Abschied

Abschied nehmen fällt mir schwer. Loslassen können. Schon seit jeher. Man könnte mich in dieser Hinsicht sogar als sentimental bezeichnen. Mit jeder positiven und negativen Konnotation dieses Begriffs.

Über den Verlauf der vergangenen Woche habe ich von einem der wichtigsten Menschen in meinem Leben Abschied genommen. Endgültigen Abschied. Nun höre ich Dinge, wie „das Leben geht weiter“ oder „für sie war es das Beste“ – als ob ich das nicht wüsste. Mein Verstand sagt mir das auch. Mein Gefühl nicht. Logik kämpft gegen Emotion. Hirn gegen Bauch. Dazwischen nur Unbegreiflichkeit.

Viele Dinge, die mir vor zwei Wochen noch unglaublich wichtig erschienen sind, haben an Bedeutung verloren. So auch das digitale Leben. Ich dachte sogar schon daran das Bloggen aufzugeben. Man hätte die Zeit ja sinnvoller nutzen können. Stattdessen sitze ich hier, schreibe und hoffe dass es mir irgendwie hilft den Schmerz in Worte zu fassen.

Wege zu trauern gibt es viele. Alleine an Zeit mangelt es in der schönen neuen Arbeitswelt. Emotionen bitte nicht zwischen 8:00 und 18:00 Uhr. Die Absurdität einer hochentwickelten Leistungsgesellschaft. Gefangen in einer fast schon schizophren anmutenden Zerreißprobe zwischen Trauer und Alltag.

Abschied. So schwer er mir fällt, so froh bin ich doch, dass dafür noch Zeit war. Danke zu sagen. Für all die schönen Jahre. Für die Liebe. Für das Lachen. Für die Erinnerungen. Die unzähligen Erinnerungen. Der Schmerz wird gehen, aber all das wird bleiben. Für immer.

20 Gedanken zu “Abschied

  1. Ist es nicht eine weitere Plattitüde, dass man sich zur Ablenkung in die Arbeit stürzen soll? Ganz Allgemein fällt’s mir jetzt wirklich schwer irgendwas zu schreiben, was nicht nach „das Leben geht weiter“ klingt. Ich würde es aber gerne tun … wenn schon nicht mit einer passenden Formulierung mittels der Tastatur verkündet, zumindest in Gedanken.

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  2. Was soll ich sagen? Wie Thomas schon sagte: Es fällt schwer nicht etwas zu sagen wie „Das Leben geht weiter“. Doch das tut es. Der geliebte Mensch wird immer in Gedanken und Erinnerungen bei einem sein, auch wenn dies nur ein sehr schwacher Trost ist…

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  3. Mein herzliches Beileid. Das Wichtigste in so einer Situation ist wirklich, dass man Abschied nehmen konnte. Das hilft, die Sache zu verarbeiten.

    Beim Tod meiner Mutter schien es mir, als hätte sie – zu dem Zeitpunkt bereits bewusstlos – erst losgelassen, nachdem ich und mein Bruder uns verabschieden konnten. Laut meiner Tante, die die ganze Zeit über bei ihr war, hat sie erst wenige Minuten, nachdem ich gegangen war, um andere Verwandte zu ihr zu fahren, mit dem Atmen aufgehört. Gibt einem schon zu denken, was im Moment des Todes so passiert.

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  4. Danke für eure Anteilnahme. Danke für eure tröstenden Worte. Ich weiß, dass es schwer ist die richtigen zu finden. Dass es die richtigen wohl nicht gibt. Vielleicht hätte ich die Kommentare für diesen Eintrag auch einfach deaktivieren sollen. Doch das wäre meinem Verständis dieses Blogs zuwidergegangen.

    @Thomas: Die Arbeit hat sich die Woche auf mich gestürzt, was ich einerseits unbegreiflich fand, andererseits habe ich mich tatsächlich etwas in sie geflüchtet. Notgedrungen abgelenkt.

    @Xander: Ja, das Leben geht weiter. Morgen ist die Beerdigung und ich hoffe, dass damit endlich die Zeit kommt, dass ich es wirklich realisiere. Fällt mir im Moment noch sehr schwer.

