Escobar: Paradise Lost (2014)

Nach einem erfolgreichen Tag, stand heute Abend natürlich ein Film auf dem Programm. In den Player wanderte „Escobar: Paradise Lost“, der schon länger ungesehen im Regal stand. Ob sich der Blick auf Pablo Escobars Leben aus einer ungewohnten Perspektive lohnt, lest ihr in der folgenden Besprechung…

Escobar: Paradise Lost (2014) | © Alive Vertrieb und Marketing

Escobar: Paradise Lost (2014) | © Alive Vertrieb und Marketing

Liebe macht blind – Der Film

Zunächst einmal fällt die nicht chronologische Erzählweise auf. Das ist an sich kein besonders ungewöhnlicher Kniff, doch ist es Regisseur Andrea Di Stefano nicht immer gelungen, die Zeitebenen klar zu definieren. Das liegt vermutlich auch an der ungewohnten Montage, bei der Schwarzblenden häufig recht unmotiviert wie harte Schnitte eingesetzt werden. Für manche mag das kunstvoll wirken, mich hat es öfter aus dem Film geworfen. Wenn wir schon bei den formalen Aspekten sind, bleibt zu erwähnen, dass die Schauplätze in schönen Bildern eingefangen werden. Man bekommt ein gutes Gefühl für örtliche Zusammenhänge und die Stimmung im Land. Wirklich schön. Der Score dagegen erschien mir ziemlich aufdringlich.

Inhaltlich ist der Film ähnlich unrund, wie in seiner Inszenierung. Die Liebesgeschichte überwiegt und Pablo Escobar verkommt fast schon zum reinen Setting. Eigentlich ein interessanter Ansatz, doch spielt Benicio Del Toro den Drogenbaron so großartig und charismatisch, dass ich gerne mehr von ihm gesehen hätte. Die eigentliche, von Josh  Hutcherson gespielte, Hauptfigur Nick wird dagegen so naiv gezeichnet, dass dies trotz seiner Verliebtheit zu Pablo Escobars Nichte fast ein wenig unglaubwürdig wirkt. Dennoch wusste mich der Film, als Nick endlich aufwacht, wirklich zu packen. Das Finale ist spannend inszeniert und bleibt ganz am Ende wunderbar bittersüß. Aber eben auch unspektakulär und vorhersehbar. Überraschungen sollte man somit auch lieber nicht erwarten.

Fazit

Insgesamt war „Escobar: Paradise Lost“ ein nett anzusehender und durchaus spannender Film, dem ein wenig mehr Fokus auf seine Stärken gut getan hätte. Diese besitzt der Genre-Mix nämlich durchaus. So bleibt am Ende jedoch das Gefühl, einen nur ganz netten Film mit einem herausragenden Benicio Del Toro und ein paar spannenden Einzelszenen gesehen zu haben: 6/10 Punkte.

Asterix erobert Rom – OT: Les Douze Travaux d’Astérix (1976)

Heute war es einmal wieder soweit: Wir haben den Kindern versprochen, einen Film mit ihnen zu sehen. Die Wahl ist natürlich auf „Asterix erobert Rom“ gefallen, dem nächsten Film in der bei uns zuletzt äußerst beliebten Reihe. Auch ich habe mich sehr darauf gefreut, ist es doch der Asterix-Film, den ich als Kind am meisten geliebt habe…

Asterix erobert Rom (1976) | © STUDIOCANAL

Asterix erobert Rom (1976) | © STUDIOCANAL

Auf der Suche nach Passierschein A38

Seit dem Vorgänger „Asterix und Kleopatra“ sind acht Jahre vergangen und diesen Sprung sieht man auch am Stil und in der Technik. Die Figuren ähneln deutlich mehr den Charakteren der Comics, was hier umso erstaunlicher ist, besitzt „Asterix erobert Rom“ doch keine Vorlage, sondern ist eine extra für den Film geschriebene Geschichte. Gerade in der Blu-ray-Fassung kann man die handgezeichneten Elemente eindeutig identifizieren, was ein wenig angestaubt wirken mag, für mich aber unglaublich viel Charme ausdrückt. Auch mit Effekten wird nicht gegeizt und gerade die Szenen in der Höhle der Bestie sind herrlich experimentell und wirken fast schon psychedelisch.

