Coma (1978)

Was für ein Urlaub. Die Kinder krank, das Wetter mies und nun hat es auch noch mich erwischt. Dabei hatte ich so große Hoffnungen für diese Woche. Wenigstens ein Plan geht auf: Ich schaue fast jeden Abend einen Film. Heute fiel die Wahl auf Michael Crichtons „Coma“ aus dem Jahr 1978. Ich mag Crichtons Art Geschichten zu erzählen und habe eine Schwäche für Sci-Fi-Thriller aus den 70er Jahren. Wie diese (für mich) Neuentdeckung abschneidet, lest ihr in der folgenden Besprechung…

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Nach dem Film war ich tatsächlich erstaunt zu lesen, dass es sich bei der Vorlage zu „Coma“ nicht um einen Roman des Autoren und Regisseurs selbst handelt. Die Geschichte um sich häufende Fälle von plötzlich auftretenden Komas fällt mit ihren leichten Sci-Fi-Anleihen und dem medizinischen Setting voll und ganz in sein Beuteschema. Somit ist es nicht verwunderlich, dass Crichton aus der Prämisse einen geradlinigen Thriller strickt, der vor allem durch seine – von Geneviève Bujold sehr mitreißend gespielt – Heldin überzeugen kann.

In manchen Szenen wirkt „Coma“ auch heute noch höchst aktuell und frisch, andere dagegen können die beinahe 40 Jahre seit dem Dreh nicht verbergen. Letzteres macht aber auch den Charme des Thrillers aus, der heute bestimmt viel atemloser inszeniert worden wäre. Ich mochte die ruhigen Szenen zwischen den Charakteren und auch die große Enthüllung im Jefferson Institut weiß heute noch zu beeindrucken. Leider jedoch bleibt inhaltlich zu viel auf der Strecke und ich hätte mir ein wenig mehr als nur eine spannende Detektivgeschichte im medizinischen Umfeld gewünscht.

Mich hat „Coma“ wirklich gut unterhalten, was speziell am gelungenen Zusammenspiel von Geneviève Bujold und Michael Douglas lag. Auch war es unterhaltsam damals noch unbekannte Schauspieler wie Ed Harris oder Tom Selleck in unbedeutenden Nebenrollen zu entdecken. Inhaltlich ist der Film auch heute noch aktuell und mitreißend, jedoch sollte man sich auch nicht zu viel von der doch eher simplen Thriller-Handlung erwarten: 7/10 Punkte.

BFG: Big Friendly Giant – OT: The BFG (2016)

Ich habe „BFG: Big Friendly Giant“ am 14. März 2020 erneut gesehen und eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Ich schaffe es kaum noch ins Kino. Das letzte Mal habe ich mir „Star Wars: The Force Awakens“ angeschaut und das war schon ein Kraftakt. Was also tun, wenn man wegen den Kindern nicht mehr so oft ins Kino kommt? Richtig, die Kinder einfach mitnehmen. Der folgende Eintrag zu „BFG: Big Friendly Giant“ wird folglich weniger klassische Filmbesprechung als eine Reflexion über den ersten gemeinsamen Kinobesuch mit meiner Tochter. Da müsst ihr jetzt durch, liebe Filmfreunde… 🙂

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Der erste Kinobesuch

Den Gedanken, mit dem Zappelinchen ins Kino zu gehen, trage ich schon länger mit mir herum. Allerdings war der Plan nie sonderlich konkret, da ich auf den richtigen Film warten wollte. Hinzu kommt, dass sie bisher erst einen einzigen Film – und zwar den unvermeidbaren „Die Eiskönigin: Völlig unverfroren“ – gesehen hat. Ziemlich ungewöhnlich für ihr Alter, zumindest wenn man sich in ihrem Freundeskreis so umschaut. Nach ihrem sechsten Geburtstag, und damit kurz vor dem Schuleintritt, schien mir die Gelegenheit nun günstig: Ich hatte mir Steven Spielbergs „BFG: Big Friendly Giant“ auserkoren, da sonst nur generische Animationsfilme laufen und ich mit Spielberg bisher immer gut gefahren bin. Also habe ich spontan Plätze reserviert und bin dann Sonntagnachmittag aufgebrochen, um meine große Kleine in das Abenteuer Kino einzuweihen.

