Back to the Future: The Ultimate Visual History (Michael Klastorin)

In den letzten Wochen habe ich endlich einmal wieder ein Filmbuch gelesen. Tatsächlich ist „Back to the Future: The Ultimate Visual History“ genau das, was man bei dem Titel auch erwarten darf: Die ultimative Entstehungsgeschichte dieser wunderbaren Trilogie. Seit ich das Buch letztes Jahr zum Geburtstag geschenkt bekommen habe, konnte ich es bisher nur ein paar Mal durchblättern, was an sich auch schon ein tolles Erlebnis ist. Das Buch enthält unzählige Extras, wie Filmposter, Replika von Requisiten (z.B. das Foto in dem Martys Geschwister sich langsam auflösen als Wackelbild), doch auch inhaltlich hat es einiges zu bieten…

Eine unglaubliche Geschichte

Da ich mich schon länger mit Film beschäftige und „Zurück in die Zukunft“ samt seinen Nachfolgern auch zu meinen Lieblingsfilmen zählt, habe ich mich schon mehrfach mit der Entstehungsgeschichte der Trilogie beschäftigt. Somit war es für mich keine Überraschung, dass zunächst Eric Stoltz unseren zeitreisenden Jugendlichen spielen sollte oder wie aufwändig die Motion-Control-Aufnahmen des zweiten Teils waren. Dennoch war es unfassbar unterhaltsam, die Entstehungsgeschichte noch einmal in geballter Form nachzulesen. Gerade die Entwicklung der Drehbücher samt ihrer unzähligen Iterationen war unglaublich spannend und mir in diesem Detailgrad bisher noch nicht bekannt. Es grenzt aus heutiger Sicht fast schon an ein Wunder, dass Bob Gale und Robert Zemeckis der ersten Teil der Trilogie überhaupt produziert bekommen haben. Ich kann jedem Fan der Filme nur empfehlen, sich ausführlich mit der Produktionsgeschichte auseinanderzusetzen – und besser als mit „Back to the Future: The Ultimate Visual History“ geht das nicht.

Weit mehr als ein Coffee-Table-Book

Auch wenn das großformatige Buch viele Bilder enthält, so ist es doch keinesfalls nur ein Bildband. Die Texte sind nicht nur inhaltlich wertvoll, sondern auch gut geschrieben und wirklich unterhaltsam. Im Kern steht die tatsächliche Produktionsgeschichte, die Drehwoche für Drehwoche minutiös wiedergegeben wird. Aufgelockert werden diese langen Textpassagen durch aktuelle Interviews mit Bob Gale, Robert Zemeckis, Lea Thompson, Michael J. Fox, Christopher Lloyd und noch mehr beteiligten Personen. Autor von „Back to the Future: The Ultimate Visual History“ ist übrigens Michael Klastorin, der die Produktion der Filme damals auch als Pressekontakt begleitet hat. Diese Rolle hat ihm fundierte Einblicke samt wertvoller Kontakte gegeben, auf die er beim Schreiben des Buches zurückgreifen konnte. Diesen qualitativen Unterbau merkt man auf jeder einzelnen Seite.

Fazit

Wer Filme und speziell „Zurück in die Zukunft“ liebt, der darf sich dieses Buch nicht entgehen lassen. Selten habe ich ein so liebevoll aufbereitetes Filmbuch gelesen – und zwar sowohl inhaltlich als auch was die Aufmachung angeht. Aus der Reihe gibt es übrigens noch weitere Bücher, die u.a. „Ghostbusters“ zum Thema haben. Also liebe Filmfreunde, dann lest einmal wieder ein Buch: 10/10 Punkte.

