The Congress (2013)

Eigentlich hätte es mir ein Warnsignal sein sollen, dass ich kurz nach der Arbeit schon auf dem Sofa eingenickt bin. Die hinter mir liegende Woche war einfach anstrengend. Nach dem Abendessen hatte ich jedoch neue Energie und habe somit leichtfertig zur Blu-ray von „The Congress“ gegriffen. Mir war bekannt, dass der Film keine leichte Kost sein soll, doch mit diesem Ausmaß an Irrwitz hatte ich nicht gerechnet…

The Congress (2013) | © Alive - Vertrieb und Marketing/DVD

The Congress (2013) | © Alive – Vertrieb und Marketing/DVD

Zu viel gewollt, zu wenig erreicht

Man muss Ari Folman für „The Congress“ durchaus Respekt zollen. Das ist nicht 08/15-Kino, wie man es kennt. Nach „Waltz with Bashir“ wagt sich der Regisseur erneut an einen (zumindest teils) animierten Film. Die Handlung und Inszenierung beginnt zunächst jedoch recht nüchtern: Schauspielerin Robin Wright (bekannt aus „Die Braut des Prinzen“ und „House of Cards“) bekommt ein unmoralisches Angebot vorgelegt, das sie nach gewissem Zögern annimmt. Dieses besagt, dass ihre Schauspielerinnen-Persona eingescannt wird und alle vorab definierten Rechte an das Filmstudio übergehen. Eine interessante Prämisse, die schon alleine Stoff genug für einen Film gegeben hätte. Allerdings wird noch Fokus auf den Sohn gelegt, dessen Krankheit ein Spiegelbild der Entwicklung des Kinos abgeben soll. Soweit, so verkopft.

Nach ca. 45 Minuten dreht „The Congress“ erst so richtig auf und wir bewegen uns nach einem Zeitsprung von 20 Jahren zusammen mit Robin Wright in eine sogenannte Animationszone. Durch die Einnahme einer Droge, verändert sich die Wahrnehmung aller Besucher in der Hinsicht, als dass sie ihre Umgebung und andere Personen als Animation wahrnehmen. Ein sehr spannender Aspekt, der audiovisuell eine Freude ist. Toll animiert und mit unzähligen visuellen Gags ausgestattet. Leider verliert sich die Geschichte hier vollkommen in (pseudo-)philosophischen Ideen, welche nur sehr konstruiert mit dem ersten Teil des Films zusammengebracht werden. Am Ende schlägt die Handlung dann noch zu einer eher drögen Dystopie um und lässt, so mein Eindruck, alle vorherigen Fäden fallen, um nur die Mutter-Sohn-Geschichte abzuschließen.

Famose Animation und dröge Real-Szenen

So toll die Animationsszenen anzusehen sind, so billig wirken leider die real gefilmten Szenen. Gerade im letzten Drittel des Films wirken Kostüme, Masken und Drehorte extrem amateurhaft. Soll uns durch die Kulissenhaftigkeit gezeigt werden, dass die Realität auch nicht wirklicher ist, als die Animationszone? Das wäre eine Erklärung, mich hat diese Anmutung jedoch eher aus dem Film gerissen. Neben den formalen Schwächen gegen Ende, hat mich „The Congress“ im Mittelteil jedoch auch inhaltlich verloren. Ari Folman hat hier zu viel gewollt und mindestens drei Geschichten ineinandergewoben, die für mich nicht organisch zusammenpassen wollen. Schade, denn der Einfallsreichtum und Stil ist durchaus bemerkenswert.

Fazit

Vielleicht liegt es an meiner Tagesform, vielleicht ist der Film auch einfach wirklich so überladen, wie ich ihn wahrgenommen habe. In vielen Aspekten ist „The Congress“ ein Kunstwerk mit spannenden Aussagen, in anderen jedoch nur ein überladen wirkender Artsy-Fartsy-Schinken. Sollte man sich als Filmfreund durchaus einmal anschauen. Formal und auch inhaltlich bemerkenswert, doch auf emotionaler Ebene konnte er mich leider nicht packen: 6/10 Punkte.

7 Gedanken zu “The Congress (2013)

  1. Tja, dem stand ich auch etwas ambivalent gegenüber. Sicherlich, die Animationssequenzen sehen toll aus, aber ich hätte lieber mehr von der „ersten“ Geschichte um Robin Wright gesehen (das Ersetzen von Schauspielern mit digitalen Ebenbildern ist ja eh so eine Faszination von mir), anstatt… ich kann mich ehrlich gesagt gar nicht mehr erinnern, worum es bei dem eigentlichen Kongress ging. Nur das da eine Pseudo-Tom Cruise Figur war.

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    • Das beschreibt meinen Eindruck des Films sehr gut. Ich kann mir vorstellen, dass es mir ähnlich geht, wenn ich in ein paar Wochen an den Film zurückdenke. Und ja, ich hätte auch gern mehr von ersten Teil des Films gesehen.

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  2. Pingback: Media Monday #406 | moviescape.blog

  3. Ich glaube gar nicht so sehr, dass die Kostüme und alles am Ende amateurhaft waren, sondern so sein sollten als Ausdruck der „Dystopie“. Ist allerdings auch eine Weile her, dass ich ihn gesehen habe. Das Ende hat mich wieder gekriegt, aber der Zeitsprung war nicht mein Fall. Der Übergang von der gescannten Robin zu der animierten hat bei mir zu viele offene Fragen verursacht. Wenn die Studiobosse die Rechte haben, warum läuft sie als dieser Avatar rum? Etc. Fand ich seltsam. Ansonsten hat er mir eigentlich sehr gut gefallen.

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    • Hmm, ich fand die Kulissen am Ende schlecht ausgeleuchtet (haben wie TV-Sets gewirkt) und auch die restliche Ausstattung eher billig. Aber okay, war vielleicht so gewollt, hat für mich aber nicht so richtig funktioniert.

      Ich fand den Film insgesamt auch spannend und sehenswert, aber er hat für mich zu viel gewollt. Sollte man aber auf jeden Fall gesehen haben, denn er ist anders als alles andere, was ich in dieser Richtung gesehen habe. Wenn es eine „diese Richtung“ überhaupt gibt… 😉

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