The Ritual (2017)

Draußen hat es heute erneut gut 33 °C. Ich habe zunächst ein wenig auf der Terrasse gelesen, doch dann wurde mir auch zu warm. Der Zwergofant hat sich mit seinen Freunden ins Freibad verabschiedet, Frau bullion ist mit ihrer Mama einkaufen und das Zappelinchen sitzt im kühlen Keller (gerade in diesen Moment auch neben mir) und arbeitet an ihrem Referat. Folglich habe ich die Gelegenheit ergriffen und mit „The Ritual“ einmal wieder einen Horrorfilm geschaut. Am helllichten Tage traue sogar ich mich das. Wie mir David Bruckners Film gefallen hat? 🌲

The Ritual (2017) | © Netflix

The Ritual (2017) | © Netflix

Dichte Atmosphäre im Horror-Wald

Warum habe ich mich ausgerechnet für „The Ritual“ entschieden? In meiner bevorzugten Filmpodcast-Blase wurde nun schon mehrfach positiv darüber gesprochen. Zudem ist der Schauplatz die Wildnis, was ich stets reizvoll finde. Wie kann ich „The Ritual“ nun am besten beschreiben? Er hat mich etwas an eine männliche Version von „The Descent“ erinnert oder auch an die Eröffnungsszene von „The Empty Man“, gewürzt mit „The Blair Witch Project“. Im Mittelpunkt der Geschichte stehen vier Freunde, die ein traumatisches Ereignis verbindet. Bei einer Wanderung durch die nordschwedische Wildnis kommen sie von ihrer Route ab und verlieren sich in den Wäldern. Doch dort sind sie nicht allein. Das mag nun nicht sonderlich spannend klingen, doch ist es David Bruckners Inszenierung, die „The Ritual“ für mich über andere Genrevertreter hebt.

Nach nur 10(!) Minuten haben wir die Freundesgruppe kennengelernt, das traumatische Ereignis miterlebt und befinden uns bereits auf der Wanderung. Unfassbar effizient erzählt und doch fühlt sich die Geschichte nicht überhastet an. Auch wenn ich so meine Probleme mit der Dynamik innerhalb der Freundesgruppe hatte (warum müssen Männerfreundschaften immer so oberflächlich bis toxisch sein?), so funktioniert die Zusammenstellung doch auch ganz gut. Schnell wird klar, dass es um Traumaverarbeitung geht und dies wird auch nicht gerade subtil erzählt. Oft wirken Szenen im Wald etwas unfilmisch, doch David Bruckner schafft es die Isolation und Bedrohung wunderbar einzufangen. Die Atmosphäre ist zu Beginn wirklich beunruhigend und ich konnte mich trotz Hitzewelle gut in die Figuren einfühlen. Am Ende ging es mir fast etwas schnell und die konkrete Darstellung der Bedrohung ließ mich den Horror nicht mehr so recht spüren. Aber nun gut, so ist das ja oft auf der Zielgeraden innerhalb dieses Genres.

Fazit

„The Ritual“ ist ein packender Horrorfilm in einem spannenden Setting. Die dichte Atmosphäre hat es mir wirklich angetan. Auch die Dynamik zwischen den Figuren funktioniert recht gut, selbst wenn diese auf alle nur erdenklichen Klischees zurückgreift. Die Auflösung des Horrors schwankt dann zwischen innovativ und schon dutzende Male gesehen. Dennoch kann ich den Film nur empfehlen, auch an heißen Sommertagen: 7/10 Punkte.

Last Night in Soho (2021)

Nach einem Tag, den ich ich komplett draußen verbracht habe (Rasenmähen und etwas auf der Terrasse lesen) habe ich mich abends aufs Sofa gefreut. Der Zwergofant hatte seine Cousins zum „James Bond“-Schauen eingeladen, weshalb ich für Frau bullion, das Zappelinchen und mich „Last Night in Soho“ ausgesucht habe. Edgar Wrights Thriller stand schon lange auf meiner Liste und heute war es endlich soweit. 👗

