Nightmare Before Christmas – OT: The Nightmare Before Christmas (1993)

Eigentlich hatte ich dieses Jahr den erste Gruselfilm light für die Kids geplant und wollte „Addams Family“ mit ihnen sehen. Allerdings ist dieser, wider meinen Erinnerungen, doch erst ab 12 Jahren freigegeben, weshalb wir spontan auf „Nightmare Before Christmas“ umgeschwenkt sind. Kein wirklicher Gruselfilm, aber doch thematisch sehr passend… 🎃🎄

Nightmare Before Christmas (1993) | © Walt Disney

Nightmare Before Christmas (1993) | © Walt Disney

Ein wunderbar kreativer Animationsfilm

Meine letzte Sichtung von „Nightmare Before Christmas“ liegt schon etliche Jahre zurück. Ich war nie der größte Fan, wusste jedoch stets die audiovisuelle Kreativität zu schätzen, die dem Film aus jeder Pore dringt. Auch wenn man dieses Halloween-Märchen stets mit Tim Burton in Verbindung bringt, so saß doch Henry Selick auf dem Regiestuhl, der seitdem einiges an Erfahrung mit Stop-Motion-Filmen sammeln konnte. So ikonisch sollte jedoch kein weiterer Stop-Motion-Film von Henry Selick oder von Tim Burton selbst mehr werden. Schon alleine das Charakterdesign ist unverwechselbar (siehe auch das Szenenfoto oben).

Inhaltlich erzählt „Nightmare Before Christmas“ eine nette Geschichte, deren Grundidee für einige Gesangsnummern reicht. Der Film ist dabei mehr Musical als wirklich narrative Erzählung. Das ist auch völlig okay, man sollte nur wissen, worauf man sich einlässt. Den Kindern hat eindeutig die Geschichte gefehlt und sie konnten sich für die künstlerischen Details nicht sonderlich begeistern. Vermutlich ist es auch eher ein Animationsfilm, der ein erwachsenes Publikum anspricht. Die Bilder sind teils ziemlich morbide, der Humor eher subtil und die Geschichte eher fragmentiert. Es ist für mich interessant, diesen neuen Blick auf den Film zu bekommen.

Fazit

Für mich ist „Nightmare Before Christmas“ ein Klassiker des Animationsfilms. Ich liebe den Stil und mag auch die Songs sehr. Allerdings finde ich ihn narrativ auch etwas schwach auf der Brust, was aber nicht schwer wiegt, denn für mich ist er ein knapp 80-minütiges Musical-Event. Das Zappelinchen war ob des Figurendesigns gar nicht begeistert und auch der Zwergofant fand den Film maximal nett: 8/10 Punkte. (Zappelinchen: 2/10 Punkte; Zwergofant: 5/10 Punkte.)

Squid Game – Staffel 1 (2021)

Nachdem ich mit „The Mandalorian“ eine Serie nachgeholt hatte, deren Hype momentan bereits am Abklingen ist, erwische ich „Squid Game“ noch auf dem Höhepunkt der Popularität. Wie ich den Hype einschätze und ob dieser gerechtfertigt ist, lest ihr in der folgenden Besprechung… 🦑

Squid Game | © Netflix

Squid Game | © Netflix

Der ungewöhnliche Hype um „Squid Game“

Ich wurde tatsächlich erst durch den Hype auf „Squid Game“ aufmerksam. Ein ungewöhnlicher Hype, den ich mir auch noch nicht so richtig erklären kann. Zwar gab es in den letzten Jahren durchaus ein paar südkoreanische Filmproduktionen, die auch bei uns ein größeres Publikum erreicht haben (das prominenteste Beispiel dürfte wohl „Parasite“ sein), doch ein Massenphänomen wie „Squid Game“ waren auch diese Filme nicht. Hinzu kommt, dass die Serie sozialkritisches Drama und Genrekino kombiniert und mit extremer Gewalt paart. Also auch eher Nischenthemen. Woher kommt also der Hype? Extremer Push durch den Netflix-Algorithmus? Hat die Berichterstattung den Hype befeuert oder ihn sogar entfacht? Alles daran wirkt kurios. Auch dass „Squid Game“ nun als alltagstaugliche Hype-Serie wahrgenommen wird. Dabei bietet sie neben dem Unterhaltungsaspekt auch Raum für schwere Themen und erinnert dabei deutlich mehr an „Parasite“ als an die „The Hunger Games“-Reihe, mit der die Serie auch häufiger verglichen wird. Wenn ich Artikel lese, dass die Serie nun selbst von jüngeren Schulkindern geschaut wird, dann hoffe ich, dass dies nur Teil der PR-Maschinerie von Netflix ist. Zumal einige der thematisierten Spiele ja auch bei uns bekannt sind und auch ohne Serienbezug auf dem Schulhof gespielt werden.