Die größte popkulturelle Wirkung hatte wohl die achte Aufgabe, in der Asterix und Obelix Passierschein A 38 aus dem Haus, das Verrückte macht besorgen müssen. Eine wahrlich herrliche Sequenz, die immer noch perfekt funktioniert. Doch auch die anderen Aufgaben mag ich nach wie vor sehr gerne. Der Film wirkt durch diese Aufteilung zwar ein wenig episodisch, doch ich mochte als Kind gerade die Vielfalt und den Abenteuercharakter, den „Asterix erobert Rom“ dadurch besitzt. Tatsächlich konnte ich heute noch viele Dialoge mitsprechen und auch die Kids hatten viel Spaß mit diesem Abenteuer von Asterix und Obelix.

Fazit

Auch heute noch bin ich begeistert vom Ideenreichtum der Autoren und der wunderbar fantasievollen Umsetzung. Der Humor funktioniert noch immer und ist teils herrlich subversiv, was ein Grundelement der Comics ist, welches perfekt in diese extra für das Kino geschriebene Geschichte transportiert wurde. Damals zweifellos mein Lieblingsfilm der Reihe, was sich mit dieser Sichtung bestätigt hat: 9/10 Punkte.

The Marvelous Mrs. Maisel – Season 1

Wieder einmal war ich auf der Suche nach einer neuen Serie. Zwar stehen im Regal noch ein paar größere Brocken, doch wollte ich mich momentan nicht über mehrere Staffeln an eine Serie binden. Da ich kürzlich von „Tom Clancy’s Jack Ryan“ positiv überrascht wurde, ist die Wahl mit „The Marvelous Mrs. Maisel – Season 1“ auf eine weitere Amazon-Produktion gefallen. Für mich ein wahrer Glücksgriff, denn die Serie sticht nahezu alles aus, was ich in letzter Zeit gesehen haben…

The Marvelous Mrs. Maisel – Season 1 | © Amazon Prime Video

The Marvelous Mrs. Maisel – Season 1 | © Amazon Prime Video

Ein neuer Hit der „Gilmore Girls“-Autorin

Die Serie ist mir schon öfter untergekommen und speziell die Tatsache, dass sich Amy Sherman-Palladino dafür verantwortlich zeichnet, hat mich neugierig gemacht. Die kürzliche Besprechung im Sneakpod war dann der endgültige Auslöser, auch wirklich einmal reinzuschauen. Und was soll ich sagen? Ich bin so begeistert wie schon lange nicht mehr. Selbst das gehypte und erst kürzlich geschaute „Westworld“ oder die positive Überraschung „Jack Ryan“ können damit nicht mithalten. Natürlich ist ein Vergleich über Genres hinweg schwierig, doch liest man von den anderen aktuellen Serien so viel und von „The Marvelous Mrs. Maisel“ verhältnismäßig wenig. Dabei ist es solch eine moderne, relevante und verdammt unterhaltsame Serie, dass ich nicht genug lobende Worte über sie verlieren kann.

Die Serie behandelt viele Themen: Man kann sie als klassische Aufstiegsgeschichte im Comedy-Bereich lesen, als Emanzipationsdrama, als jüdische Familiengeschichte oder als Komödie. Es steckt unglaublich viel in „The Marvelous Mrs. Maisel“ und doch sind es am Ende die Charaktere und die Dialoge, welche die Serie so besonders machen. Auch der Stil Amy Sherman-Palladinos ist unverkennbar, wenngleich die Serie in ihren Themen und auch der Inszenierung noch einmal drei Stufen erwachsener wirkt als z.B. „Gilmore Girls“. Hinzu kommen die fantastischen Schauspieler: Angefangen bei Rachel Brosnahan als titelgebende Comedienne Midge Maisel über Alex Borstein als Comedy-Club-Managerin Susie Myerson bis hin zu Tony Shalhoub als Midges Vater – die Besetzung ist einfach großartig!

