Sons of Anarchy – Season 4

Bisher bin ich ziemlich durch die Serie gerannt bzw. ich habe sie gebingt, wie man heutzutage sagt. Für die Sichtung von „Sons of Anarchy – Season 4“ habe ich im Vergleich deutlich länger gebraucht als für die vorherigen Staffeln. Lag es an der einen Episode (14 statt 13) mehr? Oder einem eventuellen Qualitätsabfall? Tatsächlich nichts von alldem. Schuld ist der Frühling, der uns mehr Zeit draußen verbringen und uns erst deutlich später auf dem Sofa Platz nehmen lässt. Unerhört!

Sons of Anarchy – Season 4 | © Twentieth Century Fox

Sons of Anarchy – Season 4 | © Twentieth Century Fox

Die Fronten in Charming verhärten sich

Nachdem die Sons in der dritten Staffel zusammengewachsen sind und eine vereinte Front gegen einen gemeinsamen Feind gebildet haben, steht das vierte Jahr ganz im Zeichen der internen Konflikte. Der Auftritt eines mexikanischen Drogenkartells darf als einer der Auslöser für die Bildung unterschiedlicher Fronten gesehen werden: Clay sichert sich durch gezieltes gegeneinander Ausspielen von Mitgliedern die Mehrheit der Stimmen und geht eine Geschäftsbeziehung mit dem Kartell ein. Im Hintergrund lauert jedoch eine noch größere Gefahr, die das Potenzial hat, SAMCRO in seiner jetzigen Form komplett zu zerstören. Im Zuge dieses Handlungsstrangs zeigt Clay sein bisher düsterstes Gesicht und er schreckt auch nicht vor Mord an Unschuldigen zurück. All das findet auf einer sehr persönlichen Ebene statt, was die Ereignisse zusätzlich dramatisiert.

Neben den emotional fordernden Leidenswegen der Hauptcharaktere, hat mich besonders das Schicksal von Juice mitgenommen. Am Ende war das alles zudem noch komplett unnötig, was ein schönes Beispiel dafür ist, dass auch die Sons oft nur ein Spielball größerer Mächte sind. Mag es Zufall sein, dass sich Juice eine Episode der ebenso von „Sons of Anarchy“-Showrunner Kurt Sutter geschriebenen TV-Serie „The Shield“ anschaut? Eher nicht, denn wie in auch in dieser Show gibt es hier kein Schwarz und Weiß, weder bei SAMCRO noch auf der Seite des Gesetzes.

David Hasselhoff als Porno-Produzent

Neben den größtenteils sehr dramatischen Ereignissen, gibt es auch immer wieder Grund zum Schmunzeln – und sei es nur aufgrund der perfekt gecasteten Gaststars. Wenn The Hoff als Porno-Produzent auftritt, dann besitzt das einfach unglaublich viel Unterhaltungswert. Auch Danny Trejo als Kartell-Boss ist perfekt besetzt und wird durch Benito Martinez (bekannt aus „The Shield“) wunderbar ergänzt. Insgesamt tolle Erweiterungen des Hauptcasts, wenngleich die wirklich großen Leistungen wieder in der Kerngruppe rund um SAMCRO zu verzeichnen sind. Egal ob Katey Sagal, Ron Perlman, Charlie Hunnam oder die anderen Mitglieder des MC – sie alle schaffen es, ihre Charaktere mit Leben zu füllen und die unterschiedlichsten Aspekte ihres Lebens aufzuzeigen.

Fazit

Abermals konnte sich „Sons of Anarchy“ steigern und mit der sich ankündigenden Neuausrichtung bin ich nun extrem auf die kommenden Episoden gespannt. Der König ist tot, lang lebe der König. Es dürfte nicht leicht für Jax werden, da sich die Schlinge aus allen Richtungen immer enger zieht und es nun auch keinen Ausweg mehr zu geben scheint. Die vierte Staffel hat viel vorbereitende Arbeit geleistet, welche sich in der Weiterführung der wichtigsten Handlungsstränge auszahlen dürfte. Bisher die beste Staffel dieser ohnehin sehr starken Serie: 9/10 (9.2) Punkte.

Ready Player One (2018)

Aktualisierung: Ich habe „Ready Player One“ am 1. November 2024 zum ersten Mal mit den Kindern gesehen und eine aktualisierte Besprechung veröffentlicht.

