90er, dass es schon fast erschreckend ist. Man ist ja inzwischen die Filmästhetik der 80er gewöhnt, doch auch das Jahrzehnt danach kann aus heutiger Sicht ganz schön angestaubt und seltsam wirken. Hat man wirklich ernsthaft solche Frauenfiguren geschrieben? Und was haben sich eigentlich Jon Voight und Owen Wilson bei ihren Darbietungen gedacht?

Fast schon positiv überrascht war ich dagegen von den Effekten, da Luis Llosa glücklicherweise nicht vollständig auf CGI setzt, das aus heutiger Sicht leider kaum noch zu ertragen ist, sondern tatsächlich viel mit Modellen arbeitet. In diesen Szenen macht der Film wirklich Spaß, wenngleich der Horror, der von der titelgebenden Anaconda ausgeht, auch nicht besonders erschreckend ist. Das hatte ich mir aber schon 1997 gedacht – und damals wie heute war es dem Unterhaltungswert glücklicherweise kaum abträglich.

Fazit

Nein, „Anaconda“ ist kein guter Film. Wer auf Tierhorror steht und einmal sehen möchte, was in den 90er Jahren – neben den großen Produktionen – im Kino so gang und gäbe war, der kann hier ruhig einmal reinschauen. Ich hatte meinen Spaß damit, wenngleich ich auch bezweifle, den Film in den nächsten 20 Jahren noch recht häufig zu sehen: 6/10 Punkte.

Boardwalk Empire – Season 4

Ist es nicht toll, wenn man sich so richtig in einer Serie verlieren kann? Dieses Gefühl hat „Boardwalk Empire – Season 4“ in den letzten zwei Wochen bei mir ausgelöst. Nachdem ich die vorherigen drei Staffeln in recht kurzer Zeit gesehen habe, betreibe ich für meine  Verhältnisse fast schon exzessives Binge-Watching, sprich ich schaue so gut wie jeden Abend eine neue Episode. Ob ich der Serie damit inzwischen schon überdrüssig geworden bin, erfahrt ihr in der folgenden Besprechung…

Boardwalk Empire – Season 4 | © Warner Home Video

Boardwalk Empire – Season 4 | © Warner Home Video

Das Ende ist nah…

Das vierte Jahr der Serie fühlt sich tatsächlich anders an als die vorhergehenden Staffeln und insbesondere auch als das dritte Jahr. Man merkt, dass sich die Autoren so langsam aber sicher darauf vorbereiten, die Erzählstränge ihrer Charaktere zu Ende zu führen. Teils geschieht dies auch schon innerhalb der vierten Staffel und ich fand es bemerkenswert, dass kaum eine Figur aus den Anfangstagen vergessen wurde. Manchmal hatte ich sogar das Gefühl, dass man manchen Erzählstrang durchaus schneller hätte abschließen können. Durch die perfekte Inszenierung und das lustvolle Spiel der Darsteller kommt jedoch nie Langeweile auf und ich hätte mir manchmal nur gewünscht, dass gewisse Charaktere (noch) mehr Zeit bekommen. Gerade auch weil das vierte Jahr für kaum eine der Figuren positive Entwicklungen bereithält.

Mit Dr. Valentin Narcisse (gespielt von Jeffrey Wright) gibt es einen neuen Gegenspieler in Atlantic City, der sich von Gyp Rosetti aus dem Vorjahr ziemlich unterscheidet. Ein Soziopath ist er dennoch. Speziell Chalky White hat unter Narcisse zu leiden, was seine Geschichte zu einer der interessantesten der Staffel macht. Mit Sally Wheet (gespielt von Patricia Arquette) betritt auch eine neue weibliche Figur die Bühne, die speziell im Schlagabtausch mit Nucky großartig ist. Überhaupt agiert Nucky in dieser Staffel eher im Hintergrund, was für ganz besondere Spannungen sorgt. Und der unterhaltsamste Handlungsstrang? Der gehört wohl Nelson Van Alden (gespielt von Michael Shannon) und schwankt zwischen Wahnsinn und Komik. Wer hätte gedacht, dass sich diese Figur über den Verlauf der Serie so extrem entwickelt?

Fazit

Zu Beginn der Staffel hatte ich mich tatsächlich  noch gefragt, ob sich die Autoren nicht ein wenig verrennen, indem sie jeden Charakter (z.B. Gillian Darmody oder Richard Harrow) auserzählen. Spätestens in den finalen Episoden kulminieren die Ereignisse jedoch, so dass alles Vorangegangene plötzlich Sinn ergibt. Wirklich unfassbar, was hier auf die Figuren und auch uns Zuschauer einprasselt. Was für ein Finale! Die verbleibenden acht Episoden dürften nun extrem spannend werden: 9/10 (9.4) Punkte.