Manchmal ist es faszinierend, die Welt bewusst durch die Augen eines Kindes zu sehen. Was für uns Erwachsene selbstverständlich ist, mag für Kinder noch völlig undefiniert sein. So war es dem Zappelinchen nicht klar, was denn Kino nun eigentlich ist: Ist das wie ein Theater in dem Menschen auftreten? Auch meine Beschreibung eines großen Fernsehers in einem Saal mit vielen Sitzplätzen hat nicht wirklich geholfen. Bis es dann soweit war und die Lichter ausgegangen sind. Und diese knisternde Spannung in der Luft lag. Als dann endlich der Film losging, waren ihre ersten Worte: „Ich habe das Gefühl als würde ich fliegen…“ Obwohl wir in einem eher kleinen Kinosaal waren und weit von der Leinwand entfernt saßen, hatte das Kinobild eine große Wirkung auf auf meine Tochter. Hier fühlte ich mich bestätigt, beim ersten Mal bewusst auf 3D verzichtet zu haben, da der immersive Eindruck ohnehin schon sehr überwältigend war. Der erste Kinobesuch. Eine magische Erfahrung.

Die Wahl des richtigen Films

Während der ersten halben Stunde war ich mir unsicher, ob die Entscheidung für „The BFG“ die richtige war. Der Film beginnt sehr düster und ist beinahe schon unheimlich. Die Atmosphäre hat mich, vermutlich auch aufgrund von John Williams‘ Score, sehr an die frühen „Harry Potter“-Filme erinnert. Die Altersfreigabe der FSK erscheint mir, wie so oft, ziemlich daneben zu sein. Auch das Zappelinchen hat sich anfangs öfter an meinen Arm geklammert, doch nachdem klar wurde, dass der Big Friendly Giant tatsächlich ein freundlicher Riese ist, hat sie sich deutlich entspannt. In der zweiten Filmhälfte, wenn die Handlung vom Land der Riesen wieder in die Welt der Menschen wechselt, wird der Ton des Films auch deutlich leichter und typischer Kinderfilm-Humor hält Einzug, sprich Spielberg setzt tatsächlich auf Slapstick und Fürze. Normalerweise kann ich mit so etwas eher wenig anfangen, doch als ich gesehen habe, wie gelöst meine Tochter lauthals lacht, hatte mich der Film auch mit diesen Szenen für sich gewonnen.

Eine objektive Bewertung abzugeben fällt mir nun wirklich schwer. Ich habe den Film durch die Augen meiner Tochter erlebt und sowohl Stärken als auch Schwächen wie durch einen Filter wahrgenommen. Technisch ist er wahrlich imposant und ich könnte mir durchaus vorstellen, dass er in 3D tatsächlich noch beeindruckender wirkt. Die Handlung ist ziemlich geradlinig und birgt kaum Überraschungen. Umso verspielter ist dagegen die Inszenierung, was sich speziell in den Details der Ausstattung widerspiegelt. Auch emotional funktioniert „BFG: Big Friendly Giant“ wunderbar, da der Charakter des Riesen eine technische Meisterleistung ist und auch Ruby Barnhill als Sophie wunderbar mit ihm zusammenspielt. So glaubwürdig sogar, dass mir das Zappelinchen während des Abspanns zuflüsterte:

„Papa, lass uns doch noch sitzen bleiben. Vielleicht kommen ja noch die Schauspieler und verbeugen sich…“ (Das Zappelinchen nach dem Film)

Fazit

Wenn man sich für eine Sichtung des Films entscheidet, dann sollte man sich darüber im Klaren sein, dass „The BFG“ ein waschechter Kinderfilm ist. Kein Wunder, ist doch auch die Vorlage von Roald Dahl ein Kinderbuch. Der Vergleich mit dem 80er-Jahre-Klassiker „E.T. – Der Außerirdische“ funktioniert für mich deshalb auch nicht wirklich, da Spielbergs jüngster Film ganz andere Schwerpunkte setzt und viel märchenhafter und kindgerechter inszeniert ist. Ich wurde auch als Erwachsener sehr gut unterhalten, würde aber ohne die besonderen Umstände meines ganz persönlichen Kinoerlebnisses einen Punkt von der Wertung abziehen. Rein emotional betrachtet ist die Roald-Dahl-Verfilmung jedoch jetzt schon einer der wichtigsten Filme meines Lebens – und vermutlich auch des Lebens meiner Tochter: 8/10 Punkte.