Anlässlich unseres Hochzeitstags haben wir uns gestern endlich einmal wieder ins Kino begeben, d.h. eigentlich waren wir einkaufen, im Kino, lecker essen und sind durch die lauschige, abendliche Stadt geschlendert. Eben alles, was man so macht, wenn man die Kinder nicht dabei hat. Doch zurück zum Film: Da ich das Buch liebe, war es mir auch wichtig, „Ready Player One“ auf der großen Leinwand sehen zu können. Auch wenn die Vorstellung leider nicht im Originalton war, so war die Sichtung dennoch ein echtes Erlebnis…

Ready Player One (2018) | © Warner Home Video

Ready Player One (2018) | © Warner Home Video

„Going outside is highly overrated.“

Ich war schon vor meiner Sichtung des Films gewarnt, dass er sich in vielen Dingen vom Buch unterscheidet. Wenn ihr mehr dazu wissen wollt, kann ich euch den Artikel „Warum Ready Player One wunderbar und grauenvoll zugleich ist“ von Thilo vom Nerd-Wiki ans Herz legen, in dem er viele Abweichungen aufzählt. Ich ging also nicht unvorbereitet in den Film – und ja, auch ich hätte lieber die Schlüssel-Quests aus Ernest Clines Romanvorlange in der Verfilmung von „Ready Player One“ gesehen. Immerhin hatte ich mich vorbereitet und mit „WarGames: Kriegsspiele“ einen der zentralen Bezugspunkte der Vorlage nachgeholt. Dennoch muss ich zugeben, dass auch „The Shining“ als interaktiver Film in The OASIS wunderbar funktioniert. Schmerzhafter ist da schon die erste große Action-Szene: ein vollgestopftes Autorennen, das zwar atemberaubend inszeniert ist, jedoch letztendlich auch ziemlich austauschbar bleibt. Hier hätte ich lieber eine behutsamere Annäherung an The OASIS gesehen. Unterhalten wurde ich davon dennoch famos.

Überhaupt ist „Ready Player One“ gespickt von unterhaltsamen Elementen, die jedoch oft das Gefühl vermitteln, dass man Themen und Referenzen auf den kleinsten gemeinsamen Nenner für das Kinopublikum runtergebrochen hat. Häufig lässt das Drehbuch die Akteure Anspielungen noch dreimal wiederholen, bis auch der letzte Zuschauer sie einordnen kann. Das ist zwar einerseits verständlich, andererseits aber auch extrem schade, zumal das detektivische Nachforschen in James Hallidays Vergangenheit, und somit in der Popkultur der 80er, im Film nur einen Bruchteil ausmacht. Hier hätte ich mir oftmals einen anderen Fokus gewünscht, doch da spricht eindeutig der Kenner der Vorlage aus mir, denn isoliert betrachtet macht Steven Spielbergs Adaption nahezu alles richtig und vergeht wie im Flug. Am Ende dachte ich mir: Das sollen 140 Minuten gewesen sein? Ich will zurück in The OASIS!

„The farther I went, the more confident I became.“

So hin- und hergerissen ich aufgrund so mancher Änderung in der Handlung auch bin, so begeistert war ich von der formalen Umsetzung: The Stacks sahen genauso aus, wie ich sie mir vorgestellt hatte. The OASIS ist eine großartig gestaltete virtuelle Welt, die genau zum richtigen Maß künstlich wirkt. Ja, man fühlt sich wie in einem Videospiel und eben auch nicht. Diese Gratwanderung zwischen Glaubwürdigkeit – nach unserem heutigen, technischen Verständnis – und völlig abgefahrenen Sci-Fi-Elementen haben Spielberg und sein Team perfekt getroffen. Dies spiegelt sich auch gerade im Charakterdesign der Avatare wider, die zwar künstlich wirken, aber doch die gesamte Bandbreite an Emotionen darstellen können und somit zu echten Persönlichkeiten werden. Nimmt man noch Alan Silvestris Score dazu, der nicht von ungefähr an „Zurück in die Zukunft“ erinnert, dann steht einer Rückkehr in die virtuellen 80er Jahre nichts mehr im Wege.

