The Goldbergs – Season 4

Mit diesem Artikel verlasse ich vorerst einmal wieder die bunten 1980er Jahre. Nachdem ich die sympathische Fernsehfamilie ein halbes Jahr begleitet habe, fällt mir der vorläufige Abschied von „The Goldbergs – Season 4“ schwer. Ein Ende der Serie ist glücklicherweise noch nicht in Sicht, doch die Veröffentlichungen auf DVD werde rar. Ich hoffe, dass dies nur eine Frage der Zeit ist…

The Goldbergs – Season 4 | © Sony Pictures Home Entertainment

The Goldbergs – Season 4 | © Sony Pictures Home Entertainment

Ein Kondensat der Popkultur der 80er Jahre

Was hat sich im Vergleich zur dritten Staffel geändert? Nicht viel und das ist gut so. Adam F. Goldberg ist noch weiter zum Teenager herangewachsen, ohne dabei jedoch seine Nerdigkeit zu verlieren. Dies sorgt immer wieder für herrliche Momente und als Kind der 80er Jahre, das auch heute noch einen starken Bezug zur Popkultur hat, muss man sich in der Welt der Serie einfach wohlfühlen: Ob „The Breakfast Club“, „Knight Rider“, „Howard the Duck“ oder „Karate Kid“ – die popkulturellen Referenzen sind wieder einmal großartig. Neben diesen großen Themen gibt es unzählige kleine Anspielungen, die oft auch nur im Hintergrund erkennbar sind oder in Dialogen in Erscheinung treten. Das macht die Serie unglaublich sympathisch und greifbar.

Auch wenn die humorvollen und mit popkulturellen Zitaten gespickten Anekdoten weiterhin im Zentrum stehen, so wäre „The Goldbergs“ nicht „The Goldbergs“, wenn es nicht auch herzergreifende Momente gäbe. Die Kinder werden alle älter und verlassen so langsam das Nest. Gerade das Staffelfinale, in dem Erica ihren Auszug vorbereitet, ist sehr emotional. Diese Mischung macht die Serie auch so besonders: Eine echte Familienserie mit starkem Comedy-Fokus, die auch inhaltlich und formal ein wenig an die Serien der 80er erinnert. In bestem Sinne altmodisch und doch modern inszeniert. Gerade Patton Oswalt als Erzähler fängt die richtige Stimmung perfekt ein.

Fazit

Es schmerzt mich sehr, die Goldbergs zu verlassen. Das Stück Feel-Good-TV, das am Ende eines harten Tages wartet. Wo die Welt noch in Ordnung ist. Dabei gibt es schon zwei weitere Staffeln. Eine DVD-Veröffentlichung ist jedoch noch nicht in Sicht. Das macht mich traurig. Jedoch hatte ich bereits viel Spaß mit dieser famosen Serie und möchte sie euch trotz Trennungsschmerz unbedingt ans Herz legen: 9/10 (9.3) Punkte.

Vaiana: Das Paradies hat einen Haken – OT: Moana (2016) (WS1)

Ein seltsamer Tag mit ein wenig Sport und ein wenig unmotiviertem Nichtstun liegt hinter mir. Nachdem das Zappelinchen die letzte Woche im Schullandheim verbracht hat, wollten wir mit den Kindern heute einen Filmabend veranstalten. Nach vielen Diskussionen ist die Wahl letztendlich auf „Vaiana: Das Paradies hat einen Haken“ gefallen, den ich mit dem Zappelinchen vor gut zwei Jahren bereits im Kino gesehen habe. Der Zwergofant war zu Beginn nicht so begeistert. Ob wir dennoch einen gelungenen Filmabend hatten, lest ihr in der folgenden Besprechung…