Ich liebe auch die Inszenierung der 1950er Jahre, die mit Leichtigkeit mit der famosen Darstellung aus „Mad Men“ mithalten kann. Es gibt wunderbare Montagen, die mit zeitgenössischer Musik unterlegt werden und man hat das Gefühl, einer lebhaften Zeit des Umbruchs beizuwohnen. Natürlich bewegen wir uns stets in einer Upper-Class-Welt, was stets selbstironisch aufgenommen wird und einen schönen Kontrast zu den wunderbar modern wirkenden Stand-up-Einlagen bildet. Als einzigen Kritikpunkt würde ich die nahezu komplett fehlende Charakterisierung der Beziehung zwischen Midge und ihren Kindern sehen. Diese wirken stets nur wie Kulisse. Aber vielleicht ist das auch Absicht und entspricht der portraitierten Gesellschaft.

Fazit

Auch wenn ich schon vermutet hatte, dass mir „The Marvelous Mrs. Maisel“ gefallen wird, so hätte ich doch nicht damit gerechnet, wie großartig die Serie tatsächlich ist. Die acht Episoden vergehen wie im Flug und ich hätte am liebsten noch viel mehr Zeit mit Midge, Susie und Co. verbracht. Die Serie wurde jedoch bereits um mindestens zwei Staffeln verlängert, worüber ich mich sehr freue. Solltet ihr dieses Jahr nur eine neue Serie schauen, dann gebt dieser hier eine Chance, auch wenn sie oft unter dem Radar läuft. Einfach nur großartig: 10/10 (9.5) Punkte.

Prädikat: Lieblingsserie

Asterix und Kleopatra – OT: Astérix et Cléopâtre (1968)

Ein volles Wochenende samt Geburtstagsfeier liegt vor uns. Frau bullion hat die Gelegenheit genutzt und sich davor noch einen Abend abgesetzt. Für den Rest der Familie bedeutet das natürlich einen weiteren Filmabend. Somit sind wir recht zeitnah in den Genuss von „Asterix und Kleopatra“ gekommen, worüber sich alle verbliebenen Zuschauer sehr gefreut haben…

Asterix und Kleopatra (1968) | © STUDIOCANAL

Asterix und Kleopatra (1968) | © STUDIOCANAL

Endlich ein filmgewordener Asterix-Comic

Es ist fast schon unglaublich, was für einen Qualitätssprung die Reihe seit „Asterix der Gallier“ gemacht hat. Seit diesem ersten Film war nur ein Jahr vergangen und doch fängt die, inzwischen auch schon 50 Jahre alte, Fortsetzung die Comic-Vorlage so viel besser ein. Angefangen beim Zeichenstil und dem Timing der Animationen, bis hin den typischen Elementen der Comic-Reihe: Hier stimmt einfach alles bzw. schon deutlich mehr, als noch beim ersten Film. Auch die Kinder haben bei „Asterix und Kleopatra“ deutlich mehr laut gelacht, was letztendlich auch mich stärker mitgerissen hat.

Ich konnte mich aus meiner eigenen Kindheit noch an viele Szene erinnern und besonders die Songs waren mir noch im Ohr. Wenn ich aus heutiger Sicht die Handlung betrachte, so fällt die stetige Überlegenheit und Unbesiegbarkeit der Gallier natürlich stark auf. Als Kind hat mich das nicht gestört und tatsächlich wird dieses Element gar wunderbar offensiv und mit viel Humor erzählt (z.B. der wiederholte Angriff auf die Piraten). Dies macht wohl auch viel vom Charme der Reihe aus und erinnert mich inzwischen etwas an die Dynamik in Bud-Spencer- und Terence-Hill-Filmen.