Schändung – OT: Fasandræberne (2014)

Nachdem ich vergangenen Sonntag die fränkische Ausgabe des „Tatort“ habe über mich ergehen lassen, stand heute wieder ein Krimi aus Dänemark auf dem Programm: Die Jussi-Adler-Olsen-Verfilmung „Schändung“ ist der zweite Fall des Sonderdezernat Q und lässt uns abermals in die düsteren Abgründe unserer nördlichen Nachbarn blicken. Ob die Roman-Adaption gelungen ist, lest ihr in der folgenden Besprechung…

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Nachdem der erste Fall „Erbarmen“ teils fast schon wie der Pilotfilm zu einer TV-Serie wirkte, setzt auch der zweite Fall diese Tradition fort: Man fühlt sich bereits mit den Charakteren verbunden, die Stammbesetzung wird erweitert und die Handlung aufgebohrt. Weniger klassischer Krimi als bitterböse Gesellschaftssatire. Habe ich in meiner Besprechung der Vorlage noch beklagt, dass die Charaktere zu klischeehaft gezeichnet sind, so ergibt sich im Film durch die verkürzte Handlung und effiziente Inszenierung ein treffenderes Bild: Erinnerungen an „A Clockwork Orange“ werden wach und die Gewalttaten schmerzen schon beim Zusehen.

Durch die längere Laufzeit kann die im Vergleich zum ersten Teil komplexer wirkende Geschichte auf zwei Zeitebenen ausführlich erzählt werden. Dennoch hatte ich das Gefühl, dass im Vergleich zur Vorlage hier mehr Abstriche gemacht werden mussten. Die neuen Charaktere sind perfekt besetzt und tragen viel zur dichten Atmosphäre bei. Unsere beiden Hauptfiguren Carl Mørck und Assad gewinnen immer mehr an Profil und ergänzen sich durch ihre unterschiedlichen Persönlichkeiten perfekt. Auch die Inszenierung ist abermals wirklich gelungen und muss sich hinter großen US-Produktionen nicht verstecken.

Wie ihr seht, hat mir auch der zweite Fall der Filmreihe sehr gut gefallen. Freunde des skandinavischen Krimis sollten auch hier auf jeden Fall einmal reinschauen. Am besten, wenn bei uns wiedermal nur ein höchstens durchschnittlicher „Tatort“ ausgestrahlt wird. Bis der dritte Teil, der noch diesen Sommer in den Kinos anläuft, für das Heimkino erhältlich sein wird, habe ich auch den dritten Band der Buchreihe gelesen. Wenn das einmal keine Aussage über die Qualität der Verfilmungen ist: 8/10 Punkte.

I, Robot (2004)

Da wir den Vatertag aufgrund eines, um es euphemistisch auszudrücken, unfertigen Gartens noch nicht mit einer Grillfeier ausklingen lassen konnten, stand heute ein Film auf dem Programm. Da ich seit meiner Sichtung von „Ex Machina“ letzte Woche auf dem Roboter-Trip bin, habe ich den thematisch verwandten „I, Robot“ eingelegt. Dies war bereits meine zweite Sichtung des Films und tatsächlich hat sich meine damals gefasste Meinung verfestigt…

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Alex Proyas hat mit seiner düsteren Comic-Verfilmung „The Crow“ einen Film geschaffen, der aufgrund Brandon Lees tödlichen Unfalls einen fast schon mythischen Ruf hatte. So richtig beeindrucken konnte er mich aber erst mit „Dark City“, einem unheimlichen und teils etwas konfusen Sci-Fi-Drama. Mit „I, Robot“ hatte er sich dem Mainstream zugewandt und es ist auch der letzte Film, den ich von ihm gesehen habe. Mir ist der Sci-Fi-Actioner als recht geradliniger Krimi in Erinnerung geblieben, der eben nur ein außergewöhnliches Setting hat – und so ist es tatsächlich auch. Wovon der Film vor allem lebt, ist seine detailreich aufgebaute Welt, die wirklich überzeugend ausgearbeitet ist – zumindest wenn man über das aufdringliche Product-Placement hinwegsehen kann.

Ich habe  mich abermals gefragt, wie der Film wohl mit einem anderen Hauptdarsteller ausgesehen hätte. Will Smith funktioniert zwar gut in dieser Rolle, doch verkommt der Film durch ihn ein wenig zum Action-Reißer. Die angesprochenen Themen und die explizite Integration von Isaac Asimovs Robotergesetzen bieten viel Spielraum für faszinierende philophische Fragestellungen. Hier hätte wahrlich ein zweiter „Blade Runner“ entstehen können, doch hat sich 20th Century Fox offensichtlich für einen weiteren Action-Blockbuster entschieden, der inhaltlich eher auf Sparflamme kocht.