Vaiana: Das Paradies hat einen Haken (2016) | © Walt Disney

Vaiana: Das Paradies hat einen Haken (2016) | © Walt Disney

Der gelungenste Disney-Film der letzten Jahre

Auch ich hätte mich heute nicht unbedingt für „Vaiana“ entschieden, stehen doch noch zu viele ungesehene Kinderfilme im Regal. Doch schon nach ein paar Minuten war ich erneut verzaubert von der herrlichen Inselwelt und dieser mutigen jungen Dame namens Vaiana. Schon alleine der erste Teil des Films, der noch auf Motunui spielt, ist wunderbar erzählt und bringt einem sowohl die Charaktere als auch ihre Motivation spielerisch nahe. Mit Vaianas Aufbruch und ihrem Zusammentreffen mit dem Halbgott Maui bekommt die Handlung plötzlich ein enormes Tempo, ohne dass der Film jedoch seine Figuren aus den Augen verliert. Da stört es auch nicht, dass die Struktur des Films mit ihren unterschiedlichen Aufgaben und den damit verbundenen Schauplätzen doch ein wenig episodisch wirkt.

Disney ist sich ganz offenbar bewusst, dass sie mit Vaiana ein neues Rollenbild etabliert haben und sprechen sowohl die Gemeinsamkeiten als auch Unterschiede zu den klassischen Prinzessinnen an. Das mag alles ein wenig kalkuliert wirken und auch nicht wirklich neu (siehe „Merida: Legende der Highlands“), doch so erfrischend und erfreulich wie in „Vaiana“ wurde mit dem Klischee selten gebrochen. Nach einer gewissen Eingewöhnungsphase war übrigens auch der Zwergofant sehr angetan von der idyllischen und geheimnisvollen Inselwelt samt ihrer Bewohner – und allen voran der Abenteurerin Vaiana.

Fazit

Das Zappelinchen hat „Vaiana“ heute bereits zum dritten Mal gesehen und hat in jeder Szene mitgefiebert, mitgelacht oder mitgesungen. Ein größeres Lob kann man dem Film wohl nicht aussprechen. Auch ich bin erneut wirklich begeistert und kann mir nur vorstellen, dass der Film in seiner Originalfassung noch eine Spur gelungener ist. Die 10 Punkte sind in greifbarer Nähe: 9/10 Punkte.

Shameless (US) – Season 8

Jedes Jahr steht ein neuer Besuch bei der Familie Gallagher an. Jedes Jahr erwarte ich, dass die Qualität einbricht. Jedes Jahr werde ich aufs Neue positiv überrascht, was sich die Autoren haben einfallen lassen. Auch „Shameless – Season 8“ bricht nicht aus dem gewohnten Muster aus, was schon jetzt die Vorfreude auf das nächste Jahr steigert…

Shameless – Season 8 | © Warner Home Video

Shameless – Season 8 | © Warner Home Video

Sex, Drugs & the Church of Gay Jesus

Schon nach ein paar Minuten war ich wieder voll drin in der absurd komischen und doch auch tragischen Welt der Gallaghers. Die in der siebten Staffel begonnenen Handlungsstränge werden konsequent weitergeführt und ich war wieder einmal erstaunt, wie viele unterschiedliche Geschichten die Autoren in den einzelnen Episoden unterbringen. Andere Serien würden damit ganze Staffeln füllen.

Der große Vorteil an dieser Vielfalt ist der enorme Unterhaltungswert. Auch wenn nicht jeder Handlungsstrang perfekt ausgearbeitet ist, und nicht jede Figur eine enorme Entwicklung durchmacht, so ist jeder doch zumindest maximal unterhaltsam:

  • Frank, der eine Turbo-Karriere in der Arbeitswelt durchläuft, dann den Job verliert und über einen Umweg als Schleuser bzw. Fluchthelfer wieder dort ankommt, wo man ihn kennt.
  • Fiona, die ihr neues Leben als Vermieterin genießt und dabei mit ganz speziellen Herausforderungen klarkommen muss.
  • Debbie, die ihre Ausbildung als Schweißerin abschließt und durch einen unglücklichen Job drei Zehen verliert (fachmännisch entfernt durch Frank).
  • Carl, der Junkies entführt, von ihren Familien Geld erpresst, dadurch seine zukünftige Frau kennenlernt, die sich als komplett verrück entpuppt.
  • Lip, der alle wichtigen Personen (außerhalb seiner Familie) verliert und sich dabei selbst findet.
  • Ian, der als YouTube-Star die Church of Gay Jesus ins Leben ruft und damit für enormes Aufsehen sorgt.
  • Kev, der gegen Brustkrebs kämpft und dadurch indirekt mit seiner Hillbilly-Familie wiedervereint wird.