Last Night in Soho (2021) | © Universal Pictures Germany GmbH

Last Night in Soho (2021) | © Universal Pictures Germany GmbH

Gefangen zwischen brillant und plump erzählt

Ich liebe Edgar Wrights Filme. Und seine Serie „Spaced“, die letztendlich die Blaupause für seine Cornetto-Trilogie war. Mit „Baby Driver“ konnte ich dagegen nicht so viel anfangen. Der Film hatte mich leider ziemlich kalt gelassen. Umso gespannter war ich also, was Wright aus einem ernsthaften Thriller-Stoff macht. Während der ersten Stunde hatte mich „Last Night in Soho“ komplett für sich eingenommen. Ich war mit Eloise (fantastisch gespielt von Thomasin McKenzie) auf der Reise und konnte mich wunderbar mit ihr identifizieren. Schon früh lässt der Film die Bedrohung durch Männer in den Vordergrund treten. In vielen kleinen Szenen, wie z.B. der Taxifahrt oder den unangenehm sexuell aufgeladenen Begegnungen im Wohnheim. Damit ist „Last Night in Soho“ aktueller denn je und ich war gespannt, wohin uns die Reise durchs nächtliche Soho führt. Zunächst einmal in die 1960er Jahre.

„Last Night in Soho“ besitzt eine fantastische Komponente: Eloise begegnet in ihren Träumen Sandie (ebenfalls großartig gespielt von Anya Taylor-Joy), welche zu Beginn all das zu verkörpern scheint, das Eloise verwehrt bleibt. Quasi „Lippels Traum“ in düster. Ab der Hälfte des Films wird „Last Night in Soho“ sehr plakativ und fast schon plump in seiner Aussage. Die Bilder sind weiterhin stark und Edgar Wright inszeniert die unausweichliche Bedrohung gekonnt. Inhaltlich mochte ich gerade die Entwicklung im letzten Drittel nicht so gerne: Ist Eloises Wahrnehmung nur so stark, weil sie an einer psychischen Erkrankung leidet? Nein, Männer verhalten sich einfach bedrohlich und übergriffig. Auch der finale Twist untergräbt die starke Botschaft des Films in meinen Augen etwas. Es gibt eine Szene, in denen die Männer als reine Opfer gezeigt werden, was mich für einen kurzen Moment wirklich geärgert hat. Glücklicherweise dreht Wright den Ausgang der Szene noch. Mit einem schlüssigeren und ja, auch konsequenteren Finale, hätte „Last Night in Soho“ ein herausragender Film werden können. So entscheide ich mich, ihn dennoch als meisterhaft inszenierten Thriller zu sehen, mit dessen inhaltlicher Ausrichtung ich nicht immer komplett einverstanden war. Muss ich aber auch nicht, denn am Ende verbleibt ein extrem spannender Psycho-Thriller mit interessanter Prämisse und tollen Figuren.

Fazit

Mir hat „Last Night in Soho“ wirklich viel Spaß gemacht. Ich könnte mir sogar vorstellen, dass ich ihn beim zweiten Mal noch mehr genießen kann, da ich den Ausgang der Geschichte schon kenne. Auch meinen beiden Mitschauerinnen hat der Film sehr gut gefallen. Definitiv sehenswert. Edgar Wright kann also auch Thriller: 8/10 Punkte. (Zappelinchen: 8/10 Punkte; Zwergofant: hat mit seinen Cousins „James Bond 007: Spectre“ geschaut)

Die Unfassbaren 2: Now You See Me – OT: Now You See Me 2 (2016)

Der April schickt sich an, gar kein so schlechter Monat für Filme zu werden. Immerhin war ich schon zweimal im Kino und mit „Die Unfassbaren 2: Now You See Me“ gab es gestern den vierten Film bevor das erste Drittel des Monats hinter uns liegt. Natürlich tragen die Osterferien ihren Teil dazu bei, welche allerdings schon viel zu bald wieder hinter uns liegen. Wie uns der Film gefallen hat? Das lest ihr in der Besprechung. 🃏

Die Unfassbaren 2: Now You See Me (2016) | © LEONINE

Die Unfassbaren 2: Now You See Me (2016) | © LEONINE

Hyperaktives „Ocean’s Eleven“ mit Zauberei

Ich muss ja zugeben, dass ich mir nicht sonderlich viel von dieser Fortsetzung erwartet hatte. Schon den ersten Teil „Die Unfassbaren: Now You See Me“ fand ich nur ziemlich unterhaltsam, doch war die Geschichte schon fünf Minuten nach dem Film vergessen. Somit musste ich auch wirklich überlegen, was denn nun die inhaltliche Grundlage für den zweiten Teil ist. Glücklicherweise kamen die Erinnerungen dann doch wieder, auch wenn nur einzelne Elemente zum Verständnis nötig waren. Mit Lizzy Caplans Lula May stößt ein neues Mitglied zu den Reitern, welches Isla Fishers Henley Reeves ersetzt. Es sagt viel über die Charaktertiefe der Figuren aus, dass dieser Tausch gar nicht weiter ins Gewicht fällt. Allerdings sehe ich Lizzy Caplan schon seit „Cloverfield“ oder „Party Down“ sehr gerne, weshalb ich sie als wunderbare Ergänzung zum Ensemble empfand.

