Ready Player One (2018)

Anlässlich unseres Hochzeitstags haben wir uns gestern endlich einmal wieder ins Kino begeben, d.h. eigentlich waren wir einkaufen, im Kino, lecker essen und sind durch die lauschige, abendliche Stadt geschlendert. Eben alles, was man so macht, wenn man die Kinder nicht dabei hat. Doch zurück zum Film: Da ich das Buch liebe, war es mir auch wichtig, „Ready Player One“ auf der großen Leinwand sehen zu können. Auch wenn die Vorstellung leider nicht im Originalton war, so war die Sichtung dennoch ein echtes Erlebnis…

Ready Player One (2018) | © Warner Home Video

Ready Player One (2018) | © Warner Home Video

„Going outside is highly overrated.“

Ich war schon vor meiner Sichtung des Films gewarnt, dass er sich in vielen Dingen vom Buch unterscheidet. Wenn ihr mehr dazu wissen wollt, kann ich euch den Artikel „Warum Ready Player One wunderbar und grauenvoll zugleich ist“ von Thilo vom Nerd-Wiki ans Herz legen, in dem er viele Abweichungen aufzählt. Ich ging also nicht unvorbereitet in den Film – und ja, auch ich hätte lieber die Schlüssel-Quests aus Ernest Clines Romanvorlange in der Verfilmung von „Ready Player One“ gesehen. Immerhin hatte ich mich vorbereitet und mit „WarGames: Kriegsspiele“ einen der zentralen Bezugspunkte der Vorlage nachgeholt. Dennoch muss ich zugeben, dass auch „The Shining“ als interaktiver Film in The OASIS wunderbar funktioniert. Schmerzhafter ist da schon die erste große Action-Szene: ein vollgestopftes Autorennen, das zwar atemberaubend inszeniert ist, jedoch letztendlich auch ziemlich austauschbar bleibt. Hier hätte ich lieber eine behutsamere Annäherung an The OASIS gesehen. Unterhalten wurde ich davon dennoch famos.

Überhaupt ist „Ready Player One“ gespickt von unterhaltsamen Elementen, die jedoch oft das Gefühl vermitteln, dass man Themen und Referenzen auf den kleinsten gemeinsamen Nenner für das Kinopublikum runtergebrochen hat. Häufig lässt das Drehbuch die Akteure Anspielungen noch dreimal wiederholen, bis auch der letzte Zuschauer sie einordnen kann. Das ist zwar einerseits verständlich, andererseits aber auch extrem schade, zumal das detektivische Nachforschen in James Hallidays Vergangenheit, und somit in der Popkultur der 80er, im Film nur einen Bruchteil ausmacht. Hier hätte ich mir oftmals einen anderen Fokus gewünscht, doch da spricht eindeutig der Kenner der Vorlage aus mir, denn isoliert betrachtet macht Steven Spielbergs Adaption nahezu alles richtig und vergeht wie im Flug. Am Ende dachte ich mir: Das sollen 140 Minuten gewesen sein? Ich will zurück in The OASIS!

„The farther I went, the more confident I became.“

So hin- und hergerissen ich aufgrund so mancher Änderung in der Handlung auch bin, so begeistert war ich von der formalen Umsetzung: The Stacks sahen genauso aus, wie ich sie mir vorgestellt hatte. The OASIS ist eine großartig gestaltete virtuelle Welt, die genau zum richtigen Maß künstlich wirkt. Ja, man fühlt sich wie in einem Videospiel und eben auch nicht. Diese Gratwanderung zwischen Glaubwürdigkeit – nach unserem heutigen, technischen Verständnis – und völlig abgefahrenen Sci-Fi-Elementen haben Spielberg und sein Team perfekt getroffen. Dies spiegelt sich auch gerade im Charakterdesign der Avatare wider, die zwar künstlich wirken, aber doch die gesamte Bandbreite an Emotionen darstellen können und somit zu echten Persönlichkeiten werden. Nimmt man noch Alan Silvestris Score dazu, der nicht von ungefähr an „Zurück in die Zukunft“ erinnert, dann steht einer Rückkehr in die virtuellen 80er Jahre nichts mehr im Wege.