Auch wenn „I, Robot“ weniger ist als er hätte sein können, kann er doch zu weiten Teilen überzeugen. Die inzwischen vergangenen 12 Jahre merkt man dem Film nur an wenigen Stellen an und Proyas inszeniert die Action zumindest gefällig. Letztendlich komme ich jedoch nicht umhin die verpassten Chancen zu bemängeln. Für echtes Science-Fiction-Kino bietet der Film leider einfach zu wenig. Als flotten Actioner im Sci-Fi-Setting kann man ihn sich alle paar Jahre aber gut anschauen: 7/10 Punkte.

Con Air (1997)

Nachdem ich heute bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr meinen Samstag vor knapp 20 Studenten verbracht habe, ist nicht nur meine Stimme weg, sondern auch die Energie. Somit habe ich meinen Feierabendlauf auf morgen vertagt und mit „Con Air“ einen Film eingelegt, der zu den alten Bekannten meiner Jugend zählt. Inzwischen hatte ich ihn bestimmt schon 10 Jahre lang nicht mehr gesehen und somit freute ich mich durchaus auf ein Wiedersehen mit dem langhaarigen Nicolas Cage…

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Ach, was ist der Film herrlich albern und 90er Jahre durch und durch. Angefangen beim Schnitt, dem Score und Soundtrack sowie Schauspielern und Inszenierung. Für mich war „Con Air“ stets der kleine Bruder von „The Rock“, doch letztendlich nehmen sich die beiden Jerry Bruckheimer-Produktionen nicht viel, was übertriebene Action angeht. Simon Wests Regiearbeit ist geradliniger und setzt noch ein wenig mehr auf den reinen Effekt. Wirklich unglaublich, was hier an purer Zerstörungskraft freigesetzt wird – und das (größtenteils) wunderbar altmodisch mit echten Explosionen. Herrlich!

Wie auch „The Rock“ hatte „Con Air“ damals den Status des besonders harten Actionfilms inne, immerhin war er mit FSK 18 freigegeben und wurde im TV stets geschnitten. Heute kann man beinahe nur noch darüber schmunzeln, sieht man doch in jeder mit FSK 16 freigegebenen TV-Serie härtere und häufigere Gewaltszenen. Da wird einem erst einmal wieder bewusst, wie sehr sich das Sehverhalten verändert hat. Vielleicht ist der mildere Eindruck aber auch der unfreiwilligen Komik geschuldet, denn der Film trägt oft ganz schön dick auf und speziell Nicolas Cages Voice-over während der Gefägnismontage ist, zusammen mit seiner Frisur, wahrlich schwer ernst zu nehmen. Dem Unterhaltungswert tut dies aber keinen Abbruch, im Gegenteil…

Auch wenn ich wirklich sehr, sehr müde war, so hat es „Con Air“ doch geschafft mich am Ball zu halten. Der Film mag objektiv nicht sonderlich gut sein, doch schon alleine die überbordende Action und das Auflaufen an hochkarätigen Schauspielern (u.a. John Malkovich, Steve Buscemi, John Cusack, Monica Potter) machen den Film zu einem echten Klassiker des 90er Jahre Actionkinos. Ich hatte tatsächlich sehr großen Spaß auf diesem Flug: 8/10 Punkte.

Der Schwarze Falke – OT: The Searchers (1956)

Kürzlich hatten wir es auf der Arbeit über Western und dass viele Kollegen – mich eingeschlossen – noch nie einen Western mit John Wayne gesehen haben. Daraufhin hat sich ein großer Fan des Dukes vorgenommen, diesen untragbaren Umstand zu ändern und mich sowie fünf weitere Kollegen zu einem Westernabend inklusive standesgemäßem Essen (lecker Grillfleisch und Bohnen mit Speck) einzuladen. Nach einem kurzen Abriss über die Bedeutung des Films, waren wir schon gespannt, ob „Der Schwarze Falke“ seinem Ruf als bester Western John Fords und John Waynes gerecht wird und uns auch 60 Jahre später noch zu überzeugen weiß…

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Der Western und ich

Im Vorfeld der Besprechung muss ich den Hinweis geben, dass die Stimmung doch eher ausgelassen war und somit manche aus heutiger Sicht unfreiwillig komische Szene noch zusätzlich an Humor gewonnen hat. Die Umstände der Sichtung haben den Film bestimmt anders wirken lassen, als die ursprüngliche Intention vorgesehen hat – und doch glaube ich, dass ich mir insgesamt ein recht gutes Bild von „Der Schwarze Falke“ machen konnte, zumindest nachdem die Zwischenbildberechnung ausgeschaltet war, was nur wieder mich zu stören schien. Danach aber konnte John Fords epochaler Western zumindest visuell überzeugen, denn die auf Blu-ray gebannten VistaVision-Bilder sind auch heute noch sehr beeindruckend und lassen schnell vergessen, dass man einen Film aus dem Jahr 1956 sieht.