…und das waren weit noch nicht alle Geschichten aus der inzwischen bereits achten Staffel von „Shameless“. Auch wenn es am Ende keinen großen Cliffhanger gibt, so verlasse ich die Gallaghers nur sehr wehmütig und freue mich jetzt bereits auf das neunte(!) Jahr mit dieser chaotischen und doch irgendwie liebenswerten Familie.

Fazit

So schnell ich wieder im Chaos der Gallaghers versunken bin, so schnell sind die 12 Episoden auch schon wieder vorbei. Das ist weiterhin ein extrem gutes Zeichen, haben sich selbst im achten Jahr immer noch keine Abnutzungserscheinungen gezeigt. Die jährliche Frequenz ist vermutlich auch genau die richtige Dosis. Also werte Serienfans, dann packt eure Koffer und quartiert euch bei den Gallaghers ein: 9/10 (9.4) Punkte.

This Is Us – Season 2

Obwohl ich mich immer wieder kritisch über die aktuelle Übermacht der Streaming-Dienste äußere, so muss ich an dieser Stelle doch auch kundtun, dass ich mich sehr über die Veröffentlichung von „This Is Us – Season 2“ bei Prime Video gefreut habe. Dieses wunderbar emotional erzählte Familien-Drama hat mir bereits in seinem ersten Jahr extrem gut gefallen und ich kann schon einmal verraten, dass auch die zweite Staffel bei mir voll ins Schwarze getroffen hat.

This Is Us – Season 2 | © NBC

This Is Us – Season 2 | © NBC

Abschied, Trauer, Familie und Leben

Der Geist, der das Leben der Familie Pearson bereits während der ersten Staffel heimgesucht hat, dominiert auch das zweite Jahr. Der Tod des Vaters (gespielt von Milo Ventimiglia) Ende der 90er Jahre strahlt mit voller Kraft in die Gegenwart der Familie. Anfangs dachte ich noch, dass mich dieser starke Fokus auf einen Todesfall nerven würde, doch haben die Autoren einen guten Weg gefunden, die restlichen Handlungsstränge mit diesem emotionalen Kern zu verknüpfen. Als Zuschauer kann man sich folglich darauf einstellen, dass in vielen Episoden kein Auge trocken bleibt. Wem dieser starke Fokus auf Gefühle abschreckt, der sollte wohl einen weiten Bogen um „This Is Us“ machen. Allerdings verpasst ihr dann eine wunderbar geschriebene und großartig gespielte Serie.

In den Handlungssträngen der Gegenwart, hadern die drei Geschwister nicht nur mit den Erinnerungen an den Tod ihres Vaters, sondern haben mit ganz eigenen Problemen zu kämpfen. Das ist teils sehr unterhaltsam (z.B. gibt es Gastauftritte von Silvester Stallone und Ron Howard), größtenteils überwiegt aber auch hier das Drama. Gerade Kevins Geschichte fand ich fast ein wenig zuviel des Guten, doch haben die Autoren auch hier den Bogen gut hinbekommen. Insgesamt würde ich mir ab und zu dennoch ein wenig mehr Leichtigkeit wünschen, aber vermutlich ist „This Is Us“ einfach nicht diese Art von Familienserie. Für mich gliedert sie sich irgendwo zwischen „Six Feet Under“ und „Parenthood“ ein – und das meine ich weniger auf qualitativer Ebene, sondern eher aufgrund der behandelten Themen und der inhaltlichen Schwerpunkte. Grandios sind alle drei Serien. Jede auf ihre Art und Weise.

