Anaconda (1997)

Nach einer sehr anstrengenden Arbeitswoche, durch die ich mich mehr schlecht als recht mit einer fiesen Erkältung geschleppt habe, stand heute der Kindergeburtstag unseres Zwergofanten auf dem Programm. Danach war ich so durch, dass ich fast im Kinderzimmer eingeschlafen wäre. Dennoch wollte ich unbedingt noch einen Film schauen und habe mich mit „Anaconda“ für das anspruchsloseste Werk entschieden, das ich im Regal finden konnte:

Anaconda (1997) | © Sony Pictures Home Entertainment

Anaconda (1997) | © Sony Pictures Home Entertainment

Wenn Jon Voight mit der Schlange tanzt

Luis Llosas Film ist kein Unbekannter. Bereits vor 20 Jahren habe ich ihn im Kino gesehen. 20 Jahre. Unfassbar. Ich konnte mich an nicht mehr viel erinnern und überlasse die Zusammenfassung deshalb lieber Filmschrott, der wie immer sehr unterhaltsam die Höhepunkte des Films wiedergibt. Ich dagegen konzentriere mich lieber auf die Wirkung dieses Tierhorror-Streifens: Der Film ist so unglaublich 90er, dass es schon fast erschreckend ist. Man ist ja inzwischen die Filmästhetik der 80er gewöhnt, doch auch das Jahrzehnt danach kann aus heutiger Sicht ganz schön angestaubt und seltsam wirken. Hat man wirklich ernsthaft solche Frauenfiguren geschrieben? Und was haben sich eigentlich Jon Voight und Owen Wilson bei ihren Darbietungen gedacht?

Fast schon positiv überrascht war ich dagegen von den Effekten, da Luis Llosa glücklicherweise nicht vollständig auf CGI setzt, das aus heutiger Sicht leider kaum noch zu ertragen ist, sondern tatsächlich viel mit Modellen arbeitet. In diesen Szenen macht der Film wirklich Spaß, wenngleich der Horror, der von der titelgebenden Anaconda ausgeht, auch nicht besonders erschreckend ist. Das hatte ich mir aber schon 1997 gedacht – und damals wie heute war es dem Unterhaltungswert glücklicherweise kaum abträglich.

Fazit

Nein, „Anaconda“ ist kein guter Film. Wer auf Tierhorror steht und einmal sehen möchte, was in den 90er Jahren – neben den großen Produktionen – im Kino so gang und gäbe war, der kann hier ruhig einmal reinschauen. Ich hatte meinen Spaß damit, wenngleich ich auch bezweifle, den Film in den nächsten 20 Jahren noch recht häufig zu sehen: 6/10 Punkte.

34 Gedanken zu “Anaconda (1997)

  1. Jawollo. Macht halt einfach irgendwie Spaß. Horror kommt natürlich nicht im geringsten auf, aber man merkt eigentlich auch, dass das nicht unbedingt die Idee war. Es ist halt mehr einer dieser Horror-Action-Vertreter, die eben mehr auf Hektik aus sind, als auf Subtilität. Aber das funktioniert doch noch recht gut, auch dank des Casts, der zwar nicht gerade mit Koryphäen aufwartet, aber gerade dieses Overacting machts ja dann so unterhaltsam. Jon Voights Performance ist halt einfach unfassbar großartig drüber.

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    • Das ist dann wohl einer der seltenen Fälle, in denen wir uns tatsächlich einig sind. Ich hatte auch viel Spaß damit. Vielleicht auch, weil sich der Film eher ernst nimmt und nicht viel ironisch gebrochen wird. Das war damals noch nicht so und ist vielleicht ganz gut. Lässt alles noch mehr cheesy wirken. Kennst du eigentlich die Fortsetzungen?

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      • Ja, es ist nicht dieser gewollt lustige Trash, bei dem der Humor dann eh meist nicht funktioniert. Wir sind uns da halt auch einig, weil genau das ja meine Lieblinge unter den schlechten Streifen ist. Filme die sich ernst nehmen, obwohl sie einfach kompletter Humbug sind.
        Nee, die hab ich noch nicht gesehen aber hab sie tatsächlich hier im Regal. Wollte den eigentlich im Horrorctober bringen, aber der ist dann doch rausgeflogen. Vielleicht nächstes Jahr.