Lasset die Spiele beginnen!

Lässt man den Hype außen vor, dann wurde ich von der Serie bestens unterhalten. Und zwar was alle Emotionen angeht: Ich habe gelacht, mitgefühlt und gelitten. Teils konnte ich gar nicht hinschauen, so brutal sie die Tötungsszenen inszeniert. Liest man „Squid Game“ wörtlich, dann ist es eine hochspannende und perfide Serie, rund um verlorene Figuren, die um ihr Leben kämpfen. Richtig spannend wird es jedoch erst, wenn man die wenig subtile Parabel in das Seherlebnis einfließen lässt: Unsere kapitalistische Welt, in der das eine Prozent direkt und indirekt Einfluss auf die Existenz aller Untergeordneten in unserer Gesellschaft nimmt. Samt Zwischenschichten und im Keim erstickter Ausbrechversuche. Letztendlich kann ein(e) einzelne(r) Spieler*in nicht darüber entscheiden, aus dem System auszusteigen. Auch der Fakt, dass Kinderspiele im Fokus stehen, ist spannend. Nicht nur weil diese wunderbar einfach zu erklären sind, sondern auch weil Kinder diese oft ebenso verbissen spielen, als würde es um Leben oder Tod gehen.

Die Beziehungen der einzelnen Spieler*innen untereinander sind ebenfalls spannend. Da wird sich, wie in unserer Gesellschaft, aneinander abgearbeitet und das System selbst, von ein paar fruchtlosen Versuchen abgesehen, nicht weiter in Frage gestellt. Es steckt also mehr in der Serie, als man unter der Oberfläche aus grünen Jogging-Anzügen, pinken Uniformen, Blut und Gedärmen erwarten würde. Einzig der Handlungsstrang um den Polizisten fand ich ein wenig unnötig. An sich durchaus spannend und gelungen in Szene gesetzt, andererseits hätte man diesen jedoch auch komplett weglassen können. In der Parabel funktioniert er zwar als einer der wenigen Aufrechten, die das System zu bekämpfen versuchen, deren Scheitern am Ende jedoch unausweichlich ist. Zudem wird uns durch ihn ein Blick hinter die Kulissen des „Squid Game“ gewährt.

Fazit

Ich war zu Beginn der Serie wirklich skeptisch. Auch aufgrund des großen Hypes, den ich immer noch nicht nachvollziehen kann. Davon abgesehen hat mich „Squid Game“ aber wirklich begeistert. Die plakative Gesellschaftskritik erinnert an „Snowpiercer“, so manche Wendungen haben mich an „Die Taschendiebin“ denken lassen. Am meisten jedoch hat mich die Serie jedoch an „Parasite“ erinnert, auch wenn das Setting in großen Teilen ein ganz anderes ist. Was auch immer der Grund für den Hype ist, ich finde diesen bemerkenswert und die Entwicklung kann, neben all den reißerischen Schlagzeilen, nur positiv für internationale Serienformate sein. Auch davon abgesehen definitiv eine Serie, die mir noch lange im Gedächtnis bleiben wird: 9/10 (8.6) Punkte.

Summer of 84 (2018)

Heute stand ein Film auf dem Programm, der schon viel zu lange ungesehen im Regal stand. Die Rede ist von „Summer of 84“ des kanadischen Regie-Kollektivs RKSS. Ein Jugend-Thriller, der in den 1980er Jahren spielt und dabei weniger an die bekannten Werke der Ära erinnert, als an Neuinterpretationen à la „Stranger Things“. Schafft der Film es dennoch sich abzuheben? 🔦📭

Summer of 84 (2018) | © Pandstorm Pictures (Edel)

Summer of 84 (2018) | © Pandstorm Pictures (Edel)

