Ant-Man (2015)

Aktualisierung: Ich habe „Ant-Man“ am 29. Mai 2024 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und eine aktualisierte Besprechung veröffentlicht.

Das erste Adventswochenende ist in vollem Gange. Somit stand heute auch der erste Besuch auf einem Weihnachtsmarkt auf dem Programm. Danach waren wir ziemlich durchgefroren und haben uns – sobald die Kinder im Bett waren – auf das Sofa zurückgezogen. Von dort aus begleiteten wir „Ant-Man“ bei seinem ersten Abenteuer und sind somit erneut in das Marvel Cinematic Universe (MCU) zurückgekehrt…

Ant-Man (2015) | © Walt Disney

Ant-Man (2015) | © Walt Disney

Und es kommt doch auf die Größe an…

Eigentlich hatte ich den Film schon abgeschrieben gehabt: Nachdem Edgar Wright (u.a. „Shaun of the Dead“) bei „Ant-Man“ ausgestiegen war, nahm auch mein Interesse daran rapide ab. Wie es aber so ist mit den Marvel-Filmen, führt über kurz oder lang doch kein Weg daran vorbei. Aufgrund etlicher positiver Kritiken, war ich letztendlich auch positiver gestimmt, was auch an der ungewöhnlichen Fähigkeit dieses Superhelden liegt. Ja, ich gehöre noch zu der Generation, die mit „Liebling, ich habe die Kinder geschrumpft“ aufgewachsen ist! Außerdem sehe ich Paul Rudd („Immer Ärger mit 40“) sehr gerne. Was also hat der große Film mit dem kleinen Helden letztendlich zu bieten?

Tatsächlich eine ganze Menge! Nach den großen MCU-Filmen der letzten Woche („The Return of the First Avenger“ und „Avengers: Age of Ultron“) fühlte sich „Ant-Man“ wunderbar eigenständig an und selbst bei den Verknüpfungen zum Franchise behielt die Figur ihre Außenseiterrolle bei. Am besten hat mir wohl der finale Endkampf gefallen, bei dem – im Gegensatz zu den oben genannten Filmen – keine Städte in Schutt und Asche gelegt werden, sondern der ganz simpel in einem Kinderzimmer stattfindet. Einfach herrlich! Ansonsten muss ich noch die überzeugenden Schrumpf-Effekte sowie die Schauspieler hervorheben. Speziell Michael Douglas („Wall Street“) hat mir neben Paul Rudd sehr gut gefallen. Auch habe ich mich gefreut Evangeline Lilly („Lost“) und Bobby Cannavale (unfassbar beeindruckend in der dritten Staffel von „Boardwalk Empire“) zu sehen.

Marvel Cinematic Universe: Phase 2

Mit „Ant-Man“ ist die zweite Phase des MCU nun auch abgeschlossen und ich möchte, wie bereits nach der ersten Phase, ein Ranking der Filme aufstellen:

  1. „Guardians of the Galaxy“ (8/10 Punkte)
  2. „Ant-Man“ (8/10 Punkte)
  3. „The Return of the First Avenger“ (7/10 Punkte)
  4. „Avengers: Age of Ultron“ (7/10 Punkte)
  5. „Thor: The Dark Kingdom“ (7/10 Punkte)
  6. „Iron Man 3“ (7/10 Punkte)

Fazit

Mir hat „Ant-Man“ wirklich viel Freude bereitet. Gerade weil man es im Prinzip mit einem Heist-Movie zu tun bekommt, der nur eben in das MCU verlegt wurde. Auch mag ich die Figur des unfreiwilligen Helden sehr gerne, was zusätzlich durch die tollen Schauspieler und die wunderbare Miniatur-Action unterstützt wird. Für mich einer der bisher stärksten Marvel-Filme: 8/10 Punkte.

