The Box (2009)

Puh, das war wirklich knapp. Beinahe hätte ich einen gesamten Monat seit meinem letzten Film verstreichen lassen. Mit der Sichtung von „The Box“ habe ich dieses grausame Schicksal gerade noch einmal abgewendet. Nicht dass meine Leser am Ende noch auf die Idee kommen, das hier wäre überhaupt kein Filmblog mehr. Ob gerade Richard Kellys umstrittenes Werk geeignet war, um die filmische Dürreperiode zu durchbrechen, lest ihr in der folgenden Besprechung…

Der Film als gigantische Mystery Box

Während der Sichtung von „The Box“ habe ich mir öfter gewünscht, im Vorfeld noch nicht so viel darüber gelesen zu haben. Gar nicht einmal so sehr auf den Inhalt bezogen, denn von diesem wusste ich, bis auf die Grundprämisse der titelgebenden Box, nicht wirklich viel. Allerdings habe ich stets daran denken müssen, dass der Film so unglaublich schlechte Kritiken bekommen hat. Ich war also beständig auf der Hut und habe versucht Fehler zu finden. Keine gute Voraussetzung. Glücklicherweise war ich vom restlichen Tag ziemlich platt (wir haben unsere alte Wohnung renoviert), so dass ich mich nach einiger Zeit wunderbar von der Atmosphäre einlullen ließ.

J. J. Abrams hat den Begriff der Mystery Box geprägt. Seine gesamte TV-Serie „Lost“ besteht fast nur aus einer Aneinanderreihung von Mystery Boxen. Auch Richard Kelly bedient sich dieser Methode, die er bereits erfolgreich in „Donnie Darko“ anzuwenden wusste. Kelly buchstabiert seine Rätsel jedoch selten aus und überlässt viel der Atmosphäre und seiner Inszenierung. Auch „The Box“ besteht zu großen Teilen aus Mysterien, die teils offensichtlich, teils nebenläufig erzählt werden. Wie bereits in seinen vorherigen Filmen, siehe auch „Southland Tales“, gibt der Film nur sehr bedingt Antworten. Man kann sich als Zuschauer seinen Teil zusammenreimen, doch wirklich zufriedenstellend wird die Geschichte nicht aufgelöst. Am besten man lässt sich in die dichte Atmosphäre fallen, die durchaus funktioniert, wenngleich sie auch nie die traumhafte Wirkung eines „Donnie Darko“ entfaltet.

Fazit

Es mag an meiner langen Filmabstinenz liegen, doch fand ich „The Box“ wirklich ziemlich gelungen. Inhaltlich völlig überfrachtet (Richard Kelly hätte die autobiographisch geprägte Geschichte über seine Eltern lieber in einen gesonderten Film auslagern sollen), doch atmosphärisch packend. Selbst die angedeuteten Sci-Fi-Elemente fand ich gelungen, haben sie mich doch tatsächlich vage an „The Three-Body Problem“ erinnert. Wenn ihr offen für andersartige Filmerlebnisse seid, und nicht unbedingt eine stringente Narrative benötigt, dann kann „The Box“ durchaus ein interessantes Filmerlebnis sein: 7/10 Punkte.

Brooklyn: Eine Liebe zwischen zwei Welten (2015)

Eigentlich hätte ich schwören können, dass ich heute keinen kompletten Film mehr durchhalte: In der vorangegangenen Nacht hatte ich nur fünf Stunden geschlafen und ich war heute Nachmittag 15 km laufen. Doch eine Woche so ganz ohne Film geht ja auch nicht, also habe ich „Brooklyn: Eine Liebe zwischen zwei Welten“ eingelegt, den ich schon lange sehen wollte. Ob es das Drama geschafft hat, mich trotz der schlechten Voraussetzungen wachzuhalten?