Toll inszeniert, aber leider im Ton vergriffen

Während der ersten Stunde war ich tatsächlich ziemlich begeistert von „Summer of 84“. Die Kostüme, die Ausstattung, der Score: Das alles schreit wirklich nach stilisierten 1980er Jahren. Klar, die Gruppe der Freunde ist nicht so sympathisch und perfekt gecastet, wie in „Stranger Things“, doch die Geschichte ist spannend und wirkt viel geerdeter. Mich hat es auch nicht gestört, dass es keine großen Wendungen gab, sondern dass sich alles ziemlich genau so entwickelt, wie ich es erwartet hatte. Schließlich zählt „Meine teuflischen Nachbarn“ zu meinen Favoriten aus den Achtziger Jahren und die Parallelen sind unverkennbar. Ich hatte den Film schon gedanklich bei den Jugendabenteuern einsortiert, die ich immer mal wieder gerne hervorziehe. Doch dann kam das Finale…

Wie bereits gesagt: Es hat mich nicht gestört, dass der von Anfang an Verdächtigte (übrigens gespielt von Rich Sommer, bekannt als Harry Crane aus „Mad Men“) am Ende auch der Täter ist. Selbst dass es nach dem Showdown noch einen Epilog gibt, hatte ich erwartet. Aber die extrem düsteren letzten 15 Minuten hätten dann doch nicht sein müssen. Für mich hat dieses Finale nicht zum vorhergehenden Film gepasst. Die folgende Kernaussage des Films hätte man auch ohne diesen drastischen Schritt übernehmen können:

„Even serial killers live next door to somebody. Tough pill to swallow, I know, but it’s true. If I’ve learned anything, it’s that people hardly ever let you know who they really are. Just past the manicured lawns and friendly waves, inside any house, even the one next door, anything could be happening and you’d never know. And that’s the thing about this place, it all might seem normal and routine, but the truth is the suburbs are where the craziest shit happens. You never know what might be coming around the corner.“

– Davey Armstrong, „The Summer of 84“

So bleibt am Ende nur ein bedrückendes Gefühl übrig. Schade.

Fazit

Ich mochte viele Aspekte von „Summer of 84“, doch das Finale hat den Film für mich dann etwas kaputt gemacht. Ich mag düstere Enden, doch sie sollten zum Rest des Films passen. Dennoch kann ich den Film Genrefreund*innen durchaus empfehlen, auch wenn ihr keinen neuen Klassiker erwarten solltet: 6/10 Punkte.

Ostwind: Aris Ankunft (2019)

Nachdem der letzte Filmabend schon drei Wochen zurückliegt, war es heute Zeit für „Ostwind: Aris Ankunft“. Recht passend, da ich ein paar Stunden zuvor mit dem Zappelinchen zu ihrer Reitstunde geradelt bin. Die Sichtung des Vorgängers „Ostwind: Aufbruch nach Ora“ liegt bereits neun Monate zurück, doch der Rest der Familie hat den fünften Teil in der Zwischenzeit sogar im Kino gesehen… 🐎

Ostwind: Aris Ankunft (2019) | © Constantin Film (Universal Pictures)

Ostwind: Aris Ankunft (2019) | © Constantin Film (Universal Pictures)

Beinahe ein Remake des ersten „Ostwind“

Hat der vierte Teil mit dem neuen Setting noch einen frischen Wind in die Reihe gebracht, kehren wir in „Ostwind: Aris Ankunft“ nach Kaltenbach zurück. Mika liegt nach einem Unfall im Koma und wir wohnen einer neuen Begegnung zwischen einem menschlichen Außenseiter und eben Ostwind bei. Das alles hat mich doch sehr an den ersten Teil „Ostwind“ erinnert und die Geschichte hat sich demnach recht redundant angefühlt. Samt Reittournier am Ende inklusive Happy End.

Die neue Figur Ari ist nett gezeichnet und nett gespielt. Die Dynamik zwischen den bekannten Charakteren funktioniert perfekt und die Inszenierung abermals sehr hochwertig. An die mythischen Elemente habe ich mich inzwischen gewöhnt, doch inzwischen nutzen sich die Versatzstücke ein wenig ab. Auch laut dem Rest der Familie ist dieser Teil ein wenig schwächer, doch die bereits im Kino gesehene Fortsetzung soll wieder anziehen. Ob ich diese jemals sehen werde?

