Parasite – OT: Gisaengchung (2019)

Nachdem ich vergangenes Wochenende bereits den Versuch gestartet hatte, diesen Film zu sehen, war es heute endlich soweit. Zwar nur auf Blu-ray, da die UHD-Scheibe immer noch nicht will, doch wollte ich die Sichtung von „Parasite“ nicht noch länger aufschieben. Was der südkoreanische Oscar-Gewinner wirklich zu bieten hat, erfahrt ihr in der folgenden Besprechung… 🐜

Parasite (2019) | © Capelight Pictures

Parasite (2019) | © Capelight Pictures

Ein bitterböser Blick auf den Kapitalismus

Wie auch schon Bong Joon-hos „Snowpiercer“, oder der kürzlich gesehene „Der Schacht“, ist „Parasite“ ein Kommentar auf unsere heutige Welt. Geprägt von einem starken Gefälle zwischen Arm und Reich und dem Kapitalismus als zerstörerischen Motor. Im Gegensatz zu den beiden genannten Filmen, wirkt „Parasite“ zunächst ein wenig subtiler in seiner Botschaft. Teils wirkt er wie eine tiefschwarze Komödie, doch viel zu Lachen gibt es nicht. Am ehesten hat mich Bong Joon-hos Film an Jordan Peeles famosen „Wir“ erinnert und das nicht nur aufgrund der Menschen aus dem Keller bzw. dem Untergrund. Die Atmosphäre und ja, auch der ungewöhnliche Score haben diese Assoziation bei mir geweckt. „Parasite“ bleibt jedoch realistischer in seiner Ausgestaltung, auch wenn er häufig künstlerisch überhöht wirkt.

Bong Joon-hos und Han Jin-wons Drehbuch besitzt so viele kluge Aspekte, welche die Probleme unserer Welt wunderbar auf den Punkt bringen. Alleine der Monolog des Vaters, der klar macht, dass man sich auf seiner sozialen Stufe keine Planbarkeit erlauben kann, ist unfassbar bitter. Oder der Fokus auf den Geruch bzw. Gestank von Armut, was an Abfälligkeit kaum zu überbieten ist. Der Punkt, dass sich am Ende der Nahrungskette bis auf das Blut bekriegt wird, nur um ein paar Kuchenkrümel abzubekommen. Dazu der krasse Kontrast zur Familie des Hausherren. Alleine schon die Dekadenz der Geburtstagsfeier. Starke Bilder und, auch gerade im übertragenen Sinne, ebenso starke Motive, die sich durch den kompletten Film ziehen.

Das schöne Mediabook enthält übrigens ein lesenswertes Essay über Paratisen im Film und natürlich speziell in diesem:

Fazit

„Parasite“ ist kein angenehmer Film. Er ist unterhaltsam, aber eben nicht auf entspannte Art und Weise. Und das ist gut so. Er macht einen großen Themenkomplex auf, bietet für diesen keine Lösung, legt den Finger aber schmerzhaft in die Wunde. Und bohrt darin herum. Definitiv ein Film, über den ich noch häufiger nachdenken werde: 9/10 Punkte.

The Signal (2014)

Was für eine Woche. Irre. Die Infektionszahlen steigen enorm, das Winterhalbjahr scheint genau so zu werden, wie befürchtet. Was hilft? Natürlich Eskapismus in Form von Filmen und Serien. Nachdem die UHD Blu-ray von „Parasite“ nicht wollte, habe ich zu „The Signal“ gegriffen, der bereits länger ungesehen im Regal stand. 📶