Ansonsten muss ich sagen, dass mir „Die Unfassbaren 2: Now You See Me“ immer noch sehr viel Spaß gemacht hat. Der Film legt ein unglaublich hohes Tempo vor, bietet zwar unrealistische, doch immerhin unterhaltsame Heist-Sequenzen, und die Zeit vergeht wie im Flug. Die Auflösung am Ende ist wieder sehr unglaubwürdig, doch hatte ich das Gefühl, dass die Filmreihe nun wirklich ihren Rhythmus gefunden hat. Mit Walter Mabry gibt es einen wunderbar überzogen von Daniel Radcliffe gespielten Bösewicht. Als Epilog folgt dann noch ein Ausblick, in welche Richtung sich wohl der dritte Teil entwickeln wird. Auf diesen freue ich mich nun tatsächlich schon sehr. Wer hätte es gedacht?

Fazit

Erstaunlicherweise hat mir auch „Die Unfassbaren 2: Now You See Me“ fast schon unfassbar viel Spaß gemacht. Der erste Teil mag noch ein wenig runder sein, doch mochte ich gerade den überbordenden Unsinn, den der zweite Teil erzählt (z.B. Woody Harrelson in einer Doppelrolle). Die Kinder mochten den ersten Teil lieber, doch ich konnte für mich keinen großen Unterschied feststellen, was den Unterhaltungswert angeht: 7/10 Punkte. (Zappelinchen: 7/10 Punkte; Zwergofant: 7/10 Punkte.)

Weapons: Die Stunde des Verschwindens (2025)

Gestern waren die Kinder auf der Geburtstagsfeier ihrer Cousine, welche sich bis weit in den späten Abend gezogen hat. Uns hatte spontan eine Freundin besucht, die noch bis zum Abendessen geblieben ist. Danach hatten wir die Gelegenheit einmal wieder einen Film zu sehen, der für Kinder nicht geeignet ist. Meine Wahl fiel auf „Weapons: Die Stunde des Verschwindens“, den ich schon ewig sehen wollte. Ob Zach Creggers Film seiner Prämisse gerecht werden konnte? 🤡

Weapons: Die Stunde des Verschwindens (2025) | © Warner Bros

Weapons: Die Stunde des Verschwindens (2025) | © Warner Bros

„Magnolia“ als Horror-Groteske

Die Prämisse kannte man bereits aus dem Trailer: In einer amerikanischen Kleinstadt verschwinden um Punkt 2:17 Uhr morgens alle Kinder aus einer einzelnen Schulklasse. Alle bis auf eines. Sie verlassen die Häuser und rennen (siehe Bild oben) in die Nacht und waren nicht mehr gesehen. Mehr erfährt man im Trailer nicht. Auch im Film wird dieser Teil der Geschichte innerhalb der ersten fünf Minuten abgehandelt. Doch was passiert danach? Dann geht der Film erst richtig los. Zach Cregger erzählt „Weapons: Die Stunde des Verschwindens“ wie „Magnolia“ oder auch „Pulp Fiction“, sprich als Episodenfilm, dessen Geschichten zusammenhängen und sich überschneiden. Dadurch entstehen teils absurde Szenen, die man zunächst überhaupt nicht einordnen kann. Am Ende wird alles zusammengeführt, so dass es inhaltlich überraschend viel Sinn ergibt und alles erstaunlich schlüssig erklärt wird.