Mit zunehmender Laufzeit hatte ich mich auch an die Abweichungen von der Vorlage gewöhnt und konnte den Film als alternative Version genießen. Dies hat auch im letzten, größtenteils in der Realität spielenden, Drittel ausgezeichnet funktioniert, was auch an den passend gewählten Schauspielern (u.a. Simon Pegg) liegt. Gerade das sehr reduzierte und überhaupt nicht mehr bombastische Finale zwischen Wade und Halliday fand ich sehr gelungen. Hier hat man verschiedene Elemente der Vorlage genommen und auf die Essenz reduziert. Natürlich hätte ich gerne mehr vom virtuellen Abbild von Hallidays perfektem Tag in den 80ern in The OASIS gesehen, doch das Gefühl und der Kern sind geblieben. Und letztendlich ist es ja das, was eine gelungene Adaption ausmacht.

Fazit

Auch wenn „Ready Player One“ seiner Vorlage nicht das Wasser reichen kann, und ich mit einigen Entscheidungen nicht zufrieden bin, so mochte ich Spielbergs Version doch sehr. Sie transportiert das Gefühl von The OASIS perfekt auf die Leinwand und schafft es, den Kern der Figuren zu treffen. Dennoch komme ich nicht umhin, den Vergleich zur großartigen Vorlage zu ziehen, die in nahezu allen Belangen besser funktioniert. Letztendlich werde ich beiden Versionen jedoch gerne wieder einen Besuch abstatten und mich an dieser großen, bunten Welt erfreuen: 8/10 Punkte.

Sieben Minuten nach Mitternacht – OT: A Monster Calls (2016)

Heute war ein wenig erfreulicher, fordernder und emotional anstrengender Tag. Typisch Freitag, der 13. könnte man meinen. Da die Stimmung ohnehin schon ziemlich im Keller war, konnte ich mich auch gleich „Sieben Minuten nach Mitternacht“ stellen, der ohnehin schon viel zu lange ungesehen im Regal stand. Meine Frau hat das Buch gelesen und ich habe schon einige positive Stimmen zu den Film gehört. Dennoch hatte ich mich aufgrund der Thematik lange nicht an die Geschichte herangewagt…

Sieben Minuten nach Mitternacht (2016) | © STUDIOCANAL

Sieben Minuten nach Mitternacht (2016) | © STUDIOCANAL

Der personifizierte Schmerz des Abschieds

In den letzten Jahren haben sich Sterbedramen als beinahe schon eigenes Genre etabliert. Oft in Kombination mit einer tragischen Liebesgeschichte, ziehen diese Filme Zuschauer in Scharen in die Kinos. Für mich unverständlich. Auch wenn ich recht nah am Wasser gebaut bin, wenn es um Filme geht, mache ich normalerweise einen großen Bogen um Geschichten dieser Art. Vielleicht weil ich selbst schon zweimal Abschied von mir nahestehenden Menschen nehmen musste. Wieso sich also Filme anschauen, die einzig und allein Krankheit, Schmerz und Tod zum Thema haben? Bei „A Monster Calls“ haben mich jedoch sowohl der Fantasy- als auch der Coming-of-Age-Aspekt gereizt. Dennoch war mir von Anfang an klar, dass es keine einfache Sichtung werden würde – und ich sollte recht behalten…

Den jungen Conor (großartig gespielt von Lewis MacDougall) dabei zu begleiten, wie er den Abschied von seiner sterbenden Mutter verarbeitet, ist mir tatsächlich nicht leicht gefallen. Zu oft musste ich daran denken, was meine Kinder in einem ähnlichen Fall durchzumachen hätten. Keine schönen Gedanken. Die Geschichte nähert sich dem Thema behutsam und das titelgebende Monster als Allegorie für Conors Schmerz ist ein wunderbarer erzählerischer Kniff. Zunächst hatte ich die Befürchtung, dass die Geschichte unter den großen Effekten leiden könnte, doch das CGI fügt sich nahtlos in die Handlung ein und lässt den Figuren genügend Luft zum Atmen. Neben Lewis MacDougal wissen Felicity Jones als sterbende Mutter und Sigourney Weaver als Großmutter des Jungen zu überzeugen.

Fazit

Regisseur Juan Antonio Bayona (u.a. „The Impossible“) setzt die ergreifende Geschichte in starken Bildern um. Selbst die eingeschobenen Märchen wissen aufgrund ihres besonderen Animationsstils zu überzeugen. Trotz der Effekte werden mir jedoch vor allem die zwischenmenschlichen Szenen in Erinnerung bleiben – und am Ende sind, wie zu erwarten, die Tränen geflossen. Ein starker und ergreifender Film, den ich allerdings so schnell nicht mehr anschauen werde – und das ist durchaus als Kompliment zu verstehen: 8/10 Punkte.