Fazit

„Ostwind: Aris Ankunft“ war ein weiteres, nettes Pferdeabenteuer. Allerdings nutzt sich die bekannte Formel inzwischen ab, zumal die Geschichte wirklich sehr nahe am ersten Teil dran ist und beinahe wie ein Reboot wirkt: 5/10 Punkte. (Zappelinchen: 8/10 Punkte; Zwergofant: 7/10 Punkte.)

The Mandalorian – Staffel 1 & 2

Da ich momentan Disney+ teste, stehen neben unzähligen Kinderfilmen, ob Klassiker aus meiner Kindheit oder aktuelle Filme, natürlich auch exklusive Produktionen auf dem Programm: Auf die Serie „The Mandalorian“ hatte ich mich schon sehr gefreut, da die Kritiken alle sehr positiv waren und ich nach „Star Wars: The Rise of Skywalker“ einmal wieder ein gelungenes „Star Wars“-Erlebnis gebrauchen konnte… 👨‍🚀

The Mandalorian | © Walt Disney

The Mandalorian | © Walt Disney

Um zu Beginn kurz auf meine persönliche „Star Wars“-Geschichte einzugehen: Ich liebe die alte Trilogie. Natürlich auch, weil ich mit ihr aufgewachsen bin. Die Prequel-Saga habe ich schon ewig nicht mehr gesehen, empfinde für sie aber keinen Hass, wie leider viele der alten Fans. Von der Disney-Ära gefällt mir „Rogue One: A Star Wars Story“ am besten und „The Mandalorian“ erinnert mich in vielen Elementen an diesen Film, auch was die Verknüpfungspunkte zur Originaltrilogie angeht:

Staffel 1: Ein seltsames Paar

Für mich schwankt „The Mandalorian“ stets zwischen einem Gefühl von ‚Wow, da gehen sie aber einen ungewöhnlichen Ansatz!‘ und ‚Och nee, das ist jetzt ja Fanservice pur!‘ Wobei der eingeschlagene Weg im Großen und Ganzen schon anders ist, als man von einer typischen „Star Wars“-Serie erwarten würde. Schon alleine, dass die Hauptfigur über die komplette Zeit eine Maske trägt und auch eher wortkarg ist, wirkt ungewöhnlich. Die Beziehung zu dem Kind ist dann auch wieder so eine Sache: einerseits voll das Niedlichkeitsklischee, andererseits aber auch sehr überraschend ausgespielt. Die Geschichte tritt oft auf der Stelle und wirkt teils eher wie eine Planet-der-Woche-Serie aus den 1990er Jahren, nur um im nächsten Moment wieder mit den Erwartungen zu brechen. Insgesamt ist „The Mandalorian“ im ersten Jahr vermutlich nicht die „Star Wars“-Serie, die wir erwartet haben, aber vermutlich die „Star Wars“-Serie, die nötig war, um dem Franchise einen neuen Impuls fernab von Skywalker und Co. zu geben. Für mich noch nicht die Offenbarung, aber zweifellos sehr spannend: 8/10 (7.8) Punkte.

Staffel 2: Mehr Abenteuer, Action und Grogu

Die zweite Staffel dreht noch einmal ordentlich auf, was Action angeht. Gerade im Staffel-Opener wird das ersichtlich, wenn auch das Bildformat von 2,40:1 auf 16:9-Vollbild geöffnet wird. Gigantisch! Da wurden direkt Erinnerungen an „DUNE“ wach. Doch auch abseits der Action hat mir die zweite Staffel noch einmal deutlich besser gefallen: Das Zusammenspiel zwischen dem Mandalorianer und Grogu funktioniert perfekt, wir lernen neue, spannende Figuren kennen und es gibt stärkere Bezüge zum großen „Star Wars“-Universum, ohne jedoch wie ein weiterer Teil der Skywalker-Saga zu wirken. Dabei sind die Geschichten immer noch eher simpel und viele Episoden können fast schon als abgeschlossene Abenteuer betrachtet werden. Gegen Ende nimmt die Handlung dann noch einmal ordentlich Fahrt auf und sowohl Action als auch Gastauftritte stehen den Kinofilmen in nichts nach. Für mich das Beste, seit Disney das Ruder bei „Star Wars“ übernommen hat: 9/10 (8.9) Punkte.