Was „Weapons: Die Stunde des Verschwindens“ so interessant macht, ist der Ton des Films: Das Mysterium ist wirklich mysteriös und dramatisch. Die Kleinstadt wird dadurch komplett in Mitleidenschaft gezogen. Zugleich ist der Film sehr unheimlich. Cregger gelingt es, ein paar extrem stimmungsvolle und absurd gruselige Szenen aufzubauen. Dabei gibt es nur wenige Jump Scares, die jedoch sehr effektiv sind und eher durch existierende Elemente im Bild und weniger durch laute Soundeffekte ausgespielt werden. Auch als gegen Ende eigentlich klar wird, worauf alles hinaus läuft, bleibt der Film spannend und verstörend. Neben all dem ist „Weapons: Die Stunde des Verschwindens“ auch noch erstaunlich witzig. Ja, richtig gelesen. Cregger setzt Humor gekonnt ein und ließ mich teils laut auflachen (z.B. der Spritzenangriff im Zelt oder auch Teile des Finales). Solch eine Mischung sollte eigentlich nicht funktionieren, und ich bin mir sicher, dass sie auch nicht für jede:n Zuschauer:in funktioniert, doch mich hat der Film komplett abgeholt.

Mit den eigenen Waffen geschlagen

Heute leben viele Horrorfilme davon, möglichst nihilistisch zu sein. Happy End? Keine Chance. Umso erfrischender fand ich es, dass Creggers Film tatsächlich ein extrem befriedigendes Ende bietet. Nein, auch hier ist das Trauma nicht weggewischt und alle leben glücklich bis an ihr Lebensende. Aber dass das Böse so gekonnt von seinen eigenen Waffen, und das im wortwörtlichen Sinne, geschlagen wird, fand ich einfach nur grandios. Insgesamt ist „Weapons: Die Stunde des Verschwindens“ ein in jeder Hinsicht extrem überraschender Film, der famos erzählt ist und einfach nur Spaß macht. Die 4K-Version überzeugt durch ein knackiges Bild, das die stimmungsvolle Inszenierung zum Leben erweckt. Kann ich nur empfehlen:

Fazit

„Weapons: Die Stunde des Verschwindens“ hat mich noch mehr begeistert, als ich das zuvor für möglich gehalten hätte. Genau mein Ding: Ich habe mich sehr gegruselt, die Geschichte hat mich in den Bann gezogen, die Figuren fand ich famos geschrieben, ich habe viel gelacht und wurde überrascht. Was will man mehr? So sollte Kino sein und ich freue mich jetzt schon darauf, den Film noch einmal zu sehen: 9/10 Punkte.

Die Unfassbaren: Now You See Me – OT: Now You See Me – Extended Edition (2013) (WS1)

Das Filmjahr 2026 ist bisher kein sonderlich erfolgreiches, zumindest wenn ich mir die Anzahl an Filmsichtungen so anschaue. Da war ich im Filmjahr 2025 zu diesem Zeitpunkt schon deutlich weiter. Heute jedoch haben wir „Stranger Things“ einmal links liegen lassen und uns mit „Die Unfassbaren: Now You See Me“ einem Film zugewandt, auf den die Kinder wirklich heiß waren. Warum und wieso? Das erfahrt ihr in der folgenden Besprechung… 🎩

Die Unfassbaren: Now You See Me (2013) | © LEONINE

Die Unfassbaren: Now You See Me (2013) | © LEONINE

Alles nur ein großer Zaubertrick

Im vergangenen Jahr waren wir doch häufiger im Kino. Dort haben wir den Trailer zu „Die Unfassbaren 3: Now You See Me“ gefühlt vor jedem Kinofilm gesehen. Die Kinder sind darauf ziemlich angesprungen. Bei mir war die Begeisterung nicht sonderlich groß. Zwar hatte ich diesen ersten Teil bereits vor 12 Jahren einmal gesehen, doch mehr als ganz nett fand ich ihn damals nicht. Auch der zweite Teil ist bisher an mir vorübergegangen, so dass der dritte keine wirkliche Option war. Vor kurzem hat dann der Zwergofant mit seiner Patin eine Show der Ehrlich Brothers besucht, was Magie im Film wieder stärker auf den Radar gebracht hat. Mein erster Gedanke ging Richtung „Prestige: Die Meister der Magie“, doch dann ist mir dieser Film wieder eingefallen. Das Doppelpack der ersten beiden Teile gab es gerade günstig und somit war der heutige (und vermutlich auch der nächste) Filmabend besiegelt.