Mit zunehmender Laufzeit hatte ich mich auch an die Abweichungen von der Vorlage gewöhnt und konnte den Film als alternative Version genießen. Dies hat auch im letzten, größtenteils in der Realität spielenden, Drittel ausgezeichnet funktioniert, was auch an den passend gewählten Schauspielern (u.a. Simon Pegg) liegt. Gerade das sehr reduzierte und überhaupt nicht mehr bombastische Finale zwischen Wade und Halliday fand ich sehr gelungen. Hier hat man verschiedene Elemente der Vorlage genommen und auf die Essenz reduziert. Natürlich hätte ich gerne mehr vom virtuellen Abbild von Hallidays perfektem Tag in den 80ern in The OASIS gesehen, doch das Gefühl und der Kern sind geblieben. Und letztendlich ist es ja das, was eine gelungene Adaption ausmacht.

Fazit

Auch wenn „Ready Player One“ seiner Vorlage nicht das Wasser reichen kann, und ich mit einigen Entscheidungen nicht zufrieden bin, so mochte ich Spielbergs Version doch sehr. Sie transportiert das Gefühl von The OASIS perfekt auf die Leinwand und schafft es, den Kern der Figuren zu treffen. Dennoch komme ich nicht umhin, den Vergleich zur großartigen Vorlage zu ziehen, die in nahezu allen Belangen besser funktioniert. Letztendlich werde ich beiden Versionen jedoch gerne wieder einen Besuch abstatten und mich an dieser großen, bunten Welt erfreuen: 8/10 Punkte.

31 Gedanken zu “Ready Player One (2018)

  1. Ich habe das Buch nicht gelesen (shame, Shame, SHAME!!), fand bei der Verfilmung aber den Mittelteil mit der „The Shining“-Referenz mit Abstand am besten. Ansonsten sind mir einige Ungereimtheiten nachgegangen (keiner kommt in all den Jahren darauf, beim Autorennen mal rückwärts zu fahren, das letzte Easter Egg wird nicht in dem Spiel gesucht, in dem das erste Easter Egg überhaupt gefunden werden konnte) und außer Simon Pegg haben mir eigentlich keine Schauspieler richtig gut gefallen. Vor allem der Bösewicht war mir zu eindimensional. Vielleicht lese ich mich mal in die Vorlage rein, um mich an den „nerdigeren“ Referenzen zu erfreuen.

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    • Ja, der Mittelteil bzw. das zweite Quest war definitiv das stärkste und auch am nächsten am Buch dran, selbst wenn es ein anderer Film war. Das Autorennen war zwar toll inszeniert, inhaltlich aber ein Schwachpunkt. Der Bösewicht bekommt im Buch auch nicht viel mehr Profil, doch IOI ist insgesamt viel böser. Ich prophezeie, dass du mit der Vorlage mehr Spaß haben wirst, als mit dem Film.

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  3. Ich habe das alles leider etwas negativer gesehen, obwohl ich am Ende auf der fast selben Punktzahl gelandet bin. Für mich war es perfektes Popkornkino – mehr aber auch nicht. Gerade die Story ist furchtbar austauschbar (Böse Firma, dystopische Welt…). Ich habe das Buch nicht gelesen, also kann es sein, dass die Story für den Film „vereinfacht“ wurde.

    Für mich hat der Mittelteil alles rausgeholt. Eigentlich hatte ich mich schon mit einem netten Film mit unzähligen Popkultur-Referenzen angefreundet. Mit so einer großen Hommage von Spielberg an Kubrick hätte ich nicht gerechnet. Man muss ja bedenken, dass die Zielgruppe „Shining“ noch nie gesehen hat.

    Am Ende kann man ihm seinen Unterhaltungswert und Liebe zum Detail nicht abstreiten, aber ich hatte mir trotzdem etwas mehr von der Dystopie-Vortellung und der Story erwartet. Vielleicht gibt es ja noch einen zweiten Teil 😀

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    • Im Buch geht es vieeeel mehr um die Welt, eben The OASIS, und die Bedeutung von 80er-Jahre-Popkultur in dieser. Das kommt im Film nicht komplett raus.

      Was die Zielgruppe ist, das ist tatsächlich die Frage: Das Buch richtet sich ziemlich deutlich an Kinder der 80er, sprich meine Generation. Der Film verwässert das ein wenig. Im Buch ist das zweite Quest auch nicht „Shining“, sondern „WarGames“, der heute jedoch bestimmt noch unbekannter bei den jüngeren Zuschauern ist.

