Boardwalk Empire – Season 1

Über die letzten Abende haben wir es tatsächlich geschafft ein paar Serienepisoden zu sehen – und das ohne sofort dabei einzuschlafen. Der HBO-Serie „Boardwalk Empire – Season 1“ ist es tatsächlich gelungen, mich auch unter diesen erschwerten Bedingungen bei der Stange zu halten. Ich wollte keine Sekunde verpassen und so genoss ich den kurzen Ausflug in das Atlantic City der 1920er Jahre stets in vollen Zügen. Dabei war ich anfangs skeptisch und hätte nicht erwartet von dieser Serie so gefesselt zu werden…

Boardwalk Empire - Season 1

Boardwalk Empire – Season 1 | © Warner Home Video

Der perfekte Gangsterfilm in Serie

Eine Serie, die in den 1920ern spielt und uns die Anfänge des organisierten Verbrechens zeigt? Diese Prämisse schien mir nicht sonderlich vielversprechend und ohne das Mitwirken Martin Scorseses (u.a. „GoodFellas“) und den überaus positiven Kritiken hätte ich wohl nicht in die Serie reingeschaut. Glücklicherweise habe ich mich dennoch zum Kauf der wahrlich fantastischen Blu-rays bewegen lassen und konnte die gesamte Serie somit nahezu am Stück genießen. Die Sogwirkung, die von „Boardwalk Empire“ ausgeht, ist wirklich enorm, was sich – obwohl die Serie langsam erzählt ist – durch die hohe Dichte an Ereignissen erklären lässt: In jeder einzelnen Episode passiert so unglaublich viel, da können manche Staffeln anderer Serien nicht mithalten. Füllerfolgen? Ein Fremdwort in Atlantic City.

Wenn man über „Boardwalk Empire“ schreibt, dann kommt man nicht umhin den Look und die Ausstattung der Serie zu erwähnen. Atlantic City sieht so unglaublich gut aus: Kostüme, Sets, Kameraeinstellungen und Montage. Die Serie ist ein audiovisueller Hochgenuss und jede einzelne Einstellung atmet großes Kino. Im Gegensatz zu anderen quasi-historischen HBO-Serien, wie „Rome“ oder „Game of Thrones“, hatte ich hier erstmals nicht das Gefühl, dass mit mehr Geld mehr möglich gewesen wäre. Der Gesamteindruck ist einfach nur rund. Dies trifft übrigens auch auf die durchaus vorhandenen Gewalt- und Sexszenen zu, die hier nicht so aufgesetzt, wie in den oben genannten Serien, wirken.

Wo sich die Gangstergrößen treffen

Handlung und Figuren der Serie sind angenehm komplex, doch bereits nach ein paar Episoden findet man sich in Nucky Thompsons (grandios gespielt von Steve Buscemi) Welt gut zurecht. Inhaltlich erinnert die Serie natürlich an „The Sopranos“, wenngleich sie andere Schwerpunkte setzt. Aufgrund der historischen Begebenheiten – nahezu jeder Charakter besitzt eine Entsprechung in der Realität – erlebt man als Zuschauer die Geburt der organisierten Kriminalität hautnah. Ob Al Capone oder Lucky Luciano, jede bekannte Gangstergröße der damaligen Zeit hat – aufgrund des besonderen Stellenwerts Atlantic Citys während der Prohibition – Geschäfte mit Nucky Thompson gemacht.

Fazit vom 24.11.2012

Meine Begeisterung dürfte an dieser Stelle schon deutlich geworden sein und ich freue mich sehr, dass die zweite Staffel bereits in meinem Regal steht und nur noch auf ihre Sichtung wartet. Danach wird der Entzug erst einmal hart, doch Ausnahmeserien, zu denen „Boardwalk Empire“ unzweifelhaft zählt, sollte man eben auch entsprechend genießen. Pflichtprogramm für alle Freunde des klassischen Mafia- oder Gangsterfilms und für alle anderen immerhin große Serienkino: 9/10 (9.4) Punkte.

Fazit vom 15.09.2017

Ihr habt es vielleicht gemerkt: Bisher habe ich es nicht geschafft, „Boardwalk Empire“ komplett zu sehen. Seit geraumer Zeit stehen doch bereits alle Staffeln im Regal und somit bin ich dieses Großprojekt endlich angegangen. Da ich mich an die ersten beiden Jahre jedoch nur noch bruchstückhaft erinnern konnte, habe ich die Serie noch einmal von vorne begonnen. Und was soll ich sagen? Ich bin abermals extrem begeistert. Sogar noch mehr als vor fünf Jahren. Hier stimmt einfach alles und es ist eine große Freude, Steve Buscemi und Co. in dieser lebendig gewordenen Vergangenheit beim Aufbau ihres Imperiums zuzusehen. Wahrlich großartig: 10/10 (9.7) Punkte.

21 Gedanken zu “Boardwalk Empire – Season 1

    • Es muss doch noch Luft für die zweite Staffel sein… 😉

      Davon abgesehen ist die Serie wirklich großartig und es würde sich vielleicht auch für dich lohnen, den HBO-Hass kurzfristig abzulegen oder hast du etwa schon reingeschaut?

