Area X – The Southern Reach Trilogy, Book 1: Annihilation (Jeff Vandermeer)

Area X - The Southern Reach Trilogy, Book 1: Annihilation (Jeff Vandermeer)Wer hat nicht von Alex Garlands Sci-Fi-Thriller „Auslöschung“ gehört, dem in Europa ein Kinostart verwehrt blieb und der direkt bei Netflix ins Programm kam? Ich hatte den Trailer gesehen und mich extrem auf den Film gefreut. Kein Wunder, war Garlands Regiedebüt „Ex Machina“ doch ein fantastischer Genrefilm. Aus oben genannten Gründen wurde aus der Sichtung im Kino jedoch nichts, weshalb ich mich vorerst auf die Vorlage konzentriert und mir somit Jeff Vandermeers „Area X – The Southern Reach Trilogy“ zugelegt habe. Das erste Buch „Annihilation“ habe ich inzwischen gelesen und werde mich auch sogleich in die Fortsetzung stürzen…

„What can you do when your five senses are not enough?“

Ich hatte mich vor dem Lesen nicht sonderlich mit der Handlung auseinandergesetzt und wusste nur, was mir noch vom Trailer des Films in Erinnerung war: Eine Gruppe von Wissenschaftlerinnen bricht in eine als Area X betitelte Zone auf, in der es zu mysteriösen Vorfällen kommt. Im Grunde lässt sich das Buch damit auch recht gut beschreiben, zumindest was den reinen Inhalt angeht. Spannender wird es, wenn man sich mit der Form auseinandersetzt. Jeff Vandermeer wählte eine klassische Ich-Erzählerin samt aller damit verbundener Konsequenzen. Sehr kunstvoll baut er eine Gedankenwelt auf, die einerseits wissenschaftlich beobachtend ist (wir nehmen die Rolle einer Biologin ein), andererseits aber auch stark Richtung Wahnsinn driftet. Der Sog, der von Area X, dem Leuchtturm, dem Tunnel und der ungewöhnlichen Flora und Fauna ausgeht, ist unfassbar hypnotisch beschrieben. Gerade weil wir den Bericht der Biologin (wir erfahren ihren Namen nicht) lesen, können wir ihrer Gedankenwelt nicht entfliehen.

„Annihilation“ schwebt irgendwo zwischen Wissenschaftsthriller, Abenteuerroman und Horror, wobei der letzte Aspekt auf mich am stärksten gewirkt hat. Da sich die Biologin selbst nicht sicher ist, was sie eigentlich erlebt, wirkt ihr Bericht umso mysteriöser. Durch die teils minutiöse Beschreibung der in Area X vorherrschenden Tier- und Planzenwelt, ensteht der Eindruck einer organischen Haptik, was eine ganz besondere Art von Horror heraufbeschwört. Ich kann es nur schwer beschreiben, doch sollte damit euer Interesse geweckt sein, dann kann ich euch nur empfehlen, selbst einmal reinzulesen. Vielleicht sind die Werke von David Cronenberg (Stichwort: Body-Horror) eine gute Referenz.

Fazit

Wirkliche Antworten auf die mannigfaltigen Rätsel sollte man im ersten Band der Southern-Reach-Trilogie nicht erwarten. Das macht aber auch nichts, denn mein Interesse ist auf jeden Fall geweckt. Auch wenn das erste Buch noch ein wenig wie ein Fragment wirkt, so habe ich doch die Hoffnung, dass Jeff Vandermeer auf ein großes Gesamtbild hinarbeitet. Alleine aufgrund des ungewöhnlichen Stils eine dicke Empfehlung für Genre-Freunde: 8/10 Punkte.

Übrigens habe ich mir inzwischen die Blu-ray von Alex Garlands Verfilmung aus den USA importiert, da es in Europa keine physische Veröffentlichung des Films gibt. Eine Schande! 😠

Rambo 3 – OT: Rambo III (1988)

Nach einem anstrengenden Samstag mit morgenlichem Lauf und dem letzten Sommerfest im Kindergarten, waren wir abends noch ein wenig auf der Terrasse gesessen, bevor meine bessere Hälfte von Müdigkeit übermannt wurde. Das führte dazu, dass ich um 21:30 Uhr mit „Rambo III“ tatsächlich noch einen Film einlegte. Ob das eine gute Idee war, lest ihr in der folgenden Besprechung…