Fazit

Auch die zweite Staffel von „This Is Us“ hat mich wirklich gepackt. Eine Familienserie, wie man sie sich nur wünschen kann. Große Emotionen, stark geschrieben und ebenso stark gespielt. Der Ausblick auf die dritte Staffel war mir beinahe schon ein wenig zu dramatisch, doch ich bin mir sicher, dass die Autoren auch hier das richtige Maß finden werden. Ich für meinen Teil freue mich schon sehr darauf: 9/10 (9.3) Punkte.

eXistenZ (1999)

Nach einem entspannten Vater-Sohn-Samstag, an dem wir viel gespielt und ein wenig Haushalt gemacht haben, waren am Abend alle (ja, auch Mutter und Tochter) platt, so dass für uns Eltern nur noch ein Film auf dem Programm stand. Aufgrund der fortgeschrittenen Zeit, habe ich mich mit „eXistenZ“ für einen Film entschieden, der im Gegensatz zu heutigen Werken mit einer Laufzeit von unter 100 Minuten auskommt und dennoch eine packende Geschichte zu erzählen weiß. Ihr kennt den Film nicht? Dann lest am besten weiter, denn ihr habt etwas verpasst!

eXistenZ (1999) | © Alive - Vertrieb und Marketing/DVD

eXistenZ (1999) | © Alive – Vertrieb und Marketing/DVD

Mindfuck und Body-Horror der Extraklasse

„eXistenZ“ ist zeitgleich mit „Matrix“ erschienen. Wenn ich euch nun fragen würde, welchen der beiden Filme ihr gesehen habt, dann dürfte die Antwort größtenteils wohl auf das Werk der Wachowski-Schwestern fallen. Die inhaltlichen Parallelen sind unübersehbar und doch handelt es sich bei David Cronenbergs Film keineswegs um ein Plagiat (er kam sogar knapp vorher ins Kino), sondern und einen extrem spannenden Vertreter dieses Genres, der eben nur nicht für den Massenmarkt ausgelegt war. Moment, David Cronenberg? Das ist doch der Regisseur von „Videodrome“ oder der Neuverfilmung von „Die Fliege“ mit Jeff Goldblum. Extremer Body-Horror, der so manchem Zuschauer unangenehm aufstoßen dürfte. Wie also geht das mit einer Geschichte über virtuelle Welten à la „Matrix“ zusammen?

David Cronenberg verbindet beide scheinbar konträre Ansätze gar wunderbar. Durch die lebenden VR-Systeme gewinnt die Reise in die virtuellen Spielwelten eine zusätzliche, sehr greifbare Dimension. Äußerst faszinierend und ja, oft auch ziemlich abstoßend und explizit. Wie auch die Charaktere, ist man sich als Zuschauer schon bald nicht mehr sicher, in der wievielten Staffelung aus fiktiven Welten man sich nun eigentlich befindet. Hier hat mich der Film sehr an „Inception“ erinnert, nur dass er viel weniger plakativ daherkommt und nicht alles bis ins Detail erklärt.

Ein A-Cast für einen nur scheinbaren B-Movie

Wie zu erwarten setzt David Cronenberg auf durchaus blutige und auch sehr ekelhafte Bildeffekte. Die dargestellte Welt wirkt dadurch extrem schmutzig und überhaupt nicht wie eine durchgestaltete virtuelle Umgebung, die uns andere Filme dieses Genres präsentieren. Vielleicht liegt es auch daran, dass „eXistenZ“ heute nur noch schwer zu greifen ist und vom Publikum vergessen wurde. Umso beeindruckender, dass die Besetzung so großartig ist: Jennifer Jason Leigh (zuletzt in „Annihilation“ gesehen) spielt an der Seite von Jude Law. Weiterhin geben Willem Dafoe, Ian Holm und Sarah Polley ihr Stelldichein. Der Score stammt von Howard Shore. Nur große Namen. Und doch wirkt „eXistenZ“ angenehm klein. Tatsächlich ein ganz anderer Film. Er bricht mit den Erwartungen und selbst das Ende besitzt mehrere Ebenen.

Fazit

Mir hat „eXistenZ“ bereits damals viel Freude bereitet. Ich kann heute nicht mehr sagen, ob ich ihn im Kino gesehen habe oder erst auf VHS. Die letzte Sichtung lag schon viel zu lange zurück, da es den Film lange nicht zu erwerben gab. Dank Turbine Media Group liegt inzwischen aber eine mehr als brauchbare Blu-ray-Fassung vor, die ich in diesem Zuge nur empfehlen kann. Wenn ihr den Film noch nicht kennt, ihr euch aber für Sci-Fi dieser Art interessiert, dann unbedingt nachholen: 9/10 Punkte.