Wunderbar altmodisches Kino

Schon während der ersten paar Einstellungen hatte mich der Film gepackt. Speziell Michael Brooks zeitlos schöner Score hatte es mir angetan. Hinzu kommt ein historisches Setting, das gar nicht einmal so weit entfernt scheint und dabei doch wie aus einem anderen Jahrhundert wirkt. Das natürlich zurückgenommene Spiel Saoirse Ronans („Wer ist Hanna?“) trägt zudem viel zur Glaubwürdigkeit der Geschichte bei. Man ist als Zuschauer bei ihr und begibt sich mit ihr auf die Reise in eine unsichere Zukunft. Ronans Eilis ist mutig und zerbrechlich zugleich. Das Wichtigste ist jedoch die Entwicklung, die ihr Charakter durchmacht: wunderbar zurückhaltend und doch kraftvoll gespielt. Es ist eine Freude ihr zuzusehen.

Die Geschichte ist dabei weder sonderlich innovativ, noch einzigartig. Es ist die zurückhaltende und nicht auf Effekte oder Drama setzende Art der Inszenierung, die „Brookly“ so besonders macht. Einzig der Auslöser für Eilis‘ Entscheidung, ihre weitere Zukunft betreffend, wirkt ein wenig forciert. Im Kontext der Geschichte ist das aber auch egal, denn es ist die einzig logische Konsequenz, dass sie ihren eigenen Weg geht und ihre eigene Geschichte schreibt. Dass dies nicht ohne schmerzhaftes Zurücklassen und Abschiede funktioniert, zeigt Regisseur John Crowley auf herzzerreißende Weise.

Fazit

„Brooklyn: Eine Liebe zwischen zwei Welten“ ist ein unsentimentales, romantisches Drama, das voller wundervoller, kleiner Momente steckt. Man spürt sowohl Eilis‘ Verzweiflung als auch ihre Stärke und ihren Mut. Tatsächlich hat es mir zu keiner Sekunde die Augen zugezogen, was nur für den Film spricht. Wenn euch also der Sinn nach dieser Art von altmodischem Kino steht, dann kann ich euch John Crowleys Drama nur ans Herz legen: 8/10 Punkte.

96 Hours: Taken 3 – OT: Taken 3 – Extended Cut (2014)

Nachdem ich heute im Training einen Halbmarathon gelaufen bin und mich danach nicht wirklich ausgeruht habe, stand zu befürchten, dass ich abends einmal mehr vor dem Fernseher einschlafe. Die Wahl ist mit „96 Hours: Taken 3“ folglich auf einen anspruchslosen Action-Film gefallen, von dem ich mir nicht sonderlich viel erwartet habe. Ich bin wach geblieben, doch ob das eher dem Film zuzuschreiben ist, oder meiner innerlichen Aufgekratztheit, lest ihr in der folgenden Besprechung…

Ein Remake von „Auf der Flucht“?

Den ersten „Taken“ fand ich ganz famos und auch „Taken 2“ hat mir deutlich besser gefallen, als den meisten Kritikern – nun also ein drittes Mal mit Bryan Mills auf Gangsterjagd gehen. Was ist außer der Hauptperson geblieben? Nicht wirklich viel: Der dritte Teil des Action-Franchises wirkt eher als hätten die Autoren an einem modernen Remake von „Auf der Flucht“ gearbeitet bzw. das Drehbuch eines solchen für den B-Movie-Markt gedachten Films auf die „Taken“-Reihe übertragen. Es gibt folglich keine Entführung und Bryan Mills muss sich dieses Mal als gesuchter Mörder seiner Frau vor der Polizei verstecken und gleichzeitig den echten Mörder finden. Na, das kommt und doch tatsächlich bekannt vor.

Schwache Regie, schwächeres Drehbuch

Wie bereits beim zweiten Teil führt erneut Olivier Megaton Regie, was bedeutet, dass auch die Action-Szenen in „Taken 3“ unter einem extremen Schnittgewitter und Wackelkamera leiden. Wirklich nicht schön anzuschauen und häufig handwerklich einfach schlecht gemacht. Kann sich der Herr nicht einmal John Frankenheimers „Ronin“ ansehen? Dann wüsste er, wie man Verfolgungsjagden per Auto inszeniert. Tatsächlich mochte ich die ruhigen Szenen am liebsten, gerade der Einstieg in die Geschichte mit Mills, seiner Frau und seiner Tochter. Ja, das hat für mich funktioniert, macht aber natürlich nur einen geringen Teil des Films aus, selbst wenn dieser dritte Teil die bisher wenigsten Action-Szenen der Reihe bietet.