Western ist ein Genre, das mich meist nicht sonderlich lockt, auch wenn mit „Die glorreichen Sieben“ ein nur vier Jahre nach „The Searchers“ entstandener Genrekollege zu meinen Lieblingsfilmen zählt. Auch John Fords legendärer Western zählt für viele Kritiker und Filmschaffende (u.a. Martin Scorsese und John Milius) zu den besten Filmen aller Zeiten. Dies hatte ich bei der Sichtung im Hinterkopf – und auch wenn ich so manch spannenden Ansatz erkennen konnte, wollte mich der Film nicht so wirklich mitreißen. Das mag einerseits an den Umständen der Sichtung liegen, doch auch darüber hinaus werden John Ford, John Wayne und ich vermutlich keine allzu engen Freunde. Die simple Handlung wird oft unnötig umständlich erzählt und ein Gefühl für den langen Zeitraum (immerhin über 5 Jahre), den unsere Suchenden unterwegs sind, mag sich kaum einstellen.

Licht und Schatten im Monument Valley

Ich war wirklich erstaut wie unsympathisch der Held aus heutiger Sicht gezeichnet ist: wortkarg, eindimensional und ohne jegliche Empathie. Ob das damals genauso wahrgenommen wurde? In ausgewählten Szenen kann man als Zuschauer tatsächlich hinter die Fassade blicken – und in diesen Momenten konnte mich der Film tatsächlich packen. Teils hatte ich auch das Gefühl eine Entmystifizierung des Westernhelden zu sehen: Während der 5-jährigen sinnlosen Odyssee geht das restliche Leben weiter und Martin Pawley (Jeffrey Hunter) hätte beinahe seine große Liebe an einen anderen Mann verloren. Die endlich ausgeübte Rache an Scar wirkt wenig kathartisch und für unseren Helden scheint es auch kein glückliches Ende zu geben – ruhelos zieht er weiter. Eine Deutung von „Der Schwarze Falke“, mit der ich mich wirklich anfreunden könnte. Leider jedoch wirkt John Fords Film in anderen Szenen äußerst eindimensional erzählt und bekräftigt fragwürdige Stereotype. Den Rassismusvorwurf muss sich Ford aus heutiger Sicht an manchen Stellen gefallen lassen, doch offenbart „The Searchers“ auch für die damalige Zeit durchaus progressive Ansichten, wie das offene Zeigen der Auswirkungen eines Massakers an den Ureinwohnern. Insofern befindet sich der Film eher in einer Grauzone als in einem der beiden Lager, welche von der Filmkritik so gerne eingenommen werden.

Rein formal ist „The Searchers“ bemerkenswert. Gerade in den Szenen, die auf einem Set spielen, gelingt Ford ein Deep Staging mit ungeahnter Tiefenschärfe, was bei uns Zuschauern oft den Eindruck hervorruft eher ein Theaterstück als einen Film zu sehen. Im direkten Kontrast dazu stehen die weiten, offenen Einstellungen des Monument Valley, die wirklich famos anzusehen sind. Max Steiners Score ist mir dagegen leider kaum im Ohr geblieben, was ich schade fand, da z.B. Elmar Bernsteins Score zu „The Magnificent Seven“ zu meinen Lieblingsfilmmusiken zählt und Ennio Morricone im Italowestern geradezu Großartiges geleistet hat.

Fazit

Eine Bewertung fällt mir nun wirklich schwer. Einerseits konnte ich mich während der Sichtung nicht so komplett auf den Film einlassen, wie er es verdient gehabt hätte, und andererseits habe ich genug gesehen, um zu wissen, dass „The Searchers“ für mich nicht die große Offenbarung des Western ist, die er für viele Fans und Kritiker gerne sein würde. Die Präsenz John Waynes hat mich beeindruckt, gerade weil er einen ungewöhnlich unsympathischen Heldentypus verkörpert und die Inszenierung John Fords fand ich famos. Dem gegenüber stehen eine unausgegorene Rachegeschichte und eine aus heutiger Sicht fragwürdige Charakterzeichung. Filmhistorisch relevant, doch keiner dieser Klassiker, die auch heute noch wie eine Offenbarung wirken. Dennoch bin ich sehr froh, die Möglichkeit bekommen zu haben den Film zu sehen: 6/10 Punkte.

Maze Runner: Die Auserwählten im Labyrinth – OT: The Maze Runner (2014)

Aktualisierung: Ich habe „Maze Runner: Die Auserwählten im Labyrinth“ am 17. August 2020 und am 4. Januar 2025 erneut gesehen und jeweils eine Besprechung der Wiederholungssichtung veröffentlicht.