Molly’s Game (2017)

Nachdem wir gestern Nachmittag erst bowlen waren (169 Punkte war meine beste Runde) und danach noch ein Asia-Buffet leer gefuttert haben, waren wir abends eigentlich ziemlich platt. Dennoch wollten wir nicht auf einen Film verzichten. Die Wahl ist auf „Molly’s Game“ gefallen, auf den wir schon länger heiß waren…

Molly's Game (2017) | © Universum Film GmbH

Molly’s Game (2017) | © Universum Film GmbH

Aaron Sorkins famoses Regiedebüt

Genau so habe ich mir Aaron Sorkins (u.a. Drehbuchautor von „The West Wing“ und „The Social Network“) Regiedebüt vorgestellt. Schon alleine die ersten zehn Minuten erfordern eine extrem hohe Aufmerksamkeit des Zuschauers. Wohl der beste Beweis, warum Voice-overs eben nicht immer ein bequemes Stilmittel sind. Hier wird aus vollen Rohren geschossen und ich hatte mich direkt in den Film verliebt. Das erste Drittel fand ich großartig und war mir sicher, hier einen neuen Lieblingsfilm vor mir zu haben. Der zweite Akt hat ein wenig Fahrt rausgenommen, war dennoch weiterhin sehr faszinierend und ich mochte die Annäherung zwischen Molly Bloom (Jessica Chastain) und Anwalt Charley Jaffey (Idris Elba). Hier hat Aaron Sorkin wahrlich ein Händchen für die Besetzung beweisen, denn beide SchauspielerInnen füllen ihre Rollen perfekt aus und harmonieren großartig miteinander.

Im letzten Drittel wird der Film leider deutlich schwächer, was sowohl an der Geschichte als auch an der Inszenierung liegt. Es wirkt ein wenig so, als hätte Sorkin sein Feuer bereits zuvor verschossen gehabt. Meine Vermutung ist, dass die Geschichte zu sehr aus Molly Blooms Perspektive (kein Wunder, basiert der Film doch auf ihrer Biografie) und damit eben auch sehr einseitig erzählt wird. Gerade in der Konfrontation mit ihrem Vater (Kevin Costner) wird auf Biegen und Brechen eine Erklärung für ihre Charakterzüge und ihre Motivation gesucht (und gefunden). Das Finale ist auch viel zu versöhnlich und Molly Bloom wird beinahe wie eine Heilige in Szene gesetzt. Wirklich schade, denn dadurch wurde in meinen Augen viel Potenzial liegen gelassen.

Fazit

Mir hat „Molly’s Game“ über weite Strecken wirklich extrem gut gefallen. Aaron Sorkin kann nicht nur großartige Drehbücher schreiben, sondern hat auch ein Händchen für eine Inszenierung, welche die Dynamik seiner Worte perfekt einfängt. Auch die Geschichte ist faszinierend, wenngleich sie im letzten Drittel ein wenig ins Straucheln gerät. Dennoch kann ich euch den Film nur ans Herz legen: 8/10 Punkte.

Asterix bei den Briten – OT: Astérix chez les Bretons (1986)

Haben wir erst letztes Wochenende mit „Sams in Gefahr“ einen Filmabend im Kreise der Familie veranstaltet, forderten die Kinder zum Beginn der Faschingsferien sogleich eine Fortsetzung. Wir Eltern haben uns breitschlagen lassen und nach einer hitzigen Diskussion fiel die Entscheidung letztendlich auf „Asterix bei den Briten“. Der Wunsch des Zwergofanten kam nicht bei allen gut an, wurde letztendlich aber akzeptiert…

Asterix bei den Briten (1986) | © STUDIOCANAL

Asterix bei den Briten (1986) | © STUDIOCANAL

Die spinnen, die Briten!