Fazit

Wir drei hatten wirklich enorm viel Spaß mit „Asterix und Kleopatra“. Die Kinder waren danach total aufgedreht und hätten am liebsten schon den nächsten Teil eingelegt. Doch, wie schon erwähnt, steht uns ein anstrengendes Wochenende bevor. Den nächsten Teil („Asterix erobert Rom“) habe ich als den stärksten in Erinnerung und freue mich deshalb schon sehr auf unseren nächsten Filmabend: 8/10 Punkte.

Fortress: Die Festung (1992)

Heute habe ich den achten Film innerhalb meines Urlaubs gesehen. Fast jeden Tag einer. So einen Lauf hatte ich schon lange nicht mehr und es steigert die Chancen enorm, bis Ende Dezember noch auf Vorjahresniveau (d.h. mindestens 75 Filme) zu kommen. Heute ist die Wahl auf „Fortress: Die Festung“ gefallen, den ich damit vermutlich zum ersten Mal in der ungeschnittenen Fassung gesehen habe…

Fortress: Die Festung (1992) | © Koch Media GmbH

Fortress: Die Festung (1992) | © Koch Media GmbH

„Die Verurteilten“ in der Donald-Trump-Ära

„Fortress: Die Festung“ ist einer der Filme, die ich während meiner Zivildienst-Zeit entdeckt habe. Damals hatte ich oft Schichten bis 22 Uhr, bin danach meist noch auf ein paar Bier in den örtlichen Kneipen versackt und war dann meist kurz nach Mitternacht zu Hause, wo ich mir noch einen Film angeschaut habe. Das war wohlgemerkt noch vor DVD, Blu-ray und geschweige denn Streaming. Sprich, ich habe die Programmzeitschriften gewälzt und mir jede Nacht ein paar interessante Filme herausgepickt, mit denen ich dann unseren topmodernen Showview-Videorekorder gefüttert habe. Aber ich schweife ab. Auf jeden Fall habe ich „Fortress“, neben u.a. „Wedlock“ (einem anderen Sci-Fi-Fluchtfilm mit Rutger Hauer), in dieser Zeit für mich entdeckt und lieben gelernt.

Man merkt Stuart Gordons Film sein niedriges Budget und die Entstehungszeit deutlich an. Allerdings ist auch unbestreitbar, dass er das Meiste aus seinen Beschränkungen herausholt. Trotz nur weniger Schauplätze, wirkt die Festung stets wie ein realer Ort. Auch die Schauspieler sind durchaus sehenswert: Neben Christopher Lambert in der Hauptrolle, gibt es mit Kurtwood Smith einen echten Genre-Haudegen (u.a. „RoboCop“) zu sehen. Lustig fand ich es zudem, Clifton Collins Jr. in einer sehr frühen Rolle zu sehen, nachdem er mir kürzlich erst in der TV-Serie „Westworld“ über den Weg gelaufen ist. Am beeindruckendsten fand ich jedoch die Aktualität des Films: Von der Ausnutzung von Staatsmacht, über überfüllte Gefängnisse bis hin zur Gefahr durch Künstliche Intelligenz besetzt der Film einige aktuelle Themen. Als die Protagonisten am Ende dann von den USA aus ins sichere Mexiko fliehen, konnte ich mir ein Lächeln nicht verkneifen.

Fazit

Auch wenn „Fortress: Die Festung“ audiovisuell ein wenig Staub angesetzt hat, so konnte mich der Film auch heute noch bestens unterhalten. Ganz kann er sich seines B-Movie-Status nicht erwehren, aber das macht auch nichts. Kein großes Kino, aber ein Film aus einer anderen Zeit, in der Kino einfach noch nicht so sehr wie heute auf Massengeschmack getrimmt war. Mag ich immer noch sehr: 7/10 Punkte.