The Signal (2014) | © Capelight Pictures

The Signal (2014) | © Capelight Pictures

Gekonnt inszenierte Low-Budget-Sci-Fi

Regisseur William Eubank ist mir zuletzt mit „Underwater“ aufgefallen, einem durchaus unterhaltsamen Unterwasser-Thriller. Sein Vorgängerwerk „The Signal“ hat jedoch deutlich mehr zu bieten. Der Film erinnert an andere Low-Budget-Vertreter des Genres, die ihren Regisseuren den Sprung auf die große Leinwand ermöglich haben. Speziell an Gareth Edwards „Monsters“ musste ich denken. Auch aufgrund der wunderbaren Road-Trip-Atmosphäre und den Beziehungen der Figuren zueinander. Nach der ersten halben Stunde kommt ein großer Bruch und die zweite halbe Stunde entwickelt sich zu einem Paranoia-Thriller, der wirklich unter die Haut geht. Mit den offensiv ausgespielten Sci-Fi-Elementen entwickelt sich der Film letztendlich fast schon zu einer Superheldengeschichte. Wahrlich eine interessante Mischung.

Am beeindruckendsten fand ich wohl die Inszenierung, denn „The Signal“ sieht extrem gut aus. William Eubank hat ein gutes Auge für Bilder und weiß auch Effekte sehr, nunja, effektiv einzusetzen. Inhaltlich verliert das letzte Drittel ein wenig, doch die Auflösung konnte mich dann wieder überzeugen. Selbst wenn sie nicht sonderlich überraschend oder logisch war. Sie hat aber zum restlichen Film gepasst, der seine dichte Atmosphäre bis zur letzten Einstellung durchgezogen hat.

Fazit

Wer nicht immer die ganz große Materialschlacht braucht, der bekommt mit „The Signal“ einen wunderbaren, kleinen Sci-Fi-Thriller zu sehen. Sicher nichts für die Ewigkeit, doch für gut 90 Minuten sehr unterhaltsam: 7/10 Punkte.

Der Schacht – OT: El Hoyo (2019)

Nach einem recht angespannten Samstag, der nur durch einen kurzen Lauf am Abend aufgelockert wurde, habe ich einen ebenso angespannten Film ausgesucht. Die spanische Netflix-Produktion „Der Schacht“ hat mich durch seine High-Concept-Prämisse überzeugt und ich war gespannt, was Regisseur Galder Gaztelu-Urrutia aus der interessanten Idee gemacht hat. 🥓🥘🥗🥔🥞

Der Schacht (2019) | © Netflix

Der Schacht (2019) | © Netflix

Wenn „Cube“ auf „Snowpiercer“ trifft

Tatsächlich hat mich der Film über weite Strecken stark an Vincenzo Natalis „Cube“ erinnert. Der eingeschränkte Schauplatz, die immer gleichen Räume, die Bewegung der Plattform und vor allem die allesamt unausstehlichen Figuren. Inhaltlich dagegen ist „Der Schacht“ ebenso wie Bong Joon-hos „Snowpiercer“ eine Allegorie auf den Kapitalismus bzw. unsere Klassengesellschaft. Dabei geht Galder Gaztelu-Urrutia nicht sonderlich feinfühlig vor, sondern prügelt das Bild ziemlich direkt durch die Geschichte. Fressen oder gefressen werden. Die Scheiße fließt wortwörtlich von oben nach unten. „Der Schacht“ ist dreckig und abstoßend, dabei aber auch ziemlich effektiv in seiner Bildsprache.

Weniger gut hat für mich die weitere Überhöhung funktioniert. Wenn Goreng zum Messias stilisiert wird und das Kind am Ende die Rettung sein soll? Das war mir zu viel Geschwurbel. Ich habe nichts gegen offene Enden und auch „Cube“ besitzt letztendlich ein sehr vergleichbares, das aufgrund seiner Direktheit aber deutlich besser funktioniert. Hier dagegen habe ich es fast schon so empfunden, als hätten die Autoren nicht wirklich gewusst, wie sie die Geschichte zu Ende bringen sollen.

Fazit

Auch wenn „Der Schacht“ kein perfekter Film ist, so ist er doch wirklich bedrückend und besitzt eine ganz eigene Atmosphäre. Nichts für zimperliche Gemüter und sicherlich auch nicht die Laune steigernd. Für Genre-Fans auf jeden Fall eine Empfehlung, gerade wenn man auf High-Concept-Ansätze steht: 7/10 Punkte.

