Valerian: Die Stadt der tausend Planeten – OT: Valerian and the City of a Thousand Planets (2017)

Gestern Abend hatten wir sturmfrei. Die Kinder waren bei den Großeltern und wir konnten tun und lassen was wir wollten. Natürlich haben wir die Gelegenheit ergriffen, sind lecker essen gegangen und danach ins Kino. Einzig die Wahl des Films gestaltete sich als schwierig, denn so richtig interessante Filme liefen leider nicht. „The Circle“ reizt mich zwar durchaus, doch leider sind die Kritiken alle vernichtend. Dann lieber irgendwann das Buch. Schließlich haben wir uns aufgrund mangelnder Alternativen für „Valerian: Die Stadt der tausend Planeten“ entschieden. Dieser sollte dank IMAX 3D und Dolby Atmos immerhin audiovisuell beeindruckend sein. Ob das gereicht hat?

Valerian: Die Stadt der tausend Planeten (2017)

„Das fünfte Element“ Reloaded und auf Speed

Schon nach der Intro-Sequenz zu David Bowies „Space Oddity“ hatte mich der Film: larger than life, humorvoll und mit kindischer Freude inszeniert. Dann der Besuch auf dem Planeten Mül, der die Vernichtung des Paradieses zeigt. Sehr beeindruckend und den Pendants aus Hollywood in nichts nachstehend. Selbst das postkonvertierte 3D bietet in den meisten Szenen eine beeindruckende Tiefe. Dann lernen wir die beiden Hauptfiguren Valerian und Laureline kennen, die als Spezialagenten auch sogleich einen Auftrag auszuführen haben: Auf einem interdimensionalen Basar gilt es den letzten Transmutator zu beschaffen, was in irrwitzigen Actionszenen gipfelt, bei denen stets zwischen den beiden Dimensionen hin und her gesprungen wird. Und wenn man glaubt nun bereits alles gesehen zu haben, geht es nach auf die Mega-Raumstation Alpha, der titelgebenden Stadt der tausend Planeten.

Hier entfaltet sich die Handlung nun so richtig und man bekommt letztendlich einen typischen Verschwörungsplot vorgesetzt, der auch mit einem klassischen Bösewicht (gespielt von Clive Owen) aufwartet. Inhaltlich ist „Valerian and the City of a Thousand Planets“ allenfalls nett, doch was sich daraus für Submissionen und Actionsequenzen ergeben, ist eine wahre Freude: von einem Untersee-Abenteuer über die Infiltrierung eines intergalaktischen Kannibalenstamms bis hin zur Erschaffung ganzer Welten. Es ist wirklich unglaublich, mit welch einem Ideenreichtum Luc Besson in seiner Comic-Verfilmung aufzuwarten weiß. Man begleitet die beiden Agenten bei ihrem Abenteuer und kommt aus dem Staunen kaum noch hinaus. Unser tatsächliches Abtauchen in die unterirdische Welt des IMAX-Kinos fand in „Valerian: Die Stadt der tausend Planeten“ die perfekte Entsprechung:

Abwärts. #IMAX #Kino #Cinecitta #Valerian

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Ein buntes, verrücktes Spektakel – ein Flop?

„Valerian: Die Stadt der tausend Planeten“ kam an den Kinokassen nicht sonderlich gut an. Selbst meine Begeisterung hielt sich nach den ersten Trailern und Kritiken in Grenzen. Schade eigentlich, denn der Film hat mich trotz seiner überlangen Laufzeit nahezu perfekt unterhalten. Selbst die jugendlich wirkenden Helden sind mir ans Herz gewachsen und ich würde sie liebend gern auf weiteren Abenteuern begleiten. Dazu wird es aber wohl nicht kommen. Woran liegt es, dass Luc Bessons ambitioniertes Herzensprojekt nur wenige Zuschauer fand? Es ist einerseits unglaublich modern (die Effekte sind wirklich beeindruckend), einerseits aber auch sympathisch altmodisch (der Humor, die Handlung, die Charaktere). Es lässt sich kaum mit einem zweiten Film vergleichen und ist ein bunter, verwirrender und chaotischer Mix. Darauf muss man sich erst einmal einlassen – und wird dann reich belohnt.

Fazit

Auch wenn „Valerian: Die Stadt der tausend Planeten“ nicht meine erste Wahl für einen der seltenen Kinobesuche gewesen ist, so bin ich doch unglaublich froh, den Film noch auf der großen Leinwand gesehen zu haben. Was mich besonders gefreut hat: auch meine Frau war begeistert. Ich hoffe wirklich sehr, dass der Film bei der Heimkino-Auswertung sein Publikum findet und vielleicht wie „Das fünfte Element“ zu einem Kultfilm avanciert, den Genre-Liebhaber über die Zeit zu schätzen lernen. Verdient hätte er es: 8/10 Punkte.