John Rambo – OT: Rambo (2008)

Der letzte Urlaubstag stand heute erneut im Zeichen des Aufräumens und Ausmistens. Dabei sind so einige Schätze ans Tageslicht gekommen. Am Abend wollte ich, nachdem alle im Bett waren, nur noch Abschalten und habe somit „John Rambo“ in den Player geschoben. Damit kenne ich nun endlich jeden Film des Franchises, das ich erst im Frühling diesen Jahres begonnen habe nachzuholen…

John Rambo (2008) | © Warner Home Video

John Rambo (2008) | © Warner Home Video

Ein alter Mann metzelt sich durch den Dschungel

Sieht man einmal vom großartigen ersten Teil ab, war die Reihe bisher geprägt von dummen Sprüchen und sinnloser Gewalt. Etwas Ähnliches erwartete ich auch von der verspäteten Rückkehr der 80er-Jahre-Ikone. Die hier gezeigt Gewalt ist jedoch noch einmal einige Stufen brutaler und vor allem grimmiger geworden. Zudem ist uns der Konflikt in Burma bzw. Myanmar heute viel näher als der Vietnamkrieg, den wir nur aus Geschichtsbüchern kennen. Spätestens mit Auftritt der Söldnertruppe, kommt aber dennoch wieder das Gefühl eines 80er-Jahre-Actionstreifens auf, was in Kombination für eine seltsame Mischung sorgt.

Mit nur gut 80 Minuten Laufzeit (ohne Abspann), ist „John Rambo“ knackig erzählt und hält sich nicht lange mit Dialogen oder Füllszenen auf. Große Teile des Films, genauer gesagt die gesamte Befreiungsaktion, haben mich stark an „Rambo 2: Der Auftrag“ erinnert. Die übertriebene Action und das reihenweise Abschlachten von allen möglichen Kämpfern, hat den Film näher an „Rambo 3“ verortet. Die letzte Szene bildet dann sogar die Klammer zum ikonischen „First Blood“. Von allem etwas, ohne jedoch auch nur annähernd die Bedeutung oder Kraft des ersten Teils zu erreichen. Auch die Botschaft, dass letztendlich nur Waffengewalt etwas ausrichten kann, wurde viel zu platt vorgetragen und ist zudem auch nicht mehr zeitgemäß. Doch schließlich ist das hier „John Rambo“. Was will man da schon erwarten?

Fazit

Wie bereits bei den vorangegangenen Fortsetzungen, hatte ich durchaus meinen Spaß an der actionreichen Geschichte. Ob ich mich mit der Kombination aus ernsthafter Gewalt, markigen Sprüchen und fast schon comichafter Eskalation aber so wirklich anfreunden kann? Die letzte Szene hat mich dann doch versöhnlicher aus dem Film gehen lassen, als ich das zuvor vermutet hätte. Und ja, die Befreiungsaktion war spannend und die Action durchaus mitreißend. Insgesamt aber ein wenig zu unentschlossen, was den Erzählton angeht: 6/10 Punkte.

Pixels (2015)

Heute haben wir zum ersten (und vermutlich auch einzigen) Mal in diesen Ferien etwas unternommen: Wir waren mit Freunden im Indoor-Spielplatz und die Kids hatten Zeit nach Lust und Laune zu toben. Am Nachmittag ging dann unser Projekt Keller weiter, was uns am Abend ganz schön platt auf das Sofa fallen ließ. Mit „Pixels“ fiel die Wahl deshalb auf einen Film, der nicht sonderlich viel Aufmerksamkeit erfordern dürfte…

Pixels (2015) | © Sony Pictures

Pixels (2015) | © Sony Pictures

Knallbuntes Popcorn-Kino in Pixelform

Ich kann mit Adam Sandler nicht sonderlich viel anfangen. Allerdings hat mich die Idee hinter „Pixels“ zu sehr gereizt, als dass ich den Film hätte ignorieren können. Leider waren die Kritiken allesamt ziemlich unterirdisch, so dass ich mich auf das Schlimmste eingestellt habe. Und was soll ich sagen? Ich kann das nicht wirklich nachvollziehen. Sicher reitet der Film die Nerd-Retro-Welle ziemlich tot, doch damit ist er ja in bester Gesellschaft. Auch der Humor ist bei Weitem nicht so zotig, wie ich das von einem Adam-Sandler-Film befürchtet hätte. Vielleicht liegt das auch daran, dass mit Chris Columbus ein sehr erfahrener Regisseur im Genre der Familienfilme (z.B. „Kevin: Allein zu Haus“) am Werk war. Der Film ist immer noch sehr überzogen und der Humor flach, doch konnte ich mich durchaus an der Absurdität erfreuen.