Fazit

Für mich konnte sich „The Mandalorian“ über seine Laufzeit enorm steigern. Gerade das Finale der zweiten Staffel fand ich perfekt und halte es für einen runden Abschluss der Serie. Aber es wird wohl weitergehen. Darüber freue ich mich, zumal ich die Crew um Jon Favreau perfekt dafür geeignet halte, das Universum weiter auszubauen. An dieser Stelle kann ich auch nur die sehenswerte Making-of-Dokumentation empfehlen. Ein echter Zugewinn für das Franchise: 8/10 (8.4) Punkte.

Modern Family – Die komplette Serie (Staffel 1 bis 11)

In der folgenden Besprechung verarbeite ich beinahe ein Jahr Serienkonsum. Das bedeutet auch elf Staffeln der Serie „Modern Family“, welche mir in dieser Zeit wirklich ans Herz gewachsen ist. Für mich geht damit eine Ära zu Ende, denn die Serie zählt zu den letzten großen Comedy-Formaten, welche mich über solch einen langen Zeitraum begleitet haben. Quasi Familie eben… 👨‍👩‍👧‍👧

Modern Family | © ABC

Modern Family | © ABC

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Review: Free Guy (2021)

Thank god it’s friday! Das Wochenende ist wirklich bitter nötig. Die Woche war lang und anstrengend. Auch heute hat sich der Arbeitstag in die Länge gezogen und ich bin recht spät aufs Sofa gekommen. Da schien „Free Guy“ die richtige Wahl zu sein, zumal der Film parallel noch im Kino läuft und erst seit ein paar Tagen auf Disney+ verfügbar ist. Verrückte Welt, was wiederum auch zum Film passt… 😎

Free Guy (2021) | © Walt Disney

Free Guy (2021) | © Walt Disney

Herrlich bunte Meta-Action mit Witz

Der Trailer (siehe unten) hat schon einen ganz guten Eindruck vom Film vermittelt. Ich jedoch war mir nicht sicher, ob sich die Prämisse wirklich über knapp zwei Stunden tragen würde. Auch der Look des Trailers schien mir teils seltsam, was sich jedoch erst im Film aufgelöst hat. Letztendlich zieht die Geschichte ihren Humor auch genau aus den Realfilmsequenzen, die nur auf Bildschirmen in Videospielgrafik gezeigt werden. Ein recht geschickter Kniff, der letztendlich auch inhaltlich mehr Freiheiten erlaubt. Die Sonnenbrille als Blick hinter die Kulissen weckt natürlich Erinnerungen an John Carpenters „Sie leben“, was sich als Idee auch gut in die Videospielwelt einfügt.

Am meisten hat mich wohl überrascht, wie viel „Free Guy“ in der realen Welt spielt. Im Vergleich zu Free City wirkten diese Szenen eher wie kurze Pausen von der atemlosen Action der Videospielwelt. Zumindest bis Taika Waititi (Regisseur von u.a. „Jojo Rabbit“) als völlig überzeichneter Bösewicht auftritt. Herrlich! Doch der eigentliche Star des Films ist natürlich Ryan Reynolds, der seinen selbstironischen Charme auch hier komplett auszuspielen weiß. Es macht einfach unfassbar viel Spaß, Blue Shirt Guy bei seinem Erkenntnisgewinn zu beobachten. Gegen Ende wird die Handlung dann allerdings sehr vorhersehbar und kitschig, was ich ein wenig schade fand.

Fazit

Ich hatte wirklich viel Spaß mit dem Film. Letztendlich wird mir „Free Guy“, wie auch die Open-World-Spiele, die Pate standen, nicht allzu lange im Gedächtnis bleiben. Für die knapp zwei Stunden Laufzeit war er aber sehr unterhaltsam. Viel länger kann ich mich mit dem Genre auch nicht beschäftigen: 7/10 Punkte.

Unterleuten: Das zerrissene Dorf – Die komplette Miniserie (2020)

Ich hätte nie gedacht, dass ich diesen TV-Mehrteiler je anschauen würde. Meine Frau hat jedoch Juli Zehs „Über Menschen“ gelesen. Irgendwie habe ich dann den Titel mit ihrem Roman „Unterleuten“ verwechselt und bin auf die Serienfassung „Unterleuten: Das zerrissene Dorf“ gestoßen, woraufhin die Frau Lehrerin sich auch diesem Roman gewidmet hat. Da die Adaption ohnehin im Raum stand, hat diese auch den Weg in unser Abendprogramm gefunden… 🏘