Lagen zwischen den bisherigen „Asterix & Obelix“-Filmen stets mehre Jahre, so schließt „Asterix bei den Briten“ zeitlich nahtlos an den direkten Vorgänger „Asterix: Sieg über Cäsar“ an. Der Stil hat sich nicht weiterentwickelt, höchstens noch weiter perfektioniert. Man hat inzwischen wirklich das Gefühl, einen lebendig gewordenen Comic-Band zu sehen. Ich mag diesen Stil sehr und auch inhaltlich hat der fünfte Film der Reihe so einiges zu bieten: Die Jagd durch Großbritannien und speziell Londinium weiß auch heute noch mitzureißen und es ist zwar klischeehaft, aber auch recht amüsant wie die Eigenheiten der Briten aufs Korn genommen werden.

„Asterix bei den Briten“ gehört nach „Asterix erobert Rom“ zu den von mir als Kind am häufigsten gesehenen Asterix-Abenteuern. Entsprechend bekannt sind mir viel Szenen und Sprüche vorgekommen. Damit hat es sich mit den nostalgischen Gefühlen, was diese Filmreihe angeht, aber auch erübrigt, denn die Filme ab „Asterix: Operation Hinkelstein“ habe ich höchstens ein- oder zweimal gesehen. Wenn überhaupt.

Fazit

Für mich beschließt „Asterix bei den Briten“ die klassische Reihe an Asterix-Filmen. Ich hatte bei der Sichtung nostalgische Gefühle, doch auch meine Kinder, speziell der Zwergofant, hatten wieder Spaß an der bunten Geschichte. Ich für meinen Teil bin nun gespannt, wie mir die kommenden Filme gefallen werden, auch wenn der nächste Familienfilmabend bestimmt ein wenig auf sich warten lassen wird: 8/10 Punkte.

Three Billboards Outside Ebbing, Missouri (2017)

Heute war ein eher ruhiger Samstag. Am frühen Nachmittag machten wir uns auf den Weg in die Stadt, wo ich mir eine neue Brille ausgesucht habe. Auch die Kids brachten ihr Taschengeld unter die Leute und ich verschwendete einige Gedanken daran, welchem Sport ich nachgehen könnte, wenn ich erst einmal nicht mehr laufen kann. Aber ich schweife ab. Für den heutigen Filmabend habe ich mir „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ ausgesucht. Ein Film, von dem ich schon viel Gutes gehört hatte und auf den ich sehr neugierig war…

Three Billboards Outside Ebbing, Missouri (2017) | © Twentieth Century Fox Home Entertainment

Three Billboards Outside Ebbing, Missouri (2017) | © Twentieth Century Fox Home Entertainment

Ein Charakter-Drama mit vielen Wendungen, aber ohne Auflösung

Ich mochte bereits Martin McDonaghs „Brügge sehen… und sterben?“ sehr gerne. Der ungewöhnliche Gangsterfilm hat mich damals (ja, die Sichtung liegt tatsächlich schon 10 Jahre zurück) wirklich überrascht. Seinen „7 Psychos“ habe ich jedoch nie gesehen, was ich nach dem grandiosen „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ nun umso mehr nachholen möchte. McDonagh ist ernsthafter geworden und auch weniger im Genre verankert. Vielleicht liegt es an der fantastischen Frances McDormand, doch hat mich der Film teils stark an „Fargo“ von den Coen-Brüdern erinnert. Das kauzige Kleinstadtleben, die skurrilen Charaktere und eine gesunde Portion schwarzer Humor. Die Themen in McDonaghs Geschichte sind jedoch düsterer und es gibt keine wirklichen Helden. Am Ende haben sich, angestoßen durch die drei Werbetafeln, die Positionen der Schachfiguren zwar verändert, die Oberhand gewinnt jedoch niemand.