Beim Erscheinen im Jahr 2015 war es vermutlich einfach zuviel für die Zuschauer, dass Kevin James (Doug aus „The King of Queens“) den US-Präsidenten spielt. Aus heutiger Sicht wirkt das leider schon gar nicht mehr so absurd. „Pixels“ nimmt sich hier nicht sonderlich ernst und spielt seine absurde Prämisse komplett aus. Natürlich sind es gerade die jahrelang verachteten Nerds, die am Ende den Tag retten. Und die heißen Frauen abbekommen. Klar. Endlich zahlt es sich aus, die gesamte Jugend mit Videospielen verbracht zu haben. Boom. Das alles wird aber so überzogen dargestellt (besonders herrlich ist Peter Dinklage als Fireblaster), dass man die Geschichte einfach nicht ernst nehmen kann. Aber vielleicht war dieser unstete Ton (stets schwankend zwischen Familienfilm, platter Komödie und Nerd-Fest) auch das Problem des Films.

Fazit

Auch wenn „Pixels“ bei Weitem kein großes Kino ist, so hatte ich doch viel Spaß damit. Er ist teils sehr liebevoll gemacht (z.B. das 8-Bit-Outro) und bietet rasante Action-Szenen mit netten (aber stets offensichtlichen) Referenzen. Den Hass, den man aus einigen Besprechungen herausliest, kann ich nicht nachvollziehen. Einfach eine nette Actionkomödie mit ungewöhnlichem Setting: 6/10 Punkte.

Es – OT: It (2017)

Am Halloween-Abend musste natürlich ein Horror-Film in den Player wandern. Nachdem schon alle Nachbarskinder geklingelt hatten, erhofften wir uns dafür auch die nötige Ruhe. Und tatsächlich sollten wir die Neuverfilmung von „Es“ völlig ungestört und in einer für Horror perfekten Stille erleben. Ob mich der Film deshalb, wie erwartet, zu packen wusste?

Es (2017) | © Warner Home Video

Es (2017) | © Warner Home Video

Keine Angst vor diesem Clown

Eigentlich bringt „Es“ alles mit, was ich an Filmen liebe: Eine klassische Coming-of-Age-Geschichte, die Erinnerungen an „Standy by Me“ oder „Die Goonies“ weckt, die 1980er Jahre als atmosphärische Kulisse und gezielt eingesetzte Horrorelemente. Was soll da noch schief gehen? Zumal ich ja bereits den 1990er TV-Film immer noch sehr mag und ich daran nur die zweite Hälfte und speziell das Finale schwach finde. Hier nimmt sich Regisseur Andrés Muschietti nun 135 Minuten Zeit, um den famosen ersten Teil der Geschichte zu erzählen. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie ich mich darauf gefreut habe. Und zu Beginn sah auch alles noch gut aus…

Stammleser meines Blogs wissen, dass ich ein ziemlicher Angsthase bin, wenn es um Horrorfilme geht. Ich liebe das Genre zwar, doch sitze ich bei jedem zweitklassigen Geisterfilm fast schon hinter dem Sofa. Kurz: Ich bin sehr empfänglich für Grusel, Atmosphäre und jegliche Art von unterstützender Inszenierung. Selbst den 1990er „Es“ fand ich, zumindest in der ersten Hälfte, tatsächlich ziemlich unheimlich. Bei der aktuellen Neuverfilmung jedoch habe ich davon absolut nichts gespürt. Pennywise ist ein müder Abklatsch der Tim-Curry-Version und die Schockeffekte werden viel zu plakativ eingesetzt. Selbst ich habe diese zehn Meilen gegen den Wind gerochen. Viel zu viel CGI, viel zu wenig Stimmung, Atmosphäre und kreative Einfälle. Gegruselt habe ich mich nicht. Und das mag etwas heißen.