TMNT: Teenage Mutant Ninja Turtles (2007)

Aktualisierung: Ich habe „TMNT: Teenage Mutant Ninja Turtles“ am 26. Februar 2021 zum zweiten Mal gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Es ist Dezember, die Vorweihnachtszeit hat begonnen. Das Jahr setzt zum Endspurt an, sowohl beruflich als auch privat. Aufgrund der ersten Weihnachtsfeier war ich heute Abend Strohwitwer und habe mir mit „TMNT: Teenage Mutant Ninja Turtles“ einen Film ausgesucht, der wohlige Erinnerungen an einfachere Zeiten ausgelöst hat. Damals vor knapp 30 Jahren…

TMNT (2007) | © Universum Film GmbH

TMNT (2007) | © Universum Film GmbH

Cowabunga! The Turtles Are Back!

Ja, da sind sie wieder: Leonardo, Rafael, Donatello und Michelangelo. Als wären sie nie weggewesen. Der 2007er Film setzt dabei an die Realverfilmungen der 90er an und beschreitet damit einen ähnliche Weg wie Bryan Singers „Superman Returns“, sprich er möchte sowohl Fortsetzung als auch Reboot sein. Für mich hat das erstaunlich gut funktioniert, das große Publikum dagegen fand der Film leider nie. Dabei atmet er so viel mehr den Geist der Turtles als die Michael-Bay-Produktion aus dem Jahr 2014. Wirklich schade. Selbst wenn der Animationsstil zu Beginn ungewohnt wirkt (gerade was die menschlichen Charaktere angeht), so ist speziell New York City wunderbar dargestellt und bildet damit den perfekten Schauplatz für die Turtles-Action.

So überzeugend die Interaktion der vier Brüder gelungen ist, so schwach gestaltet sich leider die Handlung. Anstatt gegen Shredder und Co. zu kämpfen, treten die mutierten Schildkröten gegen einen unsterblichen Krieger an, der eine ganz eigene Agenda verfolgt. Leider wirkt das unglaublich generisch und lässt mich als ehemaligen Fan die bekannten Gegner vermissen. Unterhaltsam ist das alles dennoch anzuschauen.

Fazit

Wer nach all den Jahren einmal wieder Lust auf die Turtles hat, der kann sich „TMNT“ guten Gewissens anschauen. Der Film ist im Vergleich zu den neuen Realverfilmungen auf jeden Fall die bessere Wahl. Ich habe nun Lust auf die 90er-Jahre-Filme bekommen und muss mich wohl langsam einmal nach den Blu-rays umsehen. Nostalgie ist doch etwas Schönes: 7/10 Punkte.

Avengers: Age of Ultron (2015)

Aktualisierung: Ich habe „Avengers: Age of Ultron“ am 25. Mai 2024 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und eine aktualisierte Besprechung veröffentlicht.

Erst gestern bin ich mit „Captain America: The Winter Soldier“ ins Marvel Cinematic Universe (MCU) zurückgekehrt. Heute folgte mit „Avengers: Age of Ultron“ bereits der nächste Teil der unglaublich erfolgreichen Filmreihe. Was der zweite Teil der großen Superhelden-Zusammenkunft zu bieten hat, erfahrt ihr in der folgenden Besprechung…

Avengers: Age of Ultron (2015) | © Walt Disney

Avengers: Age of Ultron (2015) | © Walt Disney

Oh, hallo Künstliche Intelligenz!

Joss Whedon wirft uns in der ersten Szene sogleich in eine bombastische Action-Sequenz. Das macht Spaß, das ist toll anzusehen und mit flotten Sprüchen angereichert. Whedon eben. Überhaupt funktioniert „Avengers: Age of Ultron“ am besten, wenn sich unsere Helden unterhalten. Da muss es außenrum auch gar nicht an jeder Ecke krachen, nein, da reicht auch ein entspanntes Zusammensitzen und Sprüche klopfen. Doch leider müssen MCU-Filme ja nach einer bestimmten Formel ablaufen und diese greift natürlich auch hier wieder, nur dass die Bedrohung dieses Mal von einer KI ausgeht. An sich auch ein spannender Gedanke, doch anstatt Ultron tatsächlich durch das Netz omnipräsent zu machen, braucht er natürlich einen Körper. Einen Roboter-Körper natürlich. Und da hätten wir sie dann wieder, die niemals enden wollenden Kampfszenen, in denen Iron Man und Co. gegen unzählige gesichtslose CGI-Gegner kämpfen dürfen.

