Carriers (2009)

Freitagabend, Wochenende. Nach einer kurzen Woche, die sich dennoch wie zwei angefühlt hat. Trotz akuter Müdigkeit (und laufen war ich auch noch) habe ich den dringenden Wunsch verspürt, noch einen Film zu sehen. Auch aufgrund seiner knackigen Laufzeit von knapp über 80 Minuten, ist die Wahl auf „Carriers“ gefallen, der mich aufgrund seines Genres schon länger gereizt hat…

Carriers (2009) | © Splendid Film

Carriers (2009) | © Splendid Film

„Carriers“ ist ein Zombie-Film ohne Zombies

Ja, das beschreibt das post-apokalyptische Roadmovie von Àlex und David Pastor wohl ganz gut. Die Atmosphäre kommt Zuschauern von Zombie-Filmen oder -Serien wohl recht bekannt vor. Aufgrund des nahezu kompletten Ausbleibens von klassischen Horror-Elementen, treten die zwischenmenschlichen Konflikte hier noch stärker in den Vordergrund, als man das aus verwandten Genre-Klassikern kennt. Die Seuche bzw. der Virus ist tatsächlich nur der Aufhänger und wird, bis auf dessen Bedeutung für das Setting, kaum thematisiert.

Ich mochte den Roadmovie-Fokus sehr. Auch die Konzentration auf nur wenige Charaktere und deren Dynamik untereinander haben mir, bis auf wenige zu klischeehafte Ausnahmen, wirklich gut gefallen. Der Film wirkt schön konzentriert und kompakt. Seine wenigen Schauplätze werden zudem sehr effektiv eingesetzt. Durch etliche erzählerische Lücken, wirkt die Welt im Kopf des Zuschauers zudem größer als sie eigentlich ist. Überrascht hat mich auch das trostlose Ende, welches uns mit einem unguten Gefühl in den Abend entlässt. Auch das hatte ich so nicht erwartet.

Fazit

Auch wenn in Àlex und David Pastors „Carriers“ nur wenig passiert, so wusste mich gerade der Minimalismus in der Handlung und der Inszenierung zu überzeugen. Sicher kein großer Film, doch er konzentriert sich auf eine persönliche Geschichte, die ohne viel Action oder Effekte auskommt. Kein neuer Genre-Klassiker, aber durchaus sympathisch. Hat mich etwas an Tim Fehlbaums „Hell“ erinnert: 7/10 Punkte.

Whatever Works (2009)

Nach einem weiteren Tag voll banger Hoffnung, dass es uns den Urlaub nicht doch noch verhagelt, haben wir uns abends mit einem Film abgelenkt. Die Wahl ist auf „Whatever Works“ gefallen, der schon viel zu lange ungesehen im Regal stand. Meine filmischen Erfahrungen mit Woody Allen lassen sich bisher an einer Hand abzählen (z.B. „Midnight in Paris“) und ich war speziell aufgrund Larry Davids Hauptrolle gespannt auf den Film…

Whatever Works (2009) | © Universum Film GmbH

Whatever Works (2009) | © Universum Film GmbH

Curb Your Enthusiasm: The Movie

Okay, das mag ein wenig übertrieben sein. Andererseits aber auch wieder nicht. Denn Larry Davids Boris Yellnikoff hat schon viele charakterliche Gemeinsamkeiten mit seinem Alter Ego aus der großartigen HBO-Serie „Curb Your Enthusiasm“. Und damit passt er famos in Woody Allens New York. Die Philosophie des Misanthropen ist Whatever Works und damit lässt sich auch der gesamte Film erklären, der weniger von seiner Handlung, als den Charakteren und ihren Dialogen lebt. Typisch Allen eben. Dabei stößt es, gerade aus heutiger Perspektive, schon ein wenig bitter auf, dass ein Kernelement des Films wie eine Altherrenfantasie wirkt. Im Verlauf der Handlung wird dieser Aspekt zwar abgemildert, doch ist es für mich nach wie vor schwierig, den Künstler und die Kunst voneinander zu trennen.

