Merida: Legende der Highlands – OT: Brave (2012)

Früher, d.h. vor den Kindern, hätte ich mir noch jeden Pixar-Film im Kino angesehen. Heute bin ich schon froh, wenn ich ihn zeitnah auf DVD bzw. Blu-ray nachholen kann. So bin ich auch recht spät in den Genuss von „Merida: Legende der Highlands“ gekommen. Aber die Kinder werden älter und somit rückt auch der erste gemeinsame Kinobesuch in greifbare Nähe – und was wäre da passender als ein Pixar-Film?

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Vom Trailer zu „Brave“ war ich begeistert. Nach „Cars 2“ endlich wieder ein Film, der ganz anders aussieht, als alles was Pixar bisher gemacht hatte. Die Kritiken waren größtenteils jedoch sehr verhalten und es wurde geschimpft, dass Pixar eigentlich nur einen typischen Disney-Film abgeliefert hat. Nach Schema F. Inklusive Prinzessin. Ich konnte und wollte das nicht glauben – und vielleicht liegt es auch daran, dass ich dem Film sehr viele positive Aspekte abgewinnen konnte. Merida eine typische Disney-Prinzessin? No way!

Zunächst einmal muss ich sagen, wie fantastisch ich es finde, dass der Trailer nur auf die ersten 20 Minuten des Films eingeht und der Rest völlig neu für Zuschauer ist, die spoilerlastige Kritiken vermieden haben. Weiterhin ist es bemerkenswert, dass Pixar mit „Merida: Legende der Highlands“ eine völlig neue Zielgruppe anspricht, als in seinen bisherigen Filmen. Es war ja stets so, dass die ganz Kleinen etwas aus dem Film mitnehmen konnten und es eine zusätzliche Ebene gab, auf der sich die Erwachsenen amüsieren konnten. „Brave“ vernachlässigt die ganz jungen Zuschauer beinahe völlig und stürzt sich mit Elan auf die Altersgruppe Teenager. Das hatte ich so nicht erwartet.

Wer nun Merdia mit x-beliebigen Disney-Prinzessinen vergleicht (so gerne ich diese auch mag), hat wohl einen anderen Film gesehen als ich. Hier geht es nicht um die Suche nach der großen Liebe, sondern um Selbstbestimmung, Mut und Erwachsenwerden. Im Zentrum des Films steht die Eltern/Kind- bzw. Mutter/Tochter-Beziehung und alles was in der zweiten Filmhälfte geschieht, ist eine Metapher für die zwangsweise Entfremdung in einem gewissen Alter, der Auseinandersetzung mit Traditionen und dem Zusammenprall der Wünsche und Vorstellungen von Kindern und Eltern. Sicher funktioniert das alles auch wunderbar als fantastischer Abenteuerfilm, doch diese zusätzliche Ebene macht aus Merida eben so viel mehr, als nur eine weitere Disney-Prinzessin.

Auch wenn ich etwas anderes erwartet hatte und der Film sicherlich nicht zu den besten Pixar-Werken gehört, so bin ich doch sehr positiv überrascht. Wie den zugehörigen Kurzfilm „La Luna“ werde ich auch „Brave“ – wenn die Zeit gekommen ist – gemeinsam mit meiner Tochter anschauen. Wenn schon eine Disney-Prinzessin, dann gerne eine wie Merida: 9/10 Punkte.

20 Gedanken zu “Merida: Legende der Highlands – OT: Brave (2012)

    • Mag sein, dass der Film bei Jungs nicht ganz so gut ankommt, obwohl die zugrundeliegende Thematik eigentlich schon universell ist. Bin auf jeden Fall gespannt, wie er dir gefällt…

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      • Noch ist er in dem Alter, in dem jeder „Trickfilm“ eigentlich zieht (hey, er steht auf Tinkerbell 😀 ). Und um mal ganz offen zu sein, will ihn meine Frau auch unbedingt sehen 😉

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      • Wie alt ist er denn? Teils fand ich den Film ganz schön heftig und düster. Auf jeden Fall nicht so kindertauglich, wie die anderen Pixar-Filme. Aber im richtigen Alter bestimmt auch ein schönes Filmerlebnis!