Nach einem langen Tag bei 35 °C auf der Baustelle, wollte ich eigentlich nur noch ins Bett. Wäre vernünftiger gewesen, macht man aber natürlich nicht. Also habe ich mir mit „Maze Runner: Die Auserwählten im Labyrinth“ einen Film ausgesucht, den ich schon lange sehen wollte und bei dem die Chance einzuschlafen entsprechend gering sein sollte. Ich bin wach geblieben – ob das am Film oder der immer noch herrschenden Hitze lag, lest ihr in der folgenden Besprechung…

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Maze Runner: Die Auserwählten im Labyrinth (2014) | © 20th Century Fox

Die letzte Verfilmung eines Young-Adult-Romans („Die Bestimmung: Divergent“) hat mir nicht sonderlich gut gefallen, doch kannte ich bei diesem die Vorlage auch nicht. James Dashners „Die Auserwählten im Labyrinth“ hatte sich in gedruckter Form jedoch bereits in mein Herz gespielt: Ich mochte die simple, aber effektive Mischung aus „Herr der Fliegen“, „Lost“ und typischer Young-Adult-Dystopie wirklich sehr gerne. Über die Verfilmung las man viele gemischte Kritiken, doch ich war recht guter Dinge, zumal der Trailer auch nahe an meiner Vorstellung der Romanvorlage war.

Nach der Sichtung kann ich nun sagen, dass der Film das Gefühl der Vorlage wirklich gut transportiert. Die Charaktere sind stimmig besetzt und auch audiovisuell habe ich mich sofort zu Hause gefühlt. Also die perfekte Adaption? Leider nur bedingt, da etliche Handlungselemente verändert bzw. verkürzt wurden. Natürlich erwartet man dies bei einer Adaption in ein anderes Medium, doch einige der interessantesten Elemente wurden leider komplett gestrichen bzw. einer weiteren Actionszene geopfert – andere Änderungen machten dagegen tatsächlich Sinn.

Zusammenfassend kann ich festhalten, dass „The Maze Runner“ als Verfilmung größtenteils wirklich gut funktioniert. Mit ein wenig Feinschliff im Drehbuch, denn die Vorlage hat tatsächlich mehr Tiefe zu bieten, hätte aus gut auch ein sehr gut werden können. Somit bleibt „The Hunger Games“ immer noch die beste Young-Adult-Filmreihe, doch Fans der Buchvorlage dürfen sich ruhig auf zwei unterhaltsame Stunden im verrückten Labyrinth einlassen: 7/10 Punkte.

American Pie: Das Klassentreffen – OT: American Reunion (2012)

Dieses Jahr steht mein 15-jähriges Abitreffen an, höchste Zeit also mich auch filmisch darauf vorzubereiten. Dies ist wohl auch die einzige Erklärung, warum es heute ausgerechnet „American Pie: Das Klassentreffen“ in den Player geschafft hat. Nach der Sichtung bin ich nun zwar nicht vorbereitet, was meine eigene Jubiläumsfeier angeht, aber ich hatte zumindest eine unerwartet gute Zeit mit Jim, Stifler und Co.

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Wenn ich an „American Pie“ denke, dann ist diese Erinnerung zweifellos mit meiner eigenen Schulzeit verknüpft. Der Film kam in meinem Abschlussjahr ins Kino und es entwickelte sich tatsächlich ein kleiner Hype um ihn. Auch wenn er weit von der selbst erlebten Party- und Schulrealität entfernt war, so bot dieser offen hormongetriebene Eskapismus doch einen gewissen Reiz. Zudem besaß der Soundtrack mit Bands wie Blink 182 und Co. ein paar veritable Hits, durch die man sich im House- und Techno-verseuchten Freundeskreis endlich bestätigt sehen konnte. Letztendlich war ich zwar ein wenig enttäuscht, da ich den Film nicht halb so lustig fand, wie ich erwartet hatte, doch würde ich durchaus sagen, dass er für die damalige Jugend irgendwie wichtig war.