In erster Linie ist „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ ein Schauspielerfilm. Neben der bereits angesprochenen Frances McDormand überzeugen vor allem Woody Harrelson und Sam Rockwell. Gerade ihre Figuren betreffend, gibt es ein paar inhaltliche Wendungen, mit denen ich so nicht gerechnet hätte. Die knapp zwei Stunden Film sind für mich extrem schnell vergangen und gerade die letzten zehn Minuten haben sich eher so angefühlt, als würde ein neues Kapitel aufgeschlagen. Als wäre die nächste Episode nur einen Klick entfernt. Verdorben durch die Serienwelt. Und dennoch funktioniert dieses offene Ende auch für diese Geschichte. Die Charaktere haben sich eben doch weiterentwickelt. Der Schritt mag klein wirken, doch in dieser von Schmerz und Alltag geprägten Welt, ist das mehr als ich zu Beginn zu hoffen gewagt hätte. Dennoch hätte ich mir ein – in welcher Form auch immer – konsequenteres Finale gewünscht.

Fazit

„Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ ist wahrlich ein packender und mitreißender Film voll interessanter Figuren, die alle spannend genug für eine ganz eigene Geschichte wären. Hier sind sie in einer Zweckgemeinschaft gebunden, welche nicht beneidenswert ist. Ich bin wirklich ziemlich begeistert, auch wenn es für mich bis zum oft proklamierten Meisterwerk nicht ganz gereicht hat: 8/10 Punkte.

Sams in Gefahr (2003)

Nach einem guten Monat Pause, haben wir heute einmal wieder einen Filmabend veranstaltet. Das war auch bitter nötig, denn die Woche war sehr anstrengend und überhaupt ziemlich doof. Die Kinder haben sich „Sams in Gefahr“ gewünscht und somit sind wir erneut ins benachbarte Bamberg gereist, um neue Abenteuer mit der Familie Taschenbier und ihrem Sams zu erleben…

Sams in Gefahr (2003) | © Constantin Film

Sams in Gefahr (2003) | © Constantin Film

Eine durchweg sympathische Fortsetzung

Obwohl „Sams in Gefahr“ nur zwei Jahre nach „Das Sams“ erschienen ist, so wirkt der Film in vielerlei Hinsicht doch um einiges moderner. Dies ist einerseits ein Vorteil, wenn es generell um den Look des Films geht, andererseits aber auch ein Nachteil, wenn der Regisseur zu sehr auf eher unausgereifte CGI-Effekte setzt. Alles in allem erzählt aber auch der zweite Teil, der übrigens elf Jahre nach den Geschehnisses des Vorgängers spielt, eine sympathische Geschichte, in deren Zentrum der Sohn von Herrn Taschenbier steht. Mit Sportlehrer Daume gibt es zudem einen klassischen Bösewicht, der herrlich überzogen von Dominique Horwitz verkörpert wird.

Neben den, gerade für Kinder, sehr amüsanten Szenen mit dem Sams und seinen Wunschpunkten, überzeugt gerade die ein wenig absurde Geschichte rund um den Rollschuhverein samt etlicher skurriler Charaktere. Ja, daran konnten auch wir Eltern Vergnügen finden. Davon abgesehen ist der Film schön inszeniert und für den Handlungsort des idyllischen Bamberg gibt es gleich noch ein paar Bonuspunkte.

Fazit

Wie bereits den ersten Teil, hat der Zwergofant auch die Fortsetzung durchgehalten, was ja wahrlich keine Selbstverständlichkeit ist. Ich fand „Sams in Gefahr“ aufgrund der ein wenig übertriebenen Effekte nicht ganz so stark wie den altmodischeren Vorgänger, aber immer noch sehr sympathisch. Tatsächlich freue ich mich bereits auf unseren Filmabend mit dem dritten Teil der Reihe: 7/10 Punkte.