Der Bombast sieht fraglos gut aus, doch es sind eben gerade die ruhigeren Szenen, in denen der Film zu glänzen weiß. Ich hatte das Gefühl, diese Balance war im ersten Teil „The Avengers“ noch besser und ich hoffe sehr, dass sich Whedon und Marvel für das nächste Superhelden-Klassentreffen ein wenig mehr trauen bzw. eben tatsächlich weniger. Denn es muss nicht immer eine Stadt in Schutt und Asche gelegt werden und es gibt auch andere Gegnertypen als Roboter oder Iron-Man-Anzüge. Toll fand ich es dagegen, dass Hawkeye und auch Black Widow ein wenig mehr Screentime und Hintergrund gegönnt werden. Da ist Potenzial vorhanden.

Fazit

Auch „Avengers: Age of Ultron“ reiht sich perfekt in das MCU ein: ein langer, unterhaltsamer Action-Kracher ohne Ecken und Kanten. Ich mochte erneut die Gruppendynamik sehr gerne. So etwas kann Whedon einfach schreiben. Nur warum man die interessante Prämisse wieder in generische Action verwandeln musste, das verstehe ich nicht so ganz. Dennoch ein gelungener Film für einen unterhaltsamen Abend: 7/10 Punkte.

The Return of the First Avenger – OT: Captain America: The Winter Soldier (2014)

Aktualisierung: Ich habe „The Return of the First Avenger“ am 17. Mai 2024 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und eine aktualisierte Besprechung veröffentlicht.

Nach einer weiteren arbeitsamen Woche hat meine Erkältung die gute Idee gehabt, noch eine Schippe draufzulegen. Unglaublich wie viel Schleim so ein einzelner Körper produzieren kann. Doch wenden wir uns schöneren Dingen zu: Ich habe es mir nicht nehmen lassen trotz eingeschränkter Aufmerksamkeit einen Film zu sehen. Nachdem ich Radio Nukular über das Marvel Cinematic Universe (MCU) erzählen hörte, bekam ich selbst Lust, die Reihe mit „The Return of the First Avenger“ fortzusetzen…

The Return of the First Avenger (2014) | © Walt Disney

The Return of the First Avenger (2014) | © Walt Disney

Einfach (zu) perfektes Popcorn-Kino

Seit meiner Wiederholungssichtung von „Guardians of the Galaxy“ habe ich dem MCU schon keinen Besuch mehr abgestattet. Dabei stehen die darauf folgenden vier Filme bereits seit mehreren Monaten im Regal. Bei mir hatte sich eine gewisse Superhelden-Müdigkeit eingestellt, was ich nach den ersten paar Minuten von „Captain America: The Winter Soldier“ überhaupt nicht verstehen konnte: Der Film macht enorm viel Spaß. Die Action ist flott inszeniert, die Sprüche sind witzig, die Inszenierung ist sauber, die Szenen episch und die Charaktere herrlich übertrieben. Jeder Effekt sitzt und man wird förmlich mit Eye-Candy überrollt. Ein Traum? Jein, denn dadurch wirkt der Film zu perfekt und lässt Ecken und Kanten vermissen.

Auch wenn sich die Geschichte, untypisch für Marvel, wie ein klassischer Spionage-Film anlässt, so wird daraus gegen Ende doch wieder das typische Action-Gewitter. Die Konflikte mögen etwas geerdeter sein, als in den anderen Filmen des MCU, doch so wirklich schaffen es die Russo-Brüder nicht, sich von den Vorgängern abzuheben. Da fand ich selbst „Captain America: The First Avenger“ aufgrund seines Settings fast noch spannender – auch wenn diese Meinung wohl nicht viele teilen. Das alles macht „The Return of the First Avenger“ nicht schlechter, jedoch bekommt man abermals ein effektüberladenes Superhelden-Spektakel zu sehen, das jedoch zugegebenermaßen enorm viel Spaß macht.