The Goldbergs – Season 3

Oh nein, nun habe ich schon das dritte Jahr mit meiner neuen Lieblings-TV-Familie verbracht. Das heißt nach „The Goldbergs – Season 3“ bleibt vorerst nur eine Staffel übrig. Puh, das wird hart! Ganz anders als diese wunderbare Serie, die mich abermals bestens unterhalten hat. Wie eine Zeitmaschine in die durch Steven-Spielberg-Filme verklärten 80er Jahre…

The Goldbergs – Season 3 | © Sony Pictures Home Entertainment

The Goldbergs – Season 3 | © Sony Pictures Home Entertainment

Stimmbruch, Schnurrbärte und „Dirty Dancing“

Schon in der ersten Episode der Staffel merkt man, dass Hauptdarsteller Sean Giambrone im Vergleich zum Vorjahr einen deutlichen Sprung in Richtung Pubertät gemacht hat. Dies hat zur Folge, dass auch seine Serienfigur Adam Goldberg mitten im Stimmbruch steckt und immer mehr mit den Herausforderungen des Heranwachsens zu kämpfen hat. Dies sind manchmal recht plakative und offensichtliche Dinge, manchmal dagegen wunderbar emotionale Gegebenheiten, bei denen man als Zuschauer merkt, dass Adam das Kindsein noch nicht ganz hinter sich lassen will. In diesen Momenten hat mich die Serie immer wieder voll erwischt. Gerade weil ich solche Beobachtungen auch schon bei meinen eigenen Kindern gemacht habe.

Neben den ernsteren und emotionalen Themen, bietet auch das dritte Jahr von „The Goldbergs“ wieder etliche popkulturelle Anspielungen: Von „Risky Business“ über „Nummer 5 lebt!“ bis „Dirty Dancing“ ist alles dabei. Auch die inzwischen etablierten Insider-Gags leben weiter und es ist eine große Freude, Beverly und Murray Goldberg bei ihren verzweifelten und liebevollen Versuchen zu begleiten, ihre Kinder auf den richtigen Weg zu führen. Das alles ist zwar sehr typisch für Familien-Comedys, aber steckt hier deutlich mehr Herz dahinter, als bei 08/15-Sitcoms.

Fazit

Auch wenn es nur Nuancen sind, so hat mir das dritte Jahr mit „The Goldbergs“ noch einmal besser gefallen als die ersten beiden Staffeln. Ich liebe das Gefühl, das die Serie verströmt, den unschuldigen Humor und die emotionalen Elemente. Durch den Einsatz popkultureller Referenzen sowie den Bezug zur eigenen Kindheit des Autoren, weht ein frischer Wind durch diese wundervolle Retro-Serie: 9/10 (9.2) Punkte.

Westworld – Season 2

Nachdem ich mir mit der Sichtung der ersten Staffel viel Zeit gelassen hatte, habe ich „Westworld – Season 2“ doch verhältnismäßig schnell nachgeholt. Die Kritiken waren, im Vergleich zum ersten Jahr, eher verhalten, doch war ich sehr gespannt, wie die Autoren den komplexen Stoff weiterführen. Ob die Kritiken berechtigt waren, lest ihr in meiner Besprechung…

Westworld – Season 2 | © Warner Home Video

Westworld – Season 2 | © Warner Home Video

Eine konsequente Fortführung der Geschichte

Wenig überraschend setzt das zweite Jahr von „Westworld“ genau dort an, wo wir die Charaktere in der ersten Staffel verlassen haben: Im Park ist das Chaos ausgebrochen. Zusammen mit Bernard versuchen wir herauszufinden, was genau passiert ist. Wie man es als Zuschauer der Serie bereits gewohnt ist, geschieht das auf verschiedenen Zeitebenen. Dabei nehmen wir als Zuschauer stark Bernards Perspektive bzw. Wahrnehmung ein und entsprechend unzuverlässig ist die präsentierte Narrative. Ich fand diesen Aspekt sehr spannend, denn waren die unterschiedlichen Zeitebenen in der ersten Staffel noch sehr auf einen, für mich doch recht offensichtlichen, Twist hin ausgerichtet, dienen sie hier mehr der Gesamtgeschichte und ihren Charakteren.