18 Gedanken zu “Valerian: Die Stadt der tausend Planeten – OT: Valerian and the City of a Thousand Planets (2017)

  1. Für mich entwickelten sich auf Alpha teils doch merkliche Längen. Gerade die Unterwasser-Sequenz sowie die Passagen mit Rihanna hätte es nicht wirklich gebraucht, selbst wenn sie durchaus Momente haben. 100 Minuten hätten dem Film m.E. besser zu Gesicht gestanden. Aber ansonsten doch ein großer Spaß, visuell berauschend, Cara Delevigne sehr charmant, Dane DeHaan nicht so sehr. Der obligatorische Punkt kehrt zurück 🙂

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    • Für mich waren das alles ohnehin mehr oder minder abgegrenzte Episoden, die alle mehr oder weniger für die Rahmenhandlung nötig gewesen sind. Für mich lag aber gerade darin der Reiz: viel von Alpha sehen, die abgedrehten Aliens und absurden Locations. Insofern hätte ich mir gut und gerne noch ein paar dieser Episoden angesehen. Wenn ich gekürzt hätte, dann wohl am ehesten in der Haupthandlung und dem Kommandozentrum. Irgendwo muss der obligatorische Punkt ja herkommen… 😉

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  2. Hoppla, das ist tatsächlich die erste so richtig positive Kritik, die ich gelesen habe! Meine beiden Brüder hatten den auch im IMAX (auch wenn das ja inzwischen nicht mehr so heißt im Cinecittà) gesehen und mir gesagt, dass sich der Film nicht mal wegen der Bilder lohnt. Und insbesondere mein älterer Bruder ist ja großer 3D-Fan (wenn’s gut gemacht ist). Hmm…

    Aber davon mal abgesehen: „Dunkirk“ oder „Baby Driver“ liefen nicht mehr?

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    • Das 3D war bestimmt nicht das beste, doch die Bilder fand ich schon sehr beeindruckend. Gerade weil sie so bunt und abgedreht waren. Weniger episch und stilisiert. So etwas sieht man heute ja leider kaum noch. Ich war wirklich begeistert, kann aber auch nicht sagen, wie der Film auf DVD auf einem kleinen Fernseher wirkt.

      Nein, weder „Dunkirk“ noch „Baby Driver“ liefen zu einer passenden Uhrzeit (spricht irgendwann vor 23 Uhr). Gerade letzteren hätte ich dann bestimmt bevorzugt. Davon abgesehen war „Valerian“ aber auch eine wirklich gute Wahl.

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  4. Ich bin gerade etwas „fasziniert“, dass dir Valerian gefallen hat. Die Bilder und 3D Effekte waren grandios und die ersten 20-30 Minuten hätten locker eine Pilotfolge einer Serie sein können und dann gings steil Bergab fand ich. Mein Mann und ich haben es fast schon bereut 14€ dafür gezahlt zu haben. Ich fand die Story irgendwie lahm und die Lovestory zum kotzen 🙊 Sorry, aber ich steh einfach nicht auf sowas. Bei mir auf dem Blog habe ich auch ne Review dazu geschrieben, ich weiß nicht ob du sie schon gelesen hast 🤔 Ich lass dir mal den Link da 😉 https://apieceofnerdiness.wordpress.com/2017/08/03/review-valerian-die-stadt-der-tausend-planeten/

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    • Ich würde sagen, das ist ein klarer Fall von Geschmackssache. Die Story ist sicher nicht sonderlich innovativ und die „Liebesgeschichte“ so nebensächlich, das aus nur Grundlage für Geplänkel ist. Aber alles dazwischen ist großartig und strotzt nur so vor Ideen und Tempo. Für mich bzw. uns war es ein perfekter Kinoabend… 🙂

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  5. War auch einer unserer seltenen Kinobesuche in diesem Jahr.
    Und ich sehe es ähnlich wie du: Kein Meisterwerk, aber sicher kein Flop und ich würd mir bestimmt auch nen weiteren Teil anschauen, um noch mehr von dieser skurrilen Welt zu sehen.
    Am Anfang bei der Händeschüttelszene hat mich nur gestört, dass ich vorher zwar was von „Alien-Design ohne Grenzen“ gelesen hatte, dann aber doch jedes 2 Händeähnliche Dinger hatte. Ein paar mehr nicht-menschliche Aliens haben gefehlt…

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    • Freut mich, dass dir der Film gefallen hat. Ich würde auch noch gerne eine Fortsetzung sehen, doch das wird ja wahrscheinlich nicht passieren. Also alle eifrig die Blu-ray oder DVD kaufen… 😀

      Ich fand die Aliens durchaus abgefahren gestaltet, selbst wenn es größtenteils Humanoiden waren. Im Intro hat mich die Montage samt David Bowie zudem extrem in den Bann gezogen, so dass ich mir da gar nicht groß weitere Gedanken gemacht habe.

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  6. Pingback: Valerian – Kritik – Filmexe – Blog über Filme und Serien

    • So sehen es ja leider viele Zuschauer. Auch für mich war das Drehbuch eher durchschnittlich, allerdings ist es für mich auch kein story-driven Film, sondern eher ein action- oder setting-driven Abenteuer. Und als solches hat er für mich perfekt funktioniert.

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  7. „ein bunter, verwirrender und chaotischer Mix“ … Genau das ist der Film, nur leider bei mir negativ konnotiert, denn dieses Chaos in der Erzählung und die beiden Hauptfiguren, die meines Erachtens nach so gar nicht harmonierten (und so gar nicht nach Spezialagenten aussahen), überlagern die visuell schön anzuschauenden Welten, die Besson schafft. Er packt zu viel in einen Film, der im Kern zu wenig bietet. Das ist schade, weil Besson gerade mit „The 5th element“ bewiesen hat, das er Figuren mit Tiefe erschaffen kann (und Sidekicks mit Potential). Das fehlt mir hier alles.

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    • Ich empfand die beiden Hauptfiguren auch als sehr jung (die Schauspieler waren aber älter als vermutet), doch das hat für mich gerade gepasst: Abenteurer in fremden Welten. Fast schon kindliche Freude an diesem Chaos. Hat für mich gut funktioniert, wobei „Das fünfte Element“ hier bestimmt noch einmal andere Schwerpunkte gesetzt hat.

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