Westworld – Season 2

Nachdem ich mir mit der Sichtung der ersten Staffel viel Zeit gelassen hatte, habe ich „Westworld – Season 2“ doch verhältnismäßig schnell nachgeholt. Die Kritiken waren, im Vergleich zum ersten Jahr, eher verhalten, doch war ich sehr gespannt, wie die Autoren den komplexen Stoff weiterführen. Ob die Kritiken berechtigt waren, lest ihr in meiner Besprechung…

Westworld – Season 2 | © Warner Home Video

Westworld – Season 2 | © Warner Home Video

Eine konsequente Fortführung der Geschichte

Wenig überraschend setzt das zweite Jahr von „Westworld“ genau dort an, wo wir die Charaktere in der ersten Staffel verlassen haben: Im Park ist das Chaos ausgebrochen. Zusammen mit Bernard versuchen wir herauszufinden, was genau passiert ist. Wie man es als Zuschauer der Serie bereits gewohnt ist, geschieht das auf verschiedenen Zeitebenen. Dabei nehmen wir als Zuschauer stark Bernards Perspektive bzw. Wahrnehmung ein und entsprechend unzuverlässig ist die präsentierte Narrative. Ich fand diesen Aspekt sehr spannend, denn waren die unterschiedlichen Zeitebenen in der ersten Staffel noch sehr auf einen, für mich doch recht offensichtlichen, Twist hin ausgerichtet, dienen sie hier mehr der Gesamtgeschichte und ihren Charakteren.

Das große Geheimnis, was Delos mit dem Park eigentlich bezwecken will, wird immer weiter und immer konsequenter gelüftet. Das Highlight war für mich hier die Episode „The Riddle of the Sphinx“, welche auch wunderbar für sich alleine stehen kann. Wie die Handlung letztendlich mit der restlichen Staffel verknüpft wurde, hat mich an die Hochzeiten von „Lost“ erinnert. Ob man dies nun eher negativ oder positiv einschätzt, liegt wohl ganz im Auge des Betrachters. Die schwächste Episode war für mich „Kiksuya“, die ebenfalls gut für sich alleine betrachtet werden kann. Sie bietet eine wunderbar persönliche Geschichte und tolle Bilder, wirkt aber am Ende der Staffel jedoch wie eine Füllepisode. Zweifellos sehenswert, aber ich hätte zu diesem Zeitpunkt lieber erfahren, wie es mit den anderen Charakteren weitergeht.

Inhaltliche und formale Aspekte

Die zweite Staffel von „Westworld“ musste viel Kritik einstecken: Die Handlung sei zu unfokussiert, die Gewalt zu stark im Vordergrund und generell nehme die Action zu viel Platz ein. Ich kann das nachvollziehen. In ihrem zweiten Jahr fordert die Serie noch mehr Aufmerksamkeit vom Zuschauer. Es gibt unzählige neue Ebenen und manche Erzählstränge hätten genug Stoff für eine extra Staffel gehabt, während gewisse Nebenschauplätze auf komplette Episoden gestreckt werden. Es gibt Episoden, deren Dialoge nahezu komplett auf japanisch oder Lakota erzählt werden. Wir Zuschauer müssen somit Untertitel lesen. Für viele anscheinend immer noch schwierig. In Teilen der Handlung springt das Bildformat zudem auf Cinemascope, was ich wunderbar fand, kommt der Western-Look dadurch doch noch besser zur Geltung. Erklärt wird dieses Stilmittel jedoch erst gegen Ende der Staffel. Der Eindruck einer gebrochenen Narrative wird dadurch noch weiter verstärkt. Ich mochte das sehr, verstehe aber auch, warum „Westworld“ inzwischen nicht mehr als das neue „Game of Thrones“ gehandelt wird. Dafür ist die Serie einfach zu Hardcore-Sci-Fi.

Fazit

Durch die noch fragmentarischere Erzählweise, ist die zweite Staffel von „Westworld“ keine einfache Seherfahrung. Dennoch ist sie keinesfalls schlechter, als der leichter zugängliche erste Besuch des Parks. Mir wird das Finale noch länger nachhängen und ich freue mich schon sehr auf das dritte Jahr, welches das Potenzial hat, die gesamte Geschichte einmal mehr auf den Kopf zu stellen: 9/10 (8.8) Punkte.

18 Gedanken zu “Westworld – Season 2

  1. Hatte ja schon bei deiner Besprechung zu Season 1 erwähnt, dass ich persönlich Staffel 2 sogar besser fand. Ja, es ist sehr viel los und man muss sich wirklich konzentrieren, damit man auch versteht, was da bei den ganzen Charakteren abgeht, aber genau wie dich, hat mich das an LOST erinnert und das ist für mich absolut positiv, da ich die Serie nach wie vor großartig finde (trotz der letzten Staffel). Die einzige Befürchtung, die ich bei WW habe, ist tatsächlich, dass man es im Verlauf der Serie dann doch etwas zu sehr übertreiben könnte mit den ganzen Geschichten. Das wirkt halt schon sehr vollgepackt und es wird nicht leichter werden, alle Leute immer gleichwertig unterzubringen. Und ich hoffe, dass man nicht zu sehr in die „es gibt tausend Parks und alle rebellieren“-Richtung abdriftet, aber die Befürchtung hatte ich schon nach dem Ende von Staffel 1 und hat sich zum Glück nicht bestätigt.