Fazit

Ich bin froh, mich nach einem guten Jahr Pause wieder einmal dem MCU zugewandt zu haben. Auch wenn viele Stimmen in den Weiten des Internets anderes verlauten lassen, so ist auch „The Return of the First Avenger“ nicht die große, viel düsterere und ach so erwachsene Offenbarung. Nein, es ist ein typischer Disney/Marvel-Streifen und als solcher bietet er, wie zu erwarten, perfekt kalkulierte Unterhaltung: 7/10 Punkte.

Anaconda (1997)

Nach einer sehr anstrengenden Arbeitswoche, durch die ich mich mehr schlecht als recht mit einer fiesen Erkältung geschleppt habe, stand heute der Kindergeburtstag unseres Zwergofanten auf dem Programm. Danach war ich so durch, dass ich fast im Kinderzimmer eingeschlafen wäre. Dennoch wollte ich unbedingt noch einen Film schauen und habe mich mit „Anaconda“ für das anspruchsloseste Werk entschieden, das ich im Regal finden konnte:

Anaconda (1997) | © Sony Pictures Home Entertainment

Anaconda (1997) | © Sony Pictures Home Entertainment

Wenn Jon Voight mit der Schlange tanzt

Luis Llosas Film ist kein Unbekannter. Bereits vor 20 Jahren habe ich ihn im Kino gesehen. 20 Jahre. Unfassbar. Ich konnte mich an nicht mehr viel erinnern und überlasse die Zusammenfassung deshalb lieber Filmschrott, der wie immer sehr unterhaltsam die Höhepunkte des Films wiedergibt. Ich dagegen konzentriere mich lieber auf die Wirkung dieses Tierhorror-Streifens: Der Film ist so unglaublich 90er, dass es schon fast erschreckend ist. Man ist ja inzwischen die Filmästhetik der 80er gewöhnt, doch auch das Jahrzehnt danach kann aus heutiger Sicht ganz schön angestaubt und seltsam wirken. Hat man wirklich ernsthaft solche Frauenfiguren geschrieben? Und was haben sich eigentlich Jon Voight und Owen Wilson bei ihren Darbietungen gedacht?

Fast schon positiv überrascht war ich dagegen von den Effekten, da Luis Llosa glücklicherweise nicht vollständig auf CGI setzt, das aus heutiger Sicht leider kaum noch zu ertragen ist, sondern tatsächlich viel mit Modellen arbeitet. In diesen Szenen macht der Film wirklich Spaß, wenngleich der Horror, der von der titelgebenden Anaconda ausgeht, auch nicht besonders erschreckend ist. Das hatte ich mir aber schon 1997 gedacht – und damals wie heute war es dem Unterhaltungswert glücklicherweise kaum abträglich.

Fazit

Nein, „Anaconda“ ist kein guter Film. Wer auf Tierhorror steht und einmal sehen möchte, was in den 90er Jahren – neben den großen Produktionen – im Kino so gang und gäbe war, der kann hier ruhig einmal reinschauen. Ich hatte meinen Spaß damit, wenngleich ich auch bezweifle, den Film in den nächsten 20 Jahren noch recht häufig zu sehen: 6/10 Punkte.

Jupiter Ascending (2015)

Eine Woche, die rasend schnell vergangen ist und doch viel zu kurz war, liegt hinter mir. Morgen steht der Geburtstag des Zwergofanten an, weshalb sich heute die einzige Möglichkeit bot, einen Film zu schauen. Eigentlich war ich zu müde, weshalb der viel gescholtene „Jupiter Ascending“ eine gute Wahl zu sein schien. Ob mich das Werk der Wachowski-Geschwister letztendlich wachhalten konnte?