Krieg der Götter – OT: Immortals (2011)

Vor knapp drei Monaten habe ich meinen neuen Fernseher mit Tarsem Singhs „The Fall“ eingeweiht und dabei einen wundervollen Film entdeckt. Daraufhin habe ich mir vorgenommen auch Singhs „The Cell“ einmal wieder zu sehen und seinen „Krieg der Götter“ nachzuholen. Letzteres habe ich heute tatsächlich getan. In voller Opulenz in 3D. Was kann da noch schief gehen?

Krieg der Götter (2011) | © Constantin Film

Krieg der Götter (2011) | © Constantin Film

Wenn „Kampf der Titanen“ auf „300“ trifft…

Diesen Gedanken hatten wohl die Produzenten des Films. Zack Snyders „300“ war ein veritabler Erfolg und auch der Mythologie-Actioner „Kampf der Titanen“ hat an der Kinokasse überzeugt. Warum also nicht den visionären Regisseur Tarsem Singh verpflichten und ihn ein Best-of der beiden Filme drehen lassen? Kann ja nicht viel schief gehen. Auch ich wurde durch viele durchwachsene Kritiken gewarnt, hatte jedoch noch Hoffnung. Singh wird es schon richten. Und manchmal sind ja selbst visuell herausragende Schlachtgemälde interessant. So dachte ich. Doch dann bekam ich GZSZ in der Antike. Mit hanebüchenen Dialogen, komplett verwirrenden Sprüngen in der Handlung und einer Charakterzeichnung, die einfach nicht vorhanden ist. Dazu noch ein Henry Cavill (ja, unser Superman aus „Man of Steel“) in der Hauptrolle, der wirkt als würde er sich in einer Schauspielklasse an Improvisation versuchen. Schade nur um John Hurt in einer völlig verschenkten Nebenrolle.

Ich hatte den Film wirklich schon komplett abgeschrieben, doch in den letzten 20 Minuten dreht Tarsem Singh noch einmal richtig auf. Dann bekommen wir endlich den Kampf Götter gegen Titanan zu sehen, auf den wir die ganze Zeit gewartet hatten. Hier spritzt das Blut in Zeitlupe und ja, das funktioniert in seiner völlig überstilisierten Gewaltdarstellung. Singhs Stil kommt auch davor in ein paar wenigen Szenen durch, die durchaus beeindruckend anzusehen sind. Jedoch hilft das auch nicht gegen das miese Drehbuch und die unsagbar langweiligen Dialogszenen zu bestehen.

Fazit

Ich bin wirklich guter Dinge an „Immortals“ herangegangen. In den Kampfszenen und Landschaftsaufnahmen überzeugt Tarsem Singhs Film auch erneut auf ganzer Linie. Doch der Rest der Geschichte versinkt in gepflegter Langeweile, dilettantischen Dialogen und einer konfus erzählten und doch unfassbar simplen Geschichte. Nein, das war leider wirklich nichts. Am besten wäre es gewesen, Singh hätte sich komplett auf die übertriebene Action konzentriert. Also schaut euch die letzten 20 Minuten an, dann habt ihr alle Highlights gesehen: 4/10 Punkte.

Boardwalk Empire – Season 3

Lange hat es gedauert, doch in den letzten Wochen war es endlich soweit und ich bin mit „Boardwalk Empire – Season 3“ nach Atlantic City zurückgekehrt. Kaum eine zweite Serie hat mich in letzter Zeit so begeistert und ich habe jede einzelne Episode wirklich genossen. Ob sich die HBO-Produktion nach dem nahezu perfekten zweiten Jahr noch einmal steigern konnte?

Boardwalk Empire – Season 3 | © Warner Home Video

Boardwalk Empire – Season 3 | © Warner Home Video

Der Wind in Atlantic City wird rauer…

Nach der Zweitsichtung der ersten und der zweiten Staffel, war ich der Welt der Roaring Twenties wieder komplett verfallen. Zudem war ich unglaublich gespannt, wie sich die Serie nach dem schockierenden Staffelfinale des Vorjahres entwickeln würde. Schon alleine die erste Episode ist ein Hochgenuss: Die Silvesterparty führt alle neuen Figuren gekonnt ein und zeigt uns eindeutig, wie die bereits bekannten Charaktere inzwischen zueinander stehen. Absolut großartig. Mit Giuseppe „Gyp“ Rosetti betritt auch der große Gegenspieler der Staffel die Bühne – und bereits sein erster Auftritt setzt den Ton für alles was noch kommt: komplett unberechenbar und überaus gefährlich. Das muss auch Nucky Thompson lernen, der gegen Ende der Staffel komplett an der Wand steht und nur noch reagieren kann.

