Modern Family – Die komplette Serie (Staffel 1 bis 11)

In der folgenden Besprechung verarbeite ich beinahe ein Jahr Serienkonsum. Das bedeutet auch elf Staffeln der Serie „Modern Family“, welche mir in dieser Zeit wirklich ans Herz gewachsen ist. Für mich geht damit eine Ära zu Ende, denn die Serie zählt zu den letzten großen Comedy-Formaten, welche mich über solch einen langen Zeitraum begleitet haben. Quasi Familie eben… 👨‍👩‍👧‍👧

Modern Family | © ABC

Modern Family | © ABC

Die folgenden Bewertungen habe ich stets direkt nach der Sichtung der jeweiligen Staffel geschrieben, was auch gut so war, denn bei insgesamt 250 Episoden verschwimmen so manche Erzählstränge in der Erinnerung miteinander. Begleitet mich nun also auf einem Rückblick auf elf Jahre Seriengeschichte:

Staffel 1: Wie nach Hause kommen

Seit ich die erste Staffel von „Modern Family“ zuletzt gesehen habe, sind 10 Jahre vergangen. Unfassbar! Dabei wirkt die Serie auf mich immer noch recht frisch. Und ja, es hat sich tatsächlich ein wenig wie nach Hause kommen angefühlt. Bei Sitcoms mit 24 Episoden pro Staffel ist es nahezu unmöglich, sich an jeden Gag zu erinnern. Das trägt zum Wiederanschauungswert bei, wovon „Modern Family“ zweifellos profitiert. Dennoch konnte ich mich noch an etliche Episoden erinnern und habe sie gerne ein zweites Mal erlebt. Ein rundum gelungener Start in die Serie, der genau das richtige Level an Humor und emotionalen Szenen bietet. Immer noch toll: 9/10 (8.7) Punkte.

Staffel 2: Bestes Wohlfühl-TV mit viel Witz

Inzwischen hat sich „Modern Family“ den Platz im allabendlichen Programm gesichert. Fand ich die zweite Staffel schon bei der ersten Sichtung großartig, hat sie mir bei diesem Durchgang fast noch besser gefallen. Vielleicht auch weil man sich im Jahr 2020 einfach nach entspannter und positiver Unterhaltung sehnt. Die Figuren sind noch besser ausgearbeitet und das Timing nach wie vor großartig. Ich freue mich jetzt schon auf viele weitere Jahre mit den Pritchetts/Dunphys – und von diesen wird es, wie wir heute wissen, noch weitere 9 Jahre geben: 9/10 (8.8) Punkte.

Staffel 3: Die Serie hat ihren Groove gefunden

In der dritten Staffel passt fast alles. Das fand ich schon damals bei der ersten Sichtung. Die Autor*innen wissen inzwischen ganz genau, wie die Figuren ticken und welche Art von Storyline für sie am besten funktioniert. Ebenso die Schauspieler*innen, die sich noch einen Tick wohler in ihren Rollen zu fühlen scheinen. Von absolut albern bis herzergreifend ist wieder alles dabei und die Balance ist perfekt. Auch wenn die Adoption eines weiteren Kindes durch Cam und Mitchell (noch) nicht geklappt hat, so steht für die kommende Staffel doch ein großer Neuzugang im Hause Pritchett an. Famose Unterhaltung: 9/10 (9.0) Punkte.

Staffel 4: Die Familie wächst weiter an

Nachdem ich die vierte Staffel bei der ersten Sichtung damals nicht mehr ganz so gelungen fand, muss ich diese Einschätzung revidieren. Tatsächlich hat mir die Staffel beinahe genauso viel Spaß gemacht, wie die bisherigen. Vermutlich liegt das auch an der momentanen Situation, in der ich mich einfach immer wieder über die leichte Unterhaltung, die „Modern Family“ zweifellos bietet, freue. Dabei bleiben auch emotionale oder schwierige Themen jedoch nicht auf der Strecke, was auch den Reiz der Serie ausmacht. Ob nun Jay in seiner wiedergefunden Vaterrolle, Hayleys kurzer Ausflug ans College oder Phils Nemesis Gil Thorpe – all das sind wunderbare Handlungsstränge, welche mir viel Freude bereitet haben: 9/10 (8.5) Punkte.