Duell – OT: Duel (1971)

Ein Freund hat mir kürzlich einen Link zu einem Interview, das Edgar Wright mit Steven Spielberg über dessen Film „Duell“ geführt hat, geschickt. Das fand ich so inspirierend, dass ich mir „Duell“ baldmöglichst selbst noch einmal anschauen wollte. Heute war es dann endlich soweit…

Duell (1971) | © Universal Pictures Germany GmbH

Duell (1971) | © Universal Pictures Germany GmbH

Der erste Geniestreich von Steven Spielberg

Mit „Duell“ verbinde ich einiges. Es war der erste Film, den ich damals in der Videoschnitt-Vorlesung meines Studiums detailliert analysieren durfte. Leider befinden sich die Texte von damals auf irgendeiner gut versteckten externen Festplatte, sonst hätte ich sie wunderbar für diese Besprechung verwenden können. Macht aber nichts, denn das intensive Erlebnis wirkt auch ohne Aufzeichnungen bis heute nach. Den Film habe ich damals vor ca. 14 Jahren (OMG!) entsprechend häufig gesehen. Nun stand also erneut eine Begegnung an. Und was soll ich sagen? Ich bin immer noch erstaunt, wie unglaublich modern „Duell“ teilweise inszeniert ist. Man spürt förmlich die Energie, die der 25-jährige Steven Spielberg in den Film gesteckt hat. Und das trotz oder gerade wegen der begrenzten Mittel einer TV-Produktion. Später hat Universal das Potenzial des Films erkannt und eine um 15 Minuten erweiterte Fassung (die wir heute auch nur allzu gut kennen) ins Kino gebracht.

Warum funktioniert „Duell“ so gut? Er ist völlig schnörkellos inszeniert. Das titelgebende Duell macht die gesamte Handlung aus. Man wird mit David Mann (Dennis Weaver) in eine Situation geworfen, die einerseits unglaublich erscheint, andererseits aber auch nah an der Lebensrealität dran ist. Idioten im Straßenverkehr kennt schließlich jeder. Der besondere Kniff ist, dass der Gegner nur als monströser Truck in Erscheinung tritt. Dieser wird stets in Untersicht gezeigt, er wirkt organisch und scheint ein eigenes Leben zu besitzen. Der Fahrer tritt nie in Erscheinung, was die absolut richtige Entscheidung war. Der Wahnsinn, der David befällt, wird ebenso greifbar gemacht und man wähnt sich in so mancher Szene fast schon in einem Hitchcock-Film. Einzig das Voice-over Davids wirkt teils ein wenig befremdlich.

Fazit

Mit seinem ersten, heute noch greifbaren Film ist Steven Spielberg sogleich ein Meilenstein gelungen, ohne den es Filme wie „Breakdown“, „Jeepers Creepers“ oder „Joyride“ nicht gegeben hätte. Die dichte Atmosphäre und die auf den Punkt inszenierte Bedrohung braucht selbst 47 Jahre nach Veröffentlichung keinen Vergleich zu anderen Genre-Klassikern zu scheuen. „Der Weiße Hai“ war vier Jahre später nur der nächste, konsequente Schritt. Immer noch großartig: 9/10 Punkte.

Sons of Anarchy – Season 3

Gerade mal eine gute Woche ist seit meiner Besprechung der zweiten Staffel dieser Serie vergangen und schon steht der Artikel zu „Sons of Anarchy – Season 3“ an. Über die Osterfeiertage war abends ein Ausgleich zur turbulenten Eiersuche nötig, weshalb ein Rückzug nach Charming stets das perfekte Gegenprogramm war. Ob mich der MC rund um Jax, Clay, Gemma und Co. auch im dritten Jahr zu unterhalten wusste, erfahrt ihr in der folgenden Besprechung…