Ich liebe Larry David in dieser Rolle. Auch das Durchbrechen der vierten Wand hat erstaunlich gut funktioniert. Dabei stehe ich diesem Stilmittel sonst eher skeptisch gegenüber. Auch die New-York-Atmosphäre und die restlichen Schauspieler konnten mich nahezu restlos überzeugen. Der Wortwitz ist vorhanden und wird durch Larry David großartig vorgetragen. Wer kein Fan ist, wird sich vermutlich weniger stark amüsieren. Wer ihn aber mag, sollte unbedingt reinschauen.

Fazit

Mich hat „Whatever Works“ über seine 90 Minuten wirklich famos unterhalten. Gerade gegen Ende hat sich der Film noch einmal positiv entwickelt. Larry David schafft es größtenteils auch, mich den autobiographischen Aspekt vergessen zu lassen und in ihm nur Boris Yellnikoff zu sehen. Dann gelingt es dem Film auch, einfach nur Spaß zu machen: 8/10 Punkte.

Sons of Anarchy – Season 2

War ich bei während meines ersten Besuchs in Charming noch mit genereller Orientierung und dem Kennenlernen der unterschiedlichen Fraktionen beschäftigt, fühlte ich mich in „Sons of Anarchy – Season 2“ schon komplett zu Hause in dieser Serienwelt. Vermutlich hat mich so manche Entwicklung in der Handlung auch deshalb so mitgenommen, was ja ein durchaus positives Zeichen für die Serie ist…

Sons of Anarchy – Season 2 | © Twentieth Century Fox

Sons of Anarchy – Season 2 | © Twentieth Century Fox

Interne Machtkämpfe zerfressen SAMCRO

Die dramatischen Ereignisse am Ende der ersten Staffel beeinflussen den Verlauf des zweiten Jahres und sorgen für beständige Konflikte zwischen Jax und Clay. Hinzu kommt eine neue Bedrohung für den Motorradclub, die sich zusätzlich zum ATF in Charming niederlässt. Schon während der ersten Episode wird es sehr persönlich und unangenehm, was den weiteren Verlauf der Handlung diktiert. Die Ereignisse spitzen sich unweigerlich zu und ich war fast schon überrascht, dass die Konflikte bereits in der elften Episode „Service“ offen angesprochen und gelöst wurden. Die beiden finalen Folgen setzen dann ganz auf die wiedervereinte Kraft von SAMCRO und den Kampf an unzähligen Fronten. Natürlich geht dabei einiges schief und es kommt aufgrund von Charakterschwäche und Missverständnissen zu schmerzhaften Verlusten eigentlich unbeteiligter Personen.

Neben der beständig voranpeitschenden Handlung (es ist wirklich bemerkenswert, wie dicht die Serie erzählt ist), bleibt dennoch genügend Raum für Charakterentwicklung und stille Momente. Etliche Nebenfiguren bekommen mehr Tiefe und die Spannung zwischen Clay und Jax bildet einen wunderbaren Hintergrund, vor dem speziell Gemma zu glänzen weiß. Eine großartige Leistung von Katey Sagal, gerade wenn man ihre klischeehafte Rolle in „Eine schrecklich nette Familie“ im Hinterkopf hat. Sie ist für mich der Star dieser Staffel. Auch für sie hält das Finale aufgrund eines unglücklichen Zufalls so einige Herausforderungen bereit. Ich bin wirklich sehr gespannt, wie die Autoren in Zukunft mit ihr und dieser Situation umgehen werden.

Fazit

Hatte mir bereits die erste Staffel sehr gut gefallen, geht „Sons of Anarchy“ im zweiten Jahr noch ein paar Schritte weiter: Die Handlung wird dramatischer und die Konflikte innerhalb von SAMCRO spitzen sich zu. Familie und Zusammenhalt bleiben auch weiterhin die bestimmenden Motive und es ist diese Mischung, welche die Serie so besonders macht. Ich blicke jetzt schon voll banger Hoffnung auf die nächsten Staffeln und bin mir sicher, dass auch sie eine emotionale Tour-de-Force für mich bereithalten werden: 9/10 (8.8) Punkte.