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      • Der lief im Kino? Hatte gedacht, dass der auch schon nur auf DVD kam. Aber erfogreich wird er wohl ohnehin nicht gewesen sein.

        Kennst du nebenbei eigentlich „Octalus – Deep Rising“ mit Treat Williams und Famke Jannsen? Der ist noch geiler als „Anaconda“.

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      • Ja genau. Da spielt ja auch der Vogel mit, der in der Mumie diesen bekloppten Typen spielt, der die Gegentruppe von Brendan Fraser in die Wüste führt. Der Film ist richtig geil. Und die Effekte sehen heute auch noch recht okay aus.

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      • Ich hab die DVD vor einiger Zeit für nen Euro Fünfzig oder so irgendwo geschossen. Da konnte ich nicht wiederstehen. Die Qualität ist mir dabei ja eh immer recht egal. Hauptsache der Film ist drauf. Nur die Hülle ist scheiße. So ein durchsichtiges Plastikding, wie sie früher gerne genutzt wurden, wo nach zweimal Discrausnehmen die Halterung zerbröselt. Ersetzt kriegt man die natürlich nicht und in eine normale Hülle passt das Cover nicht. Aber man kann eben nicht alles haben.

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      • Ja genau, so hießen die Dinger. Darin hatte ich damals auch „Pulp Fiction“. Da ist beim ersten Aufklappen direkt der Deckel abgebrochen. Schon geil die Teile. Sind genau so scheiße wie die Papphüllen, wo auch immer die Halterung auseinanderfällt und man dann nix machen kann. Ist schon gut, dass sich das jetzige Hüllenformat durchgesetzt hat.
        Ich vermute mal, dass der Film dann doch zu unbekannt für eine Neuauflage ist. Vielleicht gibts ja in UK eine erschwingliche Version.

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      • Ja, wobei bei BR hatte ich zumindest noch keine Hülle, die so instabil war wie die Dinger.
        Auch groß sind ja so manche Filmboxen. Beim „pink Panther“ beispielsweise haben sie einfach alle Filme auf einen Pin gesteckt und man muss immer erst alle DVDs rausnhemen, wenn man einen der späteren Filme sehen will. Oder meine Hitchcock Box, die so aussieht, als würde sie auseinanderfallen, wenn man sie nur anguckt und bei der man die DVDs so angeordnet hat, dass sie quasi über Kreuz liegen und man auch immer drei DVDs rausfuckeln muss, um einen bestimmten Film zu gucken. Teilweise ist das wirklich fürchterlich und ich habe schon so einige „Schlachten“ mit den Dingern geschlagen.

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      • Die Blu-ray-Cases mag ich auch ganz gerne. Nur die Öko-Hüllen nicht, bei denen diese Recycling-Löcher im Case sind. Schrecklich.

        So eine Stack-Box habe ich bisher glücklicherweise nur einmal. Geht mir aber auch auf den Zeiger. Da zahle ich lieber mehr und habe eine anständige Verpackung. Die Zeiten sind aber leider wohl vorbei. Was gab es früher für geile Digipaks! Jetzt kann man schon froh sein, wenn die Amaray einen Schuber bekommt.

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      • Ah jau, da hab ich auch ein paar von. Da wirkt die Hülle so „labrig“ als würde sie direkt durchbrechen, wenn man sie falsch anfasst.