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    • Ja, ich erinnere mich an deine Kommentare. Und es freut mich nun doppelt, dass mir die zweite Staffel auch sehr gut gefallen hat. Die Parallelen zu „Lost“ sind auf jeden Fall unübersehbar. Gerade die zwei von mir herausgehobenen Episoden haben mich daran erinnert. Was die Weiterführung der Geschichte angeht, so könnte ich mir auch vorstellen, dass die Serie nun wieder fokussierter wird, sind doch etliche Charaktere nicht mehr dabei. Ich hoffe man ist hier auch konsequent und lässt nicht jeden als Host wieder aufleben. Aber mal sehen. Das Real-World-Setting finde ich zumindest spannend.

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      • Ich dachte ja nach dem Ende von Staffel 1, dass man da jetzt einen Samuraipark einführt und dann immer noch mehr Kram wie Futureworld (war ja glaube ich die Fortsetzung des Films damals) und solche Sachen. Hat man zum Glück nicht und die Asiaten passen ja sogar ganz gut rein in die Nummer.
        Was den Cast angeht ist das ja gerade bei solchen Serien immer so eine Sache. Wo 5 sterben, kommen dann in der nächsten Staffel gleich 8 neue. Ich hoffe, das spart man sich hier größtenteils und konzentriert sich auf die, die schon da sind. Man hat da ja mehr als genug, womit man arbeiten kann.
        Bisher mag ich jedenfalls diesen LOST-Vibe sehr, bei dem man gar nicht so richtig weiß, was zum Geier da eigentlich abgeht und was die Charaktere eigentlich für ein Spiel treiben. Deshalb fand ich ja auch THE LEFTOVERS in den letzten Jahren so mit das Beste, was im TV zu finden war. Das war einfach der ultimative Mindfuck.

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      • Das klingt alles sehr gut und sehe ich tatsächlich ähnlich. Umso mehr freut mich nun noch der Bezug zu „The Leftovers“, da die komplette Serie auch seit kurzem bei mir im Regal steht. Werde ich dieses Jahr auch noch angehen. Bis zur dritten Staffel von „Westworld“ dauert es ja leider noch ein wenig…

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      • LEFTOVERS ist allerdings wirklich … nun ja, speziell. Da rafft man größtenteils gar nichts, aber genau das macht die Serie aus, denn die Charaktere kapieren auch einfach nicht, was eigentlich los ist. Aber ich mochte die Serie sehr. Vor allem die zweite Staffel.

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      • Ja, das habe ich auch schon gehört. Aber darauf bin ich vorbereitet und es mindert die Vorfreude nicht. Zudem schön, dass die Serie nach drei Staffeln abgeschlossen ist. Dann ist das kein ganz so großer Brocken… 🙂

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  2. Nachdem mich die erste Staffel echt umgehauen hat und ich diese allerorten über den grünen Klee hinaus gelobt habe (schön alte Metapher), bekam ich bei der Fortsetzung doch einen rechten Dämpfer. Viel Action, viel Tempo, viel Drama. Aber auch zu viel Subplots, zu viele lose Enden. Da hat man es m.e. in Sachen Kreativität doch etwa übertrieben und will zu viel auf einmal. Nach dem Motto: Wir hauen das erst einmal raus und schauen wohin es uns führt. Das ist gefährlich. Nicht das erste Mal verzetteln (siehe auch die vorherige Diskussion zu Lost hier) dass Fernsehmacher irgendwann die Luft ausgeht und man dann nicht mehr weiss, wie man das Ganze sinnig fortführt, voranbringt und letztlich irgendwann auch beendet. Das hat damals auch Lost sehr geschadet. Ich hoffe man lernt hier aus den Fehlern der Vergangenheit….
    PS: Entgegen deinen sonstigen Sehgewohnheiten bist dieses Mal aber wirklich super früh dran mit Staffel 2 👍

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    • Ja, ich weiß, was du bzgl. „Lost“ und dem Aufmachen zu vieler Mystery-Boxen meinst. Allerdings hatte ich dieses Gefühl bei der zweiten „Westworld“-Staffel überhaupt nicht. Das Staffelfinale hat sich für mich teils sogar wie ein Serienfinale angefühlt, weil eben die meisten offenen Fragen geklärt waren und die Handlungsstränge vieler Charaktere beendet wurden (nicht alle, ganz klar). Insofern hat mich die Serie sehr positiv überrascht und ich freue mich nun ungemein auf die dritte Staffel.

      PS: Wohl wahr! Endlich verstaubt die Blu-ray einmal nicht für Monate im Regal… 😉

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  3. Ich habe nichts gelesen, sondern nur auf die Wertung geschaut. Ich muss Staffel 2 immer noch gucken, will vorher aber nochmal Staffel 1 schauen. Ist einfach schon zu lange her. Aber es ist eine tolle Serie

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  4. Pingback: Media Monday #397 | moviescape.blog

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