Rambo III (1988) | © STUDIOCANAL

Rambo III (1988) | © STUDIOCANAL

„God would have mercy. He won’t.“

Nachdem ich „Rambo 2: Der Auftrag“ gesehen hatte, erwartete ich mir von der direkten Fortsetzung ein ziemliches Trash-Fest. Der berühmte Dialog rund um das blau leuchtende Licht war mir im Vorfeld schon bekannt und ich erwartete mir mehr in dieser Richtung. Tatsächlich ist „Rambo III“ aber eine konsequente Weiterentwicklung des Vorgängers, was sich hauptsächlich in der gesteigerten Action und den Schauwerten niederschlägt. Peter MacDonalds Film sieht teuer aus und bringt Hochglanzbilder in das Franchise. Von Trash ist nicht viel zu sehen, wenngleich Action und Handlung noch stumpfer sind als die des Vorgängers. Rambos Sprüche und die gesamte Darstellung Afghanistans ist unfassbar 80er. Spätestens jetzt ist die Filmreihe dort angekommen, wo man sie in der Popkultur auch stets verortet – und dem famosen „First Blood“ damit unrecht tut.

Ich mag weiterhin die klassische und handgemachte Inszenierung, gerade wenn es nicht an jeder Ecke explodiert. Rambos Infiltration des russischen Forts ist wohl das Highlight des Films – und man kann schon verstehen, warum sich „Hot Shots! Der zweite Versuch“ hauptsächlich auf diese Filmreihe als Quell für Klischees stützt. Gegen Ende wurde mir das Geballer dann auch leider zu viel und ich war nicht mehr in der Handlung involviert. Das ist schade und eigentlich eine typische Krankheit heutiger Filme. Viel hilft eben manchmal doch nicht viel.

Fazit

Auch „Rambo III“ macht Spaß, wenn man vergessen kann, dass ein amerikanischer Einzelkämpfer mal eben so Afghanistan aufräumt. Als Zeitdokument der späten 80er Jahre betrachtet, ist der Film nach wie vor unterhaltsam. Eben gerade aufgrund seiner Wirkung auf die Popkultur: 6/10 Punkte.

Anchorman: Die Legende von Ron Burgundy – OT: Anchorman: The Legend of Ron Burgundy (2004)

Nachdem wir lange hin und her überlegt hatten, ob wir trotz der eher kühlen Temperaturen einen Abend auf der Terrasse verbringen sollen, haben wir uns letztendlich für einen Filmabend entschieden. Ganz konkret ist „Anchorman: Die Legende von Ron Burgundy“ in den Player gewandert, der schon lange auf meiner Liste stand und von dem ich mir einen unterhaltsamen Abend erhoffte…

Anchorman: Die Legende von Ron Burgundy (2004) | © Universal Pictures Germany GmbH

Anchorman: Die Legende von Ron Burgundy (2004) | © Universal Pictures Germany GmbH

„Boy, that escalated quickly.“

Ich muss gestehen, das es mir zu Beginn schwer gefallen ist, mich mit dem Humor des Films anzufreunden. Typisch für das Frat Pack herrschen viele improvisierte Szenen vor, von denen einige sehr gut funktionieren, andere dagegen schmerzhaft ins Leere laufen. Dennoch mochte ich gerade die völlige Beliebigkeit des Humors wirklich gerne: In einem Moment ist die Szene noch in der Realität verhaftet, nur um im nächsten komplett in einen völlig überzogenen ZAZ-Stil (Zucker, Abrahams und Zucker) abzudriften. Auch hier sitzt nicht jede Idee, doch der Film ist so konsequent in seiner Sprunghaftigkeit, dass es ein wahres Vergnügen ist.

Neben dem teils grotesken Humor, lebt „Anchorman: The Legend of Ron Burgundy“ tatsächlich von seiner Geschichte, die gnadenlos den Machismo der 70er Jahre aufs Korn nimmt. Das ist weder sonderlich subtil, noch gibt es eine zweite Ebene. Nein, hier wird jeder Gag aufs Platteste ausgespielt und die Szenen hören erst auf, wenn es schmerzt. Getragen wird der Film dabei von seinem formidablen Cast rund um Will Ferrell, Christina Applegate, Paul Rudd, Steve Carell und David Koechner. Von den unzähligen Gaststars einmal ganz zu schweigen. Man sieht allen Beteiligten ihre Spielfreude förmlich an.