Ich muss sagen, dass ich heute sogar mehr Spaß hatte, als beim ersten Durchgang. Die große Zaubershow ist weiterhin grober Unfug und mich nervt auch der starke CGI-Einsatz, der die Illusionen von vornherein unglaubwürdig macht. Die Figuren sind zu flach, doch das Tempo ist hoch, der Score mitreißend und die Geschichte so absurd, dass sie schon wieder Spaß macht. Die Kinder saßen ziemlich gebannt vor dem Fernseher und waren ziemlich begeistert. Schon unfassbar, dass selbst dieser Film inzwischen schon wieder 13 Jahre auf dem Buckel hat. An die Auflösung am Ende konnte ich mich nicht mehr erinnern und vielleicht war das auch ganz gut so. Ist schon ziemlich an den Haaren herbeigezogen all das. Dem Unterhaltungswert schadet das glücklicherweise kaum. Alle 12 Jahre kann man sich „Die Unfassbaren: Now You See Me“ also durchaus einmal anschauen.

Fazit

„Die Unfassbaren: Now You See Me“ ist mit Woody Harrelson, Jesse Eisenberg, Isla Fisher, Dave Franco, Mark Ruffalo, Mélanie Laurent, Michael Caine und Morgan Freeman überragend gut besetzt. Leider jedoch gehen die Schauspielgrößen in dem abstrusen Drehbuch ziemlich unter. Hat mir dennoch Spaß gemacht und die Kinder waren wirklich angetan. Was will man mehr? 7/10 Punkte. (Zappelinchen: 9/10 Punkte; Zwergofant: 8/10 Punkte.)

Maze Runner: Die Auserwählten in der Brandwüste – OT: Maze Runner: The Scorch Trials (2015) (WS2)

Nachdem das Zappelinchen am Freitagabend unterwegs war und der Zwergofant lange Karate-Training hatte, war der Filmabend ausgefallen. Umso mehr haben wir uns heute auf „Maze Runner: Die Auserwählten in der Brandwüste“ gefreut. Ich hatte den Film als gelungen, aber schwächer als den ersten Teil abgespeichert. Ob sich dieser Eindruck heute bestätigt hat? 🌩️

Maze Runner: Die Auserwählten in der Brandwüste (2015) | © 20th Century Fox

Maze Runner: Die Auserwählten in der Brandwüste (2015) | © 20th Century Fox

Ein erstaunlich harter Young-Adult-Zombie-Film

Es ist unfassbar, was für ein Tempo Wes Ball mit „Maze Runner: Die Auserwählten in der Brandwüste“ an den Tag legt. Über weite Strecken des Films gibt es weder für die Figuren noch uns Zuschauer:innen eine Verschnaufpause. Wie bereits „Maze Runner: Die Auserwählten im Labyrinth“ sieht auch die Fortsetzung dreimal so teuer aus, wie das eigentliche Budget war. Wes Ball hat wahrlich ein Händchen dafür, imposante Welten zu schaffen. Wenn man auf diesen Endzeit-Look steht, dann ist der Film eine Augenweide. Erneut ohne die stark eingesetzte visuellen Effekte offensichtlich werden zu lassen oder Greenscreen-Aufnahmen zu enttarnen. Stark!

Auch inhaltlich hatte ich heute viel Freude an dem Film. Deutlich mehr als bei meiner letzten Sichtung. Erstaunt war ich, wie hart Richtung Zombie-Reißer sich diese Young-Adult-Geschichte doch entwickelt. Gerade die Szene unten in den Gewölben ist für eine FSK-12-Freigabe doch überraschend hart. Selbst der Look der Infizierten hat mich häufig an „The Last of Us“ denken lassen. Der Zwergofant konnte oft nicht hinschauen, wollte aber unbedingt dranbleiben und wissen, wie es weitergeht. Das Zappelinchen hat bei einem Schockeffekt so laut geschrien, dass wir fast vom Sofa gesprungen sind. Bisher sicher der härteste Film bei unseren Filmabenden. Eine FSK-16-Freigabe hätte mich auch nicht verwundert. Die weitere Geschichte rund um WCKD ist zudem spannend und baut genügend Rätsel und Dynamik zwischen den Figuren auf, dass wir uns sehr auf den dritten Teil freuen.

Fazit

Inzwischen kann ich mich so gut wie gar nicht mehr an die Romanvorlage erinnern. Vielleicht hat mir der Film heute deshalb so viel Spaß gemacht? „Maze Runner: Die Auserwählten in der Brandwüste“ ist zwar anders als der erste Teil, doch besitzt er weiterhin dessen Essenz. Für die Kinder war er teils etwas anstrengend, doch hat der Spaßfaktor trotz der Cranks definitiv überwogen: 8/10 Punkte. (Zappelinchen: 7/10 Punkte;  Zwergofant: 7/10 Punkte.)