Jupiter Ascending (2015) | © Warner Home Video

Jupiter Ascending (2015) | © Warner Home Video

Wenn man alles in einen einzigen Film packt…

Schon nach ein paar Minuten drehte sich meine Frau zu mir um und sagte:

„Da wusste wohl jemand nicht, welche Geschichte er erzählen soll und hat einfach alles in den Film gepackt.“

Damit hat sie den Nagel ziemlich genau auf den Kopf getroffen, denn exakt so fühlt sich „Jupiter Ascending“ auch an. Der Film strotzt nur so vor Ideen, die alle angerissen aber selten zu Ende erzählt werden oder wirklich durchdacht wirken. Teils musste ich hier auch an Luc Bessons „Valerian: Die Stadt der tausend Planeten“ denken, der insgesamt jedoch viel stringenter inszeniert ist. Im Grunde wird eine typische  Fish-out-of-water-Geschichte erzählt, die letztendlich Dimensionen annimmt, die zu Beginn unvorstellbar wirken. Das mag nicht sonderlich elegant geschehen, hat für mich aber durchaus funktioniert, zumal der Unterhaltungswert stets gegeben war. Ganz unverhofft ist „Jupiter Ascending“ viel komödiantischer angelegt, als ich zuvor gedacht hatte – von der unfreiwilligen Komik einmal ganz abgesehen (ja, es war wohl die eine oder andere Space-Skate-Sequenz zu viel).

Auch wenn die Geschichte ziemlich hanebüchen erscheint, so geben sich die Wachowskis doch Mühe, dass zumindest ein Mindestmaß an Glaubwürdigkeit gegeben ist. Wenn bei Marvel, DC und Co. ganze Städte in Schutt und Asche gelegt werden und das kein normaler Mensch mitzubekommen scheint, dann wird dieser Punkt hier tatsächlich adressiert und erklärt. Das ist nur ein kleines Detail, doch die Welt (so verrückt sie auch erscheinen mag) ist dadurch in sich stimmig. Auch mochte ich die abgefahrenen Designs und die abgedrehten Ideen und Schauplätze. Kein großes Kino, nicht besonders gut geschrieben und doch unterhaltsam und vor allem sympathisch. Das hätte ich so nicht vermutet. Mila Kunis, Channing Tatum und Sean Bean sind zudem ein gutes Leinwand-Trio. Einzig Eddie Redmaynes Overacting ist oft hart an der Grenze, passt aber auch irgendwie zum trashigen Charme des Films.

Fazit

Wie ihr aus meiner bisherigen Besprechung schon herauslesen konntet, hat mir „Jupiter Ascending“ tatsächlich unerwartet viel Spaß gemacht. Ein nettes Weltraum-Abenteuer, das sich selbst nicht sonderlich ernst nimmt. Auch wenn ich mit dieser Meinung ziemlich alleine dastehe, so möchte ich doch eine Lanze für den Film brechen, schon alleine aufgrund seines Ideenreichtums. Traut euch: 7/10 Punkte.

Krieg der Götter – OT: Immortals (2011)

Vor knapp drei Monaten habe ich meinen neuen Fernseher mit Tarsem Singhs „The Fall“ eingeweiht und dabei einen wundervollen Film entdeckt. Daraufhin habe ich mir vorgenommen auch Singhs „The Cell“ einmal wieder zu sehen und seinen „Krieg der Götter“ nachzuholen. Letzteres habe ich heute tatsächlich getan. In voller Opulenz in 3D. Was kann da noch schief gehen?