The Last Ship – Season 1

Normalerweise überlege ich sehr genau, welche Serie ich schaue. Man bindet sich ja doch länger an eine Geschichte und investiert demnach viel Zeit. Die Serie „The Last Ship – Season 1“ habe ich mir jedoch vor allem aufgrund des günstigen Preises zugelegt. Doch auch der Inhalt klang durchaus reizvoll: Postapokalypse, Action und ein Kriegsschiff als Setting – warum nicht? Doch schon Michael Bay als Produzent hätte mich stutzig werden lassen müssen…

The Last Ship – Season 1 | © Polyband/WVG

The Last Ship – Season 1 | © Polyband/WVG

Action, Militär und übertriebenes Pathos

Warum ich diese Staffel tatsächlich komplett gesehen habe, kann ich gar nicht so genau sagen. Vermutlich weil es nur 10 Episoden waren und ich mich ja nicht nur immer lobend über die jüngst gesehenen Serien äußern kann. Letztendlich war es aber schon eine ziemliche Qual sich durch die mit US-Patriotismus, Militär-Glorifizierung, schlechtem Schauspiel und unfreiwillig komischen Drehbüchern vollgestopften Episoden durchzukämpfen. Dabei klingt die Prämisse recht spannend: Ein tödliches Virus hat die Menschheit größtenteils dahingerafft. Wir begleiten die Crew eines Zerstörers, die aufgrund ihrer Mission bei Ausbruch der Pandemie in entlegenen Gewässern unterwegs war. Die Crew ist somit gesund und hat mit einer Mikrobiologin auch das Expertenwissen an Bord, einen möglichen Impfstoff zu finden. Klingt doch gar nicht so schlecht, oder?

Leider suhlt sich die Serie in einer unangenehme Propaganda-Ästhetik sowie ihren reaktionären Ansichten (z.B. Waffengewalt löst alle Probleme, Transparenz der Crew gegenüber führt zur Eskalation), was mir den Spaß doch ziemlich verleidet hat. Hinzu kommen dröge Drehbücher und leider nur unterdurchschnittlich begabte Schauspieler. Selbst Adam Baldwin, den ich seit „Firefly“, „Serenity“ oder „Chuck“ immer sehr gerne sehe, wirkt hier völlig verschenkt und kann sein Charisma nicht einbringen. Von der weiteren Entwicklung der Geschichte ganz zu schweigen, die in ihrer Dramatik eher an 90er-Jahre-Nachmittags-TV erinnert.

Fazit

Nein, ich kann „The Last Ship“ wirklich nicht weiterempfehlen. Normalerweise wäre ich hier (die magische 6-Punkte-Grenze) schon viel früher rausgewesen, doch eigentlich ist es ganz unterhaltsam, auch einmal einen Serien-Verriss zu schreiben. Das bedeutet nicht, dass ich nicht auch Spaß an der Serie gefunden habe, doch war das eher aufgrund der unfreiwilligen Komik und der teils doch recht actionreichen und ein wenig trashigen Endzeitgeschichte. Das perfekte Sonntagnachmittagsprogramm, doch eben weit entfernt von Qualitätsfernsehen: 5/10 (5.2) Punkte.

This Is Us – Season 2

Obwohl ich mich immer wieder kritisch über die aktuelle Übermacht der Streaming-Dienste äußere, so muss ich an dieser Stelle doch auch kundtun, dass ich mich sehr über die Veröffentlichung von „This Is Us – Season 2“ bei Prime Video gefreut habe. Dieses wunderbar emotional erzählte Familien-Drama hat mir bereits in seinem ersten Jahr extrem gut gefallen und ich kann schon einmal verraten, dass auch die zweite Staffel bei mir voll ins Schwarze getroffen hat.

This Is Us – Season 2 | © NBC

This Is Us – Season 2 | © NBC

Abschied, Trauer, Familie und Leben

Der Geist, der das Leben der Familie Pearson bereits während der ersten Staffel heimgesucht hat, dominiert auch das zweite Jahr. Der Tod des Vaters (gespielt von Milo Ventimiglia) Ende der 90er Jahre strahlt mit voller Kraft in die Gegenwart der Familie. Anfangs dachte ich noch, dass mich dieser starke Fokus auf einen Todesfall nerven würde, doch haben die Autoren einen guten Weg gefunden, die restlichen Handlungsstränge mit diesem emotionalen Kern zu verknüpfen. Als Zuschauer kann man sich folglich darauf einstellen, dass in vielen Episoden kein Auge trocken bleibt. Wem dieser starke Fokus auf Gefühle abschreckt, der sollte wohl einen weiten Bogen um „This Is Us“ machen. Allerdings verpasst ihr dann eine wunderbar geschriebene und großartig gespielte Serie.