Sons of Anarchy – Season 3 | © Twentieth Century Fox

Sons of Anarchy – Season 3 | © Twentieth Century Fox

SAMCRO Goes Ireland

Der Cliffhanger am Ende der zweiten Staffel beeinflusst die gesamte weiter Handlung des dritten Jahres. Das fand ich durchaus beeindruckend, da man es ja häufig erlebt, dass solche Handlungselemente bereits während der ersten Episode aufgelöst werden und der Status quo somit schnell wieder hergestellt ist. „Sons of Anarchy“ geht anders damit um und steigt tief in die Historie des Motorradclubs ab. Die Verbindung zur IRA wird zum Thema der Staffel, was in einem Handlungsstrang gipfelt, in dem SAMCRO nach Belfast fliegt und sich in einer feindlichen Umgebung zwischen Verrätern, einem fremden Krieg und unerwarteten Begegnungen wiederfindet. Zunächst war ich von dieser neuen Ausrichtung nicht sonderlich angetan, speziell da die Vorbereitungen zur Reise doch eher träge und mühsam sind. Am Ende zahlt sich die Erweiterung der Welt der Sons jedoch aus und man bekommt ein noch besseres Gefühl dafür, was es für Jax und Co. bedeutet im Spannungsfeld des MC zu leben.

Auch in Charming gibt es einige Veränderungen: Wir erfahren mehr über Gemmas Hintergrund, begrüßen neue Anwärter und Mitglieder (u.a. Kenny Johnson, bekannt als Lem aus „The Shield“) und steigen tiefer in den Konflikt zwischen Mayans und SAMCRO ein. Überhaupt ist die Staffel auch abseits der Irland-Geschichte wieder vollgepackt mit Erzählsträngen. Langweilig wird es für die Charaktere und uns Zuschauer keinesfalls. Zum Durchschnaufen bleibt somit immer weniger Zeit und dennoch schaffen es die Autoren rund um Kurt Sutter, dass die Figuren noch besser ausgearbeitet und eben zu echten Charakteren werden. Auch wenn man mit ihnen nicht gerade zimperlich umspringt, doch darin liegt irgendwo ja auch der perfide Reiz der Serie. Gerade die letzte Szene ist ein weiterer Schlag in die Magengrube und setzt wunderbar den Ton für die kommenden Staffeln.

Fazit

Auch wenn ich zu Beginn der Staffel eher skeptisch war, so bin ich am Ende umso begeisterter, wie sich der Irland-Handlungsstrang entwickelt hat. Das überraschende Ende war beinahe schon übertrieben positiv für SAMCRO (wenn auch weniger für alle anderen) und löst etliche schon länger laufende Erzählstränge gekonnt auf. In der kommenden Staffel erwarte ich mir wieder verstärkt Spannungen zwischen Jax und Clay. Das dürfte extrem interessant werden – ein wenig Angst habe ich vor dieser Entwicklung allerdings auch schon: 9/10 (8.9) Punkte.

Die Häschenschule: Jagd nach dem Goldenen Ei (2017)

Gestern Abend hat es sich spontan ergeben, dass wir einen Film zusammen geschaut haben. Und mit zusammen meine ich: Die ganze Familie hat sich vor dem Fernseher versammelt. Eine Prämiere sozusagen, denn bisher hat unser Zwergofant noch nie einen kompletten Film durchgehalten. Somit hat sich „Die Häschenschule: Jagd nach dem Goldenen Ei“ unerwartet ihren Platz in der persönlichen Filmhistorie unserer Familie gesichert…

Die Häschenschule: Jagd nach dem Goldenen Ei (2017) | © Universum Film GmbH

Die Häschenschule: Jagd nach dem Goldenen Ei (2017) | © Universum Film GmbH

Ein modernisierter Kinderbuchklassiker

Meine Erwartungen an den Film waren eher gering: Ein Film über Osterhasen und dann noch die modernisierte Verfilmung des angestaubten Kinderbuches? Als dann gleich zu Beginn noch eine große Mythologie rund um die Entstehung des Osterfestes samt Goldenem Ei und epischer Fehde zwischen Füchsen und Hasen aufgemacht wurde, hatte ich den Film schon fast abgeschrieben. Dann jedoch verlassen wir das klassische Setting der Häschenschule und Max betritt die Bühne. Ein moderner Hase, der in der Großstadt zu Hause ist. Ihn verschlägt es durch einen dummen Zufall in die Häschenschule und wir bekommen im Folgenden eine Culture-Clash-Komödie präsentiert, die voll und ganz auf die jüngsten Zuschauer zugeschnitten ist.