Freies Land (2019)

Mitte September und ein Wetter wie im Hochsommer. Das habe ich nicht nur für einen weiteren Lauf genutzt, sondern auch für einen Nachmittag im Garten. Abends wurde es dann jedoch der Jahreszeit entsprechend kühl, weshalb wir uns auf das Sofa begeben haben. Im Gegensatz zu gestern allerdings ohne Kinder. Auf Empfehlung von Andy vom Nerdtalk habe ich „Freies Land“ zum Film des abends erkoren. Auch weil wir momentan die Serie „Sløborn“ schauen, die ebenfalls von Christian Alvart inszeniert wurde. Was der Film zu bieten hat, erfahrt ihr in der folgenden Besprechung…

Freies Land (2019) | © Euro Video

Freies Land (2019) | © Euro Video

Fast eine Atmosphäre wie in „True Detective“

Bei „Freies Land“ handelt es sich um ein Remake des spanischen Thrillers „La isla mínima“ oder „Mörderland“. Wenn man dies allerdings nicht weiß, dann scheint die Geschichte des Films wie für die deutsche Nachwendezeit geschrieben. Auch wenn ich das Original nicht kenne, so muss ich Alvart jedoch für die Adaption loben. Sein Mecklenburg-Vorpommern des Jahres 1992 wirkt unfassbar trist und bedrohlich. Wenn ich „Freies Land“ mit einem ähnlichen Film oder einer Serie vergleichen wollte, dann würde ich die erste Staffel von „True Detective“ heranziehen. Die Atmosphäre ist ähnlich dicht und teils hypnotisch, was nicht nur den famosen Bildern, sondern auch dem eindrucksvollen Klangteppich zu verdanken ist.

Inhaltlich bietet „Freies Land“ mitreißende und doch etwas konventionelle Krimikost. Der Film lebt von seiner dichten Atmosphäre, welche wunderbar durch die detailverliebte Ausstattung und die perfekt gecasteten Schauspieler unterstützt wird. Auch die Handlung hat mich am Ball gehalten und ich habe jede Sekunde mit unseren (Anti-)Helden mitgefiebert. Das Finale wirkte fast schon ein wenig abrupt, doch hat es in dieser nüchternen Form auch zum Film gepasst. Nachdem mich Christian Alvart bereits mit dem Sci-Fi-Schocker „Pandorum“ zu begeistern wusste, hat er mit „Freies Land“ abermals sein Talent unter Beweis gestellt. Auch in „Sløborn“ kann man seinen Stil erkennen und ich bin schon auf den Rest der Serie gespannt.

Fazit

Wer einmal wieder Lust auf einen klassischen Krimi hat und sehen will, was das deutsche Kino kann, der sollte ruhig mal einen Blick auf „Freies Land“ werfen. Auch wenn es sich nur um ein Remake handelt. Mich hat der Film sehr positiv überrascht: 8/10 Punkte.

Wir – OT: Us (2019)

Auch wenn ich kein schwarzes Quadrat gepostet und mich nicht zu #BlackLivesMatter geäußert habe, so habe ich in den vergangenen Tagen viel über institutionellen Rassismus gelesen und gelernt. Auch die heutige Filmwahl ist davon beeinflusst, denn in vielen Filmen und Serien sind Schwarze nur Nebenfiguren. Nachdem ich Jordan Peeles „Get Out“ schon famos fand, erhoffte ich mir auch von „Wir“ so einiges. Und ja, mir ist bewusst dass meine Filmwahl kein Betrag ist. Dennoch war sie mir wichtig. Spoiler sind zu erwarten.