Das große Geheimnis, was Delos mit dem Park eigentlich bezwecken will, wird immer weiter und immer konsequenter gelüftet. Das Highlight war für mich hier die Episode „The Riddle of the Sphinx“, welche auch wunderbar für sich alleine stehen kann. Wie die Handlung letztendlich mit der restlichen Staffel verknüpft wurde, hat mich an die Hochzeiten von „Lost“ erinnert. Ob man dies nun eher negativ oder positiv einschätzt, liegt wohl ganz im Auge des Betrachters. Die schwächste Episode war für mich „Kiksuya“, die ebenfalls gut für sich alleine betrachtet werden kann. Sie bietet eine wunderbar persönliche Geschichte und tolle Bilder, wirkt aber am Ende der Staffel jedoch wie eine Füllepisode. Zweifellos sehenswert, aber ich hätte zu diesem Zeitpunkt lieber erfahren, wie es mit den anderen Charakteren weitergeht.

Inhaltliche und formale Aspekte

Die zweite Staffel von „Westworld“ musste viel Kritik einstecken: Die Handlung sei zu unfokussiert, die Gewalt zu stark im Vordergrund und generell nehme die Action zu viel Platz ein. Ich kann das nachvollziehen. In ihrem zweiten Jahr fordert die Serie noch mehr Aufmerksamkeit vom Zuschauer. Es gibt unzählige neue Ebenen und manche Erzählstränge hätten genug Stoff für eine extra Staffel gehabt, während gewisse Nebenschauplätze auf komplette Episoden gestreckt werden. Es gibt Episoden, deren Dialoge nahezu komplett auf japanisch oder Lakota erzählt werden. Wir Zuschauer müssen somit Untertitel lesen. Für viele anscheinend immer noch schwierig. In Teilen der Handlung springt das Bildformat zudem auf Cinemascope, was ich wunderbar fand, kommt der Western-Look dadurch doch noch besser zur Geltung. Erklärt wird dieses Stilmittel jedoch erst gegen Ende der Staffel. Der Eindruck einer gebrochenen Narrative wird dadurch noch weiter verstärkt. Ich mochte das sehr, verstehe aber auch, warum „Westworld“ inzwischen nicht mehr als das neue „Game of Thrones“ gehandelt wird. Dafür ist die Serie einfach zu Hardcore-Sci-Fi.

Fazit

Durch die noch fragmentarischere Erzählweise, ist die zweite Staffel von „Westworld“ keine einfache Seherfahrung. Dennoch ist sie keinesfalls schlechter, als der leichter zugängliche erste Besuch des Parks. Mir wird das Finale noch länger nachhängen und ich freue mich schon sehr auf das dritte Jahr, welches das Potenzial hat, die gesamte Geschichte einmal mehr auf den Kopf zu stellen: 9/10 (8.8) Punkte.

Chihiros Reise ins Zauberland – OT: Sen to Chihiro no Kamikakushi (2001)

Ach, du schöne Urlaubszeit! Beinahe eine Woche ist schon vorüber und gerade die Feiertage vergehen irrsinnig schnell. Immer gibt es etwas zu tun, selbst die Geschenke liegen noch unangetastet unter dem Baum. Dennoch habe ich mir heute die Zeit für einen Film genommen und „Chihiros Reise ins Zauberland“ in den Player geschoben. Ob der Anime-Klassiker die richtige Wahl für die Weihnachtstage war?

Chihiros Reise ins Zauberland (2001) | © Universum Film GmbH

Chihiros Reise ins Zauberland (2001) | © Universum Film GmbH

Schwestern im Geiste: Alice, Dorothy und Chihiro

Meine letzte Sichtung des Studio-Ghibli-Erfolgs liegt bestimmt schon 15 Jahre zurück. Beim Gedanken daran ist mir auch erst klar geworden, dass der Film selbst schon 17 Jahre auf dem Buckel hat. Man sieht ihm kein einziges davon an. Durch den wunderbar klassischen Animationsstil wirkt „Chihiros Reise ins Zauberland“ frisch wie am ersten Tag. Gerade auf Blu-ray kommt das farbenfrohe Bild wunderbar zur Geltung. Ein audiovisuelles Kunstwerk, das mich in jeder einzelnen Szene enorm beeindruckt hat. Selbst die sparsam eingesetzten 3D-Animationen fügen sich nahtlos ein und geben besonderen Momenten noch mehr Tiefe. Ganz viel Liebe dafür.