Wie schon angedeutet, hat unser Zwergofant bisher noch keinen Film durchgehalten. Obwohl er schon fünf Jahre alt ist, hat er alle bisherigen Versuche einen Film zu sehen vorzeitig abgebrochen, da er selbst in den harmlosesten Szenen Angst bekommt, sobald die Musik ein wenig zu dramatisch wird. Auch „Die Häschenschule: Jagd nach dem Goldenen Ei“ stellte ihn vor so manche Herausforderung, doch er war vom restlichen Film so begeistert, dass er immer wieder hinter seinem Kissen hervorgelugt hat. Am Ende konnte er sogar über die dusseligen Füchse lachen und hätte den Film am liebsten gleich noch einmal geschaut. Speziell der coole Max hatte es ihm angetan und noch vor dem Einschlafen erzählte er ausgiebig von der Geschichte und dass er am liebsten auch ein Osterhase wäre. Heute morgen waren bei uns im Haus dann auch tatsächlich zwei Osterhasen unterwegs und haben für uns Eltern 14(!) selbstgebastelte Ostergeschenke versteckt.

Fazit

Auch wenn „Die Häschenschule: Jagd nach dem Goldenen Ei“ für erwachsene Zuschauer zu naiv und klischeehaft erzählt ist und etliche unnötige Fantasy-Elemente beinhaltet, so bietet der Film für jüngere Kinder doch wunderbare Unterhaltung mit einer positiven Botschaft. Der an Cel-Shading erinnernde Look ist einfach, aber passend und trägt die Geschichte dieses deutschen Animationsfilms problemlos. Bei der folgenden Wertung dürfen rein erwachsene Zuschauer zwei Punkte abziehen, für jüngere Kinder dürft ihr jedoch noch einmal drei Punkte draufschlagen: 7/10 Punkte.

Rambo – OT: First Blood (1982)

Heute habe ich eine meiner größten filmischen Lücken geschlossen und endlich „Rambo“ nachgeholt. Der Film besaß bereits während meiner Grundschulzeit einen echten Kultstatus und ich weiß noch heute, dass sich ein paar Klassenkameraden im Pausenhof der zweiten(!) Klasse damals darüber ausgetauscht hatten. Für mich wäre es damals – völlig zurecht – unmöglich gewesen diesen Film zu sehen und irgendwie habe ich es auch danach nicht auf die Reihe bekommen. Heute jedoch war es soweit…

Rambo (1982) | © STUDIOCANAL

Rambo (1982) | © STUDIOCANAL

Eine Figur, die zur Legende wurde

Denkt man heute an Rambo, dann hat man vermutlich eher Szenen aus den drei Fortsetzungen im Kopf. Ähnlich wie bei „Mad Max“, bei dem man auch eher an „The Road Warrior“ denkt, ist „First Blood“ noch ein anderer Film als die actionreicheren Nachfolger. Tatsächlich ist die Geschichte unerwartet ernsthaft und kann in erster Linie als Kritik am Vietnamkrieg bzw. der mangelhaften Eingliederung von Veteranen gesehen werden. Ich war wirklich erstaunt, wie schnell Ted Kotcheff zur Sache kommt und das anfänglich noch friedliche Setting wortwörtlich explodiert. Binnen nur weniger Minuten wird John Rambo in die Mangel genommen und man fühlt sich mit ihm überfordert und kann nicht verstehen, wie die Situation so schnell eskalieren konnte. Selten habe ich einen effizienter erzählten Prolog gesehen.

Während der ersten 70 Minuten bekommt man einen extrem spannenden Überlebenskampf zu sehen, der vor allem durch sein Setting (unwirtliche Natur) und John Rambos Einfallsreichtum überzeugt. Die Action ist hart und dreckig und man nimmt allen beteiligten Personen ab, dass sie eigentlich mit der Situation überfordert sind. In den letzten 20 Minuten kippt der Film dann leider in ein Actionspektakel, das zwar nach wie vor mitreißt, jedoch nicht mehr diese archaische Wucht besitzt, die „First Blood“ zuvor geboten hat. John Rambos Zusammenbruch in der letzten Szene war dann wieder sehr gelungen und hat das eigentliche Thema des Films noch einmal wunderbar auf den Punkt gebracht.

Fazit

Mit „Rambo“ hat Sylvester Stallone neben „Rocky“ (eine weitere meiner filmischen Lücken) völlig zurecht Kinogeschichte geschrieben. Selbst nach 36 Jahren kann der Film immer noch überzeugen. Ich selbst bin nun gespannt, ob die Fortsetzungen für mich ebenfalls noch funktionieren oder nur noch Relikte des 80er-Jahre-Actionkinos sind. Dieser erste Teil der Reihe ist auch heute noch sehenswert: 8/10 Punkte.