Maze Runner: Die Auserwählten im Labyrinth – OT: The Maze Runner (2014) (WS2)

Wir nähern uns mit viel zu großen Schritten dem Ende der Ferien und damit auch meines Urlaubs. Der Rest der Familie war den ganzen Tag fürs Sternsingen unterwegs und Frau bullion wird so langsam richtig krank. Wie passend. Ich hatte bis auf meinen Schneelauf und ein wenig Hausarbeit einen recht ruhigen Tag. Abends haben sich alle auf „Maze Runner: Die Auserwählten im Labyrinth“ gefreut, den ich ich Vorfeld bereits angepriesen hatte. Wie der Film bei den Kindern angekommen ist?

Maze Runner: Die Auserwählten im Labyrinth (2014) | © 20th Century Fox

Maze Runner: Die Auserwählten im Labyrinth (2014) | © 20th Century Fox

Ein sehr spannendes Young-Adult-Abenteuer

Schon verrückt, dass ich „Maze Runner: Die Auserwählten im Labyrinth“ inzwischen schon zum dritten Mal gesehen habe. Meine letzte Sichtung liegt gut vier Jahre zurück und ich konnte mich noch an den Großteil des Inhalts erinnern. Somit gab es für mich dieses Mal keine Überraschungen und ich konnte eher den Look und die Dramaturgie des Films genießen. Schon ziemlich unfassbar, was Regisseur Wes Ball hier mit einem überschaubaren Budget von gerade einmal 34 Millionen US-Dollar gezaubert hat. So gut sehen selbst 10 Jahre später nur wenige CGI-lastige Filme mit teils fünfmal so hohem Budget aus. Auch inhaltlich weiß der Film die wichtigsten Stationen der Vorlage abzuhaken und dabei die Atmosphäre des Buches einzufangen.

„Maze Runner: Die Auserwählten im Labyrinth“ ist exzellent besetzt und einige seiner Jungstars, allen voran Will Poulter, konnten danach noch eine große Karriere hinlegen. Wer zudem wissen will, was aus Thomas Brodie-Sangster, der den kleinen Jungen in „Tatsächlich… Liebe“ gespielt hat, geworden ist, sollte sich die Filmreihe auch einmal anschauen. Durch den Mystery-Aufbau der Geschichte saßen sowohl der Zwergofant als auch das Zappelinchen voller Spannung vor dem Fernseher. Der Film hat bei ihnen ziemlich ins Schwarze getroffen und ich bin schon gespannt, wie ihnen die Trilogie im weiteren Verlauf gefallen wird. Ob sie, wie nach der „The Hunger Games“-Reihe, auch die Bücher lesen werden?

Fazit

Auch beim dritten Mal hatte ich wieder viel Spaß mit „Maze Runner: Die Auserwählten im Labyrinth“. Gerade das Finale, wenn es aus dem Labyrinth rausgeht, hat mir dieses Mal besonders gut gefallen, was Hoffnung für die beiden folgenden Filme macht. Diese werden wir jedoch vermutlich erst nach den Ferien sehen. So einig sind wir uns wertungstechnisch schon lange nicht mehr gewesen: 8/10 Punkte. (Zappelinchen: 8/10 Punkte; Zwergofant: 8/10 Punkte.)

Der Gesang der Flusskrebse – OT: Where the Crawdads Sing (2022)

Ein spannender Tag geht zu Ende: Die Operation von Frau bullion wurde nun tatsächlich recht spontan auf morgen vorverlegt, sprich es bleibt aufregend. Der Zwergofant hat bei seiner Patin übernachtet, weshalb wir einen erwachseneren Film schauen wollten. „Der Gesang der Flusskrebse“ war eines der letzten Lieblingsbücher von Frau bullion und ist brandneu auf Netflix verfügbar. Somit war die Wahl schnell klar und ich hoffte auf Ablenkung für die ganze Familie. 🦢

Der Gesang der Flusskrebse (2022) | © Sony Pictures Entertainment (PLAION PICTURES)

Der Gesang der Flusskrebse (2022) | © Sony Pictures Entertainment (PLAION PICTURES)