Auch inhaltlich weiß „Chihiros Reise ins Zauberland“ zu überzeugen: Im Grunde erleben wir eine phantastische Coming-of-Age-Geschichte, die an andere Klassiker, wie „Alice im Wunderland“ oder „Der Zauberer von Oz“, erinnert. Aufgrund des starken Bezugs auf die japanische Mythologie, war ich mir nie sicher, welche Elemente eine zweite Bedeutungsebene aufweisen und welche die Geschichte einfach nur um phantastische Figuren und Schauplätze erweitern. Das ist aber nicht weiter schlimm, denn der Film funktioniert auch wunderbar, wenn wir Zuschauer uns die Lücken in der Erzählung denken bzw. eigene Interpretationen finden. Vielleicht sogar noch besser.

Fazit

Auch wenn ich bis heute noch nicht sonderlich viele Filme von Hayao Miyazaki gesehen habe, so ist mir „Chihiros Reise ins Zauberland“ dennoch bereits sehr ans Herz gewachsen. Ein unfassbar fantasievoller, liebevoller und großartig gestalteter Film, der seinen Status als Ausnahmewerk zurecht trägt: 9/10 Punkte.

Planet der Affen: Survival – OT: War for the Planet of the Apes (2017)

Aktualisierung: Ich habe „Planet der Affen: Survival“ am 7. Juni 2025 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Ehe man es sich versieht, ist auch der zweite Urlaubstag vorbei – und mit ihm auch der letzte Schultag. Das bedeutet, es ging heute morgen für alle noch einmal früh raus (und der unvernünftig lang wach bleibende Papa hat wieder nur knapp fünf Stunden Schlaf abbekommen), doch das wird sich nun hoffentlich ändern. Abends waren wir noch zum großen Chorauftritt auf dem Nürnberger Christkindlesmarkt, doch danach stand erneut ein Besuch des „Planet der Affen: Survival“ auf dem Programm… 🐵

Planet der Affen: Survival (2017) | © 20th Century Fox

Planet der Affen: Survival (2017) | © 20th Century Fox

Das Finale einer großartigen Trilogie

Nachdem mich „Dawn of the Planet of the Apes“ gestern erst extrem begeistert hat, habe ich mir zu viel zu später Stunde noch das faszinierende Making-of-Material angeschaut. Das hat dazu geführt, dass ich noch mehr von dieser Welt aufgesogen wurde. Somit war ich voller Vorfreude auf „War for the Planet of the Apes“ – und diese sollte sich auch auszahlen. Erneut saß Matt Reeves auf dem Regiestuhl, was man dem Film auch anmerkt. Die Charaktere (allen voran Caesar) werden konsequent weiterentwickelt, die Geschichte steuert auf ein konsequentes Finale zu und die Inszenierung ist ebenso hochwertig und stilsicher, wie bereits beim Vorgänger.

Zwischen Western und Gefängnisthriller

In der ersten Hälfte fühlt sich „Planet der Affen: Survival“ beinahe wie ein Western an, nur um in der zweiten Filmhälfte zu einem knallharten Gefängnisthriller zu wechseln. Das erklärt vielleicht auch die Wahl des Bildformats (2,40:1 im Gegensatz zu 1,85:1 wie beim Vorgänger), welches die weiten Landschaften vermutlich besser zur Geltung bringt, als die noch eher vertikalen Hochhausschluchten des zweiten Teils.