    @Inishmore: Das was du beschreibst kommt mir sehr bekannt vor. Es war so, als hätte sie gewartet, bis wir uns alle verabschiedet haben. Als wäre es eine bewusste Entscheidung. Auch beim Sterben war sie nicht allein, was uns Hinterbliebenen wirklich viel bedeutet. Ich habe in den letzten Tagen viel über den Tod und das Sterben nachgedacht. Noch kann ich nicht sagen, ob das hauptsächlich tröstende oder nüchterne Gedanken sind.

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  5. Auch von mir mein aufrichtiges Beileid!
    Auch wenn wir uns ja nicht wirklich kennen, fühlt man in einem solchen Moment natürlich trotzdem ein Stück weit mit.

    Es ist nie einfach, einen geliebten Menschen zu verlieren. Aber es ist wirklich tröstlich (für alle Beteiligten), wenn man in den letzten Augenblicken noch zusammensein kann. Zumindest als meine Großmutter und mein Großvater jeweils starben, konnten wir das auch so erleben, wofür wir dankbar waren.

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  6. Mein herzliches Beileid.

    Ich bin nicht gut in solchen Dingen. Ich frage mich immer was ich den Leuten in so einer Situation sagen soll. Es fehlen einem einfach die passenden Worte.

    Ich hoffe dass du genug Zeit hast zu Trauern und zu Verarbeiten.

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  7. @Martin: Danke, ich weiß das Mitgefühl durchaus zu schätzen. Schön auch einmal wieder etwas von dir zu lesen. Bewusst Abschied genommen zu haben hilft in dieser Situation sehr. Das wissen wir aktuell wirklich zu schätzen.

    @DarKesT: Danke, das ist völlig in verständlich. Auch mir fehlen in den letzten Tagen oft die Worte. Dieser Eintrag musste einfach nur raus. Geschrieben werden. Ich habe keinerlei Erwartungen daran.

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  8. Ich muss sagen das ich auch erst nicht wusste was ich schreiben soll, weil es mir wie DarKesT sehr schwer fällt passende tröstende Worte zu finden, vor allem als Außenstehender. Trotzdem möcht ich dir mein herzliches Beileid ausprechen und hoffe das du bald Trost und wieder Freude in deinem Leben findest.

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  9. Danke, morgen habe ich auch endlich frei und kann mich voll und ganz auf die Trauerfeier konzentrieren. Heute Abend sind noch die letzten Vorbereitungen zu treffen. Wenn dieser offizielle Teil vorüber ist, werden wir auch im Kreise der Familie zur Ruhe kommen können.

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  10. Du hast auch mein aufrichtigstes Beileid.
    Ich bin in solchen Situationen immer sehr unbeholfen und kann leider nie das ausdrücken, was ich denke.
    Aber wenn es um das Thema Tod geht, hab ich schon einigen Trost in einem Zitat von Tolkien gefunden (so doof das auch klingen mag).

    „End? No, the journey doesn’t end here. Death is just another path, one that we all must take. The grey rain-curtain of this world rolls back, and all turns to silver glass, and then you see it. … White shores, and beyond, a far green country under a swift sunrise.“

    Ich wünsche euch auf jeden Fall das Beste.

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  11. Danke, wie man mit solchen Situationen umgeht weiß wohl niemand. Es ist die absolute Ausnahmesituation, auch – oder besonders – für alle Beteiligten. Das ist ganz verständlich.

    Das Tolkien-Zitat ist übrigens eines meiner liebsten. Da wurde ich beim Film schon immer ganz wehmütig. Wirklich sehr passend, schön und hoffnungsvoll.

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  13. Danke, inzwischen ist bereits eine Woche vergangen. Kaum zu glauben. Es fällt mir immer noch schwer die Tatsache überhaupt zu realisieren und dennoch hat der Alltag das Leben schon wieder voll im Griff. Zu wünschen ist das wirklich niemandem, wenngleich es der natürliche Lauf der Dinge ist. Paradox.

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