      Ein zweiter Teil ist evtl. geplant. Zumindest habe ich das irgendwo in einem Interview mit Ernest Cline gelesen. Mal sehen, ob das noch funktionieren kann.

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      • Ich hatte eher an die Außenwelt gedacht. Die Oasis ist toll, keine Frage. Aber von der Zukunftsvision gab es nur eine böse Firma und arme Menschen zu sehen. Das hat man irgendwie schon zu oft gesehen…

        Ich könnte mir vorstellen, dass sie nach einem Ersatz für Wargames gesucht haben (das kennt nun wirklich kaum noch jemand :D) und Spielberg hat dann an seinem alten Kumpel Kubrick gedacht. Mich verwundet aber, dass das Studio nicht eine richtig große Marke wie Ghostbusters o.ä. verwendet hat. Bei solchen Kleinigkeiten glaub ich daran, dass in diesem Film Herzblut gesteckt wurde und Spielberg das nicht einfach als Auftragsarbeit angesehen hat.

        Er schreibt wohl zumindest an einem zweiten Teil. Ob der finanzielle Erfolg des Films so groß wird, bleibt aber abzuwarten.

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      • Ich finde die Zukunftsvision, so auf die Spitze getrieben, durchaus passend. Gerade wenn man sich die Entwicklung der Tech-Giganten schon heute anschaut. Hat für mich gepasst, wenn es auch nicht sonderlich subtil war.

        Ich fand die Verwendung von „Shining“ auch gut, wenngleich ein Film von John Hughes irgendwie passender gewesen wäre. Manchmal hatte ich auch den Eindruck ein paar Referenzen sind aufgrund von Rechteproblemen rausgefallen bzw. wurden forciert, weil das Franchise eben zu Warner gehört.

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      • Naja, viele große Figuren wie „The Iron Giant“ liegen ja ohnehin bei Warner und das Spielberg auch bei „Zurück in die Zukunft“ beteiligt war, konnte man sich auch dort bestimmt einigen. Für viele kleinere Franchises war es bestimmt gute Werbung, insofern kann ich eh nicht verstehen, wie man als Rechteinhaber dagegen sein kann, dass seine Marke hier auftaucht… 😉

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      • Naja es hätte ja sein können, dass der Film komplett zerrissen wird überall. Damit will man als Marke dann vielleicht nix zu tun haben. Außerdem ist Warner bestimmt nicht so begeistert, wenn Marken auftauchen die im Konkurrenzkampf zu den eigenen stehen.
        Also Hut ab vor denjenigen, die die ganzen Rechte prüfen mussten 😀

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      • Naja, so erfoglreich ist er nicht. Der Film wird wohl sein Budget wieder einspielen, aber Warner wird da wohl mit mehr gerechnet habe. Es gibt wohl kein Franchise mit 10 Filmen und 3 Spin offs. Schade 😀

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      • Was? Du willst kein großes Franchise? Kann ich gar nicht verstehen. So etwas läuft doch immer gut 😀

        Aber mal im Ernst: Der Film ist für mich gutes Popcorn-Kino und deshalb wird er wohl auch bestimmt in vielen (digitalen) Regalen liegen und ich gönne ihn auch jeden Erfolg. Und Potzenzial nach oben ist ja eigentlich immer 😀

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  4. Ich kenne das Buch zwar nicht und habe den Film bei meiner letztjährigen Kinojahr-Zusammenfassung als einen Film genannt, der mir Angst macht, aber die Sorgen waren echt umsonst. Einige Referenzen habe selbst ich gecheckt (deshalb hatte ich Angst) und die CGI-Orgie war genau richtig (davor hatte ich auch Angst). Der Film hat mich erstaunlich gut unterhalten, auch wenn das letzte Drittel unnötig lang war.

    Hier meine Kritik: http://adoringaudience.de/ready-player-one-ov-3d-da-2018/

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    • Freut mich, dass der Film auch bei dir gut angekommen ist. Ich finde ja, dass sich der Film gerade in den Kampfszenen bzw. der Rennszene ein wenig gezogen hat und hätte gerne mehr von der ruhigeren Seite der OASIS gesehen bzw. mochte auch die Sequenzen gegen Ende, in der Wade auf Halliday getroffen ist.

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