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  1. Ach ich weiß nicht recht… Ich hatte mir von dem Film mehr erhofft. Mehr Schottland vor allem 😉
    Ich war von der Handlung etwas enttäuscht. Bzw. war sie doch sehr vorhersehbar (für mich zumindest, und imho mehr als bei manch anderem Pixar).
    Grafisch war der Film natürlich mal wieder wunderprächtig, konnte das ganze dann aber auch nicht völlig retten.
    Kein totaler Reinfall, aber eben auch nicht mehr als nett.
    Vielleicht lag’s auch an der auch von dir beschriebenen Mutter-Tochter-Beziehung. Vielleicht konnte ich ja damit nicht viel anfangen.
    Und wer weiß, wie ich den Film finde, wenn ich ihn das nächste Mal sehe.

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    • Na, von Schottland sieht man in dem Film doch einiges. Tolle Landschaften, stimmige Musik und schottische Urtypen. Hinzu kommt der Dialekt, den ich ja stets klasse finde!

      Die Handlung fand ich durchaus überraschend und ich habe bis zum Ende mitgefiebert, ob es denn ein Happy End gibt. Die Stimmung war da nämlich durchaus nicht eindeutig und ich hätte dem Film (beinahe) alles zugetraut – natürlich im Rahmen eines Jugendfilms.

      Mir ist durchaus bewusst, dass der Film größtenteils eher als schwaches Pixar-Werk angesehen wird, doch vermute ich, das er häufig zu oberflächlich betrachtet wird. Da steckt mehr in Merida, als man auf den ersten Blick vermutet…

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  2. Ganz so euphorisch konnte ich natürlich nicht urteilen 😉

    Aber auch für mich ein – gewohnt – guter Pixar-Film, dessen „Twist“ mir selbst ebenfalls nicht bekannt war. Sehr herzlich das Ganze und natürlich speziell im Original und dank der Trillinge ein Genuss.

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    • Dass ich in der Bewertung eines Pixar-Films, in dem es zudem um eine Eltern/Kind-Beziehung geht, euphorischer bin, war ja eh klar… 😉

      Freut mich aber auf jeden Fall, dass dir der Film auch gefallen hat. Originalton ist bei dem Film natürlich Pflicht, da der Dialekt viel ausmacht. Ich war übrigens auch sehr überrascht eine Hauptdarstellerin aus „Boardwalk Empire“ Merida sprechen zu hören. Hat aber sehr gut gepasst.

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  3. Ich mochte den auch, vor allem im Original… allerdings ist es wirklich nicht der beste Pixar-Disney-Film. Vor allem weil die Story wirklich keine großartigen Überraschungen birgt. Trotzdem echt toll… und ich sage das bei dem Film immer wieder gerne: Die Haare sind einfach grandios animiert.

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    • Ich fand die Geschichte nun auch nicht weniger wendungsreich als z.B. „Findet Nemo“ oder andere Pixar-Filme. An „Monster AG“, die „Toy Story“-Filme etc. kommt sie allerdings wirklich nicht heran. Dennoch hat mich der erwachsenere Ansatz begeistert und ich hoffe, dass Pixar auch in diese Richtung weiter experimentiert. Die Umsetzung, speziell die Haare, war natürlich wieder über jeden Zweifel erhaben, das stimmt…

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  4. Schöner Text, den ich so unterschreiben könnte.

    Und freu dich auf Kinobesuche mit Kind.
    Ich war mit meinem 9-Jährigen dabei, der ALLE Pixarfilme kennt und liebt (gottseidankhalleluja!).

    Kindgerecht? ‚Brave‘ steht bei ihm z.Zt. noch vor ‚Ratatouille‘ und ‚Monsters, Inc.‘

    Wir verabreden uns immer ganz schnell auf die Original-Titel, und ich denke, er hat ein ganz eigenes klares Verständnis dessen, was mit ‚brave‘ alles gemeint sein könnte.

    Toll, sowas zu beobachten und mit ihm diskutieren zu können (Vorsicht: So ab 6 oder 7 geht das los! 😉

    Das universelle Eltern-Kind-Setting ist aber auch grandios durchdekliniert. Hatte wahrnehmbar bei allen Kids im Kino gewirkt, soweit ich die Meute überblicken konnte.
    Pixar eben (schwärm).

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    • Ja, auf den ersten Kinobesuch mit Kind freue ich mich auch schon. Wird aber noch ein wenig dauern (die Große wird dieses Jahr erst drei) und im Moment reicht die Aufmerksamkeitsspanne für vielleicht 10 Minuten Clips… 😉

      Pixar macht wirklich klasse Filme, die auf allen Ebenen funktionieren. Tolle Technik bekommt heute ja fast jeder hin, doch bei Pixar merkt man, dass es großartige Geschichtenerzähler und Charakterautoren sind. Bin auch sehr großer Fan und liebe nahezu jeden ihrer Filme.

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