Krieg der Götter (2011) | © Constantin Film

Krieg der Götter (2011) | © Constantin Film

Wenn „Kampf der Titanen“ auf „300“ trifft…

Diesen Gedanken hatten wohl die Produzenten des Films. Zack Snyders „300“ war ein veritabler Erfolg und auch der Mythologie-Actioner „Kampf der Titanen“ hat an der Kinokasse überzeugt. Warum also nicht den visionären Regisseur Tarsem Singh verpflichten und ihn ein Best-of der beiden Filme drehen lassen? Kann ja nicht viel schief gehen. Auch ich wurde durch viele durchwachsene Kritiken gewarnt, hatte jedoch noch Hoffnung. Singh wird es schon richten. Und manchmal sind ja selbst visuell herausragende Schlachtgemälde interessant. So dachte ich. Doch dann bekam ich GZSZ in der Antike. Mit hanebüchenen Dialogen, komplett verwirrenden Sprüngen in der Handlung und einer Charakterzeichnung, die einfach nicht vorhanden ist. Dazu noch ein Henry Cavill (ja, unser Superman aus „Man of Steel“) in der Hauptrolle, der wirkt als würde er sich in einer Schauspielklasse an Improvisation versuchen. Schade nur um John Hurt in einer völlig verschenkten Nebenrolle.

Ich hatte den Film wirklich schon komplett abgeschrieben, doch in den letzten 20 Minuten dreht Tarsem Singh noch einmal richtig auf. Dann bekommen wir endlich den Kampf Götter gegen Titanan zu sehen, auf den wir die ganze Zeit gewartet hatten. Hier spritzt das Blut in Zeitlupe und ja, das funktioniert in seiner völlig überstilisierten Gewaltdarstellung. Singhs Stil kommt auch davor in ein paar wenigen Szenen durch, die durchaus beeindruckend anzusehen sind. Jedoch hilft das auch nicht gegen das miese Drehbuch und die unsagbar langweiligen Dialogszenen zu bestehen.

Fazit

Ich bin wirklich guter Dinge an „Immortals“ herangegangen. In den Kampfszenen und Landschaftsaufnahmen überzeugt Tarsem Singhs Film auch erneut auf ganzer Linie. Doch der Rest der Geschichte versinkt in gepflegter Langeweile, dilettantischen Dialogen und einer konfus erzählten und doch unfassbar simplen Geschichte. Nein, das war leider wirklich nichts. Am besten wäre es gewesen, Singh hätte sich komplett auf die übertriebene Action konzentriert. Also schaut euch die letzten 20 Minuten an, dann habt ihr alle Highlights gesehen: 4/10 Punkte.

WarGames: Kriegsspiele – OT: WarGames (1983)

So langsam neigen sich die Herbstferien ihrem Ende zu. Immerhin hat sich das Wetter heute Vormittag noch einmal von seiner besten Seite gezeigt, weshalb wir spontan zu einem Ausflug in einen nahegelegenen Dinosaurierpark aufgebrochen sind. Dennoch habe ich heute Abend nicht „Jurassic Park“ eingelegt, sondern mit „WarGames: Kriegsspiele“ aus dem Jahr 1983 endlich eine Bildungslücke geschlossen…

WarGames: Kriegsspiele (1983) | © Twentieth Century Fox

WarGames: Kriegsspiele (1983) | © Twentieth Century Fox

Endlich bereit für „Ready Player One“

Auch wenn „WarGames“ schon lange auf meiner Liste der noch zu sehenden Filme stand, so hat ihn erst der wunderbare Roman „Ready Player One“ ganz nach oben katapultiert. Schließlich nimmt John Badhams Film darin eine nicht unbedeutende Rolle ein. Da Steven Spielbergs Verfilmung bereits vor der Tür steht, war es für mich der perfekte Moment in die frühen 80er zurückzukehren und mit Matthew Broderick die Welt zu retten – oder zu vernichten, ganz wie man es sehen mag. Dabei ist es mit Filmen der 80er ja nicht immer einfach, wenn man nicht mit diesen aufgewachsen ist, und gerade „WarGames“ wirkt aufgrund seines technischen Schwerpunkts heute teils wie aus einer anderen Welt.