Den verfolgenden Ermittler gibt Forest Whitaker, den ich ja immer ganz gerne sehe. Leider jedoch ist seine Rolle so unfassbar dämlich geschrieben, dass er nach kurzer Zeit nur noch nervt. Sein Charakter ist die Inkompetenz in Person, der uns am Ende offenbart, dass er ja schon von Anfang von Mills Unschuld wusste. Ja, genau. Seine Briefing-Szenen sind schon fast Comedy, was leider ein Zeichen dafür ist, dass bei „Taken 3“ so einiges nicht funktioniert.

Fazit

Auch wenn der Film viele Schwächen besitzt, so hatte ich doch Spaß mit ihm. Die Zeit ist schnell vergangen und selbst die hektischen Action-Szenen sind unterhaltsam anzusehen. Das Zusammenspiel zwischen Mills und seiner Tochter mochte ich zudem weiterhin sehr. Schade nur, dass man nicht mehr aus der Geschichte gemacht hat. Wie erwartet anspruchsloser Action-Reißer, den man sich durchaus anschauen kann, aber auf keinen Fall gesehen haben muss: 5/10 Punkte.

Wild: Der große Trip – OT: Wild (2014)

Der erste Monat des Jahres ist vorüber. Es war ein beruflich sehr anstrengender Monat. Auf privater Seite hätten es gerne weniger Krankheitsphasen sein können. Immerhin habe ich fünf Filme gesehen, was zumindest ein Anfang ist. Also gleich weitermachen: Heute Abend fiel die Wahl mit „Wild: Der große Trip“ auf einen weiteren Wanderfilm. Ist das überhaupt ein Genre? Dies ist wohl auch ein Ausdruck davon, dass ich manchmal selbst einfach gerne draufloslaufen würde…

wild-2014

Bei filmischen Selbstfindungstrips, die den Helden in die Wildnis führen, denke ich immer sofort an den großartigen „Into the Wild“ – und tatsächlich erinnert der namensverwandte „Wild“ in einigen Szenen durchaus an Sean Penns Meisterwerk. Auch hatte ich mich an „Dein Weg“ erinnert gefühlt, in dem auf dem Jakobsweg ebenfalls eine Eltern-Kind-Beziehung verarbeitet wird. Die Motive von „Der große Trip“ sind also nicht neu, doch wirklich eindringlich und sehr emotional erzählt, was wohl auch an der engen Beteiligung der echten Cheryl Strayed lag.

Nick Hornbys Drehbuch (genau, der Autor von „About a Boy“) bricht die Geschichte in unzählige kurze Rückblenden auf, die auch für uns Zuschauer wie spontane Erinnerungsschnipsel wirken. Ebenso werden Dialogzeilen, Zitate und Musikstücke eingebunden, die fragmentarisch entlang des Pacific Crest Trails verstreut wirken. Dadurch entfaltet der eigentlich sehr geradlinige Film (eben eine Reise von A nach B) eine ziemlich imposante Sogwirkung. Vergessen darf man auch nicht das famose Spiel Reese Witherspoons: Ihre gefallene Heldin ist völlig uneitel und doch wunderbar kraftvoll und bewahrt sich trotz ihrer Vergangenheit einen durchaus positiven Blick auf das Leben. Ich glaube ihr, dass diese Wanderung ihr Leben verändert.

Auch wenn „Wild“ nicht ganz an die vergleichbaren Filme heranreicht, so hat er mich doch tief bewegt und über zwei Stunden famos unterhalten. Auch mag ich die Idee sehr, dass man seine Vergangenheit durch solch eine Erfahrung verarbeiten kann und daran wächst. Letztendlich kann ich auf jeden Fall eine Empfehlung für all diejenigen aussprechen, die diesen Gedanken nachvollziehen können und selbst gerne in der Natur unterwegs sind: 8/10 Punkte.