In den Handlungssträngen der Gegenwart, hadern die drei Geschwister nicht nur mit den Erinnerungen an den Tod ihres Vaters, sondern haben mit ganz eigenen Problemen zu kämpfen. Das ist teils sehr unterhaltsam (z.B. gibt es Gastauftritte von Silvester Stallone und Ron Howard), größtenteils überwiegt aber auch hier das Drama. Gerade Kevins Geschichte fand ich fast ein wenig zuviel des Guten, doch haben die Autoren auch hier den Bogen gut hinbekommen. Insgesamt würde ich mir ab und zu dennoch ein wenig mehr Leichtigkeit wünschen, aber vermutlich ist „This Is Us“ einfach nicht diese Art von Familienserie. Für mich gliedert sie sich irgendwo zwischen „Six Feet Under“ und „Parenthood“ ein – und das meine ich weniger auf qualitativer Ebene, sondern eher aufgrund der behandelten Themen und der inhaltlichen Schwerpunkte. Grandios sind alle drei Serien. Jede auf ihre Art und Weise.

Fazit

Auch die zweite Staffel von „This Is Us“ hat mich wirklich gepackt. Eine Familienserie, wie man sie sich nur wünschen kann. Große Emotionen, stark geschrieben und ebenso stark gespielt. Der Ausblick auf die dritte Staffel war mir beinahe schon ein wenig zu dramatisch, doch ich bin mir sicher, dass die Autoren auch hier das richtige Maß finden werden. Ich für meinen Teil freue mich schon sehr darauf: 9/10 (9.3) Punkte.

eXistenZ (1999)

Nach einem entspannten Vater-Sohn-Samstag, an dem wir viel gespielt und ein wenig Haushalt gemacht haben, waren am Abend alle (ja, auch Mutter und Tochter) platt, so dass für uns Eltern nur noch ein Film auf dem Programm stand. Aufgrund der fortgeschrittenen Zeit, habe ich mich mit „eXistenZ“ für einen Film entschieden, der im Gegensatz zu heutigen Werken mit einer Laufzeit von unter 100 Minuten auskommt und dennoch eine packende Geschichte zu erzählen weiß. Ihr kennt den Film nicht? Dann lest am besten weiter, denn ihr habt etwas verpasst!

eXistenZ (1999) | © Alive - Vertrieb und Marketing/DVD

eXistenZ (1999) | © Alive – Vertrieb und Marketing/DVD

Mindfuck und Body-Horror der Extraklasse

„eXistenZ“ ist zeitgleich mit „Matrix“ erschienen. Wenn ich euch nun fragen würde, welchen der beiden Filme ihr gesehen habt, dann dürfte die Antwort größtenteils wohl auf das Werk der Wachowski-Schwestern fallen. Die inhaltlichen Parallelen sind unübersehbar und doch handelt es sich bei David Cronenbergs Film keineswegs um ein Plagiat (er kam sogar knapp vorher ins Kino), sondern und einen extrem spannenden Vertreter dieses Genres, der eben nur nicht für den Massenmarkt ausgelegt war. Moment, David Cronenberg? Das ist doch der Regisseur von „Videodrome“ oder der Neuverfilmung von „Die Fliege“ mit Jeff Goldblum. Extremer Body-Horror, der so manchem Zuschauer unangenehm aufstoßen dürfte. Wie also geht das mit einer Geschichte über virtuelle Welten à la „Matrix“ zusammen?