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      • Unglaublich. Da fehlen mir die Worte. Mich hat „Broadwalk Empire“ so in den Bann gezogen, wie es seit „Six Feet Under“ keine andere Serie mehr geschafft hat. Alleine der inszenatorische Reichtum, die spannenden Figuren, die mitreißende Handlung. Wie kann man da nur abbrechen? Aber ist halt HBO… 😉

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      • Naja, es gibt ja auch genügend gute HBO-Serien wie „The Wire“ oder „Entourage“ im 3. und 4. Jahr.
        Ich fand die Figuren hier einfach uninteressant, allen voran Michael Pitt’s postraumatischer Kriegsheimkehrer. Aber auch Michael Shannon in einer Rollendarstellung, die ich schon aus „Revolutionary Road“ kannte und daher nur bedingt spannend fand, juckte mich wenig. Genauso Nucky Thompson.
        Letztlich ist die Serie irgendwie ja auch nur „The Sopranos“ in die 20er versetzt. Entsprechend dürfte das speziell allen „Soprano“-Fans gefallen.
        Wenn mich jedoch der Fortgang einer Geschichte oder der Figuren nicht interessiert, steig ich eben aus Serien aus. Bei der hier hatte ich nach Folge 5 schlicht die Hoffnung aufgegeben.
        Da schau ich lieber „Dexter“ oder „Sons of Anarchy“.

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      • „The Wire“ werde ich demnächst auch einmal angehen, doch davor steht noch „The Shield“ auf dem Programm. Mal sehen, ob wir da dann mal einer Meinung sind bei einer HBO-Serie… 😉

        Ich finde gerade Michael Pitts Jimmy Darmody höchst interessant, da er sich in einem nervenaufreibendem Spannungsverhältnis zwischen seinem Ziehvater (Nucky) und seinem tatsächlichen Vater (Commodore) befindet und gerade (Ende Season 1) alles auf einen großen Machtkampf hinausläuft. Auch Michael Shannon finde ich enorm gut. Ich sage nur Tauf-Mord. So eine absurd verstörende Szene habe ich schon lange nicht mehr gesehen. Und Steve Buscemi finde ich ohnehin klasse.

        Natürlich sollte man – wie auch bei „The Sopranos“ – ein Faible für Mafiageschichten haben, doch gerade die (pseudo-)historischen Bezüge finde ich hier äußerst spannend.

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  1. Halt dich bereit für die Höchstnote, denn Boardwalk Empire wird meiner Meinung nach von Staffel zu Staffel stärker. Ein gewisses Qualitätsniveau kann jeder Season mühelos bescheinigt werden, aber gerade die erste hatte mir nach überragendem Start doch ein paar Hänger drin. Vom Finale hatte ich mir damals auch mehr erwartet. S2 hatte da ein überzeugenderes Ende und S3 hält mich mit einem „Loose Cannon“-Charakter (noch mehr als Al Capone) bei der Stange.

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    • Das hört sich doch gut an! Das Finale dieser ersten Staffel lässt natürlich nur erahnen, wie es weiter geht. Der große Knall fehlt, doch gerade die Veränderung in der Figurenkonstellation fand ich vielversprechend und somit auch rundum gelungen.

      Noch mehr loose cannon als Al Capone? Vorfreude! Schade, dass es bis Season 3 noch etwas dauern wird…

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    • Ja, das Weiterschauen lohnt sich auf jeden Fall. Mich hat zwar schon die erste Episode begeistert, doch wird einem das große Ganze erst nach ein paar weiteren Folgen klar. Sag mal Bescheid, ob du der Serie noch eine Chance gibst…

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  2. Pingback: Review: Boardwalk Empire / 1. Staffel (Serie)

  3. Na da sind wir uns ja mal wieder erschreckend einig mit unserer Wertung! Ich habe mittlerweile schon die ersten paar Folgen der zweiten Staffel hinter mir, hatte hier zwar leichte Anlaufschwierigkeiten, bin aber mittlerweile der Serie auch wieder akut verfallen.

    Und Steve Buscemi macht seine Sache wirklich großartig, wenngleich ich ihn auch schon in der Vergangenheit in seinen Rollen höchst charismatisch fand!

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    • Wusste doch, dass ich bei dir schon einmal darüber gelesen hatte… 😉

      Mal sehen, ob ich heute Abend dazu komme, gleich mit der zweiten Staffel weiterzumachen. Schön wäre es schon, doch im Moment gibt es noch viel Papierkram (Kindergeld usw.) zu erledigen und alle paar Minuten nach dem Schreihals zu schauen. Aber ich bin guter Dinge, dass wir das bald gebacken kriegen.

      Steve Buscemi finde ich auch stets klasse und freue mich, dass er er endlich mal wieder zu einer richtigen Hauptrolle geschafft hat. Seine Auftritte in „Fargo“, „The Sopranos“ usw. sind mir auf jeden Fall in bester Erinnerung. Von „Living in Oblivion“ einmal ganz zu schweigen: toller Film!

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  4. Wieder eine Serie, die ich bewusst erstmal gemieden habe (vielleicht sogar gerade wegen Scorsese-Bezug). Aber es scheint ja wirklich sehr gut zu sein. Nur werd ich mir das auch nicht mehr ansehen, denke ich…einfach zu viele Serien und da muss Boardwalk Empire zurückstehen =/ Dieses Gangstermilieu interessiert mich schlichtweg einfach nicht so sehr (außer, wenn es die irische ist wie in The Black Donnellys ;)). Aber 9/10, das ist super, wünscht, ich hätte mal wieder so eine tolle Erfahrung mit einer Serie.

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    • Die Serie ist in der Tat exzellent. Staffel zwei führt die Geschichte übrigens herausragend weiter und ich freue mich auf jede einzelne weitere Episode. Soviel zur Schwärmerei. Dann sei dir noch gesagt, dass – auch wenn es Kontakte zur italienischen Mafia gibt – die Hauptfiguren irisch sind und sich das auch in diversen Szenen (z.B. Episode am St. Patrick’s Day) in den Vordergrund spielt.

      Übrigens: „The Black Donnellys“ wollte ich irgendwann auch noch einmal schauen…

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