Fazit

Adam McKays „Anchorman: Die Legende von Ron Burgundy“ ist ein großer Spaß, der mich teils an „Zoolander“ erinnerte. Der Film lebt mehr von seiner absurder Aneinanderreihung von Einzelszenen, als davon, eine wirklich treffende Satire auf die Medienwelt und den Zeitgeist der 70er Jahre zu sein. Das macht aber nichts, denn wenn man auch über platten Humor lachen kann, dann kann diese epische Rise-and-Fall-(and-Rise)-Geschichte unglaublich viel Spaß bereiten: 7/10 Punkte.

Pirates of the Caribbean: Salazars Rache – OT: Pirates of the Caribbean: Dead Men Tell No Tales (2017)

Aktualisierung: Ich habe „Pirates of the Caribbean: Salazars Rache“ am 23. September 2022 zum zweiten Mal gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Nachdem wir heute das Kindergartenfest der der Nichte und der Neffen besucht hatten, auf dem eine frei interpretierte Nacherzählung von Captain Jack Sparrows Abenteuern aufgeführt wurde, stand der Film des Abends schnell fest. Das stürmische Wetter sorgte zudem dafür, dass wir uns gerne vor den Fernseher zurückzogen und „Pirates of the Caribbean: Salazars Rache“ in den Blu-ray-Player gelegt haben…

Pirates of the Caribbean: Salazars Rache (2017) | © Walt Disney

Pirates of the Caribbean: Salazars Rache (2017) | © Walt Disney

Back to the Roots oder Fortsetzung um jeden Preis

Die „Pirates of the Caribbean“-Reihe hat die typische Entwicklung eines größeren Franchises durchgemacht. Wurde der erste Teil noch von fast allen geliebt, entwickelte sich die Filmreihe über die Zeit immer weiter zum hassenswerten Von-der-Stange-Blockbuster. So zumindest die Meinung vieler Filmfreunde. Ob nach dem Abschluss der Trilogie überhaupt noch ein vierter Teil nötig gewesen wäre, ist auch eine legitime Frage. Mit diesem hatte man die fortführende Erzählung verlassen und sich endgültig auf die zu Beginn geliebte, und inzwischen verachtete, Figur Captain Jack Sparrow konzentriert. Für mich hat das weiterhin recht gut funktioniert, doch ich liebe ja auch den Überflop „Die Piratenbraut“ und habe somit augenscheinlich ein Faible für dieses Genre. Was hat nun also der jüngste Spross der Reihe zu bieten?

Tatsächlich haben sich die Autoren angeschickt, dieses Mal direkt an die Trilogie anzuknüpfen, die damals ja ein erstaunlich düsteres Finale hatte. Man begegnet somit etlichen bekannten Figuren und erlebt mit ihnen neue Abenteuer. Tatsächlich haben mir aber gerade die überzogenen Actionszenen mit viel Slapstick, dafür ohne tiefere Bedeutung, viel Freude bereitet (deshalb liebe ich auch den zweiten Teil der Reihe so sehr). Die Handlung selbst funktioniert als Rahmen recht gut, um die Geschichte Will Turners endlich zu Ende zu erzählen. Der neue Geisterpirat Salazar (Javier Bardem) war mir dagegen zu beliebig und die Schatzsuche zu generisch. Das hat man alles schon ein paar Mal erlebt, auch wenn so einige Schauplätze und Ideen wirklich unterhaltsam waren. Insgesamt wohl knapp über dem Niveau des Vorgängers.

Fazit

Wenn ihr schon von den letzten drei Filmen der Reihen genervt wart, müsst ihr euch auch den jüngsten Aufguss nicht ansehen. Habt ihr aber ein Faible für Piraten-Fantasy und seid Johnny Depp als Titelfigur noch nicht überdrüssig, dann macht auch dieser Besuch in der Karibik viel Freude. Selbst wenn mir der Film nicht lange im Gedächtnis bleiben wird, so wurde ich doch für 120 Minuten wunderbar unterhalten: 7/10 Punkte.

