Vaiana: Das Paradies hat einen Haken – OT: Moana (2016)

Wie bereits in der Besprechung des Vorfilms „Inner Workings“ geschrieben, hat es mich am vorletzten Urlaubstag doch noch einmal ins Kino verschlagen. Davor hat es aus verschiedenen Gründen nicht geklappt (selbst „Rogue One: A Star Wars Story“ ging an mir vorüber) und auch der heutige Besuch hing am seidenen Faden: Man sollte sein Auto nicht zwei Wochen unbewegt lassen, wenn es um die -20 °C hat. Lange Rede, kurzer Sinn: Dank Ladegerät für die Autobatterie und gnadenlosem Optimismus haben wir uns dann doch aufgemacht, um „Vaiana: Das Paradies hat einen Haken“ zu sehen…

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Von dem jüngsten Film der Walt Disney Animation Studios hatte ich im Vorfeld viel Gutes gehört, dabei war ich anfangs noch skeptisch, hat mir alles doch zu sehr nach „Die Eiskönigin“ im Inselreich Polynesiens ausgesehen. Eine Prinzessin, ein lustiger Sidekick, Tiere und Gesang. Ich mag diese klassische Disney-Formel ja, doch ob ich dafür einen der seltenen Kinobesuche opfern sollte? Es lief aber auch nichts anderes, was für das Zappelinchen passend gewesen wäre und nachdem wir beim letzten Kinobesuch mit „BFG: Big Friendly Giant“ einen Realfilm ausprobiert hatten, war es durchaus angebracht sie in die Welt des animierten Kinos zu entführen. Dazu kam erstmals das 3D-Erlebnis, was bei meiner Kleinen für so allerlei Verwirrung sorgte. Warum jetzt die Brillen? Gute Frage, geliebte Tochter!

Tatsächlich ist „Moana“ (der Titelwechsel im Deutschen ist wieder einmal sehr befremdlich) ein klassischer Disney-Märchenfilm. Die Struktur ist klassisch, die Geschichte auch und doch wusste mich das Südseeabenteuer zu überraschen. Wie Pixar mit „Merida“ bereits vorgemacht hat, ist auch Vaiana alles andere als die klassische Prinzessin. Nein, sie ist die Tochter des Stammeshäuptlings. Und ja, sie widersetzt sich natürlich den Wünschen ihres Vaters. Sie ist ein starker Charakter, der sich niemandem unterordnet und selbst den vor Selbstbewusstsein strotzenden Halbgott Maui in die Schranken weist. All das mag ein wenig, nun ja, gewollt wirkten, doch ist es kraftvoll und glaubwürdig inszeniert. Ja, Vaiana (oder Moana) ist eine tolle Figur und es macht Spaß, sie bei ihren Abenteuern zu begleiten.

Audiovisuell ist der Film eine Bombe. Gerade wenn man die zurzeit herrschenden Außentemperaturen im zweistelligen Minusbereich bedenkt, war es eine Freude die kunterbunte Inselwelt zu besuchen. Ich mochte auch die Songs, wenngleich der deutsche Text manchmal schon schmerzhaft mit der Brechstange ins Reimschema gepresst wirkte. Da erhoffe ich mir von der englischen Originalversion noch einmal deutlich mehr. Das Wichtigste jedoch: Mein Zappelinchen war begeistert, hat sich an den richtigen Stellen vor Lachen weggeschmissen und an anderen ehrfürchtig Fragen zur Handlung gestellt. So muss das sein.

Für mich war „Vaiana: Das Paradies hat einen Haken“ eines der kurzweiligsten Filmerlebnisse, an das ich mich erinnern kann. Die knapp zwei Stunden vergingen wie im Fluge und ich hätte mich gerne noch länger auf Motunui aufgehalten. Das Beste kam jedoch zum Schluss: Mein Auto ist danach ohne Probleme angesprungen. Somit wird mir der Kinobesuch als nahezu perfekter Abschluss des Weihnachtsurlaubs 2016/2017 in Erinnerung bleiben: 9/10 Punkte.

41 Gedanken zu “Vaiana: Das Paradies hat einen Haken – OT: Moana (2016)

  1. Pingback: Herz oder Kopf: Inner Workings – OT: Inner Workings (2016) | Tonight is gonna be a large one.

  2. der Titelwechsel im Deutschen ist wieder einmal sehr befremdlich

    Angeblich liegt das an einer gleichnamigen europäischen Pornodarstellerin – wobei ich nicht wirklich verstehe, wieso das für Kinder als Publikum oder ihre Eltern entscheidend sein soll (als ob Eltern denken würden, das wäre nun ein Animation-Biopic über eine Porno-Darstellerin…)

    Ich mochte den Film auch sehr und fand es schade, dass er allgemein nicht ganz den Erfolg bekam, den er verdient hätte, im Vergleich zu Filmen wie Zootopia/Zoomania und The Secret Life of Pets. Visuell ist das in der Tat grandios umgesetzt und die Songs sind auch gut, obschon nicht auf dem Niveau der Menken-Lieder aus den 90ern (oder Lion King). Im Gegensatz zu dir hatte ich so meine Probleme mit Maui, für mich nahm er zu viel Präsenz ein bzw. Aufmerksamkeit weg von Vaiana/Moana, die ja doch eine außerordentlich starke junge Frauenfigur ist. Nach dem Trailer war ich überrascht, dass das Schwein gar nicht beim Abenteuer dabei war, sondern nur der Hahn – wobei beide zusammen vermutlich zu viel des Guten gewesen wären.