Mount St. Elias (2009)

Schon seit einem knappen Jahr habe ich mich nicht mehr von meinem Sofa aus auf einen schneebedeckten Gipfel begeben. Glücklicherweise hat mir Flo Lieb zu Weihnachten den Film „Mount St. Elias“ zukommen lassen, so dass einem weiteren Aufstieg nichts im Wege stand. Heute waren die Bedingungen dann auch endlich so gut, dass ich den Gipfelsturm wagen konnte…

Mount St. Elias (2009) | © STUDIOCANAL

Mount St. Elias (2009) | © STUDIOCANAL

Wenn der Aufstieg noch der einfache Teil ist

Zu Beginn hatte ich noch befürchtet, dass mich der starke Fokus auf das Skifahren abschrecken könnte. Ich hasse Skifahren, was wohl auch meinem mangelnden Talent dafür geschuldet ist. Dennoch waren es gerade diese Szenen, die mir den Schweiß auf die Stirn getrieben haben. Die Leistung von Axel Naglich und Peter Ressmann ist wirklich unfassbar. Und ein wenig verrückt. Ebenso schien mir der Film an manchen Stellen zu effekthascherisch inszeniert zu sein, was eventuell am Produktionsstudio Red Bull Media House liegt, die drei Jahre später auch den Dokumentarfilm „Jäger des Augenblicks: Ein Abenteuer am Mount Roraima“ ins Kino gebracht haben. Doch auch dieser Eindruck legte sich mit der Zeit und ich wurde von den unglaublich imposanten Naturaufnahmen in den Bann gezogen.

Wenn ihr Blogs kommentiert, zahlt sich das in mehrfacher Hinsicht aus:

Neben den imposanten sportlichen Leistungen, fand ich die Kameraarbeit höchst bemerkenswert – und zwar sowohl die kinotauglichen Panoramaaufnahmen als auch das eher intime Handkameramaterial. Man vergisst bei Dokumentationen dieser Art oft viel zu schnell, dass ja auch ein Kameramann dabei sein muss, der hier jedoch recht offen in den Film mit einbezogen wird.

Fazit

Auch wenn „Mount St. Elias“ nicht beeindruckendste Bergfilm ist, den ich bisher gesehen habe (das dürfte wohl nach wie vor „Sturz ins Leere“ sein), so hat er mich jedoch wieder stark mitgerissen. Gerade den Fokus auf das Skifahren fand ich spannend und kann den Dokumentarfilm somit nur jedem Bergfreund ans Herz legen – egal ob das Bergsteigen oder die Abfahrt das Steckenpferd ist: 8/10 Punkte.

The Box (2009)

Puh, das war wirklich knapp. Beinahe hätte ich einen gesamten Monat seit meinem letzten Film verstreichen lassen. Mit der Sichtung von „The Box“ habe ich dieses grausame Schicksal gerade noch einmal abgewendet. Nicht dass meine Leser am Ende noch auf die Idee kommen, das hier wäre überhaupt kein Filmblog mehr. Ob gerade Richard Kellys umstrittenes Werk geeignet war, um die filmische Dürreperiode zu durchbrechen, lest ihr in der folgenden Besprechung…

Der Film als gigantische Mystery Box

Während der Sichtung von „The Box“ habe ich mir öfter gewünscht, im Vorfeld noch nicht so viel darüber gelesen zu haben. Gar nicht einmal so sehr auf den Inhalt bezogen, denn von diesem wusste ich, bis auf die Grundprämisse der titelgebenden Box, nicht wirklich viel. Allerdings habe ich stets daran denken müssen, dass der Film so unglaublich schlechte Kritiken bekommen hat. Ich war also beständig auf der Hut und habe versucht Fehler zu finden. Keine gute Voraussetzung. Glücklicherweise war ich vom restlichen Tag ziemlich platt (wir haben unsere alte Wohnung renoviert), so dass ich mich nach einiger Zeit wunderbar von der Atmosphäre einlullen ließ.