Die 80er Jahre in (zu) perfekter Kinoversion

Viel besser als die Horrorelemente hat für mich der Coming-of-Age-Teil funktioniert: Die Kleinstadtatmosphäre wurde (fast schon zu) perfekt getroffen und ich mochte gerade die unbeschwerteren Szenen zwischen den Kids. Das hatte Gefühl und ich hätte gerne mehr Zeit mit ihnen verbracht. Doch auch hier wirkte alles fast schon schablonenhaft an den Erwartungen ausgerichtet. Alles ein wenig zu perfekt, ja zu kulissenhaft. Die Bösen sind so richtig böse, die Loser zu bewusst als Außenseiter gezeichnet, die Schauplätze (z.B. die Gruselvilla) zu plakativ inszeniert usw. Einfach drei Schippen zu viel von allem. Man merkt, dass hier ein Idealbild des 80er-Jahre-Kinos gezeichnet werden sollte. Oberflächlich ist das auch gelungen, doch zwischen den Zeilen lässt der Film eben diesen besonderen Charme vermissen.

Fazit

Auch wenn ich nun fast nur aufgezählt habe, was mich an der Verfilmung stört (es ist die Enttäuschung, die aus mir spricht), so hatte ich doch viel Spaß mit „Es“. Ich mochte die Stimmung und die Bilder des Films sehr gerne. Auch die Rollen sind toll besetzt. Man spürt die Harmonie zwischen den Charakteren. Allerdings ist „Es“ eben nicht der erwartete Coming-of-Age- und Horror-Überhit, den ich erwartet hatte. Nein, es ist nur eine mit modernen Mitteln überproduzierte Neuauflage der klassischen Geschichte. Nun bin ich tatsächlich gespannt, was Muschietti und Co. aus dem schwierigeren zweiten Kapitel machen. Hier sollte es nicht schwer sein, die 90er-Jahre-Fassung zu übertrumpfen: 7/10 Punkte.

Asterix der Gallier – OT: Astérix le Gaulois (1967)

Was für ein Tag! Das Zappelinchen hatte heute eine kleine, ambulante OP (sie war sooo tapfer!), ich habe zehn Stunden im Keller verbracht und Möbel aufgebaut (der Zwergofant war mir dabei eine große Hilfe) und Frau bullion war abends einmal wieder strawanzen. Aufgrund der tollen Leistungen der Kinder, war ein Fernsehabend als Belohnung gesichert. Die Entscheidung ist auf „Asterix der Gallier“ gefallen, von dem ich mir einen entspannten Filmabend für alle Zuschauer erhoffte…

Asterix der Gallier (1967) | © STUDIOCANAL

Asterix der Gallier (1967) | © STUDIOCANAL

Auch nach über 50 Jahren noch unterhaltsam

Ich muss zugeben, dass es gerade der erste Asterix-Film bei mir damals eher selten in den Videorekorder geschafft hat. „Asterix erobert Rom“ war unangefochten an der Spitze, doch selbst die anderen Filme haben den ersten filmischen Auftritt des Galliers stets verdrängt. Die Geschichte ist zu gewöhnlich und der Zeichenstil nicht sonderlich ausgefeilt. Das habe ich selbst als Kind gemerkt – und dennoch habe ich ihn über die Jahre immer mal wieder gesehen. Da der Zwergofant neulich eine Asterix-CD aus der Bücherei mitbrachte, dachte ich, es sei vielleicht eine gute Idee, die Kinder an dieses europäische Kulturgut heranzuführen. Und das war es auch.