Staffel 5: Turbulente Zeiten und viel Humor

Die fünfte Staffel von „Modern Family“ ist die erste, die in großen Teilen komplett neu für mich war und vermutlich deshalb für mich auch noch einmal frischen Wind in die Serie gebracht hat. Die Handlungsstränge wirken noch routinierter und teils hatte ich das Gefühl, als hätte sich alles etwas zu sehr eingespielt, nur um im nächsten Moment wieder laut zu lachen. Mein Highlight der Staffel war ganz klar die Episode „Las Vegas“, die wie eine komprimierte Screwball-Comedy wirkt und zudem mit Gaststars wie Patton Oswald (bekannt aus „The King of Queens“) und Stephen Merchant (bekannt aus „Hello Ladies“) aufzutrumpfen weiß. Ansonsten fand ich es faszinierend, wie alt gerade die Kinderschauspieler schon wirken. Speziell Nolan Gould als Luke Dunphy wirkt, als wäre er locker 10 Jahre älter als in der ersten Staffel. Das dürfte noch interessant werden in den kommenden sechs Jahren. Für mich nach wie vor ein großer Spaß: 9/10 (8.7) Punkte.

Staffel 6: Stagnation trifft auf Innovation

Es ist erschreckend, wie schnell ich inzwischen durch die Staffeln von „Modern Family“ durchrenne. Die Frequenz der Sichtung hat sich auf zwei Episoden pro Abend eingependelt, was mich in zwei Wochen durch eine Staffel rennen lässt. Ohne die die Großfamilie Pritchett/Dunphy fehlt etwas. Vermutlich ist das auch der momentan sehr anstrengenden Situation geschuldet, welche geradezu nach entspannter Unterhaltung schreit. Somit konnte mich „Modern Family“ auch im inzwischen sechsten Jahr noch für sich einnehmen. Speziell die Episode „Connection Lost“ war für mich ein Highlight, erzählt diese die gesamte Handlung doch durch Claires Laptop-Nutzung, ganz so wie im innovativen Thriller „Searching“. Neben dieser Episode ist nicht mehr viel Innovation zu finden, was aber auch nicht schlimm ist, denn die Serie funktioniert einfach. Ja, manche Elemente wirken inzwischen ein wenig abgenutzt und ich befürchte, dass die Tendenz in den kommenden Staffeln eher nach unten zeigen wird. Mit dieser sechsten Staffel hatte ich dennoch weiterhin viel Spaß: 9/10 (8.5) Punkte.

Staffel 7: Endgültig in der Routine angekommen

Während meiner Sichtung der siebten Staffel hatte ich nun endgültig das Gefühl, dass es die Autor*innen mit so manchem Handlungsstrang übertrieben haben. Die Figuren fühlen sich immer mehr so an, wie überhöhte Abziehbilder ihrer selbst. Daneben gibt es immer noch etliche Momente, die wirklich witzig oder auch einfach nur emotional sind. Somit ist es kein Wunder, dass ich „Modern Family“ auch im siebten Jahr extrem verschlungen habe. Ein herausragendes Highlight war dieses Jahr für mich nicht dabei, aber ich habe jede Episode immer noch sehr gerne gesehen: 8/10 (7.8) Punkte.

Staffel 8: Größer, schneller, alberner

In der achten Staffel wird der begonnene Trend weiter fortgeführt: Die Handlungsstränge werden immer übertriebener und die Figuren immer alberner. Auch die Struktur der Familien wird immer weiter überstrapaziert, sprich dass alle erwachsenen Kinder immer noch zu Hause wohnen und es in vielen Dingen einfach keine Weiterentwicklung gibt. Dennoch gab es wieder ein paar herrliche Episoden, wie z.B. „Halloween IV: Revenge of Rod Skyhook“ (mein Highlight der Staffel). Dafür fand ich „Five Minutes“ ziemlich doof, was wiederum spannend ist, wird diese Episode doch genau so fragmentarisch erzählt, wie es die Serie „Life in Pieces“ ziemlich zeitgleich zu ihrem Konzept gemacht hat. Insgesamt weiterhin sehr unterhaltsam, aber man merkt eben doch, dass die ganz großen Tage vorbei sind – kein Wunder nach acht Jahren: 8/10 (7.6) Punkte.