Sons of Anarchy – Season 2

War ich bei während meines ersten Besuchs in Charming noch mit genereller Orientierung und dem Kennenlernen der unterschiedlichen Fraktionen beschäftigt, fühlte ich mich in „Sons of Anarchy – Season 2“ schon komplett zu Hause in dieser Serienwelt. Vermutlich hat mich so manche Entwicklung in der Handlung auch deshalb so mitgenommen, was ja ein durchaus positives Zeichen für die Serie ist…

Sons of Anarchy – Season 2 | © Twentieth Century Fox

Sons of Anarchy – Season 2 | © Twentieth Century Fox

Interne Machtkämpfe zerfressen SAMCRO

Die dramatischen Ereignisse am Ende der ersten Staffel beeinflussen den Verlauf des zweiten Jahres und sorgen für beständige Konflikte zwischen Jax und Clay. Hinzu kommt eine neue Bedrohung für den Motorradclub, die sich zusätzlich zum ATF in Charming niederlässt. Schon während der ersten Episode wird es sehr persönlich und unangenehm, was den weiteren Verlauf der Handlung diktiert. Die Ereignisse spitzen sich unweigerlich zu und ich war fast schon überrascht, dass die Konflikte bereits in der elften Episode „Service“ offen angesprochen und gelöst wurden. Die beiden finalen Folgen setzen dann ganz auf die wiedervereinte Kraft von SAMCRO und den Kampf an unzähligen Fronten. Natürlich geht dabei einiges schief und es kommt aufgrund von Charakterschwäche und Missverständnissen zu schmerzhaften Verlusten eigentlich unbeteiligter Personen.

Neben der beständig voranpeitschenden Handlung (es ist wirklich bemerkenswert, wie dicht die Serie erzählt ist), bleibt dennoch genügend Raum für Charakterentwicklung und stille Momente. Etliche Nebenfiguren bekommen mehr Tiefe und die Spannung zwischen Clay und Jax bildet einen wunderbaren Hintergrund, vor dem speziell Gemma zu glänzen weiß. Eine großartige Leistung von Katey Sagal, gerade wenn man ihre klischeehafte Rolle in „Eine schrecklich nette Familie“ im Hinterkopf hat. Sie ist für mich der Star dieser Staffel. Auch für sie hält das Finale aufgrund eines unglücklichen Zufalls so einige Herausforderungen bereit. Ich bin wirklich sehr gespannt, wie die Autoren in Zukunft mit ihr und dieser Situation umgehen werden.

Fazit

Hatte mir bereits die erste Staffel sehr gut gefallen, geht „Sons of Anarchy“ im zweiten Jahr noch ein paar Schritte weiter: Die Handlung wird dramatischer und die Konflikte innerhalb von SAMCRO spitzen sich zu. Familie und Zusammenhalt bleiben auch weiterhin die bestimmenden Motive und es ist diese Mischung, welche die Serie so besonders macht. Ich blicke jetzt schon voll banger Hoffnung auf die nächsten Staffeln und bin mir sicher, dass auch sie eine emotionale Tour-de-Force für mich bereithalten werden: 9/10 (8.8) Punkte.

Passengers (2016)

Zeitumstellung! Die ideale Gelegenheit also, um sich mit einem Raumschiff auf eine 120 Jahre dauernde Reise zu begeben. Somit haben wir auf der Avalon eingecheckt und uns mit „Passengers“ auf die Reise nach Homestead II begeben. Ob sich die lange Reise gelohnt hat, erfahrt ihr in der folgenden Besprechung…

Passengers (2016) | © Sony Pictures Home Entertainment

Passengers (2016) | © Sony Pictures Home Entertainment

Bis zur Unendlichkeit und noch viel weiter!

Morten Tyldums „Passengers“ hat nicht die besten Kritiken bekommen. Als Romanze im All verschrien, waren viele Sci-Fi-Fans wohl ziemlich enttäuscht. Meine Erwartungen waren folglich nicht zu groß und ich habe mir am ehesten schöne 3D-Bilder erhofft. Die bekam ich auch zu sehen, denn der Film sieht wahrlich fantastisch aus! Die Tiefe des Raums ist nahezu greifbar und Schauplätze, wie der Infinity Pool im Weltall, sorgen für so manchen Wow-Effekt. Audiovisuell ist „Passengers“ ein großes Vergnügen, doch die eigentliche Überraschung war, dass er mich auch inhaltlich zu überzeugen wusste.