Inhaltlich gibt es etliche Überraschungen, welche uns genauso hart treffen, wie die Charaktere. Wenn ein Kriegsgefangener, den Caesar zwei Stunden vorher verschont hat, der Soldat ist, der ihn letztendlich niederstreckt, dann ist das eine ziemlich bittere Pille. Überhaupt ist „War for the Planet of the Apes“ ein sehr düsterer Film, der kaum Erholung für seine Figuren bietet. Einzig der als Comic-Relief eingesetzte Bad Ape sticht hier heraus, was aber auch nur bedingt gut funktioniert. Trotz dieser kleineren Schwächen, überwiegen die emotionalen Tiefschläge. Umso erstaunlicher, dass es Matt Reeves gelingt, ein zugleich schönes und doch tieftrauriges Ende zu inszenieren. Ich hatte zumindest nicht damit gerechnet, dass ich am Schluss heulend auf dem Sofa sitze. Der Beweis, dass Caesars Handlungsbogen einfach großartig erzählt war. Vom Anfang bis zum Ende.

Fazit

Letztendlich bestätigt sich meine gestern getroffene Vermutung und die Reboot-Trilogie rund um den „Planet der Affen“ ist eine der stärksten Blockbuster-Filmreihen, die in den letzten Jahren entstanden sind. Packend erzählt, technisch absolut auf der Höhe und inhaltlich relevant. Da stimmt wirklich (fast) alles. Ich bin restlos begeistert und wische mir mit diesen Zeilen noch die letzten Tränen aus den Augen: 9/10 Punkte.

Planet der Affen: Revolution – OT: Dawn of the Planet of the Apes (2014)

Aktualisierung: Ich habe „Planet der Affen: Revolution“ am 17. Mai 2025 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Mein erster Urlaubstag ist schon wieder vorbei. Und wie produktiv er war: Morgens habe ich unseren Weihnachtsbaum aufgestellt und das Haus geputzt, nachmittags war ich zwei Stunden mit den Kindern beim Zahnarzt und in der Bücherei. Danach haben wir den Baum geschmückt und am Abend blieb sogar noch Zeit für einen Film. Natürlich ist „Planet der Affen: Revolution“ in den Blu-ray-Player gewandert, da ich nach der gestrigen Wiederholungssichtung des ersten Teils extrem heiß auf die Fortsetzung war…

Planet der Affen: Revolution (2014) | © 20th Century Fox

Planet der Affen: Revolution (2014) | © 20th Century Fox

So muss Blockbuster-Kino aussehen!

Ich bin sehr begeistert. So viel kann ich schon einmal verraten. „Dawn of the Planet of the Apes“ setzt dort an, wo man „Rise of the Planet of the Apes“ verlassen hat: Die Welt der Menschen ist dem Virus zum Opfer gefallen. Die Affen rund um Caesar haben sich im Wald vor San Francisco eine neue Heimat aufgebaut und leben harmonisch zusammen – bis eben die ersten Menschen auftauchen. Ab hier beginnen auch in der scheinbar friedfertigen Affenwelt Risse zu entstehen, die für innere Konflikte sorgen, welche sich durch den gesamten Film ziehen. Am Ende sind es nicht die Rassen, die für gut oder böse stehen, sondern die Charaktereigenschaften einzelner Individuen. Eine simple Botschaft, doch gerade heute vielleicht umso wichtiger.

War schon der erste Teil kein reiner Sci-Fi-Action-Film, sondern hat die Geschichte um eine überaus emotionale und dramatische Komponente ergänzt, geht der zweite Teil diesen Weg konsequent weiter. Gerade die Gespräche zwischen Caeser, seinem Konkurrenten Koba und seinem Sohn Blue Eyes sind großartig. Hier wird auch klar, wie weit die Technik in nur drei Jahren gekommen ist, denn der Sprung, was Motion-Capturing und die Qualität der CGIs angeht, ist enorm. Extrem beeindruckend und wunderbar anzuschauen. Auch das 3D empfand ich als Mehrwert, da es dem Bild, sowohl im Wald als auch im überwucherten San Francisco, deutlich mehr Tiefe gibt. Einfach ein audiovisueller Hochgenuss.

Fazit

Was für ein gelungener Film. Genau so stelle ich mir den perfekten Blockbuster vor: unzählige Schauwerte, eine packende Geschichte und relevante Themen. All das verpackt in Unterhaltung, die den Zuschauer nicht für dumm verkauft. Für mich hat Matt Reeves damit alles richtig gemacht und ich freue mich nun schon extrem auf den Abschluss der Trilogie: 9/10 Punkte.