Ich war tatsächlich erstaunt, wie wenig Jimmys Ableben letztendlich ins Gewicht fällt. Natürlich hinterlässt er eine Lücke, doch es passiert so viel Neues, dass sowohl Nucky als auch uns Zuschauern nicht viel Zeit bleibt, diesen Verlust zu verarbeiten. Kritischer fand ich dagegen Nuckys Entwicklung: Jimmys Ermordung wird in der dritten Staffel durch einen weiteren herzlosen Mord fast noch übertroffen. Vermutlich soll Nucky als besonders kaltblütig dargestellt werden, doch hat mir die Figur besser gefallen als sie sich noch mehr in der Grauzone bewegt hat und kein klassischer Gangster war. Dies ist jedoch nur ein kleiner Kritikpunkt, entwickelt sich doch auch sein Handlungsstrang auf packende Art und Weise weiter.

Fazit

Auch wenn die dritte Staffel von „Boardwalk Empire“ qualitativ nicht komplett an die ersten beiden Jahre anschließen kann, so bietet sie weiterhin großartiges Serienkino. Gleichzeitig fühlt sich die Staffel aber auch abgeschlossener an und ich hoffe, dass die Autoren für die letzten beiden Jahre noch ein großes, übergreifendes Thema in petto haben. Darauf einen Bourbon: 9/10 (9.3) Punkte.

Crimson Peak (2015)

Halloween! Zeit für den jährlichen Horrorfilm (letztes Jahr gab es übrigens „The Visit“). Es ist ja nicht so, dass ich mich nur einmal im Jahr dem Horror-Genre zuwende, doch an diesem Termin ist die Sichtung Pflicht – und dieses Mal hatte ich euch um Hilfe bei der Entscheidung gebeten:

Wie ihr seht, ist die Wahl auf „Crimson Peak“ gefallen, auf den ich spätestens seit meiner Lektüre von „Cabinet of Curiosities: My Notebooks, Collections, and Other Obsessions“ extrem Lust hatte. Ob er meine Erwartungen erfüllen konnte, lest ihr in der folgenden Besprechung…

Crimson Peak (2015) | © Universal Pictures Germany GmbH

Crimson Peak (2015) | © Universal Pictures Germany GmbH

Ein zum Leben erwachter Schauerroman

Während der ersten halben Stunde war ich noch davon überzeugt, mit „Crimson Peak“ eine neue Genre-Liebe entdeckt zu haben. Ich mochte die schwülstige Inszenierung, den leisen Humor und die Charaktere allesamt sehr gerne. Einzig die ersten Geistererscheinungen konnten mich nicht sonderlich überzeugen. Doch der Rest? Wahrlich famos! Und wie bereits Hauptfigur Edith Cushing (Mia Wasikowska) zu berichten wusste: ‚Ghosts are metaphors for the past.‘ Folglich hatte ich mich schon darauf eingestellt, weniger einen Gruselfilm zu sehen, als eine schaurige Romanze mit Horror-Anleihen. Und der Weg, den Guillermo del Toro zu beschreiten schien, konnte mich wirklich überzeugen.

Auch mit dem Wechsel des Schauplatzes von Amerika in ein verlassenes Herrenhaus nach England, wusste „Crimson Peak“ audiovisuell noch einmal alle Register zu ziehen. Fast schon übertrieben schaurig präsentiert Guillermo del Toro das viktorianische Anwesen, so dass man sich jeden Frame am liebsten an die Wand hängen würde. Überstilisiert und einfach wunderbar anzusehen. Doch was ist mir der Geschichte? Hier konnte mich der Film leider nicht überzeugen. Zwar mochte ich die düstere Romanze, die den Kern bildet, doch leider ist die Handlung so simpel gestrickt und ohne Überraschungen inszeniert, dass ich irgendwann nicht mehr mit den Figuren mitfühlen konnte. Das große Slasher-Finale gegen Ende war dann zwar nett anzusehen, doch hat es nicht zum stimmungsvollen Aufbau zuvor gepasst. Wirklich schade, denn nach dem famosen Einstieg bleibt nicht viel mehr als heiße Luft.