Manche mögen’s heiß – OT: Some Like It Hot (1959)

Ich sollte häufiger ins Theater gehen. Dadurch komme ich auch immer wieder dazu so manchen Filmklassiker nachzuholen. Vor ein paar Jahren hatte ich dies schon mit „Arsen und Spitzenhäubchen“ erlebt und nachdem ich gestern die Musical-Version gesehen hatte, wollte ich unbedingt den Vergleich zu Billy Wilders Original „Manche mögen’s heiß“ ziehen. Nach der Sichtung kann ich nur wieder feststellen, dass ich mich viel häufiger den Klassikern zuwenden sollte…

some-like-it-hot-1959

Da die Musical-Fassung mit dem Titel „Sugar: Manche mögen’s heiß“ wohl nur den wenigsten bekannt sein dürfte, möchte ich gar nicht viele Worte dazu verlieren. Es sei nur soviel gesagt: Ich hatte meinen Spaß damit und sah Potenzial, dass eine filmische Inszenierung den Stoff noch einmal aufwerten könnte. Und so ist es tatsächlich. Es ist unglaublich, wie temporeich und gewitzt Billy Wilder diese Screwball-Komödie auf die Leinwand bringt. Die Actionszenen sind mitreißend und das Timing von Wortwitz und Slapstick absolut famos. Alles fügt sich zu einem runden Bild zusammen – und doch darf man nicht vergessen, dass der Film vor allem von seinen drei Hauptdarstellern getragen wird: Tony Curtis, Jack Lemmon und natürlich Marylin Monroe.

Tatsächlich musste ich während der Sichtung feststellen, dass dies wohl mein erster Film mit Marylin Monroe gewesen ist. Bisher kannte ich sie nur aus Dokumentationen und Geschichten, wie z.B. der Musical-Serie „Smash“, in denen sie als Ikone inszeniert wird. Sie passt perfekt in die Rolle der Sugar Kane ich kann gut verstehen, warum ihr Joe und Jerry (bzw. Josephine und Daphne) so schnell verfallen. Heutzutage wirken Travestie-Elemente in Komödien oft billig und sind ein Zeichen des flachsten Humors. In „Some Like It Hot“ dagegen macht dieser Themenschwerpunkt Sinn, sorgt für echte Lacher und ist wunderbar in die Geschichte eingewoben. Natürlich auch weil Tony Curtis und Jack Lemmon die beiden Damen einfach wunderbar mimen. Da kann sich so manche moderne Komödie die eine oder andere Scheibe abschneiden.

Ich bin wahrlich begeistert, wie frech und doch alles andere als platt Billy Wilder seine Geschichte erzählt. Ebenso davon wie ernst er seine Figuren trotz der irrwitzigen Ausgangssituation nimmt. Einfach famos. Auch habe ich mich gefreut, dass der Film bei Amazon Prime (im Gegensatz zu so manch anderen Filmen) tatsächlich im korrekten Bildformat (1,66:1) und im Orginalton läuft. Somit steht einer Sichtung, solltet ihr auch zu denjenigen gehören, die den Klassiker noch nicht kennen, nichts mehr im Wege. Also schleunigst anschauen, es lohnt sich: 9/10 Punkte.

Midnight Special (2016)

Nachdem ich letzte Woche Jeff Nichols „Take Shelter“ gesehen habe und davon begeistert war, stand heute mit „Midnight Special“ konsequenterweise der jüngste Film des Regisseurs  auf dem Programm. Wie in den Kommentaren zum Vorgänger bereits festgestellt wurde, gehen die Meinungen zu diesem Film deutlich weiter auseinander. Umso gespannter war ich also, wie er mir denn gefallen würde…

midnight-special

Wie mir bereits von Flo Lieb prophezeit wurde, erinnerte mich „Midnight Special“ tatsächlich an Filme wie „Unheimliche Begegnungen der dritten Art“ und „E.T. – Der Außerirdische“. Darüber hinaus musste ich noch an weitere Filme der 80er Jahre denken, in denen Kinder und Außerirdische im Mittelpunkt stehen. Prominente Vertreter sind zum Beispiel „Der Große mit seinem außerirdischen Kleinen“ (mit Bud Spencer) oder „Der Flug des Navigators“. All diese Filme setzen auch stark auf Verfolgungen durch das Militär oder die Polizei und spiegeln somit die Kernelemente von Nichols‘ Film wieder. Das Finale hat mich wiederum an James Camerons „The Abyss“ erinnert, was auch nicht die schlechteste Referenz ist.