„American Pie 2“ hatte ich etliche Jahre später im TV gesehen und fand ihn doof. Der dritte Teil lief dann irgendwann an einem DVD-Abend bei Freunden. Ich kann mich kaum noch daran erinnern. Als eine Neuauflage angekündigt wurde, hielt sich mein Interesse in Grenzen – und doch hat ihn ein günstiger Preis irgendwann in meine Sammlung gespült. Nach der Sichtung muss ich nun zugeben, dass ich besser unterhalten wurde, als ich dies für möglich gehalten hätte. Sicher drückt der Film ganz bewusst alle Knöpfe, auf denen auch nur im Entferntesten Nostalgie geschrieben steht, doch das macht er erstaunlich gut. Man erinnert sich an den ersten „American Pie“ – und damit auch unzweifelhaft an die eigene Jugend und reflektiert automatisch eigene Lebenssituation, auch wenn sich diese (wie bereits damals) stark von den gezeigten Lebensmodellen unterscheidet.

Neben der Nostalgie bietet „American Reunion“ teils spaßige, größtenteils ziemlich flache Unterhaltung, die – wie nicht anders zu erwarten – stets die Gürtellinie umkreist. Ich hatte meinen Spaß damit und fand es durchaus nett, die altbekannten Schauspieler einmal wieder zu sehen, von denen es neben Alyson Hannigan (Lily aus „How I Met Your Mother“) kaum jemand wirklich weit gebracht hat. Wenn man eine Schwäche für Nostalgie hat, und ab und zu auch flacheren Komödien nicht abgeneigt ist, dann kann man durchaus Spaß mit diesem Klassentreffen haben: 7/10 Punkte.

Mad Max: Fury Road (2015)

Unglaublich, ich habe es tatsächlich einmal wieder ins Kino geschafft! Dabei hatte ich es beinahe schon aufgegeben „Mad Max: Fury Road“ noch auf der großen Leinwand zu sehen. Zur Wahl stand die synchronisierte Fassung ganz pompös in IMAX und 3D – oder die Originalversion im kleinen Fremdsprachenkino (der Saal fasst 25 Zuschauer) in 2D. Da fiel die Wahl nicht schwer! Ob sich der audiovisuell bombastische Film trotz der technischen Beschränkungen in mein filmisches Herz spielen konnte, lest ihr in der folgenden Besprechung…

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Was für ein Brett von einem Film! Bereits während des Prologs fühlte ich mich in meinen Sitz gepresst und war beinahe nicht imstande die Flut an audiovisuellen Informationen zu verarbeiten. Man kann den unbedingten Überlebenswillen Max Rockatanskys beinahe körperlich spüren. Der Film schert sich nicht um Konventionen und wirft uns ohne Vorgeplänkel ins Geschehen – und es soll eine weitere Stunde vollgepackt mit knallharter Action vergehen, bis wir erstmals eine Verschnaufpause bekommen. Glücklicherweise baut Regie-Veteran George Miller auch in die Actionszenen ausreichend charakterdefinierende Momente ein, um uns emotional zu involvieren und mit auf diese epische Reise zu nehmen: What a lovely day!

Im Gesamtkontext der „Mad Max“-Saga reiht sich der Film überall und nirgendwo ein. Es gibt keinen kausalen Zusammenhang und doch fühlt sich der jüngste Teil der postapokalyptischen Reihe nicht so an, als seien seit dem umstrittenen „Mad Max: Beyond Thunderdome“ bereits 30 Jahre vergangen. Der Film atmet den Geist der 80er Jahre und schaut sich exakt so, wie sich „The Road Warrior“ in meiner Erinnerung anfühlt. Auch inhaltlich liegen die beiden Filme wohl am engsten zusammen, wenngleich der Hauptcharakter in „Mad Max: Fury Road“ noch mehr wie der Mythos des Road Warriors wirkt als wie ein echter Charakter. Ein einsamer Westernheld, der nachdem er die Planwagen sicher ans Ziel gebracht hat, wieder im Sonnenuntergang verschwindet.

In der ursprünglichen Trilogie noch von Mel Gibson gespielt, verkommt der titelgebende Max im jüngsten Teil der Saga beinahe schon zur Nebenfigur – und dennoch kann Tom Hardy als vom Wahnsinn gezeichneter Überlebenskünstler überzeugen, wenngleich sein Gegrunze manchmal schon etwas zuviel des Guten war. Der eigentliche Star des Films ist zweifellos Charlize Theron, welche mit Imperator Furiosa einen der imposantesten Actionhelden (egal ob männlich oder weiblich) der jüngeren Kinogeschichte verkörpert. Ihr starker Wille kommt so glaubhaft rüber, dass es eine wahre Freude ist mitzuerleben, wie sie über sich selbst hinaus wächst. Neben Theron ist mir besonders Nicholas Hoult (genau, der kleine Junge aus „About a Boy“) aufgefallen, dessen Charakter Nux wohl die größte Entwicklung durchmacht. Einzig die Bösewichte bleiben im Action-Getümmel ein wenig blass und klischeehaft – allerdings im besten Sinne der 80er Jahre.