Wir (2019) | © Universal Pictures Germany GmbH

Wir (2019) | © Universal Pictures Germany GmbH

Jordan Peele: Ein Meister des modernen Horrors

Nachdem man „Get Out“ am ehesten noch als satirische Horror-Parabel auf Rassismus lesen konnte, so ist die Lage bei „Wir“ nicht ganz so eindeutig. Der Film ist offener und fühlt sich größer an. Er lässt mehr Interpretationsspielraum und ist dadurch auch weniger gut zu greifen. Wenn man sich die Bewertungen so anschaut, hat „Wir“ fast überall schlechter abgeschnitten als sein Vorgänger im Geiste. Ich bin mir jedoch ziemlich sicher, dass er mir stärker im Gedächtnis bleiben wird. Eben weil er offener ist und ich in den nächsten Tagen viel über die Handlung und die Details der Geschichte nachdenken werde. Ein Horrorfilm, wie ich ihn liebe.

Da stellt sich sogleich die Frage: Ist „Wir“ ein Horrorfilm? Er besitzt die typischen Elemente des Genres. Es gibt sogar ein paar Jump-Scare-Effekte, welche jedoch nie platt und unbedacht eingesetzt werden. Jordan Peele findet großartige Bilder, die sich in das Gedächtnis der Zuschauer brennen und der Score des Films ist einfach meisterhaft verstörend. Trotz der durchaus eingehaltenen Genre-Konventionen, ist „Wir“ teils unfassbar lustig und in seiner Brutalität nie selbstzweckhaft.

Doppelgänger ohne Griff in die Klischeekiste

Inhaltlich mag es gegen Ende so wirken, als würde sich Peele ein wenig im Untergrund verrennen, doch letztendlich hatte er den Ursprung seiner Doppelgänger bereits in der ersten Texttafel angekündigt. Wieso er die Gesellschaft auf diese Weise spiegelt, hat sich mir noch nicht ganz erschlossen, aber schon jetzt fallen mir etliche Möglichkeiten der Interpretation ein. Zudem mochte ich, dass die Geschichte ohne das typische Evil-Twin-Klischee ausgekommen ist. Sprich es wird nicht stets damit gespielt, dass man als Zuschauer (oder einer der Charaktere) nicht weiß, ob eine Figur nun die gute oder die böse Variante ist. Bis eben zum Finale, das ich so nicht habe kommen sehen. Lupita Nyong’o spielt einfach nur erschreckend gut. Der Wahnsinn.

Fazit

„Wir“ ist kein einfacher Film. Oberflächlich betrachtet ein recht typischer Home-Invasion-Thriller, der uns gegen Ende aber wortwörtlich in den Kaninchenbau führt. Ich fand ihn auf vielen Ebenen wirklich unheimlich und freue mich jetzt schon darauf, mich tiefer mit dem Film zu beschäftigen: 9/10 Punkte.

Searching (2018)

Der zweite Tag des langen Wochenendes ist bereits vorbei. Nachmittags haben die Kids und ich Räder geputzt und gegen Abend bin ich mit dem Zwergofanten noch zu einem Erkundungsspaziergang in den Wald aufgebrochen. Nach dem Abendessen gab es noch eine kurze Runde Xbox und im Anschluss haben wir die Kids zu ihrem selbst erwählten Nachtlager auf dem Dachboden gebracht. Somit war es bereits kurz vor 21 Uhr, bis wir mit „Searching“ einen Film in den Player geschoben haben… 💻👨‍💻