Im Mittelpunkt von „Midnight Special“ steht jedoch eine Familiengeschichte. Man kann den gesamten Film auch als Allegorie auf das Elternsein lesen. Kinder verändern sich, lösen sich irgendwann von der Familie und man ist als Elternteil machtlos und versucht dennoch sie bei ihrem Weg zu begleiten:

Alton: „You don’t have to worry about me.“
Roy: „I like worrying about you.“
Alton: „You don’t have to anymore.“
Roy: „I’ll always worry about you Alton. That’s the deal.“

Das ist wohl der Kern der Geschichte. Sicher nicht sonderlich innovativ, doch gerade im Verbund mit den fantastischen Elementen und der packenden Verfolgungsjagd ein emotionaler Kern, der einfach funktioniert. Besonders wenn man selbst Kinder hat.

Trotz aller positiven Elemente wirkt „Midnight Special“ ein wenig beliebig. Mir kam es teils so vor als hätte ich nur die letzte Doppelfolge einer TV-Serie gesehen. Das hat nicht zwangsweise damit zu tun, dass ich gerne jedes Geheimnis gelüftet gesehen hätte, doch bleibt auch so manche Beziehung unter den Charakteren ein wenig luftleer im Raum hängen. Hier hätte Nichols gerne ein wenig mehr in die Tiefe gehen können. Auch Adam Drivers NSA-Mann Sevier verkommt zum reinen Mittel zum Zweck. Hier wäre mehr möglich gewesen.

Insgesamt hat mich „Midnight Special“ sehr gut unterhalten und emotional gepackt. Dennoch ist es bisher der schwächste von Jeff Nichols‘ Filmen. Für mich hätte er vermutlich noch besser funktioniert, wenn das fantastische Element nicht komplett ausformuliert gewesen wäre und dafür die Charaktere mehr Aufmerksamkeit bekommen hätten. Doch auch in seiner jetzigen Form kann ich den Film allen Genre-Freunden nur ans Herz legen: 8/10 Punkte.

Erlösung – OT: Flaskepost fra P (2016)

Nachdem es in meinem Blog in den letzten Wochen sehr still war, was Filme angeht, kann ich heute von meiner Sichtung des Thrillers „Erlösung“ berichten. Diese inzwischen schon dritte Verfilmung eines Jussi-Adler-Olsen-Romans ist zugleich auch der jüngste Neuzugang in meiner Sammlung und ich war gespannt, wie sie sich im Vergleich zur Vorlage schlägt. Diese habe ich erst vor drei Monaten gelesen und kann mich folglich noch sehr gut an die Details erinnern. Welches Medium liegt nur also vorne: Buch oder Film?

erloesung-2016

Die beiden Vorgänger „Erbarmen“ und „Schändung“ haben mir trotz gewisser Abweichungen zu ihren Vorlagen sehr gut gefallen. Sie haben die Atmosphäre der Bücher perfekt getroffen und den Kern der Geschichte wunderbar destilliert. Auch der dritte Fall kann durchaus überzeugen, wenngleich mir die Handlung zum ersten Mal zu vereinfacht vorkam. Die Prämisse hat sich nicht verändert, jedoch fehlen viele Aspekte, welche die Geschichte des Romans für mich so spannend machten. Ich mag hier gar nicht allzu sehr ins Detail gehen, doch denke ich dabei z.B. an das frühe Involvieren der Ermittler, während im Buch eher die Nebenfiguren bzw. die augenscheinlichen Opfer ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen durften.

Auch die Vergangenheit und Motivation des Täters wird nur in sehr vereinfachter Form wiedergegeben, was ich sehr schade fand. Dadurch wurde viel von der Intensität genommen. Natürlich kann man von einem Spielfilm in Standardlänge nicht erwarten, dass er die Handlung eines Romans 1:1 widerspiegelt. Häufig sind Kürzungen auch sinnvoll und nicht jede Dramaturgie funktioniert in jedem Medium. Was der Film letztendlich erzählt funktioniert auch sehr gut und vermutlich würde mein Urteil mit ein wenig mehr Abstand milder ausfallen. So jedoch komme ich nicht umhin zu denken, dass auch hier einmal mehr die Serie das bessere Erzählmedium gewesen wäre.