„Mad Max: Fury Road“ nun qualitativ im Vergleich zu den Vorgängern einzuordnen, fällt mir nicht leicht und ich werde mir die Filme in naher Zukunft, spätestens jedoch zur Veröffentlichung der Blu-ray des vierten Teils, noch einmal komplett ansehen müssen. Deshalb gibt es zu diesem Zeitpunkt eine Liste, die nach Erscheinungsdatum und nicht nach Qualität sortiert ist:

  1. „Mad Max“ (8 Punkte)
  2. „Mad Max 2: Der Vollstrecker“ (8 Punkte)
  3. „Mad Max 3: Jenseits der Donnerkuppel“ (7 Punkte)
  4. „Mad Max: Fury Road“ (8 Punkte)

Wenn ich mir meine bisherigen Bewertungen so ansehen, dann fühlt es sich an als hätte ich die „Mad Max“-Saga bisher eher zu streng bewertet. Auch der neueste Teil hat großen Eindruck auf mich gemacht, jedoch nicht so viel, als dass ich ihn über die klassische Trilogie hinausheben würde. Potential zur Steigerung ist auf jeden Fall vorhanden – und das nicht nur für diesen Film, sondern die gesamte Reihe. Es ist wohl das beste Zeichen, dass ich mir „Mad Max: Fury Road“ am liebsten jetzt gleich noch einmal anschauen würde: 8/10 Punkte.

Thor: The Dark Kingdom – OT: Thor: The Dark World (2013)

Aktualisierung: Ich habe „Thor: The Dark Kingdom“ am 20. April 2024 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und eine aktualisierte Besprechung veröffentlicht.

Ein langes Wochenende steht bevor! Der perfekte Zeitpunkt also meine erste Filmsichtung seit – lässt man den Franken-Tatort einmal außen vor – sage und schreibe vier Wochen anzugehen. Nachdem ich mit „Iron Man 3“ begonnen hatte, die zweite Phase des Marvel Cinematic Universe (MCU) nachzuholen, war es naheliegend mit „Thor: The Dark Kingdom“ damit nun auch weiterzumachen. Denn auch wenn ich „Avengers: Age of Ultron“ wohl nicht im Kino sehen werde, so möchte ich doch wenigstens theoretisch vorbereitet sein…

Thor: The Dark Kingdom (2013) | © Walt Disney

Thor: The Dark Kingdom (2013) | © Walt Disney

Den ersten Auftritt des nordischen Gottes bzw. dem was Marvel aus ihm gemacht hat, fand ich wirklich unterhaltsam: „Thor“ war mir nach „The Avengers“ und dem ursprünglichen „Iron Man“ sogar der liebste Film der ersten Phase des MCU. Auch der zweite Teil schickt sich an den Unterhaltungsfaktor hochzuhalten: Während ich den dritten Auftritt des Eisenmanns schon ein wenig ermüdend fand, präsentiert der TV-Regisseur Alan Taylor mit „Thor: The Dark World“ eine astreine Fantasygeschichte, die wohl auch ohne Marvel-Unterbau funktioniert hätte. Der besondere Charme liegt allerdings abermals in der Verknüpfung mit unserer nur allzu bekannten Welt, was jedoch nicht so ausführlich genutzt wird, wie noch im ersten Teil.

Inszenierung und Effekte sind abermals auf extrem hohem Niveau, die Geschichte dagegen ist austauschbar und lebt alleine durch ihre Charaktere sowie pompöse Schauplätze und Actionszenen. Über den weiteren Auftritt Lokis habe ich mich sehr gefreut und auch die restlichen Bezüge zum Klassentreffen der Superhelden sind angenehm unaufdringlich in den Film eingeflochten. Weiterhin toll fand ich es Zachary Levi (Chuck aus der gleichnamigen TV-Serie) sowie Idris Elba, den ich erst kürzlich in „The Wire“ absolut großartig fand, zu identifizieren – auch wenn dies unter Maske und Make-up gar nicht so einfach war.

Fazit

Letztendlich bietet auch „Thor: The Dark Kingdom“ typische Marvel-Unterhaltung ohne viel Tiefgang, dafür mit zerstörerischer Action und der richtigen Dosis Humor. Einfach unterhaltsam anzusehen, wenngleich ich mich inzwischen frage, wie diese Erfolgsformel noch das weitere Dutzend angekündigter MCU-Filme tragen soll. Irgendwann läuft sich doch auch dieses Rezept tot: 7/10 Punkte.