J. J. Abrams hat den Begriff der Mystery Box geprägt. Seine gesamte TV-Serie „Lost“ besteht fast nur aus einer Aneinanderreihung von Mystery Boxen. Auch Richard Kelly bedient sich dieser Methode, die er bereits erfolgreich in „Donnie Darko“ anzuwenden wusste. Kelly buchstabiert seine Rätsel jedoch selten aus und überlässt viel der Atmosphäre und seiner Inszenierung. Auch „The Box“ besteht zu großen Teilen aus Mysterien, die teils offensichtlich, teils nebenläufig erzählt werden. Wie bereits in seinen vorherigen Filmen, siehe auch „Southland Tales“, gibt der Film nur sehr bedingt Antworten. Man kann sich als Zuschauer seinen Teil zusammenreimen, doch wirklich zufriedenstellend wird die Geschichte nicht aufgelöst. Am besten man lässt sich in die dichte Atmosphäre fallen, die durchaus funktioniert, wenngleich sie auch nie die traumhafte Wirkung eines „Donnie Darko“ entfaltet.

Fazit

Es mag an meiner langen Filmabstinenz liegen, doch fand ich „The Box“ wirklich ziemlich gelungen. Inhaltlich völlig überfrachtet (Richard Kelly hätte die autobiographisch geprägte Geschichte über seine Eltern lieber in einen gesonderten Film auslagern sollen), doch atmosphärisch packend. Selbst die angedeuteten Sci-Fi-Elemente fand ich gelungen, haben sie mich doch tatsächlich vage an „The Three-Body Problem“ erinnert. Wenn ihr offen für andersartige Filmerlebnisse seid, und nicht unbedingt eine stringente Narrative benötigt, dann kann „The Box“ durchaus ein interessantes Filmerlebnis sein: 7/10 Punkte.

Up in the Air (2009)

Heute habe ich einmal wieder einen Film nachgeholt, der schön länger auf meiner imaginären Liste steht. Dabei hatte ich das Gefühl Jason Reitmans „Up in the Air“ bereits mehrfach gesehen zu haben. In unzähligen Podcasts (allen voran der Sneakpod) habe ich bereits mehrfach der Beschreibung der Handlung gelauscht und war stets neugierig, auch wenn es kein Film war, den ich unbedingt sofort sehen musste. Aber manchmal sind es ja gerade diese Werke, die einen längerfristig beeindrucken…

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Jason Reitman erzählt „Up in the Air“ herrlich unaufgeregt. Der Film wirkt dabei so durchstrukturiert, wie das Leben Ryan Binghams, der sich sein Geld mit der Vor-Ort-Abwicklung von Massenentlassungen verdient. Der von George Clooney gespielte Charakter ist deshalb unentwegt unterwegs und auf den Flughäfen und in den den Hotels Nordamerikas zu Hause. Ein Leben ohne Wurzeln und Gepäck. Im tatsächlichen und übertragenen Sinne. Ein einsames Leben, doch eines, das sich Ryan Bingham so ausgesucht hat und das er in vollen Zügen genießt – bis er eine Frau kennenlernt. Wird er nun plötzlich sesshaft und wandelt seinen Lebensstil?

Tatsächlich entwickelt sich die satirisch angehauchte Dramödie in der zweiten Hälfte eher zum Beziehungsdrama mit durchaus präsentem RomCom-Einschlag. Das unausweichliche Happy End wartet dennoch nicht auf Ryan. Ein unerwartet bitterer Twist, der jedoch wunderbar zur Stimmung des restlichen Films passt. Neben George Clooney, dem die Figur wie auf den Leib geschrieben ist, überzeugen Vera Farmiga und ganz besonders Anna Kendrick, die beide für Ryans Weiterentwicklung bedeutend sind. Neben diesen drei famosen Hauptdarstellern dürfen wir Jason Bateman, J. K. Simmons, Danny McBride und viele mehr in teils unerwarteten Rollen erleben.