Kenner der Vorlage werden in „Erlösung“ die wichtigsten Aspekte der Vorlage wiederfinden und einen spannenden Film sehen. Die Charaktere sind nach wie vor sehr nahe an den Figuren des Romans dran und die Schauspieler machen ihre Sache wirklich gut. Die Kameraarbeit ist gelungen und lässt diesen Krimi tatsächlich nach Kino aussehen. Auch inhaltlich wird nach wie vor eine packende Geschichte erzählt, die jedoch nur an der Oberfläche des Möglichen kratzt. Für mich leider die bisher schwächste Verfilmung der Reihe, auch wenn die meisten Kritiker das anders sehen: 7/10 Punkte.

Coma (1978)

Was für ein Urlaub. Die Kinder krank, das Wetter mies und nun hat es auch noch mich erwischt. Dabei hatte ich so große Hoffnungen für diese Woche. Wenigstens ein Plan geht auf: Ich schaue fast jeden Abend einen Film. Heute fiel die Wahl auf Michael Crichtons „Coma“ aus dem Jahr 1978. Ich mag Crichtons Art Geschichten zu erzählen und habe eine Schwäche für Sci-Fi-Thriller aus den 70er Jahren. Wie diese (für mich) Neuentdeckung abschneidet, lest ihr in der folgenden Besprechung…

coma-1

Nach dem Film war ich tatsächlich erstaunt zu lesen, dass es sich bei der Vorlage zu „Coma“ nicht um einen Roman des Autoren und Regisseurs selbst handelt. Die Geschichte um sich häufende Fälle von plötzlich auftretenden Komas fällt mit ihren leichten Sci-Fi-Anleihen und dem medizinischen Setting voll und ganz in sein Beuteschema. Somit ist es nicht verwunderlich, dass Crichton aus der Prämisse einen geradlinigen Thriller strickt, der vor allem durch seine – von Geneviève Bujold sehr mitreißend gespielt – Heldin überzeugen kann.

In manchen Szenen wirkt „Coma“ auch heute noch höchst aktuell und frisch, andere dagegen können die beinahe 40 Jahre seit dem Dreh nicht verbergen. Letzteres macht aber auch den Charme des Thrillers aus, der heute bestimmt viel atemloser inszeniert worden wäre. Ich mochte die ruhigen Szenen zwischen den Charakteren und auch die große Enthüllung im Jefferson Institut weiß heute noch zu beeindrucken. Leider jedoch bleibt inhaltlich zu viel auf der Strecke und ich hätte mir ein wenig mehr als nur eine spannende Detektivgeschichte im medizinischen Umfeld gewünscht.

Mich hat „Coma“ wirklich gut unterhalten, was speziell am gelungenen Zusammenspiel von Geneviève Bujold und Michael Douglas lag. Auch war es unterhaltsam damals noch unbekannte Schauspieler wie Ed Harris oder Tom Selleck in unbedeutenden Nebenrollen zu entdecken. Inhaltlich ist der Film auch heute noch aktuell und mitreißend, jedoch sollte man sich auch nicht zu viel von der doch eher simplen Thriller-Handlung erwarten: 7/10 Punkte.

BFG: Big Friendly Giant – OT: The BFG (2016)