Searching (2018) | © Sony Pictures Home Entertainment

Searching (2018) | © Sony Pictures Home Entertainment

Die Form steht hier (zurecht!) im Mittelpunkt

Ich hatte im Vorfeld meiner Sichtung schon viel Gutes über „Searching“ gelesen. Dennoch war ich sehr skeptisch, ob mich ein gesamter Film, der nur über Geschehnisse am Bildschirm erzählt wird, packen können würde. Dies hat Regisseur Aneesh Chaganty jedoch gekonnt aufgelöst, indem er uns in den ersten 10 Minuten durch das Leben von Familie Kim inklusive aller Lebenshöhepunkte und Schicksalsschläge führt. Emotional unfassbar stark und ich musste, trotz des unterschiedlichen Genres und einer komplett anderen Inszenierung, an die ersten Minuten aus Pixars famosem „Oben“ denken. Auch im weiteren Verlauf ist die ungewöhnliche Form nicht störend, sondern eher spannend. Und unglaublich immersiv. Dies habe ich vor allem nach dem Film gemerkt, als ich mich selbst an den Computer gesetzt habe. Sofort war dieses vertraute Gefühl wieder da. Wirklich sehr stark eingefangen.

Inhaltlich erleben wir eine ziemlich klassische Kriminalgeschichte, die mit der einen oder anderen Wendung zu überraschen weiß. Auch wenn diese teils ein wenig an den Haaren herbeigezogen wirkt, so gibt es für jedes Setup doch ein Payoff und die Details passen wie Puzzle-Teile zusammen. Dennoch ist die Form des Film zweifellos das Element, was ihn so besonders macht. Und ja, ich bin wirklich begeistert. Oft wird über mangelnde Innovation gejammert und „Searching“ ist innovativ. Und nicht nur das, er ist auch smart erzählt. Wenn der Vater (gespielt von John Cho) eine Nachricht wieder löscht und umformuliert, dann sagt das unglaublich viel über die Figur und ihre Beziehung zum Empfänger bzw. der Empfängerin aus. Man merkt dem Film an, dass sich die Autoren und der Regisseur viel Mühe gegeben und auf die Details geachtet haben. Sehr beeindruckend.

Fazit

Ich hätte nicht vermutet, dass mich „Searching“ so komplett begeistern würde. Auch wenn im Grunde nur eine teils übertriebene Kriminalgeschichte erzählt wird, so hat man die Umsetzung in dieser Art und Weise noch nicht gesehen. Einfach nur famose Unterhaltung: 9/10 Punkte.

Paprika – OT: Papurika (2006)

Ich habe heute beinahe den gesamten Tag an der frischen Luft verbracht. Das war toll! Erst ein wenig auf der Terrasse lesen, draußen das Mittag- und Abendessen genießen und dazwischen ein 9-km-Spaziergang durch die Wälder. So kann man es aushalten. Um nicht zu sagen traumhaft. Und so sollte es mit „Paprika“ auch weitergehen… 🎎

Paprika (2006) | © Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH

Paprika (2006) | © Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH

Ein wahrlich traumhafter Animationsfilm

Ich habe vielerorts gelesen, dass „Paprika“ die intelligentere Version von „Inception“ sei. Ja, man kann diese Parallele ziehen, doch warum nicht auch noch „The Cell“ ins Rennen schicken, denn auch darin geht es um die Manipulation von Träumen. Die Grundidee ist somit ähnlich, doch davon abgesehen haben die Filme nicht viel gemein. Mich hat Satoshi Kons Anime eher an „The Congress“ erinnert. Speziell was die komplett überbordende Visualität angeht. Auch „Paprika“ wirkt oft wie ein Rausch, welcher jedoch inhaltlich in der Traumwelt verankert deutlich mehr Sinn macht als in Ari Folmans Sammelsurium wildester Ideen.

Audiovisuell ist „Paprika“ eine Wucht. Gerade die Übergänge in den Traumszenen sind beeindruckend. Es gibt so viel zu sehen und zu entdecken. Einfach nur bombastisch. Inhaltlich kann der Film leider nicht komplett mithalten, bekommt man letztendlich nur einen Thiller mit 08/15-Bösewicht zu sehen. Die formalen Aspekte sind jedoch so beeindruckend, dass diese den Animationsfilm auf ein deutlich besseres Niveau heben. Zudem mochte ich die Figuren, die allesamt ziemlich charismatisch sind.