Staffel 9: Die Luft ist langsam raus

Auch im neunten Jahr geht es humorvoll weiter, wenngleich die Witze auch immer flacher werden und der Trend, die klischeehaftesten Eigenschaften der Figuren in den Vordergrund zu rücken, fortgeführt wird. Erneut gibt es ein paar Gaststars, von Billy Crystal über James Van Der Beek bis hin zu Fred Savage ist alles dabei, was einmal Rang und Namen hatte. Über so etwas freue ich mich tatsächlich immer sehr, wenngleich es auch zeigt, dass „Modern Family“ inzwischen immer mehr zur reinen Nummernrevue verkommt, auch was das Ensemble angeht. Die Luft ist ein wenig raus und dennoch habe ich die Serie weiterhin sehr gerne geschaut: 8/10 (7.5) Punkte.

Staffel 10: Viel Durchschnitt, aber tolles Finale!

Hatte ich in der vorhergehenden Staffeln bereits das Gefühl, dass alle Beteiligten nur noch ihr Programm abspulen, so trifft dies auf die 10. Staffel noch stärker zu. Die verschiedenen Handlungsstränge greifen nicht mehr so gut ineinander und im Prinzip wird nur noch ein Charakterklischee ans nächste gepackt. Selbst die größten Entwicklungen rund um Haleys Schwangerschaft generieren nicht mehr wirklich neuen Humor. Davon abgesehen mochte ich es immer noch, den Figuren bei ihren alltäglichen Abenteuern zuzusehen und das Staffelfinale fand ich richtig gelungen. Da sind andere Comedy-Serien schon stärker abgestürzt: 7/10 (7.4) Punkte.

Staffel 11: Der große Abschied

Der letzte Staffel steht ganz im Zeichen des Abschieds: Auch wenn es keine Clip-Show gibt, so werden doch immer wieder Flashbacks in die einzelnen Episoden eingebaut. Dies unterstreicht die emotionale Note des finalen Jahres. Auch handlungstechnisch verändert sich viel für die Familien Dunphy und Pritchett: Mitch und Cam werden nach Missouri ziehen und die Dunphy-Kinder verlassen endgültig das Nest. Vieles wirkt ein wenig übertrieben und der Humor ist nicht mehr so auf den Punkt geschrieben, wie noch in den ersten Jahren. Doch es ist ein runder, emotionaler und schöner Abschied nach elf Staffeln: 8/10 (7.5) Punkte.

Fazit

Ich kann kaum glauben, dass „Modern Family“ nun hinter mir liegt. Die Serie gehört wohl zu den letzten, die mich solch eine lange Zeit begleitet haben. Letztendlich ist es nach „Friends“ und „Seinfeld“ wohl auch meine liebste Comedy-Serie. Und meine liebste Familien-Sitcom sowieso. Irgendwann werde ich bestimmt noch einmal zur Großfamilie Dunphy/Pritchett zurückkehren: 8/10 (8.2) Punkte.

13 Gedanken zu “Modern Family – Die komplette Serie (Staffel 1 bis 11)

  1. Vermissen werd ich sie schon, aber es war auch an der Zeit, dass es vorbei ist. Die 11. Staffel hätts meinetwegen nicht unbedingt gebraucht.
    Aber da es sie ja doch gibt… Ich fand das Ende dann irgendwie überstürzt. „Oh Mist, wir haben ja nur noch eine Folge!“.
    Vor allem auch wie kurz nur Abschied genommen wurde von Phils Vater, das ging alles sehr schnell und war dann gleich wieder vergessen.
    Trotzdem, eine wunderbare Serie. Ich werd bestimmt immer mal wieder reinschauen.

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    • Ja, das stimmt. Es war wirklich an der Zeit, dass die Serie ein Ende findet. So langsam wurde es auch unglaubwürdig, was die Dunphy-Kinder angeht, die einfach nicht ausziehen. Noch länger und dieser Running Gag wäre überstrapaziert worden.

      Ach, ich finde schon, dass alles ganz gut auf dieses Ende hingearbeitet hat, sprich dass Cam und Mitch wegziehen und die Kids auch ausziehen. Fred Willard war gesundheitlich wohl schon sehr angeschlagen und ist auch kurz nach der Serie verstorben. Hätte man mehr draus machen können, doch fand ich es eine runde Episode. So der letzte gemeinsame Tag.

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  2. Ach ja, das war schon eine nette Comedy, richtiges Wohlfühl-Fernsehen 🙂 Das sie das Niveau der ersten Staffeln nicht halten konnten war ja irgendwie absehbar. Trotzdem haben sie es ja nie so an die Wand gefahren wie manche andere Sitcoms (ja, ich meine dich, How I Met Your Mother).

    Während du ja laufen gehst, gönne ich mir im Home Office immer in der Mittagspause eine Rewatch-Comedy. Da bin ich jetzt grade wieder bei Brooklyn Nine-Nine gelandet, aber Modern Family war dafür auch nochmal ein Kandidat.