Ich habe „BFG: Big Friendly Giant“ am 14. März 2020 erneut gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Ich schaffe es kaum noch ins Kino. Das letzte Mal habe ich mir „Star Wars: The Force Awakens“ angeschaut und das war schon ein Kraftakt. Was also tun, wenn man wegen den Kindern nicht mehr so oft ins Kino kommt? Richtig, die Kinder einfach mitnehmen. Der folgende Eintrag zu „BFG: Big Friendly Giant“ wird folglich weniger klassische Filmbesprechung als eine Reflexion über den ersten gemeinsamen Kinobesuch mit meiner Tochter. Da müsst ihr jetzt durch, liebe Filmfreunde… 🙂

bfg-2

Der erste Kinobesuch

Den Gedanken, mit dem Zappelinchen ins Kino zu gehen, trage ich schon länger mit mir herum. Allerdings war der Plan nie sonderlich konkret, da ich auf den richtigen Film warten wollte. Hinzu kommt, dass sie bisher erst einen einzigen Film – und zwar den unvermeidbaren „Die Eiskönigin: Völlig unverfroren“ – gesehen hat. Ziemlich ungewöhnlich für ihr Alter, zumindest wenn man sich in ihrem Freundeskreis so umschaut. Nach ihrem sechsten Geburtstag, und damit kurz vor dem Schuleintritt, schien mir die Gelegenheit nun günstig: Ich hatte mir Steven Spielbergs „BFG: Big Friendly Giant“ auserkoren, da sonst nur generische Animationsfilme laufen und ich mit Spielberg bisher immer gut gefahren bin. Also habe ich spontan Plätze reserviert und bin dann Sonntagnachmittag aufgebrochen, um meine große Kleine in das Abenteuer Kino einzuweihen.

Manchmal ist es faszinierend, die Welt bewusst durch die Augen eines Kindes zu sehen. Was für uns Erwachsene selbstverständlich ist, mag für Kinder noch völlig undefiniert sein. So war es dem Zappelinchen nicht klar, was denn Kino nun eigentlich ist: Ist das wie ein Theater in dem Menschen auftreten? Auch meine Beschreibung eines großen Fernsehers in einem Saal mit vielen Sitzplätzen hat nicht wirklich geholfen. Bis es dann soweit war und die Lichter ausgegangen sind. Und diese knisternde Spannung in der Luft lag. Als dann endlich der Film losging, waren ihre ersten Worte: „Ich habe das Gefühl als würde ich fliegen…“ Obwohl wir in einem eher kleinen Kinosaal waren und weit von der Leinwand entfernt saßen, hatte das Kinobild eine große Wirkung auf auf meine Tochter. Hier fühlte ich mich bestätigt, beim ersten Mal bewusst auf 3D verzichtet zu haben, da der immersive Eindruck ohnehin schon sehr überwältigend war. Der erste Kinobesuch. Eine magische Erfahrung.

Die Wahl des richtigen Films

Während der ersten halben Stunde war ich mir unsicher, ob die Entscheidung für „The BFG“ die richtige war. Der Film beginnt sehr düster und ist beinahe schon unheimlich. Die Atmosphäre hat mich, vermutlich auch aufgrund von John Williams‘ Score, sehr an die frühen „Harry Potter“-Filme erinnert. Die Altersfreigabe der FSK erscheint mir, wie so oft, ziemlich daneben zu sein. Auch das Zappelinchen hat sich anfangs öfter an meinen Arm geklammert, doch nachdem klar wurde, dass der Big Friendly Giant tatsächlich ein freundlicher Riese ist, hat sie sich deutlich entspannt. In der zweiten Filmhälfte, wenn die Handlung vom Land der Riesen wieder in die Welt der Menschen wechselt, wird der Ton des Films auch deutlich leichter und typischer Kinderfilm-Humor hält Einzug, sprich Spielberg setzt tatsächlich auf Slapstick und Fürze. Normalerweise kann ich mit so etwas eher wenig anfangen, doch als ich gesehen habe, wie gelöst meine Tochter lauthals lacht, hatte mich der Film auch mit diesen Szenen für sich gewonnen.