Ein ganzes Leben in einem Film

Ich wusste zuvor nur wenig über die Geschichte des Films. Eben das, was mir Frau bullion erzählt hatte, und quasi den Klappentext des Buches bzw. der Adaption. Ich hatte vermutet, dass der Mordfall viel stärker im Fokus steht, doch letztendlich wohnen wir der Lebensgeschichte des Marschmädchens bei. Von der frühen Kindheit bis zum letzten Atemzug. Im Zentrum der Geschichte steht eine Liebesgeschichte, die über lange Jahre unerfüllt bleibt. Zusammen mit dem Setting in den Südstaaten, hat mich „Der Gesang der Flusskrebse“ doch stark an „Wie ein einziger Tag“ erinnert. Zugegebenermaßen liegt die Sichtung der Nicholas-Sparks-Adaption schon sehr lange zurück, doch in meinem Kopf gleichen sich beide Filme doch sehr. Dabei wird „Der Gesang der Flusskrebse“ doch eher gelobt und „The Notebook“ (so der Originaltitel des anderen Films) als Kitsch abgetan. Wäre spannend, beide Filme noch einmal miteinander zu vergleichen.

Ich mag solche Geschichten und bin empfänglich für diesen ein Leben umspannenden Kitsch. Dabei wirkt „Der Gesang der Flusskrebse“ in seinen Themen sehr modern, gerade auch was unterschiedliche Männerbilder angeht. Diese sind fast schon stereotyp gezeichnet: Tate als moderner Mann, der lieber dreimal nach Einverständnis fragt und Kya in jeder Hinsicht respektiert. Auf der anderen Seite steht Chase, der jede(!) Grenze überschreitet und Kya nur als Besitz ansieht. Eigentlich sollte das alles nicht so recht funktionieren, denn die Intentionen sind zu offensichtlich. Jedoch spielt Daisy Edgar-Jones das Marschmädchen Kya mit einer erfrischenden Mischung aus Naivität und Stärke, dass man ihr ihre Entscheidungen einfach abnimmt. Auch die Inszenierung Olivia Newmans beweist viel Fingerspitzengefühl. Sie erweckt die Marschlandschaft zum Leben und macht aus ihr einen weiteren Charakter. Die Auflösung des Kriminalfalls ist am Ende nur noch eine Pflichtübung und unterstreicht den vorab etablierten Emanzipationsaspekt mehr oder weniger gekonnt.

Fazit

Mir hat „Der Gesang der Flusskrebse“ wirklich gut gefallen. Vielleicht auch weil es so eine ganz andere Art von Film ist, wie ich ihn momentan schaue. Das Zappelinchen war ebenfalls sehr angetan und Frau bullion findet zwar das Buch stärker, bestätigt der Adaption aber, dass sie alle wichtigen Stationen abhakt und sehr gelungen ist. Somit war es ein erfolgreich ablenkender Filmabend: 8/10 Punkte. (Zappelinchen: 8/10 Punkte; Zwergofant: hat bei seiner Patin übernachtet)

Nope (2022)

Nachdem ich heute den letzten Jahresrückblick fertig gestellt habe, wollte ich abends unbedingt noch einen Film schauen. Tatsächlich hat es dann die neueste Blu-ray aus meiner Sammlung in den Player geschafft. Jordan Peeles „Nope“ lag bei mir unter dem Weihnachtsbaum und ich war schon sehr gespannt darauf. Was also hat Peeles Ausflug in das Sci-Fi-Genre zu bieten? 🛸

Nope (2022) | © Universal Pictures Germany GmbH

Nope (2022) | © Universal Pictures Germany GmbH

Ein fantastisch gefilmtes Sci-Fi-Rätsel

Zunächst einmal muss ich festhalten, wie unglaublich gut „Nope“ aussieht. Vor der Sichtung war mir nicht klar, dass der Film in Teilen im IMAX-Format gefilmt wurde. Das Format wechselt somit häufiger von Cinemascope auf 16:9-Vollbild, was den ohnehin schon bombastischen Look noch imposanter werden lässt. Ein wahrer Augenschmaus. Interessanterweise spiegelt sich die hochwertige Inszenierung auch im Inhalt, denn wir blicken zurück auf die ersten bewegten Bilder, wohnen einem Filmdreh bei und am Ende packt sogar einer der Protagonisten eine IMAX-Kamera aus, um die unbekannten, fliegenden Objekte festzuhalten. Wie jedoch sieht es um den Inhalt aus?