Vielleicht liegt es daran, dass ich mich mit „The Dark Forest“ und seinem Nachfolger „Death’s End“ zurzeit ausführlich mit Hibernation und Langstreckenflügen unter Lichtgeschwindigkeit auseinandersetze. Die hier aufgemachte Prämisse fand ich somit sofort spannend und erzählenswert. Im Verlauf des Films kommt Drehbuchautor Jon Spaihts mit unzähligen Ideen um die Ecke, aus denen man eigene Filme hätte machen können. Vielleicht wirkt die Geschichte deshalb insgesamt ein wenig unrund und zusammengewürfelt. Für mich hat die Romanze nur einen kleinen Teil ausgemacht und das Drama um Jim Prestons (Chris Pratt) Entscheidung war für mich der Kern des Films. Hier hätte das Skript für mich gerne noch ein wenig mehr in die Tiefe gehen können. Jedoch fand ich die angedeuteten Konsequenzen spannend genug, um mich bei der Stange zu halten – und selbst das Ende konnte mich überzeugen, wenngleich ich Auroras bewusste Entscheidung, nicht mehr in die Hibernation zu gehen, ein wenig plakativ als Geste der Vergebung fand.

Fazit

Was hätte man alles aus der Geschichte machen können? Einen Mystery-Thriller, ein Beziehungsdrama oder einen Sci-Fi-Actionfilm. Letztendlich steckt von alldem alles ein wenig in „Passengers“ – und für mich hat dieser Mix, auch dank des famosen Zusammenspiels von Jennifer Lawrence („The Hunger Games“) und Chris Pratt („Guardians of the Galaxy“), fabelhaft funktioniert. Für mich eine durchwegs positive Überraschung, die zudem tolle Bilder bietet: 8/10 Punkte.

Der Adler der neunten Legion – OT: The Eagle (2011)

Wochenende, Zeit für einen Film. Mit „Der Adler der neunten Legion“ habe ich mich für eine nur allzu bekannte Geschichte entschieden, von der ich mir dieses Mal eine gelungenere Umsetzung erwartete. Ob Kevin Macdonald das liefern konnte, lest ihr in der folgenden Besprechung…

Der Adler der neunten Legion (2011) | © Concorde Video

Der Adler der neunten Legion (2011) | © Concorde Video

Ein Buddy-Movie im zweiten Jahrhundert

Wie bereits erwähnt, basiert „Der Adler der neunten Legion“ auf der gleichen Prämisse wie Neill Marshalls „Centurion“ aus dem Jahr 2010. Marshall hatte einen kleinen, dreckige Actionfilm aus der Geschichte gemacht, während Kevin Macdonald das historische Setting ernster nimmt und deutlich weiter ausholt. So dauert es beinahe eine Stunde, bis sich der Suchtrupp hinter den Hadrianswall (übrigens die Vorlage der Mauer aus „Game of Thrones“) begibt und das Abenteuer beginnt. Im Norden angekommen, wird eine ähnliche Verfolgungsjagd wie in „Centurion“ abgespult, nur ohne jemals deren Intensität zu erreichen. Nett, aber eben auch nicht mehr. Dabei sind die Kampfszenen ähnlich hektisch inszeniert, nur dass sie relativ blutleer bleiben. Und der teils unpassende Buddy-Movie-Aspekt (was sollte denn die letzte Szene?) hat nicht wirklich zum Positiven beigetragen.

Kevin Macdonald hat mit „Sturz ins Leere“, „Der letzte König von Schottland“ und „State of Play“ drei Filme inszeniert, die ich durchaus schätze. Selbst sein lediglich unterhaltsamer U-Boot-Thriller „Black Sea“ konnte mich überzeugen. „Der Adler der neunten Legion“ fällt für mich dagegen in jeder Hinsicht deutlich ab, da er einerseits ziemlich dröge, andererseits aber auch unnötig hektisch wirkt. Letztendlich hatte ich mit Neill Marshalls Variante der Geschichte mehr Spaß.

Fazit

Auch wenn „The Eagle“ ein paar schöne Bilder und durchaus Atmosphäre besitzt, so kommt er über einen bestenfalls durchschnittlichen Eindruck nicht hinweg. Letztendlich hat man das alles schon besser gesehen, was nicht wirklich für den Film spricht. In jeder Hinsicht mittelmäßige Unterhaltung: 5/10 Punkte.