Eine objektive Bewertung abzugeben fällt mir nun wirklich schwer. Ich habe den Film durch die Augen meiner Tochter erlebt und sowohl Stärken als auch Schwächen wie durch einen Filter wahrgenommen. Technisch ist er wahrlich imposant und ich könnte mir durchaus vorstellen, dass er in 3D tatsächlich noch beeindruckender wirkt. Die Handlung ist ziemlich geradlinig und birgt kaum Überraschungen. Umso verspielter ist dagegen die Inszenierung, was sich speziell in den Details der Ausstattung widerspiegelt. Auch emotional funktioniert „BFG: Big Friendly Giant“ wunderbar, da der Charakter des Riesen eine technische Meisterleistung ist und auch Ruby Barnhill als Sophie wunderbar mit ihm zusammenspielt. So glaubwürdig sogar, dass mir das Zappelinchen während des Abspanns zuflüsterte:

„Papa, lass uns doch noch sitzen bleiben. Vielleicht kommen ja noch die Schauspieler und verbeugen sich…“ (Das Zappelinchen nach dem Film)

Fazit

Wenn man sich für eine Sichtung des Films entscheidet, dann sollte man sich darüber im Klaren sein, dass „The BFG“ ein waschechter Kinderfilm ist. Kein Wunder, ist doch auch die Vorlage von Roald Dahl ein Kinderbuch. Der Vergleich mit dem 80er-Jahre-Klassiker „E.T. – Der Außerirdische“ funktioniert für mich deshalb auch nicht wirklich, da Spielbergs jüngster Film ganz andere Schwerpunkte setzt und viel märchenhafter und kindgerechter inszeniert ist. Ich wurde auch als Erwachsener sehr gut unterhalten, würde aber ohne die besonderen Umstände meines ganz persönlichen Kinoerlebnisses einen Punkt von der Wertung abziehen. Rein emotional betrachtet ist die Roald-Dahl-Verfilmung jedoch jetzt schon einer der wichtigsten Filme meines Lebens – und vermutlich auch des Lebens meiner Tochter: 8/10 Punkte.

Schändung – OT: Fasandræberne (2014)

Nachdem ich vergangenen Sonntag die fränkische Ausgabe des „Tatort“ habe über mich ergehen lassen, stand heute wieder ein Krimi aus Dänemark auf dem Programm: Die Jussi-Adler-Olsen-Verfilmung „Schändung“ ist der zweite Fall des Sonderdezernat Q und lässt uns abermals in die düsteren Abgründe unserer nördlichen Nachbarn blicken. Ob die Roman-Adaption gelungen ist, lest ihr in der folgenden Besprechung…

schaendung-2014

Nachdem der erste Fall „Erbarmen“ teils fast schon wie der Pilotfilm zu einer TV-Serie wirkte, setzt auch der zweite Fall diese Tradition fort: Man fühlt sich bereits mit den Charakteren verbunden, die Stammbesetzung wird erweitert und die Handlung aufgebohrt. Weniger klassischer Krimi als bitterböse Gesellschaftssatire. Habe ich in meiner Besprechung der Vorlage noch beklagt, dass die Charaktere zu klischeehaft gezeichnet sind, so ergibt sich im Film durch die verkürzte Handlung und effiziente Inszenierung ein treffenderes Bild: Erinnerungen an „A Clockwork Orange“ werden wach und die Gewalttaten schmerzen schon beim Zusehen.

Durch die längere Laufzeit kann die im Vergleich zum ersten Teil komplexer wirkende Geschichte auf zwei Zeitebenen ausführlich erzählt werden. Dennoch hatte ich das Gefühl, dass im Vergleich zur Vorlage hier mehr Abstriche gemacht werden mussten. Die neuen Charaktere sind perfekt besetzt und tragen viel zur dichten Atmosphäre bei. Unsere beiden Hauptfiguren Carl Mørck und Assad gewinnen immer mehr an Profil und ergänzen sich durch ihre unterschiedlichen Persönlichkeiten perfekt. Auch die Inszenierung ist abermals wirklich gelungen und muss sich hinter großen US-Produktionen nicht verstecken.

Wie ihr seht, hat mir auch der zweite Fall der Filmreihe sehr gut gefallen. Freunde des skandinavischen Krimis sollten auch hier auf jeden Fall einmal reinschauen. Am besten, wenn bei uns wiedermal nur ein höchstens durchschnittlicher „Tatort“ ausgestrahlt wird. Bis der dritte Teil, der noch diesen Sommer in den Kinos anläuft, für das Heimkino erhältlich sein wird, habe ich auch den dritten Band der Buchreihe gelesen. Wenn das einmal keine Aussage über die Qualität der Verfilmungen ist: 8/10 Punkte.