Unterleuten: Das zerrissene Dorf | © ZDF

Unterleuten: Das zerrissene Dorf | © ZDF

Sprödes TV-Drama als spannende Charakterstudie

Bevor ich mit der Besprechung angefangen habe, musste ich tatsächlich überlegen: Ist das nun eine Miniserie? Oder drei TV-Filme? Aufgrund der zeitlich dichten Ausstrahlung und der Struktur, würde ich „Unterleuten: Das zerrissene Dorf“ eher als Miniserie einordnen bzw. eben als zusammenhängender TV-Mehrteiler, aus dem man auch leicht sechs Episoden à 45 Minuten hätte schneiden können. Ein für mich recht sinnvolles Format für eine Romanverfilmung, das z.B. auch Netflix mit Adaptionen wie „Behind Her Eyes“ verwendet. Während der ersten 20 Minuten war ich ein wenig erschlagen von den unzähligen Figuren, die eingeführt werden und alle auch noch irgendwie miteinander in Verbindung stehen. Erstaunlicherweise hat das ganz gut funktioniert und schon nach einer Stunde konnte ich alle Charaktere ganz gut in der Geschichte verorten (wobei mir auch die Erläuterungen der meiner Frau geholfen haben).

Inhaltlich macht „Unterleuten: Das zerrissene Dorf“ ein Beziehungsgeflecht auf, das eine sozialkritische Komponente besitzt und die Interessen verschiedenster Bewohner*innen eines Dorfes beleuchtet. All das geschieht vor dem Hintergrund des strukturellen Zerfalls ländlicher Regionen in den neuen Bundesländern. Die Idylle, die Unterleuten zu Beginn vielleicht noch ausstrahlt, und die gerade für die zugezogenen Berliner so attraktiv scheint, ist letztendlich nur eine projizierte Wunschvorstellung. Als nun Windräder gebaut werden sollen, entsteht ein Grabenkampf, dessen Wurzeln bis in tiefste DDR-Zeiten zurückreichen. Ein durchaus spannendes Thema, das jedoch immer wieder unter der Oberflächlichkeit krankt, mit der sowohl die Inszenierung als auch die Charakterzeichnung angegangen wird. Ich hatte oft das Gefühl, hier würde eine brutalere und kompromisslosere Geschichte im Hintergrund liegen. Das Buch ist an manchen Stellen wohl auch noch drastischer, doch die – um es böse zu sagen – Vorabendinszenierung lässt so manchen Effekt einfach verpuffen.

Fazit

Insgesamt fand ich es spannend, einmal wieder in deutsche TV-Welten abzusteigen. Doch gerade wenn man die Miniserie mit Produktionen wie dem thematisch durchaus verwandten „Hindafing“ vergleicht, dann fällt diese doch deutlich ab, was Inszenierung und Innovationsgeist angeht. Inhaltlich dennoch stark und gut gespielt. Kann man sich durchaus einmal anschauen: 7/10 (6.7) Punkte.

Under the Silver Lake (2018)

Ein recht entspannter Samstag liegt hinter mir, den ich größtenteils mit einem Lauf und dem Lesen der Vorlage von „DUNE“ verbracht habe. Abends habe ich mich dann für den Film „Unter the Silver Lake“ entschieden, der bereits viel zu lange ungesehen im Regal stand. Sehr zum Leidwesen der Frau Lehrerin… 🎬

Under the Silver Lake (2018) | © Weltkino Filmverleih GmbH (Vertrieb LEONINE)

Under the Silver Lake (2018) | © Weltkino Filmverleih GmbH (Vertrieb LEONINE)

„Donnie Darko“ trifft auf „Mulholland Drive“

Ich wusste davor nicht viel über den Film. Nur dass er von David Robert Mitchell, dem Regisseur von „It Follows“ ist, den ich wirklich sehenswert und gruselig fand, und dass er eine mysteriöse Kriminalgeschichte in Hollywood erzählt. Auf dem Papier macht  „Under the Silver Lake“ auch genau das, doch ist hier eher der Weg das Ziel. Nur ohne Ziel. Von Anfang an hat mich die Stimmung an „Donnie Darko“ erinnert. Oder eben David Lynchs „Mulholland Drive“, welcher auch thematisch verwandt ist. Fans der beiden Filme dürfen die Besprechung schon einmal abkürzen und direkt ins Gefängnis gehen. Der Rest darf noch einmal über Los wandeln und nach einem Ausweg aud dem düsteren Hollywood suchen.