47 Meters Down (2016)

Am vorletzten Abend unseres Urlaub, haben wir es doch noch geschafft, einmal wieder einen Film zu schauen. Die Wahl fiel auf den Hai-Thriller „47 Meters Down“, der mir damals im Zuge meiner Sichtung von „The Shallows“ empfohlen wurde. Ob das die richtige Wahl war, oder ob wir den vorletzten Urlaubsabend doch lieber wieder auf die Terrasse hätten verbringen sollen, erfahrt ihr in der folgenden Besprechung…

47 Meters Down (2016) | Universum Film GmbH

47 Meters Down (2016) | Universum Film GmbH

Klaustrophobische Tauchgänge vs. das Drehbuch

Unter der Voraussetzung, dass ich Hai-Filme bzw. Unterwasserfilme liebe, die kein reiner Trash à la „Sharknado“ und Co. sind, erwartete ich mir durchaus einiges von „47 Meters Down“. Nach der Sichtung muss ich auch zugeben, dass Johannes Roberts den Kern der Geschichte um zwei Schwestern, die mit einem Tauchkäfig in die Tiefe stürzen und von Haien attackiert werden, gekonnt umgesetzt hat. Der Mittelteil des Films gefiel mir wirklich ziemlich gut, da aus der klaustrophobischen Situation einige spannende Szenen und atmosphärische Bilder entstehen. Selbst das (erste) Ende wusste mich zu überzeugen und ich war beinahe schon versöhnlich gestimmt. Beinahe, denn das restliche Drehbuch war leider ein ziemlicher Reinfall.

Es fängt schon mit der Charakterisierung der beiden Schwestern an: Die Vernünftige der beiden (gespielt von Mandy Moore, bekannt aus „This Is Us“) wurde von ihrem Freund verlassen, weil er sie zu langweilig findet. Und was macht sie? Um sich vor ihm zu beweisen, taucht sie in den Haikäfig. Weil sie ja doch so super abenteuerlustig sein kann. Oh man. Das sind doch genau die Vorbilder, die man im Kino sehen will. Am Ende wächst sie dann selbstbestimmt über sich hinaus und rettet ihre Schwester und… ach nein, war doch nur eine Halluzination aufgrund der Taucherkrankheit. In Wirklichkeit sitzt sie jammernd am Grund des Haikäfigs und muss sich retten lassen. Ja, ähm, toll.

Fazit

Ihr merkt schon, „47 Meters Down“ ist ein zweischneidiges Schwert: einerseits wirklich unterhaltsam und effektiv inszeniert, andererseits aber selten dämlich geschrieben. „The Shallows“ macht all das in vielerlei Hinsicht besser. Hai-Freunde dürfen gerne mal reinschauen, doch mehr als durchschnittliche Unterhaltung springt am Ende nicht dabei heraus: 5/10 Punkte.

Sons of Anarchy – Season 6

Langsam aber sicher nähert sich mein Besuch in Charming seinem Ende. In den letzten Tagen bin ich leider kaum zu Schauen gekommen, denn aufgrund des unrühmlich in die Annalen unserer Familiengeschichte eingegangenen Magen-Darm-Desasters hatte ich aufgrund von hämmernden Kopfschmerzen und akuter Müdigkeit abends nicht einmal die Energie für eine Episode von „Sons of Anarchy – Season 6“. Soweit ist es also schon gekommen. Inzwischen konnte ich jedoch auch noch die letzten Episoden abschließen und mich sogar zu einer Besprechung hinreißen lassen. Es geht also aufwärts…

Sons of Anarchy – Season 6 | © Twentieth Century Fox

Sons of Anarchy – Season 6 | © Twentieth Century Fox

This life, it ain’t romantic or free.

Auch wenn man es kaum für möglich gehalten hätte, so begibt sich das Autorenteam rund um Kurt Sutter noch weiter in die Dunkelheit. Sprich für die Charaktere rund um Jax Teller geht die Reise in die Finsternis weiter. Dabei fällt es – noch mehr als in der fünften Staffel – auf, dass sich die ursprünglich durchaus guten Absichten ins Gegenteil verkehren. Gerade Jax und Tara ist jedes Mittel recht, um ihr Ziel zu erreichen. Dieses Ziel, so zeigt sich recht bald, ist kein gemeinsames mehr, auch wenn es ursprünglich einmal so gewesen sein mag. Beide gehen über Leichen und selbst ehemalige Allianzen sind nichts mehr wert. Trotz der härteren Gangart, was die Sympathie für die Hauptfiguren angeht, schaffen es die Autoren, dass ihre Handlungen nachvollziehbar bleiben. Mit einem schlampigeren Drehbuch hätte das leicht ins Auge gehen können.