        Ja, ich wäre da auch bereit ein paar Euro mehr hinzulegen. Ich bin auch nicht unbedingt scharf auf irgendwelche speziellen Boxen. Mir würde es auch reichen, wenn man einfach die ganz normalen Amarays im Schuber kommen und fertig. Da hat man auch nicht so ein ewiges Gefuckel bei jedem Film und kann sie zur Not sogar einzeln ins Regal ordnen (was bei meiner chronologischen Ordnung gar nicht so verkehrt wäre).
        Eigentlich gibt es nur eine Box, die ich wirklich gerne hätte, bei der ich aber leider damals den Kauf verpasst habe, als sie noch erschwinglich war (wobei die vom Aufbau vermutlich auch die Hölle ist): https://www.amazon.de/Anniversary-Boxset-Celebrating-Years-Python/dp/B002RL9A38/ref=sr_1_fkmr0_1?ie=UTF8&qid=1510962865&sr=8-1-fkmr0&keywords=monty+python+anniversary+box

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      • Ach, ich mag so spezielle Boxen schon recht gerne. Allen voran liebe ich die „Der Herr der Ringe“-DVD-Sammlerboxen und die „Der Hobbit“-Blu-ray-Pendants. Auch Nolans „Batman“-Trilogie oder die „Blade Runner“-Box mit allen Schnittfassung sind echt schick geworden. Nimmt alles leider nur viel Platz weg, dennoch schätze ich das sehr. Brauche ich nicht für jeden Film und es gibt in dem Bereich auch viel Schrott, doch manchmal darf es das schon sein… 🙂

        So wie die Monty-Python-Box, die macht auch wirklich was her.

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  2. Huch, schon beinahe unheimlich…..Grad gestern ist mir dieser Film bei Sky on Demand (darf ich das hier überhaupt sagen…?) untergekommen.
    Mir war war beim ersten Gucken – vermutlich kurz nach VHS/DVD Release – gar nicht aufgefallen, mit welche Stardichte wir es hier zu tun haben. Sogar Danny Trejo bietet sich sich zu Beginn als Schlangenfutter an. Voight, Wilson, Lopez usw. Für ein B-Movie reinsten Wassers wirklich nicht schlecht. Die Handlung na ja….Das kennt man ja alles irgendwie. Aber Ich finde, der Film schafft es eine Atmosphäre aufzubauen, die ein angenehmes Gruseln möglich macht. Ich konnte da gut eintauchen und fühlte mich ganz überwiegend gut unterhalten. Leider war der Showdown dann doch wieder so over the top, dass sich das Ganze eher ins Lächerliche verkehrt hat. Manchmal ist weniger eben mehr……

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    • Warum solltest du das hier nicht sagen können? 🙂

      Ja, es sind ziemlich viele Stars dabei. Mich hat auch geschockt, wie jung Danny Trejo noch wirkt. Kaum zu fassen.

      Die Atmosphäre und das Setting mochte ich übrigens auch sehr, das hat für mich letztendlich auch den Reiz des Films ausgemacht.

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    • Nicht wahr? Eine bunte Mischung aus Filmen, zu denen ich irgendeinen Bezug aus der Vergangenheit habe, und neuen Werken. Ständig im Wandel. Kaufen und Verkaufen. Ein großer, lebender Organismus… 😉

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  3. Die VFX sind grausig gealtert, gerade das Finale ist Pixelkrebs, das ist vergleichbar mit der Sharknado-Qualität von heute. Erinnere mich aber, dass das damals im Kino seiner Zeit „ganz okay“ ausgesehen hat. Mein Höhepunkt war ja bei meiner Wiederholungssichtung vor einigen Monaten der geschockte Blick der Panther-Puppe im Dschungel als sie die Anaconda erwischt. Großes Tennis.

    Voight finde ich in seiner theatralischen Art eigentlich ziemlich herrlich im Film. Der nimmt sich ohnehin selten wirklich ernst und scheint für jeden Spaß zu haben. Von Eric Stoltz hätte ich auch gerne mehr gesehen. Wertungstechnisch sind wir da nicht so weit entfernt – eben wieder den obligatorischen Punkt 🙂

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    • Ja, das CGI ist grausam. Aber eben auch schon 20 Jahre alt. Die Shots, in denen sie Modelle verwendet haben, funktionieren aber immer noch. Ansonsten sind wir uns hier tatsächlich recht einig, was natürlich auf den obligatorischen Punkt Unterschied rauslaufen muss… 😉

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  4. Pingback: Media Monday #334 | moviescape.blog

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