Ich mochte die bisherigen Filme Jordan Peeles sehr. „Get Out“ war noch recht einfach zu lesen, „Wir“ dagegen schon allegorischer, was ihn für mich zu einem der faszinierendsten Filme der letzten Jahre macht. Zudem war er unheimlich. Aber so richtig. „Nope“ dagegen konnte mich, was den Grusel angeht, nicht so richtig packen. Seine erzählerischen Ebenen finde ich dagegen sehr spannend. Was will uns Peele mit dem Film sagen? Ich habe ihn noch nicht wirklich entschlüsselt: Es scheint um das Verhältnis zwischen Mensch und Tier zu gehen. Um Ausbeutung und Urinstinkte. Die Kamera als erweitertes Auge des Menschen. Um Aufmerksamkeit und Bekanntheit. Es steckt einiges in „Nope“, das unter der Oberfläche aufblitzt. Ich freue mich jetzt schon darauf, den Film immer weiter zu entschlüsseln.

Fazit

„Nope“ hat mich über zwei Stunden blendend unterhalten. Er konnte mich allerdings nicht so komplett packen, wie Peeles letztes Werk. Was bleibt ist ein spannender Genrefilm, der extrem gut aussieht und der zum Nachdenken anregt. Was will man mehr? Nicht nur für Freunde von Jordan Peeles bisherigen Oeuvre definitive eine Empfehlung: 8/10 Punkte.

The Empty Man (2020)

Wie es die Tradition verlangt, stand an Halloween natürlich ein Horrorfilm auf dem Programm. Tatsächlich bin ich aber erst sehr spät vor den Fernseher gekommen, da alle Kinder der Nachbarschaft auf den Beinen waren und von Haus zu Haus gezogen sind. Auch ich habe mich ins Getümmel gestürzt und eifrig Süßigkeiten verteilt. Gegen 20 Uhr war der Spuk dann vorbei und die Wahl für den Film des Halloween-Abends ist auf „The Empty Man“ gefallen, der als Geheimtipp unter Genrefreunden kursiert. 🎃

The Empty Man (2020) | © 20th Century Studios

The Empty Man (2020) | © 20th Century Studios

Ein ungewöhnlich intensiver Genre-Mix

Wenn ihr das illustrierende Szenenbild oben anschaut, könnte man meinen, es bei „The Empty Man“ mit einem Monsterfilm zu tun zu haben. Der gut 20-minütige, sehr atmosphärische Prolog führt uns Zuschauer*innen in eine noch ungewisse Richtung. Danach biegt der Film Richtung Teenie-Schocker ab, der an den Genre-Klassiker „Candyman“ erinnert. Ihr wisst schon: Vor einem Spiegel fünfmal Candyman sprechen und Tony Todds gnadenloser Killer macht Jagd auf euch. Oder das Videoband aus „The Ring“ anschauen und warten bis das Telefon klingelt. Hier ist es nach der Dämmerung auf einer Brücke in eine leere Flasche pusten. Funktioniert genauso. Gepaart wird all das mit einer Detektivgeschichte und kosmischem Horror, der durch einen undurchsichtigen Kult heraufbeschworen wird. Alles klar soweit?

Sehr stringent mag „The Empty Man“ wirklich nicht wirken, doch all die Versatzstücke passen wunderbar zusammen. Regisseur David Prior inszeniert seinen Horror-Thriller so dicht, dass die Atmosphäre teils zum Schneiden ist. Er setzt wenig auf Jump-Scares und doch war ich in den meisten Szenen extrem angespannt. Dies liegt auch am Spiel von James Badge Dale, der die Hauptfigur großartig lakonisch verkörpert. Mit der Auflösung am Ende hätte ich nicht gerechnet und sie wirkt wie ein, zugegebenermaßen ein wenig kalkulierter, Schlag in die Magengrube. Die Reise dorthin ist allerdings so atmosphärisch, unterhaltsam und stimmig, dass ich über ein paar Ungereimtheiten in Inszenierung und Storytelling gerne hinwegsehe.

Fazit

„The Empty Man“ beschreitet ungewöhnliche Pfade und ich kann den Film allen, zumindest ein wenig am Horrorkino interessierten Zuschauer*innen, nur ans Herz legen. Definitiv kein Film, der sich leicht in eine Schublade stecken lässt. Der Horror ist zudem nicht sonderlich plakativ, sondern schleichend. Sprich, ich als alter Angsthase habe mich auch wirklich gefürchtet. Sehr sehenswert: 8/10 Punkte.