Dennoch fand ich die Handlung in der sechsten Staffel ein wenig schwächer als die des Vorjahres. Die Geschichte hat auf mich zerfaserter gewirkt und es gab etliche Parallelhandlungen, die vom eigentlichen Kern abgelenkt bzw. zu konstruiert auf diesen eingezahlt haben. Immer noch sehr gut, doch die erzählerische Dichte des Vorjahres wird nicht mehr komplett erreicht. Dennoch gelingt es den Autoren gerade am Ende des Staffel wieder für so manchen Schockmoment zu sorgen. Zudem meine ich langsam erahnen zu können, wie die Serie eventuell ausgeht. Doch mehr dazu in der Besprechung der finalen Staffel.

And we both know it’s only going to get worse.

Nachdem man in „Sons of Anarchy“ inzwischen schon etliche Schauspieler aus „The Shield“ wieder getroffen hat, begegnen wir im sechsten Jahr CCH Pounder, deren Charakter Tyne Patterson mich tatsächlich sehr an Claudette Wyms aus der Cop-Serie erinnert hat. Überhaupt ist es erneut eine Freude, die verschiedenen Schauspieler beim Ausfüllen ihrer Rollen zu sehen. Auch wenn es für manche der letzte Auftritt sein sollte. Gerade das Finale hat mich in dieser Hinsicht mehrfach schlucken lassen. Harter Tobak – und ich kann nur erahnen, wie sich die daraus resultierenden Konsequenzen in der kommenden Staffel auflösen werden. Es bleibt spannend!

Fazit

Auch wenn ich die Serie in ihrem sechsten Jahr nicht ganz so perfekt fand, wie in den zwei Staffeln davor, so konnte mich Kurt Sutters Epos dennoch weiterhin begeistern. Man merkt auch an der Laufzeit der einzelnen Episoden (meist über eine Stunde), dass es noch viel zu erzählen gibt. Vor dem großen Abschluss graut es mir schon in vielerlei Hinsicht. Nicht nur muss ich eine lieb gewonnene Serie hinter mir lassen, ich bin auch sicher, dass es alles andere als ein Happy End geben wird: 9/10 (8.6) Punkte.

Interstellar (2014) (WS1)

Aktualisierung: Ich habe „Interstellar“ am 16. Juni 2025 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Ich mag es nicht verschreien, doch heute war nach dem Magen-Darm-Desaster, das uns die erste Urlaubswoche verhagelt hatte, der erste Tag, an dem es wieder aufwärts ging. Halleluja! Zur Feier des Tages haben wir sogleich einen Film geschaut – und da ich mich immer noch nicht ganz von Cixin Lius „Death’s End“ lösen kann, haben wir uns mit Christopher Nolans „Interstellar“ auch filmisch dem Thema interstellare Raumfahrt zugewandt. Für mich war es schon die zweite Sichtung und ich ich war sehr gespannt, wie der Film im Vergleich zur Sichtung damals im Kino abschneidet…

Interstellar (2014) | © Warner Home Video

Interstellar (2014) | © Warner Home Video

Bis zur Unendlichkeit und noch viel weiter!

Zunächst einmal muss ich kurz auf die formalen Aspekte eingehen, die mir im Heimkino beinahe noch positiver aufgefallen sind, als damals im richtigen Kino. Speziell die auf der Blu-ray eingebundenen IMAX-Sequenzen im 16:9-Vollbild sind extrem beeindruckend und geben einen echten Mehrwert. Ich konnte keine genaue Angabe finden, doch gefühlt bestand der Film zu über 50% aus IMAX-Szenen. Hinzu kommt, dass der Kontrast aus stilisiert wirkenden Weltraumszenen und den dreckig anmutenden Szenen auf der Erde einfach großartig wirkt. Ebenso konnte mich dieses Mal Hans Zimmers Score deutlich mehr begeistern, als noch bei der Erstsichtung. Ein wirklich rundes Paket, das zumindest audiovisuell zu überzeugen weiß. Und wie sieht es auf der inhaltlichen Ebene aus?