Mir waren viele Szenen noch im Kopf und manche Sätze der Neusynchro aus dem Jahr 1984 hatten sich mir ins Gedächtnis eingebrannt. Allerdings hatte ich auch die Befürchtung, dass „Asterix der Gallier“ für die Kinder zu angestaubt wirken könnte. Die Animationen sind nicht gut gealtert und man merkt, dass der Film bereits damals nicht alles aus dem Stoff herausgeholt hat. Aber was soll ich sagen? Es war der erste Film, bei dem der Zwergofant keine Angst hatte. Das Zappelinchen hat ein paar Mal laut gelacht. Und ich? Ich habe mich einfach an den Reaktionen der Kinder erfreut.

Fazit

Nein, „Asterix der Gallier“ ist auch aus heutiger Sicht mit dicker Nostalgie-Brille kein großer Klassiker des Animationsfilms. Es sind die ersten Gehversuche des Galliers in einem neuen Medium. Aufgrund der gelungenen Rahmenbedingungen und des stressigen Tages mit Happy End, drücke ich aber gerne zwei Augen zu und lasse die Bewertungen der Kinder mit einfließen: 7/10 Punkte. Der nächste Asterix-Abend ist schon beschlossen… 🙂

Wind River (2017)

Nachdem ich mir heute beim Kauf von fünf großen Schränken für unseren Keller (ja, wir sind mit zwei Autos beim Möbelhaus angerückt) den Rücken ruiniert habe, wollte ich am Abend nur noch auf das Sofa. Ich wollte einen Film ohne zu viel Action und Aufregung sehen und habe deshalb zu „Wind River“ gegriffen, der Dank eines Gewinnspiels von Passion of Arts seinen Weg in meine Sammlung gefunden hat…

Wind River (2017) | © Universum Film GmbH

Wind River (2017) | © Universum Film GmbH

„Luck don’t live out here.“

Ich habe im Vorfeld gar nicht viel über den Inhalt von „Wind River“ in Erfahrung gebracht. Einzig der Name Taylor Sheridan hat mich aufhorchen lassen, hat er doch in den ersten beiden Staffeln von „Sons of Anarchy“ eine bedeutende Rolle gespielt. Auch als Drehbuchautor war mir Sheridan ein Begriff und nun also sein (von einem kleinen Horror-Streifen einmal abgesehen) Regie-Debüt. Und ein ziemlich beeindruckendes: Der Regisseur hat sein eigenes Drehbuch, das mit spröden Dialogen angereichert ist, in eine ebensolche Landschaft versetzt. Die Inszenierung ordnet sich der der kargen, weißen Welt unter. Nur selten explodiert die Gewalt. Wenn, dann aber richtig. Am Ende bleibt nur ein unbestimmt bedrückendes Gefühl zurück. Chapeau, Herr Sheridan: Das ist verdammt viel für solch einen an sich eher simplen Kriminalfilm.

„This isn’t the land of waiting for back up. This is the land of you’re on your own.“

Die beiden Hauptdarsteller Jeremy Renner und Elizabeth Olsen haben mich beide sehr positiv überrascht. Überhaupt ist die Besetzung, bis hin zum Opfer und den Tätern, sehr gelungen. Sheridan holt auch genau das aus den Schaupielern heraus, was in den jeweiligen Szenen nötig ist. Keinen Deut mehr. Vielleicht liegt es auch an der kargen Landschaft, dass der gesamte Film sehr effizient inszeniert wirkt. Als wollte man keinerlei unnötige Energie verschwenden. Das trifft auch auf die Rückblende im letzten Drittel des Films zu, die mich getroffen hat, wie schon lange keine Szene mehr, die filmische Gewalt zeigt. Wirklich harter Tobak, den ich erst noch verdauen muss.

Fazit

„Wind River“ wird seinem guten Ruf absolut gerecht. Taylor Sheridan hat auch als Regisseur Talent bewiesen und ich bin sehr gespannt, was von ihm noch kommt. Selbst wenn es sich hierbei nur um eine recht geradlinige Kriminalgeschichte handelt, so überzeigt der Film durch seine Stimmung und Atmosphäre. Er ist komplett auf das Wesentliche reduziert und das macht ihn auch so stark: 8/10 Punkte.