Fazit

Leider konnte „Crimson Peak“ meine an ihn gesetzten Erwartungen nicht erfüllen. Er sieht fantastisch aus und hört sich toll an, doch unter der schönen Oberfläche ist nicht wirklich viel zu holen. Er ist weder gruselig, noch konnte mich die Liebesgeschichte überzeugen. Da helfen leider auch Jessica Chastain und Tom Hiddleston nicht. Gerne hätte ich den Film mehr gemocht, doch so bleibt am Ende nur eine schöne Hülle. Wer nun dennoch neugierig ist, kann ruhig einmal reinschauen: 6/10 Punkte.

Repo Men (2010)

Nach unserer abenteuerlichen Lauf- und Fahrradrunde, war ich heute eigentlich zu platt für einen Film. Aber man will ja keinen Abend verschenken, weshalb ich „Repo Men“ in den Player geschoben habe. Der Film steht schon seit einer halben Ewigkeit auf meiner Liste und da ich die Blu-ray kürzlich für 2,99 Euro im Laden stehen sah, war es nun endlich an der Zeit. Ob der Preis für meine bis dato günstigste Blu-ray Disc dem Wert des Films entspricht?

Repo Men (2010) | © Universal Pictures Germany GmbH

Repo Men (2010) | © Universal Pictures Germany GmbH

Schnitzel, Schnetzel, Schabernack

Wie Stammleser inzwischen wissen sollten, liebe ich Dystopien. Egal ob „Soylent Green“ aus den 70ern oder „Gattaca“ aus den 90ern, das Genre hat es mir angetan. Auch die Rahmenhandlung von „Repo Men“ passt in diese Schiene, hält sie uns doch sozialkritisch einen Spiegel vor und reflektiert heutige Missstände durch überhöhte Sci-Fi-Elemente. Was soll da noch schiefgehen? Leider eine ganze Menge, denn Regisseur Miguel Sapochnik konzentriert sich leider auf ausgewalzte Actionszenen, die mit deftigen Gore-Einlagen angereichert sind. Dagegen habe ich normalerweise nichts, doch ist der Ton des Films so unfassbar zynisch und die Charaktere komplett verabscheuungswürdig, dass ich nicht wirklich am Fortgang der Geschichte interessiert war. Schade um die spannende Prämisse.

Mit Jude Law, Forest Whitaker und Liev Schreiber ist der Film exzellent besetzt und man merkt speziell Whitaker seine Spielfreude deutlich an. Wenn man sich doch nur etwas mehr auf die Handlung konzentriert hätte und weniger auf wildes Geschnetzel, dann hätte durchaus etwas daraus werden können. Die Optik der Welt ist nahezu 1:1 aus „Blade Runner“ übernommen (inklusive Werbe-Zeppelin mit Videotafel) und auch die anderen Sets wirken so, als hätte man sie schon dutzendfach gesehen. In einer unerträglich langen Montage inszeniert Sapochnik dann die Selbstverstümmelung unseres Liebespaares als Sexakt, was wohl unglaublich anspruchsvoll wirken soll, letztendlich aber nur anstrengend und gewollt ist. Spätestens beim darauffolgenden Happy Ende hatte ich mich schon darauf eingestellt, den Film komplett zu verreißen, doch das tatsächliche Finale hat dann doch wieder perfekt zum Rest des Filmes gepasst. Ziemlich gelungen, das muss ich leider zugeben.

Fazit

Es ist schwierig mit „Repo Men“. Die Prämisse finde ich nach wie vor faszinierend, es macht Spaß den Schauspielern zuzusehen und auch optisch hat der Film einiges zu bieten. Leider konnte ich mich mit dem zynisch-bösartigen Ton nicht so wirklich anfreunden und in nur wenigen Szenen funktionierten die satirischen Aspekte für mich. Das Ende fand ich dann aber doch wieder sehr gelungen, was die zuvor gesehene, ungare Mischung aus Blut, Action und fehlgeleitetem Humor aber auch höchstens auf Mittelmaß anhebt: 5/10 Punkte.

Life (2017)

Nach einer unfassbaren Woche, aus der man locker drei hätte machen können, bin ich abends mit fiesen Rückenschmerzen aufs Sofa gefallen. Einfach nur durch. Ich hatte Lust auf einen leichten und doch spannenden Film – und schob mit „Life“ somit den jüngsten Neuzugang meiner Sammlung in den Player. Spoiler sind zu erwarten.

Life (2017)

Life (2017) | © Sony Pictures Home Entertainment

Wenn sich „Alien“ mit „Gravity“ paart…

…erhält man „Life“. Das fasst den Film schon ziemlich gut zusammen. Tatsächlich erinnert der Look sehr an Alfonso Cuaróns bahnbrechendes Sci-Fi-Abenteuer „Gravity“, wobei die inhaltlichen Wurzeln auch ganz klar bei Ridley Scotts „Alien“ zu finden sind. Das alles ist folglich nicht sonderlich innovativ, aber effektiv erzählt und mitreißend inszeniert. Gerade die erste halbe Stunde vor der Konfrontation mit dem Monster, pardon, Calvin fand ich sehr stark. Nachdem mit Ryan Reynolds („Deadpool“) einer der beiden großen Stars schon recht bald das Zeitliche segnet, hat man zudem das Gefühl, alles könnte passieren. Was danach folgt, ist jedoch eher Monsterhatz nach Schema F.