„Up in the Air“ ist letztendlich ziemlich genau der Film, den ich durch die unzähligen Besprechungen bereits im Kopf hatte. Kein unfassbares Meisterwerk, doch gerade in seiner Unaufdringlichkeit bestechend unterhaltsam. Gut geschrieben, toll gespielt und zurückhaltend inszeniert. Wenn ihr euch bisher auch nicht aufraffen konnten, ihn zu schauen, dann ist jetzt vielleicht der richtige Zeitpunkt: 8/10 Punkte.

Surrogates: Mein zweites Ich – OT: Surrogates (2009)

Eigentlich stand heute ein weiterer Lauf auf dem Programm, doch bin ich spontan zum Strohwitwer geworden, so dass ich zu Hause geblieben bin und die Kinder ins Bett gebracht habe. Dafür war ein wenig Zeit mich einem Film zu widmen: Die Wahl fiel auf „Surrogates: Mein zweites Ich“ – und das nicht nur aufgrund der angenehm kurzen Laufzeit von 84 Minuten. Dank seiner interessanten Prämisse wollte ich die Comic-Verfilmung ohnehin schon lange sehen und heute war es endlich soweit…

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Jonathan Mostows Sci-Fi-Thriller fasziniert hauptsächlich durch die Welt, in der er spielt: fleischgewordene Avatare, hinter denen sich die Menschen verstecken bevölkern die Straßen. Erinnerungen an „The Matrix“ werden wach, nur dass es eben keine virtuellen Welten gibt. Schon alleine der Prolog ist äußerst effizient erzählt und man bekommt die Entwicklung der Surrogates in einem kurzen Zusammenschnitt erklärt. Dann nimmt man am Leben Tom Greers (Bruce Willis) Teil und lernt die Vorzüge, Nachteile und Besonderheiten kennen, welche die Teilnahme am Leben durch einen Stellvertreter so mit sich bringen. Es werden ein paar spannende Punkte angeschnitten, jedoch leider nie wirklich ausformuliert.

Inhaltlich ist „Surrogates“ ein klassischer Kriminalfilm bzw. Thriller. FBI-Agent Tom Greer muss zusammen mit seiner Partnerin eine Mordserie lösen, die sich letztendlich als große Verschwörung entpuppt. Alles schon unzählige Male gesehen und nur wenig überraschend – wäre da nicht der spannende Grundgedanke, der den 08/15-Krimi durch ein paar tolle Szenen und visuell nette Ideen über den Einheitsbrei hinaushebt. Bei der Inszenierung der Actionszenen könnte man übrigens meinen Mostow hätte eine Fortsetzung zu seinem „Terminator 3: Rise of the Machines“ drehen wollen.

Letztendlich braucht man wohl ein Faible für High-Concept-Sci-Fi und futuristische Welten, um „Surrogates“ viel abgewinnen zu können. Bruce Willis spielt an der Seite von Radha Mitchell sowie Rosamund Pike recht überzeugend und Langeweile will bei der kurzen Laufzeit ohnehin nicht aufkommen. Ich hatte aufgrund der ziemlich durchwachsenen Kritiken eher eine Enttäuschung erwartet, wurde aber positiv überrascht. Kann man sich als Genrefreund durchaus anschauen: 7/10 Punkte.

Sin nombre (2009)

Die meisten Filme, die ich schaue, sind englischsprachige Produktionen. Viel zu selten blicke ich über diesen Horizont hinaus, dabei sind es oft gerade internationale Produktionen, die zu beeindrucken wissen. Zu diesen gehört auch der US-mexikanische Film „Sin nombre“, von dem ich schon viel Gutes gehört hatte. Den letzten Anstoß zur Sichtung hat jedoch die Vorstellung des Films im jüngsten Band der Buchreihe „Filme der 2000er“ gegeben. Ob sich die Sichtung letztendlich gelohnt hat, erfahrt ihr in der folgenden Besprechung…

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Zunächst einmal muss ich ansprechen, wie brandaktuell „Sin nombre“ wirkt: Der Film erzählt die Geschichte von Flüchtlingen, die alles aufgeben um untragbaren Lebensumständen zu entfliehen – nur eben von Mexiko in die USA. Dabei konzentriert sich Regisseur Cary Fukunaga gezielt auf zwei Einzelschicksale, die in dieser oder ähnlicher Form jedoch stellvertretend für viele Flüchtlinge sein werden. Gewalt beherrscht nicht nur die zurückgelassenen Lebenssituation, sondern auch die gesamte Reise nach Norden an die US-mexikanische Grenze. Dabei erzählt der Film kein ruhiges Drama, sondern stellt eine knallharte Gangstergeschichte ins Zentrum, die nicht von ungefähr an Fernando Meirelles‘ „City of God“ erinnert, ohne jedoch dessen epische Dimensionen zu erreichen.