    Was mir jetzt in deiner wie immer lesenswerten Besprechung mit ihren privaten Einblicken noch fehlt: Wie kam denn das 3D-Erlebnis beim Zappelinchen an? Hat sie das angestrengt, hat sie es für einen Mehrwert empfunden oder vielleicht gar nicht bewusst wahrgenommen, weil sie so in der Geschichte drin war? 🙂

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    • Wenn das wirklich der Grund für den Wechsel war, dann ist er wirklich dämlich. Als hätte es für die Zielgruppe irgendeine Auswirkung gehabt. Hatte eher mit einer Zielgruppenbefragung gerechnet, bei der rauskam, dass Moana phonetisch zu sehr an Maui dran ist oder eben ein anderer dämlicher Grund.

      „Vaiana“ war um Klassen besser als „Zootopia“, gar keine Frage. Dabei hat man von Letzterem viel mehr gelesen, was ich auch schade finde. Für mich war es eine nahezu perfekte Mischung aus Disney-Feeling der 90er und modernem Anstrich. Das hat sich auch am Fehlen einer Romanze gezeigt oder eben dass es nur einen sehr reduzierten tierischen Sidekick gab. Das Schwein wäre da vermutlich tatsächlich zu viel gewesen. Hey und ein Plüschtier kann Disney dennoch von ihm produzieren… 😉

      Was das 3D angeht, so fand sie die Brille sehr befremdlich und hat nicht verstanden was das nun soll. Als dann das 3D losgegangen ist fand sie den Effekt am Anfang bemerkenswert (das ist ja als könne man es anfassen!), doch das hatte sich nach ein paar Minuten gelegt und sie war komplett in der Geschichte drin. Ich würde sagen: Es macht für sie keinen Unterschied, ob wir einen Film in 2D oder 3D sehen.

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  3. Bei deinem Satz mit dem Auto musste ich schmunzeln 😀 Gut für dich! Aber ja, das mit deutschen Songs hatte ich bei meiner Rezension ja auch kurz angesprochen – teilweise echt grausam, wenn man sich dann mal die englischen Originale anhört…

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    • Ich fand die Melodien nett und die Zeitpunkte zu denen die Songs kamen. Das hat Potenzial. Die wahre Soundtrack-Wertung hebe ich mir dann für die O-Ton-Sichtung auf, wenngleich ich auch bezweifle, dass die so schnell kommen wird: Die Kids werden Mitschauen wollen… 🙂

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  4. Pingback: Media Monday #289 | Tonight is gonna be a large one.

  5. Ja, der kommt auf die Liste. Aber wahrscheinlich erst im Heimkino, damit ich ihn direkt in der Originalfassung sehen kann. Der Titelwechsel war, soweit ich weiß, nicht der Idee des Verleihers (der dämliche Untertitel „das Paradies hat einen Haken“ aber schon). Es gab wohl eine Dokumentation über eine Modeschöpferin mit exakt diesem Namen. Und das deutsche Urheberrecht erlaubt keine zwei Filme mit dem exakt gleichen Titel.

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    • Der deutsche Untertitel ist wirklich dämlich, macht aber inhaltlich tatsächlich auch Sinn. Das wird einem aber erst nach Sichtung des Films bewusst… 😉

      Danke für die Erklärung bzgl. des Titels. Habe nun schon verschiedene Versionen gehört. Ist natürlich irgendwie verständlich, aber man hätte ja auch einfach eine andere Schreibweise wählen können. Naja, das ist eh immer so etwas mit deutschen Titeln.

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  6. Ja, endlich würdigt auch mal jemand „Vaiana“. Ich fand den wirklich toll und es ist fast ein wenig schade, dass der scheinbar nicht so erfolgreich durchgestartet ist. Was mich tatsächlich sehr stört, ist die Wahl der deutschen Stimme für Vaiana. Ich habe den Film zum Glück im O-Ton gesehen und nur die Trailer auf Deutsch, aber schon da hat mich diese Bibi-Darstellerin mit ihrer Quäck-Stimme ziemlich genervt.

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    • Ja, die Stimme hat nicht so 100%ig gepasst, das stimmt. Dennoch hat es mich aber nicht wirklich gestört. Das ist wohl der Vorteil von Animationsfilmen. Dennoch freue ich mich auch schon sehr auf die Sichtung im O-Ton. Da gewinnt der Film bestimmt noch einmal. Hoffe er wird erfolgreicher im Heimkino! 🙂

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  7. Pingback: Die 5 BESTEN am DONNERSTAG #28 | Tonight is gonna be a large one.

  8. Der Film heißt aus urheverrechtlichen Gründen tatsächlich inzwischen in mehr Ländern Vaiana als Moana, es ist also kein rein deutsches Problem. Wer denn nun wirklich das Copyright auf Moana hat, konnte ich noch nicht herausfinden, in einem amerikanischen Podcast war von einem Kosmetikhersteller die Rede…

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  9. Pingback: Media Monday #290 | Tonight is gonna be a large one.

  10. Ein großrtiger Film! 🙂
    Und ja, er war ein wenig nach Schema, aber die Umsetzung hat das vergessen lassen. Wie du sagst, audio-visuell umwerfend, und der Soundtrack läuft seitdem bei mir mindestens einmal täglich. Auf Englisch wirken die Lieder noch ne Ecke stärker, und die erzwungenen Reime entfallen.
    Ich hätte ihn mir auch gern noch ein zweites oder drittes Mal im Kino angeschaut, aber das wird mit der DVD/Bluray nachgeholt. 😀

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