Fazit

„Paprika“ ist ein recht ungewöhnlicher Animationsfilm, den man in erster Linie einfach nur genießen sollte. Die Geschichte wirkt anfangs noch komplex, entpuppt sich letztendlich aber als recht banaler Sci-Fi-Thriller. Das macht aber nichts, denn die traumhafte Atmosphäre ist wahrlich kongenial eingefangen: 8/10 Punkte.

Misery (1990)

Nachdem ich vor ein paar Wochen meine Top 5 der besten weiblichen Bösewichte aufgestellt habe, wurde ich darauf hingewiesen, dass doch Annie Wilkes fehlen würde. Daraufhin musste ich zugeben, dass ich „Misery“ bisher noch nicht gesehen hatte, was ich mit der heutigen Sichtung jedoch endlich geändert habe…

Misery (1990) | © MGM

Misery (1990) | © MGM

Welch wunderbar schauriges Kammerspiel

Auch wenn ich die Verfilmung des Stephen-King-Romans bisher noch nicht gesehen hatte, so kannte ich jedoch die Versatzstücke ihrer Handlung. „Misery“ gehört eben zu jenen Filmen, die sich zurecht ihren Platz in der Popkultur gesichert haben. Auch das grundlegende Thema des hilflosen Gefangenen, der plötzlich zurückkehrenden Peinigerin und auch viele andere Motive sind weithin bekannt. Rob Reiners Film ist jedoch so etwas wie der Archetyp für Filme nach diesem  Strickmuster. Eben das Original. Mit James Caan und besonders Kathy Bates ist „Misery“ herausragend besetzt. Neben ein paar durchaus wichtigen Nebenfiguren tragen sie die Geschichte auch komplett alleine. Der sich langsam steigernde Horror wird von Rob Reiner perfekt eingefangen und ist neben den großartigen Schauspielleistungen eindeutig seiner stilsicheren Inszenierung zuzuschreiben.

Der gemächliche Spannungsaufbau ist wahrlich Beispielhaft und ich musste häufiger an andere Genre-Klassiker, wie z.B. „Der weiße Hai“, denken. Die schneebedeckten Berge Colorados steuern zudem viel zur dichten Atmosphäre bei. Am Ende war ich doch beinahe überrascht wie positiv der Film doch für den Autoren Paul Sheldon ausgeht. Auch wenn „Misery“ oft fies und hinterhältig ist, so lässt der Film den Zynismus heutiger Genre-Filme vermissen. Für mich durchaus positiv, zumal sich der psychologische Horror auch bei der Hauptfigur bis weit nach dem eigentlichen Ende der Geschichte trägt.

Fazit

Ich bin wirklich froh, diesen Klassiker des Horrorkinos nachgeholt zu haben. Letztendlich ist er ein Kammerspiel, in dem die Spannungsschraube langsam und bedächtig, aber auch stetig und ohne Gnade, angezogen wird. Nun gibt es endlich auch von mir eine dicke Empfehlung: 9/10 Punkte.

Skyscraper (2018)

Nachdem ich am heutigen Brückentag ausnahmsweise arbeiten war, stand mir abends der Sinn nach entspannter Unterhaltung. Mit „Skyscraper“ ist einmal wieder ein 3D-Film in den Player gewandert – und was soll ich sagen? Auf audiovisueller Ebene hat das Action-Krampf ziemlich gut funktioniert. Davon abgesehen? Lest selbst… 🏢🤯

Skyscraper (2018) | © Universal Pictures Germany GmbH

Skyscraper (2018) | © Universal Pictures Germany GmbH

„Stirb langsam“ für die YouTube-Generation

Okay, okay. Diese Aussage ist schon fast schon zu abwertend und wird dem Film nicht wirklich gerecht. Ein wenig Wahrheit ist aber durchaus dran. Im Grunde bekommen wir das gleiche Setting präsentiert, wie im ersten „Stirb langsam“-Film: Ein einsamer Kämpfer muss sich in einem topmodernen Hochhaus mit diversen Bösewichten herumschlagen. Nur dass der damals geerdete und verletzliche Bruce Willis durch den Übermenschen Dwayne Johnson ersetzt wurde. Entsprechend wurden auch alle anderen Elemente des Films auf 11 gedreht: das Hochhaus, die Technik und die Effekte. Einzige der Gewaltlevel bleibt recht familienfreundlich. Das alles mag nun nicht sonderlich verlockend klingen, doch hatte ich wirklich viel Spaß mit der völlig übertriebenen Action.