Mit ca. 90 Minuten ist die zur Verfügung stehende Zeit nicht besonders lang, was bedeutet dass die gezeigte Welt nicht bis ins Detail erklärt wird, sondern durch die Handlung erzählt wird. Dies fand ich sehr erfrischend, wenngleich ich mir auch ein paar ausführlichere Charakterszenen gewünscht hätte. Die Figuren bleiben somit ein wenig an der Oberfläche und manche von ihnen hätte ich gerne näher kennengelernt. Doch vielleicht unterstreicht dies auch einen Teil der Reiseerfahrung von Flüchtlingen: man sieht sich, verliert sich, stolpert – im wahrsten Sinne des Wortes – sinnlos in den Tod und ist letztendlich Mächten ausgeliefert, denen das eigene Leben keinen Cent wert ist. Auch das Finale ist angenehm konsequent und entlässt die Figuren (und mit ihnen den Zuschauer) mit einem Kloß im Hals in eine ungewisse Zukunft.

Auch wenn mich Fukunagas Film nicht so mitgerissen hat, wie damals „City of God“, so zeigt er uns doch einen schonungslosen Blick in eine Welt, die uns beinahe unvorstellbar erscheinen mag. „Sin nombre“ mag mehr Gangsterfilm als Flüchtlingsdrama sein, doch die Parallelen sind unverkennbar, was auch Cary Fukunagas Kurzfilm „Victoria Para Chino“ unterstreicht, der den Erstickungstod mehrerer Flüchtlinge in einem LKW kurz hinter der Grenze thematisiert. Es geschieht überall auf der Welt und es ist überall gleichermaßen schlimm. Niemand macht solch eine Flucht freiwillig durch, ganz egal was die spezifischen Gründe sind. Ein weiterer unfassbarer Aspekt unserer schönen neuen Welt. Filme wie diese lassen sie greifbarer werden – und regen vielleicht auch diejenigen zum Nachdenken an, die sich sonst nicht mit diesem Thema auseinandersetzen wollen: 8/10 Punkte.

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#bloggerfuerfluechtlinge

One Tree Hill – Season 7

Langsam aber sicher neigt sich auch dieser Serienmarathon seinem Ende zu. Leider ist der qualitative Abfall inzwischen deutlich zu erkennen, was meine Sichtung von „One Tree Hill – Season 7“ auch ein wenig verzögert hat. Ob die Serie trotz Abstrichen weiterhin Spaß macht, erfahrt ihr in der folgenden Besprechung…

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Am Anfang der Staffel steht, ebenso wie zu Beginn des fünften Jahres, ein Zeitsprung. Hat dies beim letzten Mal noch ausgezeichnet funktioniert, wirkt dieser Kniff inzwischen ein wenig aufgesetzt. Die Serie fühlt sich plötzlich anders an, was natürlich auch am Fehlen von zwei Hauptfiguren (nämlich Lucas und Peyton) liegt, die Tree Hill nach der sechsten Staffel ohne große Erklärungen verlassen haben. Die zurückgebliebenen Charaktere verlieren sich in Welten ohne jeglichen Realitätsbezug, d.h. Profi-Basketball, Musikgeschäft und Mode. Jegliche Erdung scheint der Serie abhanden gekommen zu sein.