Was für mich nach wie vor ausgezeichnet funktioniert, ist der langsame Spannungsaufbau und die Darstellung der Umgebung, in der David (Matthew Broderick) aufwächst. Die Hauptfigur wird zudem nicht als prototypischer Nerd gezeichnet, sondern als gewitzter Außenseiter, der zudem noch ganz ungezwungen beim anderen Geschlecht ankommt. Kein Wunder, dass sich Ernest Cline in „Ready Player One“ für diesen Film als First Gate entschieden hat. Wade und David sind sich gar nicht so unähnlich. Auch die zugrunde liegende Geschichte schafft es heute noch zu faszinieren. Selbst wenn der Kalte Krieg inzwischen Vergangenheit ist, bleibt die Bedrohung durch diverse Finger an diversen Knöpfen doch bestehen. Auch das Thema Künstliche Intelligenz ist aktueller denn je, was die einzelnen Versatzstücke (auch wenn der Film insgesamt doch etwas überholt wirkt) relevant bleiben lässt.

Fazit

Selbst wenn ich damals nicht mit „WarGames“ aufgewachsen bin und ihn somit nicht zu meinen persönlichen Kultfilmen zählen kann, so verstehe ich doch gut, was seinen Reiz ausmacht. Auch heute noch funktioniert die Dynamik zwischen David und Jennifer, viele Nerd-Elemente schreien geradezu nach Retro-Kult und die Botschaft des Films ist so einfach wie zeitlos. Nun bin ich gespannt, wie Spielberg diesen Klassiker in seine Verfilmung des Kultromans einarbeitet: 8/10 Punkte.

Crimson Peak (2015)

Halloween! Zeit für den jährlichen Horrorfilm (letztes Jahr gab es übrigens „The Visit“). Es ist ja nicht so, dass ich mich nur einmal im Jahr dem Horror-Genre zuwende, doch an diesem Termin ist die Sichtung Pflicht – und dieses Mal hatte ich euch um Hilfe bei der Entscheidung gebeten:

Wie ihr seht, ist die Wahl auf „Crimson Peak“ gefallen, auf den ich spätestens seit meiner Lektüre von „Cabinet of Curiosities: My Notebooks, Collections, and Other Obsessions“ extrem Lust hatte. Ob er meine Erwartungen erfüllen konnte, lest ihr in der folgenden Besprechung…

Crimson Peak (2015) | © Universal Pictures Germany GmbH

Crimson Peak (2015) | © Universal Pictures Germany GmbH

Ein zum Leben erwachter Schauerroman

Während der ersten halben Stunde war ich noch davon überzeugt, mit „Crimson Peak“ eine neue Genre-Liebe entdeckt zu haben. Ich mochte die schwülstige Inszenierung, den leisen Humor und die Charaktere allesamt sehr gerne. Einzig die ersten Geistererscheinungen konnten mich nicht sonderlich überzeugen. Doch der Rest? Wahrlich famos! Und wie bereits Hauptfigur Edith Cushing (Mia Wasikowska) zu berichten wusste: ‚Ghosts are metaphors for the past.‘ Folglich hatte ich mich schon darauf eingestellt, weniger einen Gruselfilm zu sehen, als eine schaurige Romanze mit Horror-Anleihen. Und der Weg, den Guillermo del Toro zu beschreiten schien, konnte mich wirklich überzeugen.

Auch mit dem Wechsel des Schauplatzes von Amerika in ein verlassenes Herrenhaus nach England, wusste „Crimson Peak“ audiovisuell noch einmal alle Register zu ziehen. Fast schon übertrieben schaurig präsentiert Guillermo del Toro das viktorianische Anwesen, so dass man sich jeden Frame am liebsten an die Wand hängen würde. Überstilisiert und einfach wunderbar anzusehen. Doch was ist mir der Geschichte? Hier konnte mich der Film leider nicht überzeugen. Zwar mochte ich die düstere Romanze, die den Kern bildet, doch leider ist die Handlung so simpel gestrickt und ohne Überraschungen inszeniert, dass ich irgendwann nicht mehr mit den Figuren mitfühlen konnte. Das große Slasher-Finale gegen Ende war dann zwar nett anzusehen, doch hat es nicht zum stimmungsvollen Aufbau zuvor gepasst. Wirklich schade, denn nach dem famosen Einstieg bleibt nicht viel mehr als heiße Luft.