David Cronenberg verbindet beide scheinbar konträre Ansätze gar wunderbar. Durch die lebenden VR-Systeme gewinnt die Reise in die virtuellen Spielwelten eine zusätzliche, sehr greifbare Dimension. Äußerst faszinierend und ja, oft auch ziemlich abstoßend und explizit. Wie auch die Charaktere, ist man sich als Zuschauer schon bald nicht mehr sicher, in der wievielten Staffelung aus fiktiven Welten man sich nun eigentlich befindet. Hier hat mich der Film sehr an „Inception“ erinnert, nur dass er viel weniger plakativ daherkommt und nicht alles bis ins Detail erklärt.

Ein A-Cast für einen nur scheinbaren B-Movie

Wie zu erwarten setzt David Cronenberg auf durchaus blutige und auch sehr ekelhafte Bildeffekte. Die dargestellte Welt wirkt dadurch extrem schmutzig und überhaupt nicht wie eine durchgestaltete virtuelle Umgebung, die uns andere Filme dieses Genres präsentieren. Vielleicht liegt es auch daran, dass „eXistenZ“ heute nur noch schwer zu greifen ist und vom Publikum vergessen wurde. Umso beeindruckender, dass die Besetzung so großartig ist: Jennifer Jason Leigh (zuletzt in „Annihilation“ gesehen) spielt an der Seite von Jude Law. Weiterhin geben Willem Dafoe, Ian Holm und Sarah Polley ihr Stelldichein. Der Score stammt von Howard Shore. Nur große Namen. Und doch wirkt „eXistenZ“ angenehm klein. Tatsächlich ein ganz anderer Film. Er bricht mit den Erwartungen und selbst das Ende besitzt mehrere Ebenen.

Fazit

Mir hat „eXistenZ“ bereits damals viel Freude bereitet. Ich kann heute nicht mehr sagen, ob ich ihn im Kino gesehen habe oder erst auf VHS. Die letzte Sichtung lag schon viel zu lange zurück, da es den Film lange nicht zu erwerben gab. Dank Turbine Media Group liegt inzwischen aber eine mehr als brauchbare Blu-ray-Fassung vor, die ich in diesem Zuge nur empfehlen kann. Wenn ihr den Film noch nicht kennt, ihr euch aber für Sci-Fi dieser Art interessiert, dann unbedingt nachholen: 9/10 Punkte.

The Game (1997)

Nach einer anstrengenden Arbeitswoche, während der ich noch gegen die Ausläufer meiner Grippe gekämpft habe, bin ich nun sehr froh, dass endlich Wochenende ist. Eingeläutet haben wir es natürlich mit einem Film: Die Wahl ist heute auf David Finchers „The Game“ gefallen, den ich damals sehr mochte. Die letzte Sichtung liegt mindestens 13 Jahre zurück und ich war sehr gespannt, ob er auch heute noch funktioniert. Mehr dazu in der folgenden Besprechung…

The Game (1997) | © Universal Pictures Germany GmbH

The Game (1997) | © Universal Pictures Germany GmbH

Einer der unterschätzen David-Fincher-Filme

Ich kann heute gar nicht mehr sagen, wann ich „The Game“ zum ersten Mal gesehen habe. Vermutlich war es nach der Sichtung von „Fight Club“ im Kino. Oder doch schon nach „Sieben“? Nach einem der beiden Filme habe ich auf jeden Fall angefangen, die anderen Filme des Regisseurs nachzuholen – und auch wenn „The Game“ neben den beiden genannten Werken immer etwas untergeht, so mag ich ihn jedoch sehr gerne. In der allgemeinen Wahrnehmung zählt er zusammen mit „Panic Room“ wohl eher zu den schwächeren Filmen des Regisseurs, doch sind beide technisch makellos und die Handlung wunderbar packend. Für Fincher vielleicht nur eine Fingerübung, doch damit immer noch gelungener, als die meisten anderen Thriller.