Wie schon angedeutet, habe ich mich in letzter Zeit ziemlich intensiv mit dem Thema Raumfahrt in Lichtgeschwindigkeit und darunter auseinandergesetzt. Speziell die Wirkung relativer Zeit ist eines der Hauptthemen in Cixin Lius Roman „Death’s End“. Ich habe mich deshalb sogleich heimisch gefühlt. In „Interstellar“ werden die angewandten Modelle jedoch auf die Basis heruntergebrochen und auch ziemlich plakativ erläutert. Das funktioniert im Film wunderbar, ich hätte mir jedoch mehr Tiefe gewünscht. Auch fand ich die Handlung auf Manns Planet bei der heutigen Sichtung ein wenig langgezogen. Vielleicht liegt das aber auch daran, dass Matt Damon in Nolans Film nur eine Art Negativ-Version seines „Der Marsianer“ spielt. Ansonsten hatte ich nichts auszusetzen: Emotional konnte mich die Geschichte beinahe noch mehr packen, als beim ersten Mal. Auch das Finale hat für mich mehr Sinn ergeben. Hier kam dem Film zugute, dass ich bereits wusste, worauf alles hinausläuft. Ein tolles Erlebnis, das die knapp drei Stunden wie im Flug vergehen lässt.

Fazit

Manchmal funktionieren Filme bei der Zweitsichtung einfach besser. Zumindest hat mir „Interstellar“ heute deutlich besser gefallen, als nach der Erstsichtung. Kennt ihr eigentlich weitere Sci-Fi-Filme, die eher weniger actionlastig sind und sich mit dem Thema interstellare Raumfahrt befassen? Denn bis zur Verfilmung der „The Three-Body Problem“-Trilogie wird es, so befürchte ich, noch dauern (ich persönlich halte gerade die letzten beiden Bände ohnehin für unverfilmbar). Bis dahin ist „Interstellar“ auf jeden Fall ein guter Ersatz, der auch für ein größeres Publikum perfekt funktioniert – und das muss ja nichts Schlechtes sein: 9/10 Punkte.

Death’s End (Cixin Liu)

Death's End (Cixin Liu)Zumindest etwas Gutes hat der Magen-Darm-Virus ja, der uns ausgerechnet im Urlaub befallen hat… nein, das stimmt nicht. Er ist absolut nichts Gutes daran. Wirklich nicht. Dennoch habe ich es nach den ersten zweit Tagen, an denen ich mich zu absolut nichts aufraffen konnte, geschafft endlich Cixin Lius „Death’s End“ fertig zu lesen. Der Abschluss der „Remembrance of Earth’s Past“-Trilogie und damit der direkte Nachfolger von „The Dark Forest“ hatte mich trotz seiner Komplexität (oder gerade deshalb) wirklich in seinen Bann gezogen. Noch stärker als bereits in „The Three-Body Problem“ oder dem direkten Vorgänger, schafft es Cixin Liu eine unglaubliche Fülle an an wissenschaftlichen Ideen zu präsentieren und dabei dennoch einen fast romantischen Erzählton beizubehalten…

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The Big Sick (2017)

Als ich dem kranken Zappelinchen heute Nachmittag „Das geheimnisvolle Kochbuch“ einschaltete, sah ich, dass „The Big Sick“ inzwischen schon auf dem Streaming-Portal von Amazon verfügbar ist. Somit habe ich zum ersten Mal seit acht Monaten (damals war es der großartige „Paterson“) einmal wieder einen Film via Stream gesehen. Technisch war das nur bedingt ein tolles Erlebnis (es gab etliche Aussetzer), doch inhaltlich konnte mich Michael Showalter Film voll und ganz überzeugen…

The Big Sick (2017) | © Weltkino Filmverleih GmbH (Vertrieb Universum Film)

The Big Sick (2017) | © Weltkino Filmverleih GmbH (Vertrieb Universum Film)

Die sympathischste RomCom aller Zeiten?

Okay, das ist vermutlich etwas hoch gegriffen. Doch zumindest ist es die frischeste und sympathischste romantische Komödie, die ich in den letzten Jahren gesehen habe. Die lose auf den auto-biografischen Erlebnissen von Kumail Nanjiani (u.a. bekannt aus der TV-Serie „Silicon Valley“) basierende Geschichte ist so erfrischend und authentisch erzählt, dass es eine wahre Freude ist. Die Liebesgeschichte zwischen Kumail, der sich selbst spielt, und Emily, gespielt von der bezaubernden Zoe Kazan (u.a. bekannt aus „Ruby Sparks: Meine fabelhafte Freundin“), ist nur der Aufhänger für verschiedenste Themen. Am prominentesten wird der Konflikt zwischen Kumail und seiner pakistanischen Familie beleuchtet, die eine arrangierte Ehe für ihn vorgesehen hat. Weiterhin steht sein Karriere als Stand-Up-Comedian sowie die titelgebende Erkrankung Emilys im Zentrum der Geschichte.

All die angesprochenen Themen werden mit viel Humor und Herz verarbeitet. Die Dialoge sind authentisch und wirklich witzig geschrieben. Die Schauspieler (u.a. Holly Hunter und Ray Romano als Emilys Eltern) treffen den Ton genau und wissen Drama und Comedy perfekt zu vereinen. Der Film hätte aufgrund seiner Themenvielfalt leicht zu zerfasert, zu dramatisch oder auch zu lächerlich wirken können. Er nimmt jedoch alle Positionen ernst und erschafft dadurch ein herzliches und absolut unterhaltsames Gesamtbild. Einzig die Struktur der Geschichte orientiert sich doch recht stark an klassischen RomComs, was ich dem Film aber nur bedingt vorwerfen möchte.

Fazit

Für mich war „The Big Sick“ ein wirklich positives Erlebnis. Auch wenn es ein paar tolle Filme in dem Genre gibt, mache ich um klassische RomComs eher einen Bogen. Diese hier fällt jedoch aus dem Raster und weiß durch tolle Charaktere und viel Wortwitz zu überzeugen. Ich kann euch den Film nur ans Herz legen: 9/10 Punkte.

Whatever Works (2009)

Nach einem weiteren Tag voll banger Hoffnung, dass es uns den Urlaub nicht doch noch verhagelt, haben wir uns abends mit einem Film abgelenkt. Die Wahl ist auf „Whatever Works“ gefallen, der schon viel zu lange ungesehen im Regal stand. Meine filmischen Erfahrungen mit Woody Allen lassen sich bisher an einer Hand abzählen (z.B. „Midnight in Paris“) und ich war speziell aufgrund Larry Davids Hauptrolle gespannt auf den Film…

Whatever Works (2009) | © Universum Film GmbH

Whatever Works (2009) | © Universum Film GmbH

Curb Your Enthusiasm: The Movie

Okay, das mag ein wenig übertrieben sein. Andererseits aber auch wieder nicht. Denn Larry Davids Boris Yellnikoff hat schon viele charakterliche Gemeinsamkeiten mit seinem Alter Ego aus der großartigen HBO-Serie „Curb Your Enthusiasm“. Und damit passt er famos in Woody Allens New York. Die Philosophie des Misanthropen ist Whatever Works und damit lässt sich auch der gesamte Film erklären, der weniger von seiner Handlung, als den Charakteren und ihren Dialogen lebt. Typisch Allen eben. Dabei stößt es, gerade aus heutiger Perspektive, schon ein wenig bitter auf, dass ein Kernelement des Films wie eine Altherrenfantasie wirkt. Im Verlauf der Handlung wird dieser Aspekt zwar abgemildert, doch ist es für mich nach wie vor schwierig, den Künstler und die Kunst voneinander zu trennen.

Ich liebe Larry David in dieser Rolle. Auch das Durchbrechen der vierten Wand hat erstaunlich gut funktioniert. Dabei stehe ich diesem Stilmittel sonst eher skeptisch gegenüber. Auch die New-York-Atmosphäre und die restlichen Schauspieler konnten mich nahezu restlos überzeugen. Der Wortwitz ist vorhanden und wird durch Larry David großartig vorgetragen. Wer kein Fan ist, wird sich vermutlich weniger stark amüsieren. Wer ihn aber mag, sollte unbedingt reinschauen.

Fazit

Mich hat „Whatever Works“ über seine 90 Minuten wirklich famos unterhalten. Gerade gegen Ende hat sich der Film noch einmal positiv entwickelt. Larry David schafft es größtenteils auch, mich den autobiographischen Aspekt vergessen zu lassen und in ihm nur Boris Yellnikoff zu sehen. Dann gelingt es dem Film auch, einfach nur Spaß zu machen: 8/10 Punkte.