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    • Ich muss ja sagen, dass ich das Finale von HIMYM nicht so schlimm fand, wie die meisten. Zumal war es ja offensichtlich von Anfang an so geplant. Nicht mein Lieblingsfinale, aber doch interessant.

      „Brooklyn Nine-Nine“ habe ich gerade wieder angefangen als Tagesabschluss-Comedy. Bisher kenne ich nur die ersten zwei Staffeln und ich bin schon gespannt, wie es weitergeht. Ist auch eine famose Serie!

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    • Ja, das ist tatsächlich eine tolle Serie, die man gut mal mit den Kids schauen kann. Der Humor ist größtenteils harmlos bzw. schön verklausuliert, so dass alle Altersgruppen gut abgeholt werden können. Auch das mag ich an der Serie sehr.

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  3. Wow, das ist ja schon fast das Dune der Serienreviews 😉
    „Modern Family“ wird auch mir in guter Erinnerung bleiben und in meine Rotation der „Lass uns nochmal gute, alte Comedy schauen“ kommen. Ich sah den sanften Abstieg bei meinen Wertungen schon etwas früher, als es von überragend irgendwann über gut nach befriedigend ging.

    Ich fand die Episoden, die offensichtlich gesponsort wurden wie der Trip nach Australien oder nach Paris immer ein Stück zu bemüht. Als hätte das Autorenteam mehr Zeit mit der Urlaubsplanung vor Ort als mit dem Gagschreiben verbracht. Ach ja, und Haley als Freundin von Nathan Fillions Charakter fand ich dezent cringy, wie die Kids heute sagen, dafür geht die Schauspielerin in meinen Augen immer noch zu sehr als Teenie durch. Und Andy (den Babysitter) fand ich mit Abstand die langweiligste Figur.

    Das war jetzt ein Absatz nur Gemecker. In den 11 Staffeln steckte aber so viel Großartiges drin, was zeitlos Spaß brachte und weiterhin bringen wird. Ich freue mich schon darauf, die Charaktere wie Phil, Mitchell & Cameron, Manny und Alex, Jay und ach, überhaupt alle wiederzusehen. Schade, dass die Show in Deutschland nicht den Status gefunden hat, den sie verdient hat.

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      • Habe es angepasst, lasse den Kommentar dennoch stehen, denn mir ist das Sponsoring zum ersten Mal bei der Disney-World-Episode in der dritten Staffel aufgefallen. Zwar noch nicht so krass wie bei Australien/Paris, aber dennoch. Eigentlich recht geschickt von den Showrunnern, hier ein Muster draus zu machen… 😉

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    • Stimmt, die gesponserten Episoden waren immer etwas too much. Ich mochte da zwar durchaus das ungewöhnliche Setting, doch es war einfach zu offensichtlich, dass Cast und Crew hier eher auf Urlaub unterwegs waren und halt die Episode darum gestrickt haben. Den Nathan-Fillion-Handlungsstrang fand ich trotz Nathan Fillion auch eher cringe. Andy dagegen mochte ich irgendwie. Der hätte als Gegenpol auch gut zu Haley gepasst. Aber nun gut, wurde dann ja doch wieder Dylan, was ja auch irgendwie gepasst hat.

      Ich hatte vor Netflix auch das Gefühl, dass die Serie hier kaum jemand kennt. In den letzten 2-3 Jahren hat sich das (zumindest in meinem Umfeld) jedoch geändert. Ist auf jeden Fall eine der häufigst genannten Serien geworden und bei Netflix war jede neue Staffel ja auch stets in den Charts. Das freut mich für die Serie… 🙂

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      • Das freut mich dann doch, dass die Show über Netflix wohl ihre verdiente Wertschätzung hierzulande erlangt hat. Ich erinnere mich noch, wie ich für Bekannte von mir – die ich angefixt hatte – die erste Staffel auf DVD im Media Markt gekauft habe und die Verkäuferin an der Kasse ihre Kolleginnen zusammenrief, um denen und mir zu erzählen, wie großartig doch „Modern Family“ wäre.

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      • Haha, welch großartige Geschichte! Was wäre die Welt ohne Serien-Influencer? Schön zu lesen, dass du das nicht nur in deinem Blog machst, sondern auch auf die analoge Welt überträgst. 👍😃

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  4. Pingback: Media Monday #538 | moviescape.blog

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