Natürlich werden die freien Plätze durch neue Charaktere aufgefüllt – und erstaunlicherweise werden gerade diesen interessantere Handlungsstränge zugeschrieben, als den bereits bekannten Figuren. Sportagent Clay sowie Haleys Schwester Quinn bilden somit nette Ergänzungen, die im letzten Drittel der Staffel aber auch nicht vor abstrusen Entwicklungen gefeit sind. Spielte Musik früher eine große Rolle, so verkommt auch diese zu größtenteils austauschbarem 08/15-Pop. Einzig die Montage zu Fleetwood Macs „Landslide“ hat mich emotional wirklich mitgerissen. Ist aber auch immer noch ein toller Song. Leider einer der wenigen.

Trotz aller negativen Aspekte, konnte ich mich der Serie nicht entziehen und hatte Spaß bei der Sichtung. Zwar eine andere Art von Spaß, als noch während der ersten vier Staffeln, doch möchte ich gerade jetzt wissen, wie die Autoren dieses schon sehr wackelig gewordene Gefährt ins Ziel juckeln – da kenne ich nichts: 7/10 (6.9) Punkte.

The Descent 2: Die Jagd geht weiter (2009)

Ein anstrengender, aber vergnüglicher Tag im Schwimmbad, die Kinder endlich im Bett, die Frau unterwegs – folglich die Chance endlich einmal wieder einen Horrorfilm zu sehen. Die Wahl fiel letztendlich auf „The Descent 2“, der schon seit geraumer Zeit auf meiner Liste stand. Ob ich ich die Sichtung ohne Nervenzusammenbruch durchgestanden habe, lest ihr in der folgenden Besprechung…

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Neil Marshalls Vorgänger „The Descent“ zählt nach wie vor zu meinen Lieblingsfilmen des Genres. Das damalige Kinoerlebnis steckt mir heute noch in den Knochen – und das meine ich genauso, wie ich es schreibe. Der 2009er Nachfolger ignoriert das europäische Ende und greift die US-Schnittfassung auf, was Fans des Film schon einmal übel aufstoßen dürfte. Ich jedoch habe damit meinen Frieden gemacht und sehe das Sequel eher als alternative Fortführung der Geschichte, was in diesem Genre meiner Meinung nach ohnehin der einzig gangbare Weg ist, sich nicht den Spaß an so manchem Film verderben zu lassen. So oder so war ich gespannt auf die Handlung – und ob mich die Rückkehr in die Höhle genauso traumatisieren würde, wie mein erster Besuch.

Wie zu erwarten, bekommt man ein typisches Sequel zu sehen: mehr vom bereits Bekannten, mehr unmotiviertes Blut und weit weniger Handlung. Rein atmosphärisch kann „The Descent 2“ nahtlos an seinen Vorgänger anschließen, auch wenn die Höhle ein wenig zu perfekt ausgeleuchtet ist, das Blut ein wenig zu rot spritzt und die Gruppendynamik dieses Mal nicht so recht funktionieren will. Wer bitte schickt denn eine Gruppe unerfahrener Armleuchter (inlusive traumatisiertem Opfer) in ein unerforschtes Höhlensystem? Natürlich wird unsere bunte Truppe demenstsprechend schnell dezimiert (besonders die Männer müssen zeitig dran glauben), so dass sich am Ende wieder eine reine Frauengruppe mehr oder weniger erfolgreich gegen die Crawler zur Wehr setzen darf. Weniger Klaustrophobie als beim Erstling, dafür mehr Gemetzel – wer hätte es gedacht?

Glücklicherweise wirkt der Film formal nicht viel billiger als der Vorgänger. Inhaltlich ist das eine andere Geschichte und man hat schon teils das Gefühl ein Remake zu sehen. Immerhin werden die vorangegangenen Geschehnisse direkt aufgegriffen, was zu einigen interessanten Überraschungen führt. Das endgültige Finale wirkte auf mich ein wenig aufgesetzt und war nur einfach nur fies, wenn auch leider ohne jeglichen Sinn dahinter. Irgendwie schade, da der Film gar keine solch platte zweite Ebene nötig gehabt hätte. Freunde des ersten Teils sollten lieber noch einmal diesen schauen, doch wer Lust auf noch mehr Höhlenhorror hat, der kann ruhig einmal einen Blick riskieren – gepackt hatte mich das Setting auch beim zweiten Mal: 5/10 Punkte.