„Under the Silver Lake“ ist kein leichter Film. Ich fand die Übersexualisierung anstrengend. Auch die traumhafte Montage ist nicht immer einfach ertragbar, aber doch faszinierend. Am stärksten ist jedoch die Atmosphäre, die mich irgendwann für sich eingenommen hatte. So sehr, dass ich Andrew Garfield (u.a. bekannt als „The Amazing Spider-Man“) bereitwillig durch das popkulturelle Labyrinth gefolgt bin. Hier liegt für mich auch die Aussage des Films: Man kann alles in popkulturelle Erzeugnisse hineininterpretieren. Es steckt jedoch nichts dahinter. Oder aber: Es steckt mehr in Popkultur als man auf den ersten Blick vermuten würde. Vermutlich liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen. Gerade auch, weil David Robert Mitchell sich formal sehr an den Hollywood-Klassikern Alfred Hitchcocks usw. bedient, was beim Score oder den verwendeten Motiven auffällt. Eine endgültige Interpretation habe ich noch nicht gefunden, aber ich bin fasziniert und werde bestimmt noch länger über den Film nachdenken müssen. Ob ich will oder nicht.

Fazit

Ja, das war ziemlich abgedreht. Eine böse Satire auf Hollywood? Eine Abrechnung mit dem Geschäft um die Popkultur? Oder nur ein Kifferfilm ohne Sinn und Verstand? Ich kann es nicht sagen. Auf jeden Fall faszinierendes Kino und anders als die meisten Filme. Für Freunde des abseitigen Kinos definitiv empfehlenswert: 8/10 Punkte.

Raya und der letzte Drache – OT: Raya and the Last Dragon (2021)

Juhu, endlich Freitagabend! Das bedeutet natürlich auch Filmabend mit der Familie. Allerdings stand dieser unter der Woche häufiger auf der Kippe. Die Kinder wissen warum. Doch am Ende hat es dann ja doch geklappt und wir konnten endlich „Raya und der letzte Drache“ anschauen… 🐉

Raya und der letzte Drache (2021) | © Walt Disney

Raya und der letzte Drache (2021) | © Walt Disney

Ein imposant animiertes Fantasy-Abenteuer

Mit „Soul“ und „Luca“ haben wir kürzlich zwei gar herausragende Filme aus dem Hause Disney gesehen. Also aus dem Hause Disney/Pixar. Bei „Raya und der letzte Drache“ handelt es sich dagegen um eine reine Disney-Produktion, was ja nichts Schlechtes sein muss. Immerhin haben sie mit „Vaiana: Das Paradies hat einen Haken“ einen meiner liebsten Animationsfilme der letzten Jahre abgeliefert. Das Setting schien zudem recht unverbraucht zu sein und asiatische Kampfkunst, gepaart mit Fantasy-Elementen, hat schließlich bereits bei „Mulan“ (der Zeichentrickversion zumindest) bestens funktioniert.

„Raya und der letzte Drache“ sieht großartig aus! Ich mag es sehr, wie menschliche Hauptfiguren in den jüngsten Disney-Animationsfilmen aussehen. Der Look der Haut und der Abstraktionsgrad funktionieren einfach hervorragend. Inhaltlich ist die Geschichte dagegen nicht ganz so stark. Der Aufbau erinnert ein wenig an Level eines Videospiels und man bekommt nicht wirklich viel von den einzelnen Gebieten der Welt zu sehen. Da hätte ich mir fast ein wenig mehr Abwechslung und Abenteuer gewünscht. Dennoch fügen sich die einzelnen Elemente gut zusammen, die Botschaft ist schön und die Figuren, und ihre Interaktion miteinander, machen wirklich Spaß. Im Finale werden noch einmal alle emotionalen Karten gezogen und ich musste, einmal wieder, eine Träne verdrücken. Einfach schön.

Fazit

„Raya und der letzte Drache“ ist ein wunderbares Fantasy-Abenteuer, das nicht nur großartig aussieht, sondern auch wirklich extrem unterhaltsam ist. Inhaltlich nicht ganz so ausgefeilt, wie die letzten Pixar-Filme, doch mit viel Liebe fürs Detail umgesetzt. Ich hatte viel Spaß damit und die Kinder waren begeistert: 8/10 Punkte. (Zappelinchen: 9/10 Punkte; Zwergofant: 9/10 Punkte.)