So großartig „Life“ auch aussieht, so enttäuscht war ich letztendlich vom Monsterdesign. Zu Beginn schien noch alles möglich, doch dann bekommt diese seltsame Lebensform plötzlich ein Gesicht und letztendlich bleibt es bei einem Tentakelwesen, das uns Zuschauern bereits viel zu früh und zu beständig vor der Nase herumtanzt. Das Finale dagegen spielt ein wenig mit einem unzuverlässigen Erzähler bzw. unzuverlässiger Montage, ist für geübte Zuschauer aber keine Überraschung. Dennoch sind die letzten Bilder kraftvoll und passen zu der Stimmung, die der Film in den vorherigen 90 Minuten aufbaut.

Fazit

Insgesamt hat mir „Life“ wirklich gut gefallen. Eine echte Konkurrenz für seine beiden großen Vorbilder ist er aber nicht. Wer jedoch auf Space-Horror steht, dem kann ich den mitreißend inszenierten und mit durchaus spannenden Szenen aufwartenden Film auf jeden Fall empfehlen. Ein geradliniger Reißer, der auch gar nicht mehr sein will. Macht Spaß: 7/10 Punkte.

Es – OT: It (1990)

Freitagabend, Zeit für einen Film. Doch welchen nur? Da man als Filmfreund zurzeit kaum der aktuellen Adaption entfliehen kann, habe ich mich für die 1990er Verfilmung von Stephen Kings „Es“ entschieden. Die Kinder waren relativ früh im Bett, so dass wir dieses Mammutwerk getrost angehen konnten. Ursprünglich als TV-Zweiteiler ausgestrahlt, ist die heute zugängliche Fassung ein Film mit über drei Stunden Laufzeit. Ob er mich dennoch wachhalten konnte?

Es (1990)

Es (1990) | © Warner Home Video

Horror aus längst vergangenen Tagen

„Es“ war einer dieser Filme, die stets eine fast schon mythische Aura umwehte. Gespräche auf dem Schulhof, mysteriöse 18er Fassungen. Grusel, Horror, Panik. Ich kannte die Geschichte zunächst nur aus Erzählungen und als ich den Fernsehfilm vor inzwischen bestimmt 23 bis 25 Jahren zum ersten Mal sah, war ich davon wie gebannt. Und ich hatte richtig Angst. Tim Curry als Pennywise lehrte mir das Fürchten. Bereits damals mochte ich die erste Hälfte des Films lieber: diese wunderbare 1950er Jahre Atmosphäre. In diesen Szenen wirkt „Es“ wie der verschollene Bruder von „Stand by Me: Das Geheimnis eines Sommers“, mit dem King die Coming-of-Age-Erzählung perfektioniert hatte. Auch heute noch konnte ich mich daran kaum satt sehen. Gerade in Kombination mit dieser unbestimmten Horror-Atmosphäre ein echtes Erlebnis.

Der zweite Teil fällt dagegen ein wenig ab. Die erwachsenen Schauspieler sind zwar auch gut besetzt, jedoch wirkt die Geschichte hier sprunghafter und vor allem schwächer erzählt. Im Grunde lebt auch diese Zeitebene von den Erinnerungen an die 1950er Erzählung. Nostalgie in Filmform und das funktioniert tatsächlich ziemlich gut. Der Showdown dagegen ist an Lächerlichkeit kaum zu überbieten. Wirklich schade. Da bin ich nun schon sehr gespannt, was man in der 2017er Adaption bzw. deren Fortsetzung daraus gemacht hat. Und ich möchte nun auch endlich das Buch lesen. Soviel hat diese heutige Sichtung auf jeden Fall ausgelöst.

Fazit

Auch wenn die 1990er Verfilmung von „Es“ durchwachsen ist und man ihr den TV-Ursprung ansieht, so überwiegen für mich die positive Aspekte. Den Coming-of-Age-Teil liebe ich sehr und er transportiert das Gefühl auch in die zweite Zeitebene. Ein echtes Kind der 80er bzw. frühen 90er. Und wenn man damals damit aufgewachsen ist, dann fängt einen die dichte Atmosphäre auch heute noch ein: 8/10 Punkte.