Fazit

Leider konnte „Crimson Peak“ meine an ihn gesetzten Erwartungen nicht erfüllen. Er sieht fantastisch aus und hört sich toll an, doch unter der schönen Oberfläche ist nicht wirklich viel zu holen. Er ist weder gruselig, noch konnte mich die Liebesgeschichte überzeugen. Da helfen leider auch Jessica Chastain und Tom Hiddleston nicht. Gerne hätte ich den Film mehr gemocht, doch so bleibt am Ende nur eine schöne Hülle. Wer nun dennoch neugierig ist, kann ruhig einmal reinschauen: 6/10 Punkte.

Raum – OT: Room (2015)

Bereits der vierte Tag mit einer Filmsichtung. Ich scheine meinen Herbsturlaub ja wirklich perfekt zu nutzen (heute waren wir aber tatsächlich auch unterwegs). Nach dem leichten „Mein Freund der Delfin 2“ von gestern Abend, ist heute ein Film im Player gelandet, den ich schon viel zu lange vor mir herschiebe: Lenny Abrahamsons Romanverfilmung „Raum“ steht schon seit geraumer Zeit im Regal, doch aufgrund der Thematik hatte ich bisher noch nicht reingeschaut. Heute war es jedoch soweit…

Raum (2015) | © Universal Pictures Germany GmbH

Raum (2015) | © Universal Pictures Germany GmbH

Licht am Ende des Tunnels

„Raum“ war letztendlich genau das, was ich einerseits befürchtet, mir andererseits aber auch erhofft hatte: oft schwer zu ertragen, in unerwarteten Momenten leicht und hoffnungsvoll sowie emotional unfassbar mitreißend. Man kann als Elternteil einfach nicht aus seiner Haut und reflektiert die gezeigte Situation mit seinen eigenen Kindern. Das schmerzt und tut weh. Man geht dorthin, wo man nie hingehen möchte. Die größten Ängste, das Schlimmste vom Schlimmen. Durch die einzigartige Erzählperspektive erleben wir Zuschauer die grausame Situation aber durch die Augen eines Kindes. Und wie sich über den weiteren Verlauf des Films zeigen soll: Kinder sind großartig und viel härter im Nehmen, als man ihnen zugestehen möchte. An dieser Stelle muss ich auch gleich Hauptdarsteller Jacob Tremblay ein Lob aussprechen, der Jack so authentisch spielt, das ich mehrfach eine Gänsehaut hatte. Ganz groß.

Überhaupt ist die Besetzung perfekt gelungen, was ja auch durch Brie Larsons Oscar-Gewinn offiziell anerkannt wurde. Einzig William H. Macy (u.a. bekannt als Frank Gallagher aus „Shameless“) fand ich ein wenig verschenkt und seine Figur zu schwach angelegt. Doch davon abgesehen passt einfach alles. Ich habe schon lange nicht mehr so sehr mit Charakteren mitgelitten, wie mit Jack und Ma. Natürlich legt es Lenny Abrahamson auch darauf an, doch sind mir nicht nur in einer Szene Tränen über die Wangen gelaufen. Ich mochte es wirklich sehr, dass sich Emma Donoghue in ihrer Geschichte (auch das Drehbuch stammt von ihr) auf die Beziehung zwischen Jack und Ma konzentriert hat und der Thriller nur ein Nebenaspekt war. Die lebensbejahende Grundstimmung wirkt zudem nicht aufgesetzt, sondern tatsächlich hoffnungsvoll.

Fazit

Auch wenn der Film gerade in seiner ersten Hälfte oft nur schwer zu ertragen war, so überwiegt auch in dieser die Hoffnung, die Ma für Jack aufbaut. Getragen wird „Raum“ komplett durch seine famosen Schauspieler und das stimmige Drehbuch. Wer sich darauf einlassen kann, wird belohnt werden. Dennoch muss auch ich das Gesehene nun erst einmal sacken lassen. Ein unfassbar packender Film: 9/10 Punkte.