An der Seite von Dwayne Johnson spielt Neve Campbell (habe ich sie seit „Scream 4“ überhaupt einmal wieder gesehen?) und ihre Figur macht ebenfalls keine Gefangenen. Sehr sympathisch. Überhaupt ist der Ton des Films recht gelungen, sprich er nimmt sich ernst genug, um nicht in völligen Schwachsinn abzudriften, ist dabei aber humorvoll genug, um eine gewisse Selbstironie zu beweisen. Da funktioniert dann selbst der berühmte Sprung vom Baukran ins brennende Hochhaus.

Fazit

Für einen entspannten Filmabend kann „Skyscraper“ eine ziemlich perfekte Wahl sein. Wenn man eben mit den richtigen Ansprüchen an ihn herangeht. Das 3D hat den Film in meinen Augen noch einmal aufgewertet, was wohl auch zeigt, dass hier vor allem die Schauwerte im Mittelpunkt stehen. Aber auch das reicht manchmal vollkommen aus: 6/10 Punkte.

Game Night (2018)

Die kurze, aber knackige Arbeitswoche ist vorbei! Nachdem das letzte Wochenende aus Gründen ohne Filmsichtung geblieben ist, habe ich heute „Game Night“ in den Player geschoben. Erwartet habe ich eine witzige, anspruchslose Komödie und die bekam ich tatsächlich auch zu sehen…

Game Night (2018) | © Warner Home Video

Game Night (2018) | © Warner Home Video

Lasset die Spiele beginnen!

Wo fange ich an? „Game Night“ ist eine typische Hollywood-Komödie ohne große Überraschungen und nach bekannter Formel erzählt. Sogar Jason Bateman spielt die Hauptrolle! Warum ist dieser Mix nach dem stilistischen Vorbild von „Hangover“ oder „Kill the Boss“ dennoch so unterhaltsam? Vielleicht funktioniert die Mischung aus Thriller, Krimi und Komödie einfach? Vielleicht sind es die harmlosen Kabbeleien gepaart mit echter Action? Ich kann es nicht sagen, doch wurde ich über knapp zwei Stunden bestens unterhalten. Dabei ist „Game Night“ zu harmlos, um wirklich mitreißen zu können und wandelt zu sehr auf ausgetretenen Pfaden, um als innovativ zu gelten. Im Prinzip bekommen wir eine Comedy-Variante von David Finchers „The Game“ präsentiert, die erstaunlich detailverliebt inszeniert wurde (selbst der abgegriffene Tilt-Shift-Effekt macht nach dem schön gestalteten Abspann Sinn).

Der seltsam eingängige Genre-Mix funktioniert erstaunlich gut, wenngleich ich auch nur bei einer Szene (Stichwort: Hund und Blut) Tränen lachen musste. Die restlichen Pointen haben mir höchstens ein Schmunzeln oder Anerkennung für den Aufbau der Gags entlockt. Dennoch war ich immer bei den Figuren dabei, die in ihrer kompletten Naivität beinahe schon bemitleidenswert sympathisch rüberkommen.

Fazit

„Game Night“ ist kein Film für die Ewigkeit und er wird auch keinen neuen Comedy-Trend entfachen. Wer für einen Abend gute Unterhaltung sucht, der kann hier bedenkenlos zugreifen. Ich hatte viel Spaß mit diesem Spieleabend: 7/10 Punkte.