Kann es wirklich sein, dass „The Game“ bereits 22 Jahre auf dem Buckel hat? Für mich war es immer ein sehr moderner Thriller. Ja, beinahe schon ein High-Tech-Thriller! Aus heutiger Sicht wirken einige Elemente (die großen Röhrenfernseher, die Telefone und Mobilgeräte) doch recht angestaubt, was man von der restlichen Inszenierung glücklicherweise nicht behaupten kann. David Fincher zieht abermals alle Register und entführt uns auf ein mysteriöses, düsteres und rasantes Abenteuer, das von Michael Douglas wunderbar getragen wird. Die häufig kritisierten Logiklöcher fallen, wenn man denn gewillt ist, sich auf die Geschichte einzulassen, überhaupt nicht auf.

Fazit

Ja, auch nach 22 Jahren kann David Finchers „The Game“ immer noch überzeugen. Auch wenn mir die große Enthüllung am Ende des Films noch im Gedächtnis war, so hatte ich erneut viel Spaß auf dem Weg dorthin. Nach wie vor einer der gelungensten Mystery-Thriller, die man sich anschauen kann: 8/10 Punkte.

The Goldbergs – Season 3

Oh nein, nun habe ich schon das dritte Jahr mit meiner neuen Lieblings-TV-Familie verbracht. Das heißt nach „The Goldbergs – Season 3“ bleibt vorerst nur eine Staffel übrig. Puh, das wird hart! Ganz anders als diese wunderbare Serie, die mich abermals bestens unterhalten hat. Wie eine Zeitmaschine in die durch Steven-Spielberg-Filme verklärten 80er Jahre…

The Goldbergs – Season 3 | © Sony Pictures Home Entertainment

The Goldbergs – Season 3 | © Sony Pictures Home Entertainment

Stimmbruch, Schnurrbärte und „Dirty Dancing“

Schon in der ersten Episode der Staffel merkt man, dass Hauptdarsteller Sean Giambrone im Vergleich zum Vorjahr einen deutlichen Sprung in Richtung Pubertät gemacht hat. Dies hat zur Folge, dass auch seine Serienfigur Adam Goldberg mitten im Stimmbruch steckt und immer mehr mit den Herausforderungen des Heranwachsens zu kämpfen hat. Dies sind manchmal recht plakative und offensichtliche Dinge, manchmal dagegen wunderbar emotionale Gegebenheiten, bei denen man als Zuschauer merkt, dass Adam das Kindsein noch nicht ganz hinter sich lassen will. In diesen Momenten hat mich die Serie immer wieder voll erwischt. Gerade weil ich solche Beobachtungen auch schon bei meinen eigenen Kindern gemacht habe.

Neben den ernsteren und emotionalen Themen, bietet auch das dritte Jahr von „The Goldbergs“ wieder etliche popkulturelle Anspielungen: Von „Risky Business“ über „Nummer 5 lebt!“ bis „Dirty Dancing“ ist alles dabei. Auch die inzwischen etablierten Insider-Gags leben weiter und es ist eine große Freude, Beverly und Murray Goldberg bei ihren verzweifelten und liebevollen Versuchen zu begleiten, ihre Kinder auf den richtigen Weg zu führen. Das alles ist zwar sehr typisch für Familien-Comedys, aber steckt hier deutlich mehr Herz dahinter, als bei 08/15-Sitcoms.

Fazit

Auch wenn es nur Nuancen sind, so hat mir das dritte Jahr mit „The Goldbergs“ noch einmal besser gefallen als die ersten beiden Staffeln. Ich liebe das Gefühl, das die Serie verströmt, den unschuldigen Humor und die emotionalen Elemente. Durch den Einsatz popkultureller Referenzen sowie den Bezug zur eigenen Kindheit des Autoren, weht ein frischer Wind durch diese wundervolle Retro